für die von den Standesämtern die
Arbeitstagung des hessischen Handwerks.
von Grundstück!
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ttinde Künstler sind stets bemüht, bestes deutsches von Grundstücken, soweit Kulturgut zu vermitteln. I gericht beaufttagt wird:
die Dskanntmachung ein-
Die Konzertgemeinschaft blinder Künstler veran- t öltet am morgigen Dienstag, 26. November, in der !lula der Ludwigs-Universität ein Konzert. Gustl Schön (Heidelberg) und Hans Kohl (Mannheim) -oben eine Vortragsfolge zusammengestellt, die Arien und Gelänge von Schubert, Beethoven, Wolf, Brahms, Kienzl, Verdi, Loewe und Kaun aufweist. Seide Künstler sind durch ihre hervorragenden Leitungen bekannt, und so kann der Abend für jeden Nrksikfreund nur von größtem Interesse sein. Auch
Canbfrete Glesien.
Z Steinbach, 25. Nov. Morgen feiert Frau Clara Marie Haas, geb. Weidekamp, Ehefrau des Kriminalsekretärs i. R. Heinrich Haas, ihren s i e b - zig st en Geburtstag in bester Gesundheit. Unsere herzlichen Glückwünsche?
)-( Ruppertsburg, 23. Nov. Die Frauen der Ortsgruppe Ruppertsburg der NSDAP, zeigten durch eine Kuchenspende den Dank und die Fürsorge für unsere Soldaten. Gestern konnte die NS.-Frauenschaft aus Ruppertsburg 115 und aus Gonterskirchen 100 Kuchen einsammeln und aufs sorgfältigste in große Backtröge verpacken. Ein Lastauto aus Gonterskirchen brachte sie heute nach Gieße/k. /
An giftigen Gasen erstickt.
LPD. D a r m st a d t, 24. Nov. In einem Darmstädter Betrieb waren Arbeiter mit dem Reinigen einer Zisterne beschäftigt, auf deren Boden sich offenbar giftige Gase abgesetzt hatten. Zwei, Arbeiter atmeten diese Gase ein und erstickten, obwohl ärztliche Hilfe alsbald zur Stelle war.
Die Ortsgerichte und ihre Aufgaben
Eine Unterredung mit dem Ortsgerichtsvorsteher in Gießen.
liefert werden, die Ausstellung von ^,„^o—Mssen, die Vornahme von Schätzungen von Grundstücken und Gebäuden, die Beglaubigung von Unterschriften und öffentlichen Urkunden sowie nach Sterbefällen, bei denen minderjährige oder auswärts wohnende Hinterbliebene in Betracht kommen, die Versiegelung von Wohnungen zwecks Sicherstellung des Nachlasses, bis vom Amtsgericht ein Nachlaßpfleger bestellt ist oder die rechtmäßigen Erben sich gemeldet und ausreichend über ihre Per- son ausgewiesen haben.
zu sagen.
Die Ortsgerichte bestehen schon seit Jahrzehnten. Sie sind gewissermaßen eine hessische Einrichtung, du man sie außer in Hessen und einigen Nachbar- bezirken nur noch in Süddeutschland besitzt. Jedoch sind sie insofern mit der Reichsjustizverwaltung verbunden, als sie der Dienstaufsicht des für ihren Bezirk zuständigen Amtsgerichts unterstehen und eine Hllfsstelle des Amtsgerichts bilden. Der Ortsgerichtsvorsteher und die Ortgerichtsmänner werden von dem Oberlandesgerichtspräsidenten in Darmstadt auf unbestimmte Zeit ernannt und vom Amts-
polizeikommiffar a. O. Kimmel t.
Am gestrigen Sonntagmorgen verstarb im Alter von 81 Jahren der hier im Ruhestande lebende frühere Polizeikommissar Ludwig Kimmel. Mit ihm ist ein Mann dahingegangen, der in weiten Bevölkerungskreisen bekannt war.
Ludwig Kimmel stammte aus Großen-Buseck, wo er am 20. November 1859 geboren war. Nach längerer Militärdienstzeit trat er im Juli 1887 bei der Polizei in Gießen ein, bei der er am 10. Oktober 1887 endgültig angestellt wurde. Am 20. Januar 1910 erfolgte seine Ernennung zum Polizei-Ober- Wachtmeister, am 16. Februar 1921 wurde er zum Polizeikommissar befördert. In dieser Dienststellung leitete er das I. Polizeirevier, das damals noch in dem allen Polizeigebäude in der Weidengasse war. Im Jahre 1925 erfolgte feine Versetzung in den wohlverdienten Ruhestand.
Polizeikommissar Kimmel hatte während seiner langen Dienstzeit bei unserer Polizei immer großen Wert darauf gelegt, neben der genauen Erfüllung feiner dienstlichen Pflichten gute Beziehungen zur Gießener Bevölkerung zu pflegen und deren Wünsche nach bester Möglichkeit zu berücksichtigen, soweit er dazu nur irgendwie in der Lage war. Diese vorbildliche Dienstauffassung in Verbindung mit seinem allezell freundlichen Wesen und seiner verständnisvollen Haltung auch in schwierigen Lagen machte ihn zu einem wahrhaft volksverbundenen Polizeibeamten, wie er unserer Gegenwart -als Selbstverständlichkeit erscheint. Bei dieser Sachlage war es nur natürlich, daß Polizeikommissar Kimmel nicht nur bei seinen Vorgesetzten und Be- rufskameraden, sondern auch in allen Bevölkerungs- kreisen als tüchtiger Beamter und vorblldlicher Mensch geschätzt und beliebt war. Dem Entschlafenen ist ein ehrendes Andenken über das Grab hinaus gewiß.
** Mit einem Kopfschuß in die Klinik eingeliefert. Am heutigen Montag, frühmorgens, wurde ein 20 Jahre alter Mann aus Königsberg (Kreis Wetzlar) mit einem Kopfschuß in die biefine Chiruraische Klinik eingeliefert. Der Zustand des Mannes ist nicht unbedenklich. lieber die Umstände, unter denen der junge Mann durch den Schuß verletzt wurde, ist bisher noch nichts Genaues festgestellt. Die Ermittlungen sind noch im Gange.
buchkarten.
Die Obliegenheiten des gesamten Ortsge- richts umfassen folgende Geschäfte: Die Schätzung von Grundstücken sowie die Feststellung des Wertes der Nutzungen von Grundstücken und des Wertes der Rechte an Grundstücken auf Antrag eines Beteiligten ober auf Ersuchen einer Behörde, sofern die Grundstücke im Bezirk des Ortsgerichts liegen; die Schätzung beweglicher Sachen auf Antrag eines Beteiligten ober auf Ersuchen einer Behörde; die Abgabe von Gutachten, die Erteilung von Auskunft ober Zeugnissen über persönliche Verhältnisse und über Desitzverhältmsse auf Verlangen eines Gerichts ober auf Ersuchen eines Notars, sowie die Leistung anderweitiger von einem Gericht in Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit geforderten Beihilfe; die Ausstellung von Armutszeugnissen, insbesondere bei Gesuchen um Bewilligