konische Rüstungsindustrie reiche nicht zu. Nun sollen die Sowjets nach über drei Monaten Krieg, der ihnen unwiderbringliche Materialverluste eintrug, durch Versprechungen, die in Moskau gemacht werden, gerettet werden. Das ist lächerlich. Denn wie will Moskau diese imaginären Lieferungen nach Moskau bringen? Archangelsk ist im Winter zugefroren und kommt für solche amerikanische Hilfe nicht in Betracht. Der Weg durch das Mittel- meef ist gesperrt. Der Weg über Wladiwostok ist auch nicht gangbar, und der Weg über Iran zum Kaukasus ist nicht in Ordnung. Kürzlich hatten englische und amerikanische Blätter auf die Tatsache aufmerksam gemacht, daß die iranisch-kaukasische Eisenbahn erst noch gebaut werden müßte. Man kann es verstehen, daß der junge Mann Roosevelts in Moskau unter solchen Umständen mit leeren Händen kommt, und Lord Beaverbrook kann ebenfalls den Sowjets keine englische Hilfe versprechen, denn jede englische Hilfeleistung würde ohne weiteres zu einem Sinken der englischen Wehrfähigkeit führen.
Das ist das Dilemma, aus dem diese leichtfertigen und verantwortungslosen Kriegshetzer nicht herauskommen. Wenn die Briten die beispiellose Brutalität hatten, unter dem Grinsen ihrer und der amerikanischen Pressejuden die iran-deutschen Frauen und Kinder von den Flintenweibern Moskaus ausplündern zu lassen, dann kennzeichnet das den Haß, der sich über die einfachsten Regeln des Völkerrechts und des Anstandes hinwegsetzt, aber die Entscheidung bringt das Schwert der Achsenmächte, und wie das zum Leidwesen Roosevelts und seines Anhangs arbeitet, das lehrt die militärische Lage Moskaus und Englands. Denn die Schlacht im Atlantik geht weiter, trotz Roosevelt, und der Triumph der italienischen Luftflotte über englische Schlachtschiffe und Kreuzer beweist am besten, daß wir über die Freiheit der Meere sehr wesentlich mitzubestimmen haben, trotz Roosevelt. E. S.
Die Moskauer Besprechungen
Stockholm, 30. Sept. (Europapreß.) Nähere Einzelheiten über die erste Sitzung der Moskauer Konferenz am Montag wurden Dienstag früh in London bekanntgegeben. In seiner Eröffnungsrede schlug Außenkommissar Molotow die Errichtung von sechs Komitees für Fragen der Marine, der Luftwaffe, der Armee, des Transportwesens, des Kriegsmaterials und für Medikamen- ten,fragen vor. Lord Beaverbrook sprach in seiner Rede von der Hilfe aus Amerika und erklärte, Großbritannien verdanke seine augenblicklich günstige Lage vorwiegend den USA. „Wir sind hier, um zu beweisen, daß wir bereit sind, jedes Opfer zu bringen, um den gemeinsamen Feind zu besiegen. Zeit ist kostbar." Darauf ergriff der Führer der nordamerikanischen Abordnung, Harriman, das Wort und bezeichnete die Anwesenheit der USA.« Mission auf der Konferenz im Hinblick auf den nichtkriegführenden Status der USA. als von größter historischer Bedeutung. Die Amerikaner, so führte Harriman aus, seien mit demselben Ziel wie die Engländer nach Moskau aekommne, nämlich der Sowjetunion in ihrem Kampf gegen Hitler jede nur mögliche Unterstützung zu geben. „Guer Erfolg bedeutet alles für das pordamerikanifche Volk", erklärte Harriman wörtlich. Er sei von seiner Regierung beauftragt worden, der sowjetischen Regierung zu versichern, daß die USA. ,Heute, morgen und solange der Kampf dauert, bis der Sieg gewonnen ist", der Sowjetunion helfen wollen. Daraufhin wurden Mitglieder aus der englischen und nordamerikanischen Delegation für die sechs Komitees ernannt und beauftragt, Tag und Nacht zu arbeiten, um ihre Berichte bis spätestens Freitagvormittag vorlegen zu können. Weiter wird mitgeteilt, daß an der Konferenz Marschall Woroschilow, der britische Botschafter in Moskau, Sir Stckfford Cripps, und der USA.-Botschafter in Moskau, Steinhardt, teilgenommen haben. Lord Beaverbrook und Harriman hatten am Montag eine zweite Unterredung mit Stalin, die, wie in London erklärt wird, dreieinviertel Stunden gedauert hat.
