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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

68 Zweiter Blatt

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Alleinhersteller:PJqs.Möbs Seifenfabriken, öiesseh

Nach diesen besbauernfuhrers hielt Professor Dr. S e s s o (Gießen) einen Dortrag überNeuere Forschungen auf dem Gebiete der Bodenbearbeitung". Er gab bedeutungsvolle Forschungsergebnisse über Struk­tur und Wasserhaushalt des Bodens und deren Ein­fluß auf das Pslanzeuleben anhand von Lichtbildern

dachte und die in der Vermählung des Lenzgrafen mit der Lenzbraut fortlebt. Die Reigentänze der Frühlingszeit knüpfen mit ihren bunten Verschütt, gungen an jene Irrbahnen an, die sich m der U» \geit als Abbilder der Himmelsbahn der Sonne fin­den. C K*

Dornotizen.

lageskalender für Freitag.

elfen au»

6. Mat

Verdunkelungszeit

21. März von 19.36 bis 7.24 Uhr.

Etadtth-ater: 19 bis 21.45 UhrDie P-t-r-burger i" Gloria-Palast. Scltersweg:Mein ür Irland". Lichtspielhaus, Bahnhof­

bekannt.

Professor Dr. N i k o l a i s e n (Kiel) behandelte ein besonders aktuelles Thema der Gegenwart, den An­bau von Oelfrüchten, insbesondere Raps- und Rüb­sen. Er zeigte die Möglichkeiten auf diesem Gebiete auf und behandelte vor allem die Frage der Ueber- windbarkeit aller bisher noch vorhandenen Schwie­rigkeiten im Oelfruchtandau. Diit Bezugnahme auf die Züchtung stellte er weitere Fortschritte in Aus­sicht.

Am Nachmittag stellte Professor Dr. Schmitt (Darmstadt) in seinem Dortrag überQualität und Düngung" vor allem fest, daß die Erhöhung der Erträge unserer Kulturpflanzen durch die neuzeit­lichen Düngungsmaßnahmen in keiner Weise quali­tätsverschlechternd wirkt, und daß auch der Gehalt an 23i tarn in en dabei nicht geschädigt wird.

Dr. Schneider (Frankfurt a. M.) sprach über die deutsche Tierzucht im Kriege und steifte als grundsätzliche Forderung die bodenständige Dieh- haltung unter Einpassung in den für die einzelnen Wirtschaften gegebenen Rahmen heraus.

Professor Dr. Ries (Potsdam-Bornim) behan­delte das wichtige Gebiet des Mafchinen-Einfatzes in der Landwirtschaft, wobei er auf die Wichtigkeit der Grundstückszusammenlegung, der Anpassung der Bauart landwirtschaftlicher Gebäude an die tech­nischen Einrichtungen sowie auf den Ersatz von menschlicher Kraft durch die Maschine, insbesondere bei den alljährlichen Erntearbeiten und auch auf dem Hof selber; hinwies.

Die inhaltsreiche Kriegsarbeitstagung zeigte, wie das Bauerntum bemüht ist, die gegenwärtigen Kriegs auf gaben sowie die Aufbaumaßnahmen nach dem Krieg in großzügigster und tatkräftigster Weise anzugreifen.

scheu Völkern mit ihrem nördlichen Klima mußte sich schon in Urzeiten die Bedeutung des Früh­lings und des Sonnensieges besonders deutlich of­fenbaren. So finden wir schon in den ältesten Zeug­nissen des Germanentums, aus der Zeit vor 3000 Jahren, in den schwedischen Felszeichnungen Dar. stellungen von Frühlingsfesten und Frühlingssple- len. Die Festplätze, die mit den kultischen Heilig­tümern verbunden waren, wurden mit dem An­bruch der schönen Jahreszeit zu Spielplätzen, auf denen zu Ehren des Sieges der Sonne und des Sommers Wettkämpfe, Umzüge und Reigen statt­fanden.

