Umwege -es Herzens
Roman von H.H. Hansen
Copyright by Prometheus »Verlag Dr. Eichadcer • Gröbenzell
4. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Sie war aufgestanden und blutrot geworden. Ihre rechte Hand stützte sich auf die Kante des Tisches, und die linke krampfte sich im Stoff des Kleides zusammen. Plötzlich sah sie Wesen und Art des Mannes und ihrer Ehe anders, als sie es Jahre hindurch getan hatte.
„Ich erwähne alle diese Dinge nur, weil du mich mit deinen Anschuldigungen dazu gezwungen hast. Man kann einer Frau nicht beibringen, welche Bedeutung sie für einen Mann hat. Sie muß es selbst spüren. Du bist ein so eifriger Theatergänger. Ich komme dir deshalb mit einem Wort, das du kennst, aber sicher nie durchdacht hast, weil dein Theaterbesuch wie alle Kunstliebhabereien der sogenannten Gesellschaft nicht einem Herzensbedürfnis entspringt, sondern nur eurer Auffassung vom guten Ton. ,Wenn ihr's nicht fühlt, ihr werdet' nicht erjagen/ Das gilt für eine Frau mehr als für einen Mann. Und Gitta, noch eins. Es konnte sein, was wollte. Selbst wenn du mit all deinen geäußerten Auffassungen recht hättest. Niemals durftest du dich so mit Schmutz und Schande bedecken, wie es geschehen ist. Das warst du mir, deiner eigenen Selbstachtung und deinen Kindern schuldig."
Sie hatte den Kopf tief gesenkt und schluchzte leise vor sich hin. Er sah auf sie nieder und empfand einen Augenblick Mitleid. Dann bedachte er aber die Größe der Schmach, die ihm angetan worden war und schüttelte alle weichen Regungen von sich ab.
„Was ich dir jetzt gesagt habe, ist kein nachträgliches Liebesgeständnis. Meine Liebe zu dir ist ebenso erloschen wie meine Achtung, die ich vor dir gehabt habe. Und den Vorwurf kann ich dir nicht ersparen, daß du alle meine Aufmerksamkeit, meine Mühe, meine Arbeit, mein reslloses Eingehen auf jeden erfüllbaren Wunsch, meine Hilfe für deinen Vater und meine unverstandene nie begriffene Liebe,
nur mit völliger Gleichgültigkeit entgegengenommen hast. Wann warst du jemals zärtlich zu mir? Wann? Nie! Im Anfang dachte ich, die Sprödigkeit des Mädchens, das mich nicht liebte, sondern nur achtete und hochschätzte, würde eines Tages von selbst den Weg finden können. Ich hoffte, daß du aus der Achtung den Weg zur Zuneigung und schließlich zur Liebe finden würdest. Ich hoffte nach der Geburt unserer Söhne* und wurde sogar zärtlich, obwohl ich immer eine Abweisung durch dich befürchtete. Du hast eins vergessen und versäumt, Frau zu sein, eine Frau, die Liebe spendet und Liebe erringt mit den tausend Kleinigkeiten, die einer Frau zur Verfügung stehen."
Zum zweitenmal stand er auf und ging zu seinem Schreibtisch, dessen Schublade er aufschloh. „Ich werde jetzt in deiner Gegenwart ein neues Testament abfassen, das dir statt der bisher bestimmten Hälfte meines Besitzes nur noch eine Jahresrente von zwölftausend Mark für den Fall meines Todes zuspricht.
Die Erziehung der Kinder wird, wenn ich vorzeitig sterben sollte, von dir nur beaufsichtigt, nicht aber gelenkt werden dürfen. Dafür werde ich jeweils mit dem wachsenden Alter der Jungen einen andern Erzieher bestimmen und einen genauen Plan festlegen."
Eine Viertelstunde verging damit, daß Hannes Koßmann einen Bogen Papier eilig beschrieb und kuvertierte. Er wandte sich zu seiner Frau um.
