Nr. 205 Zweites Blatt
«Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Mittwoch. 28. August 1940
Ein stolzes Werk Ser Volksgemeinschaft
So half der Gastgau Heffen-Naffau.
Aus der Stadt Gießen.
Rote perlen im grünen Wald.
Wenn die kleinen kugeligen Beeren rot und reif aus ihrem zierlichen Blätterwerk leuchten und dami der Zeitpunkt des Pflückens bekanntgegeben wird fetzt in den Beerengegenden schlagartig lebhafter Betrieb em, denn die vielen Tausende von Zentner Preiselbeeren, die Wald und Heide alljährlich spenden, müssen rechtzeitig eingebracht werden, sollen sie ihren Zweck als wichtigen Teil der Vorratswirtschaft erfüllen. Im August beginnt die Ernte, zieht sich aber bis tief in den Herbst hinein, weil die Beeren in gutem Boden und Klima außer im Mai noch ein zweites Mal im August blühen und diese Früchte dann auch noch reifen.
Die Preiselbeere hat wie ei* liebes Kind viele Namen. Sie heißt auch Krons- oder Tiztebeere, heißt roter Besing oder rote Heidelbeere, Steinbeere, Strickbeere oder Mostbeere. Zu ihrer Eigenart gehört, daß sie sozusagen bodenständig ist-, ein Preisel- beerpflänzchen kommt bei der besten Pflege im Garten nicht fort, und als ein findiger Amerikaner im Jahre 1845 eine Preiselbeerfarm anlegte, brachte er es nur deshalb zu einem leidlichen Erfolg, weil er die Pflanzung in einem völlig unkultivierten Stück Sumpfland anlegte.
Die Preiselbeeren müsse*, wenn sie schmecken sollen, gekocht werden: dann aber entwickeln sie auch ganz besondere Vorzüge, denn abgesehen von ihrem würzigen Geschmack sind sie, dank ihres hohen Gehalts an Benzoesäure und Borsäure, den besten na- ' tätlichen Konservierungsmitteln, richtig eingekocht, jahrelang haltbar. Der erfrischende Geschmack der gekochten Beeren wird besonders durch die in ihnen enthaltene Apfel- und Zitronensäure bedingt. Preiselbeeren sind sonnenhungrig, und von der Sonnenbestrahlung hängt auch ihr Ditamingehalt ab, der sich in sonnenreichen Sommern besonders erhöht.
Am besten munden die Preiselbeeren mit Zucker eingekocht. Sie lassen sich jedoch auch ohne Zucker einmachen, und zwar in der gleichen Weise, in der die gezuckerten Beeren zubereitet werden. Nur daß natürlich die Haltbarkeit der zuckerlosen Konserve viel beschränkter ist und über ein paar Monate nicht hinausgeht. Die Frauen der Jakuten in Sibirien machen es sich mit dem „Einkochen" der auch dort vorkommenden Preiselbeeren noch viel einfacher. Sie legen die Beeren in ein mit Eis gefülltes Loch in der Erde, wo sich das Eis den ganzen Sommer hindurch bis in den Winter hält und die Beeren in diesem „tiefgekühlten" Zustand monatelang frisch bleiben. Mit Honig, süßem Rahm und Lachsrogen vermischt, sind sie dann die beliebteste Speise bei den Festmählern der reichen Jakuten.
Aus frischen Preiselbeeren läßt sich auch eine sehr wohlschmeckende Tunke kochen, wenn man die zerdrückten Beeren in eine Einbrenne von Butter und Mehl gibt, mit Wasser verdünnt und hernach noch mit etwas Rotwein und Zucker dünstet. Außerdem geben Preiselbeeren einen wundervoll erfrischenden Fruchtsaft, sie lassen sich zu Wein oder zu einem guten kräftigen Branntwein, „Steinbeerwasser" genannt, oder auch zu einem „Preiselbeersekt" verwenden, der hergestellt wird, indem man die Beeren mit Wasser bedeckt, drei Monate stehen läßt, dann in Flaschen abzieht und nach Belieben mit Zucker süßt.
