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Nr. 59 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderheffen)

I5./K». Februar

Mauer aus Mut und Stahl.

Erlebnisbericht von den Kämpfen einer Division der Waffen-^ in der panzerabwehrschlacht bei Arras.

Von ---Kriegsberichter Hein schlecht.

n.

Helden gegen Stahlkoloffe.

Im Verlaufe des 21. und 22 Mai war die rechte Flanke der Division zahlreichen Angriffen englischer und französischer Panzerverbände ausgesetzt Neben den ---Panzerjägern griff auch die -/-Artillerie in Den Abwehrkampf ein. ihre Batterien standen den anrollend..» Panzern vielfach in offener Feldschlachl gegenüber. Am Nachmittag des 21. Mai brachen an der Straße MercatelSiemencourt die ersten Durchbruchsversuche der feindlichen Panzer im Feuer der Geschütze zusammen. Als der Gegner am 22. Mai seine gesammelten Panzerkräfte erneut oorwarf, stieß er wiederum auf die von einer chweren Batterie des Heeres verstärkte ---Artil­lerie. die ihn mit billigen Verlusten zurückwarf. Hinter den Geschützen wurde angesichts der feind- ichen Panzer mit beispiellosem Mut gefochten.

Aufklärer meldet feindliche Panzer.

Die im Gros der Division marschierenden Bat- eri der -/-Artillerie waren im Begriff, sich in die graue Schlange der endlosen Kolonnen einzu- ädeln. Auf den verstopften Vormarschstraßen mit »en klobigen Zuamaschinen und breiten 8-cm-Ge- chützen kein leichtes Beginnen. Dann kam alles ,anz anders. Ein deutscher Aufklärer warf direkt über der zweiten Batterie eine Meldung ab. die nit einem Schlage die Situation änderte. Sie be- agte:Starke feindliche Panzerkräfte im An­marsch!"

Sie sind Tage und Nächte hindurch gefahren. Oie Sonne brennt auf den drückenden Stahlhelm, >er Schädel ist förmlich ausgedörrt. Die Eisenteile >er Zugmaschine strömen eine unausstehliche Hitze aus. Die Knochen schmerzen vom stundenlangen Zitzen auf dem engen und bis zum letzten Winkel ast kunstvoll ausg.nutzten und vollgestopften Raum. 5s ist viel unheimlich viel, was die Kanoniere auf ihrer weiten Reisen, brauchen. Die treue Zug- naschine schleppt es mit Bärenkraft von Land zu Land. Der mehlige Staub brennt schmerzhaft in >en durchglühten Gesichtern; die fünf Kanoniere ahren nur dann aus ihrem müden Hindäm- nern food), wenn das monotone Gerassel der Rau- »enketten beim kurzen Halten verstummt. Der Ge­schützführer flucht zum tausendsten Male über seine angen Beine, die er nicht unterbringen kann, nur >er Fahrer ist bei guter Laune. Er ist alter --- Iann und erfahrener Fernlastfahrer an Wind d Wetter gewöhnt, sein gesunder schwäbischer utterwitz hat noch nie versagt. Und solange sein agen läuft, ist alles in Ordnung! Bliebe er stehen, ire es auch nicht schlimm. Der Schaden ist schnell jeitigt er baut aus zwei schon halb verrat­en Wagen noch immer ein brauchbares Auto zu- nmen und kennt sich mit seinem Fahrzeug aus.

schielt im Fahren mit einem Auge zum krei- lden Flieger hinauf, der gerade die blinkende eldekapsel fallen läßt. Und dann kommt Leben in tie Bude!

Er verliert die Ruhe nicht.

Herunter mit dem Wagen von der Straße, das jiaubige Feld mit den Raupenketten glatt gebügelt lind das Geschütz mit 30 km auf die Anhöhe ge­schleppt. Alles muß verdammt schnell gehen dauert aber doch seine Seit. Schon knallt und vummert es im Gelände. Wenn nur der treuen Zugmaschine und dem Geschütz nichts passiert. Alles sann geschehen aber laufen müssen, nie und Timmer bei diesem Gedanken dreht sich's ihm im Magen um, und dann zwitschert es über die Köpfe, und ganz in der Nähe schlagen die ersten Panzergranaten ein. , , , v .