„Den üblichen Schritt der Scheidung werde ich nicht tun. Ich will meine Schande nicht ausposaunen und zum Gespött meiner lieben Nächsten werden lassen. Außerdem will ich den Kindern nicht den Glauben an ihre Mutter nehmen. Sie sollen einmal später mit Achtung von dir sprechen können, auch wenn du diese Achtung nicht verdienst. Aber zwischen uns beiden gibt es keinerlei Gemeinschaft mehr. Wir werden nach außen das alte Verhältnis aufrechterhalten, um keinen Klatsch zu entfesseln. Mehr kann ich nicht tun, so sehr es mir widerstrebt, mit dir weiter unter einem Dach zu hausen."
Sie saßen sich gegenüber und starrten sich an. Er ruhig und gelassen, sie bleich und zusammengeduckt wie nach erhaltener Strafe.
„Und — und — was willst du —?" Sie brach die gestammelte Frage ab.
Frohe tlnierhaliung mit KdF.
Die NS.-Gemeinschast »Kraft durch Freude" hatte zu einem Meisterabend froher Unterhaltung im Gloria-Palast eingeladen, der überwiegend leichter und heiterer Musik gewidmet war. Im Mittelpunkt des recht umfangreichen Programmes standen die Darbietungen des durch den Rundfunk sehr bekannt gewordenen rumänischen Geigenvirtuosen Georges Boulanger mit seinem Orchester. Boulanger, der im ersten Teil der Vortragsfolge als Solist wirkte, nur mit Begleitung am Flügel, hat fein Instrument als eine Art flüsternder Geige spezialisiert. Seine Virtuosität berul)t auf einer subtilen Technik, die gerne mit spielerischen Nuancen brilliert, auf den Wirkungen des Dämpfers und der halben, spitzen, gehauchten und gezwitscherten Töne. Er brachte eine Reihe eigener Kompositionen — B. „Sanssouci", „Allein unter dem Sternenzelt", „Teddybär", „Picci- cato-Walzer" und die ganz humoristisch verspielte „Familienpolka" —, die seine virtuose Eigenart besonders wirkungsvoll zur Geltung brachten. Zuletzt erschien er dann mit seinem kleinen Orchester und erfreute die Zuhörer u. a. mit einer afrikanischen Serenade, der „Strickstrumpfpolka", der ,Lustigen Puppe" (die Mama sagen kann) und dem berühmten „Dacapo", womit er sich, unter stürmischem Beifall, vom Publikum verabschiedete.
Bruno K l i b o r mit seinen Solisten eröffnete das Programm. Der Klangkörper ist auf den Streichern aufgebaut; Handharmonika, Schlagzeug, Flügel und Saxophon geben Akzente und Begleitung im lebhaft rhythmisierten Repertoire. Als Ansager wirkte Earl E i ch h e i m, der nach bekannter Weise die Be- sucher mit allen möglichen munteren Plaudereien unterhielt, von tten Frauen, von der Mode, vom Sport und vom Tanz, sogar vom schweizerischen Temperament und vom Münchener Hofbräuhaus. Vielen Beifall fand er auch als Improvisator am Flügel, wo er beispielsweise das „Aennchen von Tharau" im Stile berühmter Meister spielte; Wagner, Liszt und Beethoven würden gestaunt haben. Die Tänzerin Marja Tamara erfreute mit einem mexikanischen Tanz und einer Groteske. Die fünf Vokal-Melodros musizierten auf ihre Weise als Quartett mit instrumentalen Wirkungen und pantomimisch-parodistischen Pointen; wir hörten z.B. von Jgelhoff „Ich freu mich so", „Reich mir deine kleinen Hände", die erfreuliche Geschichte von Tante Lieschen und Herrn Schmidt und zuletzt, bei besonders stimmungsvoller Beleuchtung, zur Belohnung die berühmte Melodie „Horst du mein heimliches Rufen". Auch dies war natürlich ein Erfolg erster Ordnung. Nach einem eleganten akrobatischen Tant mit Orchesterbegleitung: der italienische Tenor Emilio L e p o r e. Er sang, ebenfalls vom kleinen Orchester begleitet, zunächst einige Stücke in heimischer Sprache, mit weicher Klangfülle und temperamentvoller Wiedergabe, dann auf Deutsch „Dein ist mein ganzes Herz", zum Schluß eine bekannte neapolitanische Weise als Zugabe und Dank für reichen Applaus. — Die Besucher unterhielten sich vorzüglich und sparten nicht mit ihrer Anerkennung.
Hans Thyriot.
Gchwervenvundete sofort anmelden
zwecks Erlangung des Verwundetenabzeichens.
Da festgestellt worden ist, daß noch nicht alle in diesem Kriege schwerverwundeten Angehörigen des Heeres, insbesondere diejenigen, die bereits aus dem aktiven Wehrdienst entlassen worden sind, im Besitz der ihnen zugedachten Auszeichnungen, z. B. des Verwundetenabzeichens sind, werden sie hiermit aufgefordert, sich bei ihrem zuständigen Wehrmeldeamt zu melden.
Unter den Begriff von schweren Verwundungen fallen Verluste von Hand, Fuß oder Auge, völlige Taubheit oder an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit. Als Schwerverwundete sind weiter anzusprechen Hirnverletzte und solche Kriegsbeschädigte, die Entstellungen des Gesichts erlitten haben.
** 7 5 Jahre alt. Am heuttgen Dienstag, 21. Januar, wird der Justizsekretär i. R. Wilhelm Ranft, Am Wingert 2 wohnhaft, in bester körperlicher und geistiger Frische 75 Jahre alt. Dem Jubilar bringen auch wir unfern herzlichen Glückwunsch zu seinem Geburtstage und für einen schönen Lebensabend dar.
** Bienenhonig für Kleinkinder. Das Ernährungsamt Abteilung B gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß bis zum 9. Februar Kinder bis zu drei Jahren je ein Viertel Kilo Bienenhonig erhalten. Die Bekanntmachung sei der besonderen Beachtung der Mütter empfohlen.
Aus -er engeren Heimat
Hauptappell
der Freiwilligen Feuerwehr Grünberg.
4- Grünberg, 20. Jan. Am Samstagabend fand im Hotel „Hirsch" der Hauptappell der Freiwilligen Feuerwehr statt. Wehrführer Reinhard Haas ehrte das Andenken des kürzlich verstorbenen Kameraden Wilhelm Schomber, der 50 Jahre der Wehr angehörte, in der üblichen Weise. Er begrüßte dann Ortsgruppenleiter Schütz, Bür-
Klein-Linden muß im Falle nochmaligen Nicht» antretens aus der Runde genommen werden.
Lehrgangsarbeit im Fachamt Handball
Das Wochenende war wieder der Lehrarbeit de» Fachamtes Handball gewidmet. In Gießen versammelten sich die verantwortlichen Männer der Vereine und Gemeinschaften mit den Spitzenspielern
geworden. Noch bis zum 73. Lebensjahr hatte er in guter körperlicher und geistiger Rüstigkeit die Postagentur verwaltet und ist dann in den Ruhestand getreten. Er starb im 83. Lebensjahre. Die Beliebtheit und Volksverbundenheit, deren sich der Verstorbene erfreute, kam in dem großen Trauer- gesolge zum Ausdruck. Der Obst- und Gartenbau- verein Heuchelheim, dessen langjähriger Vorsitzender der Verstorbene als ein eifriger Obst- und Garten- bauförderer war, gedachte am Grabe der Verdienste seines Ehrenvorsitzenden. Auch der Gesangverein „Teutonia" und die Freiwillige Feuerwehr Heuchelheim erwiesen ihrem Ehrenmitglied die letzte Ehre. Mit Jakob Kreiling ist ein Mann dahingegangen, der durch seinen echten Sinn für den Heimatgedanken in unserem Dorfe tief verwurzelt war.
# Mainzlar, 20. Jan. Der Obergefreite Erich V o g e l von hier, der bei einem motorisierten Trum penteil im Felde steht, wurde zum Untervsft- zier befördert.
! Großen-Linden, 20.Jan. Der Zweig, verein , Lütten berg" vom DHC. unter- nahm am Sonntag feine erste Wanderung in diesem Jahre. Sie stand unter dem Motto „Rund um Gro- ßen-Linden". Der Weg führte durch die Groß-Lin- dener Sttaßen, am Friedhof vorbei, nach dem Luh- Wäldchen und der Luhmühle. Auf der Höhe bot sich den Wanderern ein überraschend schönes Winterbild von Großen-Linden und Umgebung. Don der Luhnrühle ging es am Mühlgraben entlang zur Bauernmühle im Kleebachtal und von ba_ nach Großen-Linden, hier wurde das alte ehrwürdige Kirchenportal besichtigt zurück.
Kreis Lauterbach.
Ulrichstein, 20. Januar. Der Feldwebel bei einer Nachrichtentruppe Werner Groh wurde zum Leutnant befördert. Sein Bruder, der Unter* offizier Heini Groh, erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse, ebenso der Unteroffizier Karl S e i m. — Als der Landwirt R. abends seine Scheuer schlle* ßen wollte, hörte er ein Geräusch. Beim Nachsehen fand man ein vollständig ermattete» Reh. Nach guter Pflege wurde ihm die Freiheit wiedergegeben. Auch vier Hirsche aus dem Oberwald kann man fast täglich in unserer Gemarkung sehen.
und Schiedsrichtern.
Im Bezirk Gießen (Fachamt Handball) hat sich im Laufe der Zeit eine neue Art der Durchführung praktischer bzw. fachlicher und überfachlicher Lehrgänge durchgesetzt. Man geht davon aus, daß es nicht damit getan ist, die Schulung zu trennen. Wichttg und zweckdienlich ist vielmehr die Ausbll- dungsarbeit auf breiter Grundlage unter Heranziehung aller Kameraden. Gewiß wird in jedem Falle der Charakter eines Lehrganges (Spitzenspieler, Schiedsrichter o. dgl.) gewahrt, wesenllich aber ist, daß die Kameraden ohne Ausnahme in allen Sparten aus- und durchgebildet werden.
Diese Grundsätze lagen der Lehrgangsfolge auch diesmal wieder zugrunde. Der Lehrgang war für Spitzenspieler angesetzt und sah zunächst praktische Arbeit vor, die darauf hinzielte, das vorhandene Material zu sichten, um für spätere Aufgaben in jedem Falle gerüstet zu sein. Dabei ergab sich, daß es gerade im Hinblick auf das zur Verfügung stehende Material sebr schwer fallen wird, die richtige Auswahl zu treffen. Das ist ein Beweis dafür, wie vorbildlich in dieser Hinsicht gearbeitet worden ist. Neben rein fachlichen Angelegenheiten (Regelbesprechungen usw.) wurden Derwaltungssachen besprochen, die, wie sich immer wieder gezeigt hat, auch für den aktiven Spieler von großem Nutzen sind. Der Schulung kam noch der Umstand zugute, daß das Bereichsfachamt feine Bezirksfachwarte und deren Schiedsrichterobleute zu einer Arbeitstagung Ausammengezogen hatte. Ein Teil von ihnen konnte seine Erfahrungen ebenfalls mitteilen, so daß der Gedankenaustausch zwischen allen Teilen des Bereichs sehr rege war.
Schwere Bluttat in Muschenheim.
In Muschenheim (Kreis Gießen) wurde am gestrigen Montagmittag ein Verbrechen aufgedeckt, mit dessen Aufklärung die Gendarmerie und die Staatsanwaltschaft Gießen zur Zeit noch beschäftigt sind. In dem Wohnhause des in der Hessengasse in Muschenheim allein und meist einsam für sich lebenden 47 Jahre alten Landwirts Knr l Seipp bemerkte man noch in den Mittagsstunden des Montags brennendes Licht, von dem Hausbewohner aber waren keinerlei Wahrnehmungen zu hören. Die Nachbarn kamen auf die Vermutung, daß hier irgend etwas nicht stimme, und fie benachrichtigten deshalb die Gendarmerie. Als diese das Haus gewaltsam öffnete, fand sie Seipp in schwer- verletztem Zustande mit mehreren Stichen am Kopfe und in der Brust vor. Nach den ersten Aeußerungen des schwerverletzten Mannes ist anzunehmen, daß er in der vorhergegangenen Nacht vom Sonntag zum Montag von einem jungen Menschen, der aus Muschenheim stammt und dessen Persönlichkeit er genau bezeichnete, in seinem Hause ü b e r f a H e n worden ist. Er sei durch ein Geräusch im Hause wach geworden und habe nach dessen Ursache sehen wollen, dabei habe er sich plötzlich diesem jungen Manne gegenüber gesehen. Weitere Angaben waren von dem Schwerverletzten bis zum gestrigen Abend nicht zu erlangen. Er yrußte dem Krankenhaus in Lich zugeführt werden, wo er gestern abend noch nicht vernehmungsfähig war. Die Ermittlungen der Gendarmeie, vor allem auch nach dem Verbleib des bezeichneten jungen Mannes, find noch im Gange.
