Montag, 4. August 1941
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhesten)
Ar. 183 Zweites Blatt
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47. Fortsetzung.
(Nachdruck verboten.)
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Reichsspinnstofffammlung.
wo sind die Annahmestellen in Gießen?
Der Bedarf an Spinnstoffabfällen (Lumpen, Flicken, Stoffresten) ist während des Krieges besonders groß. 3n der Zeit vom 28. 3uli bis 23. August wird deshalb eine Spinnstoffsammlung durchgeführt. 3eder Spender erhält eine Urkunde, auf der der Name des Spenders, und das genaue Gewicht dec abgegebenen Spinnstoffe angegeben sind.
Annahme st eilen in Gießen sind:
Ortsgruppe Gießen-TNille: 1. Bahn- hofstrasze 63, gegenüber der Grabenstrahe; 2. INarkl- strahe 25.
Ortsgruppe Giehen-Nord: Nähstube, Ecke Wernerwall (gegenüber Denninghoff).
Ortsgruppe Giehen-Ost: Licher Straße, Dienststelle der DAI. (Hinterhaus).
Ortsgruppe G 1 eßen - Süd . 1. Bergwerk, Unterhof: 2. Lrednerstrafze. Ecke KliniFstrahe: 3. Lle- bigskrafze 63 (Autohalle 6).
Ortsgruppe Gießen-Klein-Linden: Backhaus. Stcinstratze.
Ortsgruppe Giehen-Wiefeck: Sitzungssaal. Schulstratze.
Die Sammelstellen der Ortsgruppen Mitte. Nord, Ost und Süd sind montags, mittwochs und freitags von 17 bis 20 Uhr geöffnet, die von Klein-Linden und wiefeck mittwochs und samstags von 18 bis 21 Uhr.
Es wird nochmals darauf hingewiesen, datz an den Spinnsloffabfällen keine festen Teile, wie Knöpfe, Schnallen usw., fein dürfen.
V o l k s g e n o s s c n ! Ls ist ein Gebot der Stunde, bei der Erfassung von Alt- und Abfall- stoffen den größten Sammeleifer an den Tag zu legen. Nur der restlose Einsatz gibt die Gewähr für den vollen Erfolgt
schwerer Zeit soll das Theater den Wünschen aller Volksgenossen gerecht werden. Die Gießener Bühne hat für dieses Spieljahr eine sehr glückliche Auswahl der Werke getroffen, der Spielplan verspricht
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Verdunkelungszeit
4. August von 21.10 bis 5.42 Uhr.
Die Dominiks.
Roman von Hellmuth M. Böttcher.
viel Gutes und Schönes, und dieses Versprechen wird das Gießener T'
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euer Schicksal, um euer Glück!
Vater hat ihr verboten, fortan mit Nissen auch nur ein Wort zu wechseln. Und Mutter wollte ihr helfen. Und nun —?
Vater hat gestern in der Generalversammlung eine Niederlage erlitten, das weiß sie aus dem Gespräch mit Nissen, so kurz es war. Was das bei Vater und für Vater bedeutet, das weiß sie.
Aber Nissen wird sie nicht aufgeben! Nie —!
Und wenn Vater sich einbildet, er könne sie zu einer Ehe mit einem ungeliebten Manne zwingen, so wie Großvater Spreckels die arme Mutter einmal gezwungen hat, dann irrt er sich. So viel hat sie vom Lindschcn Blut, daß sie sich nicht fügen wird, und so viel vom Spreckelschen Blut, daß sie dem ihre Liebe bewahrt, dem sie ihr Wort gegeben hat.
Aus der Stadt Gießen.
Erntezeit.
Zu keiner Zeit des Jahres wird uns das Wort des Führers, daß Deutschland ein Land von Bauern ober gar nicht sein könne, so bewußt wie jetzt in diesen Wochen der Getreideernte während des Krieges. Das ganze deutsche Volk denkt an die Bauern, die in schwerer Arbeit in der sommerlichen Hitze draußen auf den Feldern stehen und für unser täalich Brot sorgen.
