OjlXfpOTt
VfB.-ReickSbahn Gießen.
VfB.-Relchsbahn — VfL. 1860 Marburg 2:4 (1:1).
Das Spiel auf dem Waldsportplatz hielt nicht das, was man sich von ihn versprochen hatte, denn die Grün-Weißen lieferten eine ausgesprochen schwache Partie. Erstmalig spielte Wunderlich wieder im Tor, der allerdings noch nicht ganz aus der Höhe roar; zwei Tore hätte er unbedingt verhindern müssen. Die Verteidigung spielte aufopfernd und hat an der Niederlage keine Schuld. In der Läuferreihe fielen die beiden Außenläufer aus. Der Sturm konnte sich fast nie zu einer einheitlichen Aktion zusammenraffen. Fröhlich hatte einen schwarzen Tag. Die Marburger'kamen mit einer Mannschaft, die besser war und verdient siegte. Die gesamte Hintermannschaft war stabil, die Läuferreihe hatte großen Anteil am Siege. Besonders ragte der Mittelläufer Rueff bervor, der seinen Sturm mit Bällen nur so fütterte. Inst Sturm konnte Adorf als rechter Flügelstürmer besonders gefallen.
Sofort vom Anstoß der Grün-Weißen ergab sich eine gute Torgelegenheit, die aber Fröhlich versiebte. Im Gegenangriff hatten die Gäste sich schön durchgespielt, der scharfe Schuß ging jedoch vom Torpfosten ins Aus. Sehr schnell wurde das Spiel, Fröhlich flankte zu Ziegler, doch dieser schoß frei vor dem Tore stehend darüber. Die Grün-Weißen hatten etwas mehr vom Spiel, doch sah man keine Torschüsse. Ein scharfer Schuß von Ehmann, der immer gefährliche Situationen heroorrief, konnte gerade noch vom Verteidiger auf der Torlinie gestoppt werden., Beide Hintermannschaften hatten reichlich Arbeit, die Angriffe abzuwchren, nach einer Ecke für die Grün-Weißen wurde Koch, der für Marburg spielte, gelegt, und der Freistoß ergab nach 30 Minuten das Führungstor für die Gäste. Sofort vom, Anstoß weg wurde eine weitere Ecke erzielt, die jedoch nichts einbrachte. Rohm nahm eine Vorlage auf und schoß kurz darauf das Ausgleichstor. Bis zur Pause sah man verteiltes Spiel, außer einer Ecke für die Grün-Weißen wurde Zählbares nicht erreicht. Sofort nach der Pause merkte man den Gästen an, daß sie sich etwas vorgenommen hatten. Adorf, der wieselflinke Rechtsaußen, wurde gut bedient und schon mußte sich Wunderlich zum zweitenmal geschlagen bekennen. Die Grün- Weißen versuchten auszugleichen, aber hier war der Pfosten der Retter in der Not. Ziegler traf den Pfosten, Fröhlich gab zu Funk, der den Ball kurz vor dem Tore hoch in die Luft trat. Die Marburger wurden in der Folge überlegen und mancher Angriff mußte von der wachsamen Hintermannschaft der Grün-Weißen gestoppt werden. Im Sturm der Grün-Weißen fehlte Funk, der hinten aushelfen mußte, die wenigen Bälle konnten die Stürmer nicht verwerten, sodaß die Gäste mehr und mehr aufkamen. Der Mittelstürmer der Gäste brachte seine Mannschaft durch scharfen Schuß nochmals in Front, doch konnte Rohm kurz darauf aus Flanke von rechts den zweiten Gegentreffer erzielen. Schon nach Anstoß' ging Adorf durch und setzte den Ball wiederum in die Maschen. Alle Versuche der Grün- Weißen, das Ergebnis zu verbessern, scheiterten an der guten Hintermannschaft der Gäste. Schiedsrichter Nesseldreher (Heuchelheim) leitete das anständig durchgeführte Spiel einwandfrei.
ViV.-Reicksbalm Jugend — Rödgen Jugend 1:1.
Obwohl sich die kleinen Gießener Spieler mit den körperlich weit stärkeren Gästen nicht messen konnten, brachten sie es fertig, ein Unentschieden herauszuholen. Trotz großer Ueberlegenheit der Gäste konnten diese bis zur Halbzeit keinen Erfolg erzielen. Nach dem Wechsel gingen sie in Führung, doch der Ausgleich fiel kurz darauf durch Strafstoß.
Üom Hnhbali.
III. Tschammer-Pokal- Schlußrunde.
Eintracht Frankfurt — Fortuna Düsseldorf 2:3 (1:1); Stuttgarter Kickers — Rapid Wien 1:5 (0:3); Spvg. Fürth — Schalke 04 2:1 (1:0); Union-Oberschöneweide — 1. FC. Nürberg 0:1 (0:0); Dresdner SC. — Rot-Weiß Frankfurt 6:0 (2:0); Schwarz- Weiß Essen — SG. Eschweiler 5:2 (2:1); Wacker Wien — Wiener Svortklub 5:6 (3:1) n. 23.; VfB. Königsberg — BuEV. Danzig 5:1 (1:0).
Süddeutsche Meisterschaftsspiele.
S ü d w e st.
Wormatia Worms — Germania 94 Frankfurt 5:3; SV. Wiesbaden — Union Niederrad 3:3; FK. 03
Pirmasens — 1. FC. Kaiserslautern 4:1; TSG. Bürbach — TSG. 61 Ludwigshafen 0:3; Spvg. Mundenheim — FV. Saarbrücken 1:0; DfR. Frankenthal — FSV. Frankfurt (Ges. Sp.) 2:3.
Hessen.
TSV. 1860 Hanau — Spvg. Langenselbold 2:1; VfB. Groß-Auheim — Dunlop Hanau 6:2; Borussia Fulda — Hanau 93 3:1; Spv. Kassel — SC. 03 Kassel 1:1; Kurhessen Kassel — BC. Sport Kassel 0:2.
Der Start
der Handball-Meisterschaften.
Wenn es cmch keine Ueberraschungen gab, so konnte man doch feststellen, daß die Mannschaften schon bei dell ersten Spielen voll und ganz bei der Sache waren. Es gab scannende, interessante Kämpfe auf der ganzen Linie, und kaum ein ausgesprochener Versager war festzustellen. Aber auch rein spielerisch gesehen kann man zufrieden sein. Die Einheiten haben durch ihren dauernden Einsatz viel gelernt und sind heute soweit, sich mit ihrem ganzen Können gegenüberzustellen. Es würde im Interesse aller Teile liegen, wenn es sich dabei nicht um eine Anfangserscheinung handeln würde, sondern man diese Feststellung auch für die Folge treffen könnte. Es standen sich gegenüber:
Ber ei ch slla ss e:
Tv. Hörnsheim — Dv. Garbenheim 9:6 (6:3)
Tv. Hochelheim — Tv. Lützellinden 11:3 (4:3)
Tv. Kirch-Göns — Tv. Dornholzhausen 13:12 (6:7).
Zwei vollkommen gleichwertige Gegner stießen in Hörnsheim auseinander. Es gab in spielerischer Hinsicht keinen Unterschied. Wenn Hörnsheim trotzdem gewinnen konnte, dann ist das nicht zuletzt dem Vorteil des eigenen Platzes Zuzuschreiben.
Lützellinden hatte seine bekannte junge Mannschaft zur Stelle, die sich aber nur eine Halbzeit halten konnte, zumal die Platzbesitzer sich wieder einmal mehr von ihrer besten Seite zeigten.
Das Spiel in Kirch-Göns erinnerte an frühere Zeiten. Hier standen sich zwei Gegner gegenüber, die sich unter der umsichtigen Leitung eines guten Schiris einen interessanten und jederzeit anständigen Kampf lieferten. Kirch-Göns gewann im Endspurt knapp, aber nicht ganz unverdient.
l .Klasse:
Tv. Krofbotf — Dv. Wetzlar 11:7 (6:4)
Tv. Grüningen — To. Holzheim (kfl. f. Grüningen).
Die neu zusammengestellte Wetzlarer Mannschaft schlug sich in Krofdorf ausgezeichnet. Sie konnte sogar gleich nach Beginn die Führung übernehmen, mußte sich aber dann doch dem überlegenen Spiel Krofdorf beugen.
2 . K l a s s e:
Tv. Atzbach — Tv. Nauborn 13:11 (4:4)
Tv. Großen-Linden — Garbenheim II 5:2 (0:0) To. Beuern — Tv. Lich 14:10 (9:6)
Garbenteich — Klein-Linden (kfl. für Garbenteich).
Die Nauborner Mannschaft leistete Atzbach starken Widerstand, konnte auch das Spiel vollkommen offen halten. Erst im Endspurt gelang es den Platzbesitzern, einen knappen Sieg sicherzustellen.
Eine sehr schöne Leistung zeigte Großen-Linden, wenn es vielleicht auch an dem nötigen technischen Verständnis fehlte.
Lich war stärker, als man ursprünglich angenommen hatte. Beuern hatte jedenfalls große Mühe und nur knapp endete der scharfe Kampf.
Grüningen spielte zu Hause mit zwei Jugend - Mannschaften gegen Watzenborn-Steinberg bzw. Holzheim und gewann beide Treffen überlegen 13:1 bzw. 23:4.
Die Leichtathletik- Dereinsmeisterschastskämpfe.
Mit einem Versuch um die Kriegsvereinsmeisterschaft 1940 fand die diesjährige Leichtathletik-Saison ihren Abschluß. Noch einmal hatte das Fachamt Leitathletik die Vereine zum Einsatz aufgefordert. Wie schon in der Vorschau berichtet, waren diesem Aufruf die Vereine gefolgt, die sich in der Leichtathletik beteiligen. Am Sonntag vormittag traten auf dem Universitätssportplatz 6 Mannschaften, davon 3? Frauenmannschaften, zum Wettkampf an. Lediglich der VfL. Lollar konnte seine abgegebene Meldung infolge Verhinderung einiger Wettkämpfer nicht erfüllen. Aehnlich erging es dem VfB.- Reichsbahn Gießen, der wohl den Versuch auf-
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Die neue Folge
des KdF.-Monatsheftes ist erschienen. Das reichhaltige Heft ist für nur 10 Rpf. bei den KdF.-Dienft- stellen erhältlich. ' 4366D
Gute Musik in den Lazaretten.
Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" bereitete dieser Tage den Verwundeten wieder einige unterhaltsame Stunden. In einem Reseroelazarett spielte die Kreiskapelle des Kreises Wetterau unter Leitung von Musikzugführer Schleuse. Zum Vortrag kamen Konzertstücke und Marschkompositionen, die von den Soldaten mit großem Beifall aufgenommen wurden. In einem anderen Reservelazarett boten Solisten mit Unterstützung eines Salonorchesters ein „Musikalisches Allerlei". Darbietungen am Klavier und Cello wechselten mit SologeIjngen in bunter Folge ab. An dem Erfolg waren Georg Frigge (Baß), E. Jeschka (Bariton) und Fritz K u l l m a n n (Klavier) beteiligt. Die Soldaten spendeten reichen Beifall.
Lustschutz-Gonder-Lehrgänge für Bürgermeister.
Auf Veranlassung des Reichsstatthalters wurden, wie im ganzen Lande Hessen, auch in Gießen und in Hungen Luftschutzlehrgänge für die Landbürgermeister des Kreises Gießen durchgeführt. In diesen Lehrgängen, die unter Leitung von Haupt-LS.- Führer Schuchardt standen, wurden hauptsächlich die auf Grund der bisherigen Kriegserfahrung erfolgten Neuerungen im Luftschutz und die hierüber ergangenen zahlreichen Verfügungen eingehend besprochen. Der Referent für Luftschutz beim Landratsamt Gießen, Regierungsrat Dr. Fuhr, Ortsgruppenführer Haupt-LS.-Führer C l o tz und eine Reihe besonders bewährter Amtsträger des RLB. waren maßgebend an dem Erfolg der Veranstaltungen beteiligt. Die beide Lehrgänge abschließende ausführliche Aussprache erbrachte den Beweis, daß es gelungen war, die Luftschutzarbeit im Landkreis Gießen den derzeitigen Erfordernissen entsprechend einheitlich auszurichten.
Zwei Verkehrsunfälle.
Am Samstag gegen 19 Uhr fuhr ein Lastauto aus Gießen in Burkhardsfelden an einer abschüssigen Stelle der Straße in das Dorfbackhaus hinein, wobei eine Wand des Backhauses eingedrückt wurde. Das Lastauto wurde von einem Mann ae- lenkt, der nicht im Besitze eines für derartige Fahrzeuge geltenden Führerscheines war. Der als Beifahrer danebensitzende eigentliche Lenker des Autos hatte den anderen „nur einmal ans Steuer gelassen", und schon war das Unglück im Dorfe geschehen. Das Nachspiel wird nicht ausbleiben.
Ebenfalls am Samstag gegen 21 Uhr fuhr auf der Landstraße Inheiden — Hungen ein Personenauto aus Grünberg, das mit drei Personen besetzt war, auf ein Langholzfuhrwerk auf, das, vorschriftsmäßig beleuchtet, sich auf der Fahrt nach Villingen befand. Die 17 Jahre alte Lenkerin des ^Personenautos blieb unverletzt, ihre mitfahrenden Eltern kamen zum Glück mit leichten Verletzungen davon. In dem Personenauto entstand einiger Sachschaden.
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** N S. Frauenschaft — Deutsches Frauenwerk Gießen - Ost. Der Nachmittag der Kindergruppe muß wegen Raumm igels einige Wochen ausfallen. Näheres wird an dieser Stelle wieder bekanntgegeben.
** Eine Achtzigjährige. Am morgigen 1. Oktober kann die Witwe Luise Lind, geb. Neh- meyer, wohnhaft in Gießen, Weserstraße 4, in körperlicher und geistiger Frische ihren 80. Geburtstag feiern. Frau Lind ist vielen alten Gießenern keine Unbekannte, da ihr verstorbener Ehemann, Konditormeister Friedrich Lind, in Gießen am Kirchenplatz ein Konditoreigeschäft betrieb. Der Jubilarin bringen auch wir unseren herzlichen Glückwunsch dar.
** Die Schneegans zieht. Am gestrigen Sonntag gegen 17.30 Uhr flogen Schneegänse in der bekannten Keilform in der Richtung nach Südwesten über unsere Stadt. Es waren 32 Tiere, die sich in einer Höhe von etwa 200 Meter über die Stadt bewegten.
Ortszeit für den 1. Oktober.
Sonnenaufgang 7.26 Uhr, Sonnenuntergang 19.02 Uhr. — Mondaufgang 7.10 Uhr, Monduntergang 18.51 Uhr. Neumond 14.41 Uhr. Mond in Erdnähe. KtefängteinneuesLehenan
Roman von Helene Kalisch
Copyright 1939 by Prometheus -Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München
35 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Klaus hatte Geld zu sich gesteckt und auf einem Blatt Papier etwas ausgeschrieben — Worte stammelnder Bitte um Hilfe und Beistand für Marta. Es sei etwas Furchtbares geschehen, doch nicht er habe es begangen. Aber es sehe so aus, und darum müsse er fort — so lange bis es aufgeklärt fein würde. Denn wenn er ergriffen würde, ließen sie ihn nicht mehr los, suchten womöglich nicht erst nach dem wahren Täter. „Verlaßt Marta nicht! Ich danke es Euch bis zu meinem letzten Atemzug", schrieb er. Dann war er davongerannt, kopflos, ohne Ueberlegung, von der Zwangsvorstellung getrieben, er würde verhaftet und — da er seine Unschuld nicht beweisen konnte — eingekerkert werden. Das wäre ärger als der Tod.
Er war einst, als berühmter Boxer, hart im Nehmen gewesen — heute hatte er einen Schlag gegen sein Herz erhalten wie von einer ei fernen Faust. Ein zweiter aber, der ihn traf, hatte sein Gehirn betäubt und verwirrt. Er ist die Nacht hindurchgewandert und fragt sich jetzt, am Morgen, wohin er will. Die dunkle Stimme in ihm gibt Antwort: Nach Hause! ... Einmal dorthin. Er fiebert danach. Seinem in die Ferne gerichteten Blick erscheint der im blaugrauen Dämmer oer- schwimmende Horizont als das Bild des noch so fernen Meeres. Nichts als der unwiderstehlich vorwärtsreißende Zwang ist in ihm und darunter das dunkle Gefühl, daß, wenn es für ihn ein Zurück zum Leben gibt, er es nur über diesen Umweg finden kann.
17. Kapitel.
Am Morgen nach seiner Verhaftung erklärt Bergholz, seine gestrigen Aussagen ergänzen zu wollen. Er muß ziemlich lange warten. Die Tagesmitte ist bereits überschritten, als er zu dem neuen Verhör abgzholt wird.
Bevor es zu Fragen und Erklärungen kommt, wird ihm ein Zeitungsblatt gereicht, in dem ein Artikel rot angsstrichen ist. Er überfliegt ihn. Das Ereignis des gestrigen Nachmittags, bei dem er selbst sehr stark beteiligt war, und das mit ferner ganzen Schwere einen Umwan dlungs pro z e ß in ihm zum letzten Ablauf brachte, wird ziemlich ausführlich geschildert. Der „Berliner Zahnarzt Dr. B. ...", der er selber ist, wird da in anderer Weise erwähnt, als er es nachts in seiner Vorstellung — in dem Erregungs- und Erschöpfungszustand nach dem langen Verhör — vorausgesehen hatte.
,^)m ... Das andere steht auf der anderen Seite", murmelt er, indem leichte Röte fein Gesicht überfliegt. Er dreht das Blatt um und reicht es mit einem raschen Blick auf die dick gedruckte lieber» schrift, die die Ermordung der bekannten Primadonna verkündet, dem Beamten wieder hin.
„Da haben Sie also gestern unter Einsetzung Ihres eigenen Lebens einen Menschen vom Tode des Ertrinkens gerettet?" fragt der ihn verhörende Kriminalrat. „Was taten Sie danach?"
„Nachdem die Unglückliche in der Obhut der Sanitäter fortgebracht worden war, lieh ich mir trockene Kleidung aus und fuhr nach Haufe. Bald nach meiner Rückkehr wurde ich von Frau Röhl angerufen. Sie forderte mich auf, sie zu besuchen. Ich kleidete mich um und ging nach der Meinikesttaße/
Der Kriminalrat blickt auf die Papiere vor sich auf dem Tisch. Vielleicht fällt es ihm nicht leicht die Vorstellung festzuhalten, daß ein Mensch, der in erbittertem Kampf dem Tode ein Leben abgerungen hat, in der nächsten Stunde geht, um ein anderes zu vernichten. Zwei Beamte, die mit ihm am Tisch sitzen, blicken gespannt und fragend auf Bergholz. Der beugt sich vor, stützt die Ellenbogen auf und schlingt die Finger ineinander. „Gestern abend bei dem Verhör war ich ... abgekämpft", sagt er leise. „Es dürfte wohl verständlich sein nach den Ereignissen des Tages. Ich war einfach fertig! Später, als ich wieder ruhiger denken konnte, füllten sich automatisch einige Lücken, die in meinem Gedächtnis entstanden waren, und ich kam beim erneuten Nachsinnen auf Zusammenhänge, über die ich sprechen möchte."
Er schildert nun noch einmal die gestrigen Vor- I gange in der Wohnung der Künstlerin, die zu seiner
Verhaftung geführt hatten, und kann nun den Namen nennen, mit dem Frau,Röhl den Eindring- lief anrief. Dann berichtet er, wo und unter welchen Umständen er diesen Mann schon einmal geseyen hatte. „Wenn ich das jetzt ausspreche, merke ich selbst, wie phantastisch es klingt; aber es verhält sich wirklich so!" sagt er erregt und sehr bestimmt, als er in den Mienen der Kriminalisten Staunen und Zweifel wahrzunehmen glaubt. „Aber ich kann für jenen Vorgang, der sich an einem Novemberabend in der Nähe der Oper abspielte, einen Zeugen angeben: den Bankier Heidenreich! ... In seiner Begleitung kam Frau Röhl vom Bühneneingang her und ging zu dem wartenden Auto, hinter dem hervor der Vagabund auftauchte und vor die beiden hinttat", setzt er hinzu.
Eine Pause folgt seinen Worten, in der er ruhig überlegen kann, während kurze Telephongespräche geführt werden, Beamte eintreten, Akten bringen und wieder verschwinden.
„Haben Sie noch etwa, zu berichten, Doktor Bergholz?" fragt dann der Beamte.
Er bejaht und erzählt von dem Notizbuch der von ihm geretteten Lebensmüden, in dem Name und Wohnung der Frau Röhl vermerkt waren, erwähnt auch den Brief in ihrer Handtasche, der an einen Klaus Tjaden gerichtet war.
Der Kriminalrat hebt ruckartig den Kopf und sieht Bergholz scharf in die Augen — sieht ihn langt an. „Frau Röhl war verheiratet, und ihre zweite Ehe ist nicht geschieden worden ... Sie wissen das?"
