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ttr. 195 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Montag. 18. August 194t

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Verdunkelungszeit

18. August von 20.43 bis 6.04 Uhr.

Aus der Stadt Gießen.

Blick zu den Wolken.

Oester als sonst werden sich in dieser Zeit die ®ndjtcn, um die Wolkensormen ät fiJS hUn?ÄÖanQ<? ein $ilb au machen. c i>ch n>oi)I bas üßettfr gestalten wird. Kein Ge- rmgerer als Goethe hat, auf den Erfahrungen an- derer süßend, dis Kenntnis der Wolkenformen wei­ter ausgebildet, aber lange oor ihm war die Wet-

T* 6lct!r ®runblage dem Landmann ge- läufig, und in alten Kalendern und Sprichwörtern finden sich wertoolle Angaben, oon denen oieles die scharfsinnige Beobachtung des Volkes zeigt und vor der nachprusenden Wissenschaft standhält Besonders zur Zeit des Sonnenaufgangs und des Sonnenuntergangs ist der Himmel seit ältester Zeit auf die Wolkenbildung und die Farbengebung hin geprüft worden, und man hat Beobachtungen gemacht, die die Wissenschaft durchaus bestätigt hat.

.ro^r Himmel beim Sonnenuntergang gutes Wetter vorhersagt, ein roter Himmel am Morgen dagegen mit Mißtrauen gegen die Witte­

rung erfüllen muß, haben Meteorologen durch die Feststellung bestätigt, daß auf feinem roten Sonnen­aufgang in 70 v. H. aller Fälle in den nächsten Stunden ein Regen folgt, während ein schöner, in klarem rot strahlender Sonnenuntergang mit der­selben Wahrscheinlichkeit schönes trockenes Wetter bringt. Eine noch sichrere Warnung als die rote Färbung am Morgen ist eine grünliche am Himmel, wenn sie gegen Abend über dem westlichen Horizont auftritt. Dann muß man mit einer Wahrscheinlich­keit von 8 zu 1 damit rechnen, daß das Wetter am nächsten Tage naß und stürmisch wird. Auch ein fahler gelber Sonnenuntergang muß als böses Vor­zeichen gewertet werden.

Beobachtet man die verschiedenen Wolkenformen, so deuten die Zirrus-Wolken, die unruhigen feder- artigen Bildungen, auf stürmische Witterung hin. Wenn diese fließenden Schleier rasch und in gro­ßen Mengen an einem klaren sonnigen läge von. Westen her bei einem südlichen oder südwestlichen Wind dahingetrieben werden, so darf man an­nehmen, daß das gute Wetter nicht mehr lange an- halten wird. Bedecken diese Wolken den Himmel allmählich mit einem dünnen weißen Schleier und zeigen sich zu gleicher Zeit farbige Halbringe um die Sonne, so darf man Mantel und Regenschirm nicht zu Hause lassen. Dieselbe Vorsichtsmaßnahme soll man bei einer dichten Zusammenballung dieser Wolken anwenden. Wenn sich nach mehrstündigem Regen der Wind dreht, dann ist dies ein Zeichen dafür, daß es wieder schöner wird, wenn man auch noch mit einigen Schauern zwischen den sonnigen Stunden rechnen muß.

Gefährlich sind auch die turmartigen Aufbauten der Wolken, die uns das Herannahen eines Ge­witters verkünden. Die gewöhnlicheCumulus"- oder Haufenwolke bringt uns schwere Regenschauer, die nicht selten von Blitz und Donner begleitet sind. Diese Beobachtung der Wolken ist ein weites Ge­biet, für das die Bauernregeln so manche wertvolle Aufklärung geben. Wenn man an einem düsteren grauen Morgen am Himmel ein Stück Blau er­blickt,groß genug, um daraus ein Paar Hosen zu machen", dann wird uns ein schöner Tag be­schert sein. Auch die Behauptung, daß der Regen am Morgen Aufklärung am Mittag bringe, ist in den meisten Fällen richtig. Die Ursache dafür ist, daß Regenfälle in unseren Breiten gewöhnlich nicht länger als vier bis fünf Stunden anhalten.

