Berge von Melallgegensiänden Haufen sich In den Sammelstellen.
Schon wenige Stunden nach dem Beginn der Sammelaktion für die Metallspende des deutschen Volkes häuften sich in den Sammelstellen — auch in Gießen — die Berge der verschiedensten Metallgegen- stände. Mancher hat sich hier wohl von Gegenständen getrennt, die ihm bisher teuer waren, aber jeder gibt gern für dieses Opfer der Nation, *das Geburtstagsgeschenk des Führers. — (Scherl-M.)
Aus der engeren Heimat
wünsch.
Landkreis Gießen.
Tv. Heuchelheim—Spgmb. Grohen-Bufeck 3:7 (2:3).
Dieser Tage kam es aus dem Platz des Tv. Heuchelheim zu einem interessanten Tressen, das die Gäste aus Großen-Buseck 7:3 für sich entscheiden konnten. Der Halbzeitstand schien' nicht ganz sicher und Heuchelheim mutzte sich nach der Pause dem besseren Stehvermögen der Gäste aus Großen-Buseck beugen und eine Niederlage hinnvhmen.
Diamantene Hochzett
* Annerod, 29. März. Am heutigen Freitag können der Weißbindermeister Karl Schäfer I. und Frau Margarete, geb. Dörr, in aller Frischs das Fest der diamantenen Hochzeit feiern. Das Jubelpaar ist 83 bzw. 84 Jahre alt. Den Ju- bilaren bringen auch wir unsere herzlichen Glückwünsche dar.
§ Laubach, 29. März. Am heutigen Freitag feiern der Schuhmacher Karl K r e i ck e r II. und Ehefrau Karoline, geb. Scharf, in körperlicher und geistiger Rüstigkeit das seltene Fest der Diamantenen Hochzeit. Die.beiden Ehegatten stehen im 89. und 90. Lebensjahre. Unseren herzlichen Glück-
dessen Ausfüllung chr eine Beute in hohe von 500 RM. in die Hände fiel. Jetzt wurde chr der Boden in Frankfurt zu heiß und sie kehrte nach Wetzlar zurück, wo sie sich, ihrer alten Spezialität folgend, wiederum für anderer Leute Scheckbücher interessierte. Mit einem gefälschten Ausweis, der sie als angebliche Beauftragte der Wetzlarer Kreisfparkaffe legitimierte, begab sie sich zu mehreren Firmen und versuchte deren Scheckbücher zu erlangen. Das glückte ihr jedoch nicht, so daß sie schließlich bei einer anderen Firma einen neuen Trick anwandte und damit auch Erfolg hatte. Mit dem Scheckbuch dieser Firma ging sie davon und füllte unterwegs im Publikumsraum der Post einen Scheck über 865 RM. aus, den sie dann bei der Kre'issparkasfe in Wetzlar zur Einlösung vorzeigte. Inzwischen war aber die Kasse von einer der besuchten Firmen über das rätselhafte Erscheinen der angeblichen Kassenbeauftragten benachrichtigt worden, wodurch man der Schwindlerin auf die Spur kam. Einige Polizeibeamte bezogen im Kassenraum Wartestellung, und ihnen gelang es- denn auch, die etwa 26 Jahre alte gerissene Schwindlerin in Empfang zu nehmen. Die raffinierte Person wurde verhaftet und dürfte nun einem dicken Ende entgegensetzen.
Schweinemarkt in GrünÜerg.
+ Grün berg, 28. März. Der Schweine- markt hatte einen Auftrieb von 50 Ferkeln und Läuferschweinen. Folgende Preise wurden erzielt: 6 Wochen alte Ferkel kein Austrieb, 6 bis 8 Wochen alte 38 bis 40 RM., 8 bis 13 Wochen alte 42 bis 54 RM., Läufer 62 bis 68 RM. pro Stück. Marktverlauf: flotter handel, ausverkauft.
Frankfurter Schlachtviehmarkt.