Mit einem Kopfnicken stimmt Bergholz zu. „Sie selbst sprach einmal zu mir davon — wenn auch nicht von einer formal noch bestehenden Ehe. Sie sagte: Ich war .zweimal verheiratet."
„Und wissen Sie nicht, daß sie mit ihrem bürgerlichen Namen Frau Tjaden hieß?"
„Wie? ..." Bergholz beugt sich vor. „Frau Tjaden? ... Keine Ahnung! ... Das ist ja aber ... sonderbar", sagt er mit betroffener Miene.
„Dieser Klaus Tjaden war doch der bekannte Boxer — Europameister im Halbschwergewicht. Sollten Sie den Namen nie gehört haben?"
,L)och, Herr Kriminalrat! Den sah ich auch mal bei einem Kampf im Sportpalast! Fabelhafter Kerl!"
Wieder blicken die Augen des Kriminalisten mit
nahm, aber doch nicht restlos zur Durchführung bringen konnte. Einige feiner besten Leichtathleten standen nicht zur Verfügung. Dagegen war seine Frauenmannschaft zur Stelle. Besondere Hervorhebung bei der Würdigung des Vereins-Einsatzes verdienen die Frauen vom Männer-Turnverein. Unter Führung von Fräulein Seim nahmen 2 Mannschafen an dem Kampf teil. Wenn bei diesem Vereinsmeisterschaftskampf die Teilnahme eines jeden Vereins Anerkennung findet und auch verdient, so ist das denen, die die Schwierigkeiten und die nachteiligen Umstände, die solchen Mannschaftskämpfen entgegenstehen, nur zu verständlich. Im Bezirk 8 waren somit bei Hinzurechnung des Dillenburger Meisterschaftskampfes insgesamt 10 Mannschaften am Start. Die Ergebnisse von dort liegen noch nicht vor. In Gießen wurden folgende Ergebnisse festgestellt:
Bei den Männern: 1. Turnverein Heuchelheim, 5094,95 Punkte; 2. Sportgemeinde Steinbach, 3723.90; 3. VfB.-Reichsbahn Gießen, 2782,94. (VfB.-R. Gießen wird noch einen vollständigen Versuch unternehmen, er könnte bei richtiger Mannschaftsbesetzung über 6000 Punkte erreichen.)
Bei den Frauen: 1. Mto. Gießen, I. Mannschaft, 349 Punkte; 2. DfB.-Reichsbahn Gießen, 304; 3. Mtv. Gießen, II. Mannschaft, 241.
lieber die Ergebnisse in Dillenburg wird noch berichtet.
Wirtschaft.
Keine Kopplungsgeschäste beim Verkauf von Seifen und Waschmitteln.
Dem Reichskommissar für die Preisbildung ist zur Kenntnis gekommen, daß Hersteller von Seifen- und Waschmitteln vielfach Rasierseife nur bei gleichzeitiger Abnahme von Einheitsfeinseifen abgeben. Eine derartige Koppelung bedeutet eine Verschlechterung der Lieferungsbedingungen und stellt deshalb einen Verstoß gegen die Verordnung über das Verbot von Preiserhöhungen vom 26. November 1936 dar. Der Reichskommissar für die Preisbildung weist in einem Erlaß darauf hin, daß er gegen derartige Verstöße schärfstens einschreiten wird.
Die Versorgungslage im Rhein-Main-Sebiei.
Das Landes-Emährungsamt Hessen (Frankfurt am Main) teilt mit: Die Versorgung auf dem Mehl- rn a r k t ist nach wie vor ausreichend. In leig- waren können die zur Verfügung stehenden Kontingente nicht ausgenutzt werden, so daß man auch hier Versorgungsschwierigteiten nicht zu befürchten braucht.
In der Milch- und Fettversorgung ist zu erwähnen, daß Vollmilchanlieferung, Buttererzeugung, Erzeugung von Speisequark und Schichtkäse und die Erzeugung von käsereitauglichem Quark gegenüber der Vorwoche angestiegen sind, die Erzeugung von Speisequark und Schichtkäse sogar recht erheblich. Demgegenüber ist der Absatz an entrahmter Frischmilch zurückgegangen. In Milcherzeugnissen, Oclen, Fetten und Käse ist der Bedarf gedeckt. '
Das Angebot in Speisekartoffeln ist nach wie vor sehr stark, ebenso die Nachfrage. Im Gebiet der Landesbauernschaft wurde eine Flockenfabrik wieder in Betrieb genommen, wo sich bei den Ablieferungen ein erstaunlich hoher Stärkegehalt zeigte.