Die Munition ist gottlob schon abgeladen und ieqt zusammen mit den Deckung suchenden Kano­nieren im Graben aufgestapelt. Nur der Fahrer t auf seiner Zugmaschine seelenruhig sitzen ge­liehen. Er hat auch in dieser Situation seinen

pfiffigen Humor nicht verloren.Schauts nur hin, wenn das Hermann Göring wüßte, wie die Tom- mies mit der Munition herumaasen!Jetzt sprin­gen die Kanoniere lachend aus dem Graben, protzen ab und gehen eilig in Stellung. Der Fahrer tankt ausgerechnet jetzt, wo es jede Sekunde einschla­gen kann. Er hat's auch ziemlich eilig und gießt die Hälfte Sprit daneben; aber was hilft's wenn's erst richtig losgeht, bleibt keine Zeit mehr zum Tanken und laufen müssen--niemals! Wäh­

rend die MG.-Kugeln auf feine Zugmaschine klin­geln, fährt er mit Karacho in Deckung.

So wurde der erste erledigt.

Ein Geschütz steht am linken Dorfrand von Mer- catel unmittelbar neben einem hölzernen Schup­pen. Die Panzer müssen schon im Anrollen sein, denn im Gelände ringsum wird heftig geschossen. Der Geschützführer chat seinen Geländeabschnitt wie ein Habicht im Auge. Eine MG.-Garbe peitscht haarscharf über seinen Kopf. Die Schüsse fallen aus einem Panzerturm, der sich drohend über der Höhe emporreckt und glänzend schießt. In direktem Schuß ballern die 8-cm-Granaten hinüber. Der Turm schweigt, wackelt hin und her, scheinbar ver­sucht der angeschofsene Panzer vergeblich zurückzu- stoßen. Es ist nicht lange Zeit zum Beobachten. Zwei Panzer ein leichter mit Affentempo vor­an kommen rechts aus der Flanke, der größere schwenkt direkt auf das Geschütz zu. Dem Kanonier 2 spritzt eine MG.-Garbe zwischen den gespreizten Beinen hindurch schräg in den Erdboden. Er bleibt unverletzt. Im Rücken trommeln die MG.-Ein- schläge auf einen Wellblechzaun ein peinliches, nervenkitzelndes Geräusch. Der Geschützführer bleibt die Ruhe selbst, er vertraut auf feine Kanoniere und auf die Treffsicherheit seines Geschützes. Un­mittelbar vor dem gepanzerten Riesen stäubt eine Dreckfontäne hoch, die linke Raupe ist abgeschlagen, er mahlt sich schräg in den Sand und bleibt hilf­los liegen.

Drüben auf der Straße treibt ein schwerer eng­lischer Panzerkraftwagen ein grausiges Spiel. Er schießt die herumstehenden wehrlosen Troßfahrzeuge in Brand; wo es nicht schnell genug geht, kippt er sie mit seinem stählernen Hinterteil hochkant in den Graben, und jetzt ein Bild furchtbarer Gefahr; es reizt trotzdem irgendwie zum Lachen. Ein schein­bar von Geisterhand gesteuerter deutscher Personen­wagen rast an dem feuerspeienden Koloß vorbei, der Fahrer hat den Kopf eingezogen und steuert trotzdem weUer; neben seinem Fahrzeug läuft eine Gruppe Infanteristen ums Leben. Sie kommen glücklich vorüber unmittelbar darauf folgt ein B-Krad. Im Beiwagen liegt ein Verwundeter. Der Fahrer stutzt, gibt Vollgas und rast geistesgegen­wärtig an dem schwerfälligen Panzer vorbei. Jetzt ist das Schußfeld frei; bereits die erste Granate sitzt haargenau. Der Panzer bleibt mit brennen­dem Turm bewegungslos stehen.

3n verzweifelter Lage ...

Das erste Panzergefecht war glücklich überstan­den. Würden sie nochmals angreifen? Wenn schon die Geschütze bleiben in Stellung! Die Männer sind guter Laune und stolz über jeden einzelnen Treffer. Nach einer knappen Stunde greifen die Totnmies aufs neue an.

