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entfesselt, nicht um die strengen Gesetze einer organi­schen Konstruktion zu verwirklichen, wie sie Hitler vorschwebt, sondern um endgültig Abgestorbenes zu künstlichem Scheindasein zu erwecken. Und das gleiche gilt auch für Roosevelt. Auch er und seine Hintermänner sind blind gegen die gebieterische Forderung der Zeit, nur weil sie ihnen und einer kleinen Schicht emsiger und skrupelloser Geldver­diener vielleicht Schranken auferlegen würden, die sie kraft ihrer Selbstherrlichkeit im liberalistischen System auf Kosten von Hunderttausenden geknech­teter Menschen durchbrachen.

Daß dieser Leichnam, der allem Gesunden und in die Zukunft Weisenden die Luft verpestete, endgültig begraben wird, daß Raum für alle diejenigen ge­schaffen wird, die sich gleich uns als Vertreter des 20. Jahrhunderts fühlen und den totalitären Cha­rakter dieses Zeitalters freudig bejahen, ist der Sinn des Hitlerwortes, daß er aus diesem Krieg als ein noch viel fanatischerer Nationalsozialist zurückkehren würde. Der Führer sieht in seiner schöpferischen Phantasie bereits den fertigen Bau, an dem heute noch Millionen Hände und viele in schwerem und blutigem Waffenhandwerk arbeiten. Bkn.

Schnellboote versenkten vor der britischen Küste 6 bewaffnete feindliche Handelsschiffe.

Oer Wehrmachibericht.

DRV. Aus dem Führerhauptquartter. 14. Oktober. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

3m Osten nehmen die Operationen ihren vor­gesehenen verlauf.

Die im Raume von V r j a n s k eingeschlossenen Kräfte des Gegners find in mehrere Gruppen zer­schlagen. Ihre Vernichtung in dem schwierigen Wald­gelände schreitet stetig fort Bereits gestern war die Zahl der in der D o p p e l s ch l a ch t von Brjansk und Wjasma bisher eingebrachten Gefangenen auf mehr als 350000 gestiegen. Sie ist noch stän­dig im Wachsen.

Kampfflugzeuge bombardierten in der Rächt zum 14. Oktober mit guter Wirkung kriegswichtige An­lagen in Leningrad.

Schnellboote stießen in der Rächt zum 13.Ok­tober gegen die britische Küste vor und griffen einen durch Zerstörer, Schnellboote und Flugzeuge stark gesicherten feindlichen Geleikzug an. Trotz hef­tiger Abwehr und wiederholten Gefechten mit den überlegenen Sicherungsstreikkräften versenkten die Schnellboote 6 bewaffnete feindliche Handelsschiffe mit zusammen 18 000 VRT. Sie kehrten ohne eigene Verluste zurück.

3n der letzten Rächt richteten sich Luftangriffe gegen mehrere britische Flugplätze.

Bei Einflügen britischer Flugzeuge in die be­setzten Gebiete am Kanal erlitt der Feind am gestrigen Tage schwere Verluste. 3äger, Flakartillerie und Marineartillerie schossen 31 feindliche Flugzeuge ab. Lin eigenes Flugzeug ging ver­loren.

Britische Bomber warfen in der letzten Rächt Spreng- und Brandbomben auf verschiedene Orte in Westdeutschland und im norddeutschen Küstengebiet. Rachtjäger, Kampfstngzeuge und Flakartillerie schossen fünf feindliche Flugzeuge ab.

Torpedotreffei- auf britisches Schlacht­schiff und Kreuzer.

