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19b Jahrgang ttr. 266 JBSSSV ® AA Q Samrtag, 8. * Sonntag. 9 November 1941
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ss Metzener Anzelger
infolge höherer Gewalt
SaSS msau General-Anzeiger für Oberhessen ’^sssssr
Französische Skizzen.
Von unserem G. N.-Berichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Vichy, Anfang November 1941.
„Ah, ma chSrie, ich bin glücklich, Sie wiederzusehen! Aber wie schrecklich: Äe sagen ,i)eil Hitler'? Ja, wissen Sie denn nicht, daß die Nazis diesen Krieg nicht gewinnen werden? Ich komme direkt aus Vichy, ich kann es Ihnen vertraulich sagen. Ich bin hierher gekommen, um meinen Mann zu besuchen, der ja wegen seines Geschäfts ins Elsaß zu- rückkehren mußte. Ich habe ein Vierteljahr bezahlten Urlaub und kann anschließend bis Oktober 1942 unbezahlten Urlaub dazu bekommen, aber dann muß ich meinen Dienst bei meiner Behörde wieder aufnehmen; selbstverständlich in Straßburg, hat man uns gesagt. Dann werden die Franzosen wieder hier sein. Ma obere Ivonne, wie aihnungslps sind Sie!" So sprudelt es über die Sekretärin im Vorzimmer einer elsässischen Amtsstube; die Tür steht offen zum Zimmer des Amtschefs, meines Freundes Renatus. Wir hören jedes Wort. Wir schauen uns zuerst verblüfft, dann unverkennbar das laute Lachen nur mühsam bezähmend an. Und warten gespannt darauf, was die tüchtige und gescheite Sekretärin darauf antworten wird. Es war nicht von Pappe. „Die werden wir einladen zu einer Besichtigung im Elsaß und sie kurieren, wenns möglich ist", flüstert Renatus. Nun, die Einladung ist auch für uns sehr instruktiv gewesen!
zur Belieferung des unbesetzten Gebietes Frankreichs mit Nahrungsmitteln. Die Franzosen transportierten Bannware an Bord ihrer Schiffe, was unterbunden werden müßte. Als Bannware aber werden von der englischen Regierung auch Lebensmittel, wie Bananen, Ananas und andere Produkte der Tropen, bezeichnet. „Die Zeit ist gekommen", schreibt das Blatt, „eine riesige Blockade über Vichy- Frankreich zu verhängen und zwar im Interesse unserer Selbstverteidigung!"
Der Londoner Korrespondent der schweizer Zeitung „Suisse" bestätigt die Campagne, die in England seit geraumer Zeit im Gange ist und die zum Ziel hat, die Gewaltmethoden gegenüber dem französischen Lebensrecht zu rechtfertigen. Der Korre- sppondent schreibt: „Man kann wohl sagen, daß die britische Flotte in Zukunft, soweit es ihr möglich ist, energisch intervenieren und die Blockade Gegenüber Frankreich schärfer durchführen wird." Die Aufbringung des französischen
Geleitzuges vor der südafrikanischen Küste durch englische Kriegsschiffe am 6.11. zeigt, daß England gewillt ist, seine Ankündigungen, wann sich immer eine Gelegenheit bietet, zu verwirklichen.
Obgleich England nicht in der Lage ist, die Verbindungswege Frankreichs in allen Gewässern zu kontrollieren, genügt doch die bloße Absicht, um erkennen _zu lassen, welches Schicksal England seinem ehemaligen Verbündeten zugedacht hat. Wer England nicht nützt, hat das Recht, zu leben verwirkt, und das höchste Recht für den, der mit England geht, ist, sich für England zu opfern.
Don Engländern aufgebracht.
Lissabon, 7. November. (Europapreß.) Der portugiesische Schoner „Maria Luzia" ist von englischen Seestreitkräften aufgebracht und nach Gibraltar eingeschleppt worden. Wie verlautet, befand er sich mit einer Le- bensmitelladung auf der Reise nach Südfrankreich.
