Ar. 133 Zweites Blatt
Z./8.3unH941
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)
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(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
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Lissabon Gründung 11 en kann, einer zur
Lissabon, Anfang 3wni 1941.
gehört zu den Hauptstädten, bemi man als' geradezu naturgewollt bezeichn
Dieses bevorzugte Fleckchen Erde an Schiffahrt einladenden Bucht, an der
und lange Dauer. Sie zimmerten ihre Hütten schmucklos und ungefüg aus groben Baumen, so ein Haus rückte sich dann selber zurecht in der Reihe. Es wurde schwarz von der Sonne und schief vom Schneedruck in harten Wintern, gleichviel, es hielt stand. Mit den Jahren bekam es einen Namen und hieß das Lukashaus, oder das Mauthaus an der Brücke. Lukas baute es, er war ein Zimmermann. Nach ihm kam ein zweiter Luka-, ein dritter und immer wieder einer, den der Batsr an die Hand nehmen und lehren konnte. So war die Regel.
Jetzt kommen Kühe vom Dorf heraus, die haben hier herum ihre Weide. Langsam zerstreuen sie sich auf der Halde, noch unbeholfen und steifbeinig vom Winter her. Sie suchen ihre alten Plätze unter den Büschen, schnauben aufgeregt ins dürre Gras und stehen wieder lange still und strecken die Hälse und brüllen. Vielleicht rührt auch sie etwas in ihrem Gemüt, sie spüren die salzige Luft, den Abendwind des Frühlings. Ja, vielleicht gefällt es der Glocken- kuh, daß sie eine so gewaltige Orgel im Leib hat. Aber die Kühe sollen nicht stehen und brüllen, sie sollen Futter suchen und fressen, und darum läuft das Hirtenmädchen hinter ihnen her und treibt sie weiter in die Stauden hinein. Das Mädchen ist klein, ein kleines rundliches Nichts, und die Glockenkuh ist riesengroß, ein gehörnter Berg aus Fleisch und Knochen. Allein, das Mädchen hat einen Haselstecken in der Faust, mit dem prügelt sie den Berg, und wahrhaftig, er denkt gar nicht an seine Hörner und trollt sich davon. Kühe sind wunderliche Geschöpfe, gutwillig, aber auch unbegreiflich dumm und schwerfällig in ihrem ganzen Wesen. Es nüßt wenig, ihnen liebreich in die Ohren zu flüstern, das verstünden sie in Ewigkeit nicht. Man muß ihnen alles, Hü und Hott und was sonst im Leben nötig ist, mit einem Prügel erklären, und auch dann dauert es noch eine ganze Weile, bis die Kuh vorne merkt, was ihr hinten geschieht.
Ein mütterliches Tier ist die Kuh, oh, eine so zärtliche Mutter für ihr Kälbchen Immerfort leckt sie sein glänzendes Fell um und um und läßt es trinken, und dann schaut sie es wieder versunken an mit dem ahnenden, dem schmerzlichen Blick, den alle Mütter haben. Niemals darf sie ihr Junges den Sommer über bei sich behalten, nein, jedes wird ihr genommen. Es könnte sein, daß die Kuh
afrika aus die verschiedenen Widerstandsnester der englandhörigen „freien Franzosen" de Gaulle's ausheben. Solche Widerstandsnester haben sich in Französisch-Aequatorial'Afrika, besonders am Tschad-See gebildet. In diesem Sinne schreibt auch Reiter: „Es ist auch sehr wohl möglich, daß die Frage der Vertreibung der de-Gaulle-Truppen aus denjenigen französischen Kolonien, die sie auaen- blicklich besetzt halten, in Vichy besprochen wurde."
Dr. Ho.
Das Kanincben im Monde.