Rom, 14. Okt. (DNB.) Der italienische Wehr­machtbericht vom Dienstag meldet u.a.: Zn Nord- a f r j k a wurde ein neuer nächtlicher Angriffsver­such an der Tobrukfront abgewiesen. Eine Abteilung feindlicher Panzerwagen wurde durch unsere Pan­zerabwehr und das Eingreifen deutscher Panzer rasch zurückgeschlagen. Deutsche Zäger schossen über Sollum fünf englische Flugzeuge ab. Zrn östlichen Mittelmeer wurde ein aus zwei Schlachtschiffen, einigen Kreuzern und Zerstörern bestehender feindlicher Flottenverband von unseren Torpedoflugzeugen überrascht. Trotz heftiger Flak­abwehr gelang es, Torpedotrefser auf einem Schlachtschiff und einem 10 000-Tonnen-Kreuzer zu erzielen, der starke Schlagseite gab. Alle Flugzeuge sind zurückgekehrt.

Das Ritterkreuz für Leutnant z. S. porath.

Berlin, 14.Oktober. (DNB.) Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht verlieh auf Vorschlag des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Leutnant zur See Porath. Er hat als Kommandant eines Vorpostenbootes bisher 41 Geleitzüge sicher durch den Kanal gebracht. Bei zahlreichen feindlichen Schnellboots- und Flugzeugangriffen hat er mit seinem Boot zwei Flugzeuge a b g e f ch o s -

sen und fünf Schnellboote versenkt. Er hat damit dazu beigetragen, daß der Geleitverkehr im Kanal glatt durchgeführt werden konnte und lebens­notwendiger Nachschub gesichert wurde.

Eine britische Ente.

BritischesErPeditionskorPs in Archangelsk gelandet."

Berlin, 14. Okt. (DNB.) Mit einer groß­artigen Sensation überrascht die britisch-bolsche- wistische Lügenpropaganda die Welt: In Archangelsk am südöstlichen Zipfel des Weißen Meeres wollen die Briten ein Expeditionskorps von 40000 Mann an Land gesetzt haben. In einem zweiten Hafen derselben Gegend sollen kanadische Truppen ausge­schifft worden sein, jedoch ist man vorsichtig genug, den Namen dieses anderen Landungsplatzes nicht zu nennen. In den Vereinigten Staaten ist diese Nachricht zunächst mit Begeisterung ausgenommen worden. Dann aber müssen Zweifel aufgetaucht sein, die zu einer Rückfrage in London führten. An der Themse aber beeilte man sich zu erklären/kerne Be­stätigung dieser Truppenlandungen geben zu können. Zn den USA. wurde darauf erklärt, daß einer sol­chen Landung am Weißen Meer keine große stra­tegische Bedeutung beizumessen sei und das allen­falls von einer guten moralischen Wirkung auf die Bolschewisten gesprochen werden könne. Die Bolsche­wisten freilich wurden mit Versprechungen schon bis oben hin gefüttert, Hilfe gesehen haben sie je- doch nicht. Sie käme im übrigen jetzt auch zu spät.

Aussichtslose Ausbruchs­versuche aus Leningrad.

Berlin, 14. Okt. (DNB.) Zn aussichtslosen und vergeblichen Ausbruchsversuchen reiben sich die in Leningrad eingeschlossenen sowjetischen Kräfte auf. Unter Einsatz aller verfügbaren Kräfte ver­suchten die Bolschewisten immer von neuem, den engen Ring der deutschen Truppen zu sprengen. Die Sowjets hatten in den Kämpfen der letzten Tage überaus schwere Verluste an Menschen und Material. Gefangene berichteten, daß bei einem dieser Angriffe von 160 Mann einer Sowjetkom­panie nur sechs Mann lebend zurückkehrten. An einer anderen Stelle blieben von 800 Matrosen, deren Schiffe durch deutsche Artillerie vernichtet wurden, 600 tot oder verwundet aus dem Kampf­platz zurück. Während so die Bolschewisten in sinnlosen Angriffen ihre letzten Kräfte immer er­neut in die Vernichtung schicken, liegen die mili­tärischen und industriellen Anlagen von Leningrad im Feuer der schweren deutschen Artillerie und im Hagel der deutschen Bomben. Allein in einer der letzten Nächte wurden mehrere tausend Kilogramm Spreng- und Brandbomben bei guter Erdsicht abge­worfen.

3n die Vernichtung getrieben.

