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mismus, der damit rechnete, die Sowjetheere wür­den den Engländern die Aufgabe, die Deutschen zu schlagen, abnehmen, habe zu einer gefährlichen Verminderung der britischen R ü - stungsproduktion geführt, die in manchen Bezirken um über 30 Prozent gesunken sei.

Der lange Arm.

Die Luftwaffe hat einen langen Arm und greift sich weit ab von den Küstengewässern die englischen Schiffe. Das ist an sich eine alte Sache. Aber sie wird neu durch eine Steigerung der Reichweite auf bisher ungeahnte Entfernungen. Der Wehrmacht­bericht vom 22. September meldet, daß die Luft­waffe am Sonntag 1600 Kilometer westlich La Rochelle einen Tanker von 6000 BRT. ver­senkt hat. Es handelt sich dabei nicht um einen reinen Zielflug, sondern das Fernkampfflugzeug muß in dieser Entfernung sein Opfer er st suchen und sichten und dann wieder zur Küste zu­rückkehren. Man wird vielleicht schätzen dürfen, daß dieses Fernkampflugzeug mit Hin-, Patrouillen- und Rückflug 4000 Kilometer zurückqelegt und wäh­rend des größeren Teiles dieses Fluges auch die Bombenlast getragen hat. Die bisher weitesten Wirkungsentfernungen deutscher Fernkampfflug­zeuge waren zu Kriegsbeginn die Shetlands-Inseln und späterhin Versenkungen in den Gewässern süd­westlich von Cadiz. Zum Vergleich sei darauf hin­gewiesen, daß die gesamte Ostfront von der Kola­halbinsel bis zum Schwarzen Meer etwa 3000 Kilometer mißt, also in ihrer Ausdehnung nicht die von diesem erfolgreichen Fernkampfflugzeug zurück­gelegte Strecke erreicht!

Littleton verhandelt im Nahen Osten-

Ankara, 22. Sept. (Europapreß.) Eine amt­liche Mitteilung der transjordanischen Regierung gibt bekannt, daß der britische Minister für den Rahen Osten, Oliver Littleton, in Amman weilte, wo er die Möglichkeit eines syrisch-trans- jordanischen Zusammenschlusses besprach. Littleton erklärte, daß für die Dauer des Krieges eine wesent­liche Veränderung des gegenwärtigen volitischen Status in Vorderasien nicht zu erwarten sei, da die verschiedenen Interessen nicht auf einen Nenner zu bringen seien.

Gtapellauf derMaffachusett 3*.\

Washington, 22. Sept. (Europapreß.) Das neue nordamerikanische 35 000-1-SchlachtschiffMas- sachusett 3" soll am Dienstag unweit Boston vom Stapel laufen. DieMassachusetts' ist ein Schwester­schiff der drei vor 16 Monaten vom Stapel ge­lassenen SchlachtschiffeNorth-Carolina",Washing­ton" undSouth-Dakota".

Französisch-Westafrika hinter pstain.

Vichy, 22. Sept. (Europapreß.) Der General­gouverneur von Französisch-Westafrika, General B o i s s o n, erklärte in Vichy, daß mit Ausnahme d^s Tschaügebietes sich das gesamte Französisch- Westafrika fest in französischer Hand be­finde. Keine einzige Verkehrslinie sei durch die de- Gaulle-Bewegung gestört. Die ihm in Französisch- Westafrika unterstellten sieben Regierungsbezirke stünden rückhaltlos hinter der Politik des Marschalls

Kleine politische Nachrichten.

Der Führer hat dem Dr.-Ing. e. h. Robert Bosch zu seinem 80. Geburtstage in Würdiaung seiner Verdienste um die Entwicklung des deutschen Kraftfahrwesens herzliche Glückwünsche übermittelt.

In der Nacht zum 19. 9. versuchten die Briten, Spähtrupps gegen die deutsch-italienischen, Stellun­gen im westägyptischen Grenzgebiet vorzuschicken. Die' Briten näherten sich, von Panzern unterstützt, länas der Küste, wurden aber durch das Feuer der Achsentruppen zum Stehen gebracht und mußten sich zurückziehen.

