nack jeder Richtung hin ausgeschöpft, daß man sich einfach nicht mehr viel um sie kümmert. Demgegenüber strahlt in grellem Glanz das diesseitige Leben auf, der Mensch genießt sich selbst und die Welt, in die er hineingeboren ist, mit einer Hingabe, einem Eifer, einer Liebe, daß der Stil des Daseins sich von Grund aus verwandelt. Don Italien aus verbreitet sich das neue Licht und zündet bei anderen Nationen je nach ihrer eigenen Art. So ist Italien einer der Bahnbrecher der neuen Zeit geworden, ein Schöpfer der Grundlagen, auf denen das neue Europa beruhte. Der andere aber ist Deutschland mit seiner Reformation, die gleichfalls wieder auf die Länder gewirkt hat, ob sie nun protestantisch wurden oder beim alten Glauben verharrten. Das Mittelalter wurde von den Deutschen viel revolutionärer und radikaler, wenn auch einseitiger in Frage gestellt als von den Italienern, und es ist an den von ihnen geweckten Zweifeln noch sichtbarer zerbrochen.
Die Zuhörer dankten dem Vortragenden für seine interessante, lehrreiche Führung über eine große Wegstrecke der Geschichte Italiens jener Zeit mit herzlichem Beifall, den Oberstaatsanwalt Knauß in seinem Schlußwort noch unterstrich.
Oer Preis der Weihnachtsbaume.
NSG. Die Stelle für Preisbildung bei der Hessischen Landesregierung weist darauf hin, daß hinsichtlich der Preise für Weihnachtsbäume gegenüber dem Vorjahr keine Aenderung eingetreten ist. Die Festsetzung von Groß- und Kleinhandelspreisen für Weihnachtsbäume des Jahres 1940 behält also auch für dieses Jahr volle Gültigkeit.
Oie preise für Gänse.
NSG. Da aus den Kreisen der Bevölkerung wiederholt die Frage nach den Preisen für Schlachtgeflügel auftaucht, weist der Reichsstatthalter in Hessen, Stelle für die Preisbildung, darauf hin, daß die in der Anordnung betr. Preisbildung für in- und ausländisches Schlachtgeflügel und dessen Einzeltelle vom 5. Mai 1941 bekanntgegebenen Gänsepreise unverändert in Gültigkeit find. Bei Abgabe durch den Erzeuger unmittelbar an den Verbraucher darf folgender Preis nicht überschritten werden.' Gänse, Mastgänse, Mindestgewicht 3,5 kg 1. Güte. 1,30 RM. je % kg. Für Tiere, die den Anforderungen der Güteklasse I nicht entsprechen, ist ein Preisnachlaß von mindestens —,10 RM. je Vi kg, und für Gänse, die älter als ein Jahr sind, ein weiterer Preisnachlaß von mindestens —,20 RM. je Vi kg zu gewähren. Das Fordern und Gewähren höherer als der angegebenen Preise ist unzulässig und wird mit den schärfsten Strafen geahndet.
Für Summier kein Weihnachtsgeld.
NSG. Der Reichstreuhänder der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Hessen weist auf folgendes hin:
Weihnachtsgelder sind eine Anerkennung des Betrieb s führe rs an feine Gefolgschaft für treue und erfolgreiche Mitarbeit im ab gelaufenen Jahke. Es ist selbstverständlich, daß ein Gefolgsmann, der durch Bummeln, Zuspätkommen ober andere Disziplinlosigkeiten den geordneten Betriebs ab laus gestört hat, nicht die Zuwendung erwarten kann, die seine verantwortungsbewußten und pflichttreuen Kameraden erhalten. Für solche Gefolgschaftsmitglieder ist eine Kürzung und in schweren Fällen ein gänzlicher Wegfall der Weihnachtsgelder nicht nur zulässig, sondern auch ein Gebot der Gerechtigkeit und Billigkeit. In Zweifelsfällen empfiehlt es sich, meine vorherige Entscheidung einzuholen.
Oie Ladenzeit am 24. Dezember.