Wichtige Anzeichen einer sicheren Wetterlage sind die ungewöhnliche Durchsichtigkeit der Atmosphäre bei Tag und das deutlicheBlinzeln" oby Flim­mern der Sterne bei Nacht. Unter die unlt)egrünbe= ten Bauernregeln gehört der Glaube, daß die Sonne Wasser zieht", wenn ihre Strahlen wie ein un­geheurer Scheinwerfer durch eine Wolkenöffnung auf die Erde fallen. Diese Erscheinung wird nur durch Staubteilchen in der Bahn der Sonnenstrah­len hervorgerufen und kann eher als ein gutes als ein schlechtes Vorzeichen angesehen werden. Regen­bogen am Morgen oder am Abend besagen, daß Regenfälle in der Umgegend sind. B.

Gemeinnützige Vangenossenschast 1894 Gießen.

Am Samstagabend fand in der Gastwirtschaft "Germania" die Jahreshauptversammlung der Ge­meinnützigen Baugenossensck>aft 1894 e. G. m. b. H. Gießen statt, die vor allem der Entgegennahme des Geschäftsberichts und des Jahresabschlusses für 1940 diente.

Der Vorsitzer des Aufsichtsrates, Verroaltunas- direktor Martin, als Versammlungsleiter gebadete Zu Beginn der Versammlung u. a. der im abge­laufenen Geschäftsjahr verstorbenen Genossenschafts­mitglieder, deren Andenken in üblicher Weise ge­ehrt wurde. Hierauf erstattete der Vorsitzer des Vorstandes H. Schneider den Geschäftsbericht 1940, dessen wichtigste Angaben wir in unserer Aus­gabe vom vorgestrigen Samstag bereits mitteilen konnten.

3um Jahresabschluß 'für 1940 gab das Vorstands­mitglied Willi Werner eine Reihe von Erläute­rungen, denen wir u. a. folgendes entnehmen: Die bebauten Grundstücke standen am 31. Dezember 1940 mit 2143 331,62 RM. zu Buch. Die Forde­rungen für ausgeliehene Hypotheken betrugen am Schlüsse des Geschäftsjahres 19 283,42 RM. Die Tilgungen betrugen im Berichtsjahre 7006,65 RM. und standen weit über der vertragsmäßigen Til­gung. Die Forderungen find an erster Stelle hypo­thekarisch gesichert. Da auch im Berichtsjahr mit der Aufnahme einer Neubautätigkeit nicht gerechnet werden konnte, haben Vorstand und Auffichtsrat be­schlossen, freie Gelder zur besseren Verzinsung in Wertpapieren anzulegen. Dabei handelt es sich um Schatzanweifungen des Deutschen Reiches. Der da­für bis zum Schluffe des Geschäftsjahres angelegte Betrag erreichte die Höhe von 15 016,85 RM. Er­freulicherweise sind die Rückstände an Mieten auch im Berichtsjahre weiter zurückgegangen. Steilere Mitrückstände bestehen überhaupt nicht mehr, und der Vorstand hofft, daß am Schlüsse des laufenden Geschäftsjahres überhaupt keine Mietrückstände mehr zu verzeichnen fein werden. Das Umlaufsoer­mögen betrug am Schluffe des Geschäftsjahres noch 52 000 RM. Wie bereits im Bericht für das Ge­schäftsjahr 1939 ausgeführt, handelt es sich hierbei um sofort verfügbare, aber noch nicht in Anspruch genommene Gelder für Hypotheken auf die Neu­bauten im Tannenweg. Im Berichtsjahre hat die Verwaltung rund 20 000 RM. hiervon in Anspruch genommen, um eine hochoerzinsliche Hypothek ab­zutragen. Die dadurch erzielte Zinsersparung be­läuft sich jährlich auf rund 300 RM. Der Ge­schäftsguthabenstand der Mitglieder belief'sich am Schlüsse des Berichtsjahres auf 146 841,37 RM. Hiervon schieden am Schlüsse, des Geschäftsjahres durch Tod oder Austritt oon Mitgliedern 9623,37 NM. aus, so daß die Guthaben der verbleibenden Mitglieder noch 137 218,10 RM. betragen, also 4 056,03 RM. mehr als am Schluffe des Geschäfts­jahres 1939. Dem Zugang in Höhe von 14 114,30 RM. einschließlich der zugeschriebenen Dividende steht ein Abgang oon 6507,05 RM. gegenüber. Die rückständigen Mindestzahlungen betragen noch 32 681,06 RM., somit 4997,63 RM. weniger als am Ende des Vorjahres. Bei den Vermögensrücklagen belief sich' am Schluffe des Geschäftsjahres die ge­setzliche Rücklage auf 34 159,24 RM., d. h. sie war um 2039,10 RM. höher als im Berichtsjahr 1939. Bei der Hilfsrücklage in Höhe von 139 494,98 RM. ist eine Veränderung im Berichtsjahr nicht einge­treten. Die Bauerneuerungsrückstellung ist mit 55 311,24 um 9205,34 RM. stärker als am Schlüsse des Vorjahres. Die Stärkung dieser Rückstellung er­achtet die Verwaltung für sehr wichtig, da die Ge­nossenschaft nach dem Kriege großen Jnstanb- setzungsarbeiten gegenüberstehen wird. Der Wasser-, Frost- und Sturmschäden-Rückstellung wurde aus dem Reingewinn von 1939 der Betrag von 1800 RM. zugewiesen. Eine weitere Stärkung dieser Rückstellung erachten Vorstand und Aufsichtsrat für notwendig, um eine Deckung für evtl, eintretende größere Schäden zu haben. Die Gesamtoerbindlich- teiten an Hypothekenschulden und sonstigen Schul­den betrugen am Schlüsse des Geschäftsjahres 1 852 357,60 RM., das sind 48 187,25 RM. weniger, als am Ende des Vorjahres. Als Zugang sind die Straßen- und Bürgersteigkosten in Höhe von 8115,24 RM. zu verzeichnen. Die Tilgungen wur­den stets vertragsgemäß erfüllt. Gegenüber dem Vorjahre ist die Miete-Vorauszahlung um rund

