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Nr. 272 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)

15./t6. November 1941

das f<alknähr- und Kräftigungsmittel für jedes Lebensalter, Hergestellt nach Vorschrift der UniversItHts- Professoren Dr. med. Emmerich und Dr. Loew.

Kalzan festigt Knochengerüst und Zähne und erhöht die Widerstands­kraft gegen Krankheiten. Von be­sonderem Wert für Mutter und Kind. Kalzan beugt Gesundheitsstörungen vor, die sich im Alter leicht einstellen.

Erhältlich in Apotheken und Drogerien in Pulver- und Tabiettenpackung.

MA.HVLAN-ZAHN FANTA gebraucht, kann und darf lachen, denn eolche Zähne dürfen *ich gehen lauen I

her verpflichtet, die Bestellscheine an ihre Kunden zurückzugeben.

Solche Haushalte, die nur einen Teil des Nor­malbedarfs eingekellert haben, können erst nach rest­losem Verbrauch ihres Vorrates bei ihrer Karten­ausgabestelle nach dem 30. November die Ausstel­lung eines roten Einkaufsausweises beantragen.

pellfarioffeliage in Gaststätten.

NSG. Wie durch Anordnung des Landesernäh- rungsamtes bekanntgegeben, werden an den Tagen Montag, Mittwoch und Samstag in den Gaststätten die Kartoffeln nur noch in Form von Pellkartoffeln verabreicht. Die Maßnahme, die auch für sämtliche Betriebe gilt, die ihre Gefolgschaft aus Gemein­schaftsküchen verpflegen, erweist sich als notwendig, um größere Schälverluste bei der Kartoffel auszu­schalten und somit die vorhandenen Bestände weitest­gehend auszunutzen. Die Verbraucher werden ge­beten, den getroffenen Maßnahmen, die her Ge­samtversorgung des Volkes zugute kommen, Ver­ständnis entgegenzubringen.

an Firmen und Handwerker zu leisten, ferner die Zahlungen an 690 (im Jahre 1933 an 390) Ge­halts-, Dergütungs- und Ruhegeldempfänger, an 200 (350) Sozialrentner und an 190 (150) Klein­rentner. Daneben sind von ihr die umfangreichen Tagesabschlüsse vorzunehmen. Ebenso vermittelt sie die Zahlung des Familienunterhalts an die Frauen der Kriegsteilnehmer. Die Notwendigkeit zur An­wendung moderner Arbeitsmethoden führte dazu, auch bei der Hauptkasse eine Buchungsmaschine für die Einnahmen und Ausgaben aufzustellen. Mit dieser Maschine erfolgt seit 1. April 1940 unter Verwendung von 2500 Karteikarten die Zeit- und Sachbuchung in einem einzigen Arbeitsgang. Da­durch ist es der Stadtkasse möglich, sämtliche Kassen- Vorfälle laufend zu buchen und die vorgeschriebenen Buchauszüge und statistischen Nachweise stets frist­gemäß anzufertigen. Das Hauptbuch der Stadtkasse umfaßte für das verflossene Rechnungsjahr 1940 insgesamt 50 490 Eintragungen gegen 36 700 im Jahre 1933. Die Dorbücher enthalten für das Rech­nungsjahr 1940 insgesamt 15120 Posten, gegen 12 200 im Jahre 1933. Daneben sind aber noch in der Buchhaltung und von den Abschlußbeamten um­fangreiche Arbeiten aller Art zu leisten.

Der bargeldlose Zahlungsverkehr bei der Stadt­kasse nimmt ständig zu, dagegen geht die Zahl der Barzahlungen im Kassenraum zurück, eine Entwick­lung die im Hinblick auf die volkswirtschaftliche Notwendigkeit des bargeldlosen Zahlungsverkehrs

Gleichmäßige Versorgung mit Speisekartoffeln

Neue Maßnahmen.