Am Viehmarkt brachten EHW.-Schweine eine ausreichende Beschickung. Auch bei Großvieh beroeot sich die Anlieferung an allen Märkten aufwärts, so daß auch für die kommende Woche der Zuschußbedarf bedeutend geringer fein wird.
Zucker ist aus dem Warthegau in unser Gebiet gekommen, da dis hiefigen Werke in letzter Zeit sehr stark beansprucht wurden. Dieser Zucker ist in der Farbe grauer, als man es gewöhnt ist, was der Hausfrau vielleicht weniger gefällt, jedoch steht der Zucker aus dem Warthegau an Qualität und Süßkraft dem aus dem Altteich nicht nach.
, Briefkasten der Redaktion.
L. in Gießen. Leopold Bendix, Historien- und Genremaler, geboren zu Berlin, Schüler der Düsseldorfer Akademie, wo er 1839 „Erminia auf der Zinne" (nach Tassos „Befreitem Jerusalem") malte, und von Wilh. Herbig. Er beschickte die Ausstellungen der Berliner Akademie 1834 (Selbstbildnis), 1838 (Elias in der Wüste und mehrere Bildnisse), 1840 (Abschied der Maria Stuart), 1842, 1844, 1856 und zuletzt 1870. Geburts- und Todesdatum konnten wir leider nicht ermitteln.
durchdringendem Forschen in die seinen. „Der Mann, den nur Sie, Herr Doktor Bergholz, in der ' Wohnung der erschossenen Künstlerin sahen, der, wie Sie behaupten, Sie mit einem Faustschlag niederstreckte, ist nicht der Boxer Klaus Tjaden?"
Bergholz schüttelt langsam den Kopf. „Der? ... An das Gesicht des Boxers kann ich mich freilich nicht mehr genau erinnern; aber mir ist, als sah der anders aus."
Der Kriminalrat nimmt den Hörer ab, drückt auf einen Knopf und gibt halblaut eine Anordnung, dann wendet sich das Verhör anderen Dingen zu. Es ift'nod) immer nicht die Waffe gefunden worden, aus der die Schüsse auf die Primadonna abgegeben worden sind. Bergholz erfährt, daß in seiner Wohnung nachgesucht worden ist und die Kriminalpolizei seine von ihm getrennt lebende Frau sowie deren Angehörige vernommen hat. Seine Frau habe im Gegensatz zu seiner eigenen Angabe mit Bestimmtheit behauptet, er besitze eine Pistole, wird ihm vorgehalten.
„Wenn sie etwas behauptet, dann immer mit Bestimmtheit, wenn's auch noch so unzutreffend ist", brummt er verdrossen. „Man müßte sie daran erinnern, daß sie selbst mir damit in den Ohren gelegen hat, das Ding wegzugeben, weil sie eine kindische Angst davor hatte. Als es vor einiger Zeit mit dem Waffenverbot recht streng genommen wurde, habe ich die Pistole verkauft. Die Quittung muß auch da fein. Ich kann Ihnen angeben, wo sie zu finden ist." —
Bergholz kann es sich vorstellen, daß bei der Vernehmung feiner Frau und deren Eltern der Kriminalpolizei kein günstiges Bild von ihm gezeichnet wurde. Diese Gelegenheit, ihm endlich einmal heim- zohlen zu können, was er ihr — ihrer Meinung nach — angetan hat, ist Erna sicherlich hochwillkommen gewesen. Er ftdkrrt vor sich hin und beachtet es nicht, daß die Beamten in Akten blättern und verschiedene Lichtbilder betrachten. Dann wendet sich der ihm gegenübersitzende Kriminalrat wieder an ihn. „Den Mann, der Sie niederschlug, und der nach Ihrer Darstellung derselbe war, den Sie an einem Novemberabend bei der Oper sahen, würden Sie wiedererkennen, Doktor Bergholz?"
„Bestimmt!"
(Fortsetzung folgt.)


