Oie Kaninchen.
Zahreslagung der Gießener Hochschulgeseltschaft
। lusen.
ß?ner Anzeigers'
Die Schreibmaschine
Von Hans Kloepfer.
Der stellvertretende Reichsärzteführer, Hauptamtsleiter Dr, Kurt Blorne, richtet folgenden
öffnete die Versammlung mit einem Hinweis auf die jetzige große und ernste Zeit und die gewaltigen Taten unserer Wehrmacht, der wir es zu danken haben, daß wir in der -Heimat ungestört unserer Arbeit nachgehen können. Mit Rücksicht auf den Krieg habe man diesmal von einer Festsitzung Ab-
zenten für wissenschaftliche Arbeiten gegeben Außerdem waren für mehrere Zwecke Mittel bewilligt worden, die aber nicht zur Auszahlung kamen, da der Ausbruch des Krieges -ihre Verwendung nicht mehr ermöglichte. Die übrigen Ausgaben verteilen sich auf die Aufwendungen für die Herausgabe der Hochschulnachrichten, für Vorträge und Versammlungen, Verwaltungskosten usw. Das Vermögen der Hochschulgesellschaft belief sich am Ende des
zu erhalten. . ,, .
Mit dieser Ausführung tritt klar in Erscheinung, daß der deutsche Arzt von heute seine Aufgabe poli- . ■ r« r- r. i . ...S. _ f - „»CHSAa, G'Xvmm? or itnh. 1 ni =
stand genommen.
Sodann erstattete er den Jahresbericht. Darin wird zunächst der im Jahre 1939 verstorbenen Mck- glieder gedacht, und zwar Lanügerichtspraftdent-t. JL Neuenhagen, der 15 Jahre lang dem Dor-
Buge", sagte er dann wohlwollend, „wir wollen sehen, was sich machen läßt." Otto sprang so- fim auf und sauste wie ein ausgelassener junger Iaidhund durch die Stube. „Ich darf es behalten, Mtti", brüllte er wie besessen, „ich darf es behal-
Jahres 1939 auf 51 606,92 RM., gegen 45 400 RM. am Ende des Jahres 1938. Der Bericht wurde einstimmig gutgeheißen und dem Vorstand und Verwaltungsrat Entlastung erteilt.
Im Anschluß daran machte Dr. Meesmann die Mitteilung, daß er sein Amt als Vorsitzender der Hochschulgesellschaft niederlege. Der Vorstand hat von diesem Entschluß mit Bedauern Kenntnis genommen und Dr. Meesmann für die bisherige Führung der Geschäfte der Gesellschaft sein volles Vertrauen und seinen herzlichen Dank ausgesprochen. Wie von Dr. Meesmann weiter mitgeteilt wurde, hat der Vorstand einstimmig den Landrat Dr. Lotz zum Vorsitzenden gewählt, und dieser hat das Amt angenommen.
Alsdann wurden Wahlen vorgenommen. Aus Vorschlag des Vorsitzenden des Verwaltungsrats, Fabrikant Arthur Pfeiffer (Wetzlar), wurde Dr. h. c. Meesmann, dessen Amtszeit abgelaufen ist, einstimmig zum Mitglied des Vorstands gewählt, Bergassessor Kippenberger und Fabrikant S ch u ch h a r d t zum Verwaltungsrat wieder- gewählt, ferner an Stelle von Dr. Karl Merck (Darmstadt) auf dessen Wunsch Dr. Fritz M e r ck in den Verwaltungsrat gerufen.
Oberkirchenrat i. R. Wagner sprach hierauf unter dem Beifall der Versammlung Dr. Meesmann für seine bisherige, stets von vollem Vertrauen der Mitglieder getragene Vorstandstätigkeit herzlichen Dank aus. r## r .
