Montag, 1. September 1941
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Nr. 20Z Zweites Blatt
Aus der Stadt Gießen.
Don Balkon zu Balkon.
Es ist wahr, er hat eine lange Zeit ziemlich nutz- los da draußen am Hause herumgehangen, der Balkon.
Aber das ist nun vorbei, man weiß jetzt wieder, mtrrum so ein Balkon erfunden wurde und wozu er in Wahrheit da ist. Balkons sind dazu da, daß man daraus Platz nimmt und ein bißchen Familienleben betreibt. Hier, auf dem Balkon, werden Luftbäder genommen, wird Gymnastik betrieben, werden Kartoffeln geschält, hier wird gegessen und getrunken, hier finden Debatten über die Unzulänglichkeit des Wirtschaftsgeldes statt, hier übt sich Vater in Pädagogik, alles auf dem Balkon.
Die Nachbarschaft aber nimmt mit sanftem Interesse Anteil an dem im Freien stattfindenden Familienleben. Nicht aus Neugier, nicht doch, aber teils zwangs-, teils beiläufig. Man hört von Balkon zu Balkon mancherlei, wovon man keine
Verdunkelungszelt
1. September von 20.09 bis 6.29 Uhr.
Ahnung hatte und sonst auch nicht erführe. Daß da drüben im vierten Stock der Junge einen schwachen Magen und eine 6 im Rechnen hat, ja, wer wußte das denn! Doch vor einigen Abenden sprach sich der Vater gehörig darüber aus, zum 101. Male, wie man erfuhr, denn jener beteuerte, er habe das nun schon hundermal gesagt. Wer einen schwachen Magen habe, solle gefälligst nicht vier Portionen Eis hinter- einanderweg essen, sondern das Einmaleins lernen, damit er keine Leibschmerzen und keine 6 im Rechnen habe. Der Junge ist schwach am Magen und im Rechnen — ich bitte Sie, kein Mensch hat das bisher gewußt.
Und das kleine Fräulein da hinten im Eckhaus ist neulich zehn Minuten nach Elf nach Hause gekommen. Davon hätte auch niemand etwas erfahren, aber die Mutter hielt einen längeren Vortrag über diese zehn Minuten. „Als ich so jung war wie du", kam drin vor, und im übrigen erklärte die Mutter, sie habe es gründlich satt, sich immer wieder etwas von verpaßten Straßenbahnen erzählen zu lassen, und 23.10 Uhr sei ein für allemal nicht 23 Uhr, und zu ihrer Zeit hätte ein anständiges junges Mädchen — den Rest konnte man leider nicht hören, irgendwo wurde rücksichtslos ein Lautsprecher angestellt.
Sag einer, was er will, man kommt sich aus solche Weise näher, man lernt sich besser kennen. Wie dieser oder jener Nachbar aussieht, das wußte man wohl, aber man erfährt nun auch einiges aus seinem Leben und darüber, was er von, den kleinen Dingen des Alltags hält. Und -es ist gar nicht abzusehen, was wir noch alles voneinander und übereinander erfahren werden, so von Balkon zu Balkon. H. T.
Dornotizen.
Tageskalender für Montag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Frau Luna". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das große Abenteuer".
Schützt die Ernte
vor Vernichtung durch feindliche Luftangriffe!