Schweizer Protest in London.
Vern, 30. Sept. (DNB.) Der schweizerische Gesandte in London ist beauftragt worden, unverzüglich Protest gegen die schwere Verletzung des schweizerischen Luftraumes zu erheben, die in der Nacht zum 29. September durch britische Flugzeuge begangen worden ist.
„Mitten in der Neugestaltung Europas."
Dresden, 1. Oktober. (DNB.-Funkfpruch.) Reichswirtschaftsminister Funk sprach am Montag in Dresden auf einer Tagung der Wirtschaftskammer Sachsen in Anwesenheit des Gaulesters und Reichsstatthalters M u t s ch m a n n. Der Minister agte u. a.:
„Wir bewirtschaften heute ein Gebiet vom Nordischen Eismeer bis zum Schwarzen Meer, vom Finnischen Meerbusen bis zum Atlantik. Eine solche Wirtschaftsverwaltung, die es bisher in der Welt noch nicht gegeben hat, kann nicht arbeiten, wenn zentralistisch und bürokratisch verfahren wird. Die Dynamik liegt bei der Wirtschaft des Großdeutschen Reiches, die eine staatlich gelenkte Wirtschaft ist. Wir wissen sehr wohl, wie wichtig es ist, die eigenen Kräfte in der Wirtschaft lebendig werden zu lassen, und sehen deshalb die Wirtschaft dieses großen Raumes als eine Einheit.
Wir wollen keine Weltherrschaft a u s ü b e n, wir wollen mit den anderen Staaten in gerechtem und gesundem Austausch Zusammenarbeiten. Wir müssen aber verlangen, daß sich in der europäischen Wirtschaft die gleichen Grundsätze Geltung verschaffen und alle diese Wirtschaften nach gleichen Gesichtspunkten auf ein gleiches Ziel gerichtet werden, nämlich auf das kontinental-europäische Ziel. Die großen militärischen Erfolge haben die Voraussetzungen für den Neuaufbau Europas geschaffen. Wir sind bereits mitten in dieser Neugestaltung und lassen uns hierbei von niemandem außerhalb des europäischen Kontinents Formen und Wege vorfchreiben."
Reichsminister Funk nahm dann Stellung zu einer Reihe materieller Grundprinzipien, nach denen die deutsche Wirtschaft aufgebaut worden ist. Er unterstrich dabei besonders die Anerkennung des Privateigentums. Mit dem Privateigentum würden auch die private Unternehmerform, die private Initiative und die Eigenverantwortung der Wirtschaft anerkannt, damit ober auch das Privatrisiko. Der Minister wandte sich besonders eindringlich gegen die Auffassung, als ob es in der Gemeinschaft der Wirtschaft im Kriege
überhaupt kein Risiko mehr gebe. Eine solche Auffassung verneine das Leistungsbestreben aller Menschen. Bei höheren Leistungen müsse auch eine höhere Leistungsmöglichkeit gesichert sein.
Weiter behandelte Reichsminister Funk Fraaen der Rohstoffversorgung, der Auftragserteilung, Arbeitseinsatzverhältnisse, Preis- und Geldprobleme und gab hierzu verschiedene Erläuterungen. Er ging besonders auf die Frage der Kriegsfinanzierung ein und wandte sich gegen Auffassungen, Oie behaupteten, man brauche keine Achtung vor dem Geld zu haben: „Geld spielt keine Rolle." Wer dieses Wort in den Mund nehme, müsse als Staatsverbrecher angesehen werden. Das durch notwendige Regierungseinschränkungen auf dem Konsumsektor freigewordene Geld müsse der Kriegs- fiuanzierung restlos dienstbar gemacht werden. Hierbei erwähnte der Reichswirtschaftsminister die notwendig gewordenen Maßnahmen zur Eindämmung der Aktienhausse. Diese Maßnahmen richteten sich nicht gegen echte Kapitalanlage, sondern gegen die Anlage vorübergehend freigesetzter Gelder oder von Kriegsgewinnen, die noch nicht abgeschöpft worden sind, in Aktien, die es nicht unbeschränkt gebe. Dadurch werde eine falsche Bewertung eines bedeutenden Teiles des deutschen Dolksvermögens heroorgerufen, die Renditenverhältnisse würden verwirrt. Außerdem entstehe ein ganz falsches Bild von der Rentabilität der deutschen Wirtschaft. Die Börse müsse funktionierend gehalten werden, weil sie ein sehr wichtiges Instrument der Wirtschaftsführung zur Kriegsfinanzierung darstelle. Die jetzt ergriffenen Maßnahmen würden den Beweis erbringen, daß keine Kriegsgewinne geduldet werden.
