Donnerstag, 3. Juli 1-41
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19b Jahrgang ÜH56
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Die Vemchtungsschlachl ostwärts Zialystok.
Ein unvorstellbares Chaos und unübersehbare Beute.
DRV. Ausdem Führerhauptquarkier, 2. Juli. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Mehr und mehr ist zu übersehen, daß die V e r - nichtungsschlacht ostwärts Bialystok eine Entscheidung von weltgeschichtlichen Ausmasten gebracht hat. Lin unvorstellbares Lhaos ist über die Sowjetarmeen hereingebrochen, die hier als Stohkeit bereitgestellt waren, um Deutschland in den Rücken zu fallen und die Brandfackel des Bolschewismus nach Europa hineinzutragen. Noch Wochen können vergehen, bis hinter der Front unserer kühn nach Osten vorsiohenden Angriffsver- bände die unermeßliche Zahl an Gefangenen, Kriegsgerät und sonstiger Beute gesammelt und im einzelnen festgestellt fein wird.
Das Bild von der Gröhe der hier wie an den
Oer Wehrmachtbericht.
Aus dem Führerhauptquartier, 2. Juli. (DRB. Funkspruch.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:
Im Osten sind die Operationen gegen die Sow- fet-wehrmacht in zügigem Fortschreiten.
Südlich der Pripset-Sümpfe kam es bei Z l o c z o w zu einer Panzerschlacht, bei der hundert Sowjetpanzer vernichtet wurden. In der Gegend von D u b n o gerieten fowjetrussische Panzerkräfte zwischen unsere als Reserve folgenden rückwärtigen Divisionen und wurden nach zwei- tägigem Kampf ausgerieben. 12 0 Panzer- ka mpfwagen fielen in unfere Hand.
Ein großer Teil der ostwärts Biatystok eingefchlossenen Sowjet-Armeen wurde im Laufe des gestrigen Tages endgültig vernichtet. Von der unermeßlichen Beute konnten bis jetzt etwa 1 00 000Gefangene,400Panzerkampf- wagen und 300 Geschütze gezählt werden.
Wte bereits durch Sondermeldung bekanntgegeben, ist Riga in unserer Hand. Auch Windau wurde gestern beseht.
Im Verein mit den finnischen Verbündeten sind gestern verbände unserer Wehrmacht in Mittel- undRordflnnland zum Angriff über die sowjetrussische Grenze angetreten.
Die deutsche Luftwaffe unterstützte auch gestern die Operationen des Heeres durch ständige Angriffe auf feindliche Truppenansammlungen, Panzerverbände und Vatteriestellungen. Die ostwärts Lemberg, bei Minsk und nach E st l a n d zurückweichenden feindlichen Truppen erlitten durch Luftangriffe f ch w e r e V e r t u st e. Im Rücken des Feindes wurden T r a n s p o r t z ü g e und ein Panzerzug zerstört. Auch im Kampf gegen die bereits erheblich geschwächten bolschewistischen Luftstreitkräfte wurden neue Erfolge erzielt.
Verbände der ungarischen Wehrmacht schlossen sich, von den Karpathenpässen n a ch G a I i- zien vor stoßend, dem deutschen Angriff planmäßig an.
Im Kampf gegen Großbritannien versenkten Unterseeboote im Rordatlantik und westlich Afrika sieben feindliche Handelsschiffe mit zusammen 40200 BRT. Ein weiterer Dampfer wurde im Artilleriegefecht beschädigt. Kampfflugzeuge vernichteten im Seegebiet um England und im Atlantik drei Handelsschiffe mit zusammen 1 1 500 BRT. und beschädigten einen großen Frachter schwer.
Andere Kampfflugzeuge belegten in der letzten Rächt eine Reihe von Häfen an der O st -, S ü d - ost- und Südwestküste Englands mit Bomben schweren Kalibers.
Vor der nord afrikanisch en Küste ver- senkten deutsche und italienische Kampfflugzeuge am 30. Iuni zwei Handelsschiffe und erzielten Bombentreffer auf einem Leichten britischen Kreuzer und zwei Zerstörern. Arn gestrigen Tage vernichteten deutsche Kampf- und Sturzkampfflugzeuge im Hafen von Tobruk zwei Handelsschiffe. Sie zerstörten Lagerhäuser und brachten Flakbatterien des Feindes zum Schweigen.