Doch nicht nur aus den Früchten, sondern auch aus den kleinen Blättern der Preiselbeeren läßt sich Nutzen ziehen. In der Volksmedizin der Russen werden sie schon feit Jahrhunderten verwendet und kommen in großen Säcken auf die Märkte, wo sie in Mengen abqesetzt werden, weil der Tee aus getrockneten Preiselbeerblättern als treffliches Mittel gegen Rheumatismus gilt. Die Heilkraft der Blätter fetzt keinen Aberglauben voraus, sondern beruht auf der einfachen Tatsache, daß sie Gerbsäure, Arbutin und Hydrochinon enthalten, und weil diese Stoffe vermutlich die Harnsäurebildung vermindern, günstig auf den Körper einwirken. Die Blätter, die man am besten im späteren Herbst pflückt, da sie um diese Zeit am heilkräftigsten sind, werden im geschlossenen Raum getrocknet, wobei man sie vor unmittelbarer Sonnenbestrahlung bewahren muß. Während sie noch an der Pflanze sitzen, brauchen sie allerdings viel Sonne und sind am gehaltreichsten an trockenen, stark sonnenbeschienenen Standorten. M. A. v. L.
Seit Tagen hallen die Bahnhöfe des Gaues Hessen-Nassau vom Jubel glücklicher Menschen wider. Auf den Bahnsteigen, auf denen sich erwartungsfrohe Ferienreisende drängen, stehen Männer und Frauen, Greise und Kinder und warten frohgestimmt auf die Züge, ihre Züge. Ueberreich mit Blumen geschmückt tragen sie große Schilder mit launigen Inschriften. Saarländer und Pfälzer kehren aus den Bergungsgebieten des Gaues in ihre Heimat zurück. Wieder füllen sie die Wartesäle der Bahnhöfe, umdrängen sie dankbar die Männer und Frauen der NSV. und N2.- Frauenschaft, die in vielen Stunden eifriger Arbeit die Stullenpakete und Teekannen für die Reise gerichtet haben.
Ist es wirklich schon ein Jahr, daß sie hier ankamen, um eine erste Rast zu halten? Aengstlich blickten damals vieler Frauen und Kinder Augen, beklommen schlugen viele Herzen. Da offenbarte sich ihnen die deutsche Volks- und Schicksalsgemeinschaft in schweren Stunden in ihrer unbeugsamen Größe. Nicht die dampfenden Kessel und gedeckten Tische allein gaben neuen Mut, nicht die tausend und aber tausend Handreichungen und Hilfeleistungen allein verscheuchten die ersten Sorgen. Was die Herzen freier und zuversichtlicher machte, war die tröstliche Gewißheit, nicht allein zu stehen.
Das frauliche Verstehen und zielbewußte Zugreifen der NS.-Frauenschaft, chr Sorgen und Helfen in unzähligen Tages- und Nachtstunden knüpfte das Band einer Gemeinschaft, die getragen wird vom gegenseitigen Vertrauen und einem unerschütterlichen Glauben an Deutschland und seinen Führer.
Herrliche Tage, die stündlich Aufgaben in unbändiger Fülle stellten und sofortige Lösung verlangten. Die Bewährungsstunde der NSDAP, im Kriegseinsatz hatte geschlagen. Willig und dankbar gaben sich Mütter und Frauen in den betreuenden Schutz ihrer Volksgenossinnen des Gastgaues. Vertrauensvoll überantworteten sie ihre Kinder der
Es ist Sonntag, nachmittags 3 Uhr. Alle Teilnehmer des Lehrgangs sind vollzählig eingetroffen. 18 HJ.-Führer sind es, im Verhältnis zu den vorhergehenden Lehrgängen etwas wenig, aber das macht nichts, sie werden trotzdem alle ihren Mann teilen.
Zu Beginn des Lehrgangs wird feierlich die Flagge aufgezogen, und sofort beginnt die Arbeit. Nach Bekanntgabe der Haus- und Schulordnung durch den Schulführer, Oberscharführer Stiegl- meicr, tritt alles auf dem Hofe an zum Ordnungsdienst. Um 19 Uhr wird die Flagge wieder eingeholt, und der ganze Lehrgang geht mit großem Appetit in den Speisesaal. So gestärkt, schmettern wir dann in einer Singstunde alte und neue Lieder. Zum Schluß gibt es für. jeden noch eine kalte Dusche, und dann geht alles ins Bett. Der erste Tag ist in voller Zufriedenheit verlaufen.
6 Uhr morgens, der neue Tag ist angebrochen. Die ganze „Besatzung" springt aus den Federn zur Morgengymnastik. Ein» kleiner Waldlauf schadet nicht den ausgeruhten Gliedern. Anschließend wird gewaschen, die Betten gebaut, das Revier gereinigt, und die Stuben werden vom Lagerführer kontrolliert. Da sieht man, wie manches Bett wieder herausfliegt, das nicht richtig gebaut ist. Ordnung gehört auch zum Dienst des HJ.-Führers. Ist dann alles fertig, geht es in den Hof zur Flaggenparade. Nach einem zackigen Lied steigt die Fahne am Mast hoch, ein HJ.-Führer spricht dazu einen sinnvollen Flaggenspruch. „Wegtreten" heißt es, und schon rennt alles in den Speisesaal zum Kaffetrinken.
Um 8.10 Uhr steht der ganze Lehrgang geschlossen im Lehrsaal. Obergefolgschaftsführer Berghöser hält einen spannenden Vortrag aus dem Gebiete
Fürsorge des BDM. Kranke atmeten auf, da sie die wohldurchdachten Maßnahmen der NSV. erkannten, die zuerst sich ihnen zuwandten, um sie in Pflege und ärztliche Obhut zu bringen. Schwangere zitterten nicht mehr vor ihrer schweren Stunde, Greise und Greisinnen fühlten geborgen den stützenden Arm.
Stolze Tage der HI., die Kisten und Kästen, Koffer und Säcke schleppte, als Ordonnanzen zwischen den Einsatzstäben der Partei flitzte und immer willig noch unzählige Besorgungen vermittelte. Dann galt es Obdach zu schassen und die Bleibe wohnlich zu gestalten. Wäsche- und Kleidungsstücke waren zu ergänzen, ganze Zimmereinrichtungen zu stellen, hatten doch die rückgeführten Volksgenossen oft binnen Stundenfrist Haus und Hof im frei gemachten Gebiet verlassen müssen. Zudem sah noch mancher Ortsgruppenleiter plötzlich eine Herde Groß- und Kleinvieh vor seiner Dienststelle, die sachgemäß untergebracht und betreut sein mußte.
Und gebieterisch verlangte das Leben sein Recht. Die Männer drängten zum Werk. Unübertrefflich bewährte sich nun der eingespielte Apparat der Kreiswirtschastsberater der NSDAP. Ganze Industriezweige waren verlegt worden und mußten für kriegswichtige Produktion neu anlaufen. Da wurden Fabrik-, Geschäfts-, Lager- und Büroräume aus ehemals jüdischen Beständen oder stillgelegten Betrieben beschafft und Hilfskräfte vermittelt. Steuerangelegenheiten, Hypothekensachen und Mietpreisvereinbarungen waren zu regeln.
An all das denken die Volksgenossen aus dem Westen des Reiches heute voll Dankbarkeit und Bewunderung zurück. Sie kehren zurück in ihre Heimat, die des Führers siegreiche Wehrmacht schützte, die das Walten der NSDAP, wohnlich erhielt. Sie bringen Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Nachbargau mit. Mit grenzenloser Liebe zum Führer in ihren Herzen beginnen sie nun ein Ausbauwerk, das in der Geschichte ihrer Heimat beispiellos sein wird.
der weltanschaulichen Schulung. Der Zweck des Lehrgangs besteht darin, daß jeder HJ.-Führer den K-Schein erreicht. Hierfür ist Geländedienst und Waffenlehre erforderlich. Deshalb geht es anschließend ins Freie, um das praktisch auszuführen, was man vorher theoretisch im Lehrsaal durchgenommen hat. Nach dem Rückmarsch werden im Hofe Ordnungsübungen gemacht, dann geht es zum Essen. Der Eintopf mundet allen köstlich nach so einem anstrengenden Vormittag.
