fertig bin. Ich wechsle die Kleider gar nicht erst hier, sondern draußen."
„Abgemacht. Um elf Uhr warte ich vor dem Buh- nenausgang mit dem Wagen. Mundvorrat packe ich ein. Du brauchst dich darum nicht zu kümmern. Und jetzt mutz ich weiter. Du hast mich so lange warten lassen, datz ich kaum noch rechtzeitig in meine Besprechung komme. Wiedersehen, Ralf. Bis morgen."
Sie schüttelten sich die Hande. Kühlitz begleitete den Freund zur Korridortür und ließ ihn hinaus. Dann lief er mit schnellen Schritten durch die Diele in die Küche.
„Frau Ebert, hat Herr Kotzmann gefragt, ob ich Besuch habe?"
„Gewiß doch, ich habe gesagt, daß welcher da ist." „Sie sotten doch ... Aber egal, es war ja Kost- mann."
„Ja, Herr Koßmann weiß doch sowieso, daß Sie öfters Besuch haben." Die Wirtschafteriri tat verwundert. „Oder soll ich nächstens sagen, daß Sie nicht zu Hause sind, wenn wieder einmal Besuch da ist und Herr Koßmann kommt?"
„Nein, nicht nötig."
Kühlitz verließ die Küche und kehrte in das Musikzimmer zurück, in dem sein weiblicher Besuch auf ihn wartete. —
Inzwischen hatte Hannes Koßmann auf der Straße seinen Wagen bestiegen und dem Fahrer Weisung gegeben, ihn nicht zur Gewerbebank, sondern zurück in den Betrieb zu bringen. Zusammengesunken saß er auf dem Polster, bis das Auto in den Fabrikhof einfuhr und der Chauffeur den Wagenschlag aufriß.
Mit langsamen Schritten ging Koßmann zum Verwaltungsgebäude und an dem grüßenden Portier vorüber. Seine Beine waren ungelenk und hölzern, als er die Treppe hinaufstieg. Den oerroun« derten Gruß seiner Sekretärin beachtete er überhaupt nicht, zog aber sorgsam die gepolsterte Doppeltür hinter sich zu. Dann überkam ihn plötzlich neue Lebendigkeit. Nach zwei großen Schritten stand er vor dem Fernsprecher und wählte eine Nummer.
„Hier spricht Koßmann. Äst meine Frau zu Hause?" Er lauschte qualvoll und ängstlich. „Nein? Wann ist sie denn weggegangen? — Wissen Sie wohin? — (So, schon vor anderthalb Stunden? — Ich komme bald nach Hause. Sie brauchen meine
Frau von dem Anruf nicht zu unterrichten." (h hängte ab.
Eine Minute stand er brütend und mit gefurchter Stirn da, wählte dann eine neue Nummer und teilte der Gewerbebant mit, man möge sein Ausbleibern entschuldigen, da er starte Kopfschmerzen und etwas Schüttelfrost habe. Es sei ihm unmöglich, an deer Besprechung teilzunehmen.
Wie erschöpft sank Koßmann in «seinen Stuh!, rauchte nervös und hastig, fegte die Papiere am! dem Schreibtisch beiseite und stützte den Kopf in beide Hände. Eine halbe Stunde verging. Dann raffte er sich auf, fuhr sich mit der Hand über zerwühlte Haar, nahm seinen Hut und ging.
„Sie können Schluß machen, Fräulein Klein, "c komme heute nicht mehr in den Betrieb. Die Paß lassen Sie bis morgen früh liegen." Er grüßte d«- Mädchen oberflächlich und ging hinaus.
Dem Chauffeur, der auf dem Hofe herbeieilte, winkte er ab. „Lassen Sie, ich fahre selbst." Bor- sichtig und langsam steuerte er den Wagen auf oi$ Straße und nahm Richtung nach seiner Wohnun-x. Unterwegs mußte er sich ein paarmal an Strahl' kreuzungen unfreundliche Zurufe gefallen lasM weil die hinter ihm herkommenden Wagen sich dur-q feine Langsamkeit aufgehalten fühlten. Erft als «r das Brandenburger Tor hinter sich hatte und M Charlottenburger Chaussee hinunterfuhr, vergre- ßerte er die Geschwindigkeit. Durch Charlottenburz nach dem Grünewald hinaus gab er noch mckr Gas und steigerte den Lauf des Wagens imw«r mehr in brennender Ungeduld.