Von der kleinen Kapelle aus dem Feldweg lasten sich die feuernden Geschütze der Batterie am besten übersehen. Am zweiten Geschütz rechts an der Schmalspurbahn scheint etwas nicht in Ordnung zu sein. Der Batterieführer läuft hinüber und kommt gerade zurecht. Das Geschütz ist beim ersten Schuß auf einen angreifenden Panzer mit dem rechten Rad bis zur Achse in eine vorher nicht er­kennbare Silogrube versackt und kann in seiner schiefen Lage nicht mehr gerichtet werden. Der feuernde Panzer hat sich bereits auf die bedroh- liche Nähe von knapp dreihundert Meter herange­pirscht. Es ist unmöglich, die Kanone mit Menschen­kraft aus dem dickflüssigen, stinkenden Rübendreck zu

ziehen. Auch hat der nahende Panzer alles zusam- mengeschossen und zermalmt, ehe die rettende Zug. maschine herangeholt ist. Es bleibt nur eins: ohne zu richten, Schuß für Schuß aus dem schiefliegen, den Rohr herauszujagen. Trotzdem geht der Eng­länder auf sie los zeigt er wirklich Mumm, dann ist alles verloren, denn ein zielsicheres Schie­ßen ist nicht möglich. Die Männer am Geschütz haben ihc Testament gemacht es ist wirklich eine verzweifelte Lage. Der Tank ist nun schon auf 200 Meter herangekommen und bleibt zum Glück hinter einem Strohschober stehen. Jetzt packen die Männer nochmals zu, die Muskeln werden zum Bersten gespannt, es geht ums liebe Leben. Aber das Geschütz rückt und rührt sich nicht. Es gibt nur noch ein Mittel. Der Batterieführer läßt die Kanoniere den Lafettenschwanz anheben, damit sict^ die" Kanone auf diese Weise richten läßt. Es klappt. Das Pohr haut im Schuß zurück, fünf Männer fallen vornüber, der Strohschober spritzt funkensprühend auseinander.

,3&r schiaßt's ober guaf!'

Aus der Rauchwolke kommt der Panzer aus allen Rohren feuernd auf feinen Gegner losge­walzt. Seine Geschosse flirren unregelmäßig durchs Gelände, das Fahren behindert die Treffsicherheit. Die Geschützbedienung ist sekundenlang in Deckung gegangen. Der Feuerbefehl ihres Batterieführers reißt sie wieder hoch. Sie stehen selbst in dieser ver­zweifelten Minute ihren Mann und haben in ihrem ganzen Soldatenleben noch niemals so schnell hin- tereinandergeschofsen. Nach dem zwölften Schuß wird es dem Panzer zu dumm, er dreht in fast hundert Meter Entfernung ab und fährt aus dem Feuerbereich heraus.

Während des ganzen Gefechts steht in der Nähe der feuernden Geschütze an einen Koppelzaun ge­lehnt ein ergrauter Unteroffizier der Wehrmacht; er beobachtetoffen und völlig ungedeckt im Ge­lände stehend den Verlauf des Gefechts. Er trägt beide Eisernen Kreuze und ruft bei einem Treffer anerkennend zur Batterie hinüber:Ihr schieaßt's aber guat!" Ein Mordskerl! Er sieht durch fein Fernglas, wie sich draußen auf dem Schlachtfeld eine Infanteriesicherung heldenhaft bis zum letzten Schuß gegen anrollende Panzer zur Wehr setzt. Als eine Zugmaschine später die Verwundeten holt, fand man neben den leergefdjoffenen Maschinenge­wehrgurten sieben tote und vier schwerverwundete Kameraden von der ---Infanterie.

Er sieht, wie auf der Straße Fahrzeuge mit Verwundeten zurückpreschen, wie sich über die Höhe eine neue Welle englischer Panzer hervorschiebt und wie der Höllentanz bei Mercatel zum drittenmal beginnt. (Fortsetzung folgt.)

Wo melde ich mich zur Waffen--- ?

3tS(5. Ls wird nochmals darauf hlngewiefen, daß freiwillige Meldungen zur Waffen--- jederzeit von folgenden Dienststellen entgegengenommen wer­den:

Lrganzungsamt der IDaffen-ff Lrganzungsftelle Rhein (XII) Wiesbaden hlndenburgallee 59 und

Lrganzungsamt der Daffen--- Ergänzungsstelle Fulda-Werra (IX) Kassel-W Nhelmshöhe Löwenburgslrahe 10.

Angenommen werden Freiwillige für:

1. --.Verfügungstruppen (einschließlich Leibstandarte --Adolf Hitler"). Windestgröße 170 cm.

2. ---Totenkopf st andartev2 a) mit Dlenftzeitverpflichtung

(12 Fahre, Lebensberuf: Polizei oder Wehr- bauer).

Mindeslgröhe 168 cm mit 17 Fahren;

b) ohne Dienstzeitverpflichtung

(bevorzugt SA.-Wänner und Parteigenosten).

3. Schutzpolizei:

Ungediente Wanner.

Aus der Siadi Gießen.

Oberbürgermeister Ritter 50 3ahre alt

Arn kommenden Dienstag, 18. Februar 1941. kann der Gießener Oberbürgermeister Heinrich Rit­ter seinen 50. Geburtstag begehen. Oberbürger­meister Ritter wurde am 18. Februar 1891 in Gau- Odernheim (Rheinhessen) geboren. Den Weltkrieg machte er von 1914 bis 1918 im Westen bei der Ar­tillerie mit. Nach dem Kriege stand er während der französischen Besatzung am Rhein in Gau-Obern- heim und darüber hinaus in vorderster Front des deutschen Abwehrkampfes gegen das Willkürregiment

Oberbürgermeister Ritter. (Aufn.: Privat.)

der Franzosen. Sein Kampf galt schon damals eben­so nachdrücklich allen undeutschen Bestrebungen, vor allem dem Marxismus und dem Judentum, aber auch jenen Elementen, die in jener Zeit im besetzten Gebiet den Verrat an Deutschland proklamiertem Im Jahre 1923 trat er als einer der Ersten in Hes­sen der NSDAP, bei. Er wurde in Rheinhessen einer ihrer tatkräftigsten Vorkämpfer. Seinem un­ermüdlichen Wirken gelang es, schon im Jahre 1924 dem Nationalsozialismus in Gau-Odernheim eine starke Position zu schaffen, öon der aus das national­sozialistische Gedankengut immer mehr in Rhein- Hessen ausgebreitet wurde. Neben seiner politischen Tätigkeit war er seit 1922 auch auf dem Gebiete der kommunalen Arbeit am Werk, feinem Heimat­orte und der rheinhessischen Bevölkerung unermüd­lich und selbstlos zu dienen. Durch fein Wirken war die nationalfozialistifche Bewegung in Gau-Odern­heim so stark geworden, daß er im Jahre 1930 bei der Vürgermeisterwahl zum Bürgermeister von Gau-Odernheim gewählt wurde. Damit war er zu­gleich der erste nationalsozialistische Bürgermeister in Hessen überhaupt. Besonders bemerkenswert ist, daß auch seine politischen Gegner ihm in Anerken­nung seiner lauteren Gesinnung und seiner sachlichen Fähigkeiten ihre Unterstützung bei der Bürger*, meisterwahl zuteil werden ließen. Mittlerweile war er auch zum Abgeordneten der NSDAP, im hessi-

Nur wenig, aber feucht putzen

nämlich den Herd, wenn Sie WEEN haben, Und wird der Lappen trocken, dann sofort wieder noch« feuchten. So putzen Sie wirklich sparsam und bekommen obendrtein eine tadellos blanke Herdplatte^ WEEN Herdputzpulvef aus der - Fabrik

9 ist gut und ausgiebig.

Strauß, Mozart, Beethoven.

Zum bevorstehenden Fest-Konzert.

Die Stuttgarter Erst-Aufführung derAriadne luf Naxos", zu spielen nach MolieresBurger als Gbelmann" (1912) veranlaßte Richard Strauß zu einer Umarbeitung dieser Oper. Dabei mußte der Nolieresche Textanteil fallen, um den eigentlichen Ariadne-Stoff in den Vordergrund zu rucken. Da­mit wäre aber auch ein Teil der reizvollen Musik ter Vergessenheit anheimgefallen. Darum atzte Richard Strauß die ihm besonders wertvoll erschei- r «enden Musikstücke in einer Orchester-Suite zusam­men. Schon imRosenkavalier hatte Richard Strauß das Zeitalter des ausgehenden Barocks unö tes Rokoko in feinsinniger 2ßeife eingefangen. Lin ähnliches Milieu lockte ihn auch hier. Um aber Die v eien einzelnen Feinheiten zur Geltung bringen 11 können, mußte er sich von dem großen Orchester tesRofenkavaliers" abwenden und schrieb diese irusik für einen kleinen Klangkörper dessen ein- jilne Stimmen durchaus solistisch behandelt wur- ben; fo Baß eine Art Kammermusik! tt! erreich turbe. An Stelle der früheren Kiangmaße galt letzt £ de individuelle Ausprägung des Emzelms ruments unb leibst der Konzertflügel, ben Strauß IN b efes - 6n|emble hineinbezieht, übernimmt bie «®£,tcrtc : Me bes im Barockzeitalter üblichen Cembalos.

In biefer Suite überwiegt bei weitem das zeich- mrifche Element, einstmals gebunden an bie Plastik bir Gebärbe in der fzenifchen Darstellung. Aber le bft im Konzertina! wird diese Abfolge von Szenen i durch die tresisichere Thematik lebenbig burd; Öen 1; durchsichtigen Filigranstil mit feinemZuge zum Seinen. Intimen und Sorten,;*mi*Ä pointiert charakteristisch und überaus geistvoll. XM eine Perlenkette, in federn einzelnen ® ebert. »oll, leuchtend, zieht diese Folge von Gienen an unserem Ohr vorüber. Die Ouvertüre i läßt ben fieiben Molieres. den Parvenü Iourba, . °°r uns erstehen. Den inneren Zwiespalt bes fierrn Srofstuchhändlers zwischen Einst und Jetzt dr g die Musik mit seiner Ironie bei be3c'*"e"bnC raer. itrumcntatem Kolorit zur Geltung. Dag g dm in dem nachfolgenden Menuett die Moten zum Mgemefsenen Träger zierlicher Grazie. Dann ,tem

sich der Fechtmeister vor, bildhaft geprägt mit den stechenden Themen und in der Nachgestaltung des Kämpfens. Die Schneider führen sich mit behender Flinkheit ein; der erste Schneibergefelle tanzt feine Polonaise, begleitet von der Solovioline. Höhe­punkt aber des Ganzen ist das musikalische Diner. Die Tafelmusik bildet all die schwelgerischen Genüsse in witzig-launiger Thematik ab (Cellosolo im An­dante) und mündet in den Tanz des Küchenjungen, plastisch in der Mimik, beschwingt und feinnervig und sprühend im auserlesenen Klang des Orchesters, eine musikalische Kostbarkeit für den Feinschmecker.

Erweckt Richard Strauß ein zurückliegendes Zeit­alter zu pulsierendem Leben, so versetzt uns das Konzert für Flöte und Harfe von Wolf­gang Amadeus Mozart (Köchel-Verzeichnis Nr. 299) mitten in die gesellschaftliche Sphäre des aus­gehenden 18. Jahrhunderts. Mozart schrieb dieses Werk während seines Pariser Aufenthaltes (1778) und gibt damit ein musikalisches Abbild des galant- graziösen und heiter-sentimentalen Grundtons dieser Zeit. Nach dem einführenden Orchester-Tutti des ersten Satzes ergreifen die beiden Solisten das Wort, in ihrer geistreich geführten Konversation unterstrichen und akzentuiert durch das fein einge» gliederte Orchester. Es ist interessant zu verfolgen, wie in der Durchführung die Harfe zunächst am angegebenen Thema festhält, während die Flöte neue Gedanken in die Unterhaltung einwirft und die Harfe ihr dann folgt. Das Andantino mit seinem gefühlsstarken Unterton (die Bratschen sind geteilt) ist erfüllt von musikalischer Beschaulichkeit. Das Rondo mit seinem auf die Gavotte weisenden Rhythmus läßt in der bunten Folge der Themen­gruppen sowohl die beiden Solisten als auch das begleitende Orchester mit dem wechselnden Licht seiner instrumentalen Farbigkeit an der Durchfüh­rung und Abwandlung des Grundgedankens regen Anteil nehmen.

Mit der dritten Symphonie, der Eroika, hatte Beethoven die symphonische Form geweitet und sie zu einem Ausdrucksmittel des Persönlichen ge- prägt. Das Bewußtsein gewachsener Kraft, zum andern aber die Arbeit amFidelio" ließen ihn jetzt einen Ruhepunkt suchen, wo sich seine schöpfe­rischen Fähigkeiten, unbehindert durch einen stoff­

lichen Gedanken, ausstrahlen konnten, nicht im titanenhaften Ringen mit einem Problem, sondern in einem Sich-Ergehen in der Freude am Musizie­ren. Es liegt etwas Ursprüngliches, ja, geradezu Flüs­siges in diesem Werk, das nicht an Hintergründe ge­klammert ist, sondern im Erleben des Klanglichen und in der Gestaltungsfreude sein Wesen erkennt. In­mitten der oorausgehenden heldischen dritten und der schicksalsbeschwerten fünften Symphonie wurde dieVierte" zeitweilig zu Unrecht vernachlässigt; denn gerade ,chie schlanke griechische Maid zwischen Nordlandsriesen" wie Robert Schumann sie nennt, ist uns ein besonderes Zeugnis für den absoluten Musiker Beethoven, voll Abgeklärtheit und Eben­maß formaler Schönheit.

Beethoven schickt dem Werk eine Einleitung vor­aus, die mit ihrem dunklen Grundton rätselhaft Grübelndes bindet. Erst nach zweimaligem Ansetzen einer gleichsam suchenden Seitenbewegung der Streicher zu gehaltenen Bläsertönen kristallisiert, blitzartig durchbrechend, das Kopfthema des Alle­gro vivace heraus. Wenn wir diese Einleitung per­sönlich auffassen wollen, so scheint es, als habe hier Beethoven erst alles, was ihn bedrängte, überwun­den, um sich dann ganz dem Frohsinn zu über­lassen. Dem Hauptgedanken stellt sich ein mehr idyllisches Seitenthema gegenüber (kanonische Ver­webungen zwischen Fagott und Klarinette). Die Durchführung bestreitet das Hauptthema, das neues melodisches Gut heraussprießen läßt; dann aber verliert sie sich im Abnehmen, nur noch die beiden Violinen antworten sich im Pianissimo; zuletzt zögert nur noch die erste Violine. Eine romantische Welt tut sich auf, zwischen gedämpften Streichakkorden zittert unheimlich leise die Pauke. Dann aber will die Lebenskraft wieder erwachen, und unter dem Wirbel der Pauke bricht jetzt in Frische und Lebens­gefühl die Wiederkehr der Themen (Reprise) an.

Das Adagio voll inniger menschlicher Wärme läßt über einen zuckenden Grundrhythmus ein feierlich-weihevolles Thema aufblühen, dem sich später in der Klarinette ein wehmütiger Seitenge- danke gegenüberstellt. Wie eine großartig ange­legte Variation spinnt sich der Satz aus. Nach einer großen Erhebung am Schluß bricht er ab; nur das rhythmische Motiv klingt auf der Pauke wie aus weiter Ferne hinein. In der Geschlossenheit seiner , Stimmung, der wohl abgewogenen Gegenüber-

stelluna von Streichern und Holzbläsern und der motivisch bedeutsam herangezogenen Pauke, kann man dieses Adagio zu den beglückendsten Eingebun­gen der Syrnphonik zählen.

Mit einer zu Anfang sich gegen den Takt stellen­den motivischen Gliederung zeigt das Allegro vivace eigenwillige Züge. Das den Holzbläsern zu­geteilte Triothema wird durch Zwischenrufe der Streicher beleuchtet. Die überraschende Schlußwen- dung bestätigt den Scherzocharakter dieses Satzes. Das Finale stellt der Besonnenheit des Anfangs der Symphonie sprühende Tatenfreude, bejahenden Wirklichkeitssinn gegenüber; ein herzhaftes Zugrei­fen, eine Heiterkeit, die Sorgen überwunden hat, strahlen sich hier aus. Frohe Laune, ja Uebermut lassen in der Coda das Thema sich verlieren, ver­flüchtigen, um bann beschwingt dem Schluß zuzu­streben. Dr. Hermann Hering.

Chinesische Mädchennamen.

Auch bei uns bemühen sich die Eltern, ihren Töchtern schönklingende Namen mit ins Leben zu geben. Aber doch ist euroväische Phantasie arm- selig gegen das, was der Chinese auf diesem Ge- biet leistet. Ein zärtlicher Vater nennt z. B. sein BabyMondstrahl". Ist die Kleine etwas größer, dann nennt die Mutter siekleine Taube", während Besucher sie mitHaustöchterchen" anreden. Blu­mennamen sind sehr beliebt, und da die Orchidee bei ben Chinesen bas Sinnbilb bes höchsten Duftes und ber größten Zartheit ist, findet man sehr viele Mädchennamen, in denen diese Blume oorkommt. Scheue Blume" oderSüße Blüte" sind ebenfalls Namen, die jungen Mädchen mit Vorliebe beige­legt werden. Wie hier die Schönheit in den Vor­dergrund tritt, so spielt der Charakter die Haupt­rolle in Namen wieReines Herz",Frieden und Bescheidenheit",Tugend und Schönheit",Beschei­denheit gepaart mit Fleiß",Treu und Wahrheit". Alles, was es sonst noch an Tugenden gibt, wird zur Benennung bes schönen Geschlechts bemüht. An­dererseits gibt es auch Namen, bie über bie Trä­gerin überhaupt nichts aussagen, wie z. B. ber Nam.Wangpan", ber bedeutet: ein Mädchen, das keinen Bruder besitzt, sich aber einen wünscht. Wird in ber Familie ein Sohn geboren, dann wird Wangpan einfach umgetauft CK,