M.129 Swettes Blaff
Aus der Stadt Gießen.
Sorfotnmer.
Hat der Mai den schönsten Blütenzauber entfacht, so führt uns. der Juni dem Höhepunkt köstlicher Entfaltung entgegen. In diesem .Monat öffnen sich die Rosenknospen, um ihre königliche Pracht zu zeigen, an der wir uns bis zum Herbst erfreuen können. Aus den Anlagen strömt der Wohlgeruch der Jasminbüsche, und von den hohen Bäumen kommt die schwere Süßigkeit des Duftes der Lindenblüten. Es ist ein einziges Jubilieren in Duft und Farbe. Dazu gesellt sich die schwellende Ueppigkeit der Graspolster und Getreidefelder und die romantische Schönheit, die jetzt unseren Wäldern eigen ist.
Mitten in der schönsten Erfüllung aber wendet sich das Blatt. Die sprichwörtliche Redensart, die im alltäglichen Leben soviel wie grundsätzlichen Vandel bedeutet, verdanken mir dem Juni. Denn etwa in der Mitte des Monats wenden sich tat» ächlich die Blätter an den Bäumen, was deutlich
Verdunkelungszeif
3. Juni von 21.37 bis 5.04 Uhr.
Mwiuiin iiMiLmi mim
-eyug kennzeichnet, daß der Höhepunkt erreicht ist. Doch nicht allein dieser Vorgang, ein weit wich- igerer tut es kund: die Sonne erreicht ihren höch- ten Stand in der zweiten Hälfte des Monats. Am !1. Juni begehen wir die Sommersonnenwende.
Der Juni hat die Aufgabe eines Mittlers mischen den Jahreszeiten. Er schenkt uns die ölütenpracht in verschwenderischer Fülle, es ist ihm wch manches von dem Liebreiz lenzlicher Ursprüng- ichkeit eigen, aber er öffnet auch bereits das Tor ! ür den beginnenden sommerlichen Reigen. Warme Wuchtigkeit soll er nach den Wünschen der Bauern ringen, damit die Wachstumskräfte sich üppig ent« alten, ehe die Hitze im Juli und August den Segen des Sommers gar kochen kann. „Juni feucht nd warm, macht den Bauern nicht arm", aller „Vor mhannis (24.) bitt' um Regen, nachher kommt er ngelegen." Im allgemeinen aber ist von diesem lionat, der seinen Namen von der Göttin Juno hat, >i sagen, daß er die erquickende Luft und die ein- rucksvolle Schönheit des Vorsommers zu bescheren »eiß. H. W. Sch.
Dornotizen.
Tageskalender für Dienstag.
Stadttheater: 19.30 bis 22.30 Uhr „Boccaccio". - Gloria-Palast (Seltersweg) : „U-Boote west- Härte". — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Hei- natland".
Staditheater Gießen.
Am heutigen Dienstag wird zum ersten Male die fro^e Operette „Boccaccio" von Franz v. Suppe wiederholt. 32. Dienstag-Miete (letzte Vorstellung ter Dienstag-Miete).
Erwin Guido Kolbenheyer lieft in Gießen.
Vom Goethe-Bund miwb uns geschrieben: Als konderveranftaltung und zum Abschluß des Vortagsprogramms 1940/41 wird der Goethe-Bund Ließen im Rahmen des Gießener Vortrogsringes zu lammen mit der Volksbildungstätte Gießen der jIS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" und der 'Kulturellen Vereinigung am Montag, 9. Juni, eine ßesung des Dichters Erwin Guido ^Kolbenheyer d ingen. Es bedarf keines beionderens Hinweises, iß diese Dichterlesung für unsere Universitäts- hbt von hervorragender Bedeutung ist. Kolben- yers umfangreiches dichterisches Schaffen wurde . nd) die Verleihung des Adlerschildes des Deut- hen Reiches 1938 ausgezeichnet. Der Dichter wird in Schrifttumsfreunden unserer Stadt mit seiner fung ein wertvolles literarisches Erlebnis ver- i itieln.