In Lissabon hat dieses Vorgehen der Engländer starke Erregung in Schiffahrtskreisen hervorgerufen, zumal der portugiesische Schoner „Nina", der vor einiger Zeit ebenfalls zum Anlaufen Gibraltars gezwungen wurde, dort noch immer festgehalten wird.
Verfolgung aus der Krim erfolgreich fortgesetzt.
Auch im Oonezbecken weiter vorwärts. — Stark ausgebaute Stellungen im mittleren Abschnitt der Ostfront durchbrochen.
„(EoUaborafion?“
Wer als Deutscher im unbesetzten Frankreich mit Franzosen ins Gespräch kommt, dem wird bald das Wort „Collaboration" entgegentönen. Man könnte meinen, hierunter würde an eine Zusammenarbeit mit Deutschland im Sinne Lavals gedacht, an die wirkliche Ausnützung einer Chance, wie sie ein Sieger wohl selten in der Weltgeschichte einem Unterlegenen, einem so hoffnungslos geschlagenen Feind aus dem großen Verantwortungsgefühl gegenüber der Zukunft eines Kontinents heraus geboten hat. Weit gefehlt. Der ehrsame Bürger, der in der „noch nicht rationierten Sonne" seinen Apsritif-Ersatz vor sich stehen hat, versteht unter Kollaboration, daß Deutschland feine Ernährung sicherstellt, für Zigaretten sorgt, das französische Gebiet in Mutterland und Kolonien unangetastet läßt, sich nobel bis zur Selbstaufgabe zeigt. Collaboration: das schließt nicht die französischen Freiwilligenbataillone an der Front gegen den Bolschewismus ein, im Gegenteil: man hält „diese jungen Leute" im stillen für „nicht ganz normal"! Man spricht von „Kollaboration" und geht öaitii nach Hause^ um englische Sender zu hören.
Attentisme.
Attentisme: das ist immer noch die höchste politische Weisheit des französischen Bürgers und nicht nur des Bürgers, der darüber schimpft, daß selbst in den Zentren des französischen Weinbaus der Wein — ungenügend — rationiert und zugeteilt
Der Wehrmachiberichi.
DAV. Aus dem Führerhaupfquarlier, 7. November. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Auf der Krim fetzten die deutschen und rumänischen Truppen die Verfolgung trotz unwegsamen Gebirgsgeländes und zäh kämpfender Nachhuten des Gegners erfolgreich fort. Sturzkampfflugzeuge zerschlugen feindliche Stellungen im Festungsgebiet von Sewastopol und brachten mehrere Batterien zum Schweigen.
Im Donezbecken kämpften sich deutsche und italienische Verbände weiter vorwärts.
3 m mittleren Abschnitt der O st front durchbrachen Infanteriedivisionen stark ausgebaute Stellungen des Feindes und brachten zahlreiche Gefangene und Geschütze als Beute ein?
Vor peterhof versenkten Batterien des Heeres X’.nen feindlichen Frachter. Leningrad wurde bei Tage mit Bomben schweren und schwersten Kalibers belegt.
3m Kampf gegen Großbritannien bombardierte die Luftwaffe in der vergangenen Nacht Häfen an der englischen Ost- und Südwestküste. Volltreffer in Versorgungsbelrieben riefen große Brände her
vor. 3mKanalgebietundvordernieder- ländischen Küste wurden zehn, vor der nor- wegischen Küste ein britisches Flugzeug abgeschossen.
3n Nordäfrika griffen deutsche Kampfflugzeuge mit guter Wirkung britische Zeltlager und Befestigungen in Tobruk an.
Der Feind unternahm in der Nacht zum 7. November mit einer geringen Zahl von Bombern wirkungslose Angriffsoersuche auf einige Orte Norddeutschlands.
(Störangriffe ohne nennenswerte Wirkung.