Nachdem Reichsminifter Dr. Funk besonders die große Bedeutung der sächsischen Wirtschaft unterstrichen hatte, schloß er seine Ausführungen: „Der nationalsozialistische Staat wird das Wort des Führers wahr machen, daß niemand am Krieg verdienen soll, während draußen an der Front der Soldat sein Leben einsetzt. Der Krieg wird weitere Anforderungen an die Wirtschaft stellen, neue Schwierigkeiten werden auftauchen und gemeistert werden müssen. Wir haben nur das eine Ziel, das ist der Sieg, der für das deutsche Volk eine glückliche Zukunft und ein freies mächtiges Großdeutsches Reich bedeutet."
„Deutschland hat die Initiative."
Bezeichnendes Eingeständnis Ehurchills.
Stockholm, 30. September. (DNB.) „Es ist kein Grund vorhanden, über die beträchtlichen Erfolge Englands vorzeitig zu jubeln",erklärte Churchill heute vor dem Unterhaus. Er habe auch keine zuversichtlichen Prophezeiungen zu machen, da man erwarten müsse, daß die feindliche Kriegsführung auf dem Wasser und in der Luft weiter verstärkt würde.
Er beabsichtige, so sagte Churchill, „weiter das heilsame Verfahren, Schiffsverluste zu verschweigen, fortzusetzen".. Diese Absicht des Kriegsverbrechers Nr. 1 zeigt die s ch w e r e Schockwirkung der Erfolge unserer U-Boote und Luftwaffe im Kampf gegen die britische Versorgungsschiffahrt in den letzten Wochen auf Churchills Nerven. Der ununterbrochenen deutschen Erfolgskette in der Atlantikschlacht weiß Churchill auch fernerhin nichts besseres entgegenzusetzen als seine berüchtigte Methode, die Versenkungsmeldungen weiter im Schubkasten feines Schreibtisches verschwinden zu lassen.
„Wir sind aus dem Abgrund der Gefahr auf ein breiteres Plateau herausgeklettert", sagte Churchill weiter, „und sehen den schwierigen und gefährlichen Weg, den wir gehen müssen, vor uns". Sein einziger Lichtblick ist dabei „die Hilfe, die er von anderer Seite zu erhalten hoffe". Mehr könne er nicht sagen, erklärte Churchill, und begründete die klägliche Jnhaltlostgkeit feiner Worte mit der lächerlichen Ausflucht, ,>das Haus würde ihnt sicherlich einen Vorwurf machen, wenn er aus Unklugheit oder um interessant zu erscheinen, irgend etwas sagen würde, was sich nachträglich als schädlich Herausstellen mürbe . Daß er tatsächlich gar keine Pläne hat, sondern die Initiative der Kriegsführung völlig bei Deutschland liegt, gibt Churchill offen zu, wenn er fagt: „Wir sind vollständig im unklaren darüber, was Deutschland
zu tun beabsichtigt. Es hat die Möglichkeit, das Schwergewicht feines kriegerischen Einsatzes jederzeit zu verlegen. Es hat Divisionen und Waffen genug. Deutschland", so sagt Churchill wörtlich, „hält die Initiative in der Hand. Wir haben nicht die Macht, ihm diese Initiative zu nehmen."