Während der Erntezeit und auch später ist damit zu rechnen, daß die feindlichen Flieger auch versuchen werden, durch Abwurf von Brandbomben, Brandplättchen, Phosphorstangen und -stückchen usw. Teile der Ernte zu vernichten oder zu beschädigen. Zum Schutze der Ernte vor solchen Luftangriffsmitteln sind vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Nach Möglichkeit ist der Drusch vom Felde anzustreben. Beim Einfahren geschnittenen Getreides in die Scheune ist darauf zu achten, daß Brandmittel, die sich wegen der Feuchtigkeit noch nicht entzündet zu haben brauchen, nicht in die Scheunen mit eingebracht werden. Beim Lagern gedroschenen Getreides gerät geschüttetes Petreide schwerer in Brand und ist leichter zu löschen. Wo sich eine Sacklagerung nicht vermeiden läßt, sind die eingelagerten Stapel möglichst klein und ausreichend voneinander entfernt anzulegen. Die Felder und Dörfer sind t ständig zu beobachten und — wenn feindliche Heber» fliegungen stattgefunden haben — nach Brandstiftungsmitteln abzusuchen. Die sofortige Bekämpfung der Anfangsbrände ist auch mit den einfachsten Mitteln durchzuführen. Brandbomben, Brandplättchen, Phosphorstangen und Phosphorstückchen roerben sofort mit Sand und Erde bedeckt. Das Anfassen der Phosphorstangen und Phosphorstückchen ist zu vermeiden, da der Phosphor giftig ist und Brandwunden verursacht. Ist ein Brand schon entstanden, so ist seine Ausbreitung mit allen Mitteln zu verhindern. Zur wirksamen Bekämpfung der Brände sind Schaufeln, Spat'en, Feuerpatschen und Transportmittel für Wasser, wie Jauchewagen, Eimer usw. ständig bereitzuhalten. Zur Mithilfe bei den Schutz- und Bekämpfungsmaßnahmen ist jedermann verpflichtet.
Mit KdF. in die Pilze.
Viele Volksgenossen lehnen den Genuß von Pilzen grundsätzlich ab, weil immer wieder Vergiftungen durch Pilze berichtet werden, aber sie begeben sich dabei der Möglichkeit, ihren Mittagsttfch durch eine schmackhafte Speise zu bereichern. Es ist nicht allzu schwer, sich eine gute Kenntnis der Pilze anzueignen. Man schließe sich zunächst einem erfahrenen Pilzkenner an und achte auf seine Belehrung. Ein kleines Studium eines guten Pilzbuches vertiefe die ersten Kenntnisse, und dann erfasse man nur die Pilze, die man wirklich genau kennt. Man achte auch beim Sammeln durch mehrere darauf, daß jeder einzelne Pilz genau von einem guten Kenner betrachtet worden ist und daß nicht etwa Kinder in gutem Glauben einen falschen Pilz unter die guten bringen. Eine genaue Kenntnis der wenigen giftigen Pilze ist ebenfalls notwendig.
Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" bot am Sonntag Gelegenheit zum Erwerben und Vertiefen von Pilzkenntnis durch eine Pilzführung, die Universitätsgarteninspektor i. R. R e h n e l t wieder leitete. Er ließ die Teilnehmer im Schiffenberger Wald Pilze suchen, und an verabredeten Treffpunkten kam man dann zur Belehrung zusammen. Sicher wurden alle Mitwandernden gefördert in ihrem Wissen um die Pilze. Neulinge erwarben ihre ersten Kenntnisse, und manches ungenaue Wissen wurde ergänzt. Leider konnte der kurze Gang,
„Alles für Dich."
Zwei Werbeabende des Theaters der Universitätsstadt Gießen.
Unser Theater geht unter eirfem verpflichtenden neuen Namen und mit einem zum weitaus größten Teil neuen Ensemble in die neue Spielzeit. Das war wohlbegründeter Anlaß, vor allem den neu verpflichteten Mitgliedern unseres Theaters, die ja in der Presse bereits einiges über ihr Woher und Wohin ausgeplaudert haben, Gelegenheit zu geben, sich nun auch in persona den Gießenern zu präsentieren. Das geschah auf die denkbar zwangloseste und — man darf auch sagen auf eine höchst amüsante Weise in Gestalt zweier Werbeabende, die als „Bunter Bilderbogen" vor einem den einzelnen Darbietungen lebhaft interessiert folgenden ausgezeichnet besuchten Hause vorüberzogen. Das Programm hatte Intendant Hans Walter Klein sehr geschmackvoll und vielseitig zusammengestellt. Es liegt in der Natur der Dinge, daß dabei Musik und Tanz im Vordergründe standen. Aber auch das Schauspiel kam zu Wort mit einem Sketsch, der offenbar Original war und auch einen originellen Gedanken heraysstellte. Es wird angesichts der Fülle und Vielfalt der sich überstürzenden Eindrücke niemand von dem Referenten erwarten/ daß er nun heute schon in eine Wertung der Einzelleistungen hineinsteigt. Das muß späteren Betrachtungen Vorbehalten bleiben, denn dazu gehört ja selbstverständlich das Sicheinfügen in ein Ensemble, das Zusammenspiel, und nicht zuletzt ist es auch die Regie, die für die Wertung der Qualität eines Theaters mitspricht. Mit diesen Vorbehalten und auf die Gefahr hin, daß dem Referenten in der Erscheinungen Flucht die eine oder andere entgangen sein könnte, mag nun getrost versucht werden, einiges zu rekapitulieren, was als wesentlicher Eindruck, dieses Abends haften blieb.