Zeltbau und Kochstellen, so steht auf dem Dienstplan für den Nachmittag. Auch das muß gelernt werden, wenn man auf Fahrt geht. Waffenlehre ist der nächste Punkt für den Mittag. Ein guter Schütze hat auch das theoretische Schießen gut zu beherrschen. Damit aber der Dienst nicht langweilig wird, wird immer mit den einzelnen Ausbildungen abgewechselt. Es geht nochmals hinaus ins Freie, um wieder eine andere Art des Geländesportes zu treiben. In die Schule zurückgekehrt, werden die Schuhe geputzt, alles in Ordnung gebracht und auf dem Hose angetreten zur Flagg en einholung, anschließend Nachtessen. Jetzt schmeckt der gute Kakao noch einmal so gut. Das heutige Abendthema lautete: „Wie gestalte ich einen Heimabend". Es folgt noch eine kleine Gesangsstunde, dann ist das Tagewerk beendet. Um 22 Uhr schnarchen schon alle in den Betten.
Auch der dritte Tag verläuft mit demselben Dienstplan. Obergef. Berghöser fährt in seiner Vortragsreihe fort. Er bespricht die Fragen für die 3. Klasse des HI.-Leistungsabzeichens, die auf weltanschaulichem Gebiet verlangt werden. Der vierte Tag bringt als bemerkenswertesten Punkt den Vortrag des Obergef. R u p p e l. Der Dienstschluß ist
wie gewöhnlich um 22 Uhr. Der nächste Tag bringt dann die ersten Erfolge des Lehrgangs. Es finden die zwei theoretischen Prüfungen statt, im Schieß- und Geländedienst. Das Ergebnis isf erfreulich, wenn wir es vergleichen mit dem der vorhergehenden Lehrgänge. Nach einem kräftigen Mittagessen geht alles auf den Schießstand nach Leihgestern, um dort die praktische Prüfung abzulegen. Auch der Bannführer besucht uns dort. Nach Beendigung geht es von dort mit schmetternden Liedern nach Hause. — Flaggenparade, dann sofort weggetreten in den Speisesaal. Nach dem Essen hören wir uns noch einen sehr interessanten Vortrag des Sozialstellenleiters Emmerich an. Er berichtet uns von seinen Erfahrungen im Dienst und gibt uns Anweisungen über die sozialen Aufgaben in den unteren Einheiten. Dann sofort weggetreten ins Bett.
Am Freitagmorgen gibt es noch einmal Hoch- betrieb. Morgens sind die schriftlichen Prüfungen der drei Klassen für das HJ.-Leistungsabzeichen. Durchgeführt wurden sie von Obergef. Berg« Höfer. Es folgten dann noch die praktischen Prüfungen für den Geländedienst im Freien. Bei dem anschließenden Mittagessen besuchte uns nochmals der Bannführer und richtete an den Lehrgang nach
A wirkt schmerzstillend- I
■
Amol Karmelitergeist ab 80 Rpf. in allen Apotheken u. Drogerien
dem Essen noch einige Worte. Trotz des Krieges hat man uns hier gut „gefüttert", daß wir immer übersatt wurden. In der anschließenden Freizeit wurden einige Vorbereitungen getroffen für den Kamerad- schaftsabend. Er soll doch schön werden. Es geht eben nochmals raus ins Gelände zur letzten Prüfung. Das Abendbrot ist vorbei, da steigt dann der Bunte Abend. Mit großen Senfationsnummern, aber etwas wenigen Zuschauern, aus der Umgebung, u. a. der Schulführer und der Schießleiter Beigang, verlauft der Abend. Es war wirklich ein Erfolg unserer findigen HJ.-Führer. Die Zeit ist schon ziemlich vorgeschritten, deshalb geht es sofort ins Bett. Auch der letzte Tag nimmt feinen gewöhnlichen Verlauf. Nach dem Wecken um 6.00 Uhr mit anschließender Gymnastik, ist großes Reinemachen des eigenen Körpers und des ganzen Hanfes, anschließend Kaffeetrinken. Die Tornister werden gepackt und die Ergebnisse der Prüfungen vorgelesen, die in diesem Lehrgang erzielt wurden. Die Kameraden verabschieden sich mit dankbarem Herzen von ihrem Schulführer, der sie in ihrer Leistung wieder ein Stück vorwärts gebracht hat. Dann rücken alle ab, mit frohen Gesichtern. Mächtig schallen die Lieder durch den Wald; freudig marschieren alle zurück, eine kleine Zahl, in treuer Kameradschaft verbunden, der Zukunft entgegen.