Der Vorsitzende Dr. Meesmann schloß dann die Versammlung mit einem dreifachen Sieg-Heil auf unseren genialen Führer und unsere unvergleichliche Wehrmacht.
bemüht! .. __
Aber nun war's einmal zu spat. Eines Tages er-
K ranken, für die tatsächlich ärztliche Hilfe Bedürftigen frei bleibt. Erfahrungsgemäß ist es meist so, daß der ernsthaft Kranke oft schwerer zum Arzt indet, als derjenige, der den Arzt entbehren könnte und ihn oft nur in der Hoffnung aussucht, zusätzliche Ernährungsmittel zu erhalten, die er aber in Wirklichkeit gar nicht braucht. Die Wartezimmer der Arzte dürfen in Kriegszeiten nur von Patienten ausgesucht werden, die der Hilfe tatsächlich bedürfen. , . . . ,
Jeder überlege es sich daher, ob er die knapp bemessene Zeit des Arztes in Anspruch nehmen muß oder nicht. Eine Feststellung ist noch von besonderer Wichtigkeit: Nachprüfungen haben ergeben, daß mehr als die Hälfte der auf Verlangen der Patienten erfolgten Nachtbesuchs von Aerzten überflüssig waren. Der Arzt braucht seine Nachtruhe aber ebenso wie jeder andere Volksgenosse, oder in diesen Zeiten vielleicht noch mehr als jeder andere. Deshalb prüfe jeder noch einmal die Notwendigkeit, ehe er den Arzt in spaten Abendstunden oder mitten in der Nacht durch den Fernspre- ker oder die Alarmglocke aus dem Schlafe reißt. Der wirklich Kranke soll natürlich stets die Möglichkeit haben, die Hilfe des Arztes zur rechten Zeit
Von der Verschwiegenheit.
Von Albrecht Haller.
Aerzte sind selten Kalligraphen. Das begreiflich. Denn wer durch Jahrzehnte z. B. ,,acidi acetylosalicylici” in fliegender Hast aufs Papier wirst kriegt eine krumme Klaue. So hat auch meine Handschrift, wie man mir versichert, die Grenzen der Leserlichkeit seit Jahren überschritten. Das verwunderlich' denn man hatte im Gymnasium nicht unversucht gelassen, sie zu bessern Noch m der Tertia wurde ich als einziger, und allen verbrieften Satzungen zum Hohne, in ine ^o^lZraphle- stunde gebeten. Das war em padagogtzcher Justizmord. Aber mein Trotz spottete jeder Beschreibung des Papiers. Mit der Stenographie gmgs schon besser Trinkt des trauten Traubentrankes Troftes- tropfen" deklamierte der gute Lehrer pathetisch aus seinen Werken. Das klang verführerisch in Die drückende Nachmittagsschwule der niederen Schulstube Aber immerhin: Ich handhabe noch heute meine Kurzschrift nach eigenen Sigeln. Nur bleiben sie's hinterher auch ost für mich.
Bis im Berufe die Zeit kam, da der große Jn- dustriekonzern, dem ich diente, sich entschloß nzich gegen billige Entschädigung mit einer Schreibmaschine zu versehen. Seit Jahrzehnten hatte sie in der Großstadt treu und ergeben ihre Pflicht getan, als „Hammond multiplex", wie man sie m ihrer Jugend getauft. Sparsamer, immer langsamer, keuchte sie nun schon inmitten ihrer jungen, flink schnatternden Artgenossinnen hinterher und stand des Nachts wie ein Waldbaum unterm aufstrebenden Jungwuchs. Nun sollte sie in meinem Heim ihr ruhiges Ableben haben. _
Das breitbehagliche Aussehen der alten Dame Mach rmiü MsoglMs Äm dsZ Äm wm
ein tiefes Geheimnis. Unter Erwachsenen aber ist diese halbe Verschwiegenhöst oft schlimmer als gar keine. „Und was ich noch amtlich weiß aber „UnE> über die Soundso, da könnte ich Ihnen Geschichten erzählen, aber ich sage nichts" — solche Redewendungen laufen bereits auf Verleumdung hinaus.
Denn die Verschwiegenheit verschweigt selbst den Umstand, daß sie etwas verschweigt. Em Geheimnis ist nur dort sicher, wo man gar mchf vermutet, daß eines vorhanden sei. Erst von dieser vollkommenen Verschwiegenheit gilt das arabische Sprichwort: Am Baume des Schweigens hangt seine Frucht, der Friede.
Notizen für den 28. Mai.
Sonnenaufgang: 543 Uhr. Sonnenuntergang: 11.32 Uhr. — Mondaufgang: 1.40 Uhr. Mono- Untergang: 12.14 Uhr. .