*

Zwei italienische Motorschiffe mit Truppen, die in einem Geleitzug fuhren, wurden auf der Höhe von Tripolis durch Torpedos versenkt. Nahezu sämt­liche an Bord befindliche Soldaten und die Schiffs­mannschaften wurden von den geleitenden Kriegs­schiffen und von anderen Einheiten gerettet.

Oie Einnahme der Insel Oesel.

Der Name der Insel Oesel haftet gut im deutschen Ohr: vielleicht weil in den schweren Kämpfen vom 11. bis 20. Oktober 1917 der Dichter Walter Fl ex auf Oesel fiel. Der Wehrmachtbericht vom 20. September teilt mit, daß zunächst die kleineren Inseln Worms und Moon genommen wurden. Don Moon stieß am 16. September Hauptmann Pankow über den teilweise zerstörten Damm vor, der Moon mit dem Ostteil der Insel Oesel ver­bindet.

Die vier baltischen Inseln sperren den Eingang zum Rigaer Meerbusen. Man kann noch zu ihnen zählen die Insel Runü, die weiter südlich gegen Riga zu liegt, und die Insel K y n ö vor der Bucht von Pernau. Die größte dieser Inseln ist Oesel mit einem Umfange von 2618 qkm und 40 000 Ein­wohnern. Sie ist räumlich um fast ein Fünftel größer als Anhalt, wird aber nur von einem Sie­bentel der Einwohner bewohnt. Die Insel scheint durch Halbinseln und durch Vorgebirge ziemlich ge­gliedert. Aber diese Gliederung nützt der Schiffahrt wenig. Es gibt nur wenige Buchten, die für Schiffe zugänglich sind und Landungen erleichtern. Gerade darum war die Heldentat der Kompanie des Haupt­manns Pankow wichtig. Die Insel D a g ö umfaßt nur 960 qkm, ist also etwas größer als das Stadt­gebiet von Berlin. Die Inseln Moon und Worms sind gar nur 207 bzw. 93 qkm groß, ernähren eine bescheidene Bevölkerung von Fischern und Bauern und gewinnen nur Bedeutung als Sprungbrett vom Festland zu den größeren Inseln Oesel und Dagö, denen sie vorgelagert sind.

Die Bolschewisten haben die Inseln 1940 besetzt, ihre Bevölkerung sofort ausgesiedelt und Befesti­gungsarbeiten unternommen. Denn die Inseln, die der Rigaer Bucht vorgelagert sind, liegen zugleich am Südeingang des 400 km langen Finnischen Meerbusens, in dessen hinterstem Winkel Kronstadt

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und Leningrad liegen. Eben darum haben sich die Bolschewisten auch im Frieden vom März 1940 das Besatzungsrecht der Stadt und Halbinsel H a n g ö am Nordeingang des Finnischen Golfes vorbehalten und auf diese Weise eine Sperrlinie zwischen Hangö im Norden und den baltischen Inseln im Süden errichtet. Diese Sperrlinie ist in den letzten Tagen illusorisch geworden. Deutsche Flottenverbände ope­rieren bereits tief im Finnischen Golf.

Die Schlacht in der Nogaischen Steppe.

Zwischen Onjepr und Asowschem Meer.

Von Kriegsberichter Gerhard Errrskötter.

DNB. ... 22. Sept. (PK.) Budjenny wußte, um was es ging, er hoffte auf die N o g a i f ch e Steppe, hoffte, diesmal den deutschen Vormarsch im Süden zum Stehen zu bringen. Als wir die Dnjepr-Brücke passiert hatten und auf dem Damm zwischen Sümpfen, Weidengruppen und Buschwerk ostwärts wollen, begegnete uns eine endlose Ge­fangenenkolonne. An der Spitze troddelt ein Ka­mel. Lächelnd bestaunen die Fahrer der Nach- schubregimenter die seltene Trophäe. Das den Sow­jets abgenommene Tier ist derbe st eGrußder Steppe. Mit seinem Meldereiter geriet es in Gefangenschaft.

