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brutalen englischen Ueberfall im Jöffing-Fjord: England fängt an einzusehen, daß es Deutschland nicht in ehrlichem Kampf besiegen kann. Seine einzige Hoffnung ist, alle Nationen auf seine Seite zu ziehen, damit es sich dann, wenn einmal die Explosion eintritt, auf den Wrackresten Europas über Wasser halten kann, oder alle Nationen mit ihm zugrunde gehen. Hier muß Norwegen entschlossen erklären, daß es nicht als Rettungsring für das fin­kende Albion dienen will, lieber 200 Jahre hat England Europa in einem Fieberzustand gehal­ten. Das kann nur aufhören, wenn England zum Glück Europas und feines eigenen Volkes aufhört, Einfluß auf die europäische Politik zu haben."

Die beratenden Aerzie des Heeres

In dem Bestreben, während des Krieges unseren Soldaten auch die denkbar beste ärztliche Betreuung zugute kommen zu lassen, ist aus einigen hundert hervorragenden medizinischen Spe- zialfflen ein Gremiumberatender" Aerzte des Heeres gebildet worden. Diese beratenden Aerzte, von denen viele Universitätsleh­rer sind, haben innerhalb einer Armee oder eines Wehrkreises die Lazarette zu besuchen und mit den auf ihrem Sondergebiet größeren Erfahrungen den Sanitätsoffizieren zur Seite zu stehen. Beim be­ratenden Chirurgen kann es sich dabei z. B. um Fragen des geeigneten Zeitpunkts der chirurgi- schen Hilfe oder um die beste Vor- oder Nachbehand- hing handeln. Der beratende Chirurg greift, zur Unterstützung des in anstrengender Tag- und Nacht­arbeit eingesetzten Sanitätsoffiziers, auch selbst chirurgisch ein, und mancher Soldat erfährt vielleicht später, daß er einem bekannten Kliniker seine Ge­sundheit verdankt. Auch bei den inneren Lei­den oder auf den Gebieten der Hygiene, der Kampfftoffe usw. geht es nur darum, die an sich selbstverständlich vorhandene' hervorragende Aus­bildung des Sanitätsofiziers nach der einen oder anderen Richtung zu ergänzen.

Aus aller Welt.

Schach an der Front.

Der Großdeuffche Schachbund führt ein Front- fe rnturni er durch, das nur Soldaten als Teil­nehmer hat. Die Züge werden dabei durch Feld­postkarten ausgetauscht, feder Spieler führt gleich­zeitig 3 Schachpartien. Die Veranstaltung hat beim Heere einen so starken Anklang gefunden, daß be­reits 50 Spielgruppen mit je 4 Teilnehmern in Gang gesetzt werden konnten, so daß gegenwärtig 200 schachspielende Soldaten an dem Turnier be­teiligt sind.

Byrd entdeckt pazifische Küste des Südpol-Kontinents.

Admiral Byrd funkte dem Marineminifterium in Washington, er habe 1200 Meilen östlich von Klein-Amerika vom Flugzeug aus die langgesuchte pazifische Küste des Südpolkontinents und ein von der Küste sich südwärts erstreckendes hohes Gebirge entdeckt. 200 Meilen der Küste habe er topo­graphisch ausgenommen.

Japanisches Militärflugzeug abgestürzt.

Das japanische Kriegsministerium gibt bekannt, daß am Montag bei Kioto ein Militärflugzeug ab- gestürzt fei. Unter den sechs Insassen, die getötet wurden, befand sich Generalleutnant Hozofi, Gene­ralmajor Okada und Oberstleutnant Tsuji. Das Flugzeug ist vollkommen oert) rannt. Hozo-ji war ein bekannter Flieger und Instrukteur der japanischen Luftwaffe.

kolumbianisches Verkehrsflugzeug abgestürzt.

Das zweimotorige VerkehrsflugzeugJimenez de Quefaba" ist am Dienstagvormittag auf dem Fluge von Bogota nach Bucaramanga mit zwei Mann Besatzung und zehn Passagieren abgestürzt. Sämt­liche Insassen sind tot.

Vollstreckung eines Todesurteils.