Dr. Lolin Hoß spricht in Sie -en.
Im Rahmen einer Vortragsveranstaltru des Deutschen Dolksbildungswerkes in der J ' Gemeinschaft „Kraft durch Freude" die in -'tbm* düng mit dem NSD.-Studentenbund abg eya ten wird, spricht am Mittwoch, 29. Mai, in be'r Aula der Universität, der bekannte Weltreisenke Dr. Colin Roß über seine Weltreise in den <W*n 1938 bis 1940. Der Vortrag steht unter dem Tih<ma ,Die Welt zwischen Atlantik und Pazifik 2ßi''r Colin Roß schon gehört hat, weiß, daß es bet ihm nicht so sehr auf das Thema ankommt, sondern vielmehr darauf, ein Weltbild zu geben, das ganz aus der Gegenwart gefaßt und verstanden wird und die Beziehungen, die Spannungen zwischen Vöttern, zwischen Erdteilen erkennen laßt. Seit fafTSO Jahren ist Colin Roß unterwegs, unmitte - bar erlebte er die bedeutendsten Ereignisse des We t- aeschehens, und in 15 Büchern hat er die Ergebnisse seiner Reisen festgelegt. In vielen Vortragen hat er auch mit seinem stets auf das wesentliche aer'ch- teten Blick vielen Zuhörern und allen seinen Leiern Eindrücke vermittelt, die aus einer fast visionären Schau gewonnen waren. Bilder, zum —eil auch farbige Ausnahmen, werden den Vortrag ergänzen. Jahresversammlung der Ziegenzüchter
Der Ziegenzuchtverein Gießen hielt im „Frankfurter Hof" seine Jahreshauptversamsting ab. An Stelle des erkrankten Vereinsfuhrers Wilhelm Hödel gab dessen Stellvertreter Theis den Geschäftsbericht, aus dem eine rege Tätigkeit des Vereins zu'erkennen war. Der Verein unternahm eine Besichtigung des Oberen Hardthofes und dessen Ziegenbestände. Zuchtwart Wehrum hielt einen interessanten Filmvorttag und außerdem fanden einige Versammlungen statt. Der Altbock des Vereins wurde günstig abgesetzt und dafür ein Jung- bock erworben, der mit einem Zuschuß der Stadt beschafft wurde. Weiterhin wurden sechs Lämmer verkauft. Die Milchkontrolle ergab zum Teil sehr beachtliche Milch- und Fettleistungen. Die Zuchtbe- strebungen in dieser Hinsicht werden fortgesetzt.
Kassenwart Wilhelm Dmmert erstattete den Rechnungsbericht. Aus der Versicherung konnten etwa 100 RM. den Mitgliedern für Schaden vergütet werden. Die Bockhaltung ist rentabel. Die finanziellen Verhältnisse des Vereins find gesund.
Da der 1. Vorsitzende Heinrich Höbe! um Entlastung gebeten hatte, wurde sein Stelloertteter Theiß einstimmig» zum 1. Vorsitzenden und Hobel in Anerkennung der Verdienste um den Verein zum 2. Vorsitzenden' gewählt. Kassenwart Ommert, dem Entlastung erteilt wurde, blieb in seinem Amt. Zum Schriftführer wurde Mitglied Fischer, zum Zuchtwart Heinrich Becker und zum Werbewart Heinrich Philippi gewählt. Im weiteren Verlaus der Versammlung kamen zwei Lämmer zur Verlosung, die von den Mitgliedern 3., Schmidt und Adam' gewonnen wurden. Vorsitzender Theiß gab bekannt, daß in den nächsten Tagen durch die Tierzuchtbeamten die Besichtigung der Herdbuchtiere erfolgt. Die Nachfrage nach Lämmern und Böcken ist sehr groß. Die Züchter wurden besonders auf die Klauenpflege, die Stallverhältmsse und aus züchterische Fragen hingewiesen. Die Milchkontrollv wird weiter durchgeführt.-
Das Schweigen gilt schlechthin als 3^ Eigenlast Die ist es aber nur dann, wenn etwa, da- Hinter steckt So sagte Schleiermacher dem grund- Ehrten abe? sehr bescheidenen Philologen Becker rach, er vermöge in sieben Sprachen zu schweige .