Während wir vom Mann im Monde sprechen, hat die Phantasie anderer Völker ganz andere Gestalten in unserem Planeten erkennen wollen. Mett verbreitet ist die Deutung, daß im Monde ein Kaninchen sitzk. In den Sagen der nordamerikanischen Indianer, in denen Kaninchen und Hase überhaupt eine große Rolle spielen, tritt uns das Kaninchen als das „weiße Tier" im Monde entgegen. Ebenso vertritt dieses Tier im alten Mexiko den Mond, aber nur den hellen, während der verdunkelte Mond von der Wildkatze symbolisiert wird. Auch in Indien wird behauptet, man könne in den Mondflecken deutlich ein Kaninchen sehen, und es wird erzählt, daß Hasen den Wagen des Mondgott-s Tschambra ziehen. Bis auf die heutige Zeit hat sich die Vorstellung vom Kaninchen im Mond ferner bei den Chinesen erhalten, und bei ihren Mond- festen werden Kuchen anqefertigt, auf denen ein Kaninchen sitzt; ebenso gibt es in Japan Bilder, die das Kaninchen im Zusammenhang mit der auf
nächst nicht ansieht. Und ihre Fahrer sind wahr» Künstler in ihrem Fach, denen es als Todsünde gilt, wenn sie nicht auch mitten im Großstadtverkehr zeigen, welche Höchstgeschwindigkeit der Wagen hergibt. Der Bremsweg dieser Taxen ist unwahrscheinlich kurz; aus dein 70-Kw'Tcmpo heraus bringen sie den Wagen nach wenigen Metern zum Stehen, so daß der Ortsunkundige jedesmal denkt, ein Kind wäre vor die Räder des Wagens geraten. Diese Fahrer empfinden es als Schmeichelei, wenn ein Fremder versichert, er wäre noch in keiner Stadt sc» waghalsig gefahren worden, und sie weisen gelassen darauf hin, daß die Zahl der Verkehrsunfälle in Lissabon keinesfalls größer sei als anderswo. Man könnte Lissabon auch die Stadt der saubersten Schuhe oder der seltsamsten Kasfeehäuser nennen, doch das sind Aeußerlichkeiten, die mit dem Wesen der Stadt wenig zu tun haben.
Seine Bedeutung in Vergangenheit und Gegenwart verdankt Lissabon seinem Hasen. Vom Hafen aus bietet sich Lissabon dem Beschauer am schönsten dar. Dieser Anblick war es, der viele Weltreisende veranlaßte, Lissabon als eine der schönsten Städte der Erde zu bezeichnen. Hier, hart am Rande des Wassers, liegt auch der repräsentativste Platz Lissabons, dessen riesiges Viereck an einer Seite fast ohne Abgrenzung ins Wasser übergeht, während an den anderen drei Seiten schlichte aber stilvolle Kolonnaden ihn umsäumen, über denen fast sämtliche Ministerien Portugals untergebracht sind. Das sauste Plätschern der Wellen, das Krächzen der Möwen und das Knattern der Segel sind bis in die Arbeitszimmer der Minister zu vernehmen. Es ist, als ob der Architekt des Platzes din Symbol für die Verbundenheit Portugals mit dem Meere schaffen wollte und glelchzeitg ein Mahnmal, bei aller politischen Gestaltung, nie das Meer zu vergessen.
Lange schien es so, als ob der Ruf des Meeres in den Ministerien nicht mehr gehört wurde. Das
gehenden Mondscheibe zeigen. Wenn man die Mond flecken mit unbewaffneten Augen betrachtet, kann man bei einiger Phantasie einen tiefschwarzen Kaninchenkopf mit langen, deutlich sich abhcbenden Ohren wahrnehmen. In unseren Breiten erscheint dieses Kaninchen allerdings so, daß es auf dem Rücken liegt, während in den näher am Aeguator gelegenen Gebieten das Kaninchen mehr in normaler Lage zu sehen ist. C. K.
Das neue „Inselschiff".