Am 27. Februar 1940 ist der am 9. Juni 1914 in München geborene Johann Weilnhammer hin­gerichtet worden, den das Sondergericht in Mün­chen als Volksschädling zum Tode und zum dauern­den Ehrverlust verurteilt hatte. Um sich Gelder zu Vergnügungszwecken zu verschaffen, entriß Weiln­hammer unter Ausnutzung der Verdunkelung an zwei aufeinanderfolgenden Abenden erwerbstätigen Frauen, die sich auf dem Heimweg von der Arbeits­stelle befanden, die Handtasche.

GemeinschastsMfe -er

irtschast.

Berlik, 27. Febr. (DNB.) Bei der Durchfüh­rung kriegswirtschaftlicher Maßnahmen wird sich auf gewissen Wirtschaftsgebieten für einzelne Unter­nehmungen die Notwendigkeit ergeben, ihre B e - triebe stillzulegen. Um die volkswirtschaft­lichen Werte der zum Stillstand kommenden Unter­nehmungen der Gesamtwirtschaft zu erhalten und um ihre Arbeitsplätze für künftige Zeiten zu sichern, hat der Ministerrat für die Reichsverteidigung die Verordnung über Gemeinschaftshilfe der Wirtschaft vom 19.2.1940 erlassen. Die Ver­ordnung sieht vor, daß den stilliegeniden Unterneh­mungen in gerechtfertigten Fällen Beihilfen zur Erhaltung ihrer Betriebe gewährt werden können. Die Aufbringung und Verteilung der hierzu erfor­derlichen Mittel wird durch die Verordnung der Wirtschaft als Gemeinschaftsaufgabe über­tragen.

Voraussetzung für die Gewährung von Beihilfen ist das durch kriegswirtschaftliche Maßnahmen aus- gelöste Stilliegen der antragstellenden Unterneh­mung. Als berartige kriegswirtschaftliche Maßnah­men kommen z. B. Nichtzuteilung von Rohstoffen, Nichtbelieferung mit Energie ober Entziehung von Arbeitskräften in Betracht. Zuständig für die Ge­währung der Beihilfen sind die Gliederungen der Drganifation der gewerblichen Wirtschaft und bes Verkehrs sowie für gewerbliche Betriebe, die der Reichskulturkammer angehören, die Einzelkammern in der Reichskulturkammer und für den Bereich der Be- und Verarbeiter und Verteiler landwirtschaft­licher Erzeugnisse im Sinne der Reichsnährstands­gesetzgebung, der Reichsnährstand bzw. die auf

Grund des Reichsnährs tanb s gefetze s gebildeten Hauptvereinigungen. Ein Rechtsanspruch auf Ge­währung von Beihilfen besteht nach der Verord­nung nicht. Die Beilhilfen find zur Erhaltung der sttlliegenden Unternehmungen bestimmt.

Die Mittel zur Gewährung der Beihilfen werden von den Organisationen der Wirtschaft, und zwar auch von den Gruppen, in denen bereits Stillegun­gen nicht in Betracht kommen, wie z. B. auf dem Gebiet des Bank- und Versicherungswesens, im Um­lagewege aufgebracht. Die von den durch Beihilfe­zahlungen nicht belasteten Gruppen aufgebrachten Mittel werden denjenigen Gruppen im Wege bes Ausgleichs zur Verfügung gestellt, deren Aufkommen zur Bestreitung der von ihnen zu gewährenden Bei­hilfen nicht ausreichen. Für das Handwerk, die ge­werblichen betriebe der Reichskulturkammer und für die Be- und Verarbeiter und Verteiler landwirt­schaftlicher Erzeugnisse sind in der Verordnung aus Zweckmäßigkeits- und Drganifationsgrünben Son­derbestimmungen vorgesehen, nach denen diese Gruppen den Ausgleich nur in sich durchführen.

