Aus der Giadt Gießen.
Aus der Schule geplaudert.
Diele Menschen werden sich oft und gern an ihre Schulzeit erinnern. Waren es doch Jahre, die man im späteren Leben als die schönsten ansieht! Selbst die unangenehmen Selten wie Hausaulgnven, Klassenarbeiten und Zeugnisse haben im Lauf der Jahre einen Schimmer des Schönen ab bekomm en, eben jenen Schimmer, der der Jugend und dem Um wiÄerbringlichen anhaftet. Bei vielen Mitmenschen aber bleiben vor allen Dingen^ die heiteren Erlebnisse aus der Schulzeit im Gedächtnis, seien sie nun mit einem Lehrer oder mit Klassenkameraden ver- knüpft. Da kann wohl jeder eine Geschichte erzählen, und besonders Väter berichten gern ihren Kindern Heldentaten, die sie verrichtet haben. Es ist gut, daß in den meisten Fällen eine Nachprüfung nicht mehr möglich ist! Auch in dem Fall, wenn ein Kind mit einer schlechten Note nach Hause kommt und die Mutter sagt: „Ja, i ch habe niemals eine 4 geschrieben, immer nur Einer!"
Merkwürdigerweise ist ein Lehrer oft eine komische Figur für die Kinder, oder wirken wir Er- wachsene am Ende immer so auf sie? Sie erspähen mit Luchsaugen jede kleinste menschliche Schwäche, sei es eine innere oder äußere. Wahrscheinlich ist es gar keine Boshaftigkeit, sondern eine Art Notwehr: sie wollen durch Herabsetzen die Größe des ihnen überlegenen Lehrers mildern und ihrer eigenen Kleinheit näherbringen. Noch näher dürfte aber wohl der Annahme liegen, daß die Kleinen in ihrer unverfälschten Urwüchsigkeit des Denkens und Empfindens die Dinge schonungslos so benennen, wie sie sich ihren Augen darbieten.
Nun will ich einiges in Wahrheit „aus der Schule plaudern", was ich mir zufällig aus der Schulzeit meiner Tochter gemerkt habe. In ihrem zweiten Schuljahr kommt Brigitte an Fastnacht ganz entrüstet nach Hause: „Mutti! Wir haben Aufgaben aufgekriegt! Ich (kopfschüttelnd) weiß nicht, unser Lehrer!? Ich glaube, aus dem wird nichts!" Ein andermal haben sie ein deutsches Diktat geschrieben. Brigitte erzählt kichernd: „Der Lehrer sagt immer ,gröser', und es heißt doch ,größer', und dann sagt er noch /ich spreche euch doch immer alles so deutlich vor'!"
In der Turnstunde hat die Lehrerin bemerkt, daß es unter diesen großen Mädels noch Daumenlutscher gibt. Nun müssen sie alle — mit dem Daumen in dem Munde — aneinander vorbeimarschieren: sie sollen mal selbst sehen, w i e häßlich das aussieht. „Mutti, das war ja prima! Was haben wir gelacht!"
Von einer Mitschülerin, deren gute Noten überraschen, wird gesagt: „Die ist nicht dumm, die ist nur blöd!" Der Lehrer will ihnen eines Tages klarmachen, wie wichtig die Glieder für den Menschen sind. Er schildert einen Bauer, der seine rechte Hand verloren hat und nun einen Ersatz anschnallt, um „die Gabel zu halten". Ein Kind meldet sich und fragt verwundert: „Warum ißt er denn nicht mit der linken Hand?" Lehrer: „Ja, ißt er denn mit der Mistgabel?" Bei den Kindern ist das Essen eben wichtiger als das Arbeiten! Wie schnell die Bedeutung längst eingebürgert geglaubter Fremd- 'worte den Kindern verlorengeht, beweisen folgende Beispiele: In einem Aufsatz steht „Der Ritter kam mit heruntergelassen em Revier (Visier!) zum Kampf." Ein ander Mal soll in dem Satz „Er trug ein Bukett in der Hand" das Fremdwort durch ein deutsches ersetzt werden. Die Antwort lautet: „Er trug eine Fahrkarte m der Hand." (Verwechslung mit Bittet!) E. L. St.