Auch die Bauernsöhne, die weit drinnen in der Sowjetunion kämpfen, sind in Gedanken bei der Feldarbeit, die ihre Frauen und alten Väter vollbringen müssen, während sie die Heimat schützen. Sie sehen im Geiste die von der Sonne überfluteten, goldenen Getreidefelder, die munteren Schnit- sen sich gar oft bücken, müssen schwer und dauernd schaffen. Alle im Haus, bis zur alten Großmutter, müssen bei der Arbeit helfen. Aber auch dann wird es oft nicht genügen, denn gar viele Jungbauern stehen an der Front. Von allen Seiten wurden Helfer aufgerufen. Studenten, Beamte, Hitler-
Mit einem Male fällt es Brigitte wieder Der Lärm da unten — der ist ja deinetwegen! geht nicht bloß um Mutter und nicht bloß Vater, es geht um dich und Nissen — es geht
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Es läßt sich alles einrichten!
Erleichterte Berufsarbeit erhöht die weibliche Arbeitsfreudigkeit.
Nicht die Besinnung des 'bewußten Menschen, sondern die Besinnung der todwunden Kreatur, die fid) noch im Sterben ^vor ihrem Peiniger zu verkriechen trachtet.
Mit den Armen stützt sie sich empor, hält sich an den Stühlen und wankt aus dem Zimmer.
Lind sieht mit zusammengekniffenen Augen hinter ihr her. *
Brigitte ist auf ihr Zimmer gegangen. Sie liegt auf ihrer Couch, in fassungslosem Weinen. Horcht sie einmal angstvoll auf, ob ihre Eltern noch immer streiten, dann klingen abgerissene Wortfetzen bis zu ihr.
O Gott, was mögen sie sich zu sagen haben!
Glücklich gelebt haben sie ja wohl nie miteinander. Das hat Brigitte natürlich auch gefühlt. Längst. Aber es gab ja eigentlich niemals Zank. Selten ein böses Wort. Die Eltern sind sich einfach ausgewichen. Noch weniger als das: Sie hatten so wenig Gemeinsames, daß sie sich gar nicht erst auszuweichen brauchten. Jeder ging seine eigenen Wege, und kreuzten sich diese wirklich einmal, dann verdeckten ein paar gleichgültige Worte die Leere ihrer Herzen ...
Und nun dieser entsetzliche Streit, der durch das ganze Haus hallt, das erschütternde Weinen der Mutter, der dröhnende Hohn des Vaters!
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Sie geht an den Waschtisch, läßt Wasser einsprudeln und gießt es sich händevoll an die Stirne, an die Schläfen, ins Gesicht. Das schafft klare Gedanken.
Wenn Vater seine Einwilligung zu einer Ehe nicht geben will >— nun, die anderthalb Jahre bis zur Volljährigkeit werden ja auch vergehen ... er wird voraussichtlich sowieso bis dahin nicht viel Gelegenheit haben, mit ihr zu streiten. Nein — sie geht ihm aus dem Wege. Glücklicherweise hat sie ihr Sparkassenbuch selbst in Verwahrung. Wenn's auch nicht viel ist, ein paar tausend Mark sind's doch, und die reichen bequem, bis sie Nissen heiraten kann. Sie wird sich eben einrictsten. Und arbeiten. Sie kann Französisch, Englisch und ein bißchen Spanisch. Mit Schreibmaschine und Buchführung hapert s. Aber für den Anfang wird's schon langen. Es ist ja nicht für die Ewigkeit. Und fte hat viele Bekannte unter Industriellen, Bankiers, Kaufleuten. Einer von ihnen wird sie wohl einstellen? Vielleicht sogar ...
Sie muß wider ihren Willen auflachen, kenn eigentlich ist ihr durchaus nicht fröhlich zumute.
Was würde wohl Nissen machen, wenn sie sich bei der Dominikwerst um eine Stellung bewürbe? Zunächst bestimmt ein dummes Gesicht. Aber was wäre dabei? Sie kann ihr Brot verdienen, wo sie will und wo man sie braucht. Und die Dominikwerft braucht jetzt Arbeitskräfte. Da werden täglich neue Leute eingestellt. Also —?