„Das Jnsclschiff", Zeitschrift für die Freunde des Insel-Verlags zu Leipzig, beginnt seine neue Folge (Frühling 1941) mit einer ausführlichen Abhandlung „Das Falkenbuch des Kaisers" von Earl A. Willemsen, der den merkwürdigen Schicksalen des Werkes ,,De arte venancli cum avibus" nachgeht; der Aufsatz und einige Bildproben weisen auf die vom Insel-Verlage vorbereitete erste Gesamtausgabe des raren und wenig bekannten Werkes hin, in dem viele die große Persönlichkeit Kaiser Friedrichs II. von einer bisher kaum beachteten Seite beleuchtet finden werden. Zu einer demnächst in der Insel- Bücherei erscheinenden Ausgabe des „Politischen Gesprächs" von Ranke liest man das Geleitwort von Heinrich Ritter von Srbik. „Familienforschung" beißt ein Kapitel aus Earossas neuem Buche „Das Jahr der schönen Täuschungen", aus dem der Dichter bei seinem letzten Besuche in Gießen einiges gelesen hatte. Von Hermann Bahr finden wir einen Aufsatz aus dem Jahre 1921, her sich mit Temperament und Wärme für Stifters „Witiko" ein setzt. Dem nächstens erscheinenden Werke ,,DIe Jugend großer Deutscher — von ihnen selbst erzählt" ist ein kulturgeschichtlich überaus reizvoller Abschnitt fugend in Weimar", Erinnerungen des berühmten Arztes Christoph Wilhelm Hufelayd (1762—1836), entnommen. Der Dramatiker Hans Jüngst, dessen Schaulviel „Achill unter den Weibern" kürzlich uraufgeführt wurde, erzählt eine liebenswürdlae Kind» beitserinnerung unter der Neberschrift „Opa Nereus". Gedichte haben, Friedrich Georg Jünger und Rudolf Rach beigesteuert. Die Freunde Christian Morgensterns wird es interessieren, daß der Insel-Verlag als Neuerscheinung der nächsten Wochen den heiteren Gasgenlieder Kommentar „Das aufgeklärt- Mondschaf" ankündigt.
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Es gibt kein stärkeres Schlaglicht auf die gegenwärtige Lage in Aegypten, als daß die ägyptische Wehrmacht von den Engländern weitgehend entwaffnet worden ist. Erst vor wenigen Jahren, als an Stelle der unverschleierten Okkupation das „Bündnis" zwischen England und Aegypten trat, durften die Aegypter damit beginnen,! sich eine kleine Armee aufzubauen, die diesen Namen verdiente. Das Rüstungsmaterial und die militärischen Instruktoren sollte England stellen. Es war bemerkenswert, welch ein Zudrang von jungen Ae- gyptern zur Flugwaffe stattfand, die ihrer „Wehrmacht" bis dahin gefehlt hatte. Man sagt, daß die Orientalen ein natürliches Organ für jede Art von Fahrtechnik haben. Wer mit türkischen oder arabischen Kutschern und Chauffeuren gefahren «ft, weiß ein Lied von ihrer sorglosen, fast immer ungestraft ablaufcnben Waghalsigkeit zu singen.
Das Erste, was die Engländer taten, als die Kriegsgefahr sich Aegypten von weitem zu nähern begann, war, daß sie die moderne Ausrüstung, namentlich die Munition, die sie der ägyptischen Armee geliefert hatten, zwangsweise „zurückkauften". Das wurde seinerzeit mit dem dringenden Eigenbedarf Englands an Kriegsmaterial begründet. Jetzt hat man auch diese Maske fallen gelassen. Man kennt die Stimmung des ägyptischen Volks und des ägyptischen Soldaten, und hat ihm nur eine Art Dolch' an seiner Koppel gelassen. Die ganze übrige Bewaffnung ist beschlagnahmt.
Wer sich an die Zeit vor fünfzig Jahren erinnert, als die mangelhaft ausgebildete ägyptische Truppe unter Arabi Pascha den in Alexandrien gelandeten Engländern vergeblich Widerstand zu leisten versuchte, dem wird gegenwärtig fein, daß die englische Negierung damals versicherte, sie bebaure die „Notwendigkeit" bewaffneter Intervention und sie werde Aegypten nur vorübergehend unter ihre Kontrolle nehmen, bis der Dienst der ägyp« tischen Schuld in Ordnung gebracht fei. Allerdings gab es nicht viele Leute, die ihr das glaubten, beim es war zu deutlich, daß England die Hand auf den Suezkanal legen wollte, und nicht bloß „vorübergehend". Daß es Aegypten tatsächlich dauernd festzuhalten beabsichtigte, wurde offenbar, als es zu Anfang des Jahrhunderts mit Frankreich vereinbarte, die englische. Politik werde sich in Marokko desinteressieren als Entgelt dafür, daß Frankreich auf das damals noch bestehende Recht der finanziellen Mitkontrolle in Aegypten verzichtete.