Auch zum Weihnachtsfest 1941 verbleibt es hinsichtlich der Verkaufszeit am 24. Dezember bei den gegenwärtigen gesetzlichen Bestimmungen über die Arbeitszeit. Danach schließen die Einzelhandelsgeschäfte am 24. Dezember einheitlich um 17 Uhr. Ausnahmen davon sind für Apotheken und für den Weihnachtsbaumhandel möglich. Wo eine örtliche Regelung über den Mittaas-Ladenschluß vorliegt, hängt es von den örtlich ooer bezirklich erlassenen Bestimmungen ab, ob die Einzelhandelsgeschäfte auch am 24. Dezember mittags schließen können. Sofern die örtliche ober bezirkliche Regelung bestimmt, baß vor Sonn- unb Feiertagen ber Mittagslabenschluß ausfällt, müssen die Geschäfte auch am 24. Dezember burchgehend bis 17 Uhr geöffnet.bleiben. Im übrigen dürfen die um 17 Uhr in ben Läden befindlichen Kunden fertig bedient werden.
ADOX
Förderung der Oorskuliur.
Bon Oberstudiendirektor Dr. Hans Roloff.
(Fortsetzung.)
Um die Ergebnisse aus den einzelnen Sach- gebieten in die praktische volkhafte Gestaltung überzuleiten und bei der Fülle der zu erwartenden Gestaltungen ihre Durchführung nach der verpflichtenden Anordnung zu gewährleisten, ist das gesamte Kreisgebiet in nach ihrem Volkstum zusarn- mengehöritze Bezirke aufgeteilt. Jeder Bezirk umfaßt eine m sich geschlossene Anzahl von Dörfern, d. h. Ortsgruppen. Die praktische Volkstumsarbeit innerhalb dieser Bezirke wird vom Bezirksbeauftragten betreut, der so der Treuhänder der Gestaltungen ist. Er hat bei allen zur Durchführung kommenden Vorhaben mit dem Ortsgruppenleiter zusammenzuarbeiten, der die Verantwortung trägt. Heber das Aufgabengebiet der einzelnen Sachbearbeiter ist folgendes zu sagen:
Heimatliche Vorgeschichte (Studienassessor Dr. Roth, Friedberg): Der Dorfbewohner soll aus den gewaltigen Kulturleistungen des Bauerntums in der Vergangenheit das Bewußtsein seiner eigenen schöpferischen Kraft erleben, den Hochwert seines eigenen Lebenskreises erkennen und damit eine klare Vorstellung von der.bäuerlichen Kulturhaltung für unsere ganze Volkskultur erwerben. Dieses Ziel wird erreicht durch Lichtbildervorträge etwa folgender Art: aus der Dor-'und Frühgeschichte unserer Heimat, bäuerliche Pioniertaten unserer germanischen Vorfahren, der Freiheitskampf der germanischen Bauern gegen die Römer und durch volkskundliche Ausstellungen, wie: Sonderschau aus der Wetterauer Volkskunde (Brauchtumserscheinungen usw.), Sonderfchau Wetterauer Siedlungs- und Hausformen, vor allem des Wetterauer Fachwerksbaues.
Heimatgeschichte (Lehrer Messer- schmidt, Öber-Rosbach v. d. H): Das geschichtliche Werden der einzelnen Dörfer des Kreises ist nach den verschiedenen Quellen und bereits getätigten Veröffentlichungen zusammenfassend darzu- stellen: Entwicklung des Dorfes und der in ihm wohnenden Familien und Sippen, Entwicklung der Feldmark und ihre Folgen für das Dorf, Entwicklung des Bauernstandes und Handwerkerstandes usw., des Obstbaues, die Flurnamen, Auswanderungen, Kriegszeiten irfw. Durchzuführen sind Vorträge mit und ohne Lichtbilder, Dorftage mit Ausstellungen, die ausschließlich von der Dorfgemeinschast zu bestreiten sind.
Sippenforschung und Ahnenkunde (Lehrer Stumpf, Garbenteich): Das Ziel ist die Erarbeitung des Dorfsippenbuches auf Grund aller die Ahnenfolge erschließenden Gegebenheiten (Kirchenbücher, Standesamtsregister, Kirchen-, Gemeinde- und Staatliche Archive, Familienhinter- lasienschaften). Einführen in die Arbeitsweise und
Gründung einer Arbeitsgemeinschaft für Sippenforschung und -Pflege für den Kreis Wetterau. Vorttäge im Rahmen von Dorfgemeinschaftsabenden vermitteln das Erarbeitete.