Außerdem wäre man täglich beisammen. Könnte gemeinsam schaffen an dem, was ihnen einmal gemeinsam gehören würde.
Das wäre das beste. Natürlich?
Brigitte ist mit sich einig.
Sie kramt ihren Schmuck, ihre Wertsachen, das Sparkassenbuch zusammen, packt es in ein Handköfferchen, etwas Wäsche oben draus. — So!
Drunten ist es stille geworden.
Nur noch schnell eine Zeile an Mutti, damit sie sich nicht ängstigt!
Dann die Hintertreppe hinunter.
Vater fährt eben mit seinem großen Wandererwagen fort. Da könnte sie eigentlich Mutti noch ein Wort sagen? Nein —! Es ist besser, auch die Mutter wird vor die vollendete Tatsache gestellt. Da macht man ihr den Entschluß leichter.
(Fortsetzung folgt.)
tragten genau geprüft, wenn in der Nacht feindliche Flieger das deutsche Land überflogen.
Unsere Bauern sind glücklich über die gute Ernte, und mit Stolz und Zufriedenheit können sie sagen: Jeder Deutsche soll nur deutsches Brot essen, das auf unfern Feldern wuchs, das wir als goldne Saat in die Erde senkten und das wir nun in diesen heißen Tagen ernten durften. Unsere Arbeit und Gottes Segen machen jeden feindlichen Angriff zunichte, und das deutsche Volk hat genügend Brot, auch in schwerer Kriegszeit. — h.
Das Stadttheater wirbt um jeden Gießener.
Vom Dramaturgischen Büro des Stadttheaters wird uns geschrieben:
Wenn die neue Spielzeit näherrückt und die Freunde des Theaters und die, die es werden sollen, sich an Hand des neuen Werbeheftes über den Spielplan des kommenden Theaterjahres unterrichtet haben, werden sicherlich viele Gießener ihre Erwägungen auf die Platzmiete konzentrieren. Die Platzmiete ist eine alte und bestens bewährte Einrichtung; alle Theater Deutschlands gestalten sie
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gemäß stellen muß, nicht leiden. So hat es sich fast allgemein durchgesetzt, daß die werdende Mutter nur in Tagcsschichtcn von etwa 7 bis 16 Uhr beschäftigt wird. Auf diese Weise hat sie die Möglichkeit, ausreichend Schlaf zu finden, früh schlafen zu gehen und eine normale Schlafzeit ein- zuhalten. Au,q die Spätschichten werden für die werdenden Mütter vermieden. Manche Betriebe sind dazu übcrgeganqen, die werdenden Mütter zehn Minuten eher die Arbeit niederlegen und ebenso zehn Minuten später beginnen zu lassen, damit diese Frauen nicht in die zur Zeit der Schichtschlüsse überfüllten Verkehrsmittel kommen, sondern bequem die Wege zum Betrieb zurücklegen können. Allerdings ist es sehr schwierig, werdende Mütter nicht in der Akkordarbeit zu beschäftigen, da die Lohnarbeit zum größten Teil für Facharbeiter oder mi- gelernte Arbeiter vorbehalten ist. Trotzdem wird die Fernhaltung der werdenden Mütter von der Akkordarbeit strikt durchgeführt, und in solchen Fallen, wo die Möglichkeiten einer Beschäftigung im Stundenlohn nicht gegeben sind, muß jeder einzelne Fall mit dem Frauenamt der Deutschen Arbeitsfront durchgesprochen werden. Dadurch ist unbedingte Gewähr gegeben, daß die werdende Mutter einen gemäßen und den Umständen entsprechenden Arbeitsplatz erhält.
Die Betriebsführer müssen übrigens den Fehler vermeiden, die werdende Mutter bei Niederlegung der Arbeit vor der Niederkunft aus der Krankenkasse abzumelden, weil bann der Anspruch auf das Wochengeld verlorengeht. Da die, Frau ja auch nur eine vorgeschriebene Zeit nicht arbeiten Fann, jedoch Ansprüche an die Kasse hat und nachher ihre alte Arbeit wieder aufnimmt, liegt keinerlei Grund zu dieser irrtümlichen Abmeldung vor.