Frankfurt a. M., 28. März. Notiert wurden je 50 kg Lebendgewicht in RM.: Kälber andere a) 60 bis 65 (am 20. 3. 62 bis 65), b) 55 bis 59 (54 bis 59), c) 45 bis 50 (45 bis 50), d) 28 bis 40 (26 bis 40). hämmel a2) 51 (51), b2) 48 (48 bis 49), c) 42 bis 44 (38 bis 44). Schafe a) 44 (42 bis 44), b) 38 bis 40 (38 bis 39), c) 20 bis 32 (25 bis 32). Schweine a) 55,50 (55,50), bl) 55,50 (55,50), b2) 55,50 (55,50), c) 54,50 (54,50), d) 51,50 (51,.50), e) 49,50 (49,50), Sauen gl) 55,50 (55,50). Marktverlauf: Kälber, Schafe und Schweine zugeteilt.
* Lollar, 29. März. Am morgigen Samstag, 30. März, kann der Schleifer i. R. Heinrich Gaul in körperlicher und geistiger Frische seinen 7 0. Geburtstag feiern. Der Jubilar war nahezu fünfzig Jahre lang im hiesigen Eisenwerk tätig. Im, Weltkrieg kämpfte er in Rußland mit. Wir beglückwünschen den alten Herrn herzlich zum Geburtstag.
# Mainzlar, 28. März. Dieser Tage wurde der ä l t e st e Einwohner unseres Ortes, der Landwirt Ludwig Schwalb, der im Alter von 92 Jahren stand, unter großer Anteilnahme zu Grabe getragen. Der Dahingeschiedene hatte sich bis in die letzten Tage aller geistigen und körperlichen Frische erfreut.
* Dau bringen, 29. März. Am heutigen Freitag begeht Frau Katharine Walther Wwe., geb. Muly, ihren 7 0. Geburtstag. Der Jubilarin unsere herzlichen Glückwünsche.
Eine Gcheckschwindlerin festqenornmen
LPD. Wetzlar, 28 .März. Eine gerissene S ch e ck s ch w i n d l e r i n ist der Wetzlarer Polizei ins Garn gegangen. Die Schwindlerin, die sich schon einmal auf diesem Gebiet zum Nachteil einer Wetzlarer Familie betätigte und dafür eine einjährige Gefängnisstrafe erhalten hatte, beging nach der Strafverbüßung mehrere Diebstähle in Wetzlar, bis sie schließlich Anfang dieses Jahres nach Frankfurt übersiedelte. Dort stahl sie einer bekannten Frau wiederum ein Scheckformular, durch
Fünfmal abwechseln. Die mit einer Reihe von Drüsen ausgestattete Fußsohle neigt stärker als andere Körperteile zur Erhitzung und ist darum für Bäder besonders dankbar. Das Reinigunasfußbad besteht in einer etwa 15 Minuten währenden Einwirkung einer Seifenlauge. Man vermeide heiße Fußbäder, sie machen die haut spröde und erweitern die Blutgefäße. Diesem Bad setzt man etwas Borax, Soda oder auch einen Fichtennadelextrakt zu. Auch Sauerstoffbäder haben eine anregende und lindernde Wirkung. Das Trocknen btr Füße soll sehr sorgfältig vorgenommen werden, besonders sind die empfindlichen Stellen zwischen den Zehen zu beachten. Wenn hier die haut nicht völlig getrocknet wird, entstehen wunde Stellen mit lästigem Brennen und Jucken. Einpudern verhindert das Wundlaufen. Zeigt sich trotz aller Vorsicht eine offene Stelle, lege man feingezupfte Watte, mit Wundpuder bestreut, zwischen die Zehen.
Bei der Nagelpflege ist zu beachten, daß die Ecken nicht zu tief herausgeschnitten oder besser: mit der Nagelzange abgeknipst werden, sonst wächst der Nagelrand leicht ein. Ueberstehende Nagelkuppen werden gerade abgeschnitten, aber so, daß sie den Zeh noch etwas überragen; die , Ecken werden stumpf gefeilt. Zum Einwachsen neigende Nägel hebe man durch Unterschieben eines feingedrehten fadendicken Watteröllchens.
Nach dem Bade folgt eine leichte Massage der Füße. Massiert wird in rings um den Knöchel lausender, alsdann aufwärts steigender Richtung. Die Zehen werden zunächst einzeln, dann im ganzen mit der Hand kräftig hin und her bewegt, die Fußsohle wird von den Zehen zur Ferse hin gestrichen.
Sobald es die Witterung erlaubt und die Möglichkeit dazu vorhanden ist, laufe man täglich einige Minuten durch feuchtes Gras, das kräftigt die Füße außerordentlich. E. S.-H.
englische Papst, gab 1169 dem englischen König das Recht auf Irland. Damit begann eine Kette von Grausamkeiten, Vertragsbrüchen und Herrschgelüsten der Engländer, für die der Vortragende Aussprüche und Niederschriften anführte. Unter Cromwell, einem der grausamsten englischen Wüteriche, mußten in kurzer Zeit 600 000 Iren Hungers sterben und Tausende wurden nach Amerika verkauft. Aber niemals haben die Iren ihren Existenzkampf aufgegeben.
Dann gab der Redner eine Schilderung der Charaktereigenschaften der Iren, die eine Reihe von Dichtern, Feldyerren, Musikern und Politikern hervorgebracht haben, und streifte auch die Frage nach der Rolle, die die Iren in diesem Kriege spielen werden. Er verwies auf die Erklärung der strikten Neutralität durch den Ministerpräsidenten de Valero und auf die Einstellung der Iren während des Weltkrieges, in dem sie sich aus dem Kampfe heraushielten und Ostern 1917 sogar einen Aufstand wagten.
An Hand von zahlreichen farbigen Aufnahmen schilderte der Vortragende dann das romantische Irland mit seinen Seen und Flüssen und der reichen Flora, die der „Grünen Insel" ihre versponnene Traumverlorenheit geben. Er zeigte u. a. das Kreuz des heiligen Patrick, des Nationalheiligen, Aufnahmen aus der Hauptstadt Dublin, herrliche Landschaftsbilder von den Seen von Killarney und der Fischerinsel Aran mit einigen Typen dieser Fischer und dem Fischer-Dichter Pat Müllen, bei dem Gerstenberg als Gast geweilt hatte. Abschließend brachte der Vortragende einige Mauerinschristen und Spruchbänder der IRA. zur Kenntnis, um die Charakterzüge der Iren verständlich zu machen. Daran anknüpfend wies er daraus hin, daß haß gegen England noch keine Zuneigung zu unserem Volke bedeutet, da jedes Volk seinen eigenen Kampf kämpft, so daß eine nüchterne Beobachtung all der Vorgänge unbedingte Notwendigkeit ist. Der Redner fand starken Beifall.
Gegen die Waldbrandgefahr.
Große Werte deutschen Volksvermögens werden alljährlich durch Waldbrände vernichtet. Die Ursache ist, wie der Reichsführer ff und Chef der Deutschen Polizei in einem Erlaß an alle Polizeibehörden seststellt, in den meisten Fällen sträflicher Leichtsinn und Nichtbeachtung gesetzlicher Bestimmungen. Um dem entgegenzuwirken, werden in dem Erlaß die zur Verhütung und Bekämpfung von Waldbränden ergangenen Bestimmungen den amtlichen Stellen erneut in Erinnerung gebracht mit dem hinzu- fügen, daß auf die Einhaltung der Vorschriften größter Nachdruck zu legen ist.
Mit Gefängnis bss zu drei Monaten und mit Geldstrafe oder mit einer dieser Strafen wird nach dem Strafgesetzbuch bestraft, wer Wald-, Heideoder Moorftächen durch verbotenes Rauchen oder Anzünden von Feuer, durch ungenügende Beaufsichtigung angezündeten Feuers, durch Fortwerfen brennender oder glimmender Gegenstände, oder in sonstiger Weise in Brandgefahr bringt. Wird jemand auf frischer Tat betroffen oder verfolgt, so ist, wenn er der Flucht verdächtig ist oder seine Persönlichkeit nicht sofort feftgestellt werden kann, jedermann befugt, ihn auch ohne richterlichen Befehl vorläufig festzunehmen. Bei Wald-, Moor- und Heidebränden sind neben den Feuerwehren alle geeigneten Personen unaufgefordert zur Hilfeleistung verpflichtet, und sie haben solche Brände der Forst- oder Polizeibehörde zu melden.
Zugtiere schonend behandeln.
Infolge des Bedarfs an Pferden für heereszwecke sind die besten Pferde eingezogen und für die Wirtschaft in Stadt und Land nur die schwächeren und weniger tauglichen zurückgeblieben. Nun müssen diese die schweren Arbeiten im Verkehr, sowie in der Land- und Forstwirtschaft verrichten, die sonst ihren starken Artgenossen vorbehalten waren, hierbei ist vielfach festzustellen, daß sie in einer Weise ausgenutzt werden, die weit über das zulässige Maß hinausgeht und als Tierquälerei, Mißhandlung und Zuwiderhandlung gegen das Reichs-Tierschutzgesetz anzusehen ist. Wenn zu dieser Ueberanstrengung noch unzulängliche Fütterung und unzureichende Ruhezeit hinzukommen, so lassen die Leistungen solcher Tiere sehr bald nach, so daß sie immer weniger ihren Zweck bei der Arbeit erfüllen können. Es ist deshalb ein Gebot der Zeit, nachdrücklich darauf hinzuweisen, daß die Zugtiere schonend zu behandeln und durch gute Fütterung und sorgfältige
G. A.-Gport.
Hallensportfest der Fachämter Turne« und Leichtathletik.
Die Bezirksführung im NSRL., Bezirk 8 Gießen, ist bestrebt, während des Krieges den Sportbetrieb in den einzelnen Fachämtern nicht nur aufrechtzu« erhalten, sondern darüber hinaus noch weiter vor- anzuführen. Die Durchführung einer solchen Aus« gäbe ist natürlich nur dann möglich, wenn in gemeintam er Arbeit hieran auch die Vereine tatkräftig rnitwirken. Die Bezirksführung mit ihren Fachämtern wird den Weg hierzu vorbereiten, und da die Initiative ergreifen, wo dies den Vereinen nicht möglich ist. Sie will Geleaenheit zu sportlicher Betätigung geben. Aus diesen Erwägungen heraus ist auch das für den 31. März in der Halle des VfB-Reichsbahn Gießen, nachmittags, in Aussicht genommene hallensportfest in Vorbereitung genommen worden.
Es ist kein hallensportfest im üblichen Sinne. Nicht zu sehr steht diesmal der Wettkampf im Vordergrund; lediglich einige leichtathletische Wettkämpfe werden ausgetragen. Beherrscht wird das Programm dieser Veranstaltung von Werbevorführungen. Kindergruppen, Gymnastikriegen Geräteturner usw. treten an und werden ein anschauliches Bild von der Arbeit im NSRL. vermitteln. Besonders für die Eltern wird dieser Nachmittag manche Freude bringen, denn im Programm finden wir die Kindergruppe wiederholt angekündigt. Anregend und aufschlußreich wird diese Veranstaltung für die fein, die beabsichtigten, ihr Kind früher oder spater der Leibesübung zuzuführen.
So soll den Vereinen durch diese Veranstattung Gelegenheit gegeben werden, sich neuen Ansporn, neue Anregungen zu holen, und vor allem die Ueberzeugung gewinnen, daß die Leibesübung im NSRL. gerade in Kriegszeiten ihre Bewährungsprobe bestehen wird.
Die Einkünfte aus der hallenveranstaltung werden dem Kriegs-WHW. zugeführt. In.
Pflege bei Kräften zu erhalten sind und nicht überlastet oder überanstrengt werden. Wer hiergegen berstößt, schädigt das Gesamtwohl des deutschen Volkes und hat auch gesetzliche Bestrafung zu er- warten. Die Vorschriften zur Schonung der Pferde gelten auch gegenüber allen anderen Zugtieren. Nach §2 des Tierschutzgesetzes ist es verboten, ein Tier in Haltung, Pflege oder Unterbringung zu ver- nachlässigen; auch ist es verboten, ein Tier unnötig zu Arbeitsleistungen zu verwenden, die offensichtlich seine Kräfte Übersteigen, oder die ihm erhebliche Schmerzen bereiten oder denen es infolge seines Zustandes nicht gewachsen ist.
Fußpflege — eine pflicht.
Da sich sowohl bei schulärztlichen Untersuchungen als bei Musterungen ergeben hatten, daß Fußleiden in Deutschland so häufig sind, daß sie zu einer Gefahr für die Volksgesundheit zu werden drohten, wurde vor etwa zwei Jahren Die Prüf- und Forschungsstelle für Leisten- und Schuhbau gegründet, deren Ergebnisse der Bekämpfung des weitverbrei- tcten Uebels dienen sollen. Als Ursachen der mannigfachen Fußbeschwerden, unter denen auch sehr viele Frauen schon in jüngeren Jahren zu leiden haben, kommen außer allgemeiner konstitutioneller Schwäche besonders das Straßenpflaster und — der Stöckelabsatz in Frage. Nun zeigt sich ja erfreulicherweise, daß der letztere am Straßenschuh mehr und mehr verschwindet und einem flachen oder mäßig hohen Absatz gewichen ist. Also ein 'Anfang zur Gesundung unserer Füße ist gemacht. Er muß aber, vor allem auch von den Hausfrauen, die ja heute viel unterwegs Jein müssen, durch eine sachgemäße regelmäßige Fußpflege unterstützt werden.
Als vorzügliches Vorbeugungsmittel gegen Fuß- befchwerden wie Brennen, Stechen, Schwellungen u. ä. erweist sich folgende Wasserbehandlung: dreimal wöchentlich Wechselfußbäder nehmen, Zwanzig Sekunden das heiße, drei Sekunden das kalte Bad.
(Nachdruck verboten!)
19. Fortsetzung.
Jawohl, Sir! Genau an dem Tage ist er ange- Ihnen spater dc kommen, bevor Mister Parker seinen Urlaub an- die Angelegenhe trat'" Spikes Ohren glühten vor Feuer ,.ilnd über- wohl nur um ei Haupt hab' ich mir gleich gedacht, als Mister Par- „Gewiß, Sir!' ter den Brief jo flamm heimlich in der Schublade | sagen.
verschwinden ließ, daß da was nicht stimme ... Verstehen Sie?"
„Genug!" Watsons schmaler Mund preßte sich zu einem haardünnen Strich zusammen, und eine einzige kurze Handbewegung fegte Spike aus dem Zimmer hinaus. _ ,
„Ein ekelhafter Lümmel!" lispelte Fraulein Skel- ton ratlosen und unglücklichen Gesichts.
Watson deutete mit spitzem Finger auf die Schreibtischlade: „Entweder handelt' es sich um einen Irrtum dieses Burschen — oder um ein Der- sehen meines Neffen ..." Er entfann sich in diesem Augenblick, daß die Naumann sche Erbschastsange- legenheit und eben dieser Brief eine Rolle in seinem letzten Gespräch mit Parker gespielt hatten. „Bitte, Fräulein Skelton, sehen Sie mal in der Schublade
SOM Molke UbcrRcnmc
Roman von horst Mnolh.
nach!"
Fräulein Skelton erhob sich und wanderte um den Schreibtisch herum. „Weil es doch Herrn Par- fers Schreibtisch ist —!" sagte sie, um ihren sonder- baren Platz an der Rückseite zu entschuldigen.
Watson nickte ungeduldig.'
Die Schublade war unverschlossen. Es lagen einige Briefentwürfe darin, aber nicht der Brief, von dem Spike gesprochen hatte.
Fräulein Skelton sah Watson fragend an. Sein Alter erlaubte ihr, ihn sogar voll anzusehen. „Soll ich den Brief nun noch einmal schreiben, Sir?"