Tageskaiendec für Donnerstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Jungens." — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Maria Ilona."
Neue Postwertzeichen
mit dem Kopfbild des Führers.
Vom 1. August ab werden alle Postwertzeichen der Dauermarkenreihe das Kopfbild des Führers tragen. Die neuen Werheichen werden von diesem Tage ab bei allen Postämtern abgegeben. Es werden zu den bisherigen Werten von 1 bis 80 Rpf. noch Marken zu 16 und 24 Rpf. hinzukommen und später Marken zu 1, 2, 3 und 5 RM. Die frühere lOO-Rpf.-Marke wird nicht mehr hergestellt. Der Entwurf der neuen Rpf.-Werte stammt von Professor Klein in München (nach einem Lichtbild des Reichsbildberichterstatters Professor Heinrich Hoffmann). Freimarkenheftchen mit den neuen Wertzeichen erscheinen später. Die einzelnen Marken erhalten folgende Farben: 1 Rpf. grau, 3 Rpf. hellbraun, 4 Rpf. stahlblau, 5 Rpf. grün, 6 Rpf. blauviolett, 8 Rpf. hellrot, 10 Rpf. schwarzbraun, 12 Rpf. dünkelrcu, 15 Rpf. rotbraun, 16 Rpf. blaugrün, 20 Rpf. hellblau, 24 Rpf. gelbbraun, 25 Rpf. dunkelblau, 30 Rpf. olivgrün, 40 Rpf. rotviolett, 50 Rpf. sckwarzgrün, 60 Rpf. bunfelbraurt, 80 Rpf. schwarz- blau.
Obst vor dem Verzehr waschen!
Wenn das erste Obst zu reifen beginnt — Stachelbeeren, Johannisbeeren, Kirschen, Aprikosen und spater das Kernobst — bann besteht bie Gefahr einer Ruhrerkrankung. Diese Krankheit wirb burch bie scharfe Säure unreifen Obstes ober noch grüner Beeren in ihrer Entwicklung begünstigt. Die Ruhr- erreger finben in bem angegriffenen Darm einen günstigen Boben, nachbem sie burch den Munb in das Körperinnere gelangt sinb. Ruhrerreger liegen auf ber Schale bes^Obstes ober bcr Beeren: sie können auch burch Fliegen auf Nahrungsmittel gebracht werben. Man schützt sich gegen bie schmerzhafte und gefährliche Krankheit u. V, indem man keinerlei unausgereiftes Obst genießt und bas reife Obst sowie bie reifen Beeren vor bem Verzehren gründlich wäscht.
Gießener Dochenmarktpreise
* Gießen, 3. Juli. Aus dem heutigen Wochen- markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,80 RM., Matte 30 Rpf., Käse, das Stück 8 bis 9, Kartoffeln, alte, 5 kg 47, gelbe Rüben, das Bund 20 bis 22, Spchat, % kg 10 bis 12, Bohnen, grün, 45 bis 50, Erbsen 35 bis 45, Mischgemüse 14, Tomaten 50, Kirschen 45, Stachelbeeren 25 bis 30, Erdbeeren 40 bis 58, Blumenkohl, das Stück 30 bis 60, Salat 5 bis 12, Oberkohlrabi 10 bis 15, Rettich, bas Bunb 15, Rabieschen 10'Rpf.
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** Stäbtische Bücherei. Im Juni sind 1601 Bänbe ausgeliehen worben. Von biefen Bänden kamen auf Literaturgeschichte 1, Zeitschriften 10, Gebichte und Dramen 14, Erzählenbe Literatur 948, Jugenbschriften 243, Länder- und Völkerkunde 105, Kulturgeschichte 1, Geschichte und Biographien 146, Kunstgeschichte 8, Naturwissenschaft und Technologie 60, Heer- und Seewesen 26, Haus- und Landwirtschaft 6, Religion und Philosophie 9, Staatswissen- schast 14, Sprachwissenschaft 1, Sport 5, Außerdeut- sche Literatur in den Originalsprachen 4 Bände.
