Ausgabe 
26.9.1940
 
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Donnerstag, 26. September 1940

Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer 6iS8V9Ubr desBormittags

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190. Jahrgang Ht.228 Akif G »onnwst

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen SMÄ:ssdk:

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Brennende Lagerhäuser an der Themse

Titel , blatt tung

zum Be-

llnfer Bild zeiat Feuerlöschboote, die sich vergeblich bemühen, den gewaltigen Brand in einem Laaer- 1 0 y haus an der Themse zu löschen. - (Scherl-Bilderdienst-M.)

Madrid, 25. Sept. (Europapreß.) Unter Atlantik" schreibt/das Madrider Syndikats- der FalangePueblo" über die Ausrich- der spanischen Politik:Vielleicht war es ein

Norwegen zurückkehren. Das gleiche gilt für die ebenfalls emigrierte Regierung Nygaardsvold. Demzufolge ist eine Betätigung im Sinne oder zugunsten des Königshauses oder der geflohenen Regierung selbstverständlich unter- s y gt. Die Tätigkeit des B erw a l t u n'g s ra tes ist beendet. Kraft des mir gemäß des Führer- erlaffes vom 24. April zuftehenden Rechtes habe ich kommiffarifche Staatsräte ernannt, die mit dem heutigen Tage die Führung der Regie- rungsgefchäfte übernommen haben. Die alten po - litifchen Parteien sind am heutigen Tage

Oslo von heute.

Von unserem B. ^.-Korrespondenten.

nach oben.

Norwegens Königshaus und Regierung kehren nicht zurück.

Kommissarische Staatsräte ernannt.

0 s l o, 25. Sept. Reichskommissar Gauleiter T e r- b o v e n hielt am norwegischen Rundfunk eine Rede, in der er erklärte: Das k ö n i g s h a u s hat erst recht, da es selbst von der Zweidrittel­mehrheit des S t o r.t i n g s schon abge­schrieben worden ist keinerlei politische Be­deutung mehr und wird nicht wieder nach

Erneut zielloser Bombenabwurf britischer Flieger aus Berlin.

Auf Wohnhäuser und Lauben. Lieber große Teile Norddeuischlands abgeworfene Ärandplattchen richteten nirgends wesentlichen Schaden an.

britischen Luftpiraten i n H a m b u r g , wo sie a u f ein Krankenhaus, dessen Rote-Kreuz-Zeichen im Hellen Mondschein deutlich erkennbar waren, lange und schmale Brandplättchen abwarfen, bei denen die Brandwatte mit dem Zünder zwischen zwei dünnen Zelluloidstreifen befestigt war. Zwar sind in mehreren der genannten Fälle die Plätt­chen in Flqmmen aufgegangen, doch wurde nir­gends nennenswerter Schaden angerich­tet, da die rechtzeitig gewarnte" Zivilbevölkerung so­fortige Suchaktionen und sonstige Gegenmaßnah­men durchführte.

Der Abwehrwille der deutschen Heimatfront ist durch diese heimtückische Kampfmethode nur noch gestärkt worden. Das deutsche Volk erinnert sich an den Ausspruch des britischen Luftmarschalls, Jpubert, der unlängst öffentlich erklärte:England hat es satt, auf militärische Ziele zu werfen." Diese Erklärung war für seine Flieger Befehl, und sie führen ihn jetzt mit einer geradezu sadistischen Ge­nauigkeit aus. Wir nehmen im Schutze der größten Luftwaffe der Welt diese abgefeimten Verbrechen gelassen hin, denn wir wissen, daß diese unsoldati­schen Handlungen die letzten Verzweiflungsakte einer dem Untergang geweihen Weltmacht sind.

aufgelöst worden. Reue Zusammenschlüsse Zwecke einer irgendwie gearteten politischen täligung werden nicht geduldet.

Der Atlantik ist Svamens Zukunft."