*
Dann hielt er mit kreischenden Bremsen vir seinem Hause, warf nicht einmal den WagenschlaS hinter sich zu und stürmte durch den Vorgarten Tür. Im letzten Augenblick, bevor er auf schloß nahm er sich wieder zusammen und verriet ntcjt mehr die Hast, als er bisher stets zu zeigen 94* wohnt war.
Bedächtig trat er in sein Arbeitszimmer, das Parterre lag, klingelte und fragte das herbeieileBt Mädchen, ob feine Frau zu Haufe fei. Jawohl, war vor einer Viertelstunde angekommen.
„Wo ist sie?"
„Oben in ihrem Boudoir."
(Fortsetzung folgt.)
Aus der engeren Heimat.
Landkreis Siesten.
cf Watzenborn-Steinberg, 14. Jan. Der hiesige Geflügelzuchtverein hielt bei Mitglied Karl Laux eine außerordentliche Mitgliederversammlung ab. Eine Anzahl Mitglieder treibt wieder rege Kaninchenzucht. Aus diesem Grunde wurde der Geflügelzuchtverein in einen Kleintierzuchtverein umgewandelt. Als Obmann für die Kaninchenzucht wurde Züchter Karl Burger IX. bestimmt. Vereinsführer Karl Philipp IV. ermahnte die Mitglieder, nachdem der Verein feine Umbenennung erhalten habe, sich rege für die Zucht einzusetzen.
& Steinbach, 15. Januar. Heute feierte Frau Christina Clara Gerhard, geb. Schmidt, Witwe
Gedenlet der hungernden Vögel!
des 1934 verstorbenen Karl Gerhard IV. in erträglicher Gesundheit ihren 81. G e b u r t s t a g. Unsere Glückwünsche!
)-( Ruppertsburg, 15. Januar. Der hiesige Obstbauverein, dem zur Zeit 73 Mitglieder angehören, hielt seine diesjährige Hauptversammlung ab. Aus dem Jahresbericht war ersichtlich, daß der Verein sich seiner besonderen Aufgaben im Kriege bewußt ist und danach das Wirken seiner Mitglieder ausrichtet. Bei der Rechnungsablage ergab sich ein Kassen bestand von 61 NM. Der Leiter des Vereins beschäftigte sich in einem Vortrag mit den Erfahrungen des Jahres 1940, insbesondere aus dem Gebiete des Obstbaues und der Bekämpfung der Obstbaumschädlinge. Im Anschluß an den Vortrag wurden aus dem Kreise der Mitglieder noch mancherlei praktische Vorschläge gemacht. — Bei einem Aufklärungsabend, den das Landwirtschaftsamt Grünberg im Saale des Gastwirts Hahn bei gutem Besuch veranstaltete, sprach nach kurzer Begrüßung durch den Ortsbauernführer W. Horst der Land- wirtschaftsrat Dr. Dienst (Grünberg) über das
Thema „Milcherzeugungsschlacht und F u t t e r b a u". Der Vortragende gab den aufmerksam folgenden Hörern zahlreiche wertvolle Winke für ihre Arbeit, wobei er auch die lokalen Verhältnisse entsprechend berücksichtigte. An den anschaulichen Vortrag schloß sich die Vorführung von vier.Filmen -durch Landwirtschaftslehrer Dr. Karl an, die den Darlegungen des Vortragenden eine überzeugende Bekräftigung gaben. Mit einem kurzen Schlußwort des Ortsbauernführers fand der Abend seinen Abschluß.
Hoch flingf das Lied vom braven Mann.