Gießener Vochenmarklprelse. \
Gießen, 3. Juni. Auf dem heutigen Wdchen- itarft kosteten: Molkereillutter, % kg 1,80 liatte 30 Rpf., Käse das Stück 8 bis 9, Kartoffeln» ite, 5 kg 47, neue' V- kg 25, rote Rüben 10, eoinat 13, Spargel 40 bis 80, Rhabarber 15, Lauch ri, Sellerie 21, Salat 10 bis 20, Radieschen, das k und 10 Rpf.
Gießener Gtadttheater.
Franz von Suppe: „Boccaccio".
Aus der unwahrscheinlich großen Zahl von bereiten, die Franz von Suppe (1820 bis 1895) Moen Quartetten, Symphonien, Ouvertüren („Dich- lei und Bauer") und Liedern geschrieben hat, ist kr „Boccaccio" aus dem Jahre 1879 bis heute dii mit Recht bekannteste und beliebteste geblieben: ti gutes, dankbares Repertoirestück, das immer Dieb er eine Neuinszenierung lohnend macht. Der Erfolg und die Wirkung begründen sich in der ein» htereidjen, liebenswürdig und geschmackvoll melo- diichen Partitur und in der ebenso dezenten wie llmorooUen Art, in der das Libretto von Zell unD ®enee das immerhin delikate und nicht ganz ^verfängliche Thema aus dem großen Stoffkreise h‘ italienischen Renaissance ausgenommen und vor- fragen hat: so nämlich, daß das Werk wie eine Here, in Musik aufgelöste Illustration zum „Deka- Ncrone" wirkt, zu einem Motivreigen aus des qtcaccio weltberühmter Geschichtensammlung. Eines hi galanten Abenteuer des jungen Herrn Giovanni h Florenz wurde hier in einer auch kulturgeschicht- N reizvollen Einkleidung zu neuem Leben erweckt, htem der Dichter, offen und ohne Maske oder wie h selige Harun al Raschid verkleidet und uner- hmt, durch die Straßen seiner reichen und schönen Gtebt wandert, viesfältigen Stoff und galante An- mgen für seine witzigen Geschichten findet und persönlich dabei nicht zu kurz kommt.
‘ l>err Reinhard Lehmann vom Hessischen Lan- ^:beater in Darmstadt als Gast hatte die Spiel- I'itjng; seine Inszenierung war durch eine üppige Ausstattung und bewegte Massenszenen, besonders in ersten und zweiten Akt, gekennzeichnet. Die tierischen Szenenbilder stammten von Herrn Affler. (Die Möbel von dem Ristorante im rsten Akt erschienen für unsere Auffassung ein Btr ig zu neuzeitlich.) Herr A p e l t wirkte, unter» füzt von Herrn Richters Chorführung, am lir.gentenpult; er brachte die vielfach opernhast beit instrumentierte Partitur füllig und schmieg- zum Klingen. Auch die Tanzgruppe, von Jrm- 8^> Trömel geführt, fand Gelegenheit, das Bild
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Wissenschaftler-Besuch in Ungarn.
Prof. .Georg Herzog vertrat die Universität Gießen.
Auf Einladung der ungarischen Regierung sand vom 2. bis 22. Mai eine Ungarn-Reise deutscher Wissenschaftler statt. Die Teilnehmer der Reise wurden namentlich mit den Einrichtungen der ungarischen Universitäten Budapest, Debreczen, Klausenburg und Fünfkirchen bekannt gemacht. Darüber hinaus wurde auch die Pußta und der Plattensee besucht. Die Reise in Ungarn geschah in einem Autobus, unabhängig von der Eisenbahn; diese Art der Reise gewährte den Teilnehmern reiche Möglichkeit, sich auch Land und Leute anzusehen, insbesondere kam man dadurch auch mit den zahlreichen Volksdeutschen Dörfern in Berührung. Allgemein war man erstaunt über die vorzüglichen Einrichtungen der Universitäten und namentlich der medizinischen Institute und Kliniken. So hat z. B. Debreczen ein Universitäts-Hauptgebäude, wie man es kaum in Deutschland findet. Dort sind die Kliniken, weitläufig in einem alten Eichenwald untergebracht und durch unterirdische Gänge verbunden, sehenswert. Besonderen Eindruck machte auf die Teilnehmer die „Bäderstadt Budapest" mit ihren zahlreichen warmen Quellen und ihren vorzüglichen baineologischen Einrichtungen.