Berlin, 14. Oktober. (DNB.) Zn sinnlosen An­griffen dicht gedrängter Schützenlinien, oft bis 15 Glieder tief gestaffelt, werden die Sowjetsoldaten, viele davon ohne Waffen, von ihren politi­schen Kommissaren unter Gewaltanwendung gegen die Einschließungsfront im Raum Wjasma vorgetrieben. Eine verantwortungsbewußte Füh­rung würde in solcher Lage die Kapitulation anbie- ten, um nutzloses Blutvergießen zu ersparen. Hier aber fallen, viele Tausend Sowjetsoldaten dem Wahnsinn ihrer politischen Führer zum Opfer, ohne daß diese auch nur irgendeinen Nutzen davon ha­ben können.

Adalbert Güster persönlich.

Begegnungen mit einem Dichter.

Für den siebenten Band der Stifter-Aus­gabe des Znsel-Verlages werden von Max StefflGespräche" mit dem Dichter vor­bereitet, aus denen im neuesten Heft des Jnselschifss" einige fesselnde Ausschnitte mit­geteilt werden.

Besuch im vierten Stock.

Der Wiener Schriftsteller Emerich R a n z o n i erzählt von einem Besuch bei Stifter zu Anfang der vierziger Jahre, als der Dichter mit feiner jungen Frau hoch im vierten Stock eines Hauses wohnte:

Die Wohnung war gerade ausreichend für zwei Leute, zwei Gemächer alles in allem, mit einer Ein­fachheit eingerichtet, vor der sich die jungen Schrift­steller von heute kaum einen Begriff machen. Die Wände waren weiß getüncht, der Boden aus weichen Laden, alle Möbel aus unangestrichenem weißen Holz. Das Zimmer, in das man von dem kleinen Vorgemache trat, wurde von der Frau bewohnt; das daranstoßende war das Atelier, Schreib-, Stu­dier- und Wohnzimmer des Mannes, zunächst der Tür war ein Wandschrank angebracht, in welchem Stifter feine Bibliothek aufbewahrte oder vielmehr verwahrte; denn in der Regel sah man, wenn er nicht gerade mit dem Lesen beschäftigt war, nichts von Büchern bei ihm. Von der den meisten Schrift­stellern eigenen Art, auf allen Tischen und Stühlen ihrer Arbeitszimmer Bücher liegen zu haben, war er ein abgesagter Feind; er liebte es, feine Bücher- schätze sie wurden bei ihm in des Wortes vollster Bedeutung hochgehalten, wenn er sich an ihnen erbaut, wieder fein säuberlich in ihr profanen Blicken unzugängliches Versteck zu geben. Um so reichlicher waren Zeichnungen und Farbenskizzen zu sehen; die lagen auf allen Tischen, und die Wände waren damit bedeckt; auf der Staffelei, an der er zu jener Zeit wohl die meisten Stunden des Tages ^brachte, stand stets ein mehr oder weniger fertiges

Das Heim des Herrn Schulrats.

Als Stifter 1850 Schulrat geworden und nach Linz übergesiedelt war, besuchte ihn R a n z o n i wieder und schildert nun den ganz andersartigen Eindruck der damaligen Wohnung:

Eine Pause des Gesprächs benützte Stifter dazu, mir feine Wohnung zu zeigen, die freilich den größ­ten Gegensatz bildete zu jener, in welcher er feine ,Studien* geschaffen. Da war allerdings kein prun­kender Luxus, aber jedes Möbel, jedes Geräte ein Kunstwerk; Tische, Stühle, Schreine nach trefflichen Zeichnungen aus Mahagoni geschmackvoll gearbeitet; an den Wänden vorzügliche Bilder. Bei dieser Wan­derung durch die Gemächer fielen mir drei abscheu­liche alte Hunde auf, die sich nach dem Spruche: ,Hier ist alles erlaubt und kann nichts übelgenom­men werden*, benahmen. Stifter merkte wohl das unwillkürliche Fragezeichen in meinem Gesichte und sagte: ,Das sind die Lieblinge meiner Frau; sie hätschelt sie, und auch ich habe die Tiere gern. Mein Gott*, schloß er mit einem halben Seufzer, «was tut man nicht alles, wenn man keine Kinder hat.*"

Ein Kaktus blüht auf ...