500 RM. gestiegen. Die vorausbezahlte Miete macht nun ca. 9 v. H. des Miete-Solls aus.

In der Verlust- und Gewinnrechnung wird u. a. mitgeteilt: Die Abschreibungen auf Wohngebäude betragen insgesamt 34 914 RM. und wurden mit 1 bis 2 v. H. vorgenommen. Bei den Geschäftsun­kosten find Veränderungen gegenüber dem Vorjahr nicht eingetreten, die Höhe der Unkosten bewegt sich in der zulässigen Grenze. Die Betriebskosten er­reichten eine Höhe von 34 909,15 RM., das sind 2982,16 RM. mehr als im letzten Berichtsjahr. Von diesen Kosten entfallen 20 724,15 RM. auf Be- fihfteuern (im Vorjahr 18 582,82 RM.), die weitere Differenz der Erhöhung liegt in Schornsteinfegerge­bühren und Brandversicherungsbeiträgen. Für Jn- standhaltungskosten wurden zusammen 8645,21 RM. ausgegeben, davon entfallen auf laufende Kosten 5442,79 RM., auf außergewöhnliche Kosten 3202.42 RM. Der Bauerneuerungsrückstellung konnte ein nichtverbrauchter Betrag in Höhe von 9654,79 RM. zugewiesen werden. Insgesamt wurde das Jnstand- haltungskosten-Konto mit 18 300 RM. belastet. Die außergewöhnlichen Aufwendungen entstanden durch die neuen Einfassungsarbeiten an der Straßenfront Licher Straße (Plattenhausen). Für Zinsen wurden 67 689,96 RM. aufgewandt, das sind 1520,66 RM. weniger infolge ersparter Zinsen als im Berichts­jahr 1939. Die Gesamteinnahme der Erträge aus Nutzungsgebühren und Mietzuschüssen beträgt 173 571,90 RM. Bei den Zinsen und sonstigen, Kapitalerträgen beläuft sich der Gesamtertrag auf 1256,32 RM. Sonstige Erträge sind mit 2773,80 RM. ausgewiesen. Den Gesamterträgen in Höhe von 177 602,02 RM. stehen Aufwendungen in Höhe von 166 921,51 RM. gegenüber. Es ergibt sich so­mit ein Reingewinn von 10 680,51 RM., der nach dem Vorschlag von Vorstand und Aufsichterat wie folgt verteilt werden soll: Zuweisung zur gesetzlichen Rücklage 1100 RM., Zuweisung zur Bauerneue­rungs-Rückstellung 2041,71 RM., Wasser-, Frost- und Stürmschäden-Rückstellung 2200 RM., Ver­teilung von 4 v. H. Dividende 5338,80 RM.

