2H./27. Oktober
Nr. 254 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
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die Medizin und über den Humor in der ärztlichen Praxis, über die Liebe und sonst allerlei: man sieht ihn auch als Mikrobenjäger, und die Mikrobe, nach der er leider erfolglos jagt, ist die Mikrobe der menschlichen Dummheit: man sieht ihn sogar vor dem ärztlichen Ehrengericht, leider auch ohne Erfolg: man vernimmt die Geschichte vom Blinddarm und die Geschichte von der Nachtwache, die wirklich erstaunlich ist, und man hört auch die schreckliche Geschichte des unschuldig verurteilten und dennoch Hingerichteten Mörders Shunderson.
Mit dieser schauderhaften Mordgeschichte schließt sich der Ring, rundet sich der Rahmen: in Bild 6 kehrt Götz zum Ausgangspunkt zurück, zu Hiob nebst Frau Gemahlin, zum zertrümmerten Auto und dem dicken Baum, zu der menschlichen Dummheit und zum merkwürdigen Zufall. Welch ein Stück, welch eine Fülle von Einfällen, von Pointen, von Unbekümmertheit, von Witz und Schlagfertigkeit, — dem Zuhörer wird manchmal himmelangst, wie Götz dies alles zu einem guten, theatergerechten Ende bringen werde. Er bringt es aber, und es spricht für die von Herrn Geißler geleitete Aufführung, daß sie sich im blassen Erinnerungsbilde des Besuchers neben jener Aufführung vor sieben Jahren • sehen und hören lassen konnte, in der doch Götz unter anderem den nicht aufzuholenden Vorsprung hatte, daß er die Funktionen des Autors, Spielleiters und Hauptdarstellers in einer, seiner Person vereinigen konnte. — Die hübschen Bühnenbilder (Herr Löffler) waren dem wechselnden Klima der Szene geschmeidig an- gepaßt. *
Fm Mittelpunkt des glatten, sauberen, sorgsam poinierten Spieles stand Herr Joachim Ernst in der Rolle des Hiob und des Sherlock Holmes zugleich, was ihm sichtlich selbst Spaß machte: ihm liegt Götzens Art, er jonglierte aui liebenswürdige und oft entwaffnende Weife mit- dessen witzigem, scharfsinnigem, blank poliertem Dialogstil, fitlbe Heinrich war die scharmante und temperamentvolle Patientin und spätere Gemahlin Hiobs, die Violetta heißt, aber nicht aus Barcelona, sondern aus Halle an der Saale stammt. Herr Geiger machte aus dem wiedererstandenen Herrn Shunderson einen unheimlich-komischen Revenant, eine gespenstig-heitere Lustspiel-Marionette. Herr Schewe, erst Watson, dann Professor Nack, brachte mit
Zu der vorn Reichspropagandaministerium in dec Zeit vom 27. Oktober bis 3. November d. I. ver« anstalteten „Woche des Deutschen Buches" hat dec Reichserziehungsminister die Nachgeordneten Behörden der Schulverwaltung ersucht, die Propaganda für das deutsche Buch nach Möglichkeit zu unterstützen. Insbesondere soll auch im Unterricht dec Schulen in Anknüpfung an die in der Buchwoche durchgeführten „Herbstoeranstaltungen für das Deutsche Schrifttum" in geeigneter Weise auf das Buch in seiner Bedeutung für Volk, Beruf, Heimat und Familie eingegangen werden.
Ein weiterer Erlaß des Reichserziehungsministers verweist darauf, daß der „Tag der deutschen Hausmusik" in diesem Jahre am 19. November stattfinden soll. Der Minister bittet, diesen Tag in den Schulen wiederum eindrucksvoll zu gestalten.
genau zu betrachten und um ihm einen Kuß zit geben. In seinem Gesichtchen stand das große Nicht- verstehen, daß nun mit einem Male ein Gesicht da war, das ihm fremd sein mußte: ein braungebranntes Gesicht mit großen brennenden Augen.
Er schien mich zu prüfen.
Ach, es dauerte so lange, bis er sich entschieden hatte, mich anzuerkennen. Es zuckte um seinen Mund, er wollte lächeln, er versuchte es immer wie. der: bis auch ich lachte: nun war alles gut. Ec wußte noch nicht, daß ich sein Vater bin, vielleicht aber spürte er, daß ich ihn unendlich liebe, daß in uns das gleiche Blut fließt, baß uns etwas Geheimnisvolles verbindet. Das, ja, das muß auf ihn über» geströmt fein, als er ganz fest, feine kleine Hand auf die meine legte und „Dada" sagte.
Nein, er wußte noch nicht, daß ich sein Datec bin. Doch es war köstlich, dieses Wort zu hören: zu wissen, einen Sohn zu haben. Ich küßte ihn ganz leicht auf die Stirn, da fuhr seineHand empor, er hatte meine Haare erwischt, mit beiden Händen griff er nun hinein und strahlte über sein liebes Gesicht, er jauchzte hellauf und patschte in meine Haare, daß ich ihn schnell losgurtete und aufnahm.
Das war, als ich ihn gestern wiederfah.
Heute liegt er vor mir in feinem Wagen. Seins Augen strahlen mich an, er kennt mich ganz genau, er hat auch keine Angst mehr vor der Uniform. Wenn ich meine Hand ausstrecke, dann legt sich ein winziges warmes Fäustchen hinein.
Wir sind gerade von einem Spaziergang zurückgekommen. Mutter macht fein Esten, ich muß warten, denn er geht ja vor. Ich muß aufpasten, daß er sich nicht im Wagen aufstellt. Er denkt nicht daran. Er strahlt, mich an und hat meine Hand fest umklammert, als wolle er sie nie mehr hergeben.
Lieber, kleiner Sohn! Ich habe ja noch fünf Tage Urlaub, die wollen mir beide ausnutzen. Dann gehe ich wieder. Du wirst erstaunt fein, daß der große Mann plötzlich nicht mehr da ist, vielleicht wirft du auf die Türe sehen, ob er nicht hereinkommt, um den Kopf zu beugen, daß du mit seinen Haaren spielen kannst, dann wirft du ihn vergessen, denn du bist ja noch so klein, daß du die Wirklichkeit nicht von einem Traume unterscheiden kannst. Eines Tages aber werde ich wieder bei dir sein. Dann ist wieder Frieden, und ich gehe nie mehr von dir fort.
Komm', lächle, Sohn, ich bin noch so lange bei dir. --------*•
ich meine: „Vielen Dank, Präsident, das war's, was ich einmal hören wollte, und was ich brauche für meinen weiteren Kampf für Sie und Ihr Volk und Ihre gerechte Sache!" Da erhellte sich wieder fein finsteres Gesicht.--
„Kitchener hatze die sogenannten ,Kaprebel- fen‘ erschießen lassen, Männer englischer Nationalität, die mit dem Herzen jedoch Buren geblieben waren und nun, während des Krieges sich auf feiten der Buren stellten. Der greife Präsident wollte gegen diese grausame Handlungsweise einen flammenden Protest erlassen, der in dem Gedanken ausklang, daß die Volkszugehörigkeit über die des Staates gehe. Aber wer sollte diese Mitteilung in Europas Presse bringen? Man riet hin und her, als plötzlich Krüger ausrief: „Lat doch die per- mantige dominee von Berlin körnen!" (Laßt doch den impertinenten Pfarrer aus Berlin kommen!) Ich überarbeitete feinen Protest gegen Kitchener und gab ihn an alle führenden Blätter Europas.
„In Präsident Krügers« Gesellschaft in Utrecht in Holland", führt Sch 0 walter weiter aus, „weilten ständig fein Privatsekretär H. C. Bredel! und Piet G r 0 b l e r, der frühere Polizeipräsident von Pretoria. Beide hatten über Krügers Leben Auszeichnungen gemacht, mit dem Gedanken, diese später herauszugeben. Wir sprachen von der Herausgabe, unter der Bedingung, daß sie eingehend überarbeitet werden müßten. Wer käme dafür in Frage? Die Herren sahen sich an, sahen auf Ohm Krüger. Dann kamen sie schließlich zu dem Entschluß, die Ueberarbeitung und Herausgabe der Lebenserinnerungen Paul Krügers mir zu übertragen. Gerne willigte ich ein. So geschah das beinahe Unglaubliche, daß die Memoiren des großen burischen Freiheitskämpfers und letzten Präsidenten der Burenrepublik Paul Krüger zuerst in Deutschland und in deutscher Sprache herauskamen. Das Buch ist in etwa ein Dutzend Sprachen übertragen worden und wurde ein Welterfolg auf dem Büchermarkt.
„Ohm Krüger selbst legte kein sonderliches Interesse dafür an den Tag. Jede Frage, jede Antwort schien ihm zuviel. Das war mir ja begreiflich, denn es waren die Tage, die Leid um Leid über den alten Mann brachten. Das unglückliche Ende des Krieges stand bevor. Es kam der niederdrückende Bericht von S m u t s, der einmal als Bure auf Burenseite kämpfte und heute fein Volk auf das
gemeinste verraten hat, über die Internierung von 26 000 Burenfrauen und -kindern in Konzentrationslagern. Es kam die Nachricht von dem erfolg« losen Werben einer Burendeputation, die man hinaus in die Welt geschickt hatte, und es kam dis Nachricht vom Tode seiner Frau in der fernen Heimat. Am liebsten wäre mir der große Mann durchgebrannt oder hätte mich bei Kopf und Kragen gepackt und rausgeschmissen!
„Wenn es um bedeutsame Fragen seines politis schen Kampfes ging, schien er für kurze Zeit mit Interesse bei der Sache zu fein. Aber drang ich dann auf feine Jugendzeit ein ober wollte ein paac seiner berühmt gewordenen Jagdabenteuer von ihm
allen seinen Schichten und Altersklassen weiß und beherzigt: Auch das Meer ist deutscher Lebensraum.
Seit der Machtübernahme ist der Umschlag der deutschen Häfen stetig gestiegen. Die deutsche Handelsflotte stand am I.Juli 1938 an fünfter Stelle in der Reihe der schiffahrttreibenden Länder der Welt. Im Weltschiffbau gelangte Deutschland an die zweite Stelle (nach England). Die nationalsozialistische Staatsführung hat nicht nur einen gewaltigen Aufschwung der inneren deutschen Wirtschaftskräfte, sondern überhaupt eine stärkere Stellung des Reiches im Welthandel herbeigeführt und eine aufblühende Seegeltung entfaltet. In einem solchen Dolksstaat nimmt der Arbeiter selbstverständlichen Anteil an allen Errungenschaften der Nation. Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" gibt ihm Erholung auf unvergeßlichen Seereisen und läßt ihn das Meer als Brücke zu den Völkern und Gütern der Welt kennenlernen und erleben.
Gegen diese ganze Entwicklung aber wandte sich England mit seinem Druck auf Rohstoff- und Absatzmärkte und mit der Blockierung jeder friedlichen Aufbautätigkeit Deutschlands. Das Reich mußte sich wehren — und es wehrte sich kraftvoll und klug! Durch seine wirtschaftliche Umstellung begann es bereits im Frieden mit der Abwehr des englischen Boykotts; es machte sich blockadefest. Als England den Krieg vom Zaune brach, unterschätzte es die Stärke und Bedeutung der von jungem Leben erfüllten deutschen Volks- und Wehrkraft und
Die Hauptsache ift heute nicht, ob uns ein guter Freund in einem neuen oder in einem alten Anzug besucht, die Hauptsache ist, daß es der gute Freund wie bisher ist. So ist es auch mit Erdal. Es kann nicht immer in seiner schmucken Blechdose kommen. Teilweise hat es ein bescheideneres Kleid an: dis Nachfüllpackung, weil wir an Blech sparen wollen. Die Nachfüllpackung setzt man einfach in die leers Erdaldose ein. Es darf auch eine größere Dose sein, ja man kann sogar zwei oder drei Nachfüllpackungen in eine große Dose entleeren, denn dis Masse sitzt nur locker, damit sie leicht umgeleert werden kann. Man drückt sie bann mit einem alten Messer ober dergleichen gut in die leere Dose ein und hat immer das altbewährte Erdal. 4810V,
„Woche des Buches" und Tag der Hausmusik" in den Schulen.
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Durch den Tobis-Film „Ohm Krüge r" rückt uns das Leben des großen Burenführers und südafrikanischen Staatsmannes wieder nahe. Da ist es interessant, sich mit dem Superintendenten Dr. August Schowalter zu unterhalten, der Ohm Krügers Lebenserinnerungen niederschrieb. Zur Zeit des Burenkrieges war der „Pastor Schowalter" eine der volkstümlichsten Persönlichkeiten in Deutschland, denn er sprach in vielen Versammlungen für die Buren, denen das deutsche Volk in ihrem Schicksalskampf helfen müßte.
„Am 19. Januar 1902 stand ich", — so erzählt Dr. Schowalter, — „zum ersten Male in meiner Eigenschaft als Leiter des Deutschen Burenhilfsbundes dem greifen Burenführer Ohm Krüger gegenüber. Diese Stunde ist unauslöschbar in meiner Erinnerung haften geblieben. Ohm Krüger war ein Riese von Gestalt, ein Mann, der Bärenkräfte besaß, und dem man es gerne glaubte, daß er in seiner Jugend einmal mit einem wilden Büffel im Sumpf gerungen hatte! Er war Mitte der Siebzig, ganz in Schwarz gekleidet, und. um den Hals trug er, nach Art der alten Kapbauern, ein schwarzes Halstuch. Daß ihm ein Daumen an feiner wuchtigen Hand fehlte, bemerkte ich sofort. Später hat er mir erzählt: Er verletzte sich als Junge am Daumen, und die Wunde wollte nicht heilen. Sie wurde immer schlimmer. Da nahm er sein Taschenmesser und schnitt sich einfach den ganzen Daumen ab!
„Bei einem späteren Besuch bei Ohm Krüger", erzählt Schowalter weiter, „richte ich an ihn die Frage": „Hat Sie nicht Ihr starkes Selbstvertrauen daran gehindert, einen Weg zu finden, der diesen Krieg mit England hätte vermeiden können?" Ich ahne nicht, mit dieser Frage an einen wunden Punkt gerührt zu haben! Der Riese schlägt mit seiner Faust auf den Tisch, daß es nur so dröhnt, sieht bald wütend auf mich, bald auf feine Umgebung und fragt: „Wat zegt de Kerl?" (Was sagt der Kerl?) Und dann, als strömten die Zambesi- fälle, sprudelt's aus seinem Munde, was er alles getan habe, um diesen Engländern entgegenzukommen. Aber je mehr er ihnen anbot, um so mehr wollten sie haben! Reichte er ihnen den Finger, so wollten sie die ganze Hand! Und da habe er eben Schluß gemacht und zu den Waffen gegriffen! Dann lehnt er sich, schwer atmend, in seinen Sessel zurück, sieht mich noch einmal sehr böse an. Aber
Aus Ohm Krügers Erinnerungen
Ihr Herausgeber erzählt vom Freiheitskampf der Buren.
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Das Publikum unterhielt sich angeregt und dankte freundlichem Applaus. Hans Thyriot.
Deutschlands Seegettung.
Die Auseinandersetzung zwischen den beiden gro= gen germanischen Völkern bewegt uns zu der Frage: Wie ift es denkbar, daß die großzügigen Friedensangebote des Führers so rundweg von England ab-- gelernt wurden? Läge es nicht auf der Hand, dem stark industrialisierten Deutschland, das ja ohne Ver- mirflid)ung einer ihm zukommenden Seegeltung am Ueberfchuß eigener Arbeitsleistung ersticken müßte, dieses Recht — dem kein Weltherrschaftsstreben beigemischt ist — neidlos zuzubilligen? Hat nicht zudem dieses typische Veredelungsland im Herzen Europas wie kein anderes zum Fortschritt der Welt beigetragen? Hätte das von veralteten, egoistischen Grundsätzen geleitete Albion die Zeichen der Zeit erkannt und wäre es sich seiner Verantwortung als Großmacht bewußt gewesen, so hätte es sich nicht dem oft wiederholten Wunsche des Führers auf Abgrenzung der deutschen und der englischen Jnter- esien auf dem Erdball blindlings versagt. Der gesunde Menschenverstand, auf den sich gerade England immer wieder berufen hat, sagt: Für den Frieden der Welt bietet dasjenige Volk sichere Gewähr, das, wirtschaftlich und polittsch stark, in einem Raume lebt, der es ausreichend mit den lebensnotwendigen Rohstoffen versorgt.
Ein erbitterter Gegner Deutschlands, der britische Staatsmann Lord P a l m e r ft 0 n (f 1865), glaubte seiner Zeit noch selbstsicher und herausfordernd im Parlament aussprechen ju können: „Die Deutschen mögen den Boden pflügen, in den Wolken segeln ober Lustschlösser bauen; aber nie seit Beginn der Zeiten hatten sie den Genius, das Weltmeer zu durchmessen oder die hohe See oder auch - nur die Küstengewässer zu befahren." Er rechnete mit einem zeitgenössischen Partner, der fein Küstengebiet nur als Grenze, nicht als Tor der Welt betrachtete und der deshalb von der Entwicklung zur Weltmacht ausgeschlossen wäre. Aber trotz der englischen Quertreibereien und Widerstände erstand das Reich Bismarckscher Prägung mit seinem begründeten Anspruch auf See- und Weltgeltung. Eine achtunggebietende Flotte wurde geschaffen und übernahm den machtvollen Schutz des deutschen Industriestaates, der in seinem Bestehen und seiner Entwicklung auf Einfuhr und Ausfuhr über See angewiesen war. lieber den ganzen Erdball breitete sich deutsche Seegeltung aus.
Dem sich einenden fleißigen deutschen Volke stellte sich das um seine Vorherrschaft besorgte, von krassem Handelsneid erfüllte Großbritannien entgegen: es entfachte den Weltkrieg. Trotz feiner militärischen Siege brach das militärisch auf allen Fronten siegreiche Deutschland zusammen, weil es im meerbeherrschenden England nicht den eigentlichen Gegner erkannt und demzufolge nicht seine im Frieden bewährte, voll einsatzbereite Flotte rechtzeitig und kraftvoll zum Einsatz gebracht hatte.
Nach den schweren Jahren des Niederbruchs und der Verzweiflung kam — gerade noch im letzten Augenblick — der Frontkämpfer Adolf Hitler an die Macht. Er rettete Deutschland, machte es einig und stark und suchte einen friedlichen Ausgleich mit England. Doch dieses, vom unbedingten Weltherrschaftswillen erfüllt, erblickte wiederum in Deutschland, ja im aufstrebenden nationalsozialistischen Volksstaate in noch höherem Maße den Rivalen, den es niederhalten müß^e. Es bestritt dem Groß- deutschen Reiche freies Recht auf den Meeren, auf die ihm kraft feiner stolzen Vergangenheit und seiner Leistungen zukommende Seegeltung und erklärte ihm am 3. September 1939 den Krieg.
Jeder gilt zunächst als das, was er aus sich macht. Solange ein Volk selbst die See und ihre Bedeutung nicht begreift, solange im eigenen Lande die Notwendigkeit der Seegeltung für die eigene Wirtschaft — und einer Flotte als Träger der Beziehungen nach lleberfee und Schutz der lebensnotwendigen Rohstoffzufuhr — nicht von jedem Staatsbürger verstanden wird, darf niemand erwarten, daß feine Ansprüche in lleberfee erfolgreich durchgesetzt werden können. Seit dem Ende des Weltkrieges und besonders seit dem gewaltigen Emporstreben unter Adolf Hitlers Führung haben wir eine vertiefte Erkenntnis von der See bekommen: Enaland hat uns durch das Diktat von Versailles gelehrt, wie notwendig Seegeltung für unser Bestehen und unsere Zukunft ist. Das deutsche Volk in
grimmigem Humor seinem Freunde Holmes (Hiob) das Stichwort. Frau S t i r l hatte mit ihrem Töchterchen Antonia einen kleinen lustigen Extraerfolg. Vom Ensemble taten sich ferner die Herren Reuter, E r l e r und Schneider-Facius hervor.
die Genialität Adolf Hitlers, der — wie es ein Ausländer bewundernd zum Ausdruck brachte — mit der einen Hand kämpft und mit der anderen die Zukunft des Großdeutschen Reiches und des aus seinen unnatürlichen Spannungen befreiten europäischen Kontinents planend ordnet. Diese Selbsttäuschung wird dem britischen Jnselreich zum Verhängnis gereichen!
Der im wahrsten Sinne englische Krieg zeigt — im Gegensatz zum Weltkrieg — bei uns engstes Zusammenarbeiten von Heer, Kriegsmarine und Luftwaffe, unter Ausnutzung der jedem Wehrmachtsteile entsprechenden Möglichkeiten und Mittel. Die junge deutsche Kriegsmarine ist zahlenmäßig zwar noch recht klein, da sie, zu lange durch die Versailler Fesseln behindert, erst 1935 mit ihrem zeitgemäßen Ausbau einsetzen konnte. Und doch — welche gewaltigen Leistungen sind ihr, im Verein mit der Luftwaffe, bei dem Kampfe gegen den Feind einer wirklichen Freiheit der Meere zu verdanken! Sie erweist sich als ein unentbehrliches Machtorgan unseres Großdeutschen Reiches und wird für Deutschlands Seegeltung und seine Zukunft als Weltmacht immer ein ausschlaggebender Faktor sein.
Der siegreiche Ausgang dieses Krieges verbürgt die Verwirklichung Großdeutschlands über See. Die Erkenntnis, daß auch das Meer deutscher Lebensraum ist, bedeutet jedem Deutschen Ruf zur Mitarbeit und zwingende Verpflichtung. Seegeltung ist Weltgeltung! RDS.
Wiedersehen mit meinem Sohne. Don Soldat Ernst Heyda.
Ich hatte ihn seit Ostern nicht mehr gesehen. Als ich ihm damals den letzten Kuß gab, war es spät am Abend gewesen; er hatte fest geschlafen, wir standen lange vor seinem Bettchen, um ihn anzusehen.
Nun, nach ein paar Monaten, die in der Fülle der Geschehnisse Jahren glichen, mar er schon zehn Monate alt. Aus vielen Briesen wußte ich alles von ihm, jeder Tag war mir aufgeschrieben worden, viele Bilder hatten oft in langer Reihe vor mir gelegen: Trost und Hoffnung zugleich.
Als ich bann die Tür öffnete, leise und heimlich und aufgeregt, da sah ich ihn in seinem Bettchen stehen. Er war angegurtet und stand wirklich aufrecht,. das Gesicht nach einem Spiegel gewandt, vor dem das Bettchen stand.
Noch sah er mich nicht.
Der Teppich dämpfte das harte Hallen meiner Nagelschuhe, ich ging ganz nahe, um ihn anzusehen.
Er hielt sich mit der linken Hand am Gitter fest, die winzige Rechte patschte gegen sein Spiegelbild. Wie war er groß geworden! Als ich damals gehen mußte, hatte er kaum Haare gehabt. Nun lag ein blonder Kranz über seinem Köpfchen. Die Mutter hatte sie zur Feier des Wiedersehns sorgsam gebürstet. Ueber den Ohren waren sie dicht und sehr lang.