Berlin, 26. Sept. (DNB. Funkspruch.) In der vergangenen Nacht griffen wiederum britische Flug­zeuge die Reichshaupt st adt an und warfen an einigen Stellen ziellos ihre Bomben auf Wohn­viertel und Außenbezirke ab. Einige Wohnhäuser und Lauben wurden zerstört, andere beschädigt.

Dienstagnacht wurde auch wieder eine Anzahl von Brand plättchen auf die Umgebung von Stettin und einige Kreise in der Nähe Stettins abgeworfen. Auch in der Umgebung von Rostock kamen größere Mengen von Brandplältchen her­unter, die verschiedenfarbig waren und eine erheb­lich größere Stichflamme als die früheren aus­lösten. Diese heimtückischen Dinger wurden am Mittwochmorgen in der Umgebung von Doberan und dem Ostseebad Kühlungsborn gefunden. Auch im Gaubereich Weser-Ems streuten bri­tische Luftpiraten ihr gemeines Kampfmittel aus, Weitere Abwürfe, begleitet von einzelnen Spreng- und Brandbomben, wurden in ländlichen Wohn­gegenden Frieslands und Oldenburgs festgestellt, wobei die hinterhältigen Brandstifter sorgfältig alle militärischen Ziele vermieden. Aehnliche Meldungen liegen aus Schleswig- Hol st ein vor. Einen besonders gemeinen Schurkenstreich leisteten sich die

Oslo, im September..

Ich erinnere mich an den Nachmittag des 10. April 1940. Die norwegische Hauptstadt war gerade seit 24 Stunden im Besitz der deutschen Wehrmacht, und vom Hafen her flössen immer noch die endlosen feldgrauen Ströme nach der Stadt. Der eisige April­wind des Nordens pfiff manchem braven Landser unangenehm um die Ohren. Ein schützendes Dach über dem Kopfe konnte in diesem Falle nur eine Wohltat sein. Als ich in diesen denkwürdigen Nach- mittagöstunden am Gebäude des Osloer National- Theaters vorbeikam, sah ich eine Gruppe Landser eifrig beschäftigt, eine große Ladung Stroh von der Straße in das Innere des Theaters zu schaffen.

Heute sitze ich im Parkett des Osloer National­theaters und staune. Wo noch vor kurzem der Schnarchton der Landser den prunkvollen Theater- raum erfüllte, ertönen heute die zarten Geigenstim­men zu LehärsDie lustige Witwe". Das Feldgrau hat der vielfarbigen Eleganz des Osloer Theater­publikums Platz gemacht. Stimmung und Glanz strömt aus dem letzten Winkel des Theaters.

Diese am Osloer National-Theater festgestellte Wandlung ist, auf das Gesamtleben der norwegi­schen Hauptstadt bezogen, kein Einzelfall. Wenn wir einmal zum Osloer Hafengelände hinauswan­dern, empfängt den Beobachter ein gleich freund­liches Bild der eingetroffenen Wandlung. Die hier gemachten Beobachtungen find ein zeitgemäßes Merkmal des erwachenden Optimismus einer gro­ßen Stadt wie eines Landes überhaupt.

In diesem Zusammenhang muß man erwähnen, daß der Krieg mit allen seinen bekannten Schatten­seiten eigentlich bereits vor dem 9. April 1940 nach Norwegen gekommen ist. Der völkerrechtswidrige englische Blockadekrieg hatte über Nacht feine Schat­ten auf das Leben der norwegischen Handelsflotte geworfen. In Oslo, in dessen Hafen mehr Schisfs- . tonnage zu Hause ist als in Dänemark und Schwe­den zusammen, kann man sich immer von der Le­bendigkeit des skandinavischen Wirtschaftslebens ein Bild machen. Oslos berühmter Hafen ist nicht mit Unrecht dasskandinavische Schaufenster" genannt worden. Wer im September 1939 in diesesSchau­fenster" blickte, konnte manch ungemütliche Verände­rung beobachten. Aus einem Ameisenhaufen war ein Friedhof geworden. Auf dem Osloer Hafenge­lände spazierten Scharen von arbeitslosen norwegi- scken Seeleuten umher oder spuckten traurig ihren Priem in das Osloer Fjordwaffer. Arbeitslosigkeit und Hoffnungslosigkeit auf der ganzen Linie. Welch großartiges Feld für die englischen Agenten! Die wegischen Seemann um eine klingende Summe Geld wegichsen Seemann um eine klingende Summe Geld für eines Todesfahrt nach England zu kaufen. Ver­zweifelt schlug mancher in die Hand des englischen