NSG. Jrn Anzeigenteil der heutigen Ausgabe ist eine Anordnung des Landesernährungsamtes Hes­sen veröffentlicht, die neue Maßnahmen für eine gleichmäßige Versorgung mit Speisekartoffeln trifft

Zweck der Anordnung ist, diejenigen Volksgenos­sen, die bis heute noch keine Wintervorräte an Speisekartoffeln einkellern konnten oder überhaupt nicht in der Lage sind, Speisekarteffeln zu lagern, gleichmäßig laufend mit Speisekartoffeln zu ver- sorgen. Um den Kleinverkauf beim Einzelhändler sicherzustellen; ist es daher erforderlich, daß wei­tere Lieferungen zur Einkellerung un­terbleiben. Wenn dies auch für die davon Betrof­fenen mit Unannehmlichkeiten verbunden ist, so bie­tet diese Maßnahme doch die Gewähr einer gerechten Verteilung an die noch unversorgten Verbraucher. Im Interesse dieser Volksgenossen müssen sich die­jenigen, die bisher gewohnt waren, ihren Winter­vorrat an Speisekartoffeln einzukellern, dazu ent­schließen, nunmehr ebenfalls im Kleinverkauf Kar­toffeln vom Einzelhändler zu beziehen.

Daher ist vom 21. November 1941 ab jeder un­mittelbare Bezug von Speisekartoffeln vom Erzeu­ger verboten und st r a f b a r. Die ausgegebenen Kartoffelbestellscheine verlieren be­reits mit dem 15. November ihre Gültigkeit, jedoch besteht für diejenigen Verbraucher, die diese Bestellscheine vor dem 15. November an ihre Liefe­ranten abgegeben haben, die Möglichkeit, noch bis zum -0. November Speisekartoffeln zur Einkellerung zu beziehen. Von diesem Zeitpunkt ab kann nur noch beim Einzelhändler bezogen werden, und zwar in den Gemeinden, in denen Einkaufsausweise zum Bezug von Kartoffeln beim Einzelhändler berech­tigen, nur auf den roten Einkaufsausweis. Der weiße Einkaufsausweis verliert mit dem 21. No­vember seine Gültigkeit. Verbraucher, die den weißen Einkaufsausweis besitzen und bis zum 20. November noch nicht eingekellert haben, müssen den weißen Einkaufsausweis in der Zeit vom 21. bis 30. No­vember bei ihrer Kartenausgabestelle in einen roten Einkaufsausweis umtauschen. Hierbei ist der Kar. toffelbestellschein mit dem weißen Einkaufsausweis vorzulegen. Die Lieferanten, die ihre Kunden auf die bereits abgegebenen Kartoffelbestellscheine bis zum 20. November nicht beliefern konnten, sind da-

Neben der obersten Leitung unserer Stadt­verwaltung im Stadthaus Bergstraße, die als der Kopf des Ganzen anzusehen ist, stellt die Stadtkasse im Stadthaus Gartenstraße, gewissermaßen als Herz unseres Verwal­tungskörpers, eine der wichtigsten städtischen Dienststellen dar. Hier stehen die Tische, über die schon viele Millionen als Münze gerollt oder als Scheine geraschelt sind; sie ist die Stelle, die dasZapfen" am Geldbeutel der Volksgenossen besorgt, die aber auch sich selbstzapfen" läßt, um die Verpflichtungen der Stadt zu erfüllen. Wir haben uns mit dem Leiter der Stadtkasse, Verwaltungsamt' mann Rothamel, der seit 17 Jahren in dieser verantwortungsvollen Stelle wirkt, über den Aufgabenkreis und den Betrieb der Stadtkasse unterhalten. Dabei haben wir viel Interessantes und Wissenswertes ge­hört und gesehen.