Churchill kam dann auf das für ihn peinliche Thema der Sowjethilfe zu sprechen und meinte, die Sowjetregierung wolle Garantien für monatliche Waffenlieferungen. Man müsse aber bei diesen Lieferungen, so wich er aus, die Zufälle des Krieges berücksichtigen. Es handele sich nämlich nicht nur um die Herstellung von Waffen, es müsse auch der Transport und der Empfang organisiert werden, und es sei durchaus möglich, daß nicht Englands guter Wille und feine Gebefreudigkeit, sondern der Transportier hinderliche Faktor sei. So sagte Churchill und gab damit zu, daß alle die großen Versprechungen über die Sowjethilfe rein illusorisch sind.
Diese bitteren Geständnisse versucht Churchill dadurch zu versüßen, daß er Siegestrompeten über den schmählichen und billigen Streich im Iran bläst und kühn erklärt, ,Haß die Besetzung Irans eine der erfolgreichsten und bestdurchgesührtesten Maßnahmen sei, die England je getroffen habe".
Mer auch diese „große Tat" wird überschattet von den Sorgen vor dem Kommenden. Churchill schloß seine Rede, „er ’önne dem Haus keinerlei Hoffnungen machen und erst recht keine Garantien geben. Der kommende Winter gäbe keine Aussicht darauf, daß der deutsche Druck auf die Sowjetunion abgeschwächt würde. Winter und Nebel brächten neue Gefahren", klagte Churchill, „und neue, sicherlich noch heftigere Kümpfe ständen bevor".
Pegasus und Kasernenhof.
Von Hermann Nlbrich-Hannibal.
Der erste namhafte Dichter des Soldatenstandes, der in die deutsche Literaturgeschichte eingegangen ist, war der im Jahre 1715 geborene Ewald von K l e i st. Sein Leben stellt das älteste und fast auch einzige Vorbild für eine beglückende Einheit der Berufe im Dienste des Apoll und des Mars dar. In Potsdam und Berlin fand Kleist als junger Soldat früh Verbindung zu den bedeutendsten deutschen Dichtern der damaligen Zeit. Er wurde von Gleim und Ramler gefördert und schloß während des Siebenjährigen Krieges eine aufrichtige-Freundschaft mit Lessing. Als er in der Schlacht bei Kunersdorf an der rechten Hand verwundet worden war, nahm er den Degen in die Linke und stürmte weiter, bis ihm Kartätschenkugeln das Bein zerschmetterten. Zwölf Tage nach der Schlacht erlag er seinen Wunden. Seine Werke wurden von Ramler in zwei Sammelbänden herausgegeben.
Ein halbes Jahrhundert später fanden sich Wehrdienst und Dichtkunst wieder in Friedrich Freiherrn d e l a Motte-Fouqus zusammen, dem in Brandenburg geborenen Abkömmling einer französischen Emigrantenfamilie. Er nahm im Jahre 1794 am Rheinfeldzug teil. Einige Jahre später verließ er die Kriegsdienste, um seinen poetischen Neigungen zu leben. Er schrieb die Erzählung „Undine" und den Ritterroman „Der Zauberring". Als jedoch im Jahre 1813 der „Aufruf an mein Volk" erscholl, meldete er sich bei den freiwilligen Jägern und machte den Befreiungskrieg solange mit, bis er sich infolge eines Sturzes in der Schlacht bei Leipzig gezwungen sah, sich wieder ins bürgerliche Leben zurückzuziehen und seine Dichtkunst zu pflegen.
Das traurigste Schicksal war dem genialen Heinrich von Kleist beschieden, einem alten preußischen Offiziersgeschlecht entstammend, das dem Lande achtzehn Generäle gegeben hat. Er nahm als Junker im Potsdamer Garderegiment zu Fuß am Rheinfeldzug teil, verließ jedoch vier Jahre später die Armee und sah nach etlichen Jahren, in denen er die deutsche Dichtung um einige klassische Bühnenwerke bereicherte, keinen anderen Ausweg aus seinem verworrenen Leben als den Selbstmord. Von den übrigen im 18. Jahrhundert geborenen deutschen Dichtern
trugen Adalbert von Chamisso, Joseph Christian Freiherr von Zedlitz und August Graf von P l a - t e n beruflich den bunten Rock. Chamisso war mit Lust und Liebe Soldat. Manche seiner Dichtungen in6 in den Wachtstuben am Potsdamer und Brandenburger Tor in Berlin entstanden. Zedlitz, dessen gesammelte dramatische Werke in vier Bänden erschienen sind, trat sechzehnjährig in das österreichische Husarenregiment Erzherzog Ferdinand ein und zeichnete sich während des Feldzuges 1809 in den Schlachten von Regensburg, Aspern und Wagram aus. Platen, der in einer der unglücklichsten Epochen der deutschen Geschichte viele Vaterlands- und Freiheitslieder in das Volk gerufen hat, war nie ein richtiger Soldat, obwohl er schon mit zehn Jahren in das Kadettenkorps kam. Die dichterische Neigung überwog bei ihm bei weitem die soldatische Haltung.