lieber die wirtschaftliche Lage der Genossenschaft wurden folgende Angaben gemacht: Das Anlagever-

Der Name Reißwolle kann eigentlich zu irrigen Auffassungen führen, denn die Fasern dürfen ja nicht zerrissen werden, sondern es gilt, sie zu lösen, sie zu erhalten. Und der Sinn der Spinnstoff- f a m m l u n g ist ja, Faseraltstoffe wieder brauchbar zu machen, und das geschieht eben dadurch, daß man die Wolle wieder aufbereitet.

Die dem Lumpenhändler überlassenen Lumpen werden bei diesem bereits vorsortiert, und die für die textile Wiederverarbeitung unbrauchbaren Dinge, wie zerrissene Hosenträger, Hutkrempen usw., werden der Pappinduftrie zugeführt. Die Baumwoll­sorten werden abgezweigt, und die besseren wollenen Sorten bleiben übrig. Es bestehen sehr genaue Sor­tiervorschriften, die Anordnung W L 5 sieht 419 Lumpensorten mit Höchstpreisen vor.

Man unterscheidet zwischen Neumaterial und Alt­material. Das Neumaterial besteht in der Regel aus Abfällen aus den Schneiderstuben und das Altmaterial aus mehr oder weniger stark abge­tragenen Lumpen. Der Mittelhandel übernimmt die weitere Sortierung. Er leitet das Material an den Großhandel weiter, der die Feinsortierung vor­nimmt. Von hier aus gelangt das Material an die Reißwollindustrie, die für die Textilindustrie die Aufbereitung übernimmt Die Forster Tuchmacher gehen von jeher ihre eigenen Wege. Sie suchen sich das Lumpenmaterial aus, welches sie jeweils be­nötigen und stellen sich ihre Reißwolle selbst her.

Aus einem Lumpenballen greifen wir eine alte Wolljacke heraus und lassen uns belehren, daß noch sicher 95 v. H. der Wollfasern unverbraucht sind und wieder aufbereitet werden können. Bei Tuch- lutnpen ist die Zurückgewinnung der Wollfasern schon viel schwieriger, da diese bereits zu stark ver­filzt sind. Auch die kunstseidene Faser wird wieder­gewonnen und aus ihr ein sehr gutes Erzeugnis hergestellt.

mögen beträgt 2143 332,62 RM, das Betriebsver­mögen beläuft sich auf 101 766,06 RM., mithin Ge­samtvermögen 2 245 098,68 RM. Das fremde Kapi­tal beläuft sich auf 1 856 811,34 RM., so daß sich ein Vermögen der Genossenschaft in Höhe von 388 287,34 NM. ergibt, gegenüber 365 214,47 RM. im Vor­jahre. Gegenüber dem Vorjahr ist somit eine Stei­gerung um 23 072,87 ^RM. in dem Genossenschafts- Vermögen eingetreten. Hinsichtlich der Zahlungsbe­reitschaft. wird festgestellt: Die kurz- und mittelfristi­gen Verbindlichkeiten der Genossenschaft betrugen am Ende des Geschäftsjahres 11 671,82 RM., dem­gegenüber standen an flüssigen und schnell flüssig zu machenden Mitteln 80 841,91 RM., somit am Ende des Berichtsjahres ein Ueberschuß in Höhe von 69 170,09 RM. Die Zahlungsbereitschaft waL somit gegeben.

Der Vorsitzer des Aufsichtsrats, Verwaltungs­direktor Martin', erstattete hierauf den Bericht des Aufsicht srats, in dem die Geschäftsführung des Vorstandes anerkannt und zustimmend beurteilt wurde. Gleichzeitig dankte er den beiden Bericht­erstattern und dem gesamten Vorstand für ibrS Arbeit im Interesse der Genossenschaft im verflosse­nen Jahre. Er gab weiterhin den Bericht über die gesetzliche Prüfung bekannt, in dem hervorgehoben wird, daß auch seitens des Verbandsprüfers keiner­lei Beanstandungen zu machen waren, die Geschäfts­führung des Vorstandes und die Tätigkeit des Auf­sichtsrates ebenfalls mit Anerkennung vermerkt wer­den und besonders betont wird, daß die wirtschaft­liche Lage der Genossenschaft als gesund zu bezeich­nen ist.