Die Kassengeschäfte der Stadt Gießen werden durch die Stadtkasse geführt, die für den Eingang der fälligen Gelder zu sorgen, die Zahlungen der Stadtverwaltung zu leisten und über alle Ein­nahmen und Ausgaben Rechnung zu legen hat. Ab­gesehen von den Stadtwerken, die eine eigene Kasse ühren, geht der gesamte städtische Geldverkehr über )ie Stadtkasse. Die Steuererhebung der Kasse er» treckt sich auf die Realsteuern, also die Grund- und Zebäudesteuer sowie die Gewerbesteuer, Zweig­tellensteuer, die Bürgersteuer, Hundesteuer, Ver­gnügungssteuer, Getränkesteuer, Jagd- und Fische­reisteuer, Schankerlaubnissteuer, die Entgegen­nahme der Konzessionsabgaben der Stadtwerke, des Schulgeldes, der Mieten, Kanal-, Straßenreini- gungs- und Müllabfuhrgebühren, Pachten, Beiträge zu der Land- und Forstwirtschaftlichen Berufsge­nossenschaft, zur Handwerkskammer, Brandversiche­rungskammer, Zinsen und Tilgungen usw. usw.; außerdem laufen die Anteile der Stadt an den Reichssteuern buch- und verwaltungsmäßig über die Stadtkasse.

einige Zahlen erkennbar. Die erste Buchungs- maschine, die im Jahre 1927 aufgestellt wurde, bucht, quittiert, bildet die Summen und überträgt die Zahlungen fehlerfrei in Karteikarten, gegenwärtig in rund 23 000 Karten gegenüber 16 000 Karten im Jahre 1933. Die im Jahre 1939 auf Grund der guten Erfahrungen angeschaffte weitere Buchungs­maschine wird für die Verbuchung der Einnahmen verwandt, während die ältere Maschine jetzt für den umfangreichen bargeldlosen Zahlungsverkehr Ver­wendung findet. Die erste Maschine vollzog im Rechnungsjahr 1933 insgesamt 97 463 Buchungen, d. h. an jedem Arbeitstage 325, beide Buchungs­maschinen zusammen ermöglichten im Rechnungs­jahre 1940 die enorme Summe von 146 274 Buchun­gen, so daß auf jeden Arbeitstag 488 Buchungen entfielen. Die maschinellen Einträge in die Kartei­karten der Stadtkasse beliefen sich im Rechnungs­jahre 1940 bei der Grund- und Gewerbesteuer auf 91 000 (im Jahre 1933 auf 49 800), bei den Kanal­gebühren auf 17 000 (12 000), für Schulgeld, Mieten usw. auf 25 000 (23 500), bei der Bürgersteuer auf 13 000 (12 000). Dabei ist als wesentlich zu beachten, daß die Grundsteuer im Jahre 1933 in sechs Raten im Jahr bezahlt werden konnte, jetzt dagegen in zwölf Raten zu entrichten ist.

Neben den vielfachen Arbeiten des Geldverkehrs, insbesondere den größeren Einnahmen und der Ab­wicklung des bargeldlosen Zahlverkehrs, hat die Hauptkasse der Stadtkasse auch sämtliche Zahlungen

3m Mittelpunkt des städtischen Geldverkehrs Ein Besuch bei der Gtadtkasse der Stadt Gießen.