Ausreichende ErholungSzeit.
Im Mittelpunkt der Maßnahmen für die schaffende Frau steht trotz aller Schwierigkeiten die notwendige Erholung und damit die Arbeitsplatz a b l ö s u n g durch Studentinnen und Frauen, die Kriegsehrendienst ableisten, sowie die Verschickung in die Erholungsheime. Während bisher ausschließlich die Mütter verschickt wurden, sind in diesem Jahr einige Kreise dazu übergegangen, auch Ledige in die Müttererholungsheime der NSV. zu schicken, und zwar trägt der Betrieb hier die Kosten für den Erholungsaufenthalt.
Diese wenigen Beispiele zeigen, daß die Frauenarbeit für jede gesunde Frau im Rahmen des Erreichbaren und der eigenen Leistungsfähigkeit liegt. Alle Vorsorge und alle nachgehende Fürsorge wird für die schaffende Frau getroffen. Es läßt sich alles einrichten, um den Frauen die Arbeit zu erleichtern, sowohl vom Betrieb aus wie aber auch von jeiten der Frau, die gewillt ist, ihren Platz in der Kriegswirtschaft einzunehmen und auszufüllen.
Martha wankt und muß sich setzen. Ihre Füße wollen sie nicht mehr tragen.
Ein Druck legt sich ihr auf die Brust und auf das .Herz und auf den Hals, daß sie kaum zu atmen vermag. Mit diesem Manne hat sie ihr ganzes Leben lang verbracht! Eine Tochter hat sie ihm geboren, hat mit ihm und durch ihn gelitten und erlitten, hat ihre Jugend um seinetwillen verspielt, hat ihr Herz zerrissen.
... Wofür?
Für nichts ...
Für eine Gemeinschaft, die Ehe hieß und die von ihrer ersten Stunde an Lüge und Argwohn war.
Mattheus Lind ist ruhiger geworden. Er schreit nicht mehr. Er ist voll schneidenden Hohnes.
„Das scheint dir in die Glieder gefahren zu fein? Du meintest, ich habe mir keine Gedanken darüber gemacht? Pah! Auch dein Vater hat ja gewußt, was er an dir hatte and — mit dir los wurde!" —
„Mein Vater? Was willst du damit sagen?"
Lind blinzelt sie spöttisch an.
„Es muß dir doch ausgefallen sein, daß dein Vater erst am Tag nach unserer sogenannten Hochzeit deine Mitgift so erhöhte, daß ich mich maßgeblich an der Norddeutschen Werft beteiligen konnte. Der Senator Spreckels konnte keinen Skandal leiden. Am wenigsten in der eigenen Familie. Dann lieber zahlen ... Ein zartfühlender Herr Papa ... Nicht wahr?"
Mit einem Male beginnen die Dinge um Martha zu kreisen. Das ganze Zimmer dreht sich. Sie selbst dreht sich mit. Das ist zum Wahnsinnigwerden. Das ist zum Verzweifeln. Das ist —
Ruhig! Ruhig!
Man darf nicht die Gewalt über sich verlieren. Man muß die Zähne zusammenbeißen und die Fingernägel einkrallen. Man muß seine Gedanken in Ordnung bringen. Zwei und drei ist fünf. Fünfmal sieben ist fünfunddreißig — Mein Gott — mein Gott. Mit diesem Manne hat man sein Leben verbracht. Mit diesem Manne! Bevor er in seines Weibes Liebe eintrat, hat er sich's bezahlen lassen —
Sie schluchzt laut und hemmungslos.
Der Kopf läßt sich nicht hochhalten. Er ist mit einem Male zu schwer. Er fällt nieder und schlägt auf die Tischkante.
Wie wohl der Schmerz tut!
Langsam kommt etwas wie Besinnung über sie.
5rau Lind muß sehr mühsam an sich halten, um nicht die Fassung zu verlieren.