Iahreshauplappell der Kriegerkameradschast Lollar.
—.— Lollar, 20.Jan. Am Sonntagnachmittag hielt die Krieaerkarneradschaft Lollar ihren sehr gut besuchten Jahreshauptappell ab. Nach Begrüßung der Kameraden, insbesondere der beiden ältesten Ehrenmitglieder Christoph R i n g l e b und Karl B i e r a u sowie der beiden aus dem Kriegsdienst wieder entlassenen Kameraden Ernst Kaletsch und Ernst Leib durch den Kameradschaftsführer Zaubert wurde der Opfer des Weltkrieges, der Opfer der Bewegung und der im jetzigen Krieg gefallenen sowie der im abgelaufenen Jahr verstorbenen sechs Kameraden bei gesenkter Fahne gedacht.
Der hierauf erstattete Jahresbericht ließ eine rege Tätigkeit der Kameradschaft während des verflossenen Jahres erkennen.
Der Kassenwart Johannes Schmitt erstattete den Kassenbericht, der eine« günstigen Kassenbestand aufwies.
Nunmehr erfolgte die Ehrung der Kameraden Ludwig Geißler V., Ludwig Hofmann V., Friedrich Riehm und Karl Reißenweber, die für ihre fast 50jährige treue Zugehörigkeit zur Kameradschaft zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden. Den Kameraden Adolf Göttlich, Willi B o r s ch e l und Ludwig Klinke! XII. wurde die von ihnen geschossene bronzene Ehrennadel und dem Kameraden Heinrich Viehl, als bester Schütze im Endkampfschießen, die vom Kreis tri egerführer ge- sttftete Plakette überreicht.
Der Kameradschaftsführer brachte wieder die enge Verbundenheit zwischen den einberufenen Kameraden und der Heimat zum Ausdruck, indem er Dankschreiben solcher Kameraden bekannt gab und ihnen vom Appell wieder Kartengrüße iiberfanbt wurden. Der der Kameradschaft vom Reichskrieger- führer verliehene Fahnennagel für die Teilnahme am Großdeutschen Reichskriegertag 1939 in Kassel wurde alsdann an der Bundesfahne angebracht. Nach Erledigung einiger weiterer geschäftlicher Angelegenheiten wurde der Appell in der üblichen Weise geschlossen. Anschließend blieben die Kameraden noch einige Zeit in bester Kameradschaft beisammen.
Der Handballsonntag.
In der Bereichsklasse kam diesmal nur ein Spiel zum Austrag. In Garbenheim standen sich die Platzbesitzer und der Tv. Hochelheim zum entscheidenden Spiel gegenüber. Garbenheim konnte die Chance nicht nutzen und verlor nach aufregendem Kampf. Lützellinden und Katzenfurt verzichteten beide auf Spiel und Punkte. Auch bei der Jugend gab es Ausfälle, die sich aber vorerst noch nicht weiter auswirken werden.
Tv. Garbenheim — Tv. Hochelheim 9:14 (4:2).
Das interessanteste und vor allem wichtigste Treffen kam in Garbenheim zum Austrag. Für beide Gegner stand außerordentlich viel auf dem Spiel. So ist es nicht verwunderlich, daß man alles aufgeboten hatte. Trotzdem hatten die Gäste nur 10 Mann zur Verfügung, und auch Garbenheim hatte Ersatz in seinen Reihen. Das Spiel begann sehr verheißungs- voll für G., bei Halbzeit hatte man bereits eine knappe Führung herausgearbeitet. Als kurz vorher allerdings der beste Mann der Hintermannschaft ausscheiden mußte, war es um die Elf geschehen. Hochelheim nutzte die Gelegenhett geschickt aus und konnte nicht nur den Rückstand aufholen, sondern auch noch unzweckmäßig umstellten, war ihr Schicksal auch noch unzweckmäßig umstellten war ihr Schicksal besiegelt. Hochelheim konnte einen beachtenswerten Sieg sicherstellex, der es erneut an die Spitze gebracht hat.