Oft legen die mehr Verstand an den Tag. die zu mner Sache schweigen, als jene, die sogleich das rrofte Wort führen. Dem klappernden Hufeisen ein Nagel, spottet ein spanisches Sprichwort.
Einem jedoch^ der stnmm ist, wird es.Niemand als Sugend anrechnen, wenn er schweigt. Es sind oder Hefe stnmm im Geiste. Sie haben nicht-sagen S aturn lagen sie nichts. Den Dummen wird zwar l=it alter/ empfohlen zu ichw-M, damit jemand merke, wie dumm sie seren Aber M la ® Has Wesen der Dummheit, daß ste sich selber als wiche gor nicht erkennen kann. Wer aus Selb!- irkenntnis seiner Unzulänglichkeit schweigt 'st b- -eit- nicht mehr dumm, sondern ubt Stoßett Er schweigt nicht einfach so dahin, er verschwe g .
Man muß daher Zwischen einem aktiven und pas- Uven Schweigen unterscheiden. Nur das aktive Schweigen ist preisenswert, jenes, das angewendet Birb, um etwas zu verteidigen oder anzugreifen.
Denn das Schweigen ist vor allem eine Waff^ §s hat uns schon als Kind getroffen, starker al- ille Handgreiflichkeiten, wenn dle Eltern uns n.cht mit Worten, sondern mit Wortlostgkeit straften. Es !*ann uns auch noch als Erwachsene treff , emand alle Verständigung mit uns abschneidet m- vem er sich in ein Schwelgen hüllt das man Das -eisige nennt. Bloßes Beieidigtsem dagegen jenes beliebte Hausmittelchen, ist kein rechtes Schwelen, ändern nur ein gespieltes, wes^lb man amsbrmf- l'ich sagt: Jemand macht einen Kvpf. Die Wirkung solchen gemachten Schwelgens ist daher oft nur sine komische.
Ein Lehrer drohte einmal seinen..unruhigen Schullern, wenn sie nicht schweigen wurden, wurde er schweigen. Allgemeine Heiterkeit!
Die Krone des Schweigens ist die Derschwiegen- heit. Manche glauben sie zu besitzen, wenn ste uns 1 Mitteilen, sie wüßten etwas, was mir mcht wußten, gsie hätten aber versprochen, es nicht welterziftagen Bei Kindern rührt es, wenn sie zur Weihnachtszeit Per Mutter ins Ohr flüstern, sie hatten eme große ^UchWlschunZ M fe WSeieMÄt sbLL Las & MD
Die Zeilen sprangen ihm nur so entgegen, wuchsen zu Seiten und wollten gar nicht aufhörbn. Ich war betäubt. Bald machte auch mir die Geburt eines Buchstabens keine Schwierigkeit. Mehr freilich, sie unter spannenden Verzögerungen aneinanderzu- reihen. Ich zog, die Brust von frohen Hoffnungen geschwellt, stolz an der Hand Olympias ein in den Freudensaal, darin ich Zeit und Mühe sparen sollte. Und mit der Zeit, stapfte ich richtig gelassen — mit Unterbrechungen — hinter dem Wortbilde her, trat wohl manchmal etwas daneben, „peng', aber schließlich holte ich den Satz doch wieder gluck? lich ein. Freilich unter immer neuem Aufsuchen der Buchstaben. I, Y sind ja leicht zu finden. Aber wie selten braucht man sie auch. Dagegen das ganz gemeine e in „Sehr geehrter Herr!" erfordert gespannte Aufmerksamkeit, weil sich der kaum entdeckte Knirps immer wieder unschuldig zu tarnen weiß und, kaum wiedergefunden, schon wieder in die Reihe der andern zurückspringt. Und das schone Wort „Pflicht", mir sonst so geläufig, erfordert wahre Hechtsprünge über die Tasten.