Die Verordnung betrifft nicht die Land- und Forstwirtschaft. Desgleichen findet sie keine Anwen­dung auf Betriebe, oie auf Grund von Räumungs- maßnahmen ober wegen unmittelbarer Kriegs­einwirkungen ftillgelegt werden müssen. Für diese Betriebe wird bas Reich die notwendigen Hilfs­maßnahmen treffen. Ferner findet die Verordnung keine Anwendung auf den Fremdenverkehr und auf die Seeschiffahrt, da mit Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse dieser Wirtschaftszweige insoweit andere Maßnahmen getroffen werden müssen.

Vorfrühling aus Zslani).

Lon unserem Og.-Äerichierstaiier.

Reykjavik, Februar 1940.

Für den, der sich augenblicklich in dem weit nörd­lich liegenden Island befindet, ist es eine eigen­artige Vorstellung, zu wissen, daß der doch viel weiter südliche Kontinent und ebenso das englische Jnselreich die härteste Kälteperiode seit Jahrzehnten durchzumachen haben. Hier hingegen kann man zur Zeit eine richtige Vorfrüylingswärme genießen. Die Temperatur liegt meistens einige Grade über Null, und Schnee hat man in diesem Winter hier überhaupt noch nicht gesehen. Das gleiche ist auf den etwas weiter südlich liegenden Faeröern der Fall. Wirklich ein Winter der Pa­radoxe!

Das ist aber auch so ziemlich das einzige, was dieses nördliche Eiland vor dem übrigen Europa voraus hat. Die sonstigen Sorgen muß es mit ihm teilen. In mancher Beziehung sind sie vielleicht so­gar noch größer. Denn Island ist wie kein anderes Land vom Außenhandel abhängig und da sich dieser nur auf dem Seewege absplelen kann, sind hieraus schon ohne weiteres die Probleme fei­ner Staatsführung zu erkennen. Ein Viertel der Bevölkerung lebt vom Fischfang und über 40 vom Hundert von der Landwirtschaft, die allerdings im wesentlichen aus Viehzucht be­steht, da Getreide bisher erst in ganz geringem Umfange, mehr versuchsweise, angebaut werden konnte. Demgemäß muß also ein großer Teil der für die Bevölkerung notwendigen Lebensrnittel e i n g e f ü h r t werden, so daß das Land einen starken Devisenbedarf hat. Die Deolfenlage aber wird durch die jährlichen Ergebnisse des Fischfangs und die Verkaufsmöglichkelten dieserErnte" be­stimmt. Da beides in den letzten Jahren zu wün­schen übrig ließ, ist das Land mit einer ziemlichen Belastung in das Jahr 1940 und in die Nöte des Krieges eingetreten.

Es ist daher nicht verwunderlich, wenn jetzt sehr starke Einsparungen auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens vorgenommen werden. Man geht sogar daran, das Nachrichtenwesen einzuschrän­ken, das sich infolge der Jnsellage des Landes und feiner weiten Entfernung vom Festland in höhe­rem Maße als anderswo der kostspieligen tele­graphischen Uebermittlung bedienen muß. Die Le­benshaltungskosten sind feit Beginn des Krieges erheblich gefliegen, zumal die hohen Schiffsfrachten jede Einfuhr erheblich verteuern. Anderseits hofft man hier gegenwärtig, daß der Tiefstand der De­visenvorräte, wie er in den vergangenen Jahren

zu verzeichnen war, nicht wieder kehren wird, zumal die Ausfuhr des Jahres 1939 ein günstigeres Er­gebnis als in den früheren Jahren aufwies. Dabet verhehlt man sich allerdings nicht, welche Schwie­rigkeiten noch bei einer längeren Dauer des euro­päischen Krieges auftreten können.