Unter den 35 Wissenschaftlern war zur Teilnahme
von der Universität Gießen Professor Georg Herzog, der Leiter des Auslandsamtes der Dozentenschaft an der Universität Gießen^,aufgeforde't worden. Außerhalb des Rahmens der Ungarnreise hielt Professor Herzog am 7. Mai in Budapest vor dem Aerzteverein der hauptstädtischen Krankenhäuser in Budapest einen Vortrag aus dem Gebiet der Geichwulstpathologie.
Im Herbst dieses Jahres wird auf Einladung Deutschlands ein Gegenbesuch ungarischer Wissenschaftler stattfinden. Es ist beabsichtigt, bei dieser Reise die ungarischen Gäste auch in die Universitätsstadt Gießen und in das mit der Gießener medizinischen Fakultät verbundene Bad-Nau- h e i m zu bringen. Wir sind gewiß, daß die ungarischen Gaste in Deutschland eine ebenso große Gastfreundschaft und eine ebensolche herzliche Aufnahme finden werden, wie sie eben unsere deutschen Wissenschaftler in Ungarn genießen konnten. Es gilt, in Krieg und Frieden mit den uns verbündeten und befreundeten Völkern möglichst enge Verbindungen zu unterhalten. Die Wissenschaft ist dabei in kulturpolitischer Hinsicht ein wichtiger Faktor.
Schutz -er Gesundheit bei großer Hitze.
12 beherzigenswerte Gebote.
Das Reichsgesundheitsamt hat folgende Ratschläge über das Verhalten bei großer Hitze zusammen- gestellt:
1. Die Kleidung sei leicht, nicht zu eng anliegend und nach Möglichkeit hell.
2. Der Kopf soll im Freien bei greller Besonnung bedeckt sein.
3. Es ist nicht ratsam, sich zum Braunbrennen stundenlang in die grelle Sonne zu legen. Stets ist stdoch der Kopf vor praller Sonnenbestrahlung zu schützen.
4. Früh und abends kühl abwaschen, nach Möglichkeit duschen ober baden.
5. Beim Baden nicht sofort ins Wasser springen, sondern erst allkühlen. Herz- und Nackengegend vorher naß machen. Vor dem Schwimmen den Kopf ganz untertauchen.
6. Die Nahrung sei flüssigkeitsreich. Kühle und fettarme Speisen sind zu bevorzugen, ebenso Obst und Fruchtsäfte. Alkoholische Getränke sind zu meiden.
7. Verderbliche Nahrungsmittel, vor allem Milch und andere Molkereiprodukte sowie Fleisch, sind kühl und fliegcnfidjer aufzubewahren.
8. Durststillend wirken unter Umständen auch warme Geträn-ke, wie dünner Tee und dünner Kaffee. Unmäßige Flüssigkeitsaufnahme ist in jedem Fall zu vermeiden, da sonst durch großen Schweißausbruch Abnahme der Leistungsfähigkeit eintritt.
9. Die Wohnungen sind nach Möglichkeit durch Vvrziehen der Dorhärrge oder Herunterlassen der
Rolläden vor unmittelbarer Besonnung zu schützen und kühl zu halten. Nachts sind, wenn irgend durchführbar, die Fenster geöffnet zu halten, morgens und abends empfiehlt sich kräftige Durchlüftung der Wohnung.
