Japan und die neue Ordnung.
Die Worte, mit denen Ministerpräsident K o» noye und Außenminister M a t s u o k a den japanischen Reichstag eröffneten und in denen die Stellung Japans klar umrissen rourbe, sind deshalb von besonderer Bedeutung, weil ihnen Verhandlungen mit den Chefs der verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Gruppen oorausgegangen waren, die zu einer völligen innerpolitischen Einigung führten. Dem Plan eines inneren Umbaues Japans haben sich auch Elemente angeschlossen, die bisher liberalistifch schillerten, soweit man in Fernost überhaupt liberal fein kann, denn die Notwendigkeit, Japan lebenskräftig zu machen, wird umso großer, je näher die Entscheidungen über das Schicksal der Gesamtpolitik heranrücken. Wenn Japan bisher nur den Konflikt mit Marschall Tschiangtaischek zu fahren hatte, so trat im Verlaufe der Kämpfe der unverhohlene Wider st and der USA. und Englands hinzu, die dem natürlichen Bestreben Japans Sperrblöcke in den Weg rollten und ganz offen die Partei von Tschunking nahmen. Damit erweiterte sich der fernöstliche Konflikt zu einer arund- fätzlichen Auseinandersetzung zwischen dem Angel- sachsentum und der Vormacht Asiens, genau so, wie in Europa der Angriff der englischen und französischen Plutokratie auf die Träger der neuen Ordnung, Deutschland und Italien, den Zusammenprall der plutokratisch-imperialistischen und der national- sozialistisch • faschistischen Welten herbeiführte, bei dem die eine oder die andere Welt untergehen muß.
In seiner ganz klaren außenpolitischen Rede hat sich Matsuoka abermals zur Errichtung einer neuen Weltordnung bekannt, die an die Stelle der pluto- kratischen zu treten hat und jedem Bold seinen Raum und seine Stellung gibt, diese Völker aber frei macht von der schweifenden und anarchischen Herrsucht und und Bevormundung der angelsächsischen Plutokra- tien. In diesem Sinne ist der D r e i e r p a k t vom 27. September 1940 zwischen Deutschland, Italien und Japan zustande gekommen. Er hatte den Zweck, die Monroelchre, die die USA. für ihr Festland vertraten, auf Europa und Asien anzuwenden. Die eurasischen Vormächte erklärten, jeder Einmischung von dritter Seite in die gegenwärtigen Konflikte gemeinsam Widerstand, auch mit den Waffen, zu leisten. Daß der Pakt sich nicht gegen die Sowjetunion richtete, ist nicht nur in Artikel 5 des Paktes klargelegt, sondern auch durch nachfolgende Verträge der beteiligten Paktstaaten mit Moskau entgegen den spekulativen Hoffnungen der Angelsachsen einwandfrei bewiesen worden.
Gegenüber der lärmenden Hetze in den USA., die angeblich die Demokratie retten wollen und sich selbst als Reservoir dieser Demokratie betrachteten und vor allem gegenüber Roosevelts Drohungen auch an Japans Adresse, war die Stellung Matsuo- kas ganz klar. Die USA. zeigten die eigene Monroedoktrin zugunsten eines imverialistisch-plutokrati- schen Internationalismus hintan, Nur aus diesem Grunde unterstützten sie die Engländer und haben sie in Fernost das Prinzip der sogenannten offenen Tür, durch die das Dollar-Amerikanertum beherrschend, korrumpierend und zersetzend eindringt, vertreten, damit aber zugleich der Neuordnung eines größeren Asiens und einer japanischen Lebensfrage Fehde angesagt. Die Diskriminierung des japanischen Handels durch die USA., die Verbote der Ausfuhr von Rohstoffen nach Japan find unzweifelhaft Akte, die nicht gerade vom friedlichen Willen der Washingtoner Regierung zeugen und übrigens auch in gleichartigen Schritten Englands ihre Ergänzung finden. Matsuoka sprach es offen aus, als er sagte, er würde eine solche Haltung der USA. um des Friedens im Pazifik und um des Weltfriedens halber bedauern, und wiederholte unmißverständlich feine Stellungnahme nachmals: „Sollten die USA. in den europäischen Krieg verwickelt werden und sollte Japan gezwungen sein, am Kriege teilzunehmen, so würde ein neuer Weltkrieg entstehen." Denn daß für Japan die volle Verpflichtung zum Beistand der Achsenmächte ebenso besteht wie diese Verpflichtung unsererseits gegenüber Japan, wurde mit Berufung auf Artikel 3 des Drei- Mächtepaktes von Matfuoka nachdrücklich unterstrichen. Damit ist klar und eindeutig Japans Stellung gegeben, und die USA. werden sich danach zu richten haben. E. S.