LPD. Marburg, 14.Jan. Eine wackere Tat vollbrachte der zur Zeit auf Urlaub hier weilende Student der Chemie, Unterofsizier Heinz K i m p c l. Ein sieben Jahre alter Schüler war beim Schlittschuhlaufen in bi e offene Lahn gerate n und schwebte in größter Lebensgefahr, weil alle Versuche, ihn mit sonstigen Hilfsmitteln aus feiner Lage zu befreien vergeblich waren. Schnell entschlossen begab sich Kimpel in voller Kleidung in das Wasser unb erreichte schwimmend ben Kleinen, den er glücklich in Sicherheit brachte. Zu gleicher Zeit nahte vom anberen Ufer aus ein zweiter Student, der dabei die gesamte Breite der Lahn durchquerte, aber nicht mehr in Tätigkeit zu treten brauchte. Der kleine Junge, den man zunächst m die Klinik gebracht hatte, konnte bereits wieder zu seinen Eltern entlassen werden.
Eine Warnung für andere.
Frankfurt a. M., 15. Jan. Ein in ben fünfziger Jahren stehender Mann im Stadtteil Höchst bereitete sich dieser Tage ein P i l z g e r i ch t. Einen Teil davon lieh er in einem eisernen Topf zwei Tage stehen. Nach dem Genuß der gewärmten Pilze erkrankte der Mann schwer, so daß ein Arzt zu Rate gezogen werden mußte. Der Mann hatte durch das Aufbewahren der Pilze, noch dazu in einem ungeeigneten Topf, eine Pilzvergiftung erlitten.
©.Jl.-fport
Eröffnung der Bezirksschule für Frauenturnen.
Tev-Bijirt 8 Gießen im NSRL. will Uebungs. kiterinnen für das große Gebiet des Frauen-, Mädchen- unb Kinberturnens heranbilden, die in ben Vereinen-den Uebungsbetrieb, ber zum großen Teil noch in den HändLN von Männern liegt, übernehmen sollen. Damit wird in absehbarer Zeit das Ziel erreicht sein, Frauen und Mädchen unter weiblicher Führung in den Leibesübungen zu betreuen. Zu dem Lehrgang waren 29 Turnerinnen aus 12 Vereinen erschienen. Die Vereinsarbeit umfaßt alle Altersstufen, Kinderturnen, die Betreuung der Sportdienstgruppen der Jungmädel, den Leistungssport des BDM. und die Turnerinnen- und Frauenabteilungen. Das Uebungsgebiet — Gymnastik, Volkstanz, Gerätturnen, volkstümliches Turnen und Spiele — ist berartia vielseitig, daß sehr hohe Anforderungen an die Uebungsleiterinnen gestellt werden. Es ist eine Arbeit auf lange Sicht, die sich nicht in kurzfristigen Kursen auswirkt, sondern dar. auf gerichtet ist, schon in frühester Jugend an regel- mäßig betriebene Leibesübungen zu gewöhnen, damit sie auch in vorgeschrittenem Alter noch betrieben werben.
Mit Spruch und Lieb wurde von Bezirksfrauen- wartin Jdel Hauck (Ließen) der erste Lehrgang eröffnet. Nachdem Bezirksfrauenturnwaxt Schneider (Wetzlar) kurz den Zweck der Schulung erläutert hatte, begann Lehrwart Schönberger (Nieber-Girmes) den praktischen Teil nut einer Lauf- unb Körperschule. Nach einer Einführung in das --Keulenschwingen (Schneiber, Wetzlar) wurden in 3 Riegen Grundübungen am Barren (Schönberger), Reck (Hauck) und Schwebebalken (Schmieder, Gießen) und anschließend an den Ringen (Stübner, Wetzlar) unb am Pferd (Schneider) geturnt. Einer Bewegungsschule im Gehen, Laufen, Federn unb Hüpfen folgte nach kurzer Pause eine Körperschule mit Keulen' (Schneider). Jdel Hauck gab methodische Winke für den Turnbetrieb und
übte 2 Volkstänze ein. Lauf- und Ballspiele (Heller, Wieseck) zur Beschäftigung großer Abteilungen auf kleinem Raum und das Lied: „Ein Ruf ist erklungen" beendeten den Lehrgang.
Lugendfußball der Sp.-Dg. 1900.
Großen-Bufeck 1. Jgd. — 1900 Gießen 1. 3gb. 3:2.