Der Erfolg war ihnen beschieden; das sehen mir, wenn wir die Ergebnisse betrachten. Don den 18 Teilnehmern erhielten 15 HJ.-Führer den Grund- schein, 7 HJ.-Führer den K-Schein, 3 HJ.-Führer den Lehrschein. Dieser Erfolg zeigt, daß auch die HI. im Krieg noch etwas leistet und gewillt und fähig ist, in den großen Kampf des Führers einzutreten.
Tageskalender für IMllrvoch.
Stadttheater: 20 Uhr Gastspiel „Schwarzmeer- Kosakenchor". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Meine Tochter lebt in Wien". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Heimat".
Ortszeit für den 29. August.
Sonnenaufgang 6.31 Uhr, Sonnenuntergang 20.20 17 35 Uh Mondaufgang 1.59 Uhr, Monduntergang Die MW d MelWM
Kreiswallung Wetterau.
Die Sprechstunden der Fachabteilungswalter finden npr noch jeden Freitag von 8—12 Uhr und 14—17.30 Uhr, Samstags von 8—13.00 Uhr, statt.
Die Sprechstunden aller anderen Abteilungen: Verwaltungsstelle, Rechtsberatung, Berufserziehung und Jugendabteilung bleiben unverändert. 38420
Ein Lehrgang in Oer Führerschule der HZ Zn der Gauschule im Bergwerkswald.
Wie Lleberarbeiiung vermieden wird.
Vernünftige Lebensweise erhält die Arbeitskraft des Gehirns.
Don Dr. L. Albert.
Immer wieder kommt es vor, daß Männer, die viele Jahre anstrengende geistige Tätigkeit ausgehalten haben, ohne auch nur einmal krank gewesen Zu sein, plötzlich nicht mehr in dem 'gewohnten Ten^po arbeiten können. Sie fühlen sich schnell müde; da diese Schwäche während der Arbeit ihnen Zunächst ungewohnt vorkommt, kämpfen sie n'it Energie dagegen an. — Aber sie können es schließlich doch nicht verhindern, daß stets schon nach einigen Stunden Arbeit bleierne Müdigkeit sie überfallt. Besonders bei längerem Stehen gelingt ihnen die geistige Konzentration nur schwer. „Ich bin so furchtbar müde! Helfen Sie mir nur, diese entsetzliche Müdigkeit loszuwerde*, damit ich wieder arbeiten kann!" das ist die häufigste Klage, die der Arzt von solchen Patienten hört. — Manchmal steigert sich die Müdigkeit zu dumpfem Kopfschmerz, für den sich aber keine wirkliche Schmerzstelle finden läßt. Das Schlimmste ist nachts Die Schlaflosigkeit trotz aller Müdigkeit. Der Schlaf ist unruhig mit vielen Unterbrechungen, und Dann kommen noch me Herzbeschwerden. Zuerst „fühlen" sie nur ihr Herz, sie bekommen leicht Herzklopfen und haben manchmal ein Druck- oder Engegefuhl. Schließlich glauben sie, durch Anfälle von Herzjagen geängstigt, ste seien schwer herzkrank. Aber auch das ist alles nur eine Folge Der Ueberarbeitung.
Zuerst meldet sich meist der Magen, der ein besonders empfindliches Organ ist. — Doktor, ein Ferngespräch!" — Mit einem leisen Fluch wird der Suppenlöffel hingelegt. „Ausgerechnet jetzt müssen Die mich stören!" Und Dann stürzt man zum Apparat. Eine Viertelstunde später ist nicht nur die Suppe falt, auch der Appetit ist weg, und der Bratfisch, auf Den man sich so gefreut hatte, schmeckt nicht mehr. Welchem Laboratoriumsleiter, Arzt, Rechtsanwalt oder leitende* Beamten ist das nicht schon passiert? — Man halte diese Störung beim Essen nicht für harmlos, es wird nicht nur die Mahlzeit unterbrochen, der ganze Verdauungsmechanismus gerät jedesmal in Unordnung. Das
Telephon, das sich zu so unpassender Zeit meldet, kann Den Grund zu einer späteren schweren Magenstörung legen. Professor Dr. Fritz Lange (Dresden) hat kürzlich in der Münchener medizinischen Wochenschrift die körperlichen Anzeichen geistiger lieber- arbeitung einmal zusammengestellt und gleichzeitig auch gezeigt, wie gefährlich gerade häufigere Unterbrechungen des Essens werden können.