Dorf - undHausbuch, Fe st- und Feier- gestaltung, Dorfverschönerung (Ortsgruppenletter Anton Link, Harheim, und Lehrer Möser, Södel): Das Ziel ist die Schaffung des Dorf- und Hausbuches für jedes Dorf des Kreises, das als wertvolle Grundlage zu dienen hat für die gesamte Dorfgemeinschaftsarbeit und das die Ergebnisse sämtlicher Sachgebiete zusammenfaßt. Beratung bei der Fest- und Feiergestaltung und der Dorsoerschönerung unter Auswertung bereits vorhandener brauchbarer Formen. Veranstaltung von Dorfgemeinfchastsabenden unter Einbeziehung sämtlicher Gestaltungsmittel. Schulung verantwortlicher Persönlichkeiten.
Volkstum und Brauchtum, Heimatliches Schrifttum, Volks-Laienspiel (Oberstudiendirektor W. K. P h il i p p s , Friedberg): Ziel ist die Darstellung des heimatlichen Volkstums als sinnfällige Wiedergabe der Inhalte und Aeußerungen der Volksseele. Das heimatliche Brauchtum in Jahreskreis und Lebenslauf ift zu sammeln und oolkhaft schriftstellerisch zu bearbeiten. Ebenso das gesamte Volkstumsmaterial und feine Einrichtung für die praktische Volkstumsarbeit. Vorschläge für die Gestattungsarten innerhalb der Dorfgemeinschaftsarbeit und deren Einkleidung in die volkhafttdorfliche Form unferer Heimat. Vorttäge: Das heimatliche Brauchtum im Jahres kreis und Lebenslauf, Humor im heimatlichen Volkstum lmtt Lichtblidern), Sagen und Märchen unserer Heimat. Laienspielarbeit: Aufstellung von Volksund Laienspielgruppen, die der Spielfreudigkeit unserer Bevölkerung entsprechen. Schulungen für ßaienfpMarbeit sowie für sämtliche Gebiete dsr praktischen Volkstumsarbeit.
Heimatliche Pflanzenkunde und Do l ks b o ta ni k, L an d sch a f ts p fle ge und Naturschutz. (Lehrer Obwald, Dad-Nau- heim): Das Gebiet umschließt unseren Landbewohner und die ihn umgebende Natur, wobei die Wechselbeziehungen zwischen Pflanze und Klima, Pflanze und Boden, wie überhaupt die Befonderheiten der heimifchen Flora herauszustellen sind. Wildfrüchte, WWgemüse, Heilkräuter. Beziehungen der Pflanzen zu Glaube und Aberglaube, Sprache und Sitte, Brauchtum und Volksmedizin stehen im Mittelpunkt. Wanderungen führen in die verschiedenen Gebiete ein, eine Pilzküche unterrichtet über Pilzverwertung, Lichtbildervorttäge vermitteln notwendige Kenntnisse, Arbeitsgemeinschaften schulen und trägen die Ergebnisse in die Dorfgemeinschaften. Der Bauerngarten, der dörfliche Friedhof wird in diefen Bereich gezogen. (Schluß folgt.)
Front und Heimat in der neuen Wochenschau.
Den ergreifendsten Eindruck dieser Wochenschau bringen uns Bilder vom Heimaturlaub des jüngsten Ritterkreuzträgers des ^-Sturmmanns C h r t- ft e n. Die Kamera ist diesem jungen, kaum zwanzigjährigen Helden, der mit seinem Flakgeschütz dreizehn Sowjet-Panzer zur Strecke brachte, nachgegangen bis in sein Heimatdorf. Bald darauf sehen wir Kapitänleutnant Guggenberger, dessen U-Boot mit seiner tapferen Mannschaft nach der Versenkung des britischen Flugzeugträgers im Mittelmeer in einen italienischen Hafen einläuft. Wir erleben weiter ein Gespräch mit General Dietl am Kartentisch des Führers, erblicken Reichsmar- sckall Göring in herzlicher Unterredung mit Marschall P 61ain und haben Anteil cyn Empfang des Großmüfti von Jerusalem in der Reichskanzlei. Bilder von Heimat, Urlaub, Erholung ergänzen die Frontaufnahmen. So wird bildlich veranschaulicht, was uns stolz macht: Die Haltung der Heimat verdoppelt die Kräfte unserer Soldaten vor dem Feind. Die besten Bilder von Lustkämpfen über dem Kanal, von Stoßtruppangriffen an der Ostfront und Kämpfen in Nordafrika stehen bei uns nicht für sich selbst. Immer wieder zeigt sich die innige Verbundenheit von Heimat und Front.