In der Rächt zum 1. Juli bombardierte ein stärkerer Verband deutscher Kampfflugzeuge abermals den britischen Flottenstützpunkt Alexandria. Ausgedehnte Brände im Hafengebiet und in militärischen Anlagen wurden hervorgerufen
Versuche des Feindes, am Tage die besetzten Gebiete am Kanal onzugreifen, und ein vereinzelter Vorstoß weniger Kampfflugzeuge bis in die Gegend von Hamburg, brachen mit schweren Verlusten für den Feind zusammen. Jagdflugzeuge und Flak- orlillerie schossen fünf, Marineartillerie zwei, ein Vorpostenboot e i n britisches Flugzeug ab Während der Rächt schoß Flakartillerie zwei weitere britische Kampfflugzeuge an der Kanalküste ab.
Kampfhandlungen über dem Reichsgebiet fanden in der letzten Rächt nicht statt.
Hauptmann Balthasar errang am 27.6. sei-
übrigen Frontabschnitten geschlagenen Schlachten ergibt sich daraus, daß für die Zeit vom 22. Juni bis zum 1. Juli schon jetzt 5774 Panzerka mpfwagen, 2330 Geschütze und Flakgeschütze, 4 Panzerzüge, unzählbare Wengen von Wa- schinengewehren und Gewehren als erbeutet oder vernichtet gemeldet worden sind.
Die sowjetrussische Luftwaffe hat im selben Zeitraum 4725 Flugzeuge verloren, davon 1392 im Luftkampf, 112 durch Flakabschuh und 3221 am Boden vernichtet.
Die bisherigen Gefangenenzahten belaufen sich auf mehr als 160 000. Bei der Hartnäckigkeit der sowjetrussischen Verteidigung und den erbitterten Ausbruchsversuchen übersteigen die blutigen Verluste des Feindes die Zahl der Gefangenen um ein Vielfaches. Die eigenen Verluste find im gesamten erfreulich gering.
auf, noch weiter eine Rolle zu spielen: die ostwärts dieser Stadt eingeschlossenen Sowjetarmeen sind im Verlauf des 1. Juli zum großen Teil vernichtet worden. Das Schicksal „mehrerer Divisionen im Raum nördlich von Kowno am 26. Juni hat sich hier in sehr viel größerem Maßstab wiederholt. Ein unvorstellbares Chaos ist über die hier zum Angriff auf Deutschland bereitgestellten Sowjetarmeen hereingebrochen. Der Stoßkeil ist zerschmettert, und eine unermeßliche Beute an Gefangenen und Material türmt sich vor den siegreichen deutschen Truppen.
Ebenso ist die Schlacht im Festungsdreieck L u ck—D u b n o—R owno abgeschlossen. Die Sondermeldung 10 vom Sonntag berichtete bereits, daß sich deutsche Panzerdivisionen über Luck nach Osten Vorwärtskämpfen. Der Feind führte aus der Tiefe immer neue Kräfte heran. Schon damals hieß es: „Die blutigen Verluste des Gegners sind ungeheuer. Zahlreiche feindliche Panzerkraftwagen wurden vernichtet. Allein in den Kämpfen um Dubno wurden 215 Panzerkraftwagen, viele Geschütze, darunter 42 schwerste, erbeutet." Die Sowjetführung weiß, daß dieses Festungsdreieck Luck—Dubno—Rowno die Schwelle von Südrußland ist. Sie hat zum Gegenangriff angesetzt. Die am Sonntag verzeichnete Panzerschlacht fand in den ersten Tagen dieser Woche ihre Fortsetzung. Das Ergebnis ist, daß die sowjetrussischen Panzerkräfte ausgerieben wurden, die sich zwischen unsere erste Linie und den Divisionen einschieben wollten, die als Reserve folgten. Bei Dubno selbst fielen 120 Panzerkraftwagen in unsere Hand. Südlich davon und östlich von Lemberg kam es zu einer weiteren Panzerschlacht bei dem Judenstädtchen Z l o c z o w , nahe der Zlota Oipa. Man darf vermuten, daß hier Sowjet-Panzerregimenter ihren von Lemberg her auf dem Ruckzug befindlichen Truppen eine Entlastung bringen wollten; das Ergebnis war die Vernichtung von weiteren 100 Sowjetpanzern, so daß südlich der Pripjet-Sümpfe insgesamt 220 Sowjetpanzer zerstört oder erbeutet wurden. Die Zlota Lipa ist ein Nebenfluß des Dujestr. Sie bildet eine wichtige strategische Verteidigungslinie. Der hier am 27. August 1915 erfolgte Durchbruch der deutschen Südarmee zwang die Russen zur Zurücknahme ihrer Front in 250 Kilometer Ausdehnung.