germeister König sowie den Kreisführer Bouffier (Gießen), Gendarmeriemeister Manz und Vertreter der Wehr von Lauter. Bürgermeister König sprach zu der Vereidigung der Wehr und zum Feuerwehrrecht. Er dankte dem Wehrführer Haas für alles, was er für die Wehr und die Stadt geleistet hat. Hierauf vereidigte er den Wehrführer. Anschließend vereidigte der Wehrführer die Unterführer Karl I ö ck e l I., Richard Äöckel, Karl Böß und Hans Carle. Ebenso wurden dann die Trupp-, Obertrupp- und Haupttruppmänner vereidigt.
Wehrführer Haas gab hierauf einen Bericht über das abgelaufene Geschäftsjahr, das 67. seit Bestehen der Wehr. Im Jahre 1940 wurden sieben Hebungen abgehalten, a« drei Hebungen nahm die HI. teil Der Hauptwert bei den Hebungen wurde auf die Handhabung der Motorspritze gelegt, mit der zwölf Hebungsfahrten in die Hrngegend durck)- geführt wurden. Arn 11. Juni wurde die Motorspritze zur Bekämpf«ng eines Großfeuers nach Leihgestern beordert, am 4. August mußte fie bei einem WaDbrande bei Lehnheim eingreifen. Die Stadt ließ für die Wehr eine Anzahl Gasmasken beschaffen. Truppführer Karl Böß sprach dann über die Gruppe. Truppführer Richard I ö ck e l las dann Briefe von Kameraden aus dem Felde vor, denen von der Wehr Weihnachtspäckchen gesandt worden waren. Es fand noch eine Aussprache über Streifendienst und die Motorspritzenmann- schäft statt.
Nachdem Ortsgruppenleiter Schütz noch über die Tätigkeit der Wehr in der Kriegszeit gesprochen hatte, schloß Wehrführer Haas den Hauptappell in der üblichen Weise.
Landkreis Gießen.
L_ Heuchelheim, 20. Januar. Am gestrigen Sonntag wurde hier der über die Grenzen Heuchelheims hinaus bekannte Postagent i. R. Jakob Kreiling zur letzten Ruhe bestattet. Durch sein Amt als Inhaber der Postagentur, das er 37 Jahre lang treu verwaltet hat, war er bei allen Einwohnern eine bekannte und geachtetete Persönlichkeit
Zugendspiele.
Tv. Wreseck — Tv. Hausen 2:6 (2:2)
Mtv. Gießen — Tv. Klein-Linden kpfl. f. Gießen.
Wieseck konmmt mehr und mehr auf und stellt heute bereits eine der besten Jugendmannschaften des Bannes. Das hat einmal mehr Hausen merken müssen, das alle Mühe hatte, einen knappen Sieg sicherzustellen.
„Das habe ich erwartet. Natürlich fragst du jetzt auch noch nach meinen Entschlüssen, die deinen — nun, deinen Liebhaber betreffen. Mit ihm werde ich abrechnen, das ist gewiß. Ich muß es tun, ohne die Öffentlichkeit auf die Hintergründe aufmerksam zu machen. Meine Pläne stehen fest. Du wirst dich darum nicht zu kümmern haben, um so mehr, als du nach eigenem Eingeständnis für diesen Menschen nichts weiter übrig hast. Hnd nun sind wir fertig. Oder hast du noch eine Frage?"
Sie schüttelte erst nach längerer Zeit den Kops und erhob sich bann wie gebrochen. Das Gesicht wirkte grau und zerfallen, die Augen lagen tief in den Höhlen. Hannes Koßmann ging zur Tür und öffnete sie weit. Seine Frau ging hinaus, ohne ihn noch einmal anzublicken.
