28.Z29. September 1940
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
Ar. 230Zweiter Blatt
Sei-DorbildEuropas!
Worte an Deutschlands Künstler.
Von Wilhelm von Scholz.
Die albernste und lächerlichste Lüge, mit der un« sere Feinde ihrer schlechten Sache ein Anstcmdsmän- telchen uryhängen wollten, war die von den „deutschen Barbaren", gegen welche die Kultur geschützt werden müsse.
Wir wollen uns nicht mit der Frage beschäftigen: welche Kultur?! Das, was von uns nie bestritten, Frankreich und England an Kulturleistungen ajif- zuweisen haben, war gewiß nicht das, was'von uns „Barbaren geschützt werden sollte. Denn das ist durch uns im Ansehen der Welt und in. der Wirkung auf die Zeitalter mehr gefördert worden als durch die Geburtsländer. Man braucht nur an Shakespeare zu erinnern oder an den Ruhm, der großen französischen Malern beispielsweise in Deutschland bereitet worden ist — beides bis zur Ungerechtigkeit gegen das unterschätzte Eigene.
Nein, nein! Diese Kultur braucht nicht vor uns gerettet zu werden. Und — Pech für die Feinde! — die Schöpfer solcher Kultur haben oft genug aus genauester, bitterster Erkenntnis die eigenen Völker sehr kulturwidriger Eigenschaften anklagen müssen. Ob Voltaire die Franzosen em Zwischending zwischen Tiger und Affe nennt oder Swift seine lieben Engländer so über hat, daß er nicht einmal seine
Der Dreimächtepakt im Echo der Weltpresse.
Rom: Eine heilsame Warnung an alle Kriegshetzer.
an
schließen."
Erster Widerhall in USA
X °°n uns besitzt, wofern er ein vernünftiges und heilig- V°nt.l unseres qerzens. Wer man L(.n r-:- mjrf (gründe wissen wir überhaupt klagen kann, kann auch nicht jubeln, wer nicht Glück undWiTf" chmesi. meinen kann kann nicht lochen und wen nwmu s S Mritmeiler erzählt: „Ein alter Mann lebte die Verzweiflung niebermirit, der kann sich nicht -r° Mt feinem Sohn auf einem verlassenen Fort auf heben: wer nicht ftirbt, kann nicht aufersteyen, nicht
Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!
der Höhe eines Berges, und eines Tages begab es sich, daß er eins von seinen Pferden verlor. Da kamen die Nachbarn, um ihm zu diesem Ungemach ihr Beileid zu bezeigen, aber der Alte fragte sie: ,Woher wißt ihr denn, daß es ein Unglück ist? Einige Tage darauf kam das Pferd nach Hause und brachte ein ganzes Rudel wilder Pferde mit, und die Nachbarn erschienen wiederum und wollten ihm zu solchem Glücksfall ihre Glückwünsche darbrin- aen, der Alte aber versetzte: ,Woher wißt ihr denn, daß es ein Glückssall ist?' Seit so viele Pferde zur Verfügung standen, begann der Sohn des Alten eine Neigung zum Reiten zu fassen, und eines Tages brach er das Bem. Da erschienen die Nachbarn wieder und drückten ihr Beileid aus, und der Alte sprach zu ihnen: »Woher wißt ihr denn, daß es ein Unglück ist?' Im Jahre darauf gab es Krieg, aber der Sohn des Alten brauchte mit seinem Körperschaden nicht ins Feld zu ziehen." — Hier könnten wir Abendländer fortfuhren und dies Gluck von den Nachbarssöhnen, die für das Vaterland kämpfen dürfen, als ein Unglück beklagen lassen. Doch wie dem auch sei: der deutsche Weise jedenfalls geht über den chinesischen hinaus, indem er uns die Kraft zusprichtt selber jeden Augenblick des Lebens, den günstigen wie den ungünstigen, zum
das „Stirb und werde!" erleben. Wenn Nietzsche 1 die Lust verkündet, die tiefer ist als Herzeleid und tiefe, tiefe Ewigkeit will, so vermag sie doch nur aus der Tiefe des Wehs und aus dem Vergehen in ihr ihre noch größere Tiefe zu finden. Im Goethricben Gedicht heißt es: „Ein jeder sucht im Arm fccö Freundes Ruh, da kann die, Brust in Klagen sich ergießen." Und es ist ein Maßstab für die Freundschaft, ob wir in ihr auch Klagen an- timmen dürfen und anhören können. Nur darf das Klagen kein Sichbeklagen und kein Anklagen des Lebens fein. Wer dem Leben Freund ist und in die Kunst des Lebens eingeweiht werden will, dem muß über dem eigenen Jubeln und Klagen ein Wissen schweben, daß Schmerz und Freude im Grunde Gnes sind.