Würgers em.

Heute ist auf dem Osloer Hafen das traurige Bild der englischen Schacherei mit dem Tode verschwun­den. Erstens gibt es im Osloer Hafen feit der Be­setzung Norwegens durch die deutsche Wehrmacht keine arbeitslosen Seeleute, zweitens hat es heute in Norwegen kein Mensch mehr notwendig, für England auch nur den kleinsten Finger krumm zu machen. Das Arbeitsleben im Osloer Hafen das ist das Wesentlich bietet wieder ein Bild wie in den Tagen vor dem September 1939. Frei­lich hat England den Norwegern einen großen Teil ihrer kostbaren Handelsflotte gestohlen. Für diesen Schaden kann man Deutschland am allerwenigsten verantwortlich mache. Wo diese fühlbaren Schaden für Norwegen zum Ausdruck kommen, fallen sie allein auf das große Schuldkonto des Seeräubers England. Diese Auffassung teilen alle einsichtsvollen Norweger, die auch tihre ehrliche Freude daran haben, daß Deutschland dafür gesorgt hat, daß im skandinavischen Schaufenster" wieder ein Leben be­gonnen hat, das selbst den größten Schwarzseher zum Optimismus zwingt.

Hat man gesehen, daß im Osloer National- Theater wieder Farbe und Stimmung eingekehrt sind, in Oslos Hafen wieder lebhafter Betrieb herrscht, schreitet man zur Carl Johan, Norwegens Unter den Linden", weiter. Es ist um die Mittags­zeit, wir sehen die eleganten Osloer Damen wieder in gewohnter Weife ihre Einkäufe besorgen. Uns interessieren aber nicht die wieder zahlreicher wer­denden Einkaufspäckchen dieser Damen, sondern ihr unverbindliches Lächeln", das eine Zeit lang von den Gesichtern der schönen Osloer Frauen verbannt schien. Endlich ist es wieder da. Dieses Lächeln, das heutzutage mehr wiegt als das wertvollste Emkaufs- päckchen, scheint eine große Anziehungskraft zu be­sitzen. In Oslo will man wieder lachen. Aber nicht nur das scharmante Frauenlächeln ä la Carl 2ohan, sondern das ungezwungene Lachen des frohen Ge­mütes. Man sehe sich nur einmal den Inhalt der Spielpläne des Osloer Theaters und Kinos an. Alles ist wie besessen aufs Lachen eingestellt, alles muß sich mit dem großen König Humor reimen. Das ist die stille optimistische Devise, die heute durch das wieder munter gewordene Gemüt der norwegischen Hauptstadt geht. Im Osloer National- Tbsater wird beispielsweise seit einigen Wochen vor täglich ausverkauftem Hause LeharsDie lustige Witwe" gespielt. Fürwahr, das ist ein rascher Sturz

schwerer Fehler Spaniens, immer den Hauptwert auf feinen Charakter als Anrainer des Mit­te 1 m e e r e s zu legen und d i e Atlantikkü ft e zu vergessen. In früheren Zeiten war diese Politik vielleicht verständlich. Heute aber geht der Kampf in einer anderen Richtung. Jetzt handelt es sich nicht darum, sich gegen Türken oder berberische Piraten zu verteidigen. Es gibt jetzt andere Mächte in diesem Mare Nostrum, die ihre Rechte zur Vor­herrschaft angekündigt haben. Aus diesem Grunde muß Spanien wieder seine Augen auf seinen exklu iven, Expansionsweg richten. Der Atlantik ist Spaniens Zukunft. Das will nicht besagen, daß die Sparer vollständig ihre Mittel- meerftellung aufgeben. Einmal schon hat der Cau­dillo erklärt, er betrachte alles das als inexistent, was über das Mittelmeer ohne Spanien beschlossen würde. Heute aber geht es darum, die spanische Aufmerksamkeit auf andere Tätigkeitsfelder zu lenken."

