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Donnerstag, 28. März 1940

Gießener Anzeiger

ichnurrbärtchen, ein dünner Mund. Das ganze

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versucht, französische Fische Mahlzeiten zu fangen.

Auf der Rendnertribüne der Kammer in Paris eht ein kleiner, sehr behender, sehr beweglicher iann. Seine 62 Jahre sieht ihm niemand an, das p. der Mitte glatt gescheitelte tiefschwarze Haar ügt keinen einzigen grauen Faden. Unter dicken iugenbrauen ein paar Augen von fast asiatisch rimalem, leicht schräg gestelltem Schnitt, die stän- ig in einer regsamen Intelligenz funkeln und stets

eröffnet worden sei".

Admiral Dudley-Pound erwiderte auf diese Frage mit militärischer Kürze folgendes:Im ar k- tischen Ozean ist vor dem späten Früh­ling nichts zu machen. Die kurzen Tage sind sowohl wegen der U-Boote, als auch wegen der Schwierigkeit, Minen zu räumen, ungünstig. Unter diesen Umständen im Winter etwas zu unterneh­men, noch dazu an einer so ausgedehnten und gleichzeitig so schlecht bekannten Küste mit ihrer dürftigen Sicherung durch weit auseinanderstehende Leuchtfeuer fast 2000 Kilometer vom nächsten Flottenstützpunkt entfernt wäre eine lächer­liche Verrücktheit gewesen".

Die französischen Zeitungsdirektoren wandten sich

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Amsterdam, 27. März. (DNB.) Der eng­lische Rundfunk hat seine Gebühren schlag­artig um volle 50 v. H. erhöht. Diese enorme Steigerung hat in der englischen Oefsentlichkeit außerordentliches Aufsehen erregt und zu schweren Protesten geführt. Die ZeitungDaily Sketch" macht sich zum Wortführer dieser Mißstimmung und ent­hüllt dabei, daß wie es nicht anders zu erwarten war auch im englischen Rundfunk eine wilde Vetternwirtschaft Platz gegriffen hat. Die britische Plutokratie hat nämlich seit Kriegsbeginn Tausende von Angehörigen der regierenden Fami­lien, meist junge Männer, die nicht die leiseste Ahnung vom Rundfunk haben, in hochbezahlten Po­sten untergebracht! So wurden allein in der sog. Heeresakteilung" des britischen Rundfunk 200 neue Mitarbeiter eingestellt, deren Gehälter nicht unter 60000 RM. liegen. Die ungeheuren Kosten für diese hochbezahlten Posten muß die englische Rundfunk­hörerschaft ausbringen.

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nach dieser erstaunlichen Erklärung, deren Offenheit sie restlos verblüffte, an Winston Churchill. Dieser aber erklärte:Einer so gewichtigen Aus­sage habe ich nichts hinzuzufügen."

Auf französischer Seite erwiderte der Direktor derDepeche de Toulouse": Ich begreife nicht, warum man dann unentwegt Versicherun­gen an Finnland gegeben hat, ihm rasch zu Hilfe kommen zu wollen."

Daraufhin zuckte Churchill, wie in derDe­peche" berichtet wird, nur lächelnd d i e Ach­seln. Der Erste Seelord der britischen Flotte und der Erste Lord der Admiralität müssen es aller­dings genau wissen, warum man den Finnen Hilfe versprach, obwohl England selbst jeden Hilfeversuch als einelächerliche Verrücktheit" ansah! Ein Ein­geständnis mehr der verlogenen englischen Politik. Ein Beweis für die Tatsache, daß es sich niemals um eine Hilfe für Finnland handelte, son­dern um nichts anderes als den Versuch, das fin­nische Volk für die englischen Kriegsaus- weitungsinterefse»n zu opfern, wie man be­denkenlos ein halbes Jahr vorher Polen in den Krieg gehetzt hatte!