Wir bedürfen keiner DorherUgunaen, im Gegenteil: wir erleben und — des: >en das Abenteuer des Lebens am besten, roenn /r uns jeden Augenblick neu von ihm überraschen i ff en und, statt uns nach einzelnen Konstellationen zu richten, von vornherein nur die eine große Richtung auf das Leben innehaben und in Bereitschaft sind, alles, was uns zustößt, was auf uns zukommt oder auch auf uns zuschlägt, unwillkürlich zu empfangen oder zu parieren. Geschickt ist das, was uns geschickt wird wir aber sollen geschickt sein, ihm niemals aus dem Wege zu gehen. Denn unsere Kunst und unser Vorrecht besteht ja eben darin, den günstigen wie den ungünsttgen Augenblick wahrzunehmen und zum bestmöglichen zu machen. Mögen wir nicht wissen, was gut für uns ist — zum Bestmöglichen können wir alles erheben, auch was uns als das Bosest- mögliche zu treffen schien.
Diese Lebenstapferkeit ist zugleich Lebensfrömmigkeit, wenn sie uns dazu bringt, im Glück nicht übermütig zu werden und im Unglück nicht zu verzagen. Alle Höhen versinken in Tiefen, und alle Tiefen steigen als Höhen auf. Wer oben stützt, mutz wissen, daß der Weg naturnotwendig wieder abwärts führt, aber es bleibt ein Weg, und nur wenn wir zittern und uns schwindelt, wird es ein Sturz. Und wer einen Tief- und Tiefstpunkt erreicht hat, kann getrost sein, daß ihn die Welle, die chn verschlang und duckte, im gleichen Maße wieder empor- trägt Erntezeiten sind schön, obwohl auf ihnen schon die Wehmut des Herbstes und des kommenden Mnters liegt, allein ebenso schön ist die Oede unserer Brachzeiten, wo unser Acker ruht und viel- , leicht schon das Korn in ihm schlummert und keimt. , Im Reichtum müssen wir uns unserer Armut be- : wutzt werden, und äußere Armut kann unermetz.
bestmöglichen zu machen.
„Glück oder Unglück — zwei Ausdrücke für die Arbeit Gottes an uns", läßt Ina Seidel m ihrem „Wunschkind" sprechen. Dieser Arbeit chlle zu halten, einzig darauf konnnt es am 23er sein Unglück für unverdient hält, der muß erst recht sein Glück als unverdient erkennen. Und was von bei- dem ist denn überhaupt gut, was schlecht für uns. Eher noch können wir es als eine Begünstigung uni> Auszeichnung betrachten, vom Leben hart, als von ihm weich angefaßt zu werden. Glück hat nur Wert und ist nur reines Glück, wenn wir es uns wenigstens nachttäglich verdienen, und Unglück können wir in Glück verwandeln. Mag das Schicksal aus der einen Hand schwarze, aus der anderen heitere Lose auf uns fallen lassen — es liegt an uns, aus den einen wie den anderen Gewinn zu ziehen. Hebbel hat von Schiller gesagt, immer habe das S^icksal geflucht und immer habe Schiller gesegnet.
Mit dem allen ist nun keineswegs gefordert, daß wir niemals klagen sollen. Die Klage ist das große und heilige Venttl unseres Herzens. Wer nicht
N e u y o r k, 27. September. (DNB.) Die Unterzeichnung des Berliner Paktes, den interessierte Neunorker Kreise noch vor wenigen Tagen durch das Ausftteuen falscher Gerüchte zu verhindern suchten, schlug in den Vereinigten Staaten wl e eine Bombe ein und löste in derjenigen USA.= Presse, die den Eintritt Amerikas in den Krieg wünschte, eine Mischung von Bestürzung und schlecht verhehlter Wut aus. Welch weltgeschichtliche Bedeutung die Neuyorker Presse dem Päkt beimißt, geht schon aus dem Umstand hervor, daß entgegen sonstiger Hebung der volle Text des Paktes von allen Blättern frontseitig gebracht wird. In den Berliner Meldungen der Associated Preß heißt es, nach Ansicht neutraler Beobachter solle der Ver- ttag in erster Linie sicherstellen, daß die USA. im Falle des Kriegseinttitts im Pazifik einer so großen Flotte gegenüberstehe, daß Amerika nicht imstande sei, England im Atlantik oder im Mittelmeer zu helfen. Die japanische Flotte sei die drittgrößte der Welt und fast so stark wie die deutsche und italienische Flotte zusammen. Wenn also die Vereinigten Staaten sich in den Krieg einmischen wollten, so wüßten sie auf zwei F-r o n te n k amp f e n und bereit «fein, den Kampf gegen 250 Millionen Deutsche, Italiener und Japaner aufzunehmen. Keiner der beim Unterzeichnungspakt Anwesenden, so schließt der Bericht, habe die Bedeutung des Paktes als Warnung an Amerika mißverstanden.
Japan und USA
Rom, 28. Sept. (Europapreß.) Die Gewährung einer A n l e i h e von 25 Millionen Dollar durch die Washingtoner Regierung an Marschall Tschiangkaischek, hat, wie die italienischen Blätter aus Tokio melden, in Japan lebhafte Entrüstung hervorgerufen. Der Außenminister habe sich noch nicht erklärt, aber die japanische Presse betrachte diese amerikanische Geste als eint Repressalie der USA. wegen des japanischen Vorgehens in Jndochina. Das Blatt „Mi- kayo" sehe voraus, daß die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern in einen gespannten Abschnitt eintteten würden.
Schrottausführverbot der USA.
Rom, 27. September. (Europapreß.) „Piccolo" erfährt aus Washington, Roosevelt habe ein Dekret erlassen, wonach ab 15. Oktober die Ausfuhr von Eisen- und Stahlschrott aus den USA. untersagt wird. Ausgenommen von dem Verbot wären Großbritannien und die Staaten Jbero-Amerikas. Roosevelt habe weiter das Gesetz unterzeichnet, das die Export- und Jmportbank ermächtigt, den südamerikanischen Ländern einen Kredit von 500 Millionen Dollar zu eröffnen, um ihre Wirtschaft in der gegenwärtigen Kriegskonjunktur zu erleichtern. Ferner habe die USA.-Regierung die Export- und Jmportbank ermächtigt, Tschiang- kaischek 25 Millionen Dollar zu leihen und für 30 Millionen Dollar chinesisches Wolfram z u k a u f e n.
Macht. .
Die „Tribun a" sagt, der Abschluß dieses Bündnisses sei die logische Folge des Unterscheidungs- Prozesses, den die Achfenpolitik betreibe, der Scheidung zwischen den Anhängern des alten plutokratt- schen Systems und den jungen Mächten. England, das sein würgendes Einkreisungssystem um die Achsenmächte habe schaffen wollen, liege nun allem und immer wieder geschlagen am Boden. Das Bündnis wolle verhüten, daß der Krieg noch gefährlichere Erweiterungen erfahren könne. Das Bündnis stelle eine Warnung bar an jene an verschiedenen Stellen der Welt vorhandenen Kreise und Strömungen, die noch England zu Hilfe kommen wollten. „L a v o r o F a s c i st a" stellt den Dreipakt unter den Gesichtspunkt des Kampfes der jungen autoritären Staaten gegen die falsche Demokratie und ihre Hegemonieansprüche, dem auch Japan im Saufe der Entwicklung beigetreten |ei, und schreibt: „Das Bündnis von heute sagt klar, daß in Europa und in Asien Mächte bestehen, die schon wahrhaft siegreich und s ch o n H e r r t h r e r Lebensräume sind. Sie betrachten weder mit Begehrlichkeit noch mit Drohungen die anderen Mächte in anderen Erdteilen, aber sie verlangen, daß diese Mächte die R e ch t e d e r anderen achten, wenigstens in dem Maße, wie sie s e l b st Achtung und Desinteressement für die Vorgänge tn der Neuen Welt verlangen "
Die „Gazetta bei Popolo" schreibt, ^tzer England sollte sich niemand über dieses Bündnis beunruhigen, das man infolge der früheren Vereinbarungen der drei Staaten und der Verwandtschaft ihrer politischen Anschauungen sowie ihrer In* teressensolidarität leicht vorausfeh en konnte. Gewiß muß das Bündnis England zu denken geben.
Seine Unüberlegtheit bet der Entfesselung des europäischen Krieges wird jetzt besttaft. Der Krieg gegen England erfaßt jetzt alle Erdteile, wo das britische Weltreich Interessen hat: Europa, Afrika, Asten und Ozeanien. Für die Vereinigten Staaten bedeutet das Bündnis keine Drohung. Niemand hat je Amerika bedroht. Die britische und jüdische Propaganda in der amerikanischen Presse sucht den Amerikanern klar zu machen, Deutschland und Italien bedrohten ihre Interessen. Das ist ganz falsch. Niemand in Deutschland und Italien hat
Lebenstapferkeit.
Von Hans Brandenburg
Mit dem Worte Lebenskunst wird viel Mißbrauch getrieben. Manche glauben, es ließen sich darüber Rezepte abfassen und befolgen, und was sie lehren oder lernen, ist doch bestenfalls nur ein Trick, den sie cherausbekommen, eine bloße Technik, die vielleicht nützlich und brauchbar, aber von einer Kunst fo weit entfernt ist wie eine Maschine von einem Götterbild. Ja, der Titel eines Lebenskünstlers ist höchst fragwürdig geworden, denn man versteht darunter nur allzu "oft einen kalten und selbstischen Genüßling, der sich auf Kosten anderer gute Tage macht, einen wenn auch glänzenden und blendenden Schmarotzer. Man möchte mit solch zweifelhaftem Ehrennamen wahrlich einen Goethe, auf den er mit Vorliebe angewandt wird, gern verschont sehen chn, der jederzeit auch dem Leid die unbewehrte Brust aussetzte, der nur im Würdigsten beschäftigt, der ein ewig Schenkender und darum em Entsagender war und dem Menschsein Kämpfersein bedeutete.
licher innerer Reichtum sein. Schmerz ist die Kelter für unseren besten Wein. Jedesmal, wenn uns ein Wunsch für immer versagt wird, werden wir von einem Wahn geheilt. Ein Ziel, das wir mit aller Kraft nicht erreichen können, lag auch nicht auf unserem wahren Wege; wenn wir es aber nur auf Umwegen erreichen, so bieten diese vielleicht unsere köstlichsten Begegnungen und Aussichten. Eine Kette vorübergehender Fehlschläge kann die Voraussetzung unseres größten Treffers bilden, jeder Erfolg führt über Mißerfolge, und wer zum Siege berufen ist, gewinnt den stärksten Ansporn aus der Niederlage, die ihn alle seine verbliebenen Streitkräfte überwältigend und entscheidend zusammenraffen lehrt.