Sechs Britenbomber abgeschossen.
Berlin, 8. Nov. (DNB. Funkspruch.) Der Feind unternahm in der Nacht zum 8. November Stör- Angriffe auf größere Teile Deutschlands ohne nennenswerte Wirkung. Ferner griff er die R e i ch s h a u p t st a d t an. Durch Bombenabwürfe auf Wohnviertel auch in Berlin hatte die Zivilbevölkerung geringe Verluste. Nach bisherigen Feststellungen wurden fechsbritifcheBomber abgeschossen.
Ihr Vermächtnis.
Wenn wir morgen am 9. November — 18 Jahre nach der Erhebung der nationalsozialistischen Bewegung — uns in Ehrfurcht und Dankbarkeit vor den Sarkophagen jener Blutzeugen des 9. November ttl23 verneigen, so fühlen wir stärker und klarer als jemals zuvor den inneren Gleichklang der Idee, des Geistes und des Herzens, der die Opfer der Feld- herrnhalle mit den namenlosen Helden des jetzigen Krieges verbindet. Ist es nicht so, daß die Männer, die einst als erste im Kamps der Partei im Innern ihr Leben geopfert haben, heute wieder lebendig geworden sind und mitten unter uns stehen? Sie, die durch ihren Opfertod den Weg zum Aufstieg der nationalsozialistischen Bewegung und damit Deutschlands frei machten, reichen heute unseren im Osten gegen den bolschewistischen Todfeind kämpfenden Soldaten die Hand. Ihr Wille und Geist, der einst der Geist einer kleinen Schar tapferer und unentwegter Gefolgsmänner Adolf Hitlers war, sind heute zur Weltanschauung und zur inneren Kraft eines ganzen Volkes und seiner Millionenarmee geworden, deren Kampf und Sieg im Osten von der gleichen Tapferkeit und Opferbereitschaft Zeugnis ablegen und Deutschland und Europa für immer von dem furchtbaren Feind befreien werden, gegen den sich die Helden des 9. November einst erhoben haben.
Die Ausmaße aber, in denen sich heute der gigantische Kampf Deutschlands, ja Europas, gegen die wirtschaftliche und politische Ausbeutung und Versklavung und schließlich Vernichtung durch Pluto- fratie und Bolschewismus vollzieht, sind dank des Opfers jener 16 Gefallenen völlig anders als damals in den Tagen der Erhebung vor 18 Jahren. Welche unermeßlichen Früchte aus ihrer Blutsaat einst für Deutschland erwachsen sollten, hat allein der Füh - r e r in seherischer Weise erkannt, als er vor dem Volksgerichtshof ungebrochenen Glaubens die Worte sprach:
„Ich glaube, daß bie Stunde kommen wird, da die Massen, die heute mit unseren Kreuzfahnen auf der Straße stehen, sich vereinen werden mit denen, die am 9. November auf uns geschossen haben... Die Armee, die wir herangebildet haben, die wächst vcm Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde schneller. Gerade in diesen Tagen habe ich die stolze Hoffnung, daß einmal die Stunde kommt, daß diese wilden Scharen zu Bataillonen, die Bataillone zu Regimentern, die Regimenter zu Divisionen werden, daß die alte Kokarde aus dem Schmutz geholt wird, daß die alten Fahnen wieder vvranflattern, daß dann die Versöhnung kommt beim ewigen letzten Gottesgericht, zu dem anzutreten wir willens sind."
Die Divisionen, von denen der Führer damals vor fast 18 Jahren sprach, marschieren heute "zu Hunderten in einer riesigen Front von Finnland bis zur Mündung des Don. Sie marschieren als die Revolutionsarmeen des nationalsozialistischen Rei- ches unter dem gleichen Banner, das einst die Kämpfer vor der Feldherrnhalle mit ihrem Blut geweiht haben. Daß sie mit solcher Zuversicht in diesen Kampf gehen konnten und daß es ihnen gelun
llGA.-Handelsschiffe bewaffnet in die Kriegszone.