Der mirflidfe Herr Aegyptens war jahrzehntelang Lord C r o m c r, der unter dem bloßen Titel eines Generalkonsuls der ägyptischen Regierung vorschrieb, was sie zu tun und zu lassen habe, und mit einem Stabe von technischen und finanziellen Sachverständigen Hie Wirtschaft Aegyptens von Grunds auf umbaute, um sie zum Nutzen Englands neu auszurichten. Cromer brachte die ägyptischen Finanzen rücksichtslos in Ordnung und ließ die großen Nil-Stauwerke bauen, um die Anbaufläche des Landes zu vergrößern. Man kennt das napoleonische Wort, bei einer guten Verwaltung in Aegypten erreiche der Nil die Wüste, bei einer schlechten die Wüste den Nil. Das bezog sich auf die Regulierung der Nilüberschwemmung, die das ägyptische Ackerland alljährlich tränkt und frucht- baren Schlamm auf ihm abfetzt. War aber der Nil wieder gefallen, so konnte auf das höher gelegene Land kein Wasser mehr gebracht werden. Die neuen Stauwerke, vor allem der Riesendamm von Assuan, speichern aber aus der Zeit der Hochflut soviel Wasser auf, daß die vom Strom abgehenden Seitenkanäle auch in den trockenen Monaten gespeist werden und bas Fruchtland nicht nur ein-
„Stadt der schönsten Autos/'
Von unserem H. H. B.-Bcrichterstatter.
mal, sondern mehrmals überflutet werden kann. Dadurch sind jetzt, dank dem ägyptischen Klima, auf ein und demselben Stück Land mehrere Ernten im Jahr möglich.
Dieser Fortschritt sollte dazu dienen, die land- wirtsck)aftliche Produktion Aegyptens zwangsweise und einseitig auf den Baumwollbau umzustellen. Aegypten muß fortan sein Brotgetreide von auswärts kaufen und Baumwolle für die englischen Fabriken anbaucn. Die Gründung ägyptischer Spinnereien wurde nach Möglichkeit verhindert, die Baumwolle fuhr auf englischen Schiffen nach England, die Frachten wurden von englischen Reedern verdient, englische Fabriken fpannen und webten die ägyptische Baumwolle, englische Schiffe brachten die Gewebe zurück und vierzehn Millionen Aegypter mußten die in England aus ihrer Baumwolle hergeftellten Stoffe kaufen.
Aegypten wurde in der Tat ein kaufkräftiges
Aegyptens Gesicht
Bon Dr. Paul Rohrbach.
gar nicht so dumm und harthörig ist, daß ihr Schläge und Püffe nur schon lange nichts mehr ausmachen, weil sie an einem viel schwereren Kummer zu tragen hat, an einer tiefen Traurigkeit im Dunkel ihrer verwunschenen Seele.
Aber wie das auch sein mag, die kleine Hirtin hat jedenfalls keine Zeit, darüber nachzudtznken. Seht nur die Kuh des Schmiedes an, diese Ausgeburt von Eigensinn, läuft die etwa der Glocke nach wie alle andern? Nein, sie hat nur die Straße im Auge. Das Mädchen rennt und schwingt den Stock und heißt sie eine Satanskuh mit ihrer zornigen Stimme, aber das macht gar nichts aus, sie zieht gelassen davon und wäre wohl am andern Tag in der Türkei, wenn nicht der Mann zu Hilfe käme. Er stellt sich in den Weg und schwingt die Arme: „Treib Jic langsam ab", ruft er dem Mädchen zu, „hier hinein! So, und jetzt gib ihr noch eine!"
Jawohl, das bekommt sie auch, etwas Handfestes auf ihr scheckiges Hinterteil.