Kampfstaffel versenkte über H4S000ZMT.
Der deutsche Bericht vom Donnerstag.
Berlin, 22.Ian. (DNB.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Die Luftaufklärung über England und dem Atlantik wurde auch gestern fortgesetzt. Hierbei belegten Kampfflugzeuge kriegswichtige Ziele in London und Siidoftengland, darunter einen Fliegerhorst, erfolgreich mit Bomben. Ein feindliches Handelsschiff erhielt westlich Irlands so schwere Bombentreffer, daß die Besatzung das Schiff verlassen muhte. Ein herbeieilender Hochfeefchlepper wurde verjenkt. Ein eigenes Flugzeug wird vermißt.
Bei Angriffen gegen die britische Handelsschiffahrt versenkte die Kampf st affet des Haupt- manns Daser bisher 145200 BRT. hieran ist Hauptmann Daser selbst mit 57 000 BRT. beteiligt. Außerdem wurde von dieser Staffel eine große An- zahl von Handelsschiffen beschädigt.
Bisher elf britische Kreuzer von der deutschen Lustwaffe vernichtet
Berlin, 22.Jan. (DNB) Die deutsche Luft- waffe hat einschließlich der vor wenigen Tagen versenkten „Southampton" im Verlauf des Krieges elf britische Kreuzer vernichtet. Diese Kreuzeroerluste stehen einwandfrei fest und sind in den Berichten des Oberkommandos der Wehrmacht erhärtet worden. Wenn daher jetzt der britische Minister Lord C h a t f i e l d zur Versenkung der „Southampton" erklärte „Der Kreuzer, den wir verloren haben, ist die erste große Schiffseinheit, die innerhalb von 18 Monaten infolge eines Lust- Angriffes versenkt wurde", so sind diese Aussührun- gen eine derart grobe Entstellung, daß sie auch für die mancherlei Zumutungen gewohnten Engländer die Grenze des Erträglichen überschreitet.
Skandal im Unterhaus.
000 Dollar KorruptionSqelder für einen Churchill-Minister.
Neuyork, 22. Jan. (DNB.) Ein austehen- erregender Skandal wurde im Unterhaus zur Sprache gebracht. Dem parlamentarischen Unter- staatssekretär im Ernährungsministerium, Sir Robert B o o t h b y , wurde vorgeworfen, sich a n tschechischen Geldern vergriffen und
Heftige Kämpfe um Tobruk.
(Zeichnung: Scherl-Bilderdienst-M.)
SidiOmarf
CYRENAIKA
Osdiaraboi
4 KAIRO
Oer italienische Bericht
Rom, 22. Jan. (DRB.) Das Hauptquartier der Wehrmacht gibt bekannt:
An der griechischen Front Kampfhandlungen von örtlicher Bedeutung im Abschnitt der 11. Armee. Zahlreiche Bomber- und Picchialelli-Berbände haben mit größter Heftigkeit militärische Anlagen, Straßen, Brücken und Flakstellungeu angegriffen. Außerdem wurden militärifch wichtige Anlagen in Saloniki, Bolos, Prevesa und Korfu wirksam mit Bomben belegt. In der Nacht zum 21. Januar haben Staffeln des deutschen Fliegerkorps Einflüge auf die Flugplätze und Hafenanlagen von Malta unternommen.