Wichtig ist die Hervorhebung, daß die deutsche Luftwaffe neue Erfolge „gegen die bereits erheblich geschwächten bolschewistischen Luftstreitkräfte" erzielt hat. Versenkungen von sieben Handelsschiffen mit 40 200 BRT. im Nordatlantik und westlich Afrika durch U-Boote und von drei Handelsschiften mit 11 300 BRT. durch Kampfflugzeuge im Atlantik gehören in dieses umfassende Bild von Nordftnnland über den Atlantik nach Alexandria. Dr. H.
Armee der Wellrevollltion.
Von Carlo von Kügelgen.
Die Bolschewisten sind mit der Losung „Nieder mit dem Kriegr zur Macht gekommen. Die proot- sorische Regierung Kerenski hatte ihnen oorgearbei» tet, indem sie z.B. die Grußpflicht in der Armee aufhob. Aber ihre endgültige Zersetzung gelang doch erst den Bolschewisten. Wer die Horden von der Front in die Heimat strömender Soldaten durch das Land hat ziehen sehen und den Spuren ihrer fürchterlichen Verwüstungen gefolgt ist, kann sich eine Vorstellung davon machen, was ein disziplinloses, zersetztes Heer für eine Macht der Vernichtung ist.-
Sehr bald schlugen die Bolschewisten, die stets aus praktischen Gründen zu jeder Konzession bereit waren, in bezug auf den verhaßten Militarismus in das Gegenteil um und schufen eine bolschewistische Militärmacht mit dem Ziel, „die ganze Welt zu erobern". Ich habe die ersten Zellen dieser bolschewistischen Armee im Sommer 1918 auf den Straßen Petersburgs beobachten können, wo zerlumpte Gestalten mit Stöcken in der Hand marschierten und Ausfälle übten.
In den Bürgerkriegen ist dann die bolschewistische Armee allmählich erstarkt. Doch erst 1928 wurde die allgemeine Wehrpflicht durchgeführt und 1936 mit Anspannung aller Kräfte der Aufbau einer modernen Armee, Flotte und Luftwaffe in Angriff genommen. Seit Jahren bemühte sich die Sowjetregierung, ihre Armee als die stärkste und vollendetste militärische Macht der Welt hinzustellei^ So schrieb z.B. die „Jswestija" (20.9.39): „Die Sowjetarmee und das Sowjetvolk sind einig in ihren Zielen und Aufgaben. Sie haben den brennenden Wunsch, der gesamten geknechteten Menschheit die Befreiung von dem neuen imperialistischen Krieg zu bringen. Wir glauben an den großen Sieg des Kommunismus in der ganzen Welt."
Die „Krasnaja Swesda" vom 21.1. 40 verkündeter „Die Sowjetarmee stellt die bewaffnete Avantgarde der UdSSR, dar, die Stoßbrigade der Weltrevolution!" und die „Leningradskaja Prawda" vom 23.2.41 behauptete: „Die Armee und die Flotte sind treu ihrem Kampfeid und ihrem Schwur, den vollen Triumph des Kommunismus zu erreichen."
Dennoch sind drese Stimmen aus den letzten Jahren noch bescheiden zu nennen gegenüber dem polternden und drohenden Kriegsgeschrei, mit dem die übrige Welt vorher von Moskau aus, namentlich aus Anlaß pompös aufgezogener bolschewistischer Paraden, bedroht wurde. Jedoch nicht die Welt wurde in Angst und Furcht versetzt, sondern die Sowjetregierung selber. Die Folge davon war das Blutbad, dem ein gutes Viertel des Offizierskorps und ein noch weit größerer Teil des höheren Kommandos im Jahre 1937 zum Opfer fiel. Stalin lud Marschall Tuchatschewski, der ihn gerade zur Krönung in London vertreten sollte, mit den übrigen
Narvik. Späterhin war er als Kommandierender im südenglischen Militärbezirk Organisator der englischen Küstenverteidigung.