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Amsterdam, 27. März. (DNB.) Von jeher haben es die regierenden Kreise in England verstan­den, die Quellen ihres Reichtums sorgfältig zu tar­nen und der Welt einzureden, daß das britische Parlament eine Volksvertretung und nicht eine Interessengemeinschaft von Geldver­dienern und das britische Kabinett das Haupt eines freien demokratischen Landes und nicht eine Regierung der Aufsichtsräte darstelle.

Insbesondere haben sich die einflußreichen Par­lamentarier und die amtierenden Minister immer gescheut, ihre Finanzbet.eiligung an den britischen Rüstungsfirmen bekannt wer­den zu lassen, damit es dem englischen Volke nicht auffiel, aus welchen höchstpersönlichen Dividenden­gründenamtliche" Politik in Großbritannien ge­macht wird. Dennoch ist mit der Zeit diese enge Verflechtung, von der kaum ein einziger englischer Abgeordneter und Minister frei ist, bekannt ge­worden. ,

Die WochenschriftNews Review hat m ihrer letzten Nummer aufs neue in diese höchst be­merkenswerten Zusammenhänge hineingeleuchtet und dabei einige wichtigen Aufschlüsse über die Aktionäre der bekanntesten englischen Rüstungskon­zerne gegeben.

Englands leistungsfähigste Rüstungsfirma ist Vickers Limited. Einer der Hauptaktionäre dieser Rüstungsfirma ist der frühere Berliner Bot­schafter Viscount d'Abernon. Neben chm besitzen große Beträge Vickersaktien derGoldminenkomg" Jack Barnato Joel, der konservative Abgeordnete Lionel Nathan de Rothschild, der Abgeordnete Cyril Tom Culverwell, der australische Bankier General­major Sir John Humphrey Davidson, der gleich­falls in der englischen Politik eine Rolle spielt und der Schiffahrtsunternehmer Major John Law­rence Benthall. r. ..

Die zweite große englische Rustungsflrma ist die Birmangham SMall Arms Company. Direktor der Firma ist der mit Chamberlain eng verbundene Abgeordnete Sir Patrick H a n n o n. Chamberlain selbst ist Großaktionär dieser Rüstungsfirma. Er läßt aber neuerdings schamhaft seinen riesigen Aktienbesitz durch seinen Bruder Arthur Chamberlain verwalten, von dem es in den Büchern der Firma heißt, daß er seine Aktienzu­sammen mit zwei anderen besitze". Gerade dieser

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Blute des französischen Poilu Dividenden werden.

Vetternwirtschaft im britischen Rundfunk.

Konzernbesitzer und Finanzier.

Plutokrat und Kriegshetzer.

basis einenationale Konzentration" von der äußer­ten Rechten bis zu den Kommunisten einschließlich vor. Seine persönliche Eitelkeit traut es sich ohne weiteres zu, daß er das fertig bringt. Es hat nicht dazu gelangt. Er mußte sich in London telefonisch Rückenstärkung holen, als er nur eine einzige Stimme Mehrheit für seins rein parteipoli­tische Dutzendregierung in der Kammer verbuchen konnte. Aber er hatte sich schon in früheren Jahren durch seine Freunde allzu oft,alsFrankreichs kom­mender Mann" ausrufen lassen, als daß er nach dieser peinlichen Enttäuschung in der Kammer auf den so lange erstrebten Sitz des Ministerpräsidenten hätte verzichten können.

Stimmungsmache Reynauds

Brüssel, 27. März. (DNB.) Unter Zuhilfe­nahme des französischen Rundfunks stellte sich der Treuhänder des englisch-französisch-jüdischen Finanz­kapitals, Paul Reynaud, am Dienstagabend zum erstenmal der Oefsentlichkeit als neuer Mi­nisterpräsident Frankreichs vor. Es war dem zwei­ten französischen Ministerpräsidenten dieses Krieges offensichtlich nicht ganz wohl bei diesem Unterfan­gen, denn er fühlte sich veranlaßt, diese Vorstellung mit dem Versprechen einzuleiten, daß die bisher nicht vorhandene Einstimmigkeit i'm Kabinett noch kommen werde nach dem ,;ein"«ftintmigen Sieg eine immerhin gewagte Zu-

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welches absprechende Urteil der Tätigkeit des ver­flossenen Kabinetts Daladier, dem Reynaud selbst als Kriegstreiber und Finanzdiktator angehörte! Man ist wirklich erstaunt, daß ein Mann, dem sonst plutokratische Geschäftigkeit bezeugt wird, so plump .......... für seine englischen

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innerhalb der britischen Hocharistokratie ist der TrustImperial Chemical Indu­stries". In den Aktienbesitz teilen sich Lionel Na­than de Rothschild, Lord Reading, Sir Felix Brun­ner und Mrs. Angela Mond. Teile der Aktien hat bezeichnenderweise von diesem jüdischen- vierblättri­gen Kleeblatt der Herr Ministerpräsident Cham­berlainerhalten", der noch im Jahre 1938 5414 auf seinen Namen lautende Aktien des Trusts innehatte! Sein Sohn Francis ist im übrigen ein hochbezahlter Angestellter des Trusts!

Ein großer Teil all dieser Namen englischer und jüdischer Herkunft sind dem deutschen Volke wohl bekannt: es sind dieselben Namen, die auf der Liste der Kriegshetzer stehen! Jener Kriegshetzer, die sich im Parlament oder in der britischen Re­gierung in den letzten Jahren nicht genug tun konn- ten, den Krieg gegen Deutschland zu predigen! Nur zu dem einen Zweck, damit ihreRüstungs- aktien einen noch höheren Gewinn als bisher ab werfen! Damit sie noch reicher werden können, als sie es schon sind! Damit aus

is ganze Haus von ganz rechts dis ganz links n scharf beobachtenden Blick behalten. Im schma- m Gesicht eine kräftige Nase, ein kokettes kleines .......... ~~ 1 ~ Ge-

.Eine lächerliche Verrücktheit/

Englische Eingeständnisse über dieHilfe für Finnland"

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Rüstungskonzern zeigt eine große Anzahl von No- minells, d. h. von Aktienbesitzern, die ihren Namen nicht nennen wollen.

Bei dem Konzern Armstrong-Whitworth ist größter Aktionär Kenneth Oswalc Peppiatt, der im Nebenberuf Hauptkassierer der Bank von Eng­land ist, und dessen Name auf allen englischen Banknoten zu finden ist. Er zeichnet als Besitzer eines Aktienpaketes, das nominell nicht weniger als rund 2V2 Millionen Pfund, d. h. 25 Millionen wert ist. Es ist selbstverständlich, daß dieser Haupt­kassierer der Bank von England nicht ein Ver­mögen von 25 Millionen Mark besitzt, sondern daß er mit seinem Namen eine ganze Anzahl von eng­lischen Ministern und Abgeordneten, die die wirk­lichen Aktienbesitzer sind, vor der Oefsentlichkeit deckt. Eine besondere Pikanterie ist die Tatsache, daß der zweite Hauptaktionär dieses Rüstungskon­zerns kein anderer ist als der fromme Dekan der Kathedrale von Durham, Referend Cyril Argentine Alington!

Bei der Firma Bristol Arenoarns ist Major John Jakob Astor, Unterhausmitglied und Chairman derTimes", Hauptaktionär. Neben ihm sind maßgeblich der Herzog von Sefton und der Baron Manton, die beide eine wichtige Rolle in der britischen Politik spielen, vertreten.

Baldwins Limited, ein weiterer britischer Rüstungskonzern, führt sogar den Namen des früheren Englischen Ministerpräsidenten, der auch heute noch zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn Hauptaktionär des Konzerns ist. Die übrigen Aktien gehören dem Walliser Bergwerksindustriel­len Sir David Richard Llewellyn, dessen Gruben die berüchtigsten in ganz Wales sind, weil sie in geradezu unvorstellbarer Weise allen sozialen Min­destanforderungen Hohn sprechen, sowie der Maha­radscha aus Kaschmir, Sir Hari Singh.