Gießener Dochenmarktpreise.
* Gießen, 13. Dez. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8 bis 9, Kartoffeln, 5 kg 41, Wirsing, % kg 6 bis 12, Weißkraut 6 bis
8, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bjs 10, Spinat 12 bis 15, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 6 bis 10, Rosenkohl 30 bis 35, Meerrettich 50 bis 60, Lauch 17, Sellerie 15, Feldsalat, 1/io 10, Endivien, das Stück 12 bis 17, Rettich 8 bis 10 Rpf.
Aus der engeren Heimat.
Bezirkssparkaffe Laubach.
□ Laubach, 12. Dez. Dieser Tage fand die alljährliche Mitgliederversammlung der Bezirkssparkasse Laubach statt. Direktor Linde- m a i) e r konnte feststellen, daß die Entwicklung der Sparkasse alle Erwartungen übertroffen hat. Während sich die Spareinlagen im Jahre 1939 auf rund 166 000 RM. beliefen, haben sie sich im folgenden Jahr um 400 000 RM. erhöht und betrugen Ende 1940: 2 510 352,12 RM Eine noch größere Zunahme der Spareinlagen wird für 1941 zu erwarten sein, denn es wurden bis heute schon 550 000 RM. mehr eingezahtt als abgehoben wurden. Für die beiden letzten Jahre 1939 und 1940 stehen 1130 000 RM. an Einzahlungen nur 566 000 RM. Abhebungen gegenüber. Es entfällt somit auf jeden zweiten Einwohner des Bezirks ein Sparkassenbuch. Die Sparsunupe im Jahre 1940 beträgt pro Kopf der Bevölkerung 331.70 RM., während her hessische Durchschnitt mit 330,24 RM. etwas niedriger liegt. Seit dem Bestehen der Sparkasse vom Jahre 1833 bis zum Ausbruch des Weltkrieges 1914 wurden im ganzen rund 2,5 Millionen Mark gespart. Auch die Spareinlagenentwicklung seit dem
Jahre 1932 zeigt eine erfreuliche Aufwärtsentwirk- lung. Ende 1932 war ein Spareinlagenbestand vor 1325 000 RM., eine Summe, die bis heute auf 3 035 000 RM. anwuchs. Es sind also in den letzter zehn Jahren rund 1,7 Millionen gespart morben Eine gute Entwicklung nehmen auch die Schulspar- kästen; auch hier sind die Einzahlungen bedeutend höher als in der Vorkriegszeit. Die von der Ve- zirkssparkasse gewährten Geschenksparbücher für Neugeborene haben sich gut eingeführt, wobei sich scststellen ließ, daß auf die meisten dieser Spar bücher regelmäßig weitergespart wird. Zu diesem Zweck wurden neuerdings besondere Gutscheine air- geschasst, die den Bürgermeistern zur Verfügung 1 stehen. Trotz der durch den Krieg bedingten Verhält. nisse hat sich auch der Spargiroverkehr auf der Höhr gehalten. Der Gesamtumsatz betrug Ende 1939 3,9 Millionen RM., Ende 1940 3,6 Millionen RM, während im letzten Friedensjahr ein Gesamtumsoh von 3,7 Millionen RM. zu verzeichnen war. De: Darlehensverkehr hat indessen etwas nachgelassen: es wurden im Jahre 1939 an Darlehen 131570 RM und 1940 23 263 RM. ausgeliehen. Die Zinsrück- stände sind nur noch geringfügig. Sie belaufen sich für das Jahr 1939 aus 1966,85 RM., für das Jahr 1940 auf 2081,13 RM. Das Rechnungsjahr 1941 wird mit noch weniger Rückständen schließen. Der Grundsatz der Bezirksspdrkasse, zum Wohle des Dol. kes gemeinnützig zu arbeiten, geht sowohl aus der niedrigen Soll-Zinsen, als auch aus dem kleiner Reingewinn hervor, her für das Jahr 1939 mit 4489,75 RM. und für das Jahr 1940 mit 9679,6( RM. zu Buch steht. Die Rücklagen und sonstiger Reserven betragen nach Zuführung der