„Alles für Dich" hieß das Motto, unter das man diesen fröhlichen Auftakt zur neuen Spielzeit gestellt hatte und so wandte sich nach den Klängen der unter Otto Zöllners Stabführung von unserem Städtischen Orchester klangschön vorgetrage- genen „Tell"-Ouvertüre Rossinis und dem von dem neuen Charakter- und Heldenbariton Hans Lott gesungenen Prolog aus Leoncavallos „Bajazzo" Oberspielleiter Wilhelm Michael Mund in einer humorvoll-witzigen, mit Pointen nicht sparenden und zugleich beschwörenden Ansprache an das liebe Publikum, dem er sein Theater und die neuen Leute, die ihm ihr Gesicht geben werden, in strahlendster Beleuchtung präsentierte und ans Herz legte. Mit der netten Ironisierung des „idealen Theaterbesuchers" hatte er die Lacher schnell auf seiner Seite und wußte sie dann auch für seine mehr praktisch gerichteten Anregungen einzunehmen. Gertrud M e i n e l, die neue Altistin, sang, von Kapellmeister E n t e r l e i n begleitet, eine Arie aus dem „Evangelimann" von Kienzl. Brigitte Dietz bot dann einen orientalischen Tanz. Der neue Operetten- und Spieltenor Hugo Hell»
mers-Hallwegh vereinigte sich mit Chor und Ballett zu einer farbig-bewegten Szene aus der Operette „Zigeunerliebe" von Lehar. Dann übernahm der neue Operettenkomiker Franz Peyer, der auch für die Spielleitung des Abends verantwortlich zeichnete, die Ansage und machte wohlgelaunt und um Stoff niemals verlegen, pikante Konversation. Der lyrische Bariton Ludwig Dru - s ch e l brachte die bekannte Kavatine aus Rossinis „Barbier von Sevilla". Frau Schröter-Bek- k e r s , vom Hause herzlich wieder begrüßt, erfreute mit ihrer schönen Koloraturstimme. Von ihr hörte man in der späteren Programmfolge auch noch zusammen mit Ludwig Druschel ein Duett aus „Boccaccio" von SuppS, von Kapellmeister Hergert begleitet. Der neue Ballettmeister Andreas Volpert zeigte feine Kunst als Solotänzer wie im Duett mit Edith Stoll (in der Tanzgroteske „Faun und Nymphe") und Katja K r ö ck , die auch im Biedermeierkostüm „Münchner Hofballgeschichten" tanzte. Der neue Baßbuffo und Komiker Eberhard Kratz fang das Auftrittslied des Czupan aus dem „Zigeunerbaron" von Strauß, machte sich aber auch als redebeschwingter Ansager, köstlicher Parodist Hans Mosers und sogar in dem schon erwähnten Sketsch des Schauspiels als Mentor seiner Kollegen vielseitig verdient. Eine weitere sinnenfreudige Tanzeinlage bot das Ballett aus Smetanas „Die verkaufte Braut". Herr Gottschalk produzierte sich mit einem Tylophon-Solo und das Orchester beschloß den ersten Teil des Programms mit einer Ballszene von Hellmesberger.