So lebe ich noch heute mit der listigen Olyyipia Gewehr bei Fuß, ich mißtrauisch, sie gelassen, seelenlos. Und dann kommen Tage, an denen ste eine plötzliche Erkrankung vorschützt, das Farbband nachlässig fallen läßt, wie ein stetiges Roß bockt, sich klemmt und spreizt und wohl gar nicht ansprechen will. Das war zuviel. Die Sporen in die Weichen! dachte ich als alter Bürgerwehrkavallerist. Ja, das kannst du, Freund, bei einem Klavier versuchen oder bei einem andern Ding, das dich erzürnt hat. Aber gegen eine Olympia! Diese Verbrecherkolonie abgefeimter Federn, Hebel und Knöpfe! Dies würdelose Blindekuhspielen mit „gugu" und „baba" einer klapperdürren Typenschachtel gegen eine ernste, gewichtige Männerhand! Ich weiß, ich weiß: Die Anleitung, die mich in 22 Punkten belehrt, wie ich ihr entgegenkommen, sie sogar noch „pflegen" solle: Das Typenhebelsegment (18) und der Typenhebelfuh- rungsknopf (20) dürfen an den Führungsstellen der Typenhebel nicht geölt werden! flötet sie mild. Ja ' Schnecken! Da gibts nur eins: Die Schachtel drüber : und oierundzwanzig Stunden Dunkelhaft!
lag ich einem wahrhaft gräflich gekleideten Agenten, iifch. schneide mir justament eigen^eine W«, der vor meinen Augen mit seiner Olympia expreß von Großvaters Tintenzeua zur 9e3£3/
** Eine Achtzigjährige. Am morgigen Dienstag, 28. Mai, kann.Frau Elise Heck Wwe., geb. Althof, Dammstraße 41, in geistiger und körperlicher Frische ihren 80. Geburtstag feiern. Die Jubilarin ist Trägerin des goldenen Ehrenkreuzes der deutschen Mutter. Seit 55 Jahren gehört die hochbetagte Frau zufti treuen Leserkreis des ®te= ßener Anzeigers. Wir beglückwünschen sie herzlich zum Geburtstag und wünschen der Jubilarin einen weiteren schönen Lebensabend.
** Gießener Werkskonzert in Man^ dschukuo gehört. Die Gießener Fitttngsfabrik Bänninger hat in diesen Tagen einen originellen Brief erhalten. Es war ein Gruß aus dem fernsten Osten, aus Mandfchukuo. Der Kapitan und der Schiffsoffizier im Hafen von Dairen liegenden dänischen Dampfers „Gustav Dietrichsen" mit deutscher Besatzung schrieben herzliche und launige Worte des Dankes für das Werkskonzert, das vor
kecke llebertreibung.
Aber schließlich machte sich doch das Alter an uns beiden geltend. Da und dort bekam sie eine Zahnlücke, begann zu stottern, immer öfter riß das Gummiband; und wenn ich es auch kunstvoll nut Leukoplast verklebte, so gewann es an Haltbarkeit, was es an Elastizität verlor.
Da mir die beigegebene Gebrauchsanweisung zu wenig ausführlich schien, zog ich als gewissenhafter deutscher Mann mein Konversations-Lexikon — es stammte' aus dem Jahre 1894 — zu Rate. Dort stand zu lesen: „Schreibmaschine, Apparat, mit welchem man die Schreibtätigkeit der Hand durch maschinelle Einrichtung ausführt, dabei Zeit und Mühe spart und bald eine gleichmäßige, druckähnliche Schrift erzielt. Die S. wurde 1714 von Mill in England erfunden." Das war wohl meine liebe Ham- mondschachtel gewesen. Und wo blieb nun der Wallenstein? •
Auch ihre Behandlung wurde mir sofort klar, als ich erfuhr: „Die Typenflügel sind in einem in der Mitte des halbellipsenförmigen Tastenbrettes stehenden cylindrischen Gehäuse untergebracht, hinter welchem der mit einer Skala zum leichteren Einstellen der Seitenränder der Schrift versehene Papierschlitten auf Metallrohrchen gleitend, eingeteilt ist." Sie da, wie einfach; und ich hatte mich so
Was sind dagegen die Schreibefinger doch für ein köstliches Werkzeug; wenn sie, gelöst von mechanischem Dienst, in freiem Zug meinen ehrlichen Namen unters Stoppelfeld setzen. Und so flüchte ich mich denn wieder zum lieben alten Schreib-?