Staub Staub Staub. Gluthitze, kaum Was­ser. Meilenweit kein Baum, nur ab und zu dürre Hecken, hier und da ein Melonenfeld. Dörfer? Ein paar verfallene Lehmhütten. Sonst nichts als die Unendlichkeit der Ebene, dunkelarünes Meer eines harten Grasteppichs, unterbrochen von mageren Kornfeldern, das ist die Nogaische Steppe. Alle Vorteile sind hier beim Verteidiger, beim Bolsche­wisten. Sie können die wenigen vorhandenen Brun­nen meist haben die Schächte eine Tiefe von 60 Meter verschütten oder vergiften. Sie brau­chen nur zu warten, bis der Gegner in Sicht kommt, um ihn in dem deckungsarmen Gelände mit Feuer au überschütten. Es genügt, wenn ihre Bomber in die Hecken werfen sicherlich stehen dort irgend­welche Fahrzeuge in Deckung so kalkulierte auch Budjenny. Nach menschlichem Ermessen mußte die Erweiterung des kleinen Brückenkopfes der Ger- manski leicht zu verhindern sein.

Ein Massenaufgebot der bolschewistischen Artillerie versuchte tagelang durch schwerstes Feuer den Fort­gang der deutschen Operationen zu ersticken. Keinen Meter wichen jedoch unsere Feldgrauen, im Gegen­teil, sie gewannen weiter Boden. Mit Unterstützung der eigenen Artillerie gelang alsbald ein Durchstoß. Wütende Gegenstöße der Sowjets wurden erfolg­reich abgewiesen. Auf dem nördlichen Flügel des Brückenkopfes aber mußte eine deutsche Infanterie- Division feststellen, daß ein weiteres Vorgehen infolge stärksten Artilleriebeschusses der Bolschewisten Selbstmord gewesen wäre. Sogleich wurden nun

entsprechende Bewegungen durchgeführt, um den Widerstand der Sowjets zu brechen.

Während die Infanterie den Feind in hinhalten­den Gefechten band, stießen Aufklärungsabteilungen vor, um einer anmarschierenden Division den Weg zu ebnen. Bald stellte sich heraus, daß die gegnerische Front an einem Punkt schwächer war. Hier griff die neue Division an, drückte die Sowjets zuruck und schwenkte dann nach Osten ein. Denn es galt, in den Rücken der bolschewistischen Artillerie zu kom­men. Diese Bewegungen führten zu vollem Erfolg. In der vorgesehenen Zeit waren die starken feind­lichen Kräfte vom Westen, Norden und Osten her umschlossen. Nur im Süden konnte das Hufeisen nicht mehr vor Einbruch der Nacht zum Ring zu­sammengeschmiedet werden, so daß einige motori­sierte Batterien der Bolschewisten der Vernichtung entgingen nur für wenige Stunden. Denn Kampf­fliegerverbände der deutschen Luftwaffe zerspreng­ten am folgenden Morgen die mit knapper Not Entflohenen. Durch den kopflosen Rückzug dieser Artillerieeinheit, die anstatt nach Osten nach Süden weggedrückt wurde, geriet außerdem die weichende Front der Sowjets in heillose Verwirrung. Die Hauptmasse der von Gebirgsjägern und Infanterie eingekesselten Bolschewisten aber blieb auf der Strecke.

Die Feldgrauen siegten in der Steppenschlacht. 3500 Tote ließen die Sowjets am Platze, mehrere tausend Gefangene und zahlreiche Geschütze, Maschi­nengewehre sowie große Mengen Munition wurden eingebracht. Beispiele unvergleichlichen Heldentums von namenlosen Soldaten prägten jene Phase des Kampfes. Ohne sich von dem Feuersegen der sow­jetischen Artillerie beeindrucken zu lassen, stürmten die Männer mit dem Edelweiß an, breit ausein­andergezogen wie auf dem Exerzierplatz, dem Geg­ner geringste Zielmöglichkeiten bietend. Im Nah­kampf griffen Gebirgsjäger und Infanteristen Bat­teriestellungen der Bolschewisten an. Sie schossen die Bedienungen von Geschützen nieder und rieben sowjetische Kompanien auf, die sich zum Schutz der Artillerie davor eingegraben hatten. Blitzschnelle Stellungswechsel der motorisierten sowjetischen Bat-

Geschlagene Maulhelden.