Spaniens Innenminister beim Führer.

Berlin, 25. September. (DRB.) Der Führer empfing am Mttwochmittag in Gegenwart des Reichsministers des Auswärtigen von Ribben­trop den spanischen Innenminister Serrano S u n e r zu einer längeren Unterredung. Reichs­minister von Ribbentrop hatte am Dienstagabend erneut eine tangere Besprechung mit dem spanischen Innenminister gehabt.

Eindrücke im französischen Afrika.

Von Or. Paul Rohrbach.

In Brazzaville, der Hauptstadt von Fra n- zösisch-Aeguatorial-Afrika, hat nach Mitteilungen aus Vichy ein Putsch stattgefunden, der vorübergehend die Kolonie der Autorität der Regierung in Vichy zu entziehen und sie der Erni- granten-Fronde des Generals de Gaulle in Eng­land auszuliefern schien. Offenbar hat es einige Zeit gedauert, bis es gelang, des rebellierenden Generals Huffon in Brazzaville Herr zu werden und ihn durch einen loyalen Militär an der Spitze der Verwaltung zu ersetzen.

Mich hat diese Nachricht an ein Erlebnis m Brazzaville im Jahre 1912 erinnert. Ich fam mit der deutschen Schlafkrankheit sexpedition unter dem damaligen Chef der Medizinalverwaltung von Kamerun, Oberstabsürzt Kuhn (vor wenigen Jahren als Professor in Gießen verstor­ben), den Kongo herunter. Wir hatten uns vom Stande der Schlafkrankheit in dem von Frankreich eben an uns abgetretenen Neu-Kamerun überzeugt und furchtbare Eindrücke erhalten. Ein Besuch beim Generalgouverneur wurde mit einer Diner-Ein­ladung beantwortet, und ich sehe noch das bei aller Liebenswürdigkeit ernst gehaltene Gesicht meines Nachbarn bei Tisch, des stellvertretenden Gouver­neurs, wie er sein Glas hob und mir zutrank mit den WortenSoyons de bons voisins!

Die gute Nachbarschaft dauerte nicht lange. Zwei Jahre später ging ein französisches Kanonenboot von Brazzaville den Kongo hinauf und überfiel unfern Poften Bonga an der Mündung des Sanga, wo unsere Besatzung nichts von dem Ausbruch des Krieges in Europa ahnte. Im Diktat von Versailles erkannte Frankreich für das sogenannte Neu-Kame­run den Mandatscharakter nicht an, sondern ver­einigte dies Gebiet wieder unmittelbar mit den bei­den Provinzen Gabun und Moyen Congo, die zum Generalgouvernement von Aequatorialafrika ge­hören. Von Natur bilden beide mit Kamerun zu­sammen eine geographische und wirtschaftliche Ein­heit. Bei den Verhandlungen über die Verzicht­leistung auf alle deutschen Rechte und Ansprüche in Marokko (1911) wurde von unserer Seite ursprüng­lich ganz Gabun, mit dem Ubangi und Kongo als Grenze, verlangt, aber der Wunsch, die durch den Panthersprung" nach Agadir gespannte Situation friedlich zu lösen, war in Berlin so stark, daß man ich schließlich mit dem halben Erfolg in Gestalt von Neu-Kamerun zufrieden gab. Die Verwüstungen, die die Schlafkrankheit dort angerichtet hatte, lernten wir erst später kennen.