Der bekannte russische Forscher Professor Pawlow hat einmal einen Versuch mit einem Hund gemacht, um Den Zusammenhang zwischen Freßlust und Magensaftbildung zu klären. Dabei bemerkte er, daß der Speichelfluß schon durch den Anblick des Futters angeregt wurde, daß aber erst nach etwa fünf bis sechs Minuten der Magensaft zu fließen begann. Nahm man Dem HunD Den begehrten Bissen roieDer fort, so wurDe fast augenblicklich auch Die MagensaftbilDung unterbrochen. — Aehnliche Experimente haben später anDere Forscher auch an Menschen durchgeführt und dabei die gleichen Feststellungen gemacht. Wenn man also beim Essen gestört wird, so legt man den Löffel meist gerade in dem Augenblick nieder, in Dem Der Magen richtig zu arbeiten anfängt. Will man nach einiger Zeit Die Mahlzeit fortsetzen. Dann streikt Der Magen unD bilDet keinen Saft mehr. Die Folge ist, daß man Den Magen füllt, ohne daß die notwendige Magensäure für Die Verarbeitung sorgt. Man braucht sich dann nicht zu wundern, wenn sich einige Zeit nach dem Essen „Sodbrennen" einstellt, Das nämlich genau so von einem Mangel, wie von einem lieber* schuß an Magenfäure ausgelöst werden kann. Nimmt man dann auch noch Natron, um die gar nicht vorhandene Säure unschädlich zu machen, so braucht man sich nicht zu wundern, wenn eines Tages der Magen ganz versagt.
So entstehen aus der Unregelmäßigkeit der Mahlzeiten, aus Der Hast Des Essens unD aus Den unzähligen Unterbrechungen dieser lebensnotwendigen Körperfunktion im Laufe der Jahre schwere Schäden. Die gegen Die Natur gerichtete Lebensweise
wirkt sich schließlich auch gegen Den ganzen Organismus aus. Eines nachts erwacht man, von rasendem Herzklopfen überfallen. „Was ist mit mir los?" denkt man, „bin ich mit meinen 45 Jahren schon verbraucht? — Will das Herz nicht mehr?" Man geht nach einer schlechten Nacht schließlich am anderen Morgen zum Arzt, um dann zu hören: „Sie sind überarbeitet, das ist alles!" — Magen, Herz, Hirn, Nerven, alle diese Organe sind mißhandelt worden, bis sie erschöpft versagten.