Nach der Pause sang Jossa A b b t den Csardas aus der „Fledermaus" von Strauß. Dann fand der lyrische Tenor Walter E c f y mit zwei Arien aus Verdis „Rigoletto" großen Beifall. Ines R a f f l, die jugendliche Sängerinfoubrette, bot ein Wiener Lied, die neue Salondame Renate Frei- h e n sprach sehr kultiviert zwei Chansons, und die Operettensoubrette Annemarie Schwind sang anmutig und frisch „Heute möcht' ich alle Welt umarmen". Den Beschluß machten der von der Tanzgruppe flott hingelegte Radetzky-Marsch und ein Generalauftritt aller Mitwirkenden, denen das Haus in bester Laune für die Darbietungen dankte.
Der an diesem Abend gezeigte Querschnitt, für den Karl Löffler den aparten Rahmen geschaffen hatte, scheint uns — das darf man wohl als Gesamteindruck und zugleich als summarische Wertung des neuen Ensembles festhalten — die Gewähr dafür zu bieten, daß man mit den neugewonnenen Kräften wird Theater spielen können. So wird eine interessiert mitgehende Besuchergemeinde sich auch in dieser Spielzeit um das Theater der Universitätsstadt Gießen scharen, wie es beste Gießener Tradition ist. Und damit würde der wesentliche Zweck dieses Abends erreicht sein.
Fr. W. Lange.
Stunde mit Heinrich von Kleist.
Zur (Eröffnung der Spielzeit mit dem „Prinzen von Homburg" veranstaltete das Theater am Sonn- tagvormittag in kleinem Kreise eine Stunde mit Heinrich von Kleist. Intendant Klein hieß die Geladenen willkommen und bemerkte, die Ver- anstaltuna solle dazu bienen, einen Einblick in die Arbeitspläne für die neue Spielzeit und die bevorstehende Premiere zu geben; er betonte die volkserhaltende Kraft Kleists und die Aktualität gerade des „Homburg", mit dessen Wiedergabe der Anfang zu einer vorbildlichen Jnszenierungsreihe gemacht werden solle. Der Intendant begrüßte dann den Komponisten der Musik zum „Homburg" und erklärte, diese Stunde sei ein Zeichen dafür, daß es der Theaterleitung mit ihren Aufbauplänen und mit ihrem Bemühen um künstlerische Leistung über den Rahmen des Geschäftstheaters hinaus ernst fei. Der heute versammelte kleine Kreis, so führte der Intendant u. a. aus, möge sich zu einer großen Gemeinde erweitern, die sich von Zeit zu Zeit auch in geselligen Theaterabenden zusammenfinden solle. Mit der Aufforderung an die Zuhörer, sich durch aktive Anteilnahme zum Theater zu bekennen, und mit der Bitte um Vertrauen, das durch Leistungen gerechtfertigt werden werde, schloß der Intendant seine Ansprache.
Oberspielleiter Wilhelm Michael Mund sprach über den Versuch einer Inszenierung aus dem Geiste der Musik. Nach einleitenden Bemerkungen über Wesen und Aufgaben der Regie im allgemeinen gab er einige Hinweise auf seine Inszenierung des „Homburg", die als ein Beitrag zur Kleist- Renaissance gedacht sei. Bei der. Durcharbeitung der zwischen Traumwelt und Tatwelt schwebenden Dichtung sei ihm das Verlangen nach einer Bühnenmusik immer dringlicher geworden, und in Marc Roland habe er einen für die Aufgabe begeisterten Komponisten gefunden. Die Inszenierung wolle durch bedachtsame Straffung alles Geschehen um den Prinzen zentrieren; fern vom Naturalismus,
vom Meiningertum wie vom Expressionismus strebe er einen Stil an, der dem heroischen Pathos unserer Zeit entspreche, der strenge sprachliche Zucht und vorbildliches Zusammenspiel verlange. Nach einem Hinweis auf die höchst lobenswerte Mitarbeit des Bühnenbildners Herrn Löffler begründete Oberspielleiter Mund seine Forderung nach einer Musik zum „Homburg" mit deren Funktion, das Unausgesprochene des Werkes auszudeuten und den Hörer in bie innere Welt der Dichtung einzuführen.