Die Reihe der im 19. Jahrhundert geborenen Soldatendichter führt Friedrich von Sollet an, der als Leutnant in einer satirischen Novelle >die Auswüchse und Uebelstände des damaligen Offiziersstandes gegeißelt hatte und dafür zu zehnjährigem Festungsarrest verurteilt, aber vom König begnadigt wurde. Seine Zeitgenossen, Friedrich Wilhelm von Hackländer, Ferdinand von Saar und Martin Greis standen nur kurze Zeit beruflich im Wehrdienst. Hackländer hat feiner Soldatenzeit ein freundliches Andenken bewahrt und sie in Werken wie „Bilder aus dem Soldatenleben", „Wachtstuben- abenteuer" und „Soldatengeschichten" geschildert.
Ein besonderer Platz in der Verbindung von Soldaten- und Dichtertum gebührt Detlev von Lilien- c r o n. Gerade sein soldatisches Erleben weckte in ihm den Dichter. Er stand in siebzehn Garnisonen und wurde im österreichischen und im französischen Kriege verwundet. Schweren Herzens nahm er großer Schulden wegen Abschied. Als er nach einem unruhigen Leben in Amerika wieder in die Heimat zurückkam, fand er in einer Kiste ein heiteres Bild aus feiner Soldatenzeit, ergriff einen Bleistift und schrieb sein erstes Gedicht auf die Rückseite des Bildes. Seine erste unter großen Sorgen entstandene Lyriksammlung betitelte er „Adjutantenritte".
Nach ihm hat nur selten jemand Mars und Apoll wieder so harmonisch gehuldigt wie er. Moritz von Egidy gab als Oberstleutnant seine glänzende militärische Laufbahn auf, durch religiöse
Auseinandersetzungen dazu gedrängt. Emil Prinz von Schönaich-Carolath zog den Waffenrock aus, um große Reisen zu unternehmen und dann in Literatur und Landwirtschaft heimisch zu werden. Joseph von Laufs folgte als Artillerie- Hauptmann einem Rufe an das Wiesbadener Hof- theater, um dos Amt des Dramaturgen zu übernehmen. Auch Hans von Zabeltitz, Ernst von W o l z o g e n, Karl Strecker, Georg Freiherr von Ompteda, Rudolf G. Binding und Wilhelm von Scholz gehörten entscheidende Jahre ihres Lebens beruflich dem Heer an. Während die drei ersten freiwillig ausschieden, um sich ungeteilt der Feder zu widmen, sah sich Ompteda infolge eines Sturzes gezwungen, seine militärische Laufbahn aufzugeben. Ernst von Wolzogen ging noch mit 60 Jahren im Weltkrieg als Landwehr- offizier ins Feld. Wilhelm von Scholz schied schon mit 21 Jahren aus dem Heeresdienst, da er ihn unbefriedigt gelassen hatte. „Ich erinnere mich deutlich", schrieb ihm damals Liliencron, ,Haß ich Ihnen sagte: Wenn Sie Offizier würden, müßten Sie die Poesie aufgeben. Entsinnen Sie sich dessen? Beides zusammen ist nicht möglich. Ich wäre nun lieber Offizier geblieben, als die dornenreiche, undankbare Rolle eines ,Poeten' durchzuführen." Als chm Wilhelm von Scholz ein Lichtbild übersandte, antwortete Liliencron: „Natürlich hat mich ihr entzückendes LeutnantsbiD sehr erfreut. Währen Sie ooch Offizier geworden! Es ist so viel amüsanter, Leutnant zu sein als Dichter."
Büchertisch.