Aus dieser Zeit erzählt Baronin Amslie von Handel, die Gattin von Stifters Zugendfreund:

Stille Nacht im stillen Linz; jedermann in Schlaf versunken. Zwei Uhr mag's gewesen sein. Da wird Sturm an unserer Tür geläutet. Mein Mann öffnet das Fenster. Stifters Stimme tönt herauf: ,Sag deiner Frau, daß der größte Kaktus (nach feinem botanischen Namen habe ich nicht gefragt) aufblüht. Kommt.* Ich war schneller fertig als mein Mann. Stifter wartete auf mich, und wir rannten durch die dunklen Gassen. Seit Tagen hatte die geschlossene Knospe des Kaktus uns beschäftigt wie ein Ge­heimnis. Nun stand die Pflanze auf dem Tische, von Lichtern umringt, wie auf einem Altäre. Gottlob, auf uns zwei hatte sie gewartet. Mein Mann kam ein wenig zu spät, denn nun spalteten sich die Blätter, erst ein ganz klein wenig, dann von Minute zu Minute mehr, dann quollen rotgoldene Staub­fäden aus dem Kelche, die Knospe war Blume ge­worden. Die Blume war wunderbar schön, und wir staunten sie an; aber der ersten Regung des Wer-

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irtfchastliches Chaos in Schanghai.

Schanghai, 15. Okt. (Europapreß.) In wel­chem Maße sich die nordamerikanische Hetzpropa- ganda im Fernen Osten und besonders in Schang- Hai ausgewirkt hat, geht aus einer Abhandlung der englischen WochenschriftFinancial Commerce" her­vor. Danach stiegen die Lebenshaltungs­kosten der chinesischen Arbeiter in Schanghai um 855 v. H., während für die Lebensmittel selbst gegenüber dem Jahre 1936 sogar verzehnfache Betrag zu zahlen ist, die Löhne hingegen nur um das Dreieinhalbfache gestiegen find. Dementsprechend ist eine Verelendung der Kuli-Bevölkerung festzu­stellen. Gleichzeitig besteht hierin eine Riesenaefahr für die internationale Ansammlung der Millionen Menschen, die in viele, meist nationale Gruppen gespalten sind. Heute hamstern in Schanghai Groß- wekulanten der verschiedensten Nationen Reis, Kohle, Baumwolle und Mehl, aber auch Metalle, Gummi, lokalproduzierte Baumwollgarne usw.

Die Nordamerikaner und durch diese veranlaßt auch Holländer haben es verstanden, nach der Ein­frierung der chinesischen und japanischen Dollar- und Pfundguthaben über Schanghai eine Finanz­kontrolle zu verhängen. Ein Stabilisierungsamt stellt 14 befreundeten Bankunternehmungen USA.« Dollar zu einem festen niedrigen Kurs zur Ver­fügung. Zn Verbindung damit entstand sofort ein schwarzer Markt, auf dem USA.-Dollarnoten zu beinahe doppeltem Preis käuflich sind. Dieser Kurs wird dann täglich in allen Zeitungen notiert Dies bringt dann Unruhen und eine unglaubliche Un­ordnung im gesamten Handelsbetrieb mit sich und verhindert gleichzeitig ein festes Lohnsystem, was sich wiederum auf den Lebensmittelmarkt ungünstig auswirkt.