Die 1. Jugend von 1900 trat zu dem fälligen Bannmeisterschaftsspiel in Großen-Bufeck an. Von Anfang an beherrschten die Blau-Weißen das Spielfeld. Trotzdem schossen die Jungen von Großen- Buseck in der Mitte der ersten Halbzeit den ersten Treffer. Bald darauf glichen die 1900er durch einen schönen Kopfball von Degg aus. Mit dem Stand von 1:1 ging es in die Halbzeit. Nach Wiederbeginn tarnen die Großen-Bufecker zu zwei Treffern. Im weiteren Verlauf bedrängten die Blau-Weißen das gegnerische Tor. Man vermißte den nötigen Torschuß bei den 1900ern, ber Sturm vergab die schön angelegten Angriffe. Ein weiteres Tor für 1900 stellte das Ergebnis von 3:2 für Großen-Bufeck her.
1900 Jugend-Handball.
Tv. Großen-Bufeck — 1900 Jugend 3:7 (1:2).
Am Sonntag weilte 1900 zum Spiel um die Bannmeisterfchaft in Großen-Bufeck. Obwohl einige oute Spieler fehlten, stand eine starke Elf. Zu Anfang konnten sich die Stürmer der Blau-Weißen nur schwer durchsetzen, da die gute Platzverteidigung die gefährlichsten Leute sofort scharf abdeckte. Nach etwa 10 Minuten Spieldauer erzielte Schulte den ersten Treffer, dem Kraft bald den zweiten folgen ließ. In der letzten Minute vor Halbzeit verringerte Großen-Bufeck auf 2:1. Nach Halbzeit sand sich 1900 weit besser. Trotzdem kam der Platzbesitzer zum Ausgleich. Dann aber schoß ber blau-weiße Sturm noch fünf fchöne Treffer, ehe Großen-Bufeck bas dritte Tor erzielte. Im ganzen gesehen em schönes unb faires Spiel, bei dem der Sturm der Blau- Weißen unb die Hintermannschaft des Gastgebers
überragte. Eine gute Leistung bot auch Damm (Beuern) als Schiedsrichter.
Großkampftag in der Schwerathletik.
Am kommenden Sonntag tritt die Schwerathletikabteilung des VfB.-Reichsbahn mit einem großen Programm vor die Öffentlichkeit, denn vom Bereich 12 Hessen sind die Meisterschaftskämpfe im Ringen und Gewichtheben der Gruppe Süd nach Gießen gelegt worden. An diesen Kämpfen in der Halle am Aulweg beteiligen sich neben DfB.-R. Gießen so ausgezeichnete Mannschaften wie Alsfeld 09 und Reichsbahn Hanau im Ringen, während im Gewichtheben auch Marburg noch ein gewichtiges Wort mitfprechen dürfte. Am Vormittag finden außerdem noch Jugendkämpfe zwischen Alsfeld und Gießen statt.
Kurze Sporlnoftzeu.
Deutschlands Ringer gewannen in der vollbesetzten Stuttgarter Stadthalle den dritten Läw derkampf gegen Italien mit 5:2 Punkten. Siege für Deutschland errangen Gehring (Ludwigshafens Schmitz (Köln), Weidner (Stuttgart), Nettesheim (Köln) und Hornfischer (Nürnberg), geschlagen würben Schweickert (Berlin) und Ehret (Ludwigshafen).
Die Südwest-Fußballelf gewann in Saarbrücken vor 14 000 Zuschauern das Reichs, bundpokal-Wiederholungsspiel gegen Nordmark mit 4:2 (2:2) Toren und erreichte damit die Vorschluh. runde. Die Norddeutschen hatten in diesem Treffen insofern großes Pech, als sie schon von der 5. Minute ab nur noch 10 Spieler im Felde hatterf, da der Außenläufer Manja II. verletzt ausgeschieden war.
Bewährungsprobe in Kassel.
Unsere Nachwuchsturner im Reichswettkampf.