10. Pflege und Ernährung des Säuglings müssen in heißen Tagen besonders sorgfältig durchgeführt werden. Zu warmes Einpacken ober Betten fördert das Auftreten des sommerlichen Brechdurchfalls. Flaschenkindern Nahrung einschränken. Durst mit allgekochtem Wasser oder leicht gesüßtem, dünnem Tee stillen. Tiermild) verdirbt leicht bei Hitze, deshalb kalt aufbewahren. Vor Verabreichung Nahrung auf Verderbnis prüfen. Säugling öfters, aber nicht kalt oder kühl abwaschen. Im Freien vor der prallen Sonne schützen.
11. Bei Hitzschlag, Sonnenstich ober sonstigem Uellelbefinden Kleider öffnen, damit freie Atmung gesichert wird. Liegt keine Ohnmacht vor, so gebe man dem Kran-ken in kleinen Schlucken Kühles zu trinken. Ratsam ist kalter Kaffee usw. Bei Ohnmacht Kölnisches Wasser riechen lassen. Kühle nasse Tücher auf den Kopf. Falls Atemnot eintritt, künstliche Atmung einleiten und ärztliche Hilfe herbeiholen. Auf jeden Fall den Betroffenen in den Schatten legen.
12. Die Kraftfahrer sollen kein zu rasches Tempo fahren, da durch Hitze und grelle Besonnung die Ausnahme- und Entschlußfähigkeit herabgesetzt sein kann und dadurch das Entstehen von Derkehrs- unfällen erleichtert wird.
pfinMage der deutschen Leibesübungen.
Die Pfingstveranstaltungen des NS -Reichsbundes für Leibesübungen haben großes Interesse und eine sehr gute Beteiligung gefunden. Am ersten Pfingst- feiertag begannen auf den Tennisplätzen hinter dem „Schützenhaus" Einzel- und Doppelwettkämpfe, die am zweiten Feiertag beendet wurden. Im Mittelpunkt des Interesses stand das Fußballspiel VfB.- Reichsbahn — Reichsbahn-Hanau, über das wir im heutigen Sportteil berichten.
Am zweiten Pfingstfeiertaa wurden vormittags auf Oswaldsgarten die Faustballspiele ausgetragen. Auf den Tennisplätzen herrschte gleichfalls reger Betrieb, und auch auf dem Waldsvortplatz, auf dem die Leichtathleten die Vorkämpfe austrugen, herrschte einiges Leben. Neben den Aktiven war besonders die Jugend stark beteiligt. Der VfB., der Mtv. und der Tv. 1846, sowie die Wehrmacht waren dabei vertreten. Die Aktiven trugen Wettkämpfe im Kugelstoßen, Weit- und Hochsprung, sowie im 100-
Meter-Lauf, die Madel der BDM.-Klasse Weit- und Hochsprung und im 75-Meter-Laus, die Männer im Hochsprung, Diskuswerfen, Speerwerfen, Weit- und Dreisprung, Hammerwerfen und Gewichtwer- •fen, sowie im 200-Meter-Lauf aus. Am Nachmittag sand zwischen Mtv. 1. Jugend und Turngemeinde Friedberg 1. Jugend ein Freundschaftsspiel im Handball statt, das 8:8 unentschieden endete.
Kreisleiter Backhaus eröffnete die Veranstaltung des Nachmittags, der auch der Bezirksführer Stein beiwohnte, mit einigen Worten der Begrüßung. Unter Leitung von Jdel Hauck und Karl Reuter führte die Jugend des Mtv. und des Tv. 1846 eine bunte Spielwiese auf. Dann folgte das Fußballspiel Wehrmacht gegen Stadt- mannschast, über das wir ebenfalls im Sportteil berichten.
Während der Spielpause führten die Radfahrer ein Fliegerrennen durch. Im 100-Meter-Lauf der
der Ausführung durch gefällige Bewegungsakzente zu beleben und zu lockern. Die neugewonnene Kostümbildnerin Ruth Lipsert hatte eine reiche und sehr farbenfreudige Gewandausstattung beigesteuert.