Die Bewaffnungsvorlage vom Senat angenommen.
worden ist. Das ist die höchste Weisheit bis weit in die höchsten Regierungskreise hinein. „Abwarten! Vielleicht gewinnt England doch noch." Neuen Austrieb erfuhren die Vertreter dieser Politik des Abwartens durch den Ausbruch des Krieges im Osten. Jedes Schweigen des deutschen Wehrmachtberichtes über die Operationen im Osten wurde mehr oder minder laut als der Beginn des Umbruchs der Kriegslage gefeiert. Immer wieder — wie in den Tagen des Falles von Kiew, Odessa, Charkow usw. — bricht solche eine Hoffnung zusammen. Immer wieder werden andere Hoffnungen genährt — nicht nur, weil es sich so am bequemsten lebt. Die Regierung in Vichy aber kämpft im eigenen Lande um ihre Selbstbehauptung.
Reformen in Frankreich?
Sie wurden laut angekündigt unÄ von manchen Franzosen mit großer Hoffnung begrüßt. Auch in Frankreich gibt es viele um ihr Volkstum und dessen Zukunft besorgte Menschen, Gegner des Freimaurer. und Judentums. Aber zwischen der Ankündigung eines Reformgesetzes und seiner Durchführung liegt ein so weiter Weg, daß er nur in den seltensten Fällen zu Ende gegangen worden ist. Musterbeispiel kann die Judengesetzgebung und ihre Handhabung sein: lustig strömts in die Pforten der Kirche, denn ein getaufter Jude ist nach den Bestimmungen des Judenkommissars Vallat kein Jude mehr. Der „Prozeß gegen die Schuldigen an der französischen Niederlage", er ist immer wieder hin- ausgeschoben; die Urteile lauteten auf Festungshaft; die Begnadigung wird in Frankreich- nur als Frage der Zeit angesehen. Nicht wenige erheben schon wieder ihre Stimmen und verkünden, wie man Deutschland 1918 eigentlich habe behandeln müssen. Die „Unioerfite de Strasbourg" setzt ihren Betrieb nach wie vor in Clermont-Ferrand fort, getrennt von der dortigen Universität. Elsässische Studenten werden dort mit finanziellen und allen Mitteln der Propaganda festgehalten, und ihnen die Heimkehr in die Heimat als Vernichtung beruflicher Zukunft aus- gemalt.
Einsichtige Franzosen bewundern die deutsche Geduld. Wie weit wird sie reichen? Welche Erschütterungen muß Frankreich noch erleben, um die Wirklichkeit von heute und morgen zu erkennen und um ein wertvolles Glied des neuen Europa werden zu können?
Englands „Dank".
Verschärfte Blockade gegenüber Frankreich geplant.
Berlin, 8. November. (DNB. Funkspruch.) Vor kurzem erklärte der britische Blockademinister Dal- ton, England werde den französischen Hafen Marseille blockieren, um Frankreich von seinen Zufuhren aus Nordafrika abzuschneiden. Am 6.11. forderte die englische Zeitung „Daily Mail" eine totale Blockade über Frank- r e i ch. Das Blatt wendet sich in einem Leitartikel gegen das nordamerikanisch-franzöfifche Abkommen
Washingkon, 8. Nov. (DNB. Funkspruch.) Oer Senat nahm mit 50 gegen 37 Stimmen die Vorlage über die Bewaffnung und (Eoffen b u ng von V8A.-Handelsschlffen in bie Kriegszone an.
Alle Schuld kommt auf Roosevelt.