Der Komponist Marc Roland sprach über seine Musik zum „Homburg", ausgehend von der ihn selbst überraschenden Wiederbegegnung mit dem Drama Kleists. Die früher von ihm geschaffene Film-Musik zum „Fridericus Rex" sei ihm eine Vorschulung für die neue, so reizvolle wie schwierige Aufgabe geworden, an deren Lösung, so knapp auch die dafür zür Verfügung gestellte Zeit gewesen sei, keine Note mehr geändert werden solle. Die Musik erstrebe, in einer „totalen Umklammerung" des Schauspiels, als Zwischenakt-Musik, eine Fortführung des gesprochenen Wortes und, ohne Gefährdung des Textes, eine Empfindunassteigerung und einen ununterbrochenen Erlebnis-Ablauf; die Arbeit halte sich, unter bewußtem Verzicht auf moderne Tonwerte, im Stilkreise der Klassik. Herr Roland schloß seine beifällig aufgenommenen Darlegungen mit dem Dank an den Intendanten für die Einladung nach Gießen.
Der Vortrag zweier Sätze aus Beethovens Quartetten F-dur 6p. 18, Nr. 1, und c-moll op. 18, Nr. 4, gespielt von den Herren Kerzisnik, Ein- brodt, Blümers und Schneider vom Städtischen Orchesters, wechselte ab mit Rezitationen aus Kleist: „Prolog", gelesen von Carl Bruno Schmidt, „Brief eines Dichters an einen andern", gelesen von Luise Prasser, und vier Monologe aus „Prinz Friedrich von Homburg", gelesen von Herbert K ö ch l i n g. — hth.
der ja auch immer wieder durch die Belehrung unterbrochen wurde, nicht zu einem Sammeln größeren Umfangs führen, was vielleicht der eine oder andere erhofft hatte. Dazu muß man auch weiter ab von den oieTbegangenen Wegen in den Wald oorstoßen. Universitätsgarteninspektor i. R. Reh - n e 11 ist jedenfalls immer gerne bereit, in Pilzsachen Ratsuchenden feine Belehrung zur Verfügung zu stellen. —ff
Für unsere Verwundeten.
Die NSG. „Kraft durch Freude" veranstaltete im Auftrage des Oberkommandos der Wehrmacht dieser Tage in zwei Lazaretten die Vorführung des KdF.-Films „Die kleine uni) die große Liebe", gleichzeitig wurde dabei die Wochenschau gebracht. Die Vorführung fand bei den verwundeten Kameraden starken Anklang und wurde mit herzlichem Beifall bedankt. — Kreisleiter Backhaus besuchte gemeinsam mit dem Kreisoraanisationswalter der NSV. H o r t i g und dem Kreisbeauftragten für die Derwundetenbetreuung Gravelius die in einem Genesungsheim im Kreise Wetterau unter» gebrachten Verwundeten. Bei diesem Besuch überreichte der Kreisleiter in einer Feierstunde im Speiseraum dem Heim eine reichhaltige Bücherei, für die ein Vertreter der Heimleitung herzlich oankte. Die ausgewählten guten Bücher sind eine Spende der NSV. Bei diesem Besuche wurden die Verwundeten auch noch durch eine Zigaretten, und
Bierspende erfreut. — Eine große Anzahl verwundeter und genesender Kameraden aus den hiesigen Lazaretten folgte einer Einladung der NSKOV.» Kameradschaft Bad-Nauheim zu einem Besuch im dortigen Teichhaus. Nach der Bewirtung mit Kaffee konnten die Kameraden, die aus den verschiedensten Gauen Großdeutschlands stammen, die Bade- und Kuranlagen besichtigen und längere Zeit sich am Teich aufhalten. Die NSV. hatte durch Stiftung von Zigaretten und Getränken die Stunden des Besuchs bereichert. Betreuerinnen von der Frauenschaft waren eifrig bemüht, den Verwundeten und genesenden Kameraden den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.
Die braunen Glücksmänner sind wieder da.