Reingewinne für 1939 und 1940 178 586 RM. Hinzu kommen noch das Dienstgebäude und die Einrichtungsgegenstände, die in der Bilanz nur mit je 1 RM verbucht sind. Die Bilanz nebst Gewinn- und Verlustrechnung ist durch den Verwaltungsrat, sowie die Verbandsrevision des Hessischen Sparkassen- und Giroverbandes Darmstadt geprüft und durch die oberste Aufsichtsbehörde genehmigt. Der Geschäftsbericht für das Jahr 1939 ist den Mitgliedern im vergangenen Jahr zugestellt worden. Der Geschäfts- bericht für 1940 wurde in der Versammlung über- re'cht. Anschließend an die Ausführungen von Direktor ßinbemaper gab Direktor MachoU als Vertreter der Hess. Sparkassen- und Giroverbandes und der Hess. Landesbank in Darmstadt noch einen kurzen Ueberblick über die allgemeine Finanzlage des Reiches und über das anwachsende Sparwesen im Kriege.
Landkreis Gießen.
* Großen-Buseck, 12. Dez. Der Unteroffi- I zier Karl Reinschmidt und der Unteroffizier Heinrich Reinschmidt, beide von hier, die an der Ostfront kämpfen, wurden mit dem Eisernen Kre uz II. Klasse ausgezeichnet, Kar! Reinschmidt erhielt außerdem noch das Infanterie- Sturmabzeichen.
Kreis Ai-seid.
Homberg, 11. Dez. Die NSG. »Kraft durch Freude" veranstaltete am Mittwoch in der Stadthalle einen Unterhaltungsa b end mit der Surnaris-Zauberschau. Die Darbietungen wurden mit großem - Interesse ausgenommen und bereiteten deck Besuchern einige schöne unterhaltende Stunden. Reicher Beifall belohnte den Künstler des Abends.
Päckchenmarder sind Lolksfchädlincie.
Lpd. Frankfurt a. M, 10. Dez. Die 36jährigs Postfacharbeiterin Marie Luise Frank begann schon wenige Tage nach ihrem Dt nftantritt mit der Beseitigung von Feldpostsendunge.r, sie vergriff sitz aber auch an anderen ihr anvertrauten Sendungen und verkaufte einen Teil des erbeuteten Inhalts.. Die Angeklagte wurde zu 2% Jahren Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurteilt.
Daß auch schwere Strafe denjenigen trifft, der nicht in der Eigenschaft als Postbeamter oder Post- angestellter Feldpostsendungen unterschlägt, bewies der Fall des 27jährigen Otto Krämer aus Wiesbaden, der Botendienste tat und von Arbeitskameraden Sendungen ins Feld anoertraut erhielt, um sie bei der Post aufzuliefern. Den Päckchen entnahm er Süßigkeitm, Geld und andere Sachen. Einmal
Vanillinzucker
Reese-GesellsdiaftHameln
Man verlange beim Einkauf
Explosion in Raum5
Roman von H.C. Hansen
Copyright by Prometheue-Verlag Dr.EldiadteyCröbenxell b.MOndion
12 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
„Ist das wirklich nötig?" fragte die Mutter. Karla wartete die Antwort nicht ab. Sie warf hastig ein: „Selbstverständlich kommen wir, wenn es nötig ist. Du kannst dick doch nicht dagegen sperren, wenn die Polizei dich einlädt, Mutti!" meinte sie mit einem kleinen Versuch zu scherzen.
„Dann ist meine Mission für heute beendet. Ich bitte um Entschuldigung für die späte Störung." Kommissar Kammin stand auf, machte vor Frau Kobelt eine gemessene Verbeugung, reichte ihr die Hand, verbeugte sich einigermaßen unsicher im Schein der spöttisch und lächelnd zugleich leuchtenden Augen des Mädchens vor Karla und ließ sich vom Hausherrn bis zur Tür geleiten.
„Scheußlich, die Polizei im Hause!" klagte Frau Kobelt.