Die Titelpartie wurde nicht, wie man es früher meistens hörte, als Hosenrolle gegeben: Herr Neuland war ein darstellerisch gewandter und wandlungsfähiger Boccaccio, der gesanglich den Höhepunkt seiner Leistung im 'italienischen Duett des Schlußaktes erreichte; Lisel Schröter-Beckers als anmutige und 'zierlich singende Fiametta war seine Partnerin. Gabriele Possinke und Gerti Vogt waren die galanten, listigen und streitbaren Eheweiber Beatrice und Isabella. Die komischen Partien vertraten die Herren Kratz als Prinz Pietro, Brunn (Scalza), Heinz Müller (Lam- bertuccio), der sich im Schlußakt den traditionellen Sonderapplaus verdiente, und Hella H e n z k y als Peronella; Herr Burchard sang den Leonetto.
*
Das Haus war am ersten Feiertag nahezu ausverkauft und sehr beifallsfreudig.
Hans Thyriot.
„Ll-Booie westwärts!"
Ein neuer Ufa-Film im Gloria-Palast.
Dieser Film ist mit Unterstützung des Oberkommandos der Kriegsmarine und unter Mitwirkung des Befehlshabers der Unterseeboote, sowie von Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften der U-Bootswafse gedreht worden. Fast in jedem Wehrmachtbericht und in zahlreichen Sondermeldungen ist von den Waffentaten unserer U-Boolsbesatzungen die Rede. Das hören täglich Millionen von Volksgenossen, aber verhältnismäßig wenige können sich einen Begriff davon machen, wie es auf einem U-Boot auf Feindsahrt aussieht und zugeht: wie, viel seemännische Spezialausbildung, wieviel soldatische Tüchtigkeit, welcher Angriffsgeist und Opfer-- sinn, wieviel blitzschnelle Entscheidungsfähigkeit, Geistesgegenwart und Verantwortungsgefühl sich hinter den knappen, sachlich nüchternen Sätzen der
2stehrmachtberichte verbirgt. Der Film ist geeignet, ein lebendiges Bild zu vermitteln: er wirkt wie ein photographierter PK.-Bericht und verbindet die Sad)lid)keit der Seekriegsreportage mit Elementen des aktuellen Spielfilms, wie wir sie etwa im „Wunschkonzert", das auch hier Schule gemacht zu haben scheint, und „lieber alles in der Welt" kennengelernt haben. Ein U-Boot kehrt von Fernfahrt in den Heimathafen zurück. Die Besatzung erhält den wohlverdienten Urlaub. Die dienstliche Geschlossenheit löst und lockert sich für ein paar Tage in den Individualitäten und privaten Schicksalen, Freuden und Sorgen der einzelnen Männer des Bootes. Dann ruft ein eiliger Befehl zu neuem Einsatz. Das Boot läuft wieder aus — gegen Engelland. Noch klingt in jedem einzelnen das perfönlid)c Erlebnis in der Heimat nach. Es gibt eine Ferntrauung an Bord; daheim war nicht mehr Zeit, zum Standesamt zu gehen. Man dekoisimt aber auch eine wenigstens ungefähre Vorstellung sowohl vom ungeheuer komplizierten und technisch verfeinerten Mechanismus der modernen U-Boot-Waffe als aud) von den kaum vergleichbaren Besonderheiten des Kriegsdienstes auf einem U-Boot. Die folgenden Begegnungen mit einer englischen 11= Boo<s-Falle, mit dicken Geleitzügen und britischen Zerstörern ergeben filmisch außerordentlich dramatisch aufgenommene Gefechtsbilder und Momente nervenerregender Spannung, die vom ganzen Theater spürbar miterlebt werden. Das Boot kehrt heil und erfolgreich, wenn auch nicht ohne schmerzliche Verluste zum Stützpunkt