Vom Kriege selbst hat man sonst hier oben weit im Norden erfreulicherweise noch nicht sehr viel gemerkt. Wohl hat das deutsch-britische Seegefecht, das mit der Vernichtung des bri­tischen HilfskreuzersRawalpindi" endete, den bisher geradezu unantastbaren Glauben an die bri­tische Vorherrschaft zur See stark ins Wanken ge­bracht. Ebenso hat es den nationalbewußten Islän­der sehr unliebsam berührt, daß die Engländer vor einiger Zelt einmal ein isländisches Küsten- w a ch t b o o t, also ein Organ der öffentlichen Sicherheit für die isländischen Gewässer, angehalten haben, um die Schiffspapiere nachzuprüfen. Ganz besonderes Aufsehen hat aber seinerzeit der Fall bes britischen Fliegers erregt, der in isländischen Gewässern notlanden mußte und nachher unter Bruch feines Ehrenwortes das Weite suchte. Die Angelegenheit wurde schließlich nach einem scharfen Protest der isländischen Regierung In Lon­don beigelegt und der englische Fliegerkapitän nach Reykjavik zurückgeschickt, wo er sich nun in der Nähe der Hauptstadt von den Ansttengungenseines" Krieges gegen Island erholt. Er hat sogar seine Frau mitaebracht, außerdem ein Motorrad und 23 (!) Koffer; fein Flugzeug aber, mit dem er die isländische Neutralität verletzt hatte, hat er wieder mitzubringenvergessen". Es war ja auch alles nur einMißverständnis" gewesen; wohl hatte er sich schriftlich verpflichtet, Island nicht zu verlassen, aber der AusdruckEhrenwort" wäre, wie er da­mals zur Verteidigung feines Wortbruchs anführt, in dem Dokument nicht vorgekommen(!). Er war auch nicht geradenwegs nach England zurückgeflogen, sondern hatte in echt britischer Frechheit und unter Ausnutzung der isländischen Machtlosigkeit erst noch die ganze Nord- und Ostküste abpatrouiüiert und war endlich sogar noch ein zweites Mal gelandet, ehe er endgültig nach Hause flog.

Man möchte hier hoffen, daß sich die unmittel­bare Berührung mit dem Kriege auch für die Zu­kunft in diesen wenigen Fällen erschöpfen möge. Die bisherigen Erfahrungen anderer neutraler Staaten mit der britischen Seekriegsführung lassen allerdings befürchten, daß es dabei nicht bleiben wird.

Aus -er Stadt Gießen.

36r <5olbof

Das war im Sommer 1914. Da rückte der Ge­freite Mertens schon am zweiten Mobilmachungs- tage ein. Am Morgen jenes Tages stand die junge, blühende Frau mit ihrem kleinen Söhnchen auf dem Arm am Gartenzaune und winkte ihrem scheidenden Manne noch lange nach. An den Bahnhof wollte sie wegen der vielen Leute nicht gehen. Schon vier Wochen später war Frau Mertens Krieger­witwe. Ihr Büdlein wuchs heran und war ihr ganzer Stolz.

Nun kam der September 1939, und auch ihr ein­ziger Sohn wurde zu den Fahnen gerufen. Das waren schwere Tage für Mutter Mertens, aber als dann muntere und tröstende Briefe aus dem Felde tarnen, richtete sich die Frau wieder auf. Sie wußte als deutsche Mutter, daß ja viele Kriegerwitwen in derselben Lage waren wie sie.

Noch etwas lenkte sie ab. Es gab Einquartierung. Das Stübchen ihres Buben war frei, und so bekam Frau Mertens einen Soldaten ins Haus. Er stand in demselben Alter wie ihr Sohn, und schnell schloß ihn Mutter Mertens in ihr Herz. Die offene Art, mit der er sich gab, und die Klangfarbe seiner Mundart gefielen ihr gut. Immer wieder mußte sie an ihren eigenen Sohn denken, der ein gutes Quar­tier gefunden hatte.Ihr" Soldat sollte es auch gut bei ihr haben. Sie kannte bald sämtliche Angehö­rigen des Quartiergastes aus den Briefen, die er ihr vorlas. Von Tag zu Tag wurde das Verhältnis herzlicher. Alle Wünsche, dieihr" Soldat äußerte, wurden erfüllt. Wohl bekam er von seiner Truppe volle Verpflegung, aber Mutter Mertens meinte, so ein junger Mensch müßte auch noch einiges neben­her essen können. So nötigte sie ihn immer wieder, 3uzulangen. Fast jeden Sonntag kam ein Kuchen auf Den Tisch.