Von unserer Berliner Schriftleitung.

Die Nachrichteypolitik des feindlichen Auslände, hat sich in den letzten Wochen wieder einmal bi, auf die Knochen blamiert. Der Londoner Rundfunk brachte es fertig, am 13. September zu behaupten, kein einziger Nazi" befände sich noch östlich de; D n j e p r, alle seien sie zurückaeschlagen und ver­trieben worden. Am aleichen Tage aber vollzog sich 200 Kilometer östlich von Kiew die Bereinigung der beiden Heeresgruppen von Bock und von Rund, stedt zur Einkreisung und Vernichtung der Armeen Budjennys. Noch am 20. September wagten die ! englischen Lügenpolitiker, der Welt zu erzählen, Kiew sei noch keineswegs von den Deutschen er­obert, sondern von Straßenkämpfen erfüllt. Wenige Stunden später aber mußten auch die hartgesotte­nen Londoner Lügner zuaeben, daß Kiew von den Sowjets geräumt sei. Diese Entlastungsoffensivr zugunsten der bolschewistischen Verbündeten ist als» gründlich mißlungen. Sie findet jedoch eine Wieder, kehr in der neuen Behauptung des Londoner Rund, funks, daß Smolensk von den Bolschewisten vollständig eingekreist sei. Die Briten haben nicht genua an den früheren Niederlagen, die ihre Maul- offensive erlitt, als sie täglich behaupteten, Smo. lensk sei in Händen der Sowjets, obwohl diese Stadt schon wochenlang von den deutschen Siegern be­herrscht wurde. Wie man sieht, lassen sich die Heim, strategen in London durch keine noch so große Bla. möge davon abhalten, die Welt mit immer neuen Märchen zu erfüllen.

Man sollte es nicht für möglich halten, daß es angesichts solcher Tatsachen noch Leute gibr, die dem britischen Rundfunk Glauben schenken oder gar die Neigung empfinden, seine Schwindeleien heimlich abzuhören. Wer das tut, sündigt nicht nur wider das Gesetz, sondern auch gegen den Geist der Wahr- heit und des Anstandes. Wir Deutsche haben es wahrhaftig nicht nötig, uns um das Geschwafel feindlicher Sender zu kümmern. Sie lügen seit mehr als zwei Jahren, während unsere tapferen Soldaten ; einen herrlichen Sieg nach dem anderen erkämpfen und mit ihrem kostbaren Blut bezahlen. Im tag, lichen Leben gilt das alte Sprichwort, daß man keinem glaubt, der einmal lügt, weil damit seine Glaubwürdigkeit für alle Fälle erledigt ist. Die eng­lischen Sender lügen nicht erst seit Smolensk und angesichts der schweren Niederlage, die ihre Ver­bündeten bei Kiew erlitten haben, sie treiben dieses dunkle Handwerk schon seit Jahren. Wer auf sie hören will, wird wider seinen Willen in trübe Stimmungen versetzt, er wird zum Saboteur des Geistes der Zuversicht und der Kraft, den unser Volk für sich beanspruchen kann. Wir glauben, daß gerade die letzten großen Ereignisse dazu beige­tragen haben, aufklärend zu wirken, denn sie haben uns bewiesen, daß der deutsche Nachrichtendienst das volle Vertrauen des ganzen Volkes verdient.

terien zwangen immer wieder zu krastverzehrenden i Nachstößen. Bis auf 20 Meter ließen die Sowjets I unsere Soldaten herankommen, knallten ihre Gre- ! naten im direkten Beschuß auf den Steppenbodeir \ Doch eifern vollendeten die Angreifer ihre Ausgabe, \ und schließlich gab es feinen Ausweg mehr für 1 frie Zerschlagenen, als Gefangenschaft oder wilde i Flucht.