Wenn der Kassenleiter und seine älteren Mitarbei­ter, von denen hier namentlich der Hauptkassier Eger genannt fei, der schon über 50 Jahre bei der Stadt­verwaltung wirkt, und im Laufe seiner Tätigkeit bei der Stadtkasse Millionenbeträge durch seine Hand gehen ließ, auf die Zeit vor etwa 15, Jahren und mehr zuruckblicken, so können sie dem Besucher viel von dem Wandel der Dinge bei ihrer Arbeit berichten. Noch dis zum Jahre 1927 war die Erhebung der Steuern und mannigfachen Gebühren mit viel Um­ständlichkeiten verknüpft, die das bis dahin bei der Stadtkasse übliche handschriftliche Buchungsoer- fahren mit sich brachte. Damals mußte jede Zah­lung von zwei Beamten zuerst in Hilfsbücher ein­getragen und der Steuerzettel mit zwei Unter­schriften versehen werben. Nach Beendigung der Kassenstunden für den Publikumsverkehr ging dann die zeitraubende Arbeit der Uebertragungen in die Hebeliften vor sich. Daß dabei gelegentlich auch Irr­tümer vorkamen, wie bei jeder menschlichen Arbeit in jedem Berufe, die natürlich zeitraubende Nach­prüfungen erforderlich machten, versteht sich von selbst. Ebenso klar ist, daß die Abfertigung des Publikums an den Kassenschaltern viel Zeit in An­spruch nahm und oft zu argem Gedränge im Kassen­raum führte. Im Jahre 1927 hielt die erste Buchungsmaschine als stummer mechanischerAr­beitskamerad" ihren Einzug in die Amtsräume der Stadtkasse. In den letzten Jahren sind ihr weitere Maschinen dieser Art gefolgt, so daß die Stadtkasse jetzt neben dem notwendigen Beamten- und Ange­stelltenstab noch eine Reihe von Buchungs- und Rechenmaschinen besitzt, durch deren Verwendung die Schnelligkeit in der Abwicklung der Arbeite. Vorgänge, insbesondere auch des Verkehrs mit dem Publikum, erheblich gewonnen hat. Außerdem wer­den durch denKamerad Maschine", sofern die Zahlentasten richtig gedrückt werden, Rechenfehler von vornherein ausgeschlossen, darüber hinaus ist durch ihn die gleichzeitige Vornahme von Buchungen in verschiedenen Sparten möglich.

Den großen Nutzen der Maschinenbuchung machen

Aus der Stadt Gießen.

Verloren...

Das ist jedem schon mal passiert: nach einem Gang durch die Stadt stellte er plötzlich fest, daß ihm etwas verloren gegangen ist. Ein Schlüssel­bund, ein Drehbleistift, das Brillenfutteral oder ganz und gar die Geldbörse. Das erste Gefühl, das sich regt, ist der Aerger. Verflixt noch mal, das ist ja eine schöne Bescherung. Es folgt eine ganze Ga­lerie eindeutiger Bezeichnungen, bis sich endlich die Frage aufdrängt: wo kann es nur geschehen (ein? Beim Friseur? Auf der Post? In dem kleinen La­den an der Ecke oder vielleicht in der Straßen­bahn?

Die menschliche Natur ist nicht vollkommen. Eben in der Unzulänglichkeit dieser Natur aber liegt es begründet, daß wir gelegentlich Fehler machen. Denkfehler so gut wie Fehler, die der Zerstreuung zuzuschreiben sind. Ein Mangel an Konzentration ist es zumeist, wenn wir etwas verlieren oder liegen lassen. Es kann freilich wiederum auch stärkste Konzentration fein, die sich einem Gebiet zuwendet, das keinen Zusammenhang hat mit dem Tun des Augenblicks. Der zerstreute Professor älterer Witz­blätter ist das typische Beispiel dafür. Weil er in­nerlich stark mit einem Gedanken beschäftigt ist, übersieht er die Kleinigkeiten des Alltags. Wessen Sinn allerdings eingeengt wird von der Nüchtern­heit des Kleinkrams, kommt selten in die Verlegen­heit, etwas zu vergessen oder zu verlieren. Ihm ist es unverständlich, wie man seinen Regenschirm ste­henlassen kann oder nach einer angeregten Unter- Haltung aus der Gastwirtschaft ohne Mantel fort­geht. Indessen gibt es zahlreiche Menschen, die bann und wann zu den Verlierern zählen. Das Studium des Anzeigenteils liefert dafür den Beweis.