Im deutschen Dolksbrauch sind besonders der Kampf des Sommers mit dem Winter, dasTod­austragen", das die Vernichtung des Winters ver- sinnbildlicht, dasSommerbringen", bei dem der Sommer feierlich eingeholt wird, dasWinterver- brennen", bei dem eine Strohpuppe th Flammen aufgeht, solche Frühlingsspiele, die sich zum großen Teil in der einen oder der anderen Form seit den ältesten Zeiten bis heute erhalten haben. Vielfach

j Fische ist. Um einen solchen Betrag haben sich beiden Schnittpunkte der Sonnenbahnebene (der liptik) mit der Ebene des Aequators seit der Zeit, j noch Tierkreis-Zeichen und Tierkreis-Sternbilder !ntisch waren, seit etwa 2000 Jahren, durch die i.rkung der allgemeinen Präzession, des Dor- Kens der Slernbilder parallel zur Ekliptik, bis bereits nach Westen verschoben. Man nennt

i Schnittpunkte Frühlingspunkt und den ihm inliegenden Herbstpunkt. Beide wandern in jem Jahr um 50*A Bogensekunden weiter und rlenden den ganzen Kreis in 25 800 Jahren, hem Zeitraum, den manplatonisches Jahr" ge- L die* Zeit der Tag- und Nachtgleichen ist die hinbare Bewegung der Sonne am größten, die >nne steigt daher auch jetzt am schnellsten Norb­erts, täglich bis zu 23,7 Bogenminuten. Die Mit- c shöhe der Sogne über dem Horizont nimmt dem- Mäß sehr stark zu und beträgt am Frühlings- t ang im nördlichen Deutschland (Breite von 54 jcb) 36, im mittleren Deutschland (Breite von ,1 Grad) 39 und im südlichen Deutschland (Breite et 48 Grad) 42 Bogengrade. Die Strahlen des ^aesgestirns fallen also, namentlich im Süden, an schon sehr steil ein, besitzen daher bereits eine Icrf wärmende Kraft, die die Pflanzenwelt mit aus dem Boden hervorlockt.

Mit dem astronomischen zieht auch der klimatische siühling ins Land, der Frühling des Sprossens tob Blühens in der Natur, der Lenz. Lenzm-. duoth, Lenzmonat, nannte darum auch Karl der !ioße in seinem Jahrhunderte lang in Gebrauch t>(tebenem deutschen Kalender den Marz. Diese to>ße Wende im Laufe des Jahres und der Natur, |r Sieg der Sonne und die wiederkehrende Frucht- rteit der Erde bedeutet für uns Jahr um Jahr lir eindrucksvolles Erlebnis. Noch viel Überwal- Hienber stellt es sich aber dem primitiven Menschen dir, dessen Zusammenhang mit der Natur noch |o viel inniger ist als der unsere. Den germani-

straheWunschkonzert".

Stadttheater Gießen.

Am heutigen Freitag wird Hymmens Tragödie Die Petersburger Krönung" wiederholt. Spiellei- tung: Horst Hoffmann a. G. Bühnenbild: Karl Löffler. 24. Freitag-Miete.

Ortszeit für den 22. März.

Sonnenaufgang 7.26 Uhr, Sonnenuntergang 19.40 Uhr. Mondaufgang 4.36 Uhr, Monduntergang 14.11 Uhr.

Offizierlaufbahn im Heere. Einstellung bereits zum r. August. Wie das Oberkommando des Heeres mitteilt, er< folgt in diesem Jahr infolge der Aenderung des Schuljahres die Einstellung derBewerber für die Offizierlaufbahn im Heer" für die Schüler, die am 1. Juli in die 8. Klasse versetzt werden und die Bescheinigung über Zuerkennung der Reife erhalten, bereits a m 1. August 1941. Die Meldefrist bei den Wehrbezirkskomman­dos läuft daher nur noch bis zum 15. Mai 19 4 1« Alle Schüler, die den Offizierberuf im Heer an« streben, werden daher aufgefordert, sich bei den zuständigen Wehrbezirkskommandos umgehend, un­ter Angabe des gewünschten Truppenteils oder der Waffengattung, zu melden. Die endgültige An« nähme und Zuweisung zu einem Truppenteil unto Einberufung erfolgt bereits im Laufe des Monats Juli. Schüler, die mit der Versetzung in die 8. Klasse die Reife noch nicht zuerkannt erhalten, melden dies umgehend schriftlich ihrem zuständigen Wehr« dezirkskommando. Ihre Einstellung erfolgt voraus­sichtlich nach Erhalt der Reife im Frühjahr 1942. Schüler, die sich um Einstellung als Bewerber für die Santtäts-, Veterinär- und Truppeningenieur­laufbahn des Heeres gemeldet haben und angenom­men sind, werden ebenfalls zum 1. August 1941 einberufen.