zurück, aber die Opfer sind nicht umson't gebracht worden, Angriffsgeist und Einsatzbereitschaft ungebrochen, und die Melodie des England-Liedes klingt wie ein Gelöbnis über den entschwindenden Bildern. Der Spielleiter Günther R i 11 a u und der Kameramann Igor Oberberg haben die 21bsichten des Drehbuches von Georg Zach vortrefflich verwirklicht. Die Darsteller bilden eine fest geschloffene, gut aufeinander abgestimmte und auch 'mit individuellen Zügen ausgestattete Spiel- gemeinschaft. Aus ihr heben sich, ihrem Aufgabengebiet entspreckzend, Herbert Wilk als Kommandant, Josef Sieber als Bootsmann, Heinz Engelmann, E. W. Borchert und Joachim Brenn ecke als Offiziere, von der Mannschaft Herbert Klatt, Willi Rose, Karl John und
Vienrtag,3.Zunil94l
Frauen siegte Lauer (VfB.) in 14,3 Sek., in der BDM.-Klasse, 75 Meter. Zimmer (VfB.) in 9,4 Sek. Im 1000-Meter-Lauf der Männer wurde Becker mit 4:8,7 Min. vor G rahm an n mit 4,26 Min. Sieger. Zlußerdem führten die Männer und die Frauen eine 4 mal 100-Meter-Staffel durch. Im Entscheidungskampf der Leichtathleten wartete Dr. Luh (VfB.-R.) mit 14,93 Meter auf. Turnerinnen des Mtv. führten ein Kastenspringen durch, und die Turnerinnen des Tv. 1846 ein Bar- renturnen mit ungleichen Holmen. Außerdem zeigte eine Riege der Llktiven des Tv. 1846 unter Karl Reuter Barrenübungen, die großen Beifall fanden.
Gewerbelet-fer Heinrich Leßrmund f.
Im 49. Lebensjahr ist am ersten Pfingstfeiertag infolge eines Herzschlages der Gewcrbctehrer an der Gewerblichen Berufsschule, Heinrich Lehr^ mund, verschieden. Der Verewigte stammte ans Gießen, war Sdneinerrneister, niad)te von 1915 bis 1917 den Weltkrieg bei einem Jnfanterie-Reoi- ment mit und wurde 1922 Fachlehrer an der Gewerblichen Berufsschule. Hier hat er sich in erster Linie um die Heranbildung des Nachwuchses des Schreinerhandwerkes besondere Verdienste ermoroen, die eine Anerkennung in seiner Ernennung zu.n Ehrenmitglied der Schreiner-Innung für Gießen und Umgebung fanden. Fast 20 Jahre lang hat er sich in vorbildlicher Weise als Gewerbelehrer betätigt und sich in dieser Zeit die Achtung und das Vertrauen seiner Schüler und die Zufriedenheit' seiner Behörde erworben. Die Gewerbliche Berufsschule verliert in ihm-einen ihrer tüchtigsten Mitarbeiter, die Lehrerschaft einen geschätzten und guten Kameraden.
Seit 1922 gehörte Lehrmund auch der Teckmischen Nothilfe an, von der er für seine Verdienste mit dem Nothelfer-Zeichen in Gold und dem TN.- Ehrenzeichen von 1922 ausgezeichnet wurde. Nach der Mad)tübernahmc sind unter seiner Anleitung eine große Anzahl Brückenmodelle entstanden, b;c die TN. verschiedentlich ausgestellt hat. Einiae Zeit war er Führer des Luftschutzdienstes der TN., zuletzt Führer des Bereitschaftsdienstes im Rango eines Gemeinschaftsführers. Im Juli 1940 meldete er sich freiwillig zum Einsatz an der Front, und er wurde als Zugführer der TN. und Dauleiter mit Brückenbauten in Frankreich betraut, wofür er mit dem Kriegsverdienstkreuz 11. Klasse mit Schwertern, ausgezeichnet wurde. Nach seiner Rückkehr in die Heimat wurde ihm für feinen Einsatz 011 dieser Stelle auch das Luftschutz-Ehrenzeichen II. Stufe verliehen.