Und im übrigen das Fundbüro. Wenn es noch nicht längst eingerichtet wäre, müßte es schleunigst erfunden werden. Es ist außerdem auch eine stän­dige Beweisführung dafür, daß die Menschen viel besser sind, als man gemeinhin annimmt. Was sich alles auf dem Fundbüro ein Stelldichein gibt, das unsere gar nicht so bösen Mitmenschen in schöner Selbstverleugnung dort abgeliefert haben, ist ein Kunterbunt unzähliger Dinge, ein Mosaik viel­fältiger Gebrauchsgüter. Es gibt nichts von der Taschenuhr bis zur Brieftasche, vom Damenhut bis zum Kindermäntelchen, das nicht schon feinen Weg zum Fundbüro genommen hätte. Deshalb soll der niemals verzagen, der etwas verloren hat, er be» sitzt den Trost, daß es anderen Menschen auch so geht. Und wenn er wirklich den gesuchten Gegen­stand auch im Fundbüro nicht wiederfinden sollte: der Anblick so vieler anderer Dinge beglückt den Sucher menschlicher Tugenden mehr, als ihn der eigene kleine Verlust schmerzen wird. H. W. Sch.

Ein Elefant sammelt

für das Kriegswinterhilfswerk.

Die Kreiswaltung der DAF. teilt uns mit: Arn heutigen Tage wird auch der sprechende Elefant, der zur Zeit im Gloria-Palast im Rahmen der Bühnen- schau gezeigt wird, im Dienste des Kriegs-Winter- Hilfswerkes stehen und, mit einer Sammelbüchse ausgerüstet, durch die Straßen Gießens ziehen. Neben den Erwachsenen wird es gerade für unsere Kleinen eine besondere Freude fein, dem Dickhäuter eine Spende für das Kriegs-Winterhilfswerk in die Büchse zu werfen. Erwachfene und Kinder werden also nochmals zusätzlich Gelegenheit haben, ihre Opferfreudigkeit unter Beweis zu stellen, und es Heim nur zu wünschen, daß die Spenden so reichlich fließen, daß der Dickhäuter feine Last haben wirb, sie zu tragen.

Wer

Oie Zeit im Lehen.

Von Wilhelm von Scholz.

Der Darone-Fall im Hinterland von Niva am Gardasee stürzt in einer engen, dunklen aber zu einem Gewölberaum ausgewaschenen Felsenklamm senkrecht herab. Das Tosen und Dröhnen der rast­losen Wassermassen ist gewaltig. Der Beschauer, der im schmalen Eingangsjpalt dem haushohen Sturz gegenübersteht, erlebt vor ihm aufs höchste geftelgert jene Täuschung, die man noch sonst einigen fallen nachsagt: das schäumende Niederjagen des grauen Wassers scheint sich von Sekunde zu Sekunde zu beschleunigen, immer wilder, immer toller zu wer­den. Man weiß, daß es nur em im Beschauer ent­stehender Eindruck ist, aber man kann sich dem Zwin­genden und Unheimlichen der Erscheinung nicht ent­ziehen.

An diesen Daronefall muß ich denken, wenn ich mir die im Leben jedes einzelnen mit dem Reisen und Aelterwerden stetig sich beschleunigende Zeit im Bilde anscl-aulich zu machen suche; dieses Rchcher- verfließen der Wochen, Monate, Jahre das auch nur im Erleben liegt und sich doch mit Unausweichlich, feit wie cirte äußere Tatsache jedem auszwmgt und immer mehr, je älter er wird.

Man braucht sich nur einmal an feine eigene Kindheit zu erinnern, um sofort des Vorgangs inne zu fein: was waren dem Kinde die Sommerferien arme vier ober fünf Wochen - für eine herrliche Unendlichkeit! Gleichviel, ob man verreisen oder nur von Zuhause aus ungehindert Feld und Wald du ch- ftreifen konnte, das Schulleben war fast versunken man war in ein anderes Leben ^"getreten, an dessen fernem, fernem Ende erst wieder die Sch anfing. Und heute? Was ist ein Urlaub, eine Greife von vier Wochen heute? Ein am ersten Tage schon als kurz empfundenes, vom oorausdenkenden, reg­nenden, ordnenden Sinn schon übersprungenes, eigentlid) nur rasch zwischen zwei Arbeitstage ein- geschobenes Zeitstückchen, nicht viel mehr als Ausslugssonntag oder eine Nacht, m der man mal früh zu Bett gehen und ein bißchen langer schlafen will. . .. ..