Damit aber war b i e ganze Verteidi­gung s f r o n t, die Budjenny hinter dem Dnjepr I errichtet hatte, zusammengebrochen. Deutsche Bomber und Jäger sahen am nächsten Tage im ' Raume nördlich der Krim nur noch in wüsten, Durcheinander ostwärts rollende sowjetische Kolon» - nen. Pausenlos wurden diese lohnenden Ziele mit Bomben belegt. Unterdessen formierten sich die In­fanteristen zu neuen Angriffen ... Der Vormarsch durch die Nogaische Steppe geht planmäßig weiter. Das öde Land hat seine Schrecken verloren. Längst wissen unsere Feldgrauen, daß die sowjettschen Bom­ber zwar viel schmeißen, aber selten treffen, und daß sie täglich weniger werden. Durst? Nun, dagegen hat die Wehrmacht längst vorsorgliche Maßnahmen getroffen. Jede Kompanie führt genug Wasser mit, und außerdem wachsen hier herrliche saftige Me­lonen! Hart war die erste wohl entscheidende Schlacht in der Nogaischen Steppe. Manches Heldengrabi kündet von dem Opfermut des deutschen Soldaten, aber der Tod des Tapfersten öffnete uns die Straße zum endgülttgen Sieg über den Feind, der heute noch verzweifelt um eine Sache kämpft, die schon verloren ist.

Du und der Film.

Von Jürgen Schüddekopf.

Der große Zauberer der Zeit heißt Film. Der Tag vor 45 Jahren, als Max S k l a d a n o w s k y zum erstenmal im Berliner Wintergarten bewegte Reisebilder vorführte, ist die Schwelle zwischen zwei Zeitaltern: dem filmlosen und dem filmischen.

Seitdem ist der Film eine Sphinx geblieben, die ihr Gesicht und ihre wahren Züge zu verhängen liebte. Wahrscheinlich wirb es erst einer gUmge« schichte der Zukunft ganz klar werden, daß erst im Kriege, den uns England aufzwang, der Film seine wirkliche Wesensbestimmung und den legitimen Platz seiner Aufgaben fand: der umfassendste Aus- druck unseres ganzen Seins zu werden. Die Kriegswochenschauen zeigten zum erstenmal, in welchem Umfang das Zelluloid fähig ist, die seelischen Spannungen der Zeit und damit ihr großes Gesamtbild auszunehmen und wieder­zugeben.

Bis dahin, und das dürfte nock eine ganze Strecke Weges sein, ist der Film uns, seinen Besuchern ja, was ist er eigentlich für dich? Du ziehst den Mantel an, gehst um die Ecke in dein Stammkino, und wenn du zu Hause den Mantel wieder aus- gezogen, die Kartoffeln fürs Abendbrot geschält oder dich an deine Briefmarkensammlung gesetzt hast, denkst du: Kino ist doch sehr hübsch als ablenkende Unterhaltung, in die man sich mit seinen täglichen Stümmerniffen, den großen und den kleinen, flüch­ten kann.

Ein Hitterjunge, im Jahre 1925 geboren, geht mit ganz anderen Vorstellungen in den Film, als der Besucher, der schon 1925 oen Film erlebte (und nicht nur den schwarzweißen Bilderzug an sich vor­überziehen ließ). Dieser Hitlerjunge in das Publi­kum von morgen, und er ist, um es gleich zu sagen, wahrscheinlich auch das ideale Publikum, das der Film braucht. Er weiß viel besser als du und ich, was er vom Film will: ein Bild der Wirk­lichkeit, in der er an einem winzigen und oft iso­lierten Platze steht, ein B i l d d e s Lebens, an dem er einmal Anteil haben will, das er erkennen und begreifen möchte, und zwar ein Bild in der Raffung und Klarheit, wie es der Kamera, und nur ihr möglich ist. Aber natürlich will er nicht nur das. Wie das Schauspiel nicht die einzige Form des Theaters ist, sondern wie zwischen Komödie und