Das Gießener Gtadstheater in der Spielzeit 1940/41.
Von Hans Walter Klein, Intendanten des Gießener Stadttheaters.
Am Ende einer Spielzeit heißt es, sich Rechenschaft zu geben über das bisher Erreichte und bas Ziel für bie fommenbe Arbeit adzustecken. Als ich vor einem Jahr die Leitung des Gießener Stadt- theaters übernahm, bekannte ich es als mein künstlerisches Streben, „durch verantwortungsvolle Pflege der drei dramatischen Kunstarten und die Ausrichtung des Spielvlans auf die Ansprüche ber Gesamtbevölkerung, so etwas wie eine Volksbühne im edelsten Sinne des Wortes zu schaffen". Damals stand wohl bas Ziel meiner Tätigkeit für mich fest, aber erst in allmählicher Ergrünbung ber besonderen Gießener Verhältnisse wurde ich mir über den Weg klar, der einzig dazu einzuschlagen war. Ich lernte erkennen, daß einem Leiter des Gießener Stadttheaters wie von selbst drei fundamentale Aufgaben erwuchsen. Die erste und vordringlichste war die, bem Theater, bas seit je zu einer ber besten Provinzbühnen gehörte, sein be- beutenbes künstlerisches Niveau zu erhalten, ja es womöglich noch burch fortgesetzte Leistungssteigerung zu erhöhen. Die mit außerordentlichen Kosten verbundenen bedeutsamen Kunsttaten der Gießener Bühne hatten aber im Sauf der letzten Spieljahre ein ungeheueres etatliches Defizit gezeitigt. Es mußte also ein Mittel gefunden werden, diesem liebel zu steuern, ohne daß doch gleichzeitig unser Stadttheater seinen hervorragenden Platz im Theaterleben des Reiches einbüßte. Wie von selbst beinahe löste sich diese zmeite wirtschaftliche Aufgabe, indem nämlich eine dritte von mir in Angriff genommen wurde, deren Gewichtigkeit von den früheren Jnten- danten immer unterschätzt worden war. Gießen besitzt, wie genügend bekannt, die einzige Bühne des Gebietes Oberhessen.
Einer solchen Vorrangstellung konnte auf bie Dauer nur bann eine Berechtigung zukommen, wenn Gießen sich den daraus erfolgenben Verpflichtungen unterzog. Insoweit die Volksgenossen ber einzelnen umliegenden Städte Gießen nicht selbst zu einem Theaterbesuch auf suchen konnten, mußte bas Stadttheater seine Vorstellungen zu ihnen tragen. Indem ich mit aller Energie und höchstem künstlerischen Verantwortungsbewußtsein biesen Kulturauftrag zu erfüllen strebte, ergab sich von selbst bald eine nochmalige Erweiterung des Spielbereiches über den heimatlichen Bezirk hinaus. Die erfolgreichen, von der auswärtigen Presse eingehend und liebevoll besprochenen Gastvorstellungen machten in Oberhessen von sich reden und wurden deshalb von Kreisdienststellen des weiteren Gaues Frankfurt und der Gaue Bochum und Kassel an gefordert. Vier Abstecherorten des oorigeh Spieljahres mit insgesamt 31 Vorstellungen stehen 11 Orte mit 118 Vorstellungen der gegenwärtigen Spielzeit gegenüber, und es sind bereits für die nächste Spielzeit Gastspielverhandlungen mit weiteren Städten im (Sang. Trotz aller Hemmnisse, die sich aus ber Kriegslage ergaben, wozu vor allem ber ungeheure Personal- und Materialmangel zu rechnen war, bes weiteren die Schwierigkeiten in ber Beschaffung geeigneter Beförderungsmittel, wurden bie auswärtigen Vorstellungen wie die laufenden Mietoorstellungen in Gießen konsequent und mit zähem Festhalten an dem einmal gesteckten künstlerischen Ziel durchgeführt. Auf Grund des wirtschaftlichen Erfolges, der sich aus diesem Gastspielausbau ergab, sah sich ber Oberbürgermeister ber Stadt Gießen, ber in allen Fragen bes Theaters immer wieber eine nicht genug zu rühmende Großzügigkeit befunbete, in ber Lage, die Ganz- jährigkeit der Gießener Bühne auch für ben musikalischen Apparat einzuführen. Was das bedeutet, mag u. a. die Tatsache zeigen, baß nunmehr das 35 Mann zählende Städtische Orchester nicht mehr in ben Ferienmonaten in Bad-Nau- heim spielt, fonbern von unserer Stadt unterhalten werben muß.