— E. G. Kolbenheyer: Gesammelte Werke. Band 5, 6 und 8. Verlag Albert Langen/ Georg Müller, München. — (95.) — Mit den Bänden 5, 6 und 8 ist die Gesamtausgabe der Werke von Erwin Guido Kolbenheyer abgeschlossen. Sie umfaßt, schön in Leinen gebunden, auf gutem Papier gedruckt, acht stattliche Bände mit insgesamt 5264 Seiten und kostet 80 RM. Es ist außerordentlich zu begrüßen, daß der Verlag das Werk, das im Paracelsus-Jahre besondere Aufmerksamkeit verdient, den in den Zeitläuften begründeten Schwierigkeiten zum .Trotz zu Ende geführt hat: damit liegt das gesamte Schaffen eines unserer bedeutend-
Italiens Erfolge imMillelmeer.
Mit Stolz weist die italienische Presse auf die neuen bedeutenden Erfolge hin, die italiemsche Torpedoflieger im Kampf gegen einen britischen Geleitzug erzielten. Dieser großartige Sieg, bei dem nach einwandfreien italienischen Feststellungen drei Kreuzer versenkt, ein Schlachtschiff und acht weitere Einheiten beschädigt und von den Handelsschiffen des Geleitzuges weitere vier Einheiten auf den Meeresgrund geschickt wurden, verdient deshalb besondere Beachtung, weil — wie aus den Einzelschilderungen hervorgeht — das Wetter an sich dem Unternehmen der Briten günstig war. Wenn trotz tiefhängender Wolken und schwerer Dunstschichten die italienischen Flieger ihren Angriffe mit der Zersprengung des Geleitzuges krönen konnten und außerdem der britischen Kriegsmarine erneut empfindliche Verluste zufügten, so spricht diese Tat, wie unzählige andere in diesem Kriege, für den Angriffsgeist der italienischen Flieger, aber auch für den hohen Stand dieser gefährlichen Spezialwaffe, mit der die Engländer im Mittelmeer zu ihrem Leidwesen schon so häufig Bekanntschaft machen mußten.
Die englische Agitation setzt alles daran, die Fik- tion von der britischen Herrschaft über bas Mittelmeer aufrechtzuerhalten. Die Wirklichkeit sieht ganz anders aus. Churchill hat sicherlich nicht die Zähig- feit, den Mut und den Angriffsgeist der italienischen Luftwaffe und der italienischen Marine in Rechnung gestellt, die ihm bei seinen Plänen schon so häufig das Konzept verdorben hat. Es spricht jedenfalls nicht für diese angebliche „britische Herrschaft", wenn General Wavell und andere britische Experten, aber in jüngster Zeit auch amerikanische Fachleute, mit der Ansicht hervortreten, daß man den Kampf ums Mittelmeer aufgeben solle, da er zu hoch bezahlt würde. Darin liegt ein hohes Lob für die italienische Kriegführung, darin liegt aber auch das Eingeständnis, wie schwierig dank des Einsatzes der italienischen Marine und der italienischen Flieger die Lags im Mittelmeer für Großbritannien geworden ist. Es sind zu einem guten Teil Prestigegründe, die Churchill veranlassen, die Frage nach der Rentabilität des Einsatzes nicht zu stellen, um vor der Weltöffentlichkeit den Anspruch zu vertreten, England sei im Mittelmeer jeder Lage gewachsen. Die traditionelle britische Anschauung läßt die italienischen Erfolge nicht zu, deshalb schweigt man in London auch hartnäckig über die schweren Verluste, die England in diesem Raum fortlaufend erleidet.
Es sind ja nicht nur die großen Siege, die Italien- immer wieder im Kampf gegen die englischen Der- binbungsroege — die für Großbritannien immer lebensnotwendiger und damit auch gefährlicher werden — erringt, man darf auch nicht vergessen, daß Stützpunkte wie Malta und selbst Gibraltar vor dem italienischen Angriffsgeist niemals sicher find. Malta fiel gleich zu Beginn des italienischen Kriegseintritts durch die unaufhörlichen Luftangriffe als Stützpunkt völlig aus, und am 24. September konnte das italienische Oberkommando berichten, daß durch den Angriff der Sturmboote auf den Kriegshafen von Gibraltar insgesamt vier große Einheiten der britischen Handelsmarine versenkt wurden, darunter zwei besonders wertvolle Tanker, zu denen am gleichen Tage noch ein dritter Petroleumtanker von 12 000 Tonnen kam, der dem Angriff eines italienischen U-Bootes erlag.