Besonders in den Weihnachtstagen wußte sie gar nicht, was sieihrem" Soldaten alles Gute tun sollte. Ihr eigener Sohn war auf Urlaub gekom­men. Der Quartiergast wollte sich für vierzehn Tage eine andere Unterkunft suchen, aber das litt Mutter Mertens nicht. Sie machte auf dem Sofa ein gutes Lager zurecht, und fo konnten alle gemütlich zusam­menbleiben. Die beiden Soldaten verstanden sich prächttg, und Mutter Mertens freute sich, sobald beide in ihre kleine Stube traten.

Abends füllte sie die Wärmflaschen, obgleich beide lebhaft protestierten; sie wollten sich nicht verweich­lichen lassen. Mutter Mertens blieb bei ihren Ent­schlüssen. Morgens früh, wennihr" Soldat sich zum Dienst fertigmachte, stand schon der heiße Kaffee auf dem Tisch, und mütterlich erkundigte sie sich nach allem, ob er sich auch gut angezogen hätte, ob er nicht friere usw.

Im neuen Jahre kamen seine Schwester und fein Mädchen zu Besuch. Beide wurden bei Bekannten gut einquartiert. Nun war Mutter Mertens erst recht in fröhlicher Geberlaune. Sie wollte die jungen Menschen immer um sich haben. Ihr eigner Sohn war wieder zu feiner Truppe zurückgekehrt. Auch die beiden Mädchen reiften bald wieder ab, zum großen Leidwesen von Mutter Mertens.

Nun hat sieihren" Soldaten wieder ganz allein. Und Tag für Tag sorgt sie für ihn und bemuttert ihn, so gut es geht. Das deutsche Mutterherz in seiner großen Güte und all seinem Reichtum macht den familienfremden Soldaten zu einem glücklichen Menschen.h.

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Die Geduldsprobe!

Von Karl Robert Popp

Der Ederbauer versteht feine Sache und fein Hof zählt zu den besten weit und breit Ist auch sonst kein unrechter Mann, der Eder, wenn nur der ver­flixte Jähzorn nicht wär! Dem Ederbauern schießt oft beim geringsten Anlaß die Gall ins Blut, und die Seinen rennen dann in Haus und Hof umein­ander wie die gehetzten Hühner. Nicht daß den Eder die pure Lust am Wüten trieb, nein, es packte ihn eben und dann wars geschehen. Hinterher tut's ihm dann selber leid, daß er wieder wie ein Viech ge­wesen ist, und er ist dann eine Zeitlang der beste Mensch auf der Welt. Bis daß es ihn wieder packt ...

Keiner aber hat unter dem alten Hitzkopf mehr zu leiden als das Hänsele, der Hütebub. Der Jung steckt bis über die Ohren voller toller Streiche und jeder einzelne von ihnen genügt, dem Ederbauern die jache Wut in die Stirn zu jagen. Dem Hänsele sein Hinterteil muß allmählich so eine Art Sohlleder angesetzt haben, so oft ist es schon in rauhe Be­rührung mit den Händen des Bauern gekommen. Aber so wie der Bauer nicht gegen seine Wüt an­kann, liegt dem Hänsele das Schelmentum im Blut. Nur mit dem Unterschied, daß der Bauer wie oft seinen Jähzorn verwünscht, während der Bub mit sich ganz zufrieden ist.

Eines abends hat der Eder dem Loiserl vom Nachbarhof über den Zaun weg fein Leid geklagt, daß er halt gar so hitzig sei und ob's denn auf der weiten Welt fein Mittel gegen die jache Wut gäbe. Der Loiserl gilt nämlich als der Gescheiteste im Dorf und er hat schon bei den verzwicktesten Sachen Rat gewußt. Sv auch diesmal. Er setzt dem lauschen­den Ederbauer zunächst auseinander, daß die jähe Wut daher kommt, weil sie eben so jäh ist und daß man anfangen muß, das Jähe zu bekämpfen, wenn man die Wut wegbringen will. Es käme also dar­auf an, im Augenblicke des Zornes sich eine Ab- lenkung zu schaffen und diese Ablenkung bestünde darin, daß der Ederbauer dann sofort zu zählen anfangen solle. Bis hundert solle er langsam vor sich hin zählen und dabei die Hände ganz fest m die Hosentaschen stecken.