Aber auch bie bringenb notmenbige Vergrößerung bes gesamten künstlerischen und technischen Personals konnte erst jetzt burchgeführt werben, so baß im nächsten Jahr bie künstlerischen Pläne ber jetzt abgelaufenen Spielzeit nicht nur fortgesetzt, sondern in bedeutender Weise erweitert werden. Die
O p e r, die sich in dieser Spielzeit bereits mit einem so schwierigen Werk wie „Macht des Schicksals* in einer weithin beachteten Erstaufführung produzieren konnte, wird im nächsten Jahr noch diffizilere Aufgaben in Angriff nehmen; und auch das Schauspiel wird durch Besetzung vieler Fächer, für die das Stadttheater seit Jahren keine Vertreter mehr engagiert hatte, zu Leistungen ganz besonders großen Ausmaßes fähig fein. Wenn bie Oper mit 12 Vorstellungen („Mabame Butterfly") unb bie Operette mit 30 (.Paganini") in biefer Spielzeit führten, so mag bas in erster Linie barin begrünbet liegen, daß die Schwere der Zeit einen größeren Drang nach Entspannung erweckt, ber burch einen musikalischen Kunstgenuß eher befriebigt wirb als burch bas zum gedanklichen Nacherleben aufforbernbe Sprechkunstwerk. In der Absicht der Theaterleitung selbst lag es keineswegs, eine Kunstgattung um ber anderen willen zu vernachlässigen. Die Tatsache, daß solch anspruchsvolle Werke wie Schillers ,Kabale unb Liebe", Goethes „Clavigo", Kleists „Käthchen von Heilbronn", Hymmens „Petersburger Krönung", Hauptmanns „Biberpelz" unb Hol- bergs „Maskerabe" das Gesicht des Spielplans bestimmten unb insgesamt zehn, fast rein literarisch gehaltene Morgenfeiern veranstaltet würben, legt zur Genüge bar, wie sehr mir bie Pflege bes hochwertigen Sprechbramas am Herzen lag. Wenn ich biefe Linie in ber nächsten Spielzeit, trotz ber weit günstigeren Ergebnisse im musikalischen Spiel- plan fortsetze, so steht es nunmehr allein bei Theater- freunben selbst, durch einen lebhafteren Besuch zu oeweisen, ob unb inwieweit sie der anspruchsvolleren Kunstgattung bedürftig sind. Im Schauspiel brachte das Theater überdies sechs Uraufführungen heraus („Goldregen", „Zweimal klopfen", „Ahnenpaß", „Terzinen an die Nacht", „Maskerade" in einer neuen Uebersetzung, Bauernschwänke von Hans Sachs in einer sprachlichen Erneuerung), ein Argument ^mehr dafür, daß wir ständig darauf bedacht waren, den Schauspielplan interessant und einmalig zu gestalten.