„3d) hatte keinen Liebhaber", erwidert sie kalt. ,,Und unter den ,Alten' verstehe ich zunächst uns beide: dich und mich. Und dann den Einsamen da drüben, der es niemals verwinden konnte, daß man 'hm einstmals fein Liebstes auf der Welt gestohlen hat ..."
Lind trommelt mit den Fingern auf der Tischplatte.
„Sein Liebstes? Haha! Gestohlen? Was sind das für Ausdrücke? Sag doch Liebchen! Das paßt wohl »effer auf das Verhältnis zwischen euch beiden...?"
Er betont das Wort „Verhältnis" in einer Weise, k»aß es Martha Lind wie ein Schlag ins Gesicht trifft, und lacht schallend auf. „Jetzt spielst du wohl »och die Beleidigte. Und hast jene Nacht vergessen, ivo du —"
„Welche Nacht?" Martha steht erschrocken. Weiß <r nicht, daß ihre Ehe makellos ist? Das muß er doch wissen!
Welche Nacht? Waren's vielleicht noch mehr? Ich hin ja nicht immer zu Hause. Ich habe dich ja licht überwacht — ich hab' dir Vertrauen ge- Ichenkt — immer! Genau wie in unserer Hochzeits- nadjt, wo dich dein Vater von dem da drüben hat vegholen müssen ..."
„Du lügst!" weint Martha auf. „Du weißt, daß !u lügst. Du weißt, daß ich nie bei Dominik war. IVe so. wie du es meinst. Nie! Auch damals nicht.'
Lind kichert höhnisch dazwischen.
„Weil er dich nicht haben wollte, wahrscheinlich. Weil ihm vor einem Weibe graute, das seinem an- Ktrauten Mann am Hochzeitsabend baoonläuft. Dell er ..." Ihm kommt ein anderer böser Gedanke. „Im übrigen fand dich dein Vater erst am borgen. Und was bis dahin geschehen ist" Er ellt sich breitbeinig vor Martha auf und lächelt jr hämisch ins Gesicht. - Was bis dahin ge- chchen ist, das wird wohl keines von euch betoen l erraten."
in mehr ober weniger gleicher Weise zum Vorteile der treuesten und fleißigsten Besucher der Aufführungen mit sorgsamer Einfühlung in die Bedürfnisse des Gesamtkreises des Publikums aus. Und gerade das ist der Sinn des Begriffes Platzmiete! Sie will ja die Erfassung aller Schichten der Volksgemeinschaft, sie will diese Volksgemeinschaft durch eine solche Möglichkeit des weitgehend verbilligten Theaterbesuches zu einer Theatergemeinschaft erziehen. Und so wie die staatlichen Organe, denen die Führerschaft in allen Dingen der Kunst und Kultur obliegt, immer wieder eine Förderung des Kunst-Erlebens im weitesten Bezirke der deutschen Volksgemeinschaft erstreben, so obliegt auch der Führung aller deutschen Theater in jedem Jahre aufs neue die vordringliche Pflicht, durch eine zweckentsprechende und vielfältige Ausgestaltung der billigen Mieteinrichtungen dem deutschen Volke die würdigen Feste und Freuden der Bühnenkunst nahe- zubringen. Den deutschen Theatern ist diese Pflicht Herzenssache geworden. Das Theater soll wieder Volksgut werden. Alle deutschen Theater richten aus diesem Grunde ihre Bemühungen in erster Linie auf die Gestaltung des Spielplans. Gerade in
NSG. Diejenigen Frauen, die sich heute bereitwillig an die Arbeitsplätze der eingezogenen Männer gestellt haben, und diejenigen, die wieder ihren früheren Beruf aufgenommen haben, wissen, daß im Rhein-Main-Gebiet alle Maßnahmen getroffen werden, um der Frau und Mutter die Berufsarbeit zu erleichtern, und daß vor allem die werdende Mutter den vollen Schutz der Gemeinschaft genießt.