Es dunkelt schnell. Die ersten Sterne treten aus dem reinen Himmel, und mit der Dämmerung kommt ein großer Friede über das Land, mit dem lautlosen Nachtwind, der alles besänftigt und zur Ruhe bringt.
Griff nach Syrien.
Die englische Presse und der englische Rundfunk ,-reinen sich in dem Ruf: „Vorwärts zum zkarsch auf Syrien!" Sie erklären, daß tune die Besetzung Syriens die englische Flotte in |tn berühmten strategischen Dreieck Alexandrien— Vipern—Haifa nicht mehr sicher sei, wenn das sy- rche Hinterland nicht fest in die Hand der britischen Landmacht gebracht werde. Die ganze Problematik f.r Flottenpolitik in engen Gewässern angesichts jir Uederlegenheit der Luftwaffe bricht in dieser großen Idee" der englischen Politiker auf, einen jtinbftreid) gegen Syrien zu riskieren.
Syrien ist französisches Mandatsgebiet. Mit an* -ien Worten: die englischen Katastrophenpolitiker Ig^üen einen unmittelbaren Angriff auf f anzösisches Gebiet unternehmen. Eine f antastische Abwandlung der Fronten, unter denen tster Krieg am 3. September 1939 durch die eng- Ich-französische Kriegserklärung an Deutschland koffnet wurde, beginnt sich abzuzeichnen. Der bri« td)e Plan ist verschönt durch den Pferdefuß des k‘ufel5. In Palästina stehen „freie Franzosen", t länger des französiselben Spieler-Generals d c häufle. Ihr unmittelbarer Kommandant ist Ge- i-ral Catroux. Aber de Gaulle hält fid) auch j:Lin seit geraumer Zeit zur Verfügung des bri- .;td>en Oberkommandos in Kairo abwechselnd in Ägypten und in Palästina auf. Der Selbstmord Es französischen Obersten C o l l e t gewinnt unter tz-sen Umständen ein neues Gesicht. Collet ist an fr) bekannt als tüchtiger Kolonialsoldat in der »inzösischen Armee. Er hat fid) dazu verleiten fefen, aus Syrien nach Palästina überzutreten, feine französische Gefolgschaft verließ ihn. Er tirbe ein Einzelgänger, ein Verräter. Der gute filhat, der sich in die hohe Politik hineinziehen jß, merkte zu spät, daß er auf die englische Leim- Ute gegangen war. Das wollte nun auch Collet Acht: den Engländern als Herold ihrer „Großen Kce" zu dienen und gegen feine eigenen Lands- ferie den Handstreich auf Syrien mitmachen. Da fff er zur Pistole.
-In Wahrheit handell cs sich bei den englischen Dänen um ein verzweifeltes Manöver, den Der- At Kretas vor den Augen der Welt wieder gut- »machen und diese große Blamage auf Kosten des Hiheren französischen Bundesgenossen irgendwie in in Hintergrund treten zu lassen. Man erzählt sich I London ganz offen, daß dem britischen General- lib bei dem ganzen Plan nicht allzu wohl sei. »er Churchill hgt sich aus der abgedankten «tischen Generalität einen „Werbefachmann" en- Agiert. Es ist der britische Armeegeneral G o u q h, M nach der deutschen Märzoffensive von 1918 von
George sehr ungnädig verabschiedet worden | Nur mit Mühe und Not hat Gough eine ge- hsse Rehabilitierung nach jahrelangem Kampf iLrkffgesetzt. Das ist der rechte Mann für Churchill, [tugn wurde zum militärischen Sachverständigen rii- Reuterbüros berufen, und nun macht er hern- hungslofe Propaganda für das Verzweiflungs- bmÖDer Churchills. Er schreibt: „(Eine Besetzung Herfens mit den freien französischen Streit- feften an der Spitze (!) muß sofort vorgenommen »rben. Wenn die britische Luftwaffe sich entlang rar ganzen Küstenlinie des Ostmittelmeeres von M'ppo (in Syrien) bis Haifa (in Palästina) fest» Wetzt hat, mit kräftigen Basen im Irak und im ■rfifdien Golf, bann' wäre die britische Flotte in Wrxcmdria in Sicherheit."