Der Verstorbene war eine Zeit auch Blockwalter der NSV., Ortsgruppe Gießen-Süd, und wurde Werkstattleiter für den Segelfluazeugbau des NS.- Fliegerkorps. Das Ableben dieses fleißigen und tatkräftigen Lehrers und Menschen wird in weiten Bevölkerungskreisen bedauert.
Oie neue Fleischration in den Gaststätten
Der Leiter der W'rtischaftsgruppe Gaststätten- und Beherbungsgewerbe hat eine Anordnung erlassen, die die Folgerungen aus der neuen Fleischralion für die ©aftjtätten zieht. An den beiden fleischlosen Tagen in der Woche ändert sich nichts. Jedoch wird das Anbieten von Gerichten für 15Q Gramm Fleischmarken grundsätzlich verboten. Ferner soll das 50-Gramm-Gericht mehr als bisher durchgesetzt werden. Nach der Anordnung dürfen an Fleischgerichten an den einzelnen Tagen nur vier Eintopfoder Tellergerichte angeboten werden, von bemn eines das markenfreie Eintopf- oder Tellergericht sein muß. Don den weiteren drei Gerichten muß ein Gericht für 50 Gramm Fleischmarken angeboten werden. Für die restlichen zwei Fleischgerichte dürfen höchstens je 100 Gramm genommen werden. Betriebe, die außer dem Stammgericht nur ein Eintopf- oder Tellergericht führen, sind von der Führung eines 50-Gramm-GLrichts befreit. Werden! außer dem Stammgericht nur zwei Eintopf- oder Tellergerichte geführt, so muß eins von diesen bei-
Clemens Hasse hervor; Ilse Werner und , Carsta Löck geben zwei sympathische Mädchengestalten, wie sie in diesem Umkreise nicht schien durften. — Im Beiprogramm läuft die vielfältig interessante, neue Wochenschau, die bereits gesondert besprochen wurde. Hans Thyriot.
Dom Pechvogel.
Der „Pechvogel" scheint in der deutschen Sprache früher dagewese'n zu sein als die Bezeichnung „Pech" für Unglück. Man nahm an, daß die Redensart „Pech haben" aus dem Kreise der Vogelfänger stammt, die in der Nähe eines im Käfig gehaltenen Lockvogels ihre mit Pech oder Leim bestrichenen Ruten aufftellten, an denen dann die „Pechvögel", die „auf den Leim gegangen" waren. Heben blieben. Die Vögel hatten bann „Pech an den Federn", auch eine Redensart, mit der man früher Unglück bezeichnete.
Diese Ableitung bleibt aber an der Oberfläche, und wir müssen schon etwas tiefer in mythologische Vorstellungen eindringen. Der Pechvogel ist zugleich der Vogel, der die schwarze Farbe des Unglücks hat, der Rabe. Eine „Rabenbotschaft" ist eine Unglücksbotschaft, und man darf diese Bezeichnung vielleicht auf die Raben Odins zurückführen, die dem Göttervater die Unglücksbotschaften überbrachten. Als „Pechvogel" kann aber auch ein Vogel bezeichnet werden, der Pech an fid) hat und dazu benutzt wird, etwa eine belagerte Stadt in Brand zu stecken. Dieser als „Brander" benutzte Pechvogel wäre also bann mit bem „roten Hahn" verwanbt, der bem Feinde aufs Dach gesetzt wird. Ein Pechvogel ist aber ferner auch der „Vogel-kleb-an" des Grimmschen Märchens, an dem die Töchter des Wirtes, bei dem der Dümmling übernachtet, der Pfarrer, der Küster und die Bauern hängen bleiben. Auch in der Edda gibt es einen solchen Vogel, an dem man Heben bleibt. Diese ursprüngliche Bedeutung hat sich noch in dem Wort „erpicht" erhalten, was eigentlich heißen soll, bas jemand burch etwas festgehalten, gefesselt ist. Der Ausbruck „Pechvogel" unb bann auch „Pech" scheint zuerst in der Studentensprache beliebt geworden und durch sie allmählich in unser Alltagsbeutsch gebracht worben zu sein. C. K.