*
Am anderen Tag schickte Koßmann dem Kapellmeister Kühlitz eine kurze schriftliche Mitteilung durch Boten, daß er leider verhindert fei, bereits abends mit ihm zusammen den Jagdausflug anzutreten. Er bitte ihn aber, selbst vorauszufahren, da es Samstag sei. Am Sonntagvormittag werde er wahrscheinlich nachkommen.
Kühlitz war von der Absage enttäuscht, wollte aber die einmal gefaßten Pläne nicht aufgeben und bestellte deshalb seinen Wagen zu elf Uhr abends vor das Theater, um allein zur Jagdhütte zu fahren, morgens einen Pirschgang anzutreten und dann die Ankunft Koßmanns zu erwarten.
Dieser verbrachte den Tag wie üblich. Er traf bereits gegen halb acht Hhr in der Fabrik ein, arbeitete bis mittags um zwei Hhr, aß in einem Restaurant und erschien um drei Hhr wieder im Werk zu einer Besprechung, an der außer dem kaufmännischen Direktor auch der technische Leiter und drei Ingenieure teilnahmen. Die Verhandlungen zogen sich bis acht Hhr abends hin. In,zwischen hatte Koßmann den Vertreter einer Rohstahllieferfirma bestellt und verhandelte mit diesem von halb neun bis kurz vot elf Hhr weiter. Erst um elf Uhr verließ er das Werk. Mitternacht war nahe, als er endlich die Tür feines Hauses abschließen konnte.
In der Halle legte er ab und ließ sich dann von dem Chauffeur in der Küche noch etwas Kaffee kochen und einige Brote zurechtmachen. Kurz vor
halb eins zog sich der Mann zurück, nachdem er feinem Herrn gute Nacht gewünscht hatte.
Kaum war der Chauffeur aus dem Zimmer, als Koßmann sich erhob, aus dem Waffenfchrank einen zur Pirschbüchse umgearbeiteten Militärkarabiner nahm und die Waffe prüfte. Er hatte die Büchse so anfertigen lassen, daß sie in zwei Teile zerlegbar war und leicht im Rucksack untergebracht werden konnte. Aus einem Wandschrank nahm er zwei Rahmen mit Munition und steckte das Ganze zusammen in einen Rucksack. Aus seinem Schlafzimmer besorgte er sich noch einen alten Wettermantel und einen dazu passenden Hut. Es waren Kleidungsstücke, die er auf der Jagd zu tragen pflegte.
Um zehn Minuten vor eins stieg Hannes Koßmann durch das Fenster in den Garten, zog hinter sich den Flügel zu und sprang über die niedrige Hecke des Vorgartens auf die Straße. Mit elligen Schritten lief er zum Bahnhof Grünewald und er» reichte gerade noch den dort in Richtung Belzig abgehenden Personenzug. Es war zwei Hhr, als er zwei Stationen vor Brück den Zug verließ, und völlig unbeachtet von dem Bahnsteig hastete. Nun hatte er noch sechs Kilometer Fußmarsch bis zum Jagdhaus. Er war ein ausgezeichneter Wanderer und schaffte die Strecke in fünfzig Minuten. Der neue Tag war im Werden, als er sich in hundert Meter Entfernung vor der Jagdhütte an einen Baurn lehnte, um zu verschnaufen. Regungslos beobachtete er den Eingang zu dem kleinen Gebäude. Als sich nach einer Viertelstunde immer noch nichts regte, ging er auf die Hütte zu und klopfte an die Tür. Sofort kam von drinnen Antwort. Eine Minute später öffnete der Kapellmeister. Er war überrascht, den Freund schon jetzt zu sehen.
„Großartig, daß du schon da bift Da wollen wir mal ..." Er fuhr hastig in seine Kleider, tat einen Schluck aus der mit heißem Kaffee gefüllten Thermosflasche und ging dann mit Koßmann zusammen in Richtung nach einer Waldlichtung, auf der die Rehe auszutteten pflegten. Unterwegs sprachen fie, wie Jagdliebhaber es zu tun pflegen, von ihren Aussichten, erörterten die verschiedenen abschuß- reifen Böcke im Revier und verstummten erst, als sie sich auf einem schmalen Pirschweg der Lichtung näherten.
^Fortsetzung folgt.)