Das französische Kolonialreich in Afrika ist, ab­gesehen von den Atlasländern Algerien, Marokko und Tunesien, in zwei Generalgouvernements ge­teilt: Aequatorialasrika und W e st a f r i k a. Das erstere reicht von der zentralen Sahara über den Tschadsee und seinen mächtigen Zufluß Schari bis dicht an die Mündung des Kongo, das andere vom Kap Verde über das Senegal- und Nigergebiet bis in die Nähe des Tschad. Seine Hauptstadt ist Däkar, ein stark befestigter Hafenplatz dicht unter dem Kap Verde, den die Engländer durch einen An­griff des Verrätergenerals de Gaulle in ihren Be­sitz zu bringen suchten. An der atlantischen Küste ist der Besitz Frankreich durch portugiesisches und eng­lisches Kolonialgebset und die Negerrepublik Lib stark unterbrochen. Die Franzosen haben sich be­müht, durch mehrere von der Küste ins Innere ge­führte Bahnen das wertvolle Niger-Gebiet zu er­schließen. Am Oberlauf des Niger liegt jene merk­würdige amphibische Region, wo sich zur Hoch­wasserzeit ein Landstrich von 300 Kilometer Länge und über 100 Kilometer Breite in einen See ver­wandelt, dessen Boden nach dem Rückgang der Überschwemmung eine an Aegypten erinnernde Fruchtbarkeit aufweist. Hier sind große Baumwoll­kulturen geplant, aber erst schwache Anfänge davon verwirklicht.

Vor zwei Jahren machte ich eine Reife von Al­gier durch die Sahara zum Tschadsee und von dort weiter durch das Scharigebiet und den belgischen Kongo nach Ostafrika. Auch unsere alte Kolonie Kamerun reicht mit ihrem Nordzipfel bis an den Tschad heran. Die deutsche Tschad-Residentur lag in Dikoa, das bei der Mandatsteilung den Eng­ländern zufiel. Vom Torgebäude der Residentur hörte ich noch eine deutsche Glocke den eingeborenen Soldaten und Arbeitern die Arbeite- und die Ruhe­stunden ansagen. Der junge englische Offizier, der uns begrüßte und zum Whisky-Soda einlud, fand nichts dabei, uns mit allerlei Dingen zu unterhal­ten, die an die deutsche Zeit anknüpften und die er wahrscheinlich von unseren alten eingeborenen Soldaten gehört hatte. Für ihn, wie für jeden Eng­länder, war es selbstverständlich, daß deutsche Ar­beit und deutsche Ansprüche in Afrika der Ver­gangenheit angehörten! Rücksicht auf fremde Ge­fühle liegt diesen hölzernen Naturen fern. Die Franzosen in Fort Lamy, dem Hauptort der Tschad-Provinz, waren taktvoller. Sie sprachen auch von den Kämpfen zu Beginn des Weltkrieges mit der deutschen Schutztruppe, zollten aber ihrer Tap­ferkeit hohe Achtung und luden mich ein, die gut gehaltenen deutschen Gräber auf Kameruner Boden am linken Ufer des Schari, Fort Lamy gegenüber, zu besuchen.

Der Wert des französischen Kolonialbesitzes im tropischen Afrika ist je nach den Gebieten sehr ver­schieden. Im allgemeinen kann man sagen, daß die Senegal- und Nigerregion und die Küstenprovinzen, überhaupt das 'Generalgouvernement von West­afrika, wertvoller sind, als das von Aequatorial- afrika. In dieses ist auch das Mandatsgebiet von Kamerun als das bei weitem beste Stück einver­leibt. Um den Mandatscharakter Kameruns hat sich die französische Verwaltung ebenso wenig aeküm- mert wie die englische. Als ich in einem Bericht von dort die Ungehörigkeit bemerkte, daß die Auf- - schrift auf einer GrenztafelCameroun Fran^ais lautete, anstattCameroun sous mandat frangais.