Sollst sehen" so schließt der Loiserl seine Aus­führungenwie alsdann dei Wuat verraucht!"

Dem Ederbauern leuchtet das denn auch ein und er bedankt sich recht schön für den guten Rat. Dann harrt er der Gelegenheit, die Wirkung des Rat­schlags zu erproben.

Diese Gelegenheit soll nicht lange auf sich warten lassen.---Tags drauf schon trifft er auf das

Hänsele, den Lausbub, wie der gerade unter der Kuh liegt und sich in den offenen Mund hinein melkt. Deshalb also gibt die Bleß so wenig Milch! Dem Bauern gibts einen Ruck, die Händ wills ihm hochreißen, aber noch im letzten Augenblick würgt er den Fluch hinunter, stopft die Hände in die Hosentaschen, stellt sich breitbeinig vor den Buben hin und fängt lautlos an zu« zählen:Dans, zwoa..."

Als das 5)anfeie den Bauern kommen sah, kroch es unter der Kuh hervor und griff ahnungsvoll nach hinten. Dann wartete er mit Ergebung und Geduld auf sein Schicksal... Aber , was ist denn das? Der Bauer brüllt nicht los, der Bauer haut nicht zu! Er steht vor ihm, glotzt ihn mit wütenden Augen an und bewegt seinen Mund. Dem Hänsele ist unheimlich zumute. Und bann begreift er: Der Bauer spinnt, er ist narrisch geworden!

Narrische Leut soll man in Ruhe lassen, sonst werden sie gleich völlig wild. Also sieht der Bub eine ganze Weile dem rätselhaften Gebahren des Bauern zu und verhält sich mucksmäuschenstill. Ein­mal nur versucht er, ihm aufmunternd zuzulächeln. Da aber verzieht sich das Gesicht des Ederbauern zu solch einer wilden Grimasse, daß es der Bub aufgibt, den Narrischen auf die Weise zur Vernunft zu bringen.

Der Ederbauer aber ist am zählen. Und eine Stinkwut kommt über ihn, als er so ruhig in das freche Gesicht des Hänsele schauen muß, daß er nur mit der größten Ueberwindung weitermachen kann. Während er mechanisch die Zahlen heruntermur­melt, wachen Erinnerungen an frühere Schand­taten des Lausbuben in ihm auf... Bei zwanzig fällt ihm ein, daß der Saubua noch vorgestern hinterm Stall die rohen Eier ausgetrunfen hat und er bohrt sich fast die Hosentaschen durch, um ja nicht die Fäuste aus dem Sack zu lasten... Bei vierzig denkt er daran, daß der Hänsele, der Malefizbub, vorige Woche dem Altknecht die Pantoffeln ange­nagelt hat, so daß er wie eine Sternschnuppe durch die Stuben schoß. Der Bauer knirscht mit den Zähnen und zählt schwer atmend weiter... Bei sechzig macht der Bub einen Versuch, zu entwischen,

aber aus des Bauern Kehle kommt überm Zählen ein solches Wutgeheul, daß das Hänsele zurückprallt und sich wieder bescheiden neben der Kuh auf- stellt .. Bei achtzig endlich fällt dem Bauern ein, daß der Mistbua neulich den Sommerfrischlers­jungen unter die Kuh hat schauen lassen, grad, wie sie den Schwanz hochhob und daß der Sommer­frischler daraufhin mit seinem schreienden, kuhmist­bedeckten Buben ein Häusel weiterzog, und das gibt ihm den Rest. Er fängt zu hasten an, fanns kaum erwarten, bis die neunzig herankommt und dann ... dann ist's fo weit:Achtundneinzi neinundneinzi hundert Himmisakraü!" Und damit hat er den Hänsele mit einem Griff an der Buxen, mit einem zweiten überm Knie und nun bezieht der Bub eine Tracht Prügel, die er sogar durch sein Sohlleder hindurch verspürt. Und ein Licht geht ihm auf, daß der Bauer wieder bei Ver­stände ist.