Tageskalender für Montag.
Volkstümliche Vorträge der Ludwigs-Universität 20.15 Uhr im Kunstwissenschaftlichen Institut, Lud- wigstraße 34, Professor Stoltenberg über „Seelspiegelung"; 20 Uhr im Physikalischen Horsaal, Stephanstraße 34, Professor Dr. Vollrath über „Krieg und Frieden, unter besonderer Berücksichtigung innerbritischer Zustände". — Gloria- Palast (Seitenweg): „Mein Mann darf es nicht wissen" und „Neueste Ufa-Ton--Woche".
stündliche Belehrung nur etwas milderte. Aber mit mütterlicher Geduld nahm sie mich in die Lehre. An ihrer Brust habe ich viele lehrreiche Stunden verbracht. Die Mühe lohnte sich. Nachdenklich irrte wohl anfangs mein spähender Blick über ihre Tasten, die so offen und dienstbereit vor mir lagen; bis ich mit der Zeit — wie leichtherzig sich das Wort spricht! — zur Anfertigung einer Postkarte wenig mehr als eine Stunde brauchte. Immerhin, meine Korrespondenz würde etwas einsilbig, die Briefschulden häuften sich. Aber am Ende hatte sich doch ein wahres Freundschaftsverhältnis zwischen uns ausgebildet, das kein Spott meiner Freunde erschüttern konnte. So, wenn der Kulturhistoriker die Vermutung aussprach, sie müsse wohl schon dem Geheimsekretär Wallensteins für feine Heeresbefehle gedient haben! Aber das konnte ich nicht glauben. Und wenn der Mineraloge nach längerem nachdenklichen Zufchauen meinte, meine Kunst erinnere ihn an die Adelsberger Grotte, wo auch alle Minuten ein Tropfen vom Stalaktiten falle, so war das
Aber sie verlief keineswegs im Sande. Ottos Mer erlahmte nie, und der Vater hatte auch einen □afe an den munteren Tieren. Schließlich fteun- ite sich auch die Mutter mit ihnen an, und nun chlen die Kaninchen sozusagen schon zur Fami i^ g u g fi u c u , uct ---- —
emnächst werden Junge erwartet, und dann muß ft(mb ber Hochschulgesellschaft angehorte Genera- ir Stall bereits erweitert werden. Doch Vater a $ x>r Bethcke, der ebensolange Mit- ucht sich gerne an diese Arbeit. Er weiß ja, daß L be5 Vorstandes war; beide haben sich während i sich lohnt, und daß es vom gerbst an einige zu- er Zeit der Interessen der Gesellschaft m beson- cßliche Braten geben wird, gegen dve die Mutter Maße angenommen; ferner der Geheime
ichts einzuwenden hat. bch' Kirchenrat Prof. Dr. Krüger, der Mitbegründer
f der Gesellschaft, lange Jahre ihr stellvertretender
ilnser neuer jiOlMtt. Vorsitzender des Verwaltungsrats und IN den bei-
Nachdem wir in derS°motogous^b- unsere-
Gn. ^-b ^nn^dewast^ werde,
rir in der heute erscheinenden Nummrr des ber vorjährigen Wahl ist Oberbürger,
^ner Anzeigers Nut der Derosjentüchung eines ?11 e r r Eichen, neu in den Vorstand ein-
r-uen großen Romanwerks. ^>"-dem r uns H Die Mitgliederzahl belief sich am 31 De- enen nicht geringeren Ersolg m allen Krei,en u g 1939 auf 405 Mitglieder. Die Einnahmen .. Leserschaft oersprechen dürft. Der Ro S ;^ge,9nit auf 7378,77 RM.; davon
im an ..Keine Spuroon «““oHÄ ffi-n u. a’ aufWMÄää« 4902,60 RM. tSaufmann führt uns in die st'lle, weite Land^ e,^ a n u.^^i 1408 äu5 bem
istzast der Ostseeküste, wo eme lung- Kurausgelöster Ablösungsanleihe ergab sich ein infam wohnt, denn ihr Mann ist seit drei Jahren l 9 1002,12 RM. Die Ausgaben belie-
r-rschollen. Welche inneren und auß-renBerrmck- auf 3998,77 W.; davon wurden
İW?sind^ewitz.''datz''df"er ftinsinni/e '^d 1910 RM. als Zuwendungen an Jnst.tute^und Do- zugleich spannende Roman einer lebten Autorin Sen unseren Lesern und Leserinnen m Stadt und lond eine von Fortsetzung
l:ger Erwartung begrüßte Lektüre bieten wird.