Was ist nun Dagegen zu tun? Die schweren Anforderungen unserer Zeit erfordern nun einmal, daß alle Menschen, besonders aber solche an verantwortlichen Stellen mehr arbeiten. — Gewiß! Die Arbeitsleistung können wir nicht einschranken. Aber gewisse Grundregeln Der Lebensweise brauchen deshalb Doch nicht mißachtet zu roerDen. Das Gehirn ist ein anDere$ Organ als ein Muskel. Wenn man einen Muskel überbeansprucht, so wird er größer unD paßt sich Der Leistung an, Die man von ihm forDert, worauf Der Erfolg Des Sporttrainings beruht. Wenn man Das Gehirn aber ständig überbeansprucht, so hält es zwar unter dem Druck des Willens eine ganze Zeitlang aus, Dann aber treten Die Schäden um so heftiger unD an allen möglichen Stellen Des Nervensystems auf. Wer Deshalb geistige Arbeit leistet und an verantwortlicher Stelle steht, muß genau so für seine regelmäßige Erholung sorgen wie Der HanDarbetter. Dazu ist vor allem not- wendig, Daß Die Ruhepausen auch wirklich als gei - ftige Ruhezeiten ausgenutzt roerDen. Es hat schon feinen guten Sinn, roenn ein Wissenschaftler am Sonntag Den Spaten in Die HanD nimmt und in feinem Garten arbeitet ober roenn Der Generalstabsoffizier regelmäßig seinen Morgenritt macht. Völlige Umschaltung Des Nervensystems mit leichter, körperlicher Arbeit sind Das beste Vvrbeugungsmittel gegen geistige Ueberan- ftrengung. Wo in Zeiten allgemeiner Anspannung Der Urlaub beschränkt werden muß, da sollte wenigstens das Wochenende ausgenutzt werden. Eines aber ist gerade für den geistigen Arbeiter die Grundlage feiner Leistungsfähigkeit: die regelmäßige und ausreichende Essenspause. Nichts schwächt den Menschen so schnell, wie ein Versagen des Verdauungssystems. Der Körper ist gewiß der geduldigste und treueste Diener des Geistes, aber er unterliegt nicht nur dem Willen allein, sondern auch Den unerbittlichen Gesetzen der Natur, die man auf die Dauer nicht ungestraft umgehen kann.
Originelle amerikanische Wegweiser.
Die Amerikaner verbinden die Gabe Der Organisation mit einer originellen Ursprünglichkeit, und diese Mischung drückt sich besonders anschaulich in den zahllosen Wegweisern aus. Die in Dem weiten Land überall aufgestellt sind. Jeder Staat hat in dieser Beziehung seine eigenen Ideen, aber die meisten Wegweiser und Tafeln, Die man am RanDe findet, sind sehr wirksam abgefaßt und bleiben im Gedächtnis hasten. Auf einem abschüssigen Wege in Colorado zeigt ein Pfeil direkt in einen Abgrund, in Dem Dutzende von Kraftwagen zerschmettert liegen, so tief unten, daß sie wie Spielzeug aussehen. Unter dem Pfeil steht zu lesen: „Halte an oder folge diesen!" Ein häufiges Zeichen an Den Wegweisern bei Eisenbahnkreuzungen ist ein Totenschädel mit Zwei gekreuzten Knochen Darunter, was nicht gerade einladend wirkt. Weniger schauerlich sind Die Warnungen an Den Straßenecken kleinerer Städte: „Fahr langsam und sieh die Stadt! Fahr schnell und sieh unser Gefängnis!" „Sei kein rasender Narr!" wird an einem anderen Wegweiser Dem Kraftfahrer zugerufen, und jedenfalls ist dieser Rat weniger schrecklich als die Frage, die manchmal auf den Warnungstafeln zu lesen steht: „Würdest du gern deine eigenen Kinder töten?" Obwohl es kaum eine Stadt oder ein Dorf in Den Vereinigten Staaten gibt, Die nicht in ihrem Bereich eine Verminderung Der Geschwindigkeit auf höchstens 25 Kilometer in Der Stunde verlangt, so roird doch nur ganz selten dem Kraftfahrer gesagt, wann er wieder schneller fahren darf. Manche tun es, und diese Höflichen fügen gewöhnlich noch Die freundlichen Worte hinzu: „Dankeschön, komm wieder!" Man kann durch fast jeden Staat in Nordamerika ohne Karten reifen und doch an jedem Meilenstein feststellen, wie weit man noch von der nächsten Stadt oder Ortschaft entfernt ist. Die Streckenangaben sind nämlich auf Den Hauptfahrwegen im ganzen Lande außerordentlich genau, ebenso Die Wegbezeichnungen durch ver- schieDenfarbige Streifen, urtD Deshalb braucht man, roenn man aufpaßt, selbst in Den großen Städten, niemals nach dem Weg zu fragen. Besonders vorzüglich und sichtbar sind die Kurven bezeichnet. Vielfach werden freilich Umwege verlangt, die stets genau angegegeben sind, und es ist für Den Kraftfahrer sehr schmerzlich, roenn er von einer wunder- vollen Beton-Chaussee nach einem holprigen Seitenwege ablenken muß. Wenn so die amerikanischen aber furchtbar schlecht, ropnn sie schlecht sind. C. K.