Am Abend lehnt sich der Loiserl über den Zaun und fragt den Bauern neugierig:Na, Eder, hat's eppes genutzt, mei Rezept?"----Da dreht

ihm der Ederbauer feinen nicht unbeträchtlichen Rücken zu und grollt in freier Abwandlung des Götz von Berlichingen-Wortes:Du kannst mi wannst magst!"

kostbares Wurstpapier.

Mit Handschriften und Autogrammen uni er er großen schöpferischen Geister gehen wir heute höchst sorgsam um, aber frühere Zeiten waren in dieser Beziehung erstaunlich achtlos und verschwenderisch und so haben manchmal einzelne glückliche Sammler im Einwickelpapier die kostbarsten Funde gemacht. So erzählt zum Beispiel der Altmeister des Auto- graphensammlers, Fischer von Röslerstamm, er habe einmal einen Antiquar besucht, wie diesem gerade sein Hausdiener ein Stück in Papier ge­wickelte Wurst brachte. Ein Blick auf dieses Papier ließ den Sammler das größte Interesse für die Wurst an den Tag legen. Er erfuhr, daß sie bei einem Fleischer nebenan gekauft war und ging nun eiligst dorthin, verlangte ein Stück Wurst und schielte dabei auf den großen Papiervorrat, der in geschriebenem Notenvapier bestand. Nach einigen Worten erhält er diese Makulatur zu einem höheren Preise und verläßt freudestrahlend den Laden, denn er hatte auf dem Wurstpapier bei dem Antiquar richtig den NamenFranz Schubert" gelesen. In

diesem Wurstpapier fand sich aber nicht nur ein kostbares Schubert-Autogramm, sondern es befan­den sich Kompositionen der hervorragenkstten Mu­siker in Originalhandschrift darunter, auch solche von Beethoven und Mozart. Nur die Namen von U bis 3 fehlten, die waren schon anbermeitig mit der Wurst verausgabt worden. In ähnlicher Weise fand der Wiener Kapellmeister Johann Herbeck wertvolle Schubert-Manuskripte, nämlich in der Ecke eines Musikladens, wo sie unter altem Papier lagen. Die Witwe von Schuberts Bruder Ferdinand hatte nämlich die im Nachlaß ihres Mannes befindlichen Noten als Makulatur verkauft.

Bei einem Schweinehändler in Bozen kaufte ein Tiroler für 10 Kreuzer Schinken. Das Papier, das zum Einwickeln verwendet wurde, erwies sich als ein eigenhändig geschriebener Erlaß Andreas Ho­fers, der im Jahre 1809 als Oberkommandant eine Unterländer Scharfschützen - Kompanie darin er- mahnte, sie solle weniger auf Essen und Trinken, als auf den vaterländischen Dienst bedacht sein. Der glückliche Schinkenkäufer erhielt dafür mehrere Gul­den. Heute würde ein solches Dokument dem Ent­decker Tausende einbringen.

3m Jahre 1840 kaufte ein Autographensammler bei einem Fischhändler in Yarmouth ein Stück See­zunge, die ihm in ein Stuck steifen Papiers ein- gewickelt wurde. Zu Hause sieht er sich das merk- würdige Einpackpapier an und findet hier eine Rechnung über Lebensmittel für die im Tower un­tergebrachten Gefangenen mit Unterschriften von Ministern König Jakobs II. Spornstreichs kehrt er m den Fifchladen zurück und kauft diesmal einen Schellfisch, der ihm in ein großes Stück Papier aus

Foliobande eingewickelt wird. Er kauft nun allmählich alle verschiedenen Fischarten und be­kommt ein gewaltiges Bündel alter Papiere, die nach der Aussage des Fischhändlers aus Summer­set House stammen. Beim Studium der Blätter fin­det er Rechnungen des Schatzkanzlers mit eigenhän­digen Unterschriften Heinrichs VII. und Hein­richs VIII., Garderobenrechnungen der Königin Anna, eine Abhandlung über das Abendmahl ih der kindlichen Handschrift Eduards VI., eine Ent­scheidung in Sachen des Hosenbandordens von der Hand der Königin Elisabeth, Gehaltsquittungen unterzeichnet von Newton, von den Dichtern Pope und Dryden, von dem Architekten Christopher Wren und anderen. Der Fischeinkauf hatte sich