Der feindliche Angriff auf Tobruk, das schon feit 20 Tagen vollkommen eingeschlossen war und täglich unter Artilleriefeuer und Bombenangriffen lag, begann am Dienstag, 21. Januar, morgens. Dem Angriff ging in der Nacht eine bis zum Morgengrauen dauernde Beschießung van See aus vorauf. Er wurde tagsüber durch aufeinanderfolgende Angriffe der feindlichen Bombenflugzeuge unterstützt. An diesem Angriff nahmen, wie festgestellt werden konnte, drei australische Divisionen, verstärkt durch zwei Regimenter schwerer Artillerie, zwei Panzerdivisionen sowie eine motorisierte Formation
„Freier Franzosen- teil. Am anderen Tag war es dem Feinde nach harten Kämpfen gelungen, in die Stützpunkte des Ostabschnittes des Platzes einzudringen.
In O st a f r i f a ist der Feind mit motorisierten Streitkräften in verschiedenen Richtungen vorgesto- hen, die von unseren Abteilungen an den vorgesehenen Punkten zum Stehen gebracht wurden, wobei der Gegner empfindliche Verluste erlitt Unsere Luftwaffe hat tatkräftig an den Kämpfen leilgenommen und feindliche motorisierte Abteilungen bombardiert.
3m Aegälschen Meer haben unsere Bombenflugzeuge kn einem Stützpunkt liegende Dampfer angegriffen. Ein Tanker wurde getroffen.
Oie italienischen Luftangriffe auf Kreta.
Rom, 23. Jan. (Europapreß.) Ein Frontbericht, erstatter des „Giornale d'Jtalia" berichtet von einem Stützpunkt im Aegälschen Meer, daß die Anlagen des neuen Flughafens aufKreta beschädigt seien, wie italienische Aufklärer nach der Meldung des italienischen Wehrmachtberichtes vom 21. Januar festgestellt hätten. Die Insel sei von italienischen Sturztampfflieaern mit Bomben angegriffen worden. Anschließend seien von mehreren Staffeln italienischer Jagdflugzeuge Truppenansammlungen und getarnte Flakstellungen mit Maschinengewehrfeuer wirkungsvoll bestrichen wor- den.
Die Lücken in Englands Kriegswirtschaft
Stockholm, 22. Jan. (Europapreß.) Die seit langem angekündigte Einführung der Arbeit s pf l i ch t und die Verstaatlichung verschiedener kriegswichtiger Industrie- zweige in England ist im Unterhaus von Arbeitsminister P e v i n bekanntgegeben worden. Diese Maßnahmen werden begründet mit den wichsenden Anforderungen an die Maschinen- und Munitionsindustrie fowie an die Aufgaben der zivilen Verteidigung. Es wird sofort eine Registrierung von wichtigen Arbeitskräften vorgenommen. Die Altersstufen von 19 bis 35 Jahren werden als erste erfaßt werden. Mit diesen Maßnahmen erstrebt die Regierung, wie Bevin zu erkennen gab, eine vollständige Kontrolle der lebenswichtigen englischen Kriegsindustrie an. Die Parlamentsmitglieder wandten sich gegen die mangelhafte Wirtschaftsplanung der Regierung und warfen dem Arbeitsminister vor, daß die industrielle Leistung des Landes im letzten Halbjahr nicht wesentlich gesteigert worden sei. Der Arbeitsminister hat daraufhin erklärt, daß die Industrieproduktion im Vergleich zum vergangenen Sommer auf der gleichen Höhe gehalten worden fei. Allerdings seien auch in vielen Zweigen der Industrie Leistungssteigerungen zu verzeichnen. Die Produktion an Flugzeugen steige an. Es müsse aber eingeräumt werden, daß hier wie auch auf anderen Gebieten die Arbeiten „nicht perfekt" verlaufen. Industrielle Engpässe hätten sich aufgetan, aber keine Bemühungen würden gescheut, um diese Hindernisse zu überbrücken. Auf dem Gebiete des Ha ndelsschiffsbaues konnte Arbeitsminister Benin lediglich melden, daß die Leistungen der Schiffsbauindustrie in den vergangenen sechs Monaten im Vergleich zur selben Zeit der vorhergehenden Periode um 25 v. H. ge
stiegen seien, wobei er nicht spezifizierte, ob es sich bei dieser Arbeitsleistung um Neubauten ober Ausbesserungen handele.
Resigniertes Eingeständnis Churchills.