Wie oft habe ich Leute, die an diese merkwürdige VeMeunigungstäujchung nicht dachten, to einem

mittleren richtigen Schnee- und Eiswinter der natürlich nicht eine solche Ausnahme wie der von 1928 auf 29 fein dürste fagen Horen: Schnee und Eis zum Schlittenfahren, Ski- und Schlittschuhlaufen haben doch in früheren Jahren immer viel länger angehalten als jetzt, wo es höchstens zwei drei Wochen hintereinander kalt bleiben.Unser Klima hat sich nicht geändert", erwidere ich dann,es waren damals aber drei große Kindheitswochen, und heute sind es drei rasche Wochen des Er­wachsenen. Das ist's!"

Schopenhauer, hat einmal gesagt: bas Leben fei für den, der in feinem Anfänge, der davor stehe, eine sehr lange Zukunft; und für den, der seinen Haupt­teil durchlaufen habe, eine sehr kurze Vergangenheit. Dies Wort ist die klarste, schönste Fassung der Aus­wirkung jener steten Beschleunigung der Zeit im Leben die jedem auffallen muß, der auf die Zeit achtet und sich an den Wendepunkten feines Weges ein wenig besinnt.

Eine weitere erstaunliche Folge dieses Jmmer- schnellerwerdens der Zeit im Leben ist, daß die Zeit, die vor unserer Geburt lag, näher an uns heran- rückt, je älter wir werden, je weiter wir uns eigent­lich von ihr entfernen. Dadurch, daß uns das ver­gangene Stück unseres Lebens immer kurzer er­scheint, je länger es wird, werden uns Jahre und Jahrzehnte überhaupt im Gefühl viel kürzer, als sie uns einst erschienen. Ich selbst bin einige Jahre nach dem siebziger Kriege geboren, der mir, als eben ein wenig die Dinge begreifendem Jungen, so etwas wie der Beginn der Welt und Geschichte war. Die Zeit Goethes, Friedrichs des Großen selbst emp­finde ich heute mir zeitlich näher als damals den Abstand von kaum einem Jahrzehnt. Wie wenig Geschlechterfolgen, von denen stets einzelne alt ge­wordene Leute sogar mehrere überbauten, Haden die Zeit von damals ans Heute herangeführt!

Es ist keine müßige Spielerei, darüber einmal nachzudenken und sich selbst zu prüfen, wie man die Zeit einst in der Kindheit empfand, und wie mau sie heute empfindet; wie weit abgeruckt man die Ver­gangenheit vor der eigenen Geburt als Kind sah und als Erwachsener, als vielleicht schon Gealterter, sieht. Es gibt tiefe Einsichten in bas Wesen des Lebens.

Film-Musik.

Von Greta Taeglau.

Zwei sehr merkwürbige Tatsachen stehen sich; diametral entgegengesetzt gegenüber. Einmal gibt es keinen Film, der ohne Musik herauskommt, ohne musikalische Untermalung zu leben vermöchte. Und des anderen: diese Musik, dem Filmwerk unabding­bar notwendig, wird von den wenigsten Film­theaterbesuchern sinnvoll gehört, entsprechend ge­würdigt! Erlebnishungrig stürzen sich die Sinne der Beschauer auf den Handlungsablauf, des künst­lerischen Gesamtwerkes gar nicht inne werdend. Man könnte einwenden, daß wir Deutschen lange genug den Theorien nachgingen, nach ihnen lebten, so vielfach den rechten Augenblick beherzter Dies- seitsstellungen verpassend, nun aber uns optisch auf das Tatsächliche einstellten. Das wäre aber nur im Falle der künstlerischen Aufnahmefähigkeit bedingt richtig; beim die Drangabe an die interessante und spannende Handlung ist bei den meisten so stark und einseitig, daß auch die optische Betrachtung von Bauten und Landschastsbildern nur sehr ober­flächlich ist. .