Tragödie, zwischen tiefsinniger Heiterkeit und tra­gischer Größe viele lebensfähige und lebensberech­tigte Formen des Theaters entstanden find, wirb auch der Film viele Formen haben. Der Unterhal­tungsfilm wird da sein, der Abenteuerfilm, das Lustspiel und das Singspiel, um nur einige zu nen­nen; aber sie alle werden nicht mehr aus dem him­melblauen Wunschland der Zelluloid-Traumschlösser stammen, sondern Züge des Lebens tragen, in dem auch du stehst.

Jeder kennt die Kräfte, die im Film am Werke sind: den Regisseur, den Autor, den Kamera-Mann, den Architekten, den Schauspieler, den Beleuchter, den Maskenbildner, und alle die unzähligen Berufe, die in dem weitverästelten, unendlich mühsamen Arbeitsprozeß Film eingesetzt sind. Die meisten ken­nen auch die Kräfte, die im Hintergrund des Films am Werke sind, angefangen beim Produktionsleiter, der ihn betreut, und beim Leiter der Firma, die ihn herausbringt, bis zu den Männern des Staates, die ihn fördern. Stets aber werden alle Gestalter des Films in Zukunft eine der Kräfte einzukalku­lieren haben, die am entscheidendsten den Film be­einflussen; das bist du, das ist das Publikum des Films.

Der deutsche Film zählte im vergangenen Jahr eine Milliarde Besucher. Das ist eine enorme Zahl. Aber es ist nicht nur ein schönes und stolzes Zeichen für die Kriegsarbeit des deutschen Films. Es tft auch und vor allem eine Verpflich­tung. Diese eine Milliarde jährlicher Besucher be­deutet: der Film muß eine Kunst f ü r alle sein, mir alle wollen den Vorbildern unseres Lebens in ihm begegnen. Der Film als echte Volkskunst, das ist eine herrliche und schwere Kunst. Dem neuen deutschen Film ist sie mit einigen seiner letzten Spitzenleistungen geglückt, in denen er in die un­mittelbarste Wirklichkeit unserer Tage gegangen ist, wie z. B. in dem TobissilmKampfgeschwa­der L ü tz o w". Daneben sind es besonders die Filme, in denen im Bilde der deutschen oder Welt­geschichte Züge der Gegenwart geklärt wurden und gleichzeitig Vorbilder kämpferischen Lebens aufge­richtet werden, wie es in dem TobisstlmBis­marck" geschah, wie es Veit HarlansGroßer König" tun wird und unter welthistorischen Aspekten ,2hm Krüger" mit Emil Iannings.

In dieser Stunde kommt es auf das Publikum an, ob der Film auf der Linie der Volkskunst weiter- arbeiten kann, oder aber ob du ihn nicht als Ausdruck.

der Zeit und deines Schicksals, sondern als Amüsier- klamauk mit gelegentlichen ernsten Untertönen an» sthen willst. Der Fllm hat, nicht ohne seine und deine Schuld, dreißig Jahve Entwicklung vertun müssen, weil er den falschen Flitter aus der Wunsch­traumkiste des Jahrmarktes nicht überwand, auf dem er zur Welt gekommen ist. Der Film ift dabei, den Jahrmarkt endgültig zu liquidieren. Nun ist es höchste Zeit, daß auch wir den Jahrmarkt überwin­den, daß wir uns nicht mehr uns schnell Hut und Mantel anziehen und denken: na ja, das ist eben Kintopp", und draußen, da geht das Leben wei­ter. Das Leben ist in die deutschen Filme einge­zogen, dasselbe Leben, das du leben mußt, tagaus, tagein, regiert im Kino; nur in seiner unendlichen Vielfalt und seinem weiten Reichtum eingefangen in dem winzigen Auge der Kamera, das für dich hungrig alle Räume der Geschichte und der Welt durchzieht.

Sieben auf einen.

Eine Blücher-Anekdote von Fritz Nölle.