Stockholm, 22. Jan. (DNB.) Nicht nur in der Stimmung des Volkes, auch im Unterhaus kommt die Unzufriedenheit über die Nackenschläge, die Eng. land von der deutschen Luftwaffe und Flotte einstecken muß, immer stärker zum Ausdruck. Um bie gesunkene Stimmung wieder zu heben, sah Chur- chill sich darum veranlaßt, vor dem Unterhaus seine Ideen zu entwickeln, die er, wie er sagte, „mit viel Ueberlegung und einiger Erfahrung in Bezug auf die Maschinerie zur Fortsetzung des Krieges^ formte. Bei allen Versuchen aber durch Reform- und Organisationspläne den Engländern neuen Mut zu machen, kommt Churchill selbst zu dem bitteren Schluß: „Es liegt mir fern, ein rosiges Bild von der Gegenwart und der Zukunft zu malen. Ich glaube nicht, daß wir Veranlassung haben, andere als die düstersten Töne und Farben anzuwenden. Unser Volk und mit ihm das ganze Empire durchwandert ein düsteres und mär. derifches T a 1". Das klingt freilich anders als die frivolen Worte, mit denen Churchill den Krieg vom Zaun brach und jedes Angebot des Führers leichtfertig in den Wind schlug. Es ist alles anders gekommen, als er es sich gedacht hatte, England erfährt, was Deutschland zugedacht war. Das mutz selbst ein so hemmungsloser Blender wie Churchill zugeben. ,
sich regelrechter Unterschlagung und Bestechung schuldig gemacht zu haben. Untersuchungen hatten ergeben, daß Boothby, der mit der Abwicklung ge» wiffer tschechischer Zahlungsverpflichtungen und Guthaben in England beauftragt war, diese Gelder in bestimmte Hände gelangen ließ, die sich für diese Zuwendungen „erkenntlich zeigten". Im Erfolgs- falle soll Boothby für feine Dienste die Kleinigkeit von 96 000 Dollar versprochen worden fein. Eine Wiederbeschaffung der bereits veruntreuten Gelder, bic in bie Hunderttausende gingen, ist unmöglich. Boothby hat daraufhin seinen Rücktritt als Unterstaatssekretär erklärt, gleichzeitig aber mitge« teilt, daß er nicht daran denke, seinen Sitz im Unterhaus aufzugeben, obwohl die Untersuchungskom- Mission des Unterhauses die Erklärung abgegeben bat: „Boothbys Auftreten stand im Widerstreit zu den Gesetzen des Unterhauses und kränkte die Würde des Parlaments." Die Bloßstellung des Unterstaatssekretärs ist um so peinlicher, als er zur Regierungscligue Churchills gehört.
England raubt das Gold Belgisch-Kongos.
Stockholm, 23. Jan. (DNB. Funkspruch.) Reuter verbreitet eine Mitteilung des englischen Außenamtes über den Abschluß eines sogenannten Kauf, und Finanzvertrages mit Bel- gifch - Kongo. Neben dem mehr als vagen Versprechen, bestimmte Warenmengen zu übernehmen und an Belgisch-Kongo Kredite zu geben, enthält der zwischen Eden und der in London aus- geschalteten belgischen „Regierung" abgeschlossene Jöertrag" die überaus interessante Klausel, daß die Gesamtheit der Gold- und De oifenbe- stände Belgisch-Kongos an die Bank von England abgetreten werden. Die englischen
Bestände an Gold und Devisen zur Fortführung des Krieges werden also, so heißt es in dem Reuter- bericht schamhaft, auf diese Weise eine Vermehrung erfahren — mit anderen Worten: Die englischen Plutokraten rauben nunmehr auch das Gold Belgisch-Kongos, und ihre seinerzeit nach London ge« flüchteten belgischen Handlanger leisten ihnen dabei Hilfestellung.