,Hch fände es ganz amüsant, wenn der Anlaß nicht so traurig wäre." Karla lachte hell auf. „So habe ich mir wahrhaftig keinen Kriminalkommissar vorgestellt. Er sieht eher aus wie ein großer Bär. Das heißt", verbesserte sie ihr Urteil nachdenklich, „er wirkt bei aller Grobheit und Plumpheit klug. Der Kopf ist beinahe imponierend."
*
„Da ist, mit Verlaub gesagt, ein haarsträubender Mist herausgekommen." Theo Kammin stand um die Mittagsstunde des folgenden Tages betrübt, zweifelnd und wütend vor feinem Chef, Kriminal- oireftor Doktor Ball.
„Unter uns höheren Töchtern brauchen Sie nicht erst Erlaubnis einzuholen, wenn Sie sich freundlich aussprechen wollen", lachte Ball und nahm feine Zigarrentasche heraus. „Stecken Sie sich erst eine zur Beruhigung an und erzählen Sie richtig, was los ist!"
Der Sessel ächzte, als Kammin sich niederließ. Sein frisches, energisches Gesicht zeigte einen bekümmerten Ausdruck.
„Abgesehen von den Kobelts, habe ich sechs Menschen, alles sehr angesehene, reputierliche ßeute, nach dem Geburtstagsabend bei Kaspars gefragt, und alle sagten übereinstimmend, daß unser Verhafteter von seiner Ankunft bis zu dem Telephonanruf, der um halb acht Uhr die Explosion meldete, nicht aus dem Hause gegangen ist. Auch das Dienstmädchen, das sich beständig in der Diele aufhielt, betont das. Ich glaube nicht, daß es Zweck hat, auch noch die weiteren fünf Gäste zu hören. Die Antworten sind zu gleichlautend und bestimmt."
„Was ziehen Sie daraus für Schlüsse?"
„Daß Kaspar ein einwandfreies Alibi für die Tat-Zeit hat. Es besteht ja noch die Möglichkeit, daß er einen Anschlag schon vor einhalb sechs Uhr vorbereitete, aber das ist mir zu sehr an den Haaren herbeigezogen, als daß man darauf fußen könnte. Und der nächste Schluß: Wir müssen den Mann wieder laufen lasten/
„Richtig. Alles, was wir sonst an verdächtigen Momenten wissen, reicht nicht für eine Anklage aus. Immerhin können wir die Ueberwachung noch einige Zeit fortsetzen."
„Diese Blamage!" knirschte Kammin.
„Es kann uns keiner Übelnehmen, wenn wir einmal danebengreifen. Wir sind ja schließlich auch nur Menschen."
„Dann lassen wir Kaspar laufen."
„Ich veranlasse bas selbst. Gehen Sie jetzt essen und schlagen Sie sich alle dummen Gedanken aus dem Kopf!"
„Und der Fall Wand? Irgend etwas steckt doch dahinter."
„Wir haben bisher nicht den geringsten Beweis."
„Diese Geschichte mit den Tischen gefällt mir nicht. Moller macht einen zuverlässigen Eindruck. Wenn er sagt, daß er die Flasche mit dem Nitto —"
„Weiß ich alles, aber lieber Herr Kammin, was hilft uns das? Eine Spekulation ist es, nicht mehr, beinahe ein Phantom, aber nicht die geringste Realität Wand kann mit der Flasche in der Hand gestolpert sein. Was wissen wir? Möller, ist unschuldig, Kaspar meiner Ueberzeugung nach auch."
„Uno die Geschichte mit dem Apparat vor zwei Jahren?" ' ,
„Könnte bedenklich erscheinen, braucht es aber nicht Au sein."
„Meinetwegen!" Kammin stemmte sich mit beiden Fäusten auf die ßehne des Sessels und wuchtete, sich hoch. Vorläufig müssen wir es wohl aufgeben. Aber eines Tages ..." Der Rest ging unter in einem unverständlichen Murren und Brummen. Er verabschiedete sich förmlich und ging aus dem Zimmer. Der Hunger fiel jetzt über ihn her und trieb ihn zu dem ßokal, in dem er seit mehr als zehn Jahren zu essen pflegte.