Wie stank sich trotz der großen Schwierigkeiten der Kriegszeit unsere Arbeit durchzusetzen wußte, erhellt daraus, daß wir im ganze« 410 Vorstellungen gaben, gegenüber 239 in der, vorigen Spielzeit. Das Publikum ließ sich auch nicht durch die wiederholten Umlegungen der Vorstellungsanfangszeiten verwirren, die aus zwingenden Gründer: vorgenommen werden mußten. Besonderen Widerhall sanden in dieser Spielzeit unsere Aufführungen bei ber Jugend. Der HJ.-Ring des Bannes 116 hat eine bedeutende Erweiterung ' erfahren, und ber Wetzlarer HI.-Bann hat zum erstenmal einen eigenen Ring aufgestellt, der sich für das nächste Spieljahr noch zu vergrößern verspricht. Ein weiterer Beweis für die Qualität der Gießener Theaterarbeit und ihre weitreichende Wirkung sit darin zu sehen, daß viele Mitglieder des Ensembles an meist größere Bühnen des Reiches uberwechseln. Es wurden aber keine Mühen gescheut, für jeden einzelnen der Scheidenden einen zumindest gleichwertigen Ersatz zu schaffen, unb nach langer und vorsichtiger Auswahl ist es uns gelungen, einen hochwertigen neuen Spielkörper für alle drei Kunstgattungen zusammenzustellen, der ben großgeplanten künftigen künstlerischen Aufgaben vollauf gewachsen ist.
So mag dieser kurze Rückblick auf die vergangene Spielzeit beweisen, daß ich meinem Ziel, für Gießen ein ideales Volkstheater zu schaffen, bereits einen bedeutenden Schritt nähergekommen bin. Nicht konnte das heißen, durch richtige Auswahl ber Werke und deren hochwertige künstlerische Darbietung allein alle Bevölkerungsschichten der Stadt zu erfassen, sondern vielmehr der gesamten in Angelegenheiten bes Theaters auf sie angewiesenen Umgebung. Durch richtige Erkenntnis dieses organisch sich aus den hiesigen Verhältnissen ergebenden Kulturauftrages und feiner Ausführung wird unser Theater wesenllich dazu beitragen, den Namen Gießens als den einer aufbau freudigen deutschen Stabt von geistiger unb künstlerischer Regsamkeit weit über bereu Grenzen hinaus zu tragen.
Dis Brandbekämpfung bei Lustangriffen.
Wann greifen Feuerfchutzpolizei bezw. Feuerwehren ein?
Im Rahmen der Kräfte, bie bei einem Luftangriff zur Bekämpfung entftanbener Schäden eingesetzt werden und die unter bem Begriff SHD. (Sicherheits- und Hilfsdienst) zusammengefaßt sind, bilden für die Brandbekämpfung in den Großstädten die Feuerschutzpolizei, in Mittel- unb Klein, städten sowie aus bem Laube bie Freiwilligen Feuerwehren einen wichtigen Bestanbteil.
Die Bevölkerung ist es friedensmäßig gewöhnt, in ben größeren Städten bie Feuerlöschkräste burch die üblichen Feuermelber herbeizurufen. Wer aber diesen Weg während eines Luftangriffes wählen wollte, würde nicht zum Ziel kommen. Sondern in allen derartigen Fällen ist es notwendig, während unb nach einem Fliegeralarm die Schabens- oder Feuermelbung fernmündlich ober durch Melber unter knapper Angabe von Art unb Umfang des Schadens bem zustänbigen Polizeirevier mitzuteilen, damit sich die örtliche Luftschutzleitung ein möglichst zutreffendes Bild von ber Dringlichkeit der Hilfeleistung unb ber Stärke ber hierfür benötigten Einsatzkräfte machen kann. Eine solche Hilfeanforberung ist nur abzugeben, wenn bie Luftschutzgemeinschaft nicht mehr selbst bes Branbes Herr werben kann.