Unter der Überschrift „Alle Schuld kommt aus Roosevelt" schreibt der „D. V.":
Der Kongreß der Vereinigten Staaten beschäftigt sich im Augenblick mit dem Antrag Roosevelts, das Verbot der Bewaffnung nordamerikanischer Handelsschiffe aufzuheben. Es liegt ihm darüber hinaus ein Antrag vor, auch die Artikel 2 und 3 des Neutralitätsgesetzes aufzuheben, das heißt nordamerikanische Handelsschiffe sollen ermächtigt werden, Waren und Fahrgäste in die Häfen k r i e g f ü h r e n d e r Staate n zu bringen und die vom Präsidenten bekannt- gegebenen Kampfzonen zu befahren. Nur jemand, der wie Roosevelt die Absicht hat, die Vereinigten Staaten in den Krieg hineinzuziehen, kann auf eine derartige Abänderung des amerikanischen Neutralitätsgesetzes hinwirken.
Jedes Wort der Begründung dieser geplanten neuen Maßnahmen durch den Präsidenten ist eine politische Fälschung. Selbstverständlich wird die Sicherheit der nordamerikanischen Handelsschifffahrt nicht erhöht, sondern mutwillig- aufs Spiel gesetzt. Denn die Bewaffnung eines Handelsschiffes ändert an sich schon automatisch seinen friedlichen Charakter und bringt den Satz in uneingeschränkte Gültigkeit, daß derjenige, der Waffen Hilfe anruft, Waffengewalt zu gewärtigen hat.
Im Falle der nordamerikanischen Handelsschiffe hat Präsident Roosevelt schon durch seine bisherigen Maßnahmen dafür gesorgt, daß der Zweck jeder Kanone auf einem nordamerikanischen Handelsschiff eindeutig feststeht. Er hat es als amtliche Politik der Vereinigten Staaten proklamiert, Deutschland zu vernichten. Schon daraus ergibt sich, wer der Angreifer ist. Er hat ferner erklärt, er werde mit allen Mitteln dafür sorgen, daß die Waffen, die er den Feinden Deutschlands liefere, auch in deren Besitz kommen. Er hat zu diesem Zweck bereits nordamerikanische Handels- und Kriegsschiffe eingesetzt und in die Kriegszone entsandt. Er hat den Befehl erteilt, auf jedes deutsche Kriegsfahrzeug sofort bei Sicht zu
schießen. Er hat bereits schießen und an» greifen lassen.
Deutschland ist berechtigt und verpflichtet, anzunehmen, daß auch die Kanoniere, die nun die nordamerikanischen Handelsschiffe bemannen sollen, den Schießbefehl bereits in der Tasche haben, genau so wie 1917, als Präsident Wilson am 12. März 1917 die Bewaffnung der nordamerikanischen Handelsschiffe verkündigte, in der klaren Absicht, mit Hilfe der sich daraus ergebenden Verluste an Menschenleben und Schiffen das amerikanische Volk in die Kriegshysterie hineinzutreiben.
Der Präsident setzt mit der Bewaffnung der Han- desschiffe und ihrer Entsendung in die Kampfzone die Schiffe und nordamerikanischen Staatsangehörigen absichtlich einer verschärstenVernich- tungsgefahr aus. Er ist sich des damit verbundenen Risikos und aller Folgen bewußt. Er weiß, daß nordamerikanische Handelsschiffe in der Blockadezone und in britischen Häfen keine Son- derbehandluna durch Deutschland erwarten können. Er schickt sie in die Gefahr, damit sie darin umkommen und er die ersehnten Vorwände findet, zu Hetzen.
Bewaffnete Handelsschiffe haben keinen Anspruch darauf, nach den Regeln der deutschen Prisenordnung und nach den Regeln des Völkerrechts als f r i e d l i ch e Handelsschiffe behandelt zu werden. Handelsschiffe, die sich mit Kanonen versehen, haben die Absicht, sich der prisenrechtlichen Untersuchung mit Waffengewalt zu entziehen. Sie müssen es sich daher gefallen lassen, wie ein Kriegsschiff behandelt zu werden. Dieser deutsche Rechtsstandpunkt wird von allen maßgebenden Völkerrechtslehrern des Auslandes, herunter .auch der Vereinigten Staaten, geteilt. Er ist kürzlich der amerikanischen Regierung auch bei den Zeugenvernehmungen im Senatsausschuß und Repräsentantenhaus von den juristisches Sachverständigen entgegengehalten worden.