Ls sei völlig dahingestellt und interessiert angc- sic Is der akuten Bedrohung Syriens im Augen- dick auch nicht, ob die Prophezeiung des im Welt- ileg verunglückten Generals Gough stimmt. Hier ^lereffiert allein die Absicht Churchills, sich auf Men Frankreichs in Syrien moralisch zu „fa- Mtrcn".
JDie letzten Erklärungen des stellvertretenden tlinzösischen Ministerpräsidenten Darlan sowie Mr lange Empfang des aus Nordasrika und Sy-
Land, nur wurde es das In erster Linie z u m N u tz c n E n g.l a nd s. Es trat aber noch eine zweite Wirkung ein, und die laci nicht in der englischen Rechnung. Wie in Indien, so bildete fid) auch in Aegypten infolge der modernisierten Verwaltung, der vermehrten Beziehungen zum Aus. land, des wachsenden Geldzuflusses eine neue, für die englische Herrschaft von Jahr zu Jahr uirbc« queiner werdende Bevölkerungsschicht, nämlich ein wohlhabender uni» gebildeter Mittel« ft a n b. In Inbien nahm dieser die Parole auf< „Indien für die Inder", und in Aegypten r „A c g i) t c n für b i c Aegypt e r" — nicht für die Englänber! Das geschay gleid)zeitig mit dem Erwachen des arabifd)cn Gedankens im Dor« deren Orient und mit dem Mirkfamwerben der von den Engländern im Weltkrieg laut genug ver* kündeten Formel vom Selbstbestlmmungsrecht der Völker.
Wie in Indien, so geschah aud) in Aegypten bad Wunber, daß die vordem in politischer Gleichgültigkeit und Stumpfheit dahinlebende Masse der Bevölkerung, der geduldige Fellad-e, unter dem Einfluß der neu entstehenden, ägyptisch nativ n a l und antienglisch denkenden geistig führenden Schidit politisd) erwachte und den Ruf nach nationaler Unabhängigkeit Mit aufnahm. Dieser "Mindel der Dinge hat in Aegypten die Volks« ftimmung erzeugt, der England das Zugeständnis einer formellen Anerkennung der Unabhängigkeit Aegyptens unter der Form des Bündnisvertrages machen mußte. Von berfelbcn Stimmung ist aber auch der ägyptische Soldat und Offizier ergriffen. Die Erfahrung macht England jetzt in Aegypten. Der Egoismus des Gefdienks der Mobernisieriing, das England dem ägyptifd)en Volke gemacht hat, rächt sich.
Mündung des größten und weithin schiffbaren Flusses der iberischen Halbinsel, inmitten einer lieblichen, leidlich 'fruchtbaren Ebene von bevorzugtem Klima, am westlichsten Punkte Europas verlangte geradezu nach der Gründung einer größeren Stadt. So willkürlid) uns die Entstehung von Berlin, Madrid, ober Paris anmutet, im ungefähren Mittelpunkt des jeweiligen Herrfchaftsbe- rcidjes, fo selbstverständlich scheint cs, daß Lissabon zur Hauptstadt Pc^tugals wurde.
Ein abwechslungsreiches Schicksal hat der Stadt und ihren B'ewohnern einen ganz unverkennbaren und auffälligen Charakter gegeben. Obwohl die Vergangenheit nur noch in ganz wenigen Bauwerken zu uns spricht, etwa in den Ruinen der Carmokirche und des Georgskasiells, oder aber außerhalb der eigentlichen Stadt, wie in den herrlichen Bauten von 'Seicm, lebt die (Erinnerung an verflossenen Reichtum und Glanz immer nod) in Lissabon. Nur 600 000 Einwohner hat Lissabon, das keine großen Hotels und Verkaufspaläste besitzt, aber trotzdem doch Öen Eindruck einer Großstadt, ja sogar Weltstadt macht. Seine Bewohner sind Großstädter bis in den letzten Winkel ihres Wesens. Von der Frisd-c und Ursprünglichkeit, die den Landbewohnern kennzeichnet, ist bei ihnen nidjts mehr zu finden. Ihre Manieren sind von jener Korrektheit und Höflichkeit, wie sie die Verstädterung vieler Generationen mit sich bringt. Aber cs fehlt ihnen jene Frische und der Unternehmungsgeist, der in der bäuerlichen Sckwlle wurzelt, jener Mut anders zu sein als die Allgemeinheit.