Turnerische Spitzenleistung setzt wie keine andere Art der Leibesübungen neben Kraft, Mut und körperlicher Harmonie ein Höchstmaß an Fleiß und Kampferfahrung voraus. Darum ist ks hier für den Nachwuchs besonders schwer, in die Reihen der ersten Repräsentanten turnerischen Könnens vorzudringen, die somit der Gefahr der Ueberalterung ausgesetzt sind. Aus diesem Grunde hat das Reichsfachamt eine besondere Nachwuchsschulung angeordnet, auf die am kommenden Wachende in Kassel die Nagelprobe gemacht wird. 113 Jungturner der Meisterklasse aus den Jahrgängen 1918/1922 sind zu Reichswettkämpfen in der Kasseler Stadthalle einberufen, nachdem sie bereits in den vorausgegangenen Lehrgängen geschult und fähig befunden wurden. Ausgetragen wird ein Zehnkampf, bei dem erstmalig die deutsche Auffassung von der Zusammenstellung solcher Wettkämpfe gegenüber der internationalen Auffassung stärker zum Ausdruck kommt. Das umstrittene Seitpferdturnen ist nur durch eine Kürübung vertreten, dafür kehrt das der Jugend sympathische Turnen an den schwebenden Ringen als Pflichtübung wieder. Außerdem werden je eine Pflicht- und Kürübung am Barren, Reck, Pferdsprung und im^Lodenturnen abgewickelt.
Unter den Teilnehmern sind Vertreter fast sämtlicher Bereiche, van denen nur Danzig/Westpreußen, Warthegau und Sudetenland fthlen. Viele von ihnen haben sich in den oorausgegangenem Deut
schen Jugendmeisterschaften schon bewahrt, ja sinh sogar bei den deutschen Titelkämpfen schon hervor- getreten. Es sei nur an den zweimaligen Jugeni). meister Helmuth Bantz (Speyer), den Bad Kreuz- nacher Jakob Kiefer und die jeweiligen Zweiten der Jugendmeisterschaften, P f i tz e n m e y er (Mannheim) und Landgraf. (Dresden) erin- nert. Sie sind natürlich auch in Kassel zu den ersten Anwärtern auf den Sieg zu rechnen, aber die Zusammensetzung des Zehnkampfes rütfi „Ueberrafchungen" sehr in den Bereich der Möglichkeiten. Jedenfalls wird man in Kassel meisterliches Turnen zu sehen bekommen, dafür spricht: schl>n die Bedeutung, die das Fachamt diesen Kämpfen zulegt. Die hier ermittelten Besten werden: in die Reichskernmannschaft berufen, wo sie weiter geschult und einmal die deutsche Nationalmannschaft auffüllen werden.
Kaiser (Gießen) bei den ReichsweNkäinpfen.
Der Bereich Hessen stellt vier Turner zuni Kasseler Kampfe: Anton Kaiser, Tv. 18 46 Gießen, 21 Jahre alt; Konrad Gölte, CT. -es- sen-Preußen Kassel (21 Jahre); Georg Neumann. To. Westuffeln (21 Jahre); Andreas Eckhardt, Tv. Wellerode (18 Jahre). Unter ihnen hat vor allSiw der talentierte Gießener Turner Kaiser Aussichten auf einen guten Platz.
Vermischtes.
Die srisierle Geburlsurkunde.
Es gehört zum guten Ton, eine Frau niemals nach ihrem Alter zu fragen. Ein Standesbeamter kann diese zarte Rücksicht aber nicht üben, wenn er ein glücklich liebend Paar traft des Gesetzes zu rechtmäßigen Eheleuten machen soll und neben Name und Art a u ch d a s AI t e r wahrheitsgemäß in das Register eintragen muß. Da darf er kleine Schönheitskorrekturen, wie sie im privaten Leben namentlich bei den Frauen geübt werden, nicht dulden. So mußte er auch die Fälschung einer 43jäh- rigen Frau aus Velbert beanstanden, die die Zahl ihrer Lenze mittels einer Radierung um fünf herab, gefetzt hatte, um ihrem 19 Jahre jüngeren Bräutigam begehrenswerter zu erscheinen. Die Trauung tarn unter diesen Umständen nicht zustande. Der Gesetzesübertreterin schien das Eheglück in nichts zerronnen. Doch sie hatte einen treuen Mann erwählt, dem es auf foldje Kleinigkeiten nicht ankam. Binnen wenigen Tagen wurde alles richtiggestellt und die Ehe geschlossen. Auch das zuständige Gericht in Velbert hatte Verständnis für die reuige Sünderin und ließ es bei einer Geldstrafe von 45 RM. bewenden.