Während des Siebenjährigen Krieges schlug sich Schweden auf die Seite der Gegner Friedrichs oes Großen, fiel in Rügen und Pommern ein und schar- mützelte hier und dort, ohne daß es zu einem rech­ten Kampfe gekommen wäre, denn der Preußen- känig achtete diesen neuen Feind wenig und mußte zudem seine Truppen anderwärts gebrauchen.

Der junge Blücher sah in Rügen das Husaren­regiment Mörner, verliebte sich in den bunten Rock und trat als Fahnenjunker bei den Schweden ein, und kein Zureden brachte ihn zurück. Er fühlte sich zum erstenmal im Leben wahrhaft in feinem Ele­ment, war immer an der Spitze, wenn es einen Handstreich galt, und nie ging es ihm toll genug her.

Als sie eines Tages dem preußischen Husaren­regiment Billing gegenüber lagen, versuchte er mit jungenhaften Foppereien die Gegner aus ihrer Re­serve zu locken, die sie auf Befehl einhielten, weil ihnen eine andere Aufgabe gesetzt worden war. Doch reizte er einen alten Husaren so zum Zorn, daß er auf den Naseweis einstürmte, ihn gefangen zu neh­men. Das gelang ihm auch, denn Blüchers Pferd stürzte, von einer Kugel getroffen. Der bärenstarke Gegner hob den leichtfertigen Fähnrich zu sich in den Sattel und lieferte ihn bei den Preußen ab.

Blücher kratzte und fauchte, denn dies ging ihm sehr gegen hen Strich, und er ahnte noch nickt, daß hier das Schicksal eingegriffen hatte, um ihn. auf eine bessere militärische Laufbahn zu bringen. Spater erinnerte er sich mit Lachen an diese Ge­fangennahme, wurde er doch so ein preußischer Sol. bat, kam zu den rechten Leuten und hatte Erfolg.

Nach langen Jahren nun Blücher war längst General geworden meldete sich ein eisgrauer Krieger bei ihm, entpuppte fick als der Husar, der ihn damals überlistet, und wuroe mit Freuden emp- ß?rWn' Gast geladen, bewirtet und beschenkt. Blücher horte Einzelheiten, die ihm schon entfallen waren, und freute sich, seine Dankesschuld abtragen zu können.

Um so größer war seine Verwunderung, als sich nach einem halben Jahr ein zweiter Krieger mei- dete und ebenfalls an gab, er habe seinerzeit den Fähnrich zu den Preußen herübergeholt, und war jener aus Schlesien, so stammte dieser aus Posen, wußte andere Einzelheiten und trug die Nase just im Gesicht wie sein Vormann.

Blücher wollte hier kein Richter sein; auch dieser wurde gastlich bewirtet und beschenkt, und ebenso ging es den fünf anderen, die im Lauf der Zeit noch dazukamen und alle das gleiche Verdienst für stF> 'n Anspruch nahmen. Jetzt aber war Name und Wohnung der alten Helden genau vermerkt worden, und Blücher machte sich den Spaß, alle sieben zu sich einzuladen, stellte sie einander vor, ermahnte sie zur Friedfertigkeit und forderte sie auf, sich nun auf den richtigen zu einigen, weil es ja nur einer sein könnte.

Als er nach einer Viertelstunde wieder m das Zimmer trat, erwartete er, verlegene Gesichter zu sehen aber dem war nicht so, vielmehr blickte jeder den anderen eisern an, und ihr Sprecher er­klärte, jeder beharre bei feiner Aussage es blieb also dem General Blücher überlassen, sich den ech­ten auszusuchen.

Blücher schaute alle der Reihe nach scharf an, kniff die Brauen über der Nase zusammen und mckte dann.

,Hhr habt alle recht", sagte er schmunzelnd,der einzige, der geirrt hat, muß ich selbst sein, da ich nur einbildete, es wäre nur einer gewesen, der mich damals gefangennahm. Sieben taten einen Streich so hört es sich auch besser an im Buch der Ge­schichte und nun wollen mir den Abendschoppcn kommen lassen."