töt einem reinen Familienstreit fing es an. Der Zehnjährige Otto war mittags mit einem kleinen rnlünchen nach Hause gekommen „Was willst bu i an bie Bevölkerung: nd dem Tier?" forschte die Mutter mit strengen *gbenr0 roie bie Ernährung unseres Volkes sicher-
llilgen, „m unserer Wohnung können wir es jeden- rteUt hoben die verantwortlichen Stellen auch
ioSs nicht gebrauchen. Nach dem Essen bringst du |'orgt/ bie ärztliche Versorgung der
i-. wieder dorthin, wo du es hergeholt hast Ottos Äjvilbevölkerung während des Krieges in Ordnüng Hilgen füllten sich mit Tränen. Er jammerte laut ^ibt Diese feststehende Tatsache wird dadurch in lllol keiner Weise erschüttert, daß Kriegszeiten stets einen
Mas soll der Krach?" fragte unmutig der Vater, gewissen Arztmangel eintreten lassen. Im national; J zum Essen nach Hause kam. Unerquickliche Aus- sozialistischen Deutschland weih der Arzt der mne- eiii^ndersetzungen waren ihm ein Greuel. Als aber ren Front, daß er sich genau so als Soldat wie Dd3 sein Geschick stockend gebeichtet und die Mutter |ein Berufskamerad an der äußeren Front zu be- jhr; kategorische Erklärung wiederholt hatte, machte trachten hat. Er trägt deshalb gern die Mehrbe- dsi Vater ein pfiffiges Gesicht. „Beruhige dich, mein loftung, die durch Abkommandierung vieler Aerzte .... --- ^""""'zur Wehrmacht entstanden ist. Mancher Arzt würde
darüber hinaus selbst gern seine Pflicht im Schützengraben erfüllen. Wenn ihm das versagt ist, so will er einen Ausgleich durch höchste PfliHerfülluno in der Heimat, durch höchsten Dienst am Volke schassen.
Die hinter uns liegenden Krjegsmonate haben gezeigt, daß es dem deutschen Arzt mit diesem Einsatz ernst ist. Auch der Artt hat bereits im Verlauf dieses Krieges seinen Anteil an dem wehr
te Mutti war keineswegs vergnügt darüber, tu denkst doch nicht im Ernst daran, oder hast du wi'klich die Absicht? Mann, wo wir sowieso temen VUU| Vlt|„ —...... -.....- -
OTib haben. Aber das sage ich dir: in die Küche kämpf beigesteuert. Aber auch er ist nur em Mensch, ftmmt mir das Tier unter keinen Umständen." Ihr her über ein bestimmtes Maß an Kräften verfugt. mknn lachte: „So ist das ja nun auch wieder nicht Deshalb muß von der Bevölkerung erwartet wer- amemt Aber paß mal auf: hinter dem Haufe ist den, daß auch hier di- Notwendigkeiten und Aus-, ^0
s, •srisTSÄM"« s*’ * w«-" —— Kn Kaninchenstall hinsetzen." fende Hand des Arztes stets für die wi rklrch I erfüllt.
Am nächsten Sonntag schreinerte der Vater in d, Tat einen regelrechten Stall, wobei ihm Otto mit Fuereifer zur Hand ging. „Für dich Ed es alleres auch eine wichtige Aufgabe geben , bedeutete ^.^e.^Ab°r^daßmsrds° I Die Gießener Hochj^ulgefellfchaft hielt am Sams-
Eizufetzen, denn der Vater brachte eines Abends «ch drei junge Kaninchen nach Hause. Die Mutter Aß die Dinge mit einigem Widerstreben geschehen. Velleicht würde die Geschichte doch bald tm Sande
«US der Eiadi Gießens Nehmt Mlksicht aus die Velastung des Arztes Ein Appell des stellvertretenden HeichsärzteführerS an die Bevölkerung.