Gegrüßt und gesegnet also sei jeder Augenblick, der günstige, der ungünstige, weil jeder der bestmögliche sein kann, in jedem die Möglichkeit zu wecken ist, daß er zu unserem Besten dient. Das Leben ist ein ewiges Aufundab, und nur als solches zu lieben und zu meistern. Den ewigen Webstuhl haben wir nicht gemacht, aber wir können lernen, zu weben oder doch mitzuweben. Das Leben läßt wahllos die Fäden schießen, die dunklen und die lichten. Mr können Pfuscher sein und sie verwirren und zerreißen. Wir können aber auch den Einschlag hineingeben mit unserer Seele, unserem Charakter, unserer Persönlichkeit, daß das Gewebe, das mit uns und durch uns entsteht, ein Meisterstück wird. Ein Meisterstück? Nun ja: ein Stückchen — em kleineres, ein größeres — von der Gottheit lebendigem Kleid.
Rom, 27'Sept. (Europapreß.) Zum Drelerpakt von Berkin schreibt Gayda im „Glornale d ' Itali a", dem Sprachrohr des Aubenministe- riums, der Pakt sei ein wahrer und eigentlicher Bündnisvertrag, politisch und militärisch, und auf derselben Grundlage abgeschlossen, wie der „Stahlpakt" von Berlin im Mai 1930. Er gehe von der einmütigen Bejahung des Rechtes jedes -Volkes in der Welt, den ihm gebührenden Platz einzunehmen, aus. Es sei das Recht auf die von den Plutokraten den gefunden Arbeiternationen bestrittenen L e - bensräume. Hierin liege der tiefe geschichtliche Sinn des Krieges der Achse in Europa und der des japanischen Krieges in Asien. Die drei Mächte definierten dieses Recht auch vor der Geschichte in ihren verschiedenen Bereichen. Nachdem die geschichtlichen und politischen Positionen sestgelegt find, sichern sich die drei Mächte auch die gegenseitige Solidarität der Verteidigung zu. Das unmittelbare und sichtbare Ergebnis des Paktes sei die endgültige Isolierung Englands und seines Imperiums. Jede Einmischung neuer Kräfte auf dieser Seite geaen die Achsenmächte würde unmittelbar die japanische Gegenpartei an der Seite Italiens und Deutschlands finden. Gayda unterstreicht die Bedeutung des heroischen japanischen Heeres, seiner großen und aktiven Luftwaffe und seiner Kriegsflotte, die die drittgrößte in der Welt ist, betont aber gleichzeitig, daß dieser so gewappnete Verttag niemanden bedrohe. Er ermahne lediglich jene wenigen Unbesonnenen, die sich ih Plänen einer Eittmischung zugunsten Englands wiegen. Es bleibt der Welt nichts anderes übrig, als den unwiderstehlichen und Mächtigen Marsch der neuen Geschichte anzuerken- nen. England bleibt nichts anderes übrig, als den Untergang seines Weltreiches anzuerkennen. Alle Möglichkeiten neuer Versuche und Allianzen sei nun der Weg verlegt. England habe nun zu wählen zwischen der bedingungslosen Uebergabe und der nicht wieder gutzumachenden Zerstörung von allem, was noch übrigbleiben kann von seinem nattonalen Leben und seiner schon auf dem Abstieg befindlichen
Der Gründer von Bethel.
Der eigentliche Begründer der berühmten Krankenanstalten von Bethel, die vor einigen Tagen das Ziel ruchloser britischer Bombenangriffe gewesen sind, stammt aus unserer nächsten Nähe. Es ist der Bielefelder Pfarrer Friedrich Simon, der in dem Pfarrhaus zu Rodheim an der Hor- loffals das siebente Kind des damaligen Pfarrers und späteren Superintendenten von Oberhessen, Dr. Friedrich Simon, geboren wurde. Erst mehrere Jahre nach der Gründung übernahm Friedrich von Bodelschwingh die Anstalt, die schon damals mtt etwa 150 Kranken belegt war. Friedrich Simon starb 1912 zu Bielefeld. In einem Aufsatz über das Rodheimer Pfarrhaus, den wir demnächst in unserer Beilage „H e i m a t i m B i l d" veröffentlichen werden, wird auch des Begründers der Bethelfchen Anstalten, von denen fo viel Segen ausgefttahtt ist, gedacht werden.