Dom heuttgen Montag ab erscheinen im Straßenbild unserer Städte wieder die braunen Glücksmänner und bieten die Losbriefe der am heuttgen Tage beginnenden Reichslotterie der NSDAP, für nationale Arbeit zum Kauf an. Der Führer hat in einem Aufruf darauf hinqewiefen, das das deutsche Volk gerade in diesem Jahre in einem schweren Kampfe um seine politische und wirtschaftliche Freiheit für die Zukunft steht. Keiner darf daher die Erwartung des Führers, daß sich das ganze deutsche Volk mehr denn je mit freudigem Opfersinn zu diesem großen Hilfswerk bekennt, enttäuschen^
MF.-Bolkstunistagung in Butzbach.
2lm kommenden Sonntag, 7. September, findet in Butzbach eine große Volkstumstagung der NS.» Gemeinschaft „Kraft durch Freude" statt, an der alle /ür die Volkstumsarbeit verantwortlichen Personen aus den Betrieben und Gemeinden teilneh» men .werben. Nach der Eröffnung der Tagung durch den K^reiswart der KdF. Schemel wird festliche Musik überleiten zu einer Ansprache des Kreisleiters .Backhaus. Anschließend werden Kreis- roart Stemel, Reichsmusikreferent Gerhardt, OberstudEmdirektor Philipps und Gausachbearbeiter 13 i n f einführende Vorträge halten, in denen über den Stand der Volkstumsarbeit im Kreise Westerau, über die Volkstumsarbeit im Betrieb und auf dem Lande und über das Dorf- und Hausbuch im Dienste der Volkstumsarbeit berichtet werden soll. Hierauf werden zahlreiche praktische Beispiele üfter die Feiergestaltung im Betrieb (Braun), über den Dorfgem eins cha f t sa b end (Phili.pps), die Liedpflege in der Dorfaemein- schäft (Kelle r')\ den Volkstanz und seine Anwendung im Betrieb und im Dorf (H e ß), die Mufik- pflege in der Oorfgemeinschaft (Brau n), das Laienspiel (P h i lü p p s) folgen.
Giekum-Klein-Linben.
Mit Beginn den. neuen Schuljahres wurden 43 Kinder, 19 Knaben und 24 Mädchen, in die unterste Klasse der hiesigen Volksschule ausgenommen. Sie werden von der Lehrerin, Frl. Lenz, Gießen, unterrichtet.
Der Fuhrmann Georg Engel van hier wurde bei dem Bemühen, sein .scheu gewordenes, vor einen Kastenwagen gespanntes Pferd aufzuhalten, von dem Tier umgerissen unb* von dem Wagen überfahren. Der bedauernswert' Mann erlitt mehrere Rippenbrüche, Kopfverletzungen und anscheinend auch innere Verletzungen. E r mußte der Chirurgischen Klinik zugeführt werden. Sein Befinden- war heute früh den Umständen entsprechend befriedigend.
Gemeindesp^rttag in Gießen-Klein-^inden.
Rund 200 Teilnehmer traten ain gestrigen Sonntagvormittag beim Ortssporttag zum friedlichen Wettkampf auf dem Sportplatz und den Schießständen des Schützenklubs „Roland" an. In zwölf Gruppen wohnten die Teilnehmer zunächst auf dem Sportplatz der Morgenfeier bei. Scharführer Albert Henkel sprach den Fahnenspruch, Gefolgschaftsführer Walter Schmidt erläuterte die Bedeutung eines Gemeindesporttages in der Kriegs.zeit.
Nach der Flaggenhissung traten die Wettkämpfer zu den Hebungen an. Politische Leiter und der Schützenklub „Roland" trugen Schießmettkämpfe aus. Es wurde mit Kleinkaliber auf die Zwölfer- Ringscheibe geschossen. Der Schützenklub „Noland" schoß 436 Ringe, die Polittschen Leiter brachten es auf 400 Ringe, so baß der Ortsgruppenleiter bei der Preisverteilung am Sonntagnachrnittag dem ersteren die Siegerurkunde überreichen konnte. Die drei besten Schützen des „Roland" waren Fritz Konradi mit 52 Ringen, Friedrich Stein mit 51 Ringen und Erwin Kopp mit 48 Ringen; die drei besten Schützen der Politischen Leiter waren Wilhelm Brück mit 50 Ringen, Christian Jung mit 48 Ringen und Ludwig Jung mit 47 Ringen. Die beste Gesamtleistung erzielte der Schütze Fritz K o n r a d i vom „Roland".