Schiffsraum-Mangel der nordamerikanischen La-plata-Flotte
Buenos Aires, 22.Jan. (Europapreß.) Die Durchführung des englisch-nordarnevikanischen Ile- bereinkommens, den Transport für England bestimmter Waren aus den La-Plata-Ländern nach U8A.-Häfen durch nordamerikanifche Schiffe zu bewerkstelligen und die englischen Handelsschiffe nur noch auf der kürzeren Strecke von USA. nach England einzusetzen, stoßt auf Schwierigkeiten. Die nordamerikanifche La-Plata- Flotte leidet stark unter Frachtraummangel, so daß es bereits zu erheblichen Slot- fungen im Handelsverkehr mit den La-Plata-Hafen gekommen ist. Aus Buenos Aires und Montevideo wird gemeldet, daß dort große Mengen von Wolle, Häuten, Wein, Früchten und anderen Erzeugnisien auf die Verladung warten, ohne daß auf baldige Abhilfe gerechnet werden könnte.
Dor der La-plata-Konferenz.
Buenos Aires, 22. Jan. (Europapreß.) Der bolivianische Außenminister erklärte bei seiner Ankunft in Buenos Aires am Montagabend, er wolle auf der La-Plata-Konferenz die Schaffung eines Blockes der südamerikanischen Staaten mit gemeinsamen Grenzen vorschlagen. Im argentinischen Außenministerium wendet man sich gegen jede Einmischung der Der-
Oer Fall „Mendosa".
Seit Anfang Januar lag der französische Dampfer „Mendoza" auf der Reede von Montevideo, der Hauptstadt Uruguays am La Plata, um nach dem unbesetzten Frankreich Medikamente, Vitaminpräparate für die Kinder, Gefrierfleisch usw. zu bringen. Wiederholte Versuche, auszulaufen, wurden durch den englischen Hilfskreuzer „21 ft u • r i a", der sich bezeichnenderweise in der südameri. konischen Neutralitätszone aufhielt, fowie durch ein englisches Marineflugzeug unterbunden. Das eng. lifche Flugzeug hatte sogar die Frechheit, unter Vor- wand eines Benzinmangels in Punta del Este nie« derzugehen und um uruguayische Hilfe zu ersuchen, natürlich nur, um den Dampfer, der in der gleichen Gegend sich befand, genauer zu beobachten. In der Nacht vom 12. auf Öen 13. Januar wurde der Dampfer durch die „Asturia" innerhalb der uruguayischen Gewässer, wie die Regie- rung von Vichy in ihrem Protest feststellt, auf 1,3 Meilen Entfernung von der Küste, angehalten. Ein englisches Prisenkommando ging an Bord unA versuchte mit verschiedenen und nicht sehr sanften Mitteln den französischen. Kapitän zu bewegen, den englischen Blockadehafen Freetown in der west, afrikanischen Kolonie Englands Sierra Leone an« zulaufen. Der Kapitän weigerte sich und die Briten mußten abziehen.
Diese unerhörte englische Neutralitätsverletzung brachte wenigstens die Gemüter in Südamerika in Wallung. Der „Bien Publico" in Montevideo nannte das englische Vorgehen eine internationale Gewalttätigkeit ohne Milderungsgründe, die brasilianische Presse, allen voran die „Noticias", schrieb, das fei ein Verbrechen gegen die FesUegunq der Neutrali. tätswne, die in Panama unter Mitwirkung der USA. beschlossen worden sei. Man hätte nun mei- nen sollen, daß die USA. gegen diesen Neutralitäts- bruch protestiert hätten, aber Staatssekretär Hüll legte den Fall ruhig zu den Akten, da er ja von England begangen wurde, das> bekanntlich nach Hulls Ansicht niemals Unrecht begeht. Als schließlich die „Mendoza", an der Küste entlang nach Norden fahrend, die brasilianischen Gewässer des Staates Santa Catharina passierte, wurde sie am letzten Samstag 5'/r Seemeilen von der Küste entfernt von den Briten aufgebracht.
Mit dem Problem der Wahrung ihrer Küstenge- wässer gegen solche Neuttalitätsbrüche mögen sich die Südamerikaner und vor allem die Leute in Washington selbst auseinandersetzen. Uns interessiert hier nur: Frankreich hatte alles getan, um den Trüm- mern des britischen Festlandheeres bei Dünkirchen die Flucht zu ermöglichen. Vichy befindet sich mit England nicht auf dem Kriegsfuß. Die Waren aus Südamerika waren für die Frauen und Kinder des unbesetzten französischen Gebietes bestimmt, und selbst Hüll ober Roosevelt wcGden nicht sagen können, daß sie zur Stärkung des deutschen Kriegs- Potentials dienen könnten. Wo bleiben die Entrü- stungsschreie der nordamerikanischen Presse, wo ist der Abscheu in USA. gegen diese englischen Vertre- ter der „Menschlichkeit", die unschuldige Frauen und Kinder einer nichtkriegführenden Nation kaltblütig verhungern lassen wollen? Man schweigt aus . demokratischer Solidarität", bas besagt alles. E. S.
einigten Staaten in die Angelegenheiten der La-Plata-Konserenz.
Argentiniens Ausfuhr völlig erlahmt.
Buenos Aires, 22.Jan. (DNB.) Das Ausfuhrproblem wird für Argentinien täglich dringender. Nachdem erst am Montag bekannt wurde, daß der Export von Getreide nach Europa in der vergangenen Woche nur 25 Tonnen betrug, wird nunmehr gemeldet, daß in dem roidp kigen Hafen La Plata (Provinz Buenos Aires) feit November die Verschiffungen überhaupt aufgehört haben. Auch die üblichen Kohlendampfer sind ausgefallen. Ledig, lich einige Tankschiffe haben ihre Ladung gelöscht. In den Speichern liegen seit einem Vierteljahr etroa 16 0 0 0 Tonnen Getreide zum 2lb trän sport. Der Notstand betrifft besonders bie Arbeiterschaft, deren Existenz größtenteils nom Export abhängig ist. Auch alle Bemühungen, den Ausfall der Getreideverschiffungen nach Europa durch Verkäufe nach anderen Kontinenten auszugleichen, waren bisher erfolglos. Diese sind im Gegenteil ebenfalls zurückgegangen. In der letzten Woche wurden nur 7120 Tonnen o&ff'ifft gegen rund 10 000 in der Vorwoche und rund 14 000 in der gleichen Woche des Vorjahres. Der Gofamtexport an Weizen und Mehl nach aller Welt mit 7000 Tonnen ist nur etroa der vierzehnte Teil des Exports in der gleichen Zeit des Vorjahres, der 82 000 Tonnen betrug.
Willkie nach ßnqlonD abaerelst.
Neuyork, 23. Ian. (DNB. Funkspruch.) Wie Associated Preß meldet, ist Wendell Willkie, der republikanische Gegenkandidat Roosevelts im PrL- sidentschaftswahlkampf, am Mittwoch an Bord eines Cllpperflugzeuges als „privater Bürger und In- dividuum, das entschlossen ist, ausfindig zu machen, was vorgeht", nach England abgereist. Willkie überbringt einen persönlichen Brief Roosevelts an Churchill.
Flugzeugausfuhrverbot der USA. gegen die Sowjetunion aufgehoben. Washington, 22. Jan. (DNB.) Unterstaats, sekretar Welles teilte dem jowjetrussischen Bot- schafter C u m a n s k i mit, daß die von dem Präsi- denten am 2. Dezember 1939 gemachten Feststellun- gen über ein moralisches DerbotdesExports non Flugzeugen nebst Zubehör sowie von Maschinen für den Fabrikationsprozeß zur Herstellung von Flugzeugbenzin nicht länger auf bie Union der Sowjetrepubliken an* wendbar seien. Diese Entscheidung werde den interessierten amerikanischen Fabrikanten und-Ex- Porteuren übermittelt werden. Die Vereinigten Staaten hatten das Ausfuhrverbot gegen die Sowjetunion im Zusammenhang mit dem sowjetrussisch, finnischen Krieg verhängt.
Kieme politische Nachrichten.
Reichsgesundheitsführer Staatssekretär Dr. Conti hat die Vereinsleiter sowie die Gruppen- und Bezirkswarte der deutschen Volksgesundheitsverbände zu einer Tagung nach Weimar einberufen. Der Leiter der Reichsarbeitsgemeinschaft der Verbände für naturgemäße Lebens- und Heilweise, Reichs- Hauptstellenleiter Wegener, wird sprechen Auf Sondertagungen werden u. a. Vertreter des Biochemischen Bundes Deutschlands, des Prießnitz-Bun-