Oie Versorgungslage im Mein-Main-Sebiei.

Das Landesernährungsamt Hessen berichtet über die Versorgungslage im Rhein-Maingebiet u. a.:

Der Bedarf an Milch, Milcherzeugnissen, Gelen und Fetten war weiterhin in ausreichendem Maße gedeckt. Die Umstellung in der Käseverteilung läuft weiterhin reibungslos ab. Sie wird insbesondere von den Sauermilchkäsereien außerordentlich be­grüßt und im allgemeinen in Derteilerkreisen als Erleichterung empfunden.

Die Dersorgungslage mit Kartoffeln in den Groß­städten ist nach wie vor äußerst gut. Der Eingang an Saatkartoffeln ist weiterhin befriedigend. Bean­standungen fanden so gut wie nicht statt.

Auf den Abschnitt a der Reichseierkarte wurden in dieser Woche zwei Eier aufgerufen, die zur Zeit ausgegeben werden. Es handelt sich in der Haupt«

finden wir in den deutschen Frühlingsspielen grün gekleidete, mit Frühlingssymbolen geschmückte Per­sonen, die Frühlingsgeister darstellen, den mit Stroh oder Werg vermummten Winterdämonen entgegentreten und sie vertreiben. Bei den Friih- lingsumzügen, die hauptsächlich als Kinderbrauch weiterleben, wird wohl auch ein reich mit Laub geschmückter Stab, derSommertaqsstecken", vor- angetragen, der an den Thyrsosstab des Dionysos gemahnt.

Ein uralter germanischer Fruchtbarkeitskult war das Umherführen einer den Frühling verkörpern« den Gestalt, mochte es nun ein Götterbild fein, wie bei den alten Germanen das der Rerthus, oder ein Mädchen, das als Lenzkönigtn die Stelle der Frühlings- und Fruchtbarkeitsgöttin vertritt. Daß die Frau in dieser Jahreszeit der Liebe eine Haupt­rolle spielt, beweist die Tatsache, daß manche Fruh- lingsseste nur von Frauen abgehalten wurden. Diese Verehrung der Fruchtbarkeit gipfelte in der Früh­lingshochzeit, bei der man wohl an eine Vereini­gung von Göttern, wie Wodans und Friggas,

wimmert") und im Nachgeben an den Tempera­mentswechsel (Wer sein holdes Lieb verloren"), Auf dem grünen Balkon" bewies eine unend­liche Feinheit in der Differenzierung des Aus­drucks, und die ZugabeHeimweh" bestätigte ihn geradezu als einen idealen Liedsänger.

Das Können des einzelnen einte sich mit dem des andern in schönstem Ausgleich, in ausgestimmtester Harmonie bei den Duetten. Wie der einzelne dem andern nachgab, mit ihm einging auf jede einzelne Wendung, aus dem Gegeneinander und Mitein­ander immer wieder neue Schönheiten heraus- wachsen ließ, das bezeugten nicht nur die so selten gehörten Duettsätze von Robert Schumann, das trat noch deutlicher zutage in den deutschen Volks­liedern.

Es gehört unendlich viel dazu, vom Podium her ein Volkslied lebendig werden zu lassen. Der Künst­ler muß eben jegliche Maniriertheit der Stimmbe­handlung wie auch die Gewolltheit des Vortrages überwunden haben, um dann auf letzter Höhe der Kunst mit unverfälschter Natürlichkeit den Puls- schlag dieser Lieder verinnerlichen und mit höchster Darstellungskraft veranschaulichen zu können.

Wie die Stimmen zusammenschmolzen, wie die einzelnen Gefühlswerte einheitlich herauswuchs-n, wie Strophe für Strophe im innerlichen Mitgehen mit dem Geschehensablauf eine neue Farbe bekam, einen neuen Hintergrund erahnen ließ, das geschah in solcher Vollkommenheit, die einem edelsten Schatz- gräbertum gleich zu achten ist. Und wenn auch die Gefühlstöne in ihrer Schlichtheit und Innigkeit echt und ursprünglich zum Hörer sprachen, niemals waren die beiden sentimental, sondern gesund and kernig in der großen Fülle und Wandlungsfähigkeit ihres Gefühlslebens. Das Hören wurde zu einem Lauschen, zu einem Genießen, ja, zu einem inneren Beglücktsein.