Ader der Blick darf nickt bei Wavell und Auchin- leck stehenbleiben. Auch Anthony Eden bekommt eine Quittung: Während er bisher England auf wiederholten Reisen im Vorderen Orient politisch repräsentierte, ist diese Aufgabe — der deutsch-türkische Freundschaftsvertrag wirkt sich aus! — dem rüheren Handelsminister Littleton unter Ernennung zum Staatsminister übertragen worden. Diese Ernennungen erfolgten wenige Stunden nach einer anderen Ernennung: der des Generalleutnants Rommel zum General der Panzertruppen. In diesen „Personalien" spiegelt sich auf das augenscheinlichste der Erfolg des Deutschen Afritakorps und der deutschen Truppen auf dem Balkan und auf Kreta wider. Das Widerspiel dieser Ernennungen ist ein knapper, aber erschöpfender Kommentar zu der völligen Umwälzung der politisch-militärischen Machtverhältnisse im östlichen Mittelmeer. Der „Times" ist bei alledem höchst unwohl zumute, und sie versucht, die Betretenheit in der englischen Bevölkerung mit dem Hinweis zu mildern, daß „dieser Enschluß (zur Entsendung Wavells) nur nach reich- kicher Ueberiegung gefaßt sein dürfte, und daß wahrscheinlich nicht alle Gründe der breiten Oeffentlich- feit ersichtlich sind". Sie lüftet auch gleichzeitig einen Zipfel dieses mysteriösen Schleiers, indem sie auf die Wichtigkeit des Kommandos in Indien hinweist. Mit anderen Worte: Das deutsche Ostheer kämpft noch an der Düna und der Beresina, und London fürchtet schon für sein — indisches Kaiserreich.
Wachsamkeit und Bereitschaft.
Das Ergebnis der Kaiserkonferenz in Tokio.
Tokio, 2. Juli. (DNB.) Unter Vorsitz des Tenno fand Mittwochmorgen in Tokio eine Kaiserkonferenz statt, an der sämtliche Mitglieder des Kabinetts unter Führung des Ministerpräsidenten Fürst K o n o y e, und die beiden Generalstabschefs, General S u g i y a m a und Admiral Nagano, teilnahmen. Nach längerer Beratung wurde eine amtliche Erklärung gegeben, aus der sich ergibt, daß für die japanische Außenpolitik wichtige Ent» schlüsse gefaßt worden sind.
Ministerpräsident Fürst K o n o y e sprach sodann über den Rundfunk, wobei er darauf hinwies, daß die allgemeine Weltlage sich täglich mehr und mehr kompliziere. Japan sei jedoch entschlossen, seinen Weg zu gehen und Der traue auf seine Kraft. Er rief die Nation zur (EinigfeU auf und betonte die Notwendigkeit der Moblli» sierung aller Kräfte, die heute nötiger denn je sei.
Der japanische Außenminister Matsuoka gab nach der Konferenz eine Erklärung ab, in der er Japan zur Wachsamkeit und Bereitschaft aufrief. Matsuoka betonte, daß Japan die Entwicklung der Lage mit äußerster Sorgfalt beobachte und, je ernster die Lage sei, um so ruhiger und bestimmter seinen Weg zu gehen entschlossen sei. Die japanische Nation müsse, einig, in allen Schichten, den erhabenen Willen des Tenno. gussühren.
Die Panzerschlacht bei Zloczow.
Gewaltige Verluste
der sowjetischen Panzerwaffe.
Aus den Rückzugsfiraßen der Sowjets
neu 39. und 40., Oberleutnant Leesmann am 30.6. feinen 21. und 22. Cuftfieg.
Bei dem Vorstoß auf Riga zeichnete sich der Kommandeur eines Infanterie-Regiments Oberst Lasch durch persönliche Tapferkeit besonders aus.