Weber eine Uebertreibung noch eine allgemein gehaltene Anforberung, wie etwa: „Bei uns brennt es, schicken Sie sofort Hilfe!", werden bie örtliche Luftschutzleitung veranlassen können, bem Hilferuf sofort Folge zu leisten. Denn ber örtliche Luftschutzleiter darf nicht wertvolle Kräfte, bie vornehmlich für die Bekämpfung von Großschäden und solchen Schäden bestimmt sind, deren Ausdehnung lebens- unb kriegswichtige Interessen gefährdet, schon bann einsetzen, wenn Schäden geringerer Art gemeldet werden, deren Bekämpfung während des Krieges Aufgabe des Selbstschutzes, des erweiterten Selbstschutzes ober W e r k l u fts chu t - zes ist. Bevor ber örtliche Luftschutzleiter feine Einsatzbefehle geben kann, muß er einen Ueberblick über bie Gesamtlage in seinem Befehlsbereich gewonnen haben. Jnsbefondere muß geklärt fein, ob unb welche sonstigen Schäden vor allem an kriegsober wirtschaftlich wichtigen Betrieben gleichzeitig noch heroorgerufen sinb. Erst bann werden bie verfügbaren Kräfte ganz nach Dringlichkeit zum Einsatz kommen können.
Aus diesem Grunde fällt dem Selbstschutz ber Bevölkerung im Kriege eine wichtige Rolle zu. Er hat die Ausgabe, den Schutz von Wohn- und Geschäftshäusern und kleineren Betrieben zu übernehmen. Die Selbstschutzkräfte müssen aus Grund der erhaltenen Ausbildung und Anweisung, nötigenfalls unter Heranziehung der nachbarlichen Hilfe und anderer geeigneter Personen, bas Menschenmögliche zur Bekämpfung bes Schabens und zur Verhinderung feiner Ausbreitung tun. Erst wenn das Bemühen der Selbstschutzkräfte erfolglos bleibt und noch Einheiten ber Feuerschutzpolizei bzw. Freiwilligen Feuerwehren innerhalb bes SHD. (Sicherheits- und Hllfsdienst) zur Verfügung stehen, können auch diese bei Wöhnungsbränb en ufro. eingesetzt werden.
Es kann daher durchaus der Fall eintreten, baß biefer Einsatz nicht in der im Frieden gewöhnten kurzen Zeit erfolgt. Das ist bann aber kein Grund für Vorwürfe gegen die erwartete Einheit ber Feuerschutzpost; ei ober Freiwilligen Feuerwehr. Vielmehr muß den wohlerwogenen Ueberlegungen des örtlichen Luftschutzleiters Vertrauen entgegengebracht werden. Denn diese Erwägungen allein bieten bie Gewähr, baß bie Feuerlüschkräfte bort Zuerst und in ausreichender Stärke zum Einsatz kommen, wo dies nach Umfang und Bedrohlichkeit des Schadens ober Lebens- bzw. Kriegswichtigkeit bes Objekts am dringendsten nötig ist.
Wenn aber bie Lage bereits zu übersehen ist, wer- ben natürlich auch für bie kleinsten Schadensfälle Hilfskräfte abgestellt. In der bis dahin vergehenden Zwischenzeit muß der Selbstschutz bemüht^ein, zumindest bie Ausbreitung des Schadenfeuers zu verhindern. Wa.
Raubmörder hingerichtet.
Sr??'<,S»anEJurt ”• ?• 2uli. Die Justiz.
Pressestelle Frankfurt a. M. teilt mit: Am 2. Juli 1941 ist ber 29jährige Fribolin Käs hingerichtet worben, ben bas Sonbergericht in Frankfurt a. M. am 3. Juni 1941 wegen Morbes unb schweren Raubes als Gewaltverbrecher zum Tobe verurteilt hat. Käs hat eine 69 Jahre alte allein- stehende Frau ermorbet unb beraubt
Vom Schießsport in der Hitler-Jugend.
Am vergangenen Sonntag fand in Gießen der erste Schietzwartelehrgang bes Bannes Wetterau (116) im Jahre 1941 mit einer umfangreichen Prüfung feinen Abschluß. Dieser Lehrgang, dessen Zweck es war, geeignete Hitler-Jugenb-Führer unter fachmännischer Leitung zu verantwortlichen Leitern ber Schießausbilbung ber deutschen Jugend auszubilden, berührte in abwechslungsreicher Reihenfolge alle den Schießwart intereffierenben Fragen. .