Nimmt man den Beitrag hinzu, den Italien im Kampf um seine nord- und ostafrikanischen Besitzungen leistet, dann erst rundet sich das Bild ab, das Italien, zum Teil gegen eine gewaltige lieber« macht, an seinen gewaltig ausgedehnten Fronten in heldenmütigem Ringen sieht. Auch der Sektor Ostafrika, in dem die Verhältnisse für Italien besonders ungünstig liegen, weil hier die Engländer mit einer wahrhaft erdrückenden Ueberlegenheit an Menschen und Material vorgehen, gehört in das Kapitel des italienischen Ringens um die Freiheit des Mittelmeeres. Wenn einmal die Geschichte der zahllosen Heldentaten, die hier italienische Abteilungen, völlig vom Mutterlande abgeschnitten und auf sich selbst gestellt, geleistet haben, der Öffentlichkeit unterbreitet wird, wird man erkennen, daß gerade dieses heldenmütige Ausharren gegen einen überlegenen Feind in außerordentlichem Maße dazu beigetragen hat, britische Kräfte zu binden, die sonst an anderen Fronten eingesetzt würden.
Italien darf mit Recht stolz sein auf die unzähligen Erfolge, die es im täglichen Kampf gegen das britische Weltreich davongetragen hat, vor allem aber
sten dichterischen Persönlichkeiten geschlossen vor uns; es mag bei difer Gelegenheit daran erinnert werden, daß der Dichter, der u. a. mit dem Adlerschild des Reiches und mit dem Frankfurter Goethe- preis ausgezeichnet wurde, zweimal auch bei uns in Gießen zu Gast gewesen ist und seiner großen Lesergemeinde neue Anhänger zugefuhrt hat. Die früher erschienenen Bände 1, 2, 3, 4 und 7 find seinerzeit ebenfalls an dieser Stelle besprochen worden; in ihnen sammelt sich im wesentlichen Kolben- Heyers episches Werk, in dessen Mitte sich als Kern- und Herzstück die Paracelsus-Trilogie erhebt. Von den neu herausgekommenen Bänden bringt der fünfte die Erzählungen, darunter den Kleinstadtroman „Reps, die Persönlichkeit" und die schöne, dem Goetheschen Genius huldigende „Karlsbader Novelle". Band 6 enthält die Dramen, u. a. „Gregor und Heinrich", „Heroische Leidenschaften" und „Jagt ihn — ein Mensch!" mit den zugehörigem für Kolbenheyers dramaturgische Bemühungen kennzeichnenden Regiebemerkungen; außerdem die verhältnismäßig wenig bekannten Gedichte, von denen wir kürzlich einige Proben in den „Familienblättern brachten. Der letzte (8.) Band endlich sammelt Aufsätze, Vorträge und Reden, die sich mit Philosophie, Aesthetik, Religion, Erziehung, Kultur- polttik und Wirtschaftsfragen befassen; in diesen kleineren Arbeiten spiegeln sich Gedankengänge und Auffassungen, welche das aus dem größeren dichterischen und denkerischen Werke zu gewinnende Bild in manchen Einzelheiten neu beleben und charakteristisch abrunden. Alles in allem bezeichnet die nunmehr abgeschlossene Ausgabe die organische Zusammenfassung einer so vielseitigen wie tiefgreifenden geifttg-künsll e r i sche n Bemühung, die Ernte eines schöpferischen Lebens voll imposanter Fülle der Gesichte, Entwicklungen und Ausdrucksformen. Wenn auch manches in diesem weitschichtigen Werke, wie beispielsweise die Metaphysik der „Bauhütte" (Band 7), kaum zu einer volkstümlich breiten Ausstrahlung gelangen mag, so wird doch in Erzählungen, Gedichten und Dramen, vor allem aber in den großen Romanen um Paracelsus, im „Pausewang", in „Amor Dei“ und im „Gottgelobten Herzen" Kolbenheyer stets zu den vorbildlichen dichterischen Gestaltern der deutschen Gegenwart gehören. In solchem Sinne sei die schöne Ausgabe von Herzen willkommen geheißen und empfohlen. Hans Thyriot<