Reiche Vodensunde In der Pleihenaue.
Das Leipziger Museum für Völkerkunde hat nördlich von Rötha Grabungen nach vorgeschichtlichen Funden durchgeführt. Das Gelände liegt am Ostuser der Pleißenaue; es.handelt sich um die planmäßige Durcharbeitung von rund 20 000 cbm Erdreich. Leipziger Studenten und Thomas-Schüler haben sich freiwillig mit Hacke und Spaten in den Dienst der Sache gestellt. Man fand mehr als 100 Zentner Tonscherben mit Verzierungen aus verschiedenen Kulturen, weiter gut erhaltene Gußformen für Räder eines Kultwagens, für Rasiermesser,
Sicheln und Nadeln. Insgesamt füllen die Funde vier Lastwagen. Weiter konnten zahlreiche Grundrisse von Langhäusern vermessen werden; außerdem auch Aschengruben, Abfallgruben, ein Brunnen, Backöfen und Töpferösen. Aus Aschenrestm wurden mit Hilfe der chemischen und der.Spektralanalyse Reste der Kieselsklette von hochkultiviertem Roggen und Weizen gesunden. Die Untersuchungen haben ergeben, daß die Fundstelle Siedlungsgelände von drei Kulturen gewesen ist: füi die indogermanischen Illyrier, die etwa 1000 bis 750 v. d. Z. dort gesessen haben müssen, dann siiil die Germanen um 150 bis 200 n. d. Z., und schließlich ist noch eine dritte, mittelalterliche Siedlungsepoche aus der Aeit der ostdeutschen Kolonisatioin nachweisbar.
Eine alle Esche erhall künstliche Atmung.
Vor etwa einem Jahr wurde der Boden, dri die Wurzeln einer prachtvollen alten Esche auf dem verkehrsreichsten Platz der nordamerikanischen Skadti St. Louis bedeckte, mit einem dichten Steinpf l a st e r versehen, weil Fahrzeuge in dem lorff- ten Boden ost versunken waren. Einige Mona« spater entdeckte man, daß der majestätische Baum einzugehen drohte. Ein Botaniker erklärte, di« Esche leide an ß u f t m a n g e 1, weis das PftaW eine Durchlüftung des Bodens verhindere. Der St-adtrat bewilligte eine erhebliche Summe, um dein kränkelnden Baum eine künstliche Atmung zu ei- möglichen. Seit einiger Zeit versenken nun jeweils einyial im Monat drei Arbeiter eine eisern« Röhre bis zu vier Meter Tiefe in den Boden unten den Baum und pumpen komprimierte Lust in bi* * Erde. Die Luft umspült dann die Wurzeln und wir« von diesen dem Baum zugeführt, den man auf bici« Weife vor einem vorzeitigen Tode bewahren wR
Umwege -es Herzens
Roman von H.H.hansen
Copyright by Prometheus -Verlag Dr. Eich acker • Gröbcntell
Gr ft es Kapitel.
Die Wirtschafterin des Kapellmeisters Kühlitz öffnete Hannes Koßmann die Tur. „Ist Herr Kühlitz zu Hause?" , v m „
„Ja, Herr Koßmann. Er hat aber gerade Besuch. Hannes runzelte halb spöttisch, halb ärgerlich die Stirn.
„Weiblicher Besuch?"
„Ja, Herr Koßmann."
„Jetzt am Nachmittag wird Herr Kühlitz doch eine Minute Zeit für mich haben. Sagen Sie ihm bitte Bescheid."
„Wenn Sie es nicht wären, Herr Koßmann — „Dann würden Sie es nicht tun. Bitte, beeilen Sie sich. Ich warte solange im Herrenzimmer."