Familie mehr erblicken will, ja sogar die Spiegel verhängt, um nicht sein eigenes englisches Gesicht zu sehen, das mag gleich gelten!
„Kultur" muß in jenem absurden Satz der Feinde offenbar etwas anderes heißen — vielleicht Gold, vielleicht Dividenden, vielleicht Ausbeutung und Aussaugung des Arbeiterstandes oder der kleinen Nationen; jedenfalls etwas, wogegen! man sich den Zorn eines ehrlichen kulturschöpferischen „Barbaren" einigermaßen vorstellen kann.
Aber die läppische Verleumdung Deutschlands soll uns nicht nur erheitern und nur Satire reizen! Sie soll uns auch zum zufälligen Ausgangspunkt für wichtigste Ueberiegungen dienen. Wie die Wirtschaft, wird nicht minder Kunst, Kultur, geistiges Leben der kommenden Zeit in Europa ganz stark von Deutschland bestimmt werden. Ohne Vorschriften und Gesetze natürlich! Rein vorbildhaft, durch die Europa führende Kraft und Macht des deutschen Volkes wird das Schaffen feiner ^Schöpferischen für die lebendigen Geister aller eropärschen Völker maßgeblich sein. Verantwortungsvolle Aufgabe für die Natton im Gedanken an die aufhorchende Menschheit — wie die Aufgabe des einzelnen Künstlers verantwortlich ist durch das Bewußtsein, seine Nation achtet auf das, was er schafft!
Die nationalsozialistische Erziehung des Volkes hat der Kultur und der Kunst eine neue, viel wichtigere Stellung angewiesen und bereitet, als sie sie früher hatten, und hat beiden menschheitlichen Aeu- ßerungsarten damit neue, höhere und ernstere Ausgaben gewiesen, greifbare Ziele ihnen gesteckt, die bisher am meisten fehlten.
Im alten Deutschland, wie natürlich überall sonstwo, war der Schaffende, der Kulturträger, nicht nur verführt, sondern fast dazu gezwungen, durchaus nur Individuum zu sein. Die Kunftgemeinde, die sehr kleine Gemeinde für echte Kunst und Kultur, die Gemeinde der verstehend Aufnehmenden, bestand ja auch keineswegs aus einer Volksg^neinfchaft, sondern aus verstreuten, einzelnen Individuen, die sich, ihre Freuden und ihre Schmerzen in der Kunst ausgedrückt sehen wollten und als entwurzelte Einzelne
Wir wollen das Wort Lebenskunst gleichwohl nicht preisgeben, sondern es wieder mit seinem wahren, unenfftellten Inhalt erfüllen. Zu diesem Zwecke muß man ihm ein anderes Wort, das Wort Lebenstapferkeit, voraussetzen. Es gibt keine wahre Lebenskunst ohne Lebenstapferkeit. Nur wenn wir uns das vor Augen halten, werden wir die weisen Männer, die uns zur echten Lebenskunst verhelfen möchten, richtig verstehen. Einer der Weisesten, em deutscher Physiker und Philosoph des achtzehnten Jahrhunderts, Georg Christoph Lichtenberg, sagt in seinem berühmten Aphorismen:
„Jeden Augenblick des Lebens, er falle aus welcher Hand des Schicksals er wolle, den günstigen wie den ungünsttgen, zum bestmöglichen zu machen, darin besteht die Kunst des Lebens und das eigentliche Vorrecht eines vernünftigen Wesens.