Die englische Wochenschrift wendet sich scharf gegen dieses mißglückteStabilisierungsmanöoer". Viele ehrenhafte Existenzen so schreibt die Zeitschrift würden durch all diese Maßnahmen gefährdet. Eine ungeheure Hetzpropaganda habe eingesetzt, die darauf abgestimmt fei, die Japaner zu treffen. Ruiniert aber würden hierdurch einzig und allein die chine­sischen Massen und der chinesische Han­del. Aus den Vereinigten Staaten zugereisten Wirtschaftsexperten und englischen Vankchefs sei es gelungen, Asiens größte Wirtschaftszentrale, Schang-

Hai, in schwerste Unordnung zu bringen. Die Aus Wirkung all dieser selbstsüchtigen Manöver zeige sj<h in einem erschreckenden Maße: die Terrorakte nähmen zu, Morde, Raub, Ueberfäüe und Entfiih rungen seien an der Tagesordnung. Täglich käme es zu schweren Revolten.

Oer Tschungking-Terror.

Tokio, 14. Oktober. (Europapreß.) Schärfere Maßnahmen gegen den Tschungking-Terror j» Schanghai fordert dieJapan Times". Die Ver. waltung der internationalen Niederlassung und dir Polizei von Schanghai seien bemüht, diesem Klein, krieg entgegenzutreten, doch gehe die Wasfensuch nicht weit genug, und die Bestrafung sei unzure- chend. In Peking und in Tientsin seien durch ein Waffenverbot und häufige Haussuchungen Schießattentate fast ganz verhindert worden. Ein gleiches müsse auch in Schanghai möglich fein. Das Blatt schreibt:Wenn die Unterdrückung der De. sperados nicht von größeren^ Erfolg begleitet, ifi, müssen andere Mittel unter Leitung k o m. petenterer Behörden für nötig erachtet wer. den." Der Artikel schließt mit der Forderung, da'z falsche Berichte über Tschungking-Siege, dir zur Aufhetzung beitragen, durch die Behörden st Schanghai gefloppt werden müßten.

Neue Verbindung Japans mit der Güdsee.

Lissabon, 14. Okt. (Europapreß.) Zwischen bet portugiesischen Regierung und Japan routfoe ein Abkommen über die Errichtung einer Fluglinie von Dili, der Hauptstadt der portugiesischen Insel Ti­mor, über Palau, einer Inselgruppe der ehemol; deutschen westlichen Karolinen, nach Japan abge­schlossen. Die Unterzeichnung wurde von Minister Präsident Salazar und dem japanischen Gesandten in Lissabon vorgenommen. Die Insel Timor im In­dischen Ozean hat eine Bevölkerung von nahezu 500 000 Einwohnern. Die Fluglinie PalauDili (Timor) führt eine Verkürzung der Verbindungen zwischen Japan und der Südsee herbei und wii4 die Beziehungen, die bisher durch einen Mangel ar Verbindungen beeinträchtigt waren, fördern.

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Engländer bombardieren Schweizer Dorf.

Bern, 14. Okt. (DNB.) Wiederum haben eng­lische Flieger die Neutralität der Schweiz mißachtet. Nach Schweizer amtlichen Mitteilungen haben Flug­zeuge in der Nacht zum Montag auf das Dorf Buwil im Kanton Thurgau Bomben ab­geworfen. Die Untersuchung ergab, daß die Bomben englischer Herkunft waren. Drei Per­sonen wurden getötet, vier verletzt. Ein Haus ist völlig zerstört worden.

Briten und Bolschewisten aus Teheran zurückgezogen.

Stockholm, 15.Okt. (Europapreß.) Die briti­schen und sowjetischen Truppen haben sich aus dem Stadtgebiet von Teheran zurückgezogen. Reuter teilt mit, die Truppen würden vermutlich bis auf eine Linie zurückgezogen werden, die in den sowjetisch- englischen Waffenstillstandsbedingungen von der iranischen Regierung seinerzeit angenommen wor­den sei.

Aufstandsbewegung in Syrien.

Ankara, 14. Oktober. (Europapreß.) Die Un­ruhen im Nordosten von Syrien haben den Charakter einer regelrechten Aufstandsbewegung an­genommen. Von britischer und de gaullistischer Seite wurden Strafexpeditionen eingeleitet, wobei im Gebiet von Deir esZor zwanzig Dör­fer niedergebrannt würben. Trotz dieser Maßnahmen ist es bis zur Stunde noch nicht ge­lungen, die Revolte gegen das britisch- de gaulli­stische Regime zu unterdrücken.