In mehr als achtwöchiger Zeit fanben sich bie von bem Bannfachwart für KK.-Schießen Kamst Heinz Rau ausgesuchten Hitlerjungen jeben Mittwoch abend unb jeben Sonntag morgen auf bem von der Schützengesellschaft 1926 Gießen in banfens- merter Weise zur Verfügung gestellten schönen Walbschießstanb ein, um hier unter ber schon oft bewährten Leitung bes Schießwarts König von ber Schützengesellschaft 1926 eine umfangreiche und grünbliche Ausbilbung mitzumachen. Nachbem sie in bie Fragen ber Waffen- unb Schießlehre eingeweiht unb ihnen bie Anschlags- unb Zielübungen in Fleisch unb Blut übergegangen waren, konnte zu bem langersehnten Schulschießen übergegangen werben, bei bem manch beachtliches Ergebnis „erzielt mürbe. Ganz besonberen Spaß machte es ben Lehrgangsteilnehmern, baß sie auch einmal ihre Kunst im gebrauchsmäßigen Pistolenschießen erproben konnten. Eine vom Bann gestiftete Ehrenscheibe wurde mit ganz befonberer Freube herausgeschossen.
Die am Sonntag abgenommene Prüfung zeigte, baß bie Mühe, bie sich Der Lehrgangsleiter gegeben hatte, nicht umsonst gewesen war. Im Auftrage bes verhinberten Gebietsreferenten nahm ber Bannfachwart bes Bannes 303 (Eschenburg), Oberscharführer M e i n h a r b t, bie Schießwarte-Prüsung ab und konnte zu seiner Freube feststellen, baß alle Teilnehmer bes Lehrganges bie Prüfung bestehen konnten. Der Prüfende wies bie neuen Schießwarte in eindringlicher Weife auf ihre Aufgaben im Schießsport unb bamit in ber Wehrertüchtigung ber beut- scheu Jugenb hin unb sprach bem Leiter bes Lehr-« ganges bie Anerkennung unb ben Dank bes Gebietes für feine vorbilbliche Arbeit aus. Auch bie Hitlerjungen bankten ihrem Ausbilber. Sie treten nun in ihre Einheiten, um das erworbene Wissen auf ihre Kameraben zu übertragen unb um bem kommenden jungen deutschen Schützennachwuchs Vorbild unb Lehrer zu sein.
Bei ben in ben letzten Wochen zum Austrag gekommenen Reichsschießwettkampf um ben Ehrenpreis des Reichsjugendführers rourb^ bei ber Hitler- Jugend bie Nachrichtengefolgschaft 4/116 Heuchelheim mit 1648 Ringen Bannsieger. In ber Gebietswertung steht sie an fünfter Stelle. Bei dem gleichzeitig laufenben Luftgewehr-Reichsschießwettkampf bes Jungvolks würbe bas Fähnlein 2/116 Gießen mit 1035 Ringen Jungbannsieger. In ber Wertung des Gebietes gelang es biefer guten Mannschaft bes Fähnleins 2/116, sich auf den dritten Platz vorzuarbeiten. Der Pimpf Günter A m e n b t (Gießen) steht hier an ber 6. Stelle.
Die Beteiligung sowie bie Ergebnisse waren in biesem Jahr zufriedenstellend. Dies ist ein Beweis dafür, daß die deutsche Jugend begriffen hat, baß bie Wehrertüchtigung eine ber vornehmsten Aufgaben ist unb baß bie Schießausbilbung hier vor allem anberen in ben Dorbergrund gestellt werben muß.
Gießener Ruder-Gesellschast 4877.