Die Rüstungsfirma Guest Seen and Nett- les 0 ls befindet sich überwiegend in den Händen der Familie Berry. Die Hauptvertreter dieser Fa­milie sind die beiden Zeitungsmagnaten Lord Camose und Lord Kemsley, die mit ihren Zeitungs­konzernen weitestgehend die öffentliche Meinung in England beeinflussen. Gleichfalls an dieser- stungsfirma ist Lady Rhonda beteiligt, die die poli­tische WochenschriftTime and Tide" besitzt.

Eine ganz besondere Domäne des Judentums

Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bisZ'/rUhrdesVormittags Grundpreise für 1 mm Höhe bei Anzeigen von 22 mm Breite? Pf.,Tertanzeigen von 70 mm Breite 50 Pf. Wiederholung Malstaffel I AbschlüsseMengenstaffelV Platzvorfchrift (vorherige Vereinbarung) 25 0/0 mehr Ermäßigte Grundpreise Baderanzeigen

und behördliche Anzeigen von 22 mm Breite 6 Pf.

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Die Vorschußlorbeeren, die er sich um den Kopf winden möchte, riechen zu sehr nach Churchills Küche. Reynaud sprach davon, daß dieWasserfälle von Regierungen" aufhören müßten, die die fran­zösische 'Demokratie in so schlechtes Licht gesetzt hätten, und versicherte, die Einstimmigkeit würde noch kommen. Die Einstimmigkeit? Meinte Reynaud damit, daß er mit nur einer Stimme Mehrheit das Vertrauensvotum erhielt, daß sich aber diese parlamentarische Mehrheit sofort in eine Minder­heit verwandelt hätte, wenn die kommunistischen Abgeordneten nicht verhindert worden wären, ihrer Meinung parlamentarischen Ausdruck zu geben? Wer garantiert Monsieur Reynaud, daß sich die einzige Mehrheitsstimme nicht auf die andere Seite der Barrikade schlagen könnte, daß damit der neue Ministerpräsident nicht endgültig in der Versenkung verschwände? Ach, dieser Reynaud schwätzt nur, weil er weiß und fühlt, daß die Mehrheit der Franzosen von seiner Politik, England die Kastanien aus dem Feuer zu holen, nicht gerade begeistert ist.

Das ist des Pudels Kern. Reynaud spricht drum herum und erzählt die alte Lüge, Frankreich sei angegriffen worden, Frankreich habeein Eindrin­gen" des Feindes herausgefordert. Das stimmt. Frankreich hat uns den Krieg erklärt, ohne daß seine Grenzen und seine Ma cht irgendwie bedroht waren. Aber wenn Reynaud meint, wir hätten als Bedrohte, als von Frankreichs Heeresmacht Angegriffene die Auf­gabe gehabt, nun unsererseits sofort in Frankreich einzufallen, dann verwechselt er nicht nur Angreifer und Angegriffene, sondern macht auch den Fehler, so zu tun, als sei uns das Gesetz des Handelns vorgeschrieben, während wir in Wirklichkeit, und nach Aussage sogar der jüdischen Blüten des Pariser Blätterwaldes, das Gesetz des Handelns selbst be­

sage, indem er bemerkte, dies sei wohl jetzt be­kannt (!) Er traf dann die bemerkenswerte, richtige Feststellung, F r a n k r e i ch sei angeblich im Gegensatz zu früheren Fällen diesmal weder überrascht, noch überfallen worden. Es hat sich in der Tat inzwischen herumgesprochen, daß Frankreich, nachdem seine Kriegshetzer und unter ihnen Herr Reynaud an prominenter Stelle, schon seit langem auf den Krieg hingearbeitet hat­ten, diesen von sich aus erklärte. Auch die Folgen dieser französischen Kriegserklärung gab Reynaud richtig an, indem er erklärte, Frankreich werdehart kämpfen, hart arbeiten und bitter leiden müssen".

Im übrigen war seine Rede ein wirres Mosaik von Gemeinplätzen, die in ihrer kümmerlichen Dürftigkeit selbst von Daladier kaum hätten unter­boten werden können, und die sich auf Aeußerungen stützten wie:Es muß jetzt regiert werden!"Das Ziel bleibt dasselbe: den Feind zu besiegen!"Die Stunde, in der wir leben, ist entscheidend" (!) usw.

Reynaud machte sich sodann, getreu dem Vorbild seines Vorgängers, zum Dolmetsch übelster Hetzpropaganda, indem er angesichts der ständig zunehmenden Kriegsausweitungstendenzen der Westmächte im Norden und neuerdings auf dem Balkan dem Reich dunkle Pläne im Südosten un­terschob.

Zum Schluß feuerte Reynaud das französische Volk zu gesteigerter Leistung an. ,Heute ist das, was normal ist, ungenügend!", sagte er. Aber halten wir den Kopf hoch!" das sagte Rey­naud zum Schluß auch. Wir werden erlreben, wie seine zahlenmäßig nicht nachweisbaren Anhänger

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Hattest du geschwiegen...

Da seht", sagt Shakespeares Falstaff in den Lustigen Weibern von Windsor",da seht, welch ein Hanswurst aus dem Verstände werden kann, wenn er auf verbotenen Wegen schleicht." Paul Re ynaud, der Nachfolger Daladiers, hat seinen plutokratischen Verstand zum Hanswurst degradiert, als er eine sehr ungereimte Rundfunkrede an das französische Volk hielt, um ihm die Notwendigkeit seiner Regierung und seines Systems zu offenbaren. Das heißt, er beschränkte sich lediglich auf rhetorische Floskeln, auf Selbstverständlichkeiten wie:Der Krieg ist eine Frage der Stärke!" oder:Es han­delt sich jetzt darum, zu regieren!", ober:Unsere Entscheidungen werden reife sein, unsere Handlun­gen rasche!^ Ob sie reif sind, das muß erst die Zu­kunft zeigen, und Reynauds bisherige Wirksamkeit spricht nicht gerade dafür. Ob die Handlungen wirk­lich rasch erfolgen, das hängt doch von Faktoren ab, die stärker sind als dieser kleine Großsprecher. Aber welches Zeugnis stellt die Selbstgefälligkeit und Prahlsucht des neugebackenen Ministerpräsidenten Reynaud den vorangegangenen Kabinetten aus.

Englands Kriegsgewinnler als Kriegshetzer

Die Interessengemeinschaft der plniokraiischen Geldmacher.

M. Jahrgang ltr.75 örscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Veilag en: Die Illustrierte (Siebener Familienblätter ÄeimatimBild DieScholle Nonats-Bezugsvreis: M4 Beilagen.RM.1.95 )hneIllustrierte 1.80 Zustellgebühr... -.25 uch bei Nichterscheinen lon einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt

I ernfvrechanfchluß 2251 )rahtanfchrift:Anzeiger" > oMche ck 11686 Franks ^M.

Amsterdam, 28. März. (DNB.) Vor kurzem besuchten einige französische Zeitungsdirektoren an­läßlich eine Informationsreise nach England den Ersten Lord der Amiralität Winston Chur­chill. Bei dcm Empfang war auch der Erste See­lord Admiral Dudley-Pound anwesend, an den die bezeichnende Frage gerichtet wurde,wes- ~ g gegen Rußland nicht unter d der Rettung Finnlands

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[uf die Frage, warum Frankreich in den Krieg I sthr die Aus-I

sicht trägt meist den Ausdruck eines leichten Spot- i, der dem Inhaber allzu gern seine geistige * leberlegenheit über das Gros der Abgeordneten p scheinigt.

Die Kammer ist wieder einmal entzückt. Denn befer Mann, der als Finanzminister Daladiers u cksichtslos in die politischen Erwerbungen der nken einbrach und als Beauftragter des französi- iien und des englischen Großkapitals verschrieen L handhabt das Florett der disputierenden Rede nit solcher Eleganz, daß die Deputierten darüber ii echt französischer Manier den sachlichen Inhalt d r Rede schier überhören. Nicht umsonst teilt sich befer kleine, elegant angezogene Mann mit Flan- bm in den Ruhm, der beste Redner der Kammer 8- fein.

Das ist Paul Reynaud, Frankreichs gegen- ßdrtiger Ministerpräsident. Wohlhabend geworden !; st an als viel gesuchter Advokat in Prozessen, in be namhafte Politiker verwickelt waren, schwer dich geworden schließlich, seitdem er Besitzer eines goßen Warenhauskonzerns in Mexiko wurde. L ermal ist er bis jetzt Minister gewesen, für [ nanzen, für Kolonien, für Justiz, in diesem hoch- drnokratischen Lande findet ja kein Mensch etwas drdei, daß jemand nacheinander die Regierungs- kk'sorts durchprobiert, ohne auch nur eine fachliche tljnung von den Dingen zu haben.

Für Reynaud gilt diese Ahnungslosigkeit freilich aif einem Gebiet nicht: er steckt mit allen zehn Kgigern in den großen Transaktionen der Pariser urb ber ßonboner Hochfinanz, unb er ist auch nicht umsonst ber Vertrauensmann ber großen ßmanzjuben, bie ihm wieberum burch ben Mischen solonialminifter Manbel betreuen lassen. Aus ber iürnosphäre bieser internationalen Finanzwelt hingt Paul Reynaub als bestimmenbe Eigenschas- ten vor allem bie absolute Bebenkenlosigkeit unb bi Gier nach persönlichem Einfluß unb persön­licher Macht mit.

j Seiner politischen Vergangenheit nach kommt er Dm ber französischen Rechten her. Er ist kein Chau- oiiiift, aber um so mehr kalter Rechner, getrieben fniüd) von dem traditionellen Größenwahn ber po- lit scheu Advokaten in Frankreich: es war Paul K-Vnaud, ber vor zwei Jahren ernstlich verlangte, Frankreich müsse in Europa allgegenwärtig sein. Es ist bas derselbe Reynaud, ber 1923 einen Zwangs- i DcJftrerfer gegen bie deutsche Industrie forderte und Keßen Fehlen in der Reparationskommission aus- Kricklich bedauerte; er hielt Poincarö für den best- gengneten Mann. Reynaud gehörte auch zu den du tendsten Verfechtern der Ruhrbesetzung. Als er | 1950 endlich nach langem Streben Finanzminister cenorben war, stellte sich brei Monate später, im Ümi, heraus, baß bie unterlausenbe Ausgaben" Drbud)ten 7 Milliarben Franks in Wirklichkeit für ji Wungsbauten verwandt worden waren.

! Daß er feine politischen Ansichten jederzeit nach ben Tagesbedarf zu ändern vermag, hat ihm in der Summer ben Spitznamen bes Chamäleons eingetra­gen. Beispiel dafür war, daß er trotz jener eben krnähnten Ausbrüche von Deutschenhaß bann in tiuer Kammerrebe vom 24.'Dezember 1923 plötzlich für Verftänbigung mit Deutschlanb eintrat, selbst- verstänblich so, daß Frankreich, England und ihre Holgsftaaten aus ber einen und Deutschland allein «ur der gnberen Seite fein sollte. Im März 1938 eb^r fabulierte derselbe Reynaub bann wieber be- e|tert von der Rohstoffarmut Deutschlanbs, ober­en bemungeheuren Uebergewicht Frankreichs urd) feine ausgebildeten Reserven und durch ein iiäegsmaterial im Wert von 372 Milliarden"; in er gleichen Rebe verlangte er auch klipp unb klar, ag sich Frankreich diesem neuen Deutschland in ei Weg stellen müsse.

Die Mittel dazu entsprechen ber Weite seines Ge- vi sens. Wie er mit ben Engländern durch dick und ihn ging, so schwebt ihm als ideale Regierungs-