*
Der Wehrmachtbericht vom 2. Juli meldet zum elftenmal, daß am 1. Juli Verbände der deutschen Wehrmacht im Verein mit dem finnischen Verbündeten in Nord- und Mittelfinnland zum Angriff über die sowjetrussische Grenze angetreten sind. Hier ist die Bahn und der Kanal, die Petersburg mit Murmansk und dem Weißen Meer verbinden, das nächste Ziel. Derselbe Wehrmachtbericht teilt mit, daß in -der Nacht zum 1. Juli ein stärkerer Verband deutscher Kampfflugzeuge abermals ausgedehnte Brände im Hafengebiet und in militärischen Anlagen des Flottenstützpunktes Alexandria hervorgerufen hat.
Der Weite der Operationen entspricht ihre Intensität. Das haben zunächst die Sowjet- trup.pen zu spüren bekommen. Bialystok Höri
Ueberall liegen die Trümmer umher von der Beschießung sowjetrussischer Panzer und Kraftwagen. (PK.-Wette. — Scherl-M.)
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Die Abberufung Wavells.
Von unserer Berliner Schriftleitung.
Der General Sir Archibald Wavell, bisher englischer Oberkommandierender im Mittleren Orient, ist, wie 'bereits gestern gemeldet, zum Oberkommandierenden in Indien ernannt worden. Sein Nachfolger ist im Mittleren Orient General Sir Claude A u ch i n l e ck. Außerdem wurde der frühere englische Handelsmimster Oliver Littleton zum britischen Staatsminister und Mttglied des Kriegskabinetts ernannt und beauftragt, England im Gesamtbereich des Mittleren Ostens als autoritativer politischer Repräsentant zu vertreten.
General Wavell wurde bereits „teilweise entlastet" d. h. halb abgesagt, als General Cornwall, früher Leiter der britischen Militärmission in Aegypten, zum Kommandierenden an der'libyschen Front ernannt wurde. Etwa gleichzeitig war General Sir Maitland Wilson zum englischen Kommandanten im Vorderen Orient, also vom Suezkanal bis zum Persischen Golf berufen worden In England selbst wird die Ernennung Wavells zum britischen Höchstkommandierenden in Indien jetzt als Kaltstellung empfunden. Wavell hat es verstanden, sich eine starke Popularität bei der breiten Bevölkerung und auch in der Truppe zu sichern, die erst durch die jüngsten Fehlschläge in der Cyrenaika, auf dem Balkan, in Kreta und bei Sollum Abbruch erlitt. Immerhin merkt man aus der englischen Presse
die Empfindung heraus, daß nach der allgemeinen Ansicht Wavell als Sündenbock Churchills nach Indien geschickt wird. Am 9. Februar 1941 hielt noch Churchill eine Lobrede auf Wavell, in der er sagt: ,Lch wagte es, die Aufmerksamkeit General Wavells auf das 7. Kapitel des Matthäus- Evangeliums zu lenken, wo es im 7. Vers heißt: „Bittet, so wird Euch gegeben; suchet, so werdet Ihr finden; klopfet an, und Euch wird aufgetan." Die Nilarmee bat und ihr wurde gegeben; sie suchte und sie fand, sie klopfte an und ihr wurde aufgetan." Seit diesem Lobgesang sind die englischen Lorbeeren im östlichen Mittelmeer verwelkt und nun wird General Wavell wieder „aufgetan". Aber diesmal führt der Weg auf einen „weniger anstrengenden Poften", wie die „Times" jo geschmackvoll sagt.
Wavells Nachfolger auf dem Posten des britischen Oberkommandierenden im Nahen Osten, der 57jährige General Claude Auchinleck, ist dem britischen Publikum nur wenig bekannt. Zum Oberstkommandierenden der britischen Truppen in Indien, auf welchem Posten General Wavell ihn ablöste, wurde er erst Anfang dieses Jahres ernannt au Grund feiner 1904, im Weltkrieg und dann wieder im Jahre 1935 an der stets umkämpften Nordwest- grenze gewonnenen Erfahrungen. In diesem Krieg ist General Auchinleck nur einmal und nicht gerade rühmlich hervorgetreten durch die Aktion gegen