Watson zog ein blütenzartes Taschentuch aus der inneren Brusttasche seines Gehrocks und betupfte sich die Nase. „Ich verstehe gar nickt", murmelte er unsicher, „wie dieser Junge, dieser Spike, zu dieser merkwürdigen Behauptung gekommen ist, der erwartete Brief sei bereits angekommen ..."
Fräulein Skelton reckte sich empor; in ihren Augen blitzten rachsüchtige Funken. „Spike lügt wie gedruckt!" sagte sie schrill. „Mit dem Bengel wird es noch einmal ein ganz schlimmes Ende nehmen ... Ein Galgengesicht, Sir!"
Watson winkte ab; Fräulein Skeltons Ausführungen schienen ihn nicht sonderlich zu interessieren. „Was den Brief betrifft", sagte er und beantwortete damit eine zurückliegende Frage, „so werde ich Ihnen später darüber Anweisungen geben, sobald die Angelegenheit sich geklart hat. Es kann sich wohl nur um ein Mißverständnis handeln ..."
~ " — l" beeilte sich Fräulein Skelton zu
Watson hob die Brille ein wenig an und betrachtete Spike wie von riesiger höhe herab, als sähe er ihn zum erstenmal. Und in seinem Gesichtsausdruck war neben der Verwunderung, daß dieser Knabe ihn anzusprechen wagte, höchstens noch ein befremdliches Erstaunen über die scheußliche Haarfarbe des Sprechers.
„Jawoll, Sir!" fuhr Spike, den Zweifel an tyr Wahrhaftigkeit seiner Behauptungen stets kränkten, eifrig und in der blumenreichen Sprache des östlichen London fort. „Und wenn Sie mir den Kopp abbeifeen — aber fo'n Brief is gekommen, genau einen Tag, bevor Mister Parker feinen Urlaub angetreten hat! Und er hat ihn selber in ’ne Schublade vom Schreibtisch 'reingelegt und verwahrt ... Ich weiß das nämlich, weil ich sonst immer die Briefmarken von die Ausländsbriefe kriea'; und von diesem hat mir Mister Parker die Briefmarken nid) gegeben, sondern er hat gesagt, der Brief wäre schon bei den Akten — obwohl er ihn doch in die Schublade gesteckt hatte ... Und von Naumann stand paarmal was drin — dafür lass' ich mir den Daumen abhacken! Und auf ’m Umschlag war ’n Wappen mit’m Adlertopp draus, der wo so ’ne auf- gerollte Zunge aus’m Rachen ’rausftredte ..Spike veranschaulichte sogar diese heraldische Adlerzunge, indem er seine eigene herausstreckte und sie mit einer - schwungvollen Bewegung des Zeigefingers verlängernd aufrollte.
In Watsons gelbem Gesicht glommen plötzlich auf den Backenknochen zwei rötliche Flecken auf. Seine Augen waren hinter den blitzenden Brillen- gläsern unsichtbar. „Und dieser Brief aus Deutschland, in dem der Name Naumann erwähnt war, soll also einen Tag vor--"
Watson drehte sich um und verliefe das Zimmer in kerzengerader Haltung.
In seinem Büro angekommen, griff er sofort nach dem Fernsprechbuch und suchte Sid Simpsons Londoner Nummer.
Drüben meldete sich Simpsons Butler und fragte, als e*r den Namen Watson hörte, ob er seinen Herrn an den Apparat rufen solle.
„Ist Mister Simpson denn in London?" erkundigte sich Watson-erstaunt.
„Gewiß, Sir! Um diese Zeit pflegt Mister Simpson nie zu verreisen, da London jetzt am ruhigsten ist."
Watson zögerte eine Sekunde lang. „Ja", sagte er ein wenig nervös, „dann fragen Sie, bitte, Mister Simpson, wo und wie ich meinen Neffen, Herrn Allan Parker, am schnellsten erreichen könne. Er befindet sich doch, wenn ich mick nicht irre, auf einer der schottischen Besitzungen Jyres Herrn ..
„Das ist möglich, obwohl mir davon nichts bekannt ist. Soviel ich weiß, hatte Mister Parker an dem Abend, an dem er zum letzten Male hier vorsprach, die Absicht, nach dem Kontinent zu reisen."