An ber Jubiläumsregatta in Frankfurt a.M. am vorigen Sonntag beteiligte sich die Gießener Ruber- Gesellschaft 1877 mit einem Gig-Vierer. Für bas HJ.-Gig-Vierer-Rennen hatten 22 Vereine gemelbet, so baß in fünf Abteilungen gefahren werben mußte. Die G. R.-G. fuhr in ber ersten Abteilung, bie bas erste Rennen am Scuystag ausfuhr. Von vier startenden Booten ging bas ber Gießener als erstes durchs Ziel. Dichtauf folgte ber Schweinfurter Ru- berklud „Franken", mit Abstanb bie Rubergesellschaft „Germania" Frankfurt, am Schluß ber Hei- bclberger Ruberklub. Gießen fuhr in ber Besetzung: Hof, Seim, Schaefer, Göbel,' am Steuer Grüninger. Die Ruber-Gesellschaft Frankfurt-Oberrab hatte ben Gießenern ihr Boot zur Verfügung gestellt. Mit biesem Gigrennen hat bie G. R.-G. 1877 nun 12 Gigboot-Rennen burch ihre Schüler gewonnen unb mit ben 327 Rennbootsiegen bie Zahl ihrer Siege auf 339 erhöht.
Strafkammer Gießen.
Der E. H. in Rodheim v. d. H. hatte sich wegen Diebstahls unb Urkundenfälschung zu verantworten. Er war beschuldigt, im August 1940 und später in Rodheirn v. d. H. aus der Fahrkarteuausgabe- fteile bes Bahnhofs Rodheirn v. d. H., mit dessen Vorsteher er bekannt war, 5 Teilmonatskarten und 14 Arbeiterwochenkarten zur Benutzung der Strecke Rodheirn v. d. H—Frankfurt a. M. und zurück entwendet und fortgesetzt öffentliche Urkunden verfälscht und hiervon Gebrauch gemacht zu haben. Auf 4 der von ihm entro endeten Arbeiterwochenkarten drückte er jeweils Samstags ober Sonntags, wenn er sich allein im Dienstzimmer des Stationsvorstehers befand, den Stempel für bie kommende Woche auf und erweckte so ben Anschein, als seien die Karten ordnungsmäßig ausgegeben worden. Der Angeklagte war aeftänbig. Er wurde dem Antrag^ des Anklagevertreters entsprechend wegen Di^stahls und schwerer Urkundenfälschung zu einer Gesamtgefängnisstrafe von sieben Monaten verurteilt.
Die Anna H. in Gießen war durch Urteil des Amtsgerichts Gießen vom 10. Dezember v. I. wegen Sachhehlerei zu einer Gefängnisstrafe von 7 Monaten verurteilt worden. Sie war beschuldigt, von April bis MiUe Juni/v. I. aus dem Lager einer Firma in Gießen, bei der sie tätig war, fortgesetzt Tafelmargarine, Seife und Käse entwendet zu haben. Gegen dieses Urteil hatte bie Angeklagte Berufung eingelegt. Sie bestritt nach wie vor die Diebstähle. Der Anklagevertreter beantragte ein Jahr Gefängnis. Das Urteil des Amtsgerichts Gießen wurde aufgehoben unb die Angeklagte wegen Sachhehlerei zu acht Monaten Gefängnis verurteilt.
Sd)roeinemarff in Nidda.
(D Nidda, 2. Juli. Der heutige Schweine- markt war mit 168 Ferkeln beschickt. Es kosteten 6 8 Wochen alte Ferkel 15 bis 25 RM, 8 bis
10 Wochen alte 26 bis 35 RM, über 10 Wochen alte 35 bis 45 RM. bas Stück. Das Geschäft verlief schleppenb: es verblieb geringer Ueberftanb.
18000 Mk. Gteuerstrafe.
LPD. Friebderg, 2. Juli. Ms eine Mah- nung an alle die es angeht, gibt bas Finanzamt Cnebberg bekannt, baß ber Apotheker Ernest Wilhelm August Häufel in Bad-Nauheim wegen fortgesetzter S t e u e r h j n t e r z i e h u n g mit einer (8LIV-t.La^,Don insgesamt 18 000 RM rechtskräftig belegt worden ist.