Hannes Koßmann hängte seinen Hut auf den Garderobenständer und betrat das Herrenzimmer feines Freundes, zündete eine Zigarre an und nahm Platz. Immer diese Weibergeschichten mit Ralf. Weiß der Teufel, was der nur daran finden konnte. Wenn ihm die ausdringlichen Frauenzimmer schon keine Ruhe ließen, dann mußte er sie einfach grob und deutlich hinauswerfen.
Als fünf Minuten verstrichen waren, wurde Hannes Koßmann die Wartezeit zu lang. Er war auf dem Wege von der Fabrik zu einer geschäftlichen Besprechung hier vorbeigekommen und wollte den Freund nur fragen, wie es mit einem gemeinsamen Pirschgang am kommenden ober übernächsten Morgen sei. Ralf hatte kein Telephon, weil er damit zuviel gestört wurde, und so mußte man ihn direkt aufsuchen, wenn man ihn sprechen wollte.
Der Besucher stand verdrießlich über die unnütz mit Warten verbrachte Zeit auf und ging zum Fenster. Draußen war strahlender Sonnenschein; eine schwüle Hitze. Die richtige Hochsommertemperatur, wie sie sich für den Juli schickte.
Nach abermals fünf Minuten wanderte Koßmann wieder ins Zimmer zurück, blätterte ohne große Aufmerksamkeit in Zeitschriften und Broschüren, die
auf dem Schreibtisch lagen und ließ sich im Schreib- tischsessel nieder. Dabei stieß fein Fuß an einen Gegenstand. Er bückte sich, um ihn aufzuheben.
Seine Hand zitterte heftig, als er die kleine Damentasche betrachtete, die unter der Schreibtischösf- nung gelegen hatte. Die Augen Hannes Koßmanns traten fast hervor. Das Gesicht rötete sich auffallend, die Adern an Stirn unb Schläfen schwollen nue bei einem Schlaganfall, unb ben ganzen Körper durchlief ein ruckartiges Zittern.
Nach einer qualvoll langen Minute der fürchterlichsten Ueberrafchung öffnete er die Tasche. Eine kleine Gelbbörse, ein Taschentuch, eine Puderdose, ein Kamm, ein Lippenstift unb ein Schlüsselbund waren barin. Er nahm ben Schlüsselbund heraus unb verglich bie Formen der Schlüssel mit denen seines eigenen Bundes. Sie waren gleich.
Dann hatte er sich wieder in der Gewalt. Er schloß die Tasche und legte sie wieder dorthin, wo er sie aufgehoben hatte. Steif und schwer erhob er sich vom Sitz und trat auf das Fenster zu. Jetzt war er für jede Minute dankbar, die Ralf ihn warten lieh. Er mußte sich völlig sammeln, bevor er mit irgendeinem Menschen sprechen konnte.
Es dauerte wirklich noch geraume Zeit, bevor Koßmann die Tür hinter seinem Rücken aufgehen horte.
„Das ist lieb von dir, Hannes. Und ich rate auch, warum du kommst." Ralf Kühlitz, Kapellmeister von Beruf, vierzig Jahre alt, groß unb schlank, mit schmalem, klugem Gesicht, aber etwas unangenehm herabgezogenen Mundwinkeln unb leicht verschleierten Augen ging auf seinen Besuch zu unb reichte ihm bie Hanb.
„Möglich, baß du es raten kannst, Ralf. Der Gedanke liegt ja nahe."
„Also paß auf." Kühlitz stellte sich mit etwas Pose hin. „Die Jagd auf den roten Bock ist aufgegangen. Das Wetter ist prächtig. Hannes Koßmann hat Lust, ins Revier zu gehen unb fragt bei mir an, ob ich mitmache."
„Richtig geraten." Koßmann lachte gezwungen. „Du kannst noch als Hellseher auftreten." Einen Augenblick überlegte er. „Morgen habe ich schlecht Zeit, aber übermorgen geht es. Soll ich bich morgen abenb abholen? Wir übernachten brausten in her Jagdhütte." •
„Fein. Aber bitte erst um elf Uhr. wenn ich