Sein Gesichtchen, das ich im Spiegel so klar sehen konnte, veränderte seinen Ausdruck. Er hatte den fremden Mann entdeckt, der da mit einem Male hinter ihm stand. Oder vor ihm, denn er drehte sich nicht herum, die kleine Hand horte auf zu schlagen, es zuckte um seinen Mund. Da ging ich ganz nahe zu ihm und streckte meine Hand aus. Er wandte sich um und sah mich an. Ich kniete nieder, um ihn
wissen, weil ja auch solche Geschichten in dem Le^ bensbuch eines Paul Krügers nicht fehlen durften, da war es wieder aus mit dem Frieden! „Wozu wollen Sie das haben?" entgegnete er mir bann mit verfinsterter Stirne. „Das liegt boch so ferne und ist heute so unwichtig!" Mit Mühe unb Not habe ich ihm aber doch ein paar tollkühne Jagdabenteuer abgerungen. Er war ein ausgezeichneteiZ Reiter unb Schütze, unb fein Draufgängertum und Mut kannte keine Grenzen.
Als bas Manuskript fertig war, würbe ber Frieds von Vereenijging geschloffen. Krüger mürbe zunächst die Rückkehr in seine Heimat untersagt; man stellte ihm jedoch anheim, sich eine Genehmigung zu erbitten. Doch dazu war der alte Lowe zu stolz. — Dr. Schowalter erinnerte noch an seine letzts Begegnung mit Ohm Krüger: „Das war zu Anfang des Jahres 1903 in Utrecht. Eine meiner letz« fen Fragen, die ich an ihn richtete, war, ob er nun, nach all' den bitteren Ereignissen seinen Glauben unb seine Hoffnung auf bie Selbständigkeit und das Wachstum seines Volkes begraben habe? „Nie unb nimmer", hat er ba geantwortet, „ich bin heute sicherer als je, baß mein Volk eine große Zukunft hat! Ich kann nicht bis ans Enbe sehen", babei beutete er auf seinen ausgestreckten Arm, „bis hierher", er zeigte an seinen Muskeln, „sehe ich die Freiheit meines Volkes. Das weitere werden die anderen sehen, wenn ich längst nicht mehr bin!"
Gießener Stadttheater.
Curt Götz: „Dr. med. Hiob Prätorius".
„Dr. med. Hiob Prätorius, Facharzt für Chirurgie unb Frauenleiden", eine Geschichte ohne Politik, nach alten, aber guten Motiven neu erzählt: dies ist der langatmige Titel eines kurzweiligen Stucks, das vor sieben Jahren vom Autor persönlich bei uns zum ersten Male präsentiert würbe, und es ist so beschaffen, baß man es mit Vergnügen zum zweiten Male erlebt, zumal man mittlerweile über wichtigeren Dingen alles wieder vergessen hat, was darin vorkommt. Es kommt in ber kurzen Zett von zwei Stunben überraschenb viel dann vor, und hinterher, auf dem Heimweg, wunbert man W wie wenig eigentlich passiert. Daß man sich ^otzbem nicht babei langweilt, im Gegenteil, ift Curt Götzens Verbienst, der zu ben llebenswurbigsten Autoren ber beutschen Bühne gehört.
Man könnte sagen, baß es ein Kriminalstück sei. Das wäre ein Vorzug, aber es ift zu wenig. Denn dieser „Hiob" ist außerbem auch em Rahmenstuck (wie es, häufiger, Rahmenerzählungen gibt) Der Kriminalfall, bei besten Erörterung sich Gotz für seinen Titelhelden ber Maske bes seligen Sherlock Holmes bebient — sie steht ihm gut , f den Rahmen, Bild 1 und 6. stellt ich zwar dabei heraus, baß es sich gar nicht um einenft minalsall hanbelte, als ber Herr Doktor nut sein r Frau statt in bie Oper gegen einen dicken Baum fuhr — sonbern um einen Zufall, aber ersten entwickelt sich baraus eine nicht uninteressante Theorie über bas Wesen bes Zufalls und ber Xrf - chk im Leben und auf ber Bühne zweitens merkt bie Boaeschichle unb Analyse des Falles zu ent- wfcke?n fondern auch sonst allerhand loszuwerden. was er gerade auf dem ^Herzen hat.
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