Eine ehrliche Selbstkontrolle wird für eine nicht unbeträchtliche Besucherzahl das Gesagte bestätigen. Wenn sich hier der einzelne um Abhilfe bemüht, wird er den Gewinn bald auch im praktischen Leben merken. Es gilt nämlich, sich zu einer stärkeren Konzentration und Aufnahmefähigkeit zu erziehen und wirklich das Ohr der Musik zu öffnen. Bald wird man das Verständnis dafür gewinnen, wo die Musik zu Bild und Text der Handlung nur beglei­tend untermalenden Charakter hat, um dann sehr selbständig und eigenwillig als geschlossenes Kunst­werk ihre persönliche Eigenart zu offenbaren. Zu- erst wird man dessen gewahr werden, wenn Wort und Ton zusammenklingen im Lied der Darsteller oder in Chören. Das Verständnis für die Musik wird sich dem danach Forschenden vielleicht zuerst bei den großen Kriegsfilmen auftun, wo Marsch­klänge und Soldatenchöre ihre mitreißende Wirkung ausüben. Es sei dabei nur an den Ritter-Film Stukas" erinnert. Eine weitere Schulung ermög­lichen die Musiksilme, von denen aus vielen schönen Entwürfen die hervorragend gelungeneOperette Gills Forsts erwähnt [ei.

Die eindringliche Einstellung auf das Hören der Musik wird keinesfalls das Interesse und Verständ­nis für den Handlungsablauf mindern, sondern nur den Gesamteindruck bereichern und vertiefen. Zudem erfüllen wir dqknit eine ideale Forderung, nämlich, mit der Kickst und den Künstlern unserer Epoche zu leben und für ihr Wirken aufgeschlossen zu sein. Trotz des gewaltigen Völkerringens, in dem Deutschland um seine Freiheit kämpft, trotz aller damit verbundenen Aufgaben,' ist der Staat in höchstem Maße auf Kulturförderung bedacht, ist be­müht, den Begabten die Wege zu ebnen und alles Schöne und Bedeutende den breiten Schichten zu erschließen. Mancher unserer lebenden bedeutenden Tonschöpfer hat sich dem Film verschrieben, viel­leicht, weil er die weitgesteckten Ziele und die große Wirkung seines Schaffens überdachte. Um aus der Reihe der bekanntesten filmschaffenden Musiker einen genialen Künstler zu nennen, sei an den Schöpfer vieler unvergeßlicher Filmmusiken, auch die zu denStukas", Herbert Windt, erinnert. Das Andenken an seine OperAndromache", die in der Berliner Staatsoper herauskam, lebt, und seine Vertonungen für den Film sind wertvoll ge­nug, ein Eigenleben zu führen. Sie und manches andere bedeutsame Werk der Lebenden sich hörend und verstehend anzueignen, lohnt sich bestimmt. Schenkt uns doch auch dieses künstlerische Erfassen und Mitschwingen eine Vorstellung vom seelischen Gehalt und Rhythmus unserer Zeit.

Zeitschriften.

Im Novemberheft der ZeitschriftNeues Volk" (Blätter des Rassenpolitischen Amtes der NSDAP., Verlag Berlin SW 68) findet sich unter der ÜberschriftEs wär' so schön gewesen ...", em interessanter Aufsatz über die feindliche Bildpropa­ganda von E. H. Lehmann; die Leser, die den kürz­lich im Gießener Vortragsring gehaltenen Vortrag des Verfassers über die politische Karikatur im geistigen Kampf der Gegenwart gehört haben, wer­den hier einen Teil des dort gezeigten, sehr auf- schlußreichen Bildmaterials wiederfinden. Ein eben­falls gut bebilderter Beitrag beschäftigt sich mit den; gesunden Volkstum des uns im Kampfe gegen deii ^Bolschewismus verbündeten Finnland,