Deutschland hat das Recht, bewaffnete Handelsschiffe ohne Warnung zu torpebieren. Der Schießbefehl vom 12. September 1941 an die nordamerikanische Kriegsmarine gilt auch für die bewaffneten nord- amerikanischen Handelsschiffe. Auf welcher Seite also der Befehl zum Angriff und auf welcher Seite das klare Recht zu entsprechenden Verteidigungsmaßnahmen liegt, steht absolut fest.
Die deutschen Seestreitkräfte sind demnach berechtigt, gegen bewaffnete nordamerikanische Handelsschiffe nach Maßgabe der militärischen Notwendig- keU zu verfahren. Sie können nicht mehr im Rahmen der prisenrechtlichen Anhalte- und Durchsuchungsverfahren gegen sie vorgehen. Die Ver
antwortung für jeden Schaden, den nord- amerikanische Schiffe und Bürger dadurch erleiden sollten, trifft ausschließlich die Regierung r Vereinigten Staaten.
Das gleiche gilt erst recht für die Folgen der Aufhebung der Artikel 2 und 3. Wer sich in dis Blockadezone und in britische Häfen begibt, sucht und findet den Tod und die Gefahr, vor der er gewarnt und bisher durch das Neutralitätsgesetz geschützt war. Wenn Roosevelt den nordamerikanischen Bürgern und Schiffen diesen Schutz wegnimmt, dann übernimmt er die Verantwortung für alle Folgen.
Der Präsident hat in letzter Zeit versucht, die deutsche Kriegsmarine, die in völkerrechtlich legaler Weise den Blockadekrieg führt, als „Piraten" zu diffamieren. In der Geschichte des Seekrieges ist die Vornahme von Kriegsyandlungen durch Kriegsschiffe der Kriegführenden niemals als Piraterie angesehen worden. Dagegen ist die Vornahme von Kriegshandlungen durch Handelsschiffe als Piraterie anzusehen und besonders dann, wenn die Kriegshandlungen von Handelsschiffen formell nichtkriegführender Staaten begangen werden.
Präsident Roosevelt legt, weil er gewisse internationale Rückfragen fürchtet, Wert darauf, nicht als formeller Kriegführender angesehen zu werden. Wenn er trotzdem nordamerikanische Handelsschiffe bewaffnet, um sie auf deutsche Seestreitkräfte schießen zu lassen, dann ist hier der latbeftanb der Piraterie erfüllt. Nicht die deutsche Kriegsmarine, sondern die nordamerikanischen Handelsschiffe, die unter der Flagge des formell neutralen Amerikas Kriegshandlungen begehen, müssen als Piraten angesehen werden. Ihr eigener Präsident hat sie in diese wenig ehrenvolle Lage gebracht.
Von welchem Gesichtspunkt aus man auch die beantragte Aufhebung der Artikel 2 und 3 sowie 6 betrachtet: die Welt hat es hier mit neuen A n - griffsakten, mit weiteren planmäßigen Schritten zum Kriege, mit Fälschungen von Tatsachen und mit der Absicht zu tun, um jeden Preis Serien von Zwischenfällen e r b e i 3 u • führen. Die Verantwortung für alle Folgen, die sich daraus ergeben, trifft den Präsidenten unb müßte, wenn der Kongreß ihm zu willen ist, auch von diesem vor dem amerikanischen Volk und der Welt getragen werden.
Eines steht heute allerdings schon fest: durch keine dieser neuen Neutralitätsoerletzungen und Aggressionen wird sich Deutschland daran hindern lassen, die Blockade Englands mit allen Mitteln durchzuführen«