Für wie bedeutsam diese Aufgaben angesehen werden, get)t aus der Maßnahme eines Kreises hervor, in dem alle Betriebsfrauenwalterinnen von ihrer Arbeit f r c i g c ft e 111 wurden, um sie ganz für die sozialen Aufgaben innerhalb des Betriebes und der zum Betrieb gehörigen Familien einzu- fetzen. Wie eng heute die Bindung der Familien der Gefolgschaft an den Betrieb selbst ist, zeigt in einem anderen Kreis ein Fall, in dem sich die Frauen der Meister und Angestellten eines großen Werkes zur Arbeit in der Produktion zur Verfügung gestellt haben. Hier wird mit Lust und Liebe eine Arbeit angepackt, die in den meisten Fällen fremd und neuartig ist, die aber als vordringliche kriegswirtschaftliche Arbeit geleistet werden muß.
Haushalthilfe sorgt für Entlastung.
Es ist nicht immer leicht für die verheirateten Frauen und Mütter, zwei Herren zu dienen, d. h., neben ihrer Betriebsarbeit noch den Haushalt zu versorgen. Aber keine der Frauen will hinter den Kameradinnen zurückstehen. Und wo Entlastung geschaffen werden kann, springt der Betrieb freudig ein. So sind in manchem Kreis die Betriebe dazu übergegangen, von sich aus den schaffenden Frauen, besonders den kinderreichen und denjenigen, in deren Haushalt ein Kind oder Familienmitglied erkrankt ist, eine Haushalthilfe zu stellen, die gleich- zeitib mehrere Haushalte betreut, aufräumt, Hausarbeit und Näherei erledigt und den Frauen auch das Einkäufen abnimmt. Diese Einrichtung der Haushalthilfe müßte noch viel mehr bekannt roer den, um Frauen, die durch ihren eigenen Haushalt nicht voll ausgefüllt sind ober älteren und alleinstehenden Frauen, deren Tag mit der Betreuung der eigenen Person nicht sinnvoll ausgefüllt ist, den Weg zu weisen, sich hier helfend zur Verfügung zu stellen. Diese Haushalthelferinnen, die durch die NSV. betreut und ausgebildet werden, sind bezahlte Kräfte, so daß sich vielleicht manche alleinstehende Frau, die natürlich noch über normale Körper kräfte verfügen muß, ihren Lebensunterhalt unabhängig von Verwandten verdienen Fann.
Erleichterungen für werdende Mütter.
Die erste Sorge der Sozialen Betriebsarbeiterin und der Betriebsfrauenwalterin wie auch des Betriebsführers sind die werdenden Mütter, denn die Zukunft des Volkes darf durch die erhöhten Anforderungen, die ein totaler Krieg natur»
bige Widerhall muß jetzt aus den Kreisen der Gießener Volksgenossen selbst kommen. Die Bühne wird ihr Bestes geben, alle Wünsche gehen nun dahin, daß das Publikum dies mit aufgeschlossenen Herzen und Sinnen ent^egeniiimmt. Das Theater der Universitätsstadt. Gießen wirbt darum um jeden Gießener. K. D.
Vornotizen.
Tageskalcnder für Montag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Mazurka". 20 Uhr: Bunter Abend von „KdF." „8 von der Tankstelle froher Laune". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Intermezzo". — Reichstreubund ehemaliger Berufssoldaten: 21 Uhr Standortappell.
Frohe Stunden für unsere Verwundeten.
Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" bereitete im Auftrage des Oberkommandos der Wehrmacht den Verwundeten in unseren Lazaretten wie- herum einige frohe Stunden. Die Programmfolge stand unter dem Motto „Frohsinn in Dichtung und Musik". Die Herren Schmidt-Born (Violine), Hans Joachim Andresen (Bariton) brachten Violinkonzerte von Mozart und Schubert und Gesänge („Wanderlied", „Heimweh") von Schumann und Wolf unter Begleitung der Pianistin Susanne Fischer. Dazwischen trug der Sprecher Carl Freund allerlei Lustiges in Versen und Prosa von Liliencron und Fritz Reuter zur allgemeinen Erheiterung vor. Es waren Stunden künstlerischen Genusses, für welche die Verwundeten dankbar waren. Der Dank des Lazarettes wurde zum Ausdruck gebracht. — Zu Anfang und Ende der Woche erfreute die Kreisfrauenschaft Alsfeld-Lauterbach durch Ueberbringung von Johannis- und Heidelbeeren unsere Verwundeten. Eine Anzahl Zigaretten, vom Gau Hessen-Nassau der NSKOV. gestiftet, mit einigen Spielen und Bonbons wurden außerdem verteilt.