Lissabon kennt als einziges öffentliches Verkehrsmittel nur die Straßenbahn, aber es rühmt fid), die „Stadt der schönsten und gepslegtesten Kraftwagen" zu fein. Allerdings sind es Luxuswagen, die jahraus, jahrein nur lautlos über den städtischen Asphalt huschen, die den Staub einer Landstraße nicht kennen, deren starke Scheinwerfer nie ober nur selten auf Weitsicht eingestellt würben. Diele dieser eleganten Wagen flnb Taxen, was man ihnen zu
ricn zurückgekehrten Generals Weygand beim französischen Staatschef Marschall Petain werden unter solchen Umständen in London mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt und heftig kritisiert. Nad)d»englischcr Auffassung ist eben Frankreich, das unter Ludwig XIV. und Napoleon durch England von den Meeren vertrieben worden ist, berufen, demselben England für alle Ewigkeit Stcigbügeldicnste zu leisten. Mit einer merklichen inneren Unsicherheit wird in London das Gerücht verzeichnet, daß französische Truppen von Nord-
untief ins Tal.
e E^arl Heinrich Waggerl.
1 Der Ma^eht, zt auf der Höhe des letzten Hügels ter dem Sich, da will er auf das Abendläuten *iten. llntibeiben Fichten haben fahrende Leute pte Feuerstaenj eingerichtet, aber auch sonst rastet jeder ur«rj bezähmt seine Ungeduld, wenn er kimfommt, grünt auch der heimlichen Wehmut des ksichieds ihr letztes Reckst.
Seit in der '^unde öffnet sich d<is Tal, gut an- juchauen, bunttts ßanb bis unter den Wald hin- *U", frisch umgebrochene Aeckcr und die hellere Werfaat, Wictinflecken dazwischen, auf denen Wf Weideoieh t4igfam umherzieht. Da und dort i*t noch ein G bfann unterwegs, ein paar müde 8cule und ein Knecht hinterher, auch müde, die loqe sind schon >I*/ig. Das alles verdämmert so Mig im Feierat n friedliches Leben, langsames, Ityaftruntcnes. Ast, rsroo geht ein einzelner Mensch lon Haus weg im hin Feld hinein, er bleibt stehen mit schaut umhcZ/vielleicht hat dieser Mann Sor- |ir, es mißriet etwas, und jetzt steht er da ln) betrachtet bo^.ianze noch einmal, den Himmel M sein Feld. ft der Himmel? Verdorrt sein tdi>r? Nein, es ja alles gut. Gut, denkt der $;nn und schlenk'.rt ins Haus zurück.
kn der fühlen -tiefe schwebt bläulicher Dunst, k liegt das Dorf/ ein Häufchen grauer Käfer den Ao-h entlang. Det- Mann sieht die Schmiede am W, die Werkstatfdes Tischlers mit dem Bretter- hrel hinterwärts, auf der anderen Seite die tdenfe breit und ansehnlich neben dem Pfarrhaus tot ein wenig über alles erhöht die Kirche. Dar- tof verstanden sich die Leute vor alters, kleinmütig toi*en sie nicht. Sie sanden dieses Hügelchen und Mten, es sei der rechte Ort für Mauer und Turm, Ren an zu graben und nahmen das Maß jur «u end Jahre. Auf ihre Lebzeit hätte die Mauer tobt so dick sein müssen, so wuchtig mit Streben toi Pfeilern, und auch die Linde wuchs nicht für llr Gefallen: der sie pflanzte, hatte noch nicht ein- Ja Schatten von ihr auf dem Grab. Aber jetzt ist | rin gewaltiger Baum, ein Riese über der Hm- gfeit vieler Geschlechter.
>a, so taten die Altvorderen, auf Prunk und ^cnz legten sie wenig Wert, nur auf Festigkeit
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