Turner und Sportler trugen volkstümliche Dreikämpfe «us, bestehend in Weitsprung, Ball- oder Keulenwurf bzw. Kugelstoßen, und 10t)-Meter- bzw. 75- oder 60-Meter-Lauf. Als Kampfrichter und Bewertungsausschuß waren Mitglieder der NSRL.» Vereine und der Politischen Leiter tätig. (Ein Auszug aus der Siegerliste folgt noch.) Für den Sonn- tagnachmitag hatten die Handballabteilungen des Turnvereins die gleichen i?om benachbarten Heuchelheim zu Freundschaftsspielen eingeladen. Heber den Verlauf berichten wir besonders.
In den späten Nachmittagsstunden konnte Ortsgruppenleiter Pudolf I u n g' die Siegerehrung vornehmen. Er sprach allen Mitarbeitern Dank aus und gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Jugend mit so großem Eifer an der Arbeit gewesen sei. Er gedachte u. a. auch der großen Heldentaten unserer unvergleichlichen Soldaten und würdigte die Verdienste derer, die für Führer, Volk und unser Großdeutsches Reich ihr Leben gelassen haben. Mit der Aufforderung an die Jugend, allzeit in Treue auf dem gestellten Platz die Pflicht zu erfüllen, schloß er feine Ausführungen.
Anschließend nahm Turnkamerad Hermann Rau als Sprecher des Turnvereins und als Beauftragter der Bezirksführung Gießen und des Bereichs XII im NSRL. eine im hiesigen Turnverein erstmalig erfolgte Ehrung eines Turnkameraden vor. Er überreichte dem langjährigen verdienstvollen Vereinsführer Sattlermeister Karl Weiß im Aufttag der Bereichs- und Bezirksführung „in Anerkennung der Verdienste um die Verbreitung der deutschen Leibesübungen und in Würdigung langjähriger und erfolgreicher Mitarbeit an ihren Zielen den Ehrenbrief des NSRL.". Turnkamerad Karl Weiß, gebürtig von Großen-Linden, ist mehrfacher Gau-, Kreis- und Bergfestsieger und u. a auch Sieger auf Deutschen Turnfesten gewesen. Er leitete mit kurzer Hnterbrechung den hiesigen Turnverein feit 1926, nachdem er schon seit 1920 in dem Verein als Vorstandsmitglied mitgearbeitet hatte. Kamerad Weiß dankte für die Auszeichnung und versprach auch weiterhin volle Mitarbeit im NSRL.
Mit dem Gruß an den Führer, unsere siegreiche Wehrmacht und unser Großdeutsches Vaterland schloß der Ortsgruppenleiter dann den Sporttag.
♦* Mieterjubiläen. Am heutigen 1. September 1941 sind 40 Jahre vergangen, seit Frau Lina Zu lauf W w e., geb. ßöber, einer alten Gießener Familie entstammend, ihre Wohnung in der Moltkestraße bezog. — Am heutigen Tage wohnt die Musiklehrerin Frau Schlesier-Altmann seit 30 Jahren in dem Hause Goethestraße 63. Beide Mieterjubiläen sind sowohl für die Mieter als auch für die Vermieter ein ehrendes Zeichen der guten Hausgemeinschaft.
Bei Stockschnupfen
und ähnlichen Beschwerden hat sich das aus Heilpflanzen hergestellte Klosterfrau-Schnupfpulver feit Jahrzehnten ausgezeichnet bewährt. Es wird her- gestellt von der gleichen Firma, die den bekannt guten Klosterfrau-Melissengeist erzeugt.
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