Daran hatte Prof. Hermann R e u 11 e r sehr wichtigen Anteil. Wir haben seit langen Jahren noch keinen Liedbegleiter hier gehabt mit solchem fein­sinnigen Eingehen auf die jeweiligen Anforderungen des Stils wie auf die Eigenan der Solisten. Mit sicherem Zugriff bannt er ebenso die Gesamtstim­mung wie er in feiner Zeichnung scheinbar Neben­sächliches zum bedeutungsvollen Faktor werden ließ. Ganz außerordentlich aber war das impulsive Mit-

Deutschland braucht ein starkes Vauerntum

Oie Wissenschaft im Dienste der Doiksernährung.

Aus -er Stadt Gießen.

Frühlingsanfang.

llm 21. März durchschreitet die Sonne in ihrer ichunbaren Nordwärtsbewegung, die ja nur ein Schgelbild der wahren Erdbewegung ist, den Äquator und tritt von der südlichen auf die nörd- Me Himmelshälfte über, um nun auf dieser, bis r22. Juni immer höher steigend uno dann wie- absinkend, ein halbes Jahr lang, bis zum 21 September, zu verweilen. Am 21. März, an also die Sonne über dem Aequator senkrecht w und für alle Orte auf derLinie" mittags trd) den Zenit geht, sind auf der ganzen Erde fn und Nacht gleich lang, wir haben Aequinok- |jtn, und der Frühling beginnt auf der nördlichen, Herbst auf der südlichen Halbkugel der Erde.

>r Kalender verzeichnet an diesem Datum nach fll)ergebrad)tcm Brauch den Uebertritt der Sonne oii dem Tierkreiszeichen der Fische in das des Ddders, obwohl der tatsächliche Stand der Sonne k gleicher Zeit etwa 30 Bogengrade weiter west- K nämlich im westlichen Teil des Sternbildes

Zu Beginn einer von der Landesbauernschaft Hesien-Nassau gemeinsam mit dem Forschungodietist der Deutschen Landbauwissenschaften abgehaltenen Arbeitstagung im großen Saal des Volksbildungs- Heimes in Frankfurt a. M. konnte Landeshauptab^ teilungsleiter Scharch die Vertreter der JBartei und der Behörden, der landwirtschaftlichen Wissen­schaft und Praxis, die Bauernführer und Wirt- fchaftsberater begrüßen.

Anschließend ergriff Landesbauernführer Dr. Wagner das Wort zu weitblickenden Ausführungen überDie Bedeutung der Wissenschaft in der Kriegs- erzeugungsschlacht". Er erinnerte an das Fichte- Wort, daß die Wissenschaft eine praktische Tendenz haben müsse. Der Nationalsozialismus habe diesem Grundsatz eine trag fähige Grundlage gegeben. Der Landesbauernführer zeigte auf, welche Bedeutung den Naturwissenschaften im Rahmen der gesamten Wissenschaft und in ihrer praktischen Einstellung auf die Bedürfnisse der Kriegserzeugungsschlacht zu­komme. In diesem Sinne helfe sie mit, Volk und Heer zu versorgen. Nachdem der Landesbauern- führer die wichtigsten Einzelaufgaben solcher Art näher beleuchtet hatte, behandelte er die schicksal- bestimmende Frage der kommenden Versorgung der Landwirtschaft mit menschlichen Kräften. Die der- zettige Erkenntnis der ausschlaggebenden Wichtigkeit unserer Nahrungsquelle müsse den Blick des gesam­ten Volkes auf die Notwendigkeit eines starken Bauerntums Hinweisen. Die Aufrüstung des Dorfes dürfe nicht Schlagwort fein, sondern müsse zur Tat werden, da der Sieg nur dann ein voller sein werde, wenn in der Mitte Europas ein starkes Bauerntum Bluts- und Nahrungsquell sowie Kul­turträger sei. Der Landesbauernführer berührte dann noch die Frage der künftigen Strukturgestal- tung der landwirtschaftlichen Betriebe mit dem Ziele der Sicherstellung ihrer Lebensfähigkeit. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Ostsied­lung als eine der wichtigsten Blutsfragen der Zu, fünft. Es gelte, die bisher gemachten Anstrengungen kraftvoll und unentwegt auch nach dem Kriege für Führer und Reich fortzuführen.