Reuter-Angestellter in Lissabon wegen Spionage verhaftet.

Lissabon, 14. Okt. (Europapreß.) Die portu­giesische Polizei verhaftete den Angestellten des Lissaboner Reuterbüros, Antonio Coimbra, unter der Verdacht der Spionage zugunsten Englands. Er hatte sich in den Besitz der von der portugiesischen Militäkzensur als nicht für die Oeffentlichkeit ge­

eigneten Meldungen gebracht, die er für gutes Gell veräußerte. Unter ähnlichen Umständen wurde ein Mitglied der englischen Botschaft in Lissabon ver­haftet.

Neue Verstärkungen für die Azoren.

Lissabon, 14. Okt. (Europapreß.) Mit beir DampferSerpa Pinto" verließen weitere portugiesische Truppeneinheiten Lissa­bon, um die Garnison auf den atlantischen Insel» zu verstärken. Am Dienstagmorgen fand eine Trup­penparade statt. Die Truppen sind für die Azoren bestimmt. In den letzten Tagen war auch die Gar­nison auf den Kapverdischen Inseln verstärk! worden.

Die Erschließung Albaniens.

R u m , 14. Okt. (Europapreß.) Zn einer Sitzung des königlichen Statthalters in Albanien mit der albanischen Regierung und Vertretern zahlreicher Körperschaften wurden Fragen des Aufbaues in Al­banien erörtert. In Tirana soll ein italienisch-, albanischer Ausschuß gegründet werden, der große öffentliche Arbeiten im gemeinsamen Interesse bei­der Länder wie Eisenbahnen, Straßen, Hafen* anlagen und Anschlüsse an das internationale Tele- phonnetz durchführen soll. Ferner sind Arbeiten zur besseren Ausnützung der landwirtschaftlichen Erzeugung, der Forstwirtschaft, der Mineralvor­kommen und der industriellen Möglichkeiten vorge­sehen. <

Kleine politische Nachrichten.

Fünfzehn Tschungking-Dioisionen um Jtschanx werden von japanischen Truppen angegriffen. Ja­panische Flugzeuge haben Tschungking-Truppen an? dem Südufer des Pangtse^Flusses gegenüber ta Stadt Ztschang mit Bomben angegriffen.

*

Der Oberbefehlshaber der niederländisch-indische» Streitkräfte, General Deren schot, ist bei einet» Flugzeugunglück ums Leben gekommen. Er will auf dem Heimweg nach Bandoeng von einer Kon­ferenz mit dem britischen Oberbefehlshaber im Fer- nen Osten, General Brooke-Popham. Das Flugzeug

bens, dem Oeffnen der Knospenlippen, lauschten wir atemlos; als könnten wir sie hören, die Stimme der Natur. Stifter hatte eine große Sammlung von Kakteen. Manchmal dachte ick, seine Vorliebe für diese kristallisierten Pflanzensormen in stachligem Gewände ergänze ihm etwas allzu Weiches in feiner Seele..."

Die numerierten Zigarren.

Der Biograph Stifters, Alois Raimund Hein, erzählt:

Stifters Lieblingszigarren waren nebst den ein­heimischen Cabanos vor allem Vevey d'Ormonds, die er, wenn er im Bayrischen Walde wohnte, über Regensburg dahin verschrieb; er rauchte sie den ganzen Tag und zündete immer, wenn eine zu Ende ging, die nächste an dem Feuer der abgebrannten an. Er hatte stets einen großen Zigarrenvorrat, der in Pakete abgeteilt war und mit pedantischer Gewissen­haftigkeit der Reihe nach vorgenommen wurde. Um stets über die Zeit des Ablagerns unterrichtet zu sein, wurde jedes Paket am Tage des Ankaufs mit einem Zettel versehen. Ein im Besitze der Frau Post­rätin Bertha Swoboda in Prag befindlicher »Zigar­renzettel* enthält folgende Aufzeichnung von der Hand des Dichters: ,5. Folge 9. 25 Stück Ca­banos. 6. August 1862. Adalbert Stifter.*"

Barfuß oder in Holzschuhen ...

