In der irakischen"
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üffe.
Der bekannte Politiker Dr. Giselher Wirsing, Hauplschriftleiter der Münchner Neue st en Nachrichten, der vor etwa zwei Jahren eine Reise durch den Vorderen Orient gemacht hat, gibt in seinem Blatt eine anschauliche Schilderung des irakischen Kriegsschauplatzes. Er schreibt:
Das F o r t R u t b a h sah ich zuerst als winzigen Punkt, als wir uns mit dem Kursflugzeug üer ägyptischen Verkehrslinie Kairo — Haifa'— Bagdad von Palästina auf dem Wege nach der irakischen Hauptstadt befanden. Mehrere Stunden waren wir erst über das öde, steinige Hügelland von Transjordanien und dann über die Wüste geflogen. Fast zwei Stunden lang hatten wir vom Flugzeug aus kein menschliches Wesen, kein Gehöft, geschweige denn ein Dorf mehr entdecken können. Das transjordanische Bergland war allmählich in die unendlich dunkelbraune Wüste "übergegangen, die von oben wie ein Lederüberzua über die Erde wirkte. Gelegentlich freilich durchschnitten von den tiefen Einschnitten der Wadis, der Täler: gelegentlich auch unterbrochen von plötzlich aufsteigenden Gebirgszügen, die ganz abenteuerliche Formen zeigte. Es gab da eine Hügelkette — es war nicht weit von Rutbah —, deren Berge teils wie Trapeze, teils wie merkwürdig geformte Tierköpfe aussahen — ein Ergebnis der Erosion, die das Gestein in der Wüste zernagt.
Dann schließlich also war Rutbah aufgekaucht. Wir landeten dort, um zu tanken. Mitten in der Wüste, wie verloren, standen von einem großen Steinwall umgeben die wenigen Häuser, die zu dem Fort gehörten. Die großen Ueberlandautobusse, die von Beirut über Damaskus nach Bagdad fahren, pflegen hier für wenige Stunden Rast zu machen. Die Einsamkeit an dieser Station ist vollkommen. Ein Aufklärungsflugzeug muß dort auf fast unglaub- liche Entfernungen eine etwa herannahende feindliche Kolonne erkennen können.
Die Lage im Irak.
Istanbul, 14. Mai. (DNB.) Heber die militärische Lage im Irak liegen folgende Einzelheiten vor:
Die zwölftägige Beschießung der Flugplätze von Sennelseban und Schuaiti durch irakische Flieger und Artillerie hat schwere Beschädigungen angerichtet. Sennelseban ist eine mit einem Aufwaick) von sechs Millionen Pfund ausgebaute befestigte Anlage mit unterirdischen La- gerräumen, Unterkünften und Bunkern. Die englischen Fliegerangriffe gegen die irakischen Belagerungstruppen haben nur wenig ausrichten können. Die Straße von Basra nach dem englischen befestigten Fliegerlager von Schuaiti ist durch irakische Streitkräfte blockiert. Daraus erklärt sich der englische Plan, sich in den Besitz des Forts Rutbah zu fetzen. Zwei Angriffe scheiterten unter den schweren englischen Verlusten. Der Ersatz ist für England sehr schwer, well die gefährdete Lage in Aegypten es nicht erlaubt, namhafte Verstärkungen nach dem Irak zu entsenden. Der Irak dagegen verfügt über Zehntausende, die bisher noch garnicht eingezogen wurden, weil man eine allgemeine Mobilmachung noch für unnötig hält. Der Irak hat auch keine Bockade zu befürchten, denn seine Selbstversorgung ist in großem Umfange gesichert. Selbst
Den Habbanija-See erreichten wir etwa zwei Stunden später. Ein riesiger, offenbar wenigstens an den Ufern ziemlich seichter Tümpel, von Schilf umwachsen, der sich unweit des Euphrat ausdehnt. Das Fliegerlager konnte ich an jenem dunklen Februarabend nicht erkennen, als wir den Habbanija-See überquerten. Auf, dem Rückflug von Bagdad nach Damaskus war es ebenfalls noch dunkel — wir waren schon um 5 Uhr morgens abgeflogen —, als wir dort wieder vorüberflogen. Wir flogen ganz dicht darüber hinweg und man konnte im ersten Morgengrauen einige der großen Hangars entdecken.
Habbinija ist eine regelrechte Stadt für sich, mit im Sommer gut ventilierten Bungalows, in denen angeblich die Temperatur nicht über 30 Grad an- steigen soll. Eine Milllärkolonne mit Kinos, Kasinos und allem möglichen Komfort, der das trostlose Leben in der Abgeschiedenheit an diesem weltentlegenen Fleck ein wenig erleichtern soll. Der Dienst bei der Air Force in Ramadi (so heißt die kleine Stadt am Euphrat in der Nähe des englischen Fliegerlagers) gehört trotzdem nach Aden zum Aufreibendsten und Anstrengendsten, was das britische WeUreich zu vergeben hat, wie mir ein englischer Fliegeroffizier auf der Bahnfahrt von Alexandria nach Kairo erzählte.
Die P u m p st a t i o n e n an der Oelleitung schließlich sind der Reihe nach mit Hl bis H10 gezeichnet. Wir flogen damals über H 5 hinweg. Es war eine große Anlage mit Benzintanks, großen Pumpanlagen, Werken uüd Bungalows, alles umgeben von mehreren Umzäunungen, die von jeher als Verteidigungsanlagen hergerichtet sind. Die Pumpstationen sind während der Zeit des Palästina-Aufstandes schon oftmals arabischen Angriffen ausgesetzt gewesen. Damals handelte es sich aber lediglich um die Aktionen von kleinen Freischärler- Spen, während jetzt zum erstenmal eine reguläre
ee diese Angriffe vornimmt
wenn die Engländer lokale Erfolge erzielen sollten öfter diese oder jene Stadt besetzen, würde der Irak in nationaler Einmütigkeit bis zur vollen Unab- hängigkeit kämpfen.
Oer frühere Ministerpräsident des Irak gestorben.
Mailand, 14. Mai. (Europapreß.) Der frühere Ministerpräsident des Irak, Talatel Haschimi, ist, wie Radio Mondar aus Damaskus meldet, plötzlich gestorben. Nach dem jüngsten Staatsstreich Kailanis war Talat el Haschimi aus Bagdad geflohen, weil er der Vertrauensmann Englands war, das seine Ernennung zum Regierungschef des Iraks im Januar begünstigt hatte. /
Oer Wafd bedingt zum Iregierungse «tritt bereit.
Rom, 14. Mai. (DNB.) Wie aus Beirut gemeldet wird, hat sich der Wafd, d. h. die nationalistische Partei Aegyptens, bereit erklärt, einer Regierung der nationalen Einigung beizutreten unter der Bedingung, daß Aegypten niemals an derSeite Englands in den Krieg eintrete.
von Graz. Wolfram war der erste deutsche Dichter, dem es nicht um das Berichten von bunten Ereignissen ging, sondern der Menschen darstellen und in ihrer Umgebung zeigen wollte; dazu brachte er „langes Anschauen", und dies tat er auf den Fahrten durch die Grenzmark Mitteleuropas, deren gute Verkehrsstraßen er in seinem Gedicht erwähnt hat.
In Marburg an der Drau, der damaligen „deutschen Insel im slawonischen Lande", wurde rund 600 Jahre nach Wolframs Tode Ottokar Kernstock geboren, den sein steirischer Landsmann und Freund Peter Rosegger „ein wehrhaft Nachtigall" genannt hat; diese Bezeichnung gefiel Kernstock derart, daß er sie zum Titel eines Gedichtbuches wählte. Des Dichters Ahnen waren Rad- meister und kamen aus der Gegend von Steyr; vom Vater erbte er die Liebe zu alter Dichtung, und so hat er denn auch als Archivar des Stiftes Vorau fragmentarische lateinische Mysterienspiele und mittel- alterliche Liedkompositionen aus seiner engeren und weiteren steiermärkischen Heimat herausgegeben. Seine schönsten Gedichte, liebliche Lieder im Volkston, veröffentlichte Ottokar Kernstock unter dem Titel „Zwingergärtlein"; ein solches besitzt fast jede Burg seiner Heimat. Folgender Sechszeller Kern- stocks könnte heute geschrieben fein:
Laß deine alte Kunst dir nicht verschönten? Auf, deutscher Michel! Steh und wehre dich! Faß am Genick mit deinen starken Händen Die fremden Kläffer, schüttle sie und sprich: Hinab mit euch, ihr frechen Lästerzungen! Ins Wasser Mit den ungewaschnen Jungen!
Der Admiral Wilhelm v. Tegetthoff, unter dessen Führung die alte österreichische Kriegsmarine ihre glanzvollste Zeit erlebte, ist auch in Marburg an der Drau geboren. Der Seesieg seines Geschwaders (mit dem sich die damals noch geringen preußischen Seestreitkräfte verbanden) am 9. Mai 1864 vor Helgoland half Schleswig-Holstein dem Reiche tfurüdgeroinnen. Der Seesieg bei Lisfa im Juli 1866 gegen die weit überlegene feindlicye Flotte bildete den Höhepunkt altösterreichischer See- Seltung.
In Marburg wuchs Josef Kainz,, einer der größten deutschen Schauspieler, heran; hier betrat der in einem Städtlein der Ssidsteierrnark Geborene zum erstenmal die weltbedeutenden Bretter, von hier aus nahm er feinen Weg durch Deutschland, durch die Welt. Hier schrieb er seine ersten Gedichte als ein Lob der „grünen Steiermark". Einem Freunde schrieb er, als er auf der Höhe seines Ruhmes stand: „Herrlich ist es, getragen zu werten von den Wellen der Begeisterung, herrlich ist es auch, zu stehen mitten im tosenden Beifall, aber was könnte herrlicher fein als einige Tage vollster Ruhe in den Tälern unserer schönen Untersteiermark. Jeden freien Augenblick verbringe ich dort — wenigstens im Geiste! Wann werden mir beite wieder einmal dort sein?"
Fast zu gleicher Zeit wurde in Windisch-Graez Hugo Wolf geboren, der neben Schubert und Schumann zu unseren größten Liedkomponisten zählt. Auf den Sck)ulen fühlle sich der Knabe „wie ein Fremdling", weil er „irgendwo draußen in Gottes freier Natur" heimisch zu fein glaubte. Die ersten großen Wagner-Opern rissen ihn hin. Tagelang streifte er durch die weiten Täler seiner Heimat und ließ sich von Kindern oder Mütterchen die ölten Volksweisen vorfingen, die er „alle im Herzen behielt". In Bayreuth erschütterte ihn Wagners „Parsival", ein Werk, das ihm „so heimat- nah" vorkam. Am meisten den Südsteiermärker verraten seine herrlichen Lieder, man dynke an den Zyklus der „Mörike-Lieder", die nicht wenig an der Wiederentdeckung des Dichters mitgeholfen hoben. Zu Hugo Wolfs schönsten Liedern gehört das wundersame „Heimweh" mit dem prachtvollen Auflodern im Gruß an das ferne große Deutschland.
Max Mell, der als Erzähler und vor allem als Lyriker viel zu wenig bekannte Dramatiker, stammt ebenfalls aus der südlichen Steiermark. Wenn man es aus seinen älteren Bühnenspielen nicht wüßte, so kann man es stark spüren aus seiner ersten größeren Novelle „Barbara Naderers Viehstand" oder noch deutlicher aus seinen Gedichten. Man lese nur einmal fein Gedicht „Der milde Herbst von Anno 45" nach; wie köstlich malt er in diesen Versen die ländliche Steiermark, und gleichzeitig gewinnt man ein Bild von der Lebensart des Volkes:
Ich Uralter kann's erzählen,
• wie ter Herbst durch jenes Jahr wie ein Strom rann und ein Spiegel hundert Abendröten war.
An Obstbäumen lehnten Leitern, knackten unter Eil und Fleiß und die Kinder schmausten immer, und die Kranken lachten leis. Auf dem Boten roch's nach Aepseln, in den Kellern feucht nach Wein Und wer eine Sense ansah, dem fiel doch der Tod nicht ein. War ein Herbst so lang wie jeder; Sonne sinkt und Stunde schlägt doch an jedes Leben, schien uns, , war ein kleines zugelegt.
Nun ist das Land zwischen ten „drei Strömen des Südens" wieder deutsch, und es wird auf und weiterblühen, ein herrlicher Garten des größeren Deutschlands.
Keine« Gummi mehr aus Uebersee.
Rom, 14. Mai. (Europapreß.) Ein weiterer Beweis des in England bereits würgend gewordenen Mangels an Schiffsraum ist ter Verzicht auf die Heranschaffung von Gummi aus der überseeischen Bezugsquelle Englands, ter Halbinsel Malakka, wo die Engländer das Wellmonopol an Gummi besaßen. England muß nun seinen Bedarf an Gummi aus den in England auf- gestapelten Lagerbe ständen decken. Die Aktien ter interessierten Industrie-Unternehmungen, die an der Londoner Börse nach ten Beständen in, ten Lagerhäusern von Malakka quotiert werten, die nun unverwendbar sind, weil sie nicht in den Weltverkehr gebracht werden können, sind, wie ,Lavvro Fascista" berichtet, stark zurückgegangen.
MAsMimM.
Vornan von Elisabeth Holt.
18.Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Er ließ sich Zeit mit der Antwort, beschäftigte sich mit dem glimmenden Tabak im Pfeifenkopf.! ,Hch glaube, die Garage wird überhaupt nicht ge-' baut."
„Nein?" Gerda war bestürzt, „nein? Die Sache; kommt nicht zustande?" I
„Aufrichtig gesagt, ich glaube nicht. Solche Kata-1 tomben, wie die Luckner sie haben will, kann ich nicht ohne riesige Kosten anlegen. Ich habe einen Voranschlag an Birinsky geschickt, und nach seinem Antwortbrief zu schließen, hat ihn darüber beinahe der Schlag gerührt."
Sie nickte. „Birinsky! Hat er deswegen heute nachmittag solchen Krach geschlagen?"
Paul sah störrisch vor sich hin. „Vielleicht. Pola hat ihn übrigens verdient." Er rechnete an den Fingern: ,Zch habe einen Bauplan gezeichnet, ich habe endlose Vorverhandlungen wegen des Materials geführt, ich fyabc einen peinlich genauen Vor- i anschlag eingeschickt, eine Hundearbeit war da-,! aber ich war ziemlich sicher, den Auftrag schließlich zu kriegen — — und nun auf einmal ist Schluß. Der Teufel soll diese Weiberwirtschaft holen!"
„Mach dir nichts draus, Paul", sagte Gerda bedrückt. „Polo hat auch ihre Sorgen/
„Was fängt sie mit ihren Moneten an?" wollte er gereizt wissen.
„Sie lebt", antwortete Gerda dunkel, den Blick auf den Vormerkkalender an ter Wand geheftet.
„Leben wir denn nicht?"
„Bei einem Mann ist die Frage leichter zu oe- antroorten. Jedenfalls--ich lerne bei Pola. —
Es kommt mir vor, als wäre vieles, was früher niedergehallen war, jetzt freigemorten — etwas Vorwärtsdrängendes — Neugier und Hunger — Freude auf den nächsten Tag. Es ist", sagte Gerda, „etwas Wundervolles, in der Nähe eines starken Menschen zu leben. Pola ist rechtzeitig auf ten richtigen Weg abgebogen. Ich möchte das auch."
Paul sah sie verschmitzt an und lächelte, wie
Männer immer lächeln, wenn eine hübsche Frau lebenskluge Erkenntnisse aum besten gibt. „Auf Polas richtigen Weg, Gerdababy, oder auf deinen eigenen?"
,Hch weiß", sagte sie mit einer schnellen Handbewegung, „ich weiß, du lachst mich jetzt aus. Aber das macht nichts." Sie lehnte den Kopf gegen das abgewetzte Rückenpolster ihres Stuhles und dachte nach. Ihr eigener Weg — der Einfall nahm prompt Gestalt an und war sonderbarerweise ein roter Schlingenweg durch einen feenhaft beleuchteten Saal, — die Musik spielte, harte, graue Männeraugen streiften über sie hin, und eine Stimme sagte: „Sie sind bezaubernd!"
„Paul", sagte Gerda plötzlich und kam widerwillig aus einer zarten, zerfließenden Erinnerung zurück wie auf hartes Pflaster. „Paul, weißt du. was die Polizei neulich von mir wissen wollte? Ob ich in letzter Zeit Orchideen bekommen habe--*
Der Architekt zeigte sich solcher Sprunghaftigkeit anscheinend nicht gewachsen. „Orchideen? Von wem?"
Das ließ sich natürlich nicht erklären, nicht einmal mutmaßen konnte man, jnas der Kommissar damals im Sinn gehabt hatte, als er nach den exotischen Blumen fragte. Gerda bat um eine Zigarette.
„Willst du Tee, Paul?" fragte sie, aber er dankte. Es schien, als habe er nur ein Verlangen: stillzusitzen und ihr zuzuhönn.
„Fühlst du dich hier wohl, Gerda?"'
Sie zögerte. Es war da so manches, was sich nicht sagen ließ. Solange man hier neben dem Telephon sitzt, ist die Furcht vor der nächsten Monatsmiete weg und die Sorge um die Winterschuhe, es ist auch keine schwere Arbeit, die sie hier zu leisten hat, sie zerrt bloß an den Nerven, manchmal mehr, manchmal weniger. Den ganzen langen Tag über keine einzige Stunde, über die man im voraus verfügen könnte. Man hängt von dem zähen Willen einer, Frau ab, die ebenso großzügig wie unberechenbar, ebenso gleichgültig wie hart ist. Und so antwortete Gerda schließlich lächelnd. und nicht ganz überzeugend: ,Lch bin sehr froh um den warmen Platz neben dem Ofen."
„Siehst du, das habe ich mir auch schon gesagt. Frauen brauchen ein ruhiges, warmes Plätzchen. Wenn sie jahraus, jahrein umherziehen müffen, heute
hier, morgen dort, das ist natürlich nicht das Richtige."
Seine rechte Hand griff auf dem Schreibtisch herum und suchte etwas zum Spielen, und dann stellte er übergangslos die Frage, ob Gerda viele Anbeter Hobe.
„Nein, natürlich nicht. In diesem Hause hat nur eine Anbeter — Pola. Merk dir's!"
„Und was ist's mit dem Herrn aus Hamburg, dem mit dem Monokel? Ist auch der wegen Pola Luckner da?"
Paul lächelte schief. „Denk nur nach, vielleicht kommst du darauf. Der Mann sieht aus wie eine Million Dollars."
Etwas zu plötzlich verabschiedete sich Paul Bürger. Gerda verstand ihn nicht. War er auf einmal eifersüchtig?
Als Pola Luckner an diesem Abend die Oper nach einer trotz aller Nervosllät hervorragend gelungenen Leistung verließ, bekam sie viele Blumen, und Carter, der nach achttägiger Unsichtbarkeit wieder auf- tauchte, langte, schuldbewußt wie ein streunender Kater, mit einem kleinen Korb Champagner in chrer Garderobe an. Als Pola später mit großem Gefolge zu ihrem Wagen ging, wurde sie nicht nur von den üblichen Verehrern, sondern auch von einem Photographen gestellt, der eine Blitzlichtaufnahme machen wollte. Es wurde ein dekoratives Bild. Die Luckner lehnte im offenen Mantel neben ihrem Auto, sie hatte den Arm voll Flieder und lächelte mit zurückgeworfenem Stapf, um nicht vielleicht Schatten auf ihren gespannten, nackten Hals zu bekommen.
Der Blitzlichtphotograph war ein dicklicher, überaus zuvorkommender Mann, der mit vielen Kratzfüßen dankte, kaum daß das Magnesium ausgebrannt war, er wollte sich auch erlauben, der Frau Kammersängerin einen Abzug des Bildes zu schicken.' Pola nickte gewährend, sie stieg ein, während der Dicke eifrig seinen schwerfälligen Apparat zusammenpackte und rasch verschwand. Zehn Minuten später lud er den Kasten In Polizeirat Mühsams Büro ab.
„Ich glaube, es ist eine gelungene Aufnahme", berichtete er astmathisch. „Carter stand knapp neben der Luckner, ich habe ihn gut ins Licht bringen formen. Wir werden jetzt das Bild sofort entwickeln, dann geht es morgen früh mit dem Flugzeug ab
Gegen die Lebenslinien des Empire.
Von unserer Berliner Schriftleitung.
Die für Mittwoch vom Weißen Hause angekün. digte Rede Roosevelts, von der sich die Re- gierung Churchill eine weitgehende Unterstützung ihrer Kriegspolitik in praktischer Beziehung versprochen hatte, ist in letzter Stunde ab ge f a gt worden. Der Präsident, der sich schon seit acht lagen entgegen seiner sonstigen Gewohnheit nicht mehr in der täglichen Presse-Konferenz hat bilden lassen, hat lediglich zu verstehen gegeben, er habe zwar eine Rede auf der Pfanne, aber sie werde sich mit Darlegungen allgemeiner Art befassen. Im übrigen ist Roosevelt zur Zeit bettlägerig. So behauptet man im Weißen Hanse. Immerhin ist er nicht so krank, daß er nicht den australischen Ministerpräsidenten Menzies und seine Bitten um amerikanische Hilfe anhören konnte.
/ Diese Nachrichten aus Washington haben Herrn Churchill das Konzept verdorben. Infolge der schwe- ren Niederlage Englands auf dem Balkan und infolge der anwachsenden deutschen Erfolge im See. und Luftkrieg braucht Churchill unbedingt ein Stimulans, um oie Stimmung der Bevölkerung wieder aufzuputschen, die solche Mätzchen wie Umbesetzungen im Kabinett nicht mehr ernst nehmen kann Gerade die vorgesehene Rooseveltrede sollte zu dieser Aufpulverung in England und zur lieber« brüduna der kritischen Periode in der englischen Kriegführung dienen. Man hat nun zunächst darauf verzichten müssen, einen von Roosevelt geworfenen Ball weiter zu schlagen und muß daher auch in London die Agitation mit der angeblich unmittelbar bevorstehenden Hilfe aus Amerika stark zurückschraub en.
Was die Engländer die „Schlacht im Atlanttk" nennen, also den Kampf um die Offenhaltung der Versorgungswege für die britische Insel aus den Vereinigten Staaten und dem übrigen Amerika, ist nur ein Teilgebiet des großen Ringens um die Lebenslinien des Empire, zu denen nicht zuletzt auch das Mittelländische Meer gehört. Nordafrika, die Zone des Suezkanals und der Nahe Osten sind in unmittelbarstem Sinne Kriegsgebiet geworden. Roosevelt fteilich hat dies nicht wahrhaben wollen. Am 10. April hat er die Entwicklung der Kämpfe in Ostafrika zum hochwillkommenen Anlaß genommen, um das Rote Meer aus der Liste der Kriegszonen zu streichen und damit nach den immer noch gültigen Bestimmungen des nordamerikanischen Neutralitätsgesetzes auch amerikanischen Schiffen den direkten Weg zum englischen 9ntereffen« bereich in Afrika freizugeben, was praktisch natür* licht nichts anderes bedeuten konnte, als eine Verfälschung des im Neuttalitätsgesetz niedergelegten Willens, amerikanische Schiffe von den gefährdeten Zonen fernzuhalten und damit Reibungen zu vermeiden.
Wenn Roosevelt vor vier Wochen vielleicht noch mit einem gewissen Schein von Berechtigung hatte behaupten können, daß das Rote Meer aufgehört habe, Kriegsschauplatz zu sein, so sieht er sich durch die Erklärung der Meichsregierung, die mitteilt, daß infolge der Entwicklung des Krieges im östlichen Mittelmeer in Zukunft auch mit Kampfhandlungen der deutschen Streitkräfte im Roten Meer zu rechnen fei und dieses daher zum Operationsgebiet erklärt werde, vor die Notwendigkeit gestellt, seinen damaligen Entschluß zu überprüfen. Deitti Schiffe, die durch das Rote Meer fahren, setzen sich der Gefahr der Versenkung aus. Die Reichweite unserer Vernichtungswaffen wird auch in diesem Gebiet ebenso wie im Atlantik alle zü treffen wissen, die England ihre Unterstützung leihen.
»
Wie in einer Sanduhr die Sandkörnchen sich schnell vermindern und anzeigen, daß bald und unwiderruflich die Stunde naht, so sieht England durch die Schiffsversenkungen unablässig feine Lebenskraft schwinden, bis auch die letzte der Zeit zum Opfer gefallen ift Wir haben England an ter Kehle gepackt und vergeblich versucht die britische Plutokratie, diesem Würgegriff zu entrinnen oder ihn wenigstens zu lockern. Alle Versuche schlugen fehl. Deshalb Haden die neuen Derlustgeständnisie Churchills nicht nur in England, sondern auch in den USA. allgemeines Entsetzen erregt, obgleich sie nur die Hälfte teL^wirklichen Verlustes zugaben, denn jeder Brite weiß, daß die Abschneidung der ■IIIII IHHII>HIWIIHWIIil«MP~r-l II Illhl«■!■!! «■IIIIIMIII II I III——
und erreicht noch die »Normandie^. Auf diese Weise kommt es am schnellsten nach Neuyork."
8. Kapitel.
Gredler traf Gerda Maurer auf der Straße, als sie, mit ihrem windgeschüttelten Regenschirm tämp« send, der Omnibushaltestelle zustrebte. Er schlug vor, eine Taxe zu nehmen, und schon winkte er mit weit ausholenden Armen.
,Mso, passen Sie auf", sagte er, als sie fuhren, „es hat eine Zeit gegeben, da ich Vaterpflichten an Ihnen zu vertreten glaubte, ich war ein getreuer Vater, und Sie ein nichtsnutziges, hinterhältiges Kind. Was ist los da oben im Weiberhaus, wo nur Birinsky und ein Unbekannter Zutritt haben? Don wem kriegt Pola diese Blumengaben ohne Karte? Wer ist der Mensch, der sich stundenlang vor der Villa Luckner umhertreibt und zutraulich mit den Dienstmädchen plaudert? Liebt er unser Kammerkätzchen? — Ich fühle mich entwurzelt", klagte der Pianist, „ich weiß nicht mehr, was vorgeht. Sagen Sie, hat die Luckner mit Birinsky Streit?"
. Gerda überlegte. „Soweit ich es überblicken kann, steckt nichts Besonderes dahinter. Es ist", sagte sie tonlos, „die gewohnte Reiberei wegen zu^graßem Geldverbrauch, übermäßiger Anschaffungen, was weiß ich!"
„Na, schon!" Gredler zog die Handschuhe aus und begann, damit nervös auf fein Knie loszu- fchlagen. „Sie kostet ihn zuviel. Und nun läßt er sie beobachten! Denn, daß der Kerl mit dem speckigen Fllzhut bloß zufällig um die Villa streicht, das wollen Sie mir doch nicht aufbinden?"
„Nein", sagte Gerda ärgerlich. „Ich bin die letzte, die Ihnen etwas aufbinden will — nur —, ich kenne mich selber nicht mehr aus, Gredler. Sie werden schweigen, nicht wahr?"
„Natürlich!"
„Es muß ein Mann dahinterstecken, ich bin ganz gewiß, daß ein Mann dahinter steckt. Frau Luckner erhält nicht nur diese gewissen, nach ftillem Einverständnis aussehenden Blumen, sie hat jetzt manchmal das bezeichnend Gedankenverlorene, das stille Lächeln verliebter Frauen. Gredler, ich glaube, sie ist tatsächlich verliebt, ich weiß nur nicht, in men?*
(Fortsetzung folgt.)