Auch schmutzige Arbeitshände reinigt miaute

liche unmittelbar an die Hörer heranbringt. Das wurde zum Erlebenskern ihrer Brahms -Lieder. Mit weitem Bogen schwang sie die melodische Linie plastisch geprägt, völlig dem inneren Gefühlsablauf olgend mit letzter rnodulatorischer Fähigkeit und höchster Innerlichkeit des Ausdrucks, der der je­weiligen Situation im Lied bis zum letzten nqch- kam, nichts überging und stets in die Tiefe vor- ließ. Das trat besonders eindringlich in derMai­nacht" zu Tage mit der Versonnenheit des Anfan­ges und dem tragenden Gefühlston.Ein Aufwallen bei aber ich wende mich", ein meisterhaft beherrschtes diminuendo, klanglich vollwertig bis zum Ver­hauchen; ergreifend die letzten Worte in ihrem mezza-voce-Slang. Naturerleben und Seelenbewegt­heit flössen in dem LiedeAuf dem Kirchhof" dra­matisch ineinander, geheimnisvoll verheißend war der Schluß. Befreiend, in der Hingabe sich selbst vergessend, war der Gipfel vonWaldbegrenzter Hohe". Wie sie auf jede Regung einzugehen ver­mochte, bezeugte die ZugabeStändchen'.

Heinz Marten, einigen vielleicht schon durch den Rundfunk bekannt, ist als Tenor ein Lieder­sänger von seltenen Qualitäten. Sein Oraon er­klingt mit sympathischer Färbung mit strahlendem Glanz, ohne jedoch je aufdringlich zu erscheinen. Er ist restlos durchgebildet und darum gefügig und fähig, in allen dynamischen Graden und in allen Lagen vollwertige, gesunde Klänge zu geben, und läßt nirgends durch seine homogene Struktur die geringste Spur von 'Registerlichkeit erkennen. Er kann im Wohlklang schwelgen,-zu machtvoller Fülle aufstrahlen, im feinsten Pianissimo den Ton spin­nen, ohne dabei auf die voy unfern Tenören leider oft angewendete, aber klanglich nicht vollwertige Kopfstimme zurückgreifen zu müssen, die ja doch meist nur eine Art Fistel darstellt. Von solcher Basis aus kann man Heinz Marten als einen berufenen Liedersänger bezeichnen, denn seine darstellenden Kräfte sind in höchstem Maße entwickelt. Seine Lieddarbietung ist ein völliges Aufgehen in der Aufgabe mit engster Bindung an die Situation und feinsinnigem Eingehen auf jeden einzelnen Zug im Musikalischen und ganz besonders auch in per Deklamation. Die starken Gegensätzlichkeiten in den Liedern von Hugo Wolf aus dem Spanischen Liederbuch waren bis zur feinsten Nuancierung hm plastisch geprägt (.Köpfchen, Köpfchen nicht ge-

Gießener Konzertring.

Lore Fischer und Heinz Marten.

Gs ist ein eigen Ding um den Duettgesang. In süheren Zeiten lebte er in der Hausmusik und im Zvnzert. Wir werden meist an ihn erinnert, wenn t r alte Notenstöße durchblättern, aber nur selten Kren wir ihn noch. Vielleicht hat unsere schnell- Imige Zeit nicht mehr die Muße, sich so vertiefend ii ihn zu versenken, daß man ihn wirklich in seinem T ert erfassen könnte, vielleicht fehlt auch die Ge- Iksenheit durch die Aenderung unseres gesellschaft- Jncn Lebens. Wohl hört man auch dann und mann ifiimal Duette vom Podium, wenn sich die Mog- j Inf eit durch die beteiligten Kräfte ergibt; aber sein stierstes Wesen wird dann meist nicht voll erkannt.