Watson hatte für einen Augenblick das Gefühl, die Wände des Zimmers schöben sich, als bestünden sie aus Gummi, auseinander und wieder zusammen. Und er krümmte sich, als werde in seinem Innern mit einem plötzlichen schmerzhaften Ruck eine Schnur straffgezogen ... „ Bitte, rufen Sie Mister Simpson an den Apparat!" sagte er matt.
Er hörte das Geräusch von Schritten und wenige Sekunden später Sid Simpsons schleppendes „hallo?"
„Ich habe nur eine Frage an Sie, Mister Simp- son: Können Sie mir zufällig sagen, wo sich Allan befindet?" Er preßte den Hörer ans Ohr.
„Tut mir leid, Sir, ich habe leider keine Ahnung! Aber mein Butler erinnerte sick soeben, daß Allan etwas von Deutschland gesagt yat."
Watson vergaß Dank und Gruß; er hängte den Hörer mit einer hölzernen, steifen Bewegung ein und ging hölzern und steif in das Arbeitszimmer seines Bruders Nathanael hinüber.
Es war wirklich erstaunlich wie sehr sich die Herren ähnelten, und sie unterstrichen diese Aehn- I lichkeit noch durch ihre völlig gleichartige Kleidung: dunkle, hochgeschlossene Gehrockanzüge und jene I breiten Plastronkrawatten, die so um die Jahrhun
dertwende herum mal der Gipfel männlicher Vornehmheit waren.
Nathanael Watson sprang beim Anblick seiner Bruders auf und eilte ihm mit vorgestreckten Händen entgegen. „Du siehst spitz aus, Alter! Was ist mit dir los?" forschte er besorgt.
„Eine sehr merkwürdige Geschichte, Nat!" sagte der ältere der beiden Herren und liefe sich mit einem leisen Aechzen in einen Sessel fallen.
Nathanael hörte sehr aufmerksam zu, als Jeremias Watson ihm die Tatsachen in ihrer Reihenfolge, von Allans Urlaubsgesuch an über Spikes Bericht hinweg und bis zu dem Telephongespräch mit Sid Simpson, aufzählte.
„Merkwürdig —?", sagte Nathanael Watson ab*' wägend, als er alles gehört hatte. „Merkwürdig ist bis jetzt nur die Aussage dieses Spike. Alles andere könnten Zufälligkeiten sein, die eben nur durch die Aussage dieses Jungen den Charakter der Zufälligkeit verlieren ... Lassen wir also den Bengel doch noch einmal Herkommen, wie?"
„Lieber nicht, Nat! Ich möchte es vermeiden, daß man vielleicht in den Büros — —"
„Ah, ich verstehe — ich verstehe! Natürlich, da» wäre recht peinlich."
„Und außerdem glaube ich, daß Spikes Aussagt stimmt!
Beide Herren nahmen fast gleichzeitig ihre Brillen ab und begannen, mit erstaunlich gleichartigen Bewegungen die Gläser zu putzen.
„Also, was machen wir nun?" fragte der Aeltett mit einer hoffnungslosen Geste.
Der Jüngere sah blind zu ihm hinüber. „Ich kann, offen gestanden, von dem Aktenstück Nau- mannsche Erben über all die Zwischenglieder hin bis zu deinem Telephonat mit Herrn Simpson und Allan auf der anderen Seite keine vernünftige Der- bindungslinie ziehen, Alter. Allan ist sicher ein leichtsinniger Bursche; aber wenn hier irgendein« Verbindung zwischen diesen Dingen und ihm bt* stünde, das wäre —" Er vollendete den Satz nid)t
„Jch bin unsicher", murmelte der andere nervös. „Entschuldige, lieber Junge! Ich hätte diese ®e* schichte für mich behalten sollen..."
„Unsinn ,Alter! Mach dir doch darüber keine danken! Und, zum Donnerwetter von zwei Leuten wird doch einer einen gescheiten Einfall haben?"
(Fortsetzung folgt.)