Jugend, BDM., Frauen aus der Stadt ziehen hinaus aufs Land und wollen willig bei der Ernte- arbeit mithelfen. Wenn cs auch am Anfang noch ungeschickte Hände sind, die da zugreifen, so macht das nichts aus. Ein guter Wille hilft schon weiter, und es ist nur von Vorteil, wenn auch die Stadtkinder einmal am eigenen Leibe spüren, welche Last eben auf den Schultern der Bauern liegt, wie mühsam es ist, vom frühen Morgen bis spät in die Nacht hinein zu wirken und zu schaffen. Aber es ruht Segen auf dieser aemeinfamen Arbeit, und schon manche Freundschaft^wurde geschlossen; denn auch der Lauer kennt die Städter nicht immer. Die terinnen, die manchmal noch die alten vertrauten Lieder fingen ...
Im hellen Sonnenschein steht die reife Frucht, noch leuchten roter Mohn und blaue Kornblumen, am Rande der Aecker wuchern Rittersporn, Kamille und Hirtentäschel. Der Wind bewegt leise die gelben Halme, und ein leises Ahnen vom nahen Tode schwingt durch das Feld.
Große Mähmaschinen umfahren die ausgedehnten Aecker und legen die Halme nieder. Dann kommen fleißige Mädchen, nehmen die Frucht, binden sie und legen sie auf die Seite. Dabei erklingt das Lied: Goldne Aehre, du mußt fallen ... Der alte Bauer kommt und stellt die Garben zu Haufen zusammen. Dabei summt er die vertraute Melodie, die er einst in der Schule lernte, mit. Sein Herz i freut sich, daß kein Hagelschlag, kein Unwetter dem Getreide Schaden brachte. Wohl denkt er daran, I daß eigentlich sein Sohn an seiner Stelle stehen müßte,'aber unbeirrt tut er feine Arbeit. „Hoffentlich ifts im nächsten Jahr so weit, daß er hier wieder schalten Fanri", denFt er still bei sich ...
Die Erntearbeit ist nicht leicht. Die Bauern müs- frei willigen Helfer aber werden noch oft an die Erntetage zurückdenFen. Jedes Stück Brot, das sie essen, wird sie an die heißen Tage erinnern, und es wird ihnen heilig sein.
Und wenn die Frucht geschrritten ift, wenn der Wind über die Stoppeln weht, kommen die Kinder und lesen die Aehren, denn es soll ja nichts umkommen. Jedes Körnchen ist wertvoll, nichts darf verlorengehen von der Gottesgabe. Schätzen kann man nicht, was auf diese Art gesammelt wird. Mancher kinderreiche Hausvater, der selbst keine Aecker besitzt, kann schon eine ganz schöne Zeit die Dreschmaschine laufen lassen, um all die Aehren- bündel feiner fleißigen Kinder auszudreschen, und gar viel Säcke werden so gefüllt. Im Aehrenlesen steckt die Ehrfurcht vor dem Brot, der alte Volksglaube, daß man das Getreide wie etwas Heiliges verehren soll.
Nicht so bei unfern Feinden, die gerade in dieser Zeit durch Abwerfen von Brandplättchen immer wieder versuchten, auf den Getreidefeldern größere Brände zu entfachen. Aber die Landbevölkerung hält gute Wacht. Die schändliche Tat der englischen Flieger, uns unser täglich Brot zu rauben und uns so durch Hunger zu bezwingen, wird erfolglos sein. Jeden Morgen werden unsere Felder von Beaus-