Seine Kleidung hatte einen behäbigen Zuschnitt, so wie des Dichters ganze Persönlichkeit", berichtet Hein weiter,denn er war klein und von untersetzter Gestalt. Scherzweise nannte er sich selbst einen man- delnden Wollsack. Gewöhnlich trug er einen langen schwarzen Goetherock, eine lose geknüpfte Halsbinde, zuweilen einen breitkrempigen Hut und besonders gern Schuhe mit zolldicken Sohlen. Letzteres hing damit zusammen, daß er, wo irgend möglich, am Erprobten und Althergebrachten festhielt. Er war von Kindesbeinen auf gewöhnt, entweder barfuß zu gehen ober seine Füße in dicke, hochgeschnäbelte Holzschuhe zu stecken, wie solche im ganzen südlichen Böhmen gebräuchlich sind; das Gefühl nun, auf hoher Unterlage einherzuschreiten, hatte sich so dau­ernd seinem Körper eingeprägt, daß es ihm eine peinliche Empfindung machte, auf modisch dünnen ,Papierfohlen* zu gehen."

Japanisches Puppenfest.

Ein großer Augenblick im Leben jedes kleinen japanischen Mädchens ist das Puppenfest, O-Hina» Matsuri, zu dem man in allen Häusern des Lan­des, in denen es ein kleines Mädchen gibt, am dritten Tage des dritten Monats rüstet. An-Marie Kiefer schildert es sehr reizvoll in Wort und Bild im einem Aufsatz, der von Martin Hürlimann heraus» gegebenen MonatsschriftAtlantis". Unter großer Aufregung wird das Holzgestell, auf dem die Herr­lichkeiten aufgebaut werden, hervorgeholt und im Wohnzimmer ausgestellt. Es sind sieben Stufen, die mit rotem Stoss verkleidet werden, und dann wer­den aus der großen Kiste viele Schachteln hervor» gesucht und ihr Inhalt auf den Stufen aufgebaut 2Ius der ersten Schachtel, auf der in schöner Pinsel» schristShino-Bina" steht, wird aus Seidenpapier der Puppenprinz geholt, der in prächtige dunkel- grüne Goldbrokatgewänder gekleidet ist, und er» -hält feinen Patz auf der obersten Stufe. Ihm folgt Dairi-Bina", die Puppenprinze-ssin, mit einer gro­ßen goldenen Krone, die zu feiner Linken kommt, und zwischen beide wird ein kleiner Lacktisch mit einer schön geformten Vase gestellt, in der winzige künstliche Pfirsichblüten prangen. Auf der Stufe darunter werden hohe Leuchter und breite Schalen für das prinzliche Paar aufgebaut, und wieder eine Stufe tiefer nehmen drei Hofdamen Platz, die auf den Wink des Prinzen warten, ihm süßen Reis­wein einzuschenken. Während die Mutter von ben Puppen und ihrer Bedeutung erzählt, marschiert em lustiges Volk aus der Schachtel, fünf Musikanten, die mit Trommeln und Flöten zum Mahle auf« spielen, zwei Krieger mit Pfeil und Bogen, die als Wachter darauf achten, daß das Mahl nicht gestört wird, drei Diener in feierlichen Gewändern und 3« ihren Seiten werden kleine Zwergbäumchen aufge» stellt, ein blühender Kirschbaum und ein Orangen- bäumchen. Zetzt darf das kleine Mädchen ihre Gaben für die Puppen, Reiswein und Kuchen auf Lacktablettchen, bringen, die auf der untersten Stufe Platz finden. So ist die Puppenwelt fertig aufgebaut, deren bunte und geheimnisvolle Pracht in dis Träume des kleinen Mädchens hinüberspiel^

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