Nicht daß zwei zusammen singen, bestimmt den 'kuettgesang allein; auch daß etwa zwei Stimmen w t zueinander stimmen, macht ihn noch nicht allein ks; er muß aus einer Musiziergemeinschaft yer- kiswachsen, die im eingehenden Sich-Erkennen mit kn Willen des Partners den Weg findet zu dem |8erf, frei von eigenem Geltungsbedürfnis als ein Dienen im musikalischen Sinne. Denn erst dann, psnn Stimme und musikalischer Gestaltungswille jk beiden Partnern zur Einheit verschmelzen, wird von wirklichem Duettgesang sprechen können. Grunde genommen ist er eine selbstlose Kunst;

Wie er aber innerlich bereichern kann, wie er uns (Berte zu erschließen vermag, das zeigte der Duett- intertb von Lore Fischer und Heinz Marten.

I Lore Fischer ist uns in Gießen keine Unbekannte (irrhr, und wir haben im Laufe der Jahre ihre Ent- (tDidlung ständig verfolgen können. Was einst Has- Leibes Erwarten war, hat jetzt reiches Erfüllen (Kunden. Lore Fischer ist zu einer der bedeutend­en Vertreterinnen des Liedgesanges geworden. 1$ re Stimmittel haben sich gehörig klanglich gewei- le, haben an Modulationsfähigkeit zu genommen, ir b bas Organ hat eine schöne pastose warme Farbe Ibitommen, wohl berufen. Seelisches zu künden.

Dtnn jetzt ist Lore Fischer eine Gestalterin gemor« bin, die nicht mehr mit den Problemen zu ringen bat, sondern sie beherrscht und ihr eigenes Ich m

gehen bei den Liebgaben von Brahms und Hugo Wolf.

Jubelnder Dank der Hörer lohnte den drei Schaf­fenden. Dr. Hermann Hering.

Drei Nasiermeffer und ein Kuß.

Maria von Ebner-Eschenbach erzählt in ihren Erinnerungen eine Geschichte von Grill­parzer, die für ihn wie für sie selbst bezeich­nend ist. Grillparzer war im Alter ein eigensinni­ger Sonderling, und die Ebner-Eschenbach wav einer der wenigen Menschen, deren Besuche er sich gefallen ließ. Als zu feinem 80. Geburtstags eine Anzahl österreichischer Frauen 20 000 Gulden zusammengebracht hatten, die ganz nach dem Be­lieben des Dichters verwendet werden sollten, hatte er auf die Adresse, daß alles ihm zur Ehre und zur Freude geschehen solle, nur geknurrt:Ehre, no ja, schon gut, wir haben in Oesterreich ohnehin zu wenig Ehre, und was die Freude betrifft, wenn mir die Damen eine Freude machen wollen, dann sollen sie mir drei neue Rasiermesser schenken, weil die meinen schon schlecht sind." Marie von Ebner« Eschenbach hörte von der Geschichte, ließ sich sofort von ihrem Mann die besten Rasiermesser besorgen, die in Wien aufzutreiben waren und wanderte da­mit in die Wohnung des Dichters. Er empfing sie ziemlich ungnädig, aber sie sagte gleich:Seien Sie ganz ruhig, Herr Hofrat, ich geh gleich wieder, ich habe Ihnen nur etwas bringen wollen." Damit öffnete sie das Etui, und tatsächlich zeigte sich Grill« parger beim Anblick der blinkenden Messer sofort versöhnt. Eine wahrhaft kindliche Freude erhellte fein Gesicht, und nachdem er die Messer eine Zeit« lang wohlgefällig betrachtet, stand er auf und gab der Spenderin einen langen ernsthaften Kuß. Diese eilte glücklich über die empfangene Ehre nach Hause. Am nächsten Vormittag ging sie zu den Schwestern Fröhlich, bei denen Grillparzer wohnte, um sich zu erkundigen, wie er mit den Messern zufrieden ge­wesen sei. Sie traf nur Anna zu Hause. Diese war zuerst etwas verlegen, lachte bann aber doch her­aus:Die Rasiermesser grab hat sie bie Kathr fortgetragen zum Umtauschen bie sind ihm roieber nicht recht!"Umtauschen er kann sie nicht brauchen" stammelte die Dichterin.Und ich habe dafür einen Kuß bekommen! Jetzt komme