Hierauf wurde der Jahresabschluß 1940 einstim­mig genehmigt, ebenso einhellig wurde der vom Vorstand und Aufsichtsrat vorgeschlagenen Vertei­lung des Reingewinnes für 1940 zugestimmt. Dem Vorstand und dem Aufsichtsrat wurde mit Dantes* warten einstimmig Entlastung erteilt. Noch ein­mütiger Beschlußfassung über einige Satzungsände­rungen wurden die turnusmäßig aus dem Aufsichts­rat ausscheidenden Mitglieder, Verwaltungsdirektor Martin und Maschinist Schuck, einstimmig aus eine neue Amtszeit von drei Jahren wiedergewählt.

Der Versammlungsleiter, Aufsichtsratsoorsitzer Martin, schloß hierauf die Versammlung in der üblichen Weise.

Auf einem Fabrikhof sehen mir, wie die Lumpen nochmals nachsortiert werden. Dann werden sie entstaubt, nachdem der Lumpenhandel auf großen Sortiermaschinen das Material schop einmal abge­saugt hatte. Ist der Staub entfernt, wandern die Lumpen in die Färberei, nachdem auch bei den verschiedenen Sortierungen schon Farbsortierungen ftattfanöcn. Nun geht es zur Reißerei. Die Arbeit ah der Reißmaschine muß mit viel Verständnis und großer Vorsicht getan werden, gilt cs doch, ein mög­lichst brauchbares Faserhaar zu gewinnen. Vor dem Reißen erhalten die Lumpen außerdem eine leichte Delung, indem eine Emulsion von Wasser und Del auf das Gewebe gespritzt wird, damit sich die Fasern leichter lösen und in der Reihmafchine möglichst nicht beschädigt werden.

Wenn das Material aus dem Reißer kommt, dann geht es durch drei hintereinanderliegende Krempelmaschinen und wird so völlig aufbereitet In der Spinnerei worden die Fäden .gesponnen, und das Material ist schließlich fertig und gelangt, vermischt mit Zellwolle, zur Verarbeitung in die Weberei. Die fertigen Stücke verlassen die Weberei und kommen in die Walke, das heißt, sie werden gründlich gewaschen. Das geschah früher mit Seife; heute verwendet man hierzu neuartige chemische Mittel und erzielt mit ihnen außerordentlich zu­friedenstellende Ergebnisse.

Oie Annahmestellen in Gießen.

Ortsgruppe Gieh en-Mille: 1. Bahn­hofstraße 63, gegenüber der Grabenstrahe; 2. Markt* strafte 25.

Ortsgruppe Gießen-Nord: Nähstube, Ecke Wernerwall (gegenüber Denninghoff).

Ortsgruppe Glehen - Ost: Licher Strafte Dienststelle der DAF. (Hinterhaus).

Ortsgruppe Gießen-Süd: 1. Bergwerk.

Wie werden die Lumpen zu Reißwolle?

(Nachdruck verboten.)

59. Fortsetzung.

Die Dominiks.

Roman üon Hellmuth Hl. Döttcher.

Mattheus Lind hat seinen klaren Plan. Wenn Spei er recht hat, dann bedarf es nur uoch eines ein­fachen Zugreifens, und Friedrich Dominik ist ver- nichtet. .. s.

Nicht nur die Herrschaft über die Werft die hält Mattheus Lind längst mit dem Pfandrecht an dem Dominikschen Aktienbesitz tn den Händen. Nicht nur seine wirtschaftliche Existenz, die er jeden Augenblick mit der Kündigung des Kredits durch Schneider & Co. vertreten kann.

Das hätte ihm damals genügt vor einem Jahre vor einem halben noch. Aber feit ihm Dominik die' Frau und die Tochter aus dem Haufe geholt und zu sich herübergezoaen hat, will er mehr. Mattheus Lind ist fern Mann der Halbheiten. Wenn Matcheus Lind zupacken will, dann packt er ganz zu Jetzt wird der ganze Dominik vernichtet Mch f°1n° bürgerlich- ExisLz. seines Mann°s-hr-, sein Ansehen unter anständigen Menschen.

Das Mittel dazu hält er schon lange fest. Sei lenem ersten Brief, den er nach Br ^ttes Flucht durch Justizrat Speier an Dominik schreiben netz und in dem er die sofortige Rückkehr der Tochte ^Mattheus Lind sitzt Justizrat Speier gegenüber und läht es sich noch einmal bestätigen.

Er hält die Hände mit ha/boffenen, krummge­spreizten Fingern auf der Stuhllehne fest. Wen er sie schließt, zermalmt er den Gegner m feine F (jerr Justizrat bevor ich mir endgültig über die einzusthlagende Taktik klar werdebitteichSie rodymals, die Bestimmung des Strafgesetzbuche über Kindesraub zu lesen."

Speier blättert in einem Buch.

Sie können sich daran verlasien, daß die Bo Enthaltung Ihres Kindes strafbar ist.

Er blättert weiter. <Rer«

Hier ist es! § 235. Wer eine minderjährige Per

son durch List, Drohung ober Gewalt ihren Eltern entzieht, wird mit Gefängnis bestraft."

Lind zieht die Fingerspitzen ein wenig zusam­men. *

Dann könnte man also die Strafanzeige schrei­ben?" forscht Speier.

,^d) bitte darum ... Und dann die Frage der Unterschlagung! Sie sind doch auch der Meinung, daß die Zahlung an Frinzka aus dem Darlehen des Bankhauses Schneider & Co., also die Verwendung von Werfteigentum für persönliche Zwecke, den Tatbestand der Unterschlagung ausmacht?"

Der Rechtsanwalt ist seiner Sache nicht so ganz sicher. Aber schließlich stimmt er doch Lind bei. Auf alle Fälle kann man es ja mal damit versuchen.

Er diktiert schnell die Anzeige auch gegen Martha als Mittäterin.

Lind wartet, bis sie niedergeschrieben ist. Dann steckt er sie in die Tasche. m k

Sie können ja noch einmal eine Nacht Drüber schlafen", rät Speier.

Lind zuckt mit den Achseln ...

Bankier Schneider hat alle Hände voller Arbeit. Trotzdem empfängt er Lind.

Lind ist sehr erregt.

Wissen Sie, daß gegen Dominik em Verfahren bei' der Staatsanwaltfchaft anhängig ist? Wegen Unterschlagung?"

Der Bankier wird schreckensbleich.

,Lst das wahr?" stammelt er.

Nein", brüllt Lind,ich bin zu Ihnen gekom­men, um Ihnen Märchen zu erzählen. Das müssen Sie mir doch ansehen, daß ich bloß Spaß mache. Sehen Sie mir das nicht an? ... Sie werden ver­stehen, daß ich unter diesen Umständen die Burg- chast für Dominik zurückziehen muß."

Schneider sitzt da, wie vor den Kops geschlagen. , Aus der Bürgschaft kann ich Sie natürlich nicht entlassen", stellt er nach einer Weile fest.

Aber?" fragt Lind lauernd und spreizt seine halbgekrümmten Finger.

Ich werde noch heute der Dominikwerst Den Kredit kündigen."

Die Finger Linds klappen zusammen zur Faust. Ganz fest pressen sich die Nägel in die Handfläche..

Er erhebt sich schwerfällig.

Da haben Sie mir eine schöne Suppe einge­

brockt, Schneider. Nun sehen Sie zu, wie wir aus dem Dreck wieder herauskommen."

*

Lützendorfs Bemühungen, die chemische Formel zur Rückgewinnung des Sauerstoffs aus dem Der- brennungsgafe des Dieselmotors herauszuarbeiten, sind von Erfolg gekrönt gewesen.

Der Versuch im großen, auf den er lange schon hingearbeitet hat, wird es beweisen.

Um die Probe den Verhältnissen der Praxis ge­nau anzupassen, hat er nach dem Vorbild des Mo­torenraumes im U-Kreuzer eine nach außen hin luftdicht abschließbare Kammer gebaut! Mitten drin steht der Dieselmotor aus Duralumin.