Dieser Ausspruch verlangt kein bestimmtes äußeres Verhalten von uns, aber er setzt eine innere Umkehr voraus. Er legt uns keine Pflicht auf — er verleiht uns nur ein Recht ober offenbart uns vielmehr nur ein Recht, das eigentliche Vorrecht, das
je daran gedacht, gegen die Vereinigten Staaten in den Krieg zu ziehen. In den Kreisen, in denen itian gern von der Einmischung in die Kriegsangelegenheiten Europas spricht, kann das in Berlin unterzeichnete Bündnis als eine heilsame Warnung gegen diese Kriegshetzer betrachtet werden. Die Achse Berlin—Rom wird zur Achse Berlin- Nom—Tokio. Dieser Achse werden sich alle jungen Erneuerungskräfte für eine bessere Zukunft
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Widerstand der USA -Farmer gegen die Wehrpflicht.
Neuyork, 27. Sept. (Europapreß.) Don einem erheblichen Widerstand gegen die Durchführung des Wehrpflichtgesetzes in den verschiedensten Staaten der Union berichtet der „New Pork Daily Mirror": In Texas habe sich eine Vereinigung von Farmern gebildet, die in zahlreichen Zusammenkünften nicht nur schärffte Kritik an Präsident Roosevelt und dem Kongreß übten, sondern offen dazu auf=e forderten, den Aushebungsversuchen Wider- st a n d entgegenzusetzen. Die Organisation sei nach dem Eingreifen des Justizdepartements jetzt aufgelöst worden, jedoch werde ähnliches aus zahlreichen anderen Staaten berichtet, vor allem aus North- Carolina, Montana, Oklahoma, Georgia. Virginia, Utah und Arizona.
Oie Japaner bereits an der Grenze Tonkins und Chinas.
Schanghai, 26. September. (DNB.) Die japanischen Ttuppen, die am Mittwochmorgen in der Nähe von Haiphong an Land gingen, rückten, wie das Hauptquartier der japanischen Siidchmaarmee bekanntgibt, in Lan gson ein, dem Endpunkt der von Hanoi zur chinesischen Grenze und darüber hinaus nach Mnnanfu führenden Eisenbahnlinie. Vorher war in Langson eine Verständigung über das Vorgehen zwischen französischen untUjapa- nischen Offizieren erreicht worden.
Neue ia^- niiche Minister.
T o k i o, 27. Sept. (DNB.) Die Regierung Konoye gibt die Ernennung von Kiyoshi Akita, des früheren Präsidenten des Unterhauses, zum Kolonialminister, von Gotaro Ogawa, der ftüher Kultusminister war, zuyr Eisenbahnminister und von Yasuo Kanomitsu, eines früheren Kolo- nialministers, zum Wohlfahrtsminister bekannt.
Was fast man in Spanien?
Madrid, 27. Sept (Europapreß.) Der neue Deutsch-Jtalienisch-Japanische Dreimächtepakt wird in Madrid begrüßt als ein diplomatischer Sieg der Achse, dem man eine nicht minder große Bedeutung wie dem Deutsch-Russischen Nichtangriffspakt beimißt. „Arriba" meint, die japanische Entscheidung durste nicht ohne Auswirkung bleiben. Die Engländer spielten va banque mit ihren Hoffnungen, und Englands Verbündete müßten das gleiche Abenteuer mitmachen. ,L1BC" fpricht von einer entscheidenden Entwicklung der internationalen Politik. Der neue Vertrag stehe in seiner Bedeutung art der Seite des Deutsch-Nussi- : schen Nichtangriffspaktes. Während dieser wichtige ; Voraussetzungen für die Kriegführung Deutschlands • in Europa schuf und den Zweifrontenkrieg verhin- i derte, zwinge das Dreimächteabkommen gewisse Demokratien zur Aufmerksamkeit nicht nur in Richtung : Europa, sondern auch in Richtung Pazifik. Deutsch- t land habe wieder einmal einen neuen und brillanten diplomatischen Sieg errungen. ________