Doktor Ball erledigte die notwendigen Formalitäten zur Entlassung des verhafteten Fabrikanten Kaspar und machte sich ebenfalls auf den Heimweg. Draußen auf dem Gang traf er Michel Cru- fius. Er winkte Michel zu sich und kehrte mit ihm wieder in fein Zimmer zurück.
„Wir haben Kaspar freilassen müssen, Herr Crusius."
Michel machte große Augen und fragte ganz tonlos: „Warum denn?"
„Weil der Mann unschuldig ist." Ball gab eine kurze Darstellung des Ermittungsergebnisses. Den Schluß seiner Ausführungen bildete ein Satz, der trösten sollte und verletzend wirkte, ohne daß er es ahnte. „Ihr Fräulein Braut hat mir gefallen, aber sie hat sich eben um eine Stunde in der Zeit geirrt. Das passiert Frauen leicht, zumal wenn sie jung und verliebt sind. Grüßen Sie Fräulein Eberhard von mir und sagen Sie ihr, daß ich ihr nicht gram bin und sie sich keine Vorwürfe zu machen braucht!"
Michel verbeugte sich und sagte ein ziemlich sinnloses „Danke", während in seinem Schädel einige Hämmer dröhnten, die ihm taktmäßig klarmachten, welcher Esel er selbst, welche Gans Bärbel und wie bodenlos blamiert sie beide seien.
Dann gingen die beiden Männer zum Esten. Michel war ganz niedergeschlagen, als er vor Bärbels Haustür stand und langsam hinauf ging.
•
Bärbel war noch nicht da, und er setzte sich einstweilen in eine Sofaecke und brütete vor sich hin, bis Bärbel kam.
Wie immer beim Eintreten in die elterliche Wohnung, befreit vom Dienst, von Schreibmaschine und
Diktaten, trällerte sie fröhlich vor sich hin, sah kurz in den Spiegel der Garderobe und lief sofort zum Wohnzimmer, als die Mutter sagte, Michel fei schon da.
„lag, Michcl", rief das Mädchen, setzte sich auf seinen Schoß und küßte ihn voller Freude. „Aber, was machst du denn für ein Gesicht?" Sie nahm seinen Kopf zwischen beide Hände und hielt ihn zur besseren Betrachtung von sich.
„Gesicht? Da soll man kein Gesicht machen? Du hast uns fürchterlich hereingeritten!" Er war voller Ingrimm und durchaus nicht aufgelegt zu den verliebten Tändeleien, die ihn sonst immer entzückten.
Mit einem energischen Ruck glitt-fie von seinen» Schoß und setzte sich neben ihn aufs Sofa. Sie war schnell gekränkt, wenn man ihre ßiebtofungen nichi bantbar hinnahm. „Was meinst du? Und wie sprichst du überhaupt mit mir?"
„Kaspar ist unschuldig, schon, wieder entlaßen- Es steht fest, daß er am 11. Mai von viertel vor sechs bis halb acht Uhr in seiner Wohnung war."
„Unsinn!" fuhr es ihr heraus. Ihr ganzes Blut: kam in Wallung. Jetzt wurde sie als dumm hinge- steltt. „Ich weiß ganz genau, daß er noch um halb» sieben Uhr im Betrieb war. Dann kann er nicht zm Hause gewesen fein."
„Acht Menschen haben es bezeugt, und weitere- sechs oder sieben stehen noch für dieses Zeugnis zur Verfügung. Das genügt. Doktor Ball hat es- mir zwar sehr fein und nett beigebracht, aber es» hat mich doch schwer getroffen." Nun brach der ganze angestaute Aerger aus ihm hervor, und er ließ sich nicht eher im Sprechen abstoppen, bi* Bärbel in Weinen ausbrach. Zum erstenmal, seit sie sich kannten, meinte sie, und er vergaß dabei: allen Aerger. Sobald er jedoch versuchte, den Arm tröstend um ihre Schultern zu legen, wurde er zurückgestoßen.
„Wenn du mich für so dumm hältst, kannst du. dich nach einer anderen Frau umsehen!" Zwischen: Tränen und Schluchzen schwoll ihre Empörung an. „Ich weiß, daß Herr Kaspar um halb sieben Uhr noch im Büro war, und dabei bleibe ich, auch wenn, hundert Zeugen etwas anderes erklären!"
(Fortsetzung folgt.)