Den wichtigsten Teil der Anlage bildet ein bir­nenförmiges Gehäuse aus Stahlguß, in das die chemischen Apparaturen eingebaut sind. In diese Firne werden die Verbrennungsgase geleitet. Gleich­zeitig wird in sie die von den Chemikern gefundene Chemikalie gasförmig eingeblasen. Sie mischt sich sehr schnell mit den Kohlenoxyden, reißt dabei die Kohlenstoffatome an sich und macht gleichzeitig den kostbaren Sauerstoff frei. Infolge Der verschiedenen spezifischen Gewichte des Sauerstoffes und der neu- gewonnenen Kohleverbindung trennen sich diese von selbst. Und es kommt nun bloß noch darauf an, in den Teil des Behälters, zu dem Der Sauerstoff auf» steigt, .einen Schlauch zu legen und diesen zum Dieselmotor zurückzuführen.

Jetzt, nachdem das alles ausgearbeitet ist und formelmäßig auf dem Papier steht, erscheint Die ganze Frage kinderleicht.

Aber bis man zu der Lösung kam, hat Die Auf­gabe unenDlid) viel Kopfzerbrechen gemacht. Man­ches Mal war Lietzendorf Dicht Daran, Die Flinte ins Korn zu werfen.

Ein Glück, daß er es nicht getan hat.

Die Versuchseinrichtung ist natürlich nur provi­sorisch. Auch den Kessel, in Dem Die Rückgewinnung Des Sauerstoffes vor sich^geht, hat Lietzendorf nur behelfsmäßig aufgestellt. Eigentlich gehört hierzu ein Behälter aus Schmiedestahl. Denn Die in seinem Innern bei Der chemischen Umwandlung freiwerden- den Energien können zu sehr großen Drucken füh­ren, Denen selbst Stahlguß auf Die Dauer nicht ge­wachsen ist.

Für den ersten Versuch allerdings roirD der ge­wählte Kessel aber nach aller Voraussicht genügen.

Hauptsache ist, daß der Inhalt des Behälters nicht mit Der Flamme in Berührung kommt. Denn dann würde Der künstlich gebunDene Kohlenstoff so­fort mit Dem eben von ihm getrennten reinen Sauerstoff eine neue DerbinDung eingehen, Die selbstverständlich zu explosionsartigen Verheerungen führen müßte.

Nun, Daß Dies nicht geschieht, dafür hat Lietzen­dorf durch festgeschraubte Stahlschläuche gesorgt, Die jeden Austritt des Gases verhindern.

Nun kann Der Probelauf beginnen.

Außer Lietzendorf und Erik werden zwei weitere befreundete Chemiker an den Versuchen teilnehmen, dazu ein Maschinenmeister und Drei Schlosser.

UnD natürlich ist auch Herr Mattheus Lind ein* gelaDen. Wenn er Die ErfinDung kaufen soll, hat et Das erste Anrecht Darauf.

Gebückt tritt er Durch Die niedrige Tür Des 93er* suchsraumes. Verdammt eng ist Das Da Drinnen. Aber ein U-Kreuzer ist ja gleichfalls kein TanzsaaU

Die anderen Herren folgen ihm.

Als Lietzendorf gerade in Die schmale Einsteig* öffnung klimmen will, kommt ein Junge ange­laufen.

Ist Herr Lind hier? Herr Lind wird Dringend verlangt von Herrn Direktor Dominik unD von Fräulein LinD ..."

LinD weiß selbst nicht, warum ihn Dies so erregt Er faßt nach seiner Brusttasche: Da knistert Die An­zeige, Die er noch nicht abgeschickt hat. Daß man so etwas verbummeln kann!

Wie lange Dauert Ihr Versuch, LietzenDorf?" fragt er.

Eine StunDe vielleicht wenn alles klappt." Na bann"

Er schwankt. Soll er Dominik warten lassen? Auf Den käm's nicht an. Aber Brigitte!

Das Dauert mir zu lange , entfcheiDet er sich plötzlich.Ich bin in einer Stunde wieder hier. Sie können mir ja Dann berichten."

Er klettert roieber hinaus.

Viel Glück! Ober sagt man bester Hals- und Beinbruch?"

Lietzenborf lächelt vergnügt unD siegessicher.

Vielen Dank! Eines roirD wohl so viel nütze« wie Das anDere."

Also nicht abergläubisch!"

Seine Spur!" (Fortsetzung folgtj