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lr. 145 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)

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Weltgeschichte es

dem Sessel, Dolmetscher,

«GeM! ochgla. gs tem her Sie die Ge?

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tun, erhabener, eindringlicher, mit ganz an- Worten und Ausdrücken, da doch alles, was

Mir für das französische Volk ebenso ein Heilig- dar geworden, wie aus dem Wald von Compiegne A insbesondere jener Schneise mit den beiden td enensträngen. Man durfte das Heiligtum, in kr der siegreiche Schlußpunkt unter das Völker- l^tien gesetzt wurde, nicht den Unbilden der Wit- jkiig oussetzen. Man baute ihm daher nahe jem fee ein steinernes Gehäuse, in dem ein Steg pis um ihn herum führte, damit er von diesem rWecht und allen Nachkommen bis in die fernste M in allen Teilen besichtigt werden könnte. Der ife selbst wurde durch Anpflanzung edler Bäume schönt. Ein Sockel aus Granit bezeichnete die peTe, an der der Wagen gestanden hatte, ein Ifty'n wurde angelegt und sorgfältig gepflegt, in uk Mitte eine schwere Gedenktafel^ gelegt, auf der p roßen Lettern die Kunde eingemeißelt wurde Pn dem, was sich hier begeben hatte: daßhier ^verbrecherische Hochmut der Deutschen für immer Machen" fei. Dem Marschall Foch erdichtete man ' Denkmal an einer Stelle des Platzes, von der ft die in Erz gegossene Gestalt die Stätte des MitMphes überblicken konnte. Von der Hauptfahr- M«, die den Wald von Compiegne durchzieht, ein sehr breiter Weg zu dem Platz gebahnt FjJ mit Hellem Sand bestreut, ein Pfad der An- khirung zum Heiligtum; er durfte nur beschritten 'k»en, für Wagen war er gesperrt. An seinen fang stellte man ein vorbereitendes Mahnmal: im Flug getroffenen, nun gerade zu Boden mnben Adler, dessen Kops und einer Flügel be- auf der Erde schleift: Deutschland.

5' war allen leidenschaftlichen Wünschen Genüge ht, das Andenken an den Sieg bis in alle Ewiq- iiu bewahren und die klaffende Wunde in der Mi des deutschen Volkes offen zu halten. Hundert- Mnde von Besuchern sahen den Wald und die- £ Llatz, nicht nur Franzosen, sondern auch Eng- Mdu und vor allem Amerikaner, die von ihrem Mniotland aus Expeditionen zu diesem Ort aus- fittien. Erschauernd standen sie in der stillen M^jfeierlichkeit vor der höhnenden Anklage gegen Mi 3esiegten und wurden veranlaßt, ihn fort und M Zu verurteilen. Wir wissen ein für allemal, W »lle kommenden Geschlechter sollten es sich em- M, was zielloser Haß vermochte. Er druckte «1 Vehaßten den Atem zur Preßluft Zusammen, »N) entladen mußte und mit welch furcht - Mn Gewalt. Einen Feind nicht besiegen, aber 'Ifcfcnmern, das bedeutet wohl stiebende Funken, !iL£me Weile leuchten; der, den die Hämmer tta»

so hat sie auch die beiden Schafe wieder auf dem Plan auftauchen lassen, die schon am Tage vorher

sie sagen, ungeheuerste Wirkungskraft hat, da sie doch hier zusammensitzen zu der wahrscheinlich be­deutungsvollsten Auseinandersetzung zwischen den beiden Nationen, unter denen so ost schon die Rol­len des Siegers und des Besiegten gewechselt haben. Aber und auch das verwirrt zunächst die klare Ueberlegung aber sie sprechen nicht anders, als sie es auch sonst gewohnt sind, mit etwas mehr Nachdruck vielleicht. Ihre Haltung ist ruhig, nur merkt man dort deutlich, wer hier der Sieger und wer die Unterlegenen sind. Der französische General versucht, seine Hände ruhig zu halten, doch gelingt es ihm nicht, ein unaufhörliches leichtes Zittern zu überwinden. Seine schmalen Wangen sind unnatür­lich gerötet, die Augen blicken sehr angestrengt. Die Bewegungen des Generalobersten Keitel sind leb­haft; wenn er spricht, so finden seine Worte Aus­druck in seinem ganzen Körper, die Hände unter­streichen sie, er zuckt «mit den Schultern, er hält einen Bleistift in der Hand und klopft mit ihm auf den Tisch. Es ist alles bei ihm in Fluß, allerdings in einem sehr ruhigen und kraftvollen. Seine Worte fallen nicht so gefetzt, wie die des französischen Ge­nerals, aber der Sinn spricht klar und unmißver­ständlich aus ihnen heraus, lebendiger als es irgend­welche geschriebenen und abgelesenen Sätze ver­möchten.

Der sehr blasse Botschafter Noel sitzt, fast teil­nahmslos erscheinend, an dem Verhandlungstisch. Er ist in Prüfungen bereits erfahren, war er doch zuerst der französische Botschafter in Prag und dann in Warschau, auf zwei Stationen, also, von denen er nicht durch seine Regierung abberufen wurde, sondern von denen er hatte fliehen müssen. Seine Mundwinkel sind schmerzlich nach unten ver^gen, doch rettet sich sein Ausdruck auch in eine ironische Abwehr, mit der er sich aufrechtzuerhalten sucht.

Zu den ersten Punkten des Dertragswerkes kann der General Huntziger keine Einwendungen vor­bringen. Sie beziehen sich auf die sofortige Waffen- niederlegung der französischen Verbände, auf die Linie der von den deutschen Trupppen besetzten Ge­biete, auf die Demobilmachung der gesamten fran­zösischen Wehrmacht und auf die Auslieferung des Kriegsmaterials. Es ist das Maß dessen, mit dem der Unterlegene, der um Waffenstillstand Bittende, unweigerlich rechnen muß, andernfalls er hätte weiterkämpfen müssen.

Außer dem Propellersurren eines Flugzeuges, das über den Platz in tiefen Kurven kreist, bringt ionst kein Laut in den Wagen hinein. Man sieht durch die großen Fensterscheiben zahlreiche Offiziere am Waldrand stehen, ihre Bewegungen vollziehen sich pantomimenhaft. Sie blicken in den Wagen hinein und versuchen aus den Gebärden der Ver­handelnden zu entnehmen, ob man zu einem Ende und zu einem glücklichen Ende gelangt, ober ob Schwierigkeiten auftauchen, alles sich in bie Länge ziehen wirb unb gar überhaupt kein gutes Ende

lungsführer einanbcr gegenüber. Auf der an der Querseite steht, nimmt der der Gesandte Schmidt, Platz.

General H u n tz i g e r spricht in

tyt. )er Wald von Compiegne hat ebenso wie fr in früheren Jahren berühmtere, der von Fon- ßnebleau, unter dem Winter der Jahre 1888 auf $59 sehr gelitten. Sie froren bis auf Reste ab mußten neu gepflanzt roetben. So ist der . tmmbeftanb, in dem Buchen und Eichen vor­igen, nicht alt. Es ist im Laufe der Jahre ein rfartiger Wald entstanden, den breite Straßen chziehen, auf denen die Wagen von selbst zu Ingfamem Lauf bestimmt werden, denn es ist an- sehm, dort zu fahren: in, wenn auch gebändig- t so boch keineswegs unechter Natur. Es ist ein endlicher Walb, von den Parisern zu Tages- tt-flügen gern besucht.

Üls am 5. November 1918 die beutsche Wafsen- lstandskommission zusammengestellt war, wurde i am 8. November in diesen Wald geführt, wo n einer Schneise zwei kurze Züge auf Ausweich- Ijisifen Platz finden können. Dort kam der Zug in Stillstand, gegenüber jenem Eisenbahnwagen, nbem sich der Salon des französischen Marschalls :t) befand. Das war ein ehemaliger Speisewagen, t einige Zeit im Orientexpreß ParisKonstanti- wel Dienst getan hatte und bann in den Zug k französischen Obersten Heerführers eingereiht »rben war, ein gewöhnlicher Speisewagen mit j» inem Raucher- und Nichtraucherabteil und einer fcf)e. Doch diente die Küche mm als Fernsprech- ram, bas Nichtraucherabteil war unter Entfer- m.fl der Tische zu einer Art Vorzimmer mit eini- |t bequemen Sesseln eingerichtet, in bem Raucher- üril hatte ein großer Tisch Platz gefunben, an kten Längsseiten je vier Stühle standen.

.m diesem Raum wurde die deutsche Delegation «."fangen..., das heißt, man ließ sie im Stehen ii Beglaubigungsschreiben überreichen, und als ki vollzogen war, fragte Marschall Fach, der sich hi Hintergründe gehalten hatte unb nun etwas ' ne er vorkam:Que desirent les Messieurs? i &3 wünschen diese Herren? Nach drei Tagen ki Demütigungen wurden am 11. November 1918 H 11 bis 11.15 Uhr die Unterschriften vollzogen, es war aus dem ehemaligen Speisewagen nun-

In Blick in den Salonwagen. Links: General Huntziger, rechts: Generalfeldmarschall Keitel. (PK.-Tritschler. Scherl-Bilderdienst-M.)

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lungsraum blicken. Es ist dem Sck;reiber dieser Zei­len vergönnt gewesen, sich unter ihnen zu befinden.

Da die Herren beider Delegationen schon am Vor­tag zusammengetroffen waren, bedarf es keinerlei Vorstellung mehr. Es genügt eine kurze militärische Begrüßung. Die Plätze sind bereits vorher ange­wiesen worden, man setzt sich, die beiden Verhand-

Da in solcher Spannung die o , beliebt, die Erheiterung nicht vollends zu vergessen,

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Das steinerne Gehäuse des Wagens, fein Aufent­haltsraum für die Ewigkeit, hatte eben dieser Ewigkeit halber fein Tor. So galt es am 20. Juni 1940, die Wand, die zum Platz gekehrt war, aufzu- reißen. Doch versagten die Pickel an dem mit Ze­ment zusammengefügten Granit, mir eine Spren­gung konnte helfen. Deutsche Pioniere nahmen sie vor und schufen auf das genaueste die Lücke, durch die der Wagen herausrollen konnte. Das verwaschene Gleis wurde gesäubert, einen Schlepper brauchte man nicht, die Pioniere selbst zogen den Wagen heraus. Dann wurde im Walde von Compiegne das Denkmal mit dem herab stürzenden Adler mit der deutschen Fahne verhängt und der Platz selbst und der Zugangspfad, auch die unmittelbare Um­gebung gesäubert. Waren sie doch wenige Tage zu­vor noch Schauplatz von heftigen Kämpfen gewesen, Spuren von raschen Biwaks fand man noch überall, Bäume, in die Geschosse gefahren waren; auch noch nicht alle Minen waren aufgespürt.

Am 21. Juni 1940, kurz nach 15 Uhr begibt sich der Führer mitten auf den Platz, dorthin, wo die Platte aus'Granit. liegt. An einem neben ihr be­festigten Fahnenmast geht die Führerstandarte hoch und weht über der Inschrift. Inzwischen sind am Beginn des breiten Fußpfades, dort, wo das nun­mehr verhüllte Denkmal mit dem zu Boden ge­stürzten Adler steht, einige Wagen ausgefahren, denen hohe französische Offiziere und einige Zivi­listen entsteigen. Am Ende des Fußweges, seitlich, unter den ersten Bäumen, ist ein Beratungsraum für sie, ein Zelt, errichtet. Sie begeben Jicf) auf den Platz und wenden sich dem Wagen zu. Während die begleitenden Offiziere sie beim Führer im Wagen anmelden, warten sie draußen einen Augen­blick und steigen dann hinein.

Die Franzosen hatten erwartet, mit einem der höchsten deutschen Offiziere zusammenzutreffen. Er­schütternd gewahren sie, daß sie dem Führer selbst gegenüberstehen, der sie mit erhobener Hand begrüßt und sie alsbald aufforbert, Platz zu nehmen. Der General Huntziger scheint kaum auf die Worte des bie Präambel zu bem Waffenstillstandsvertrag ver­lesenden Generalobersten Keitel zu hyren. Seine volle Aufmerksamkeit gehört diesen Worten offenbar nicht. Er sieht während der ganzen Zeit unverwandt den Führer an.

Draußen auf dem Platz stehen überall an den Rändern des Waldes und des Weges die Wach­mannschaften, warten eine Anzahl van Offizieren. Es liegt eine große Ruhe über dem Platz, die fo tief ist, daß hin und wieder die Stimme des General­obersten Keitel, aus dem Wagen heraus, in dieser Ruhe vernehmbar wird.

Der Generaloberst läßt das Blatt sinken, von bem er abgelefen hat. Fast unmittelbar banach erhebt sich der Führer mit seiner Begleitung, auch bie Fran­zosen erheben sich Der Führer verläßt bann den Wagen. Nur der Generaloberst Keitel bleibt zurück, der bevollmächtigt worden ist, die eigentlichen Waffenstillstandsverhandlungen zu beginnen.

Ein am Morgen aufgekommener Wind hat über Mittag die Wolken zerstreut und sich dann in der Nachmittagsstunde wieder gelegt. Die Blätter der Bäume sind nahezu reglos. Die starre Ruhe der Kronen läßt die allgemeine Stille noch' eindring­licher werden. Als der Führer den breiten Fußpfad zurückschreitet, tritt ihm der Kommandant der Ehrenkompanie entgegen, salutiert vor ihm und ruft aus:Die großdeutsche Wehrmacht grüßt ihren Obersten Be^hlshaber!" Trer Führer reicht dem Offi­zier die Haiw und schreitet sodann an der präsen­tierenden Ehrenkompanie vorbei, deren Musikkorps das Deutschlandlied zu spielen beginnt. In diesem Augenblick erheben sich im Wagen der Generaloberst Keitel und die deutschen Offiziere erweisen den deutschen Gruß. Mit ihnen ist die französisische Dele­gation aufgestanden und legt grüßend die Hande an die Kopfbedeckung. Erst als der Führer am Ende des Fußpfades angekommen ist, lockert sich die ungeheure Spannung. Generalfeldmarschall Göring bricht in den Ruf aus:Heil unserem Führer!" Da fallen alle Soldaten in diesen Ruf ein.

Am Abend des 21. Juni ereignet sich nichts. Die französische Delegation verbringt die Stunden mit dem Studium des ihnen ausgehändigten Entwur­fes der Waffenstillstandsbedingungen und telepho­niert mit ihrer Regierung.

Am 22. Juni vormittags, kurz nach 10 Uhr, be­ginnen die Verhandlungen aufs neue. Die franzö­sische Delegation hat bereits den Wagen betreten und steht wertend da. Nach einer Weile steigen der Generaloberst Keitel, der General Jodl, der Gesandte Schmidt und einige andere deutsche Herren ein und begeben sich zu den Franzosen. Etwa zu gleicher Zeit sind auch durch den zweiten Eingang die wenigen Zeugen eingetreten, die in einem besonderen Auftrag als stumme Zuhörer den Verhandlungen beiwohnen dürfen. Sie nehmen auf bem Gang unb in der nunmehrigen Fernsprechzelle Platz Bon dort aus können sie in den Derhand-

formvollendeter Sprache, leise, ohne sonderliche Be­tonung, aber dennoch sehr eindringlich. Seine Hände halten dabei die Niederschrift der von dem Deut­schen aufgesetzten Waffenstillstandbeöingungen, die in der Folge Punkt für Punkt durchgesprochen wer­den sollen. Der Gesandte Schmidt überträgt die Worte zum Teil in direkter Rede, zum Teil gibt er den Sinn der Ausführungen des französischen Ge­nerals in indirekter Nacherzählung wieder. General­oberst Keitel erweist sich stets als Herr der Lage. Höflich, aber bestimmt gibt er seine Erklärungen. General Huntziger äußert sich nun zu den ein­zelnen Bestimmungen. Er folgt eine längere Pause, in der sämtliche anwesenden Herren ihre Exemplare der Vertragsniederschrift entfalten.

Es ist für den Zuhörer ein Gefühl, schwebend zwischen Unwirklichkeit und dem Bewußtsein, dem Vollzug einer Tatsache allerersten Ranges beizu­wohnen, von der man die Gewißheit hat, daß sie für eine außerordentlich lange Zeit Gültigkeit haben wird. Es ist, genau gesagt, die Empfindung, diese lange Zeitdauer und alle Folgen, die in ihr liegen, bereits jetzt in einer gewaltigen Zusammenraffung zu spüren.

'Dieses Gefühl ist so stark, daß man meint, die betreffenden Personen müßten anders sprechen, als

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Von Kriegsberichter Otto Nebelthau.

Mit feuchtem Lappen gehts nochmal so schnell Wird der Lappen beim Putzen der warmen Herdplatte trocken, dann sofort wieder n a ch f e u ch te n. So putzt es sich nicht nur sparsamer, sondern auch besser.

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sämtlicher Bemühungen gespottet haben, sie end­gültig von diesem feierlichen Schauplatz verschwin­den zu lassen. Der Wärter, der hier in einer Bude einstmals Andenken verkaufte, alte deutsche ^tahl- bclme und sonstige Ausrüstungsgegenstände aus dem Weltkrieg, Postkarten, MiuiaturmodeUe des berühmten Wagens, Stocknägel und dergleichen, hatte sich die Schafe angefchasft, um nutzbringend und mühelos die Kurzhaltung des Rasens, dessen Pflege ibm-tiblag, besorgen zu können Nun woll­ten die Schafe auch ohne ihren härter und Herrn weiterhin sich ihrer Aufgabe unterziehen und lie­ßen sich auch nur kurz darin unterbrechen, als kräf­tige Landserarme sie eingefangen und weit vom Schauplatz entfernt ausgesetzt hatten Nur das Gras dieses Rafens schien ihnen zu schmecken, und immer wieder körten sie dorthin zurück

Durch eine Bemerkung des Generalobersten Keitel ist es den Franzosen klar geworden, daß er ein schriftliches Zugeständnis machen wird, nach Möglichkeit die Lage der sranzösiichen Zivilbevöl­kerung zu erleichtern. Er hätte die französische Bitte sonst gleich abgelehnt. Er mag sich auch hier daran erinnert haben, wie wenig der Führer das Diktat von 1918 wiederholen möchte. Denn damals hieß es ausdrücklich, daß' die Blockade gegen das Deutsche Reich in vollem Umfange bestehen bleiben und obendrein noch eine Unzahl von lebensnot­wendigem Vieh abgeliefert werden sollte, neben der restlosen Uebergabe sämtlichen Kriegsmaterials. Die völlige Vernichtung und Aushungerung wurde damals diktiert, Deutsckstand absichtlich in die Ver­zweiflung des unabwendbaren Bruderkampfes ge­stürzt.

Die Lage der heute Unterlegenen kann nicht mit der der deutschen Unterhändler von damals ver­glichen werden. Nach der auf jene schon erwähnte Frage des Marschalls Foch:Que desirent les Messieurs? erteilten Antwort, daß man über einen Waffenstillstand verhandeln wollte, wurde der Stabschef Weygand beauftragt, die Bedingun­gen vorzulesen, die entweder angenommen oder abgelehnt werden könnten, bei denen es aber ein

Der Führer beim Abschreiten der Front der Ehrenkompanie im Walde von Compiegne. (PK.-v. Hausen. Scherl-M.)

drittes, also Verhandlungen, nicht gäbe. Wie war es jetzt, im Jahre 1940?

Der General Huntziger bekennt, ohne mit irgend­einem Wort von deutscher Seite dazu veranlaßt zu sein, daß die Pariser Bevölkexung von der Zu­rückhaltung der deutschen Truppen befriedigt sei, überhaupt von ihrer Haltung, auch in den übrigen Teilen des besetzten Gebietes. Es wäre ihm ein aufrichtiges Bedürfnis, das zu sagen, weil es die ganzen Verhandlungen" so sehr für ihn erleichtere.

Generaloberst Keitel versichert nochmals die loy­ale Durchführung der Vertragsbestimmungen und gibt der französischen Delegation den aufrichtigen Rat, nicht länger mit ihrer Annahme zu zdudern, da jede Stunde der Verzögerung unermeßliches Leid über ihr Land brächte.

Der französische General schweigt. Der General­oberst erklärt: Ich schlage Unterbrechung der Ver­handlungen vor, bis alle Fragen formuliert sind. Ich stelle der französischen Delegation anheim, in einer kurz zu bemessenden Pause noch mit Bor­deaux zu telephonieren.

Als die Franzosen um 17.30 Uhr erklären, sie könnten die Unterfchrift immer noch nicht geben, da die telephonische Bevollmächtigung ihrer Regierung noch nicht erfolgt sei, gibt Generaloberst Keitel be­kannt, daß er nunmehr nicht mehr länger zu mar­tert geneigt märe, da militärische Gründe seine Anmesenheit im Führerhauptquartier notmendig machten.

Wiederum sind die Schafe auf dem Platz erschie­nen und rupfen das kurze Gras der Rasenstücke ab, die zu beiden Seiten der Schienenstränge und um 'diesgroße granitene Platte in der Mitte des Platzes verlaufen. Wiederum erregt ihr Anblick jene zmiefpältige Erheiterung, die dem Wesen der Stunde so roenig gemäß ist, dknnoch ihr aber den Tribut der Ironie stellt, die mohl bei keinem Ge­schehen völlig versiegt. Man gab es nun endgültig auf, die Tiere zu verscheuchen.

Kurz nach 18 Uhr, endlich, kommt der franzö­sische Major miederum aus dem Zelt heraus und mendet sich an die deutsche Abordnung.

Große Bemegung entsteht.

Die französische Delegation begibt sich geschlossen in den Wagen. Nach einer Weile folgt ihr der Generaloberst Keitel mit seiner Begleitung.

Man wird sofort gewahr, daß General Huntziger sich in einem Grad der Erregung befindet, die er kaum zu meistern im Stande ist. Sein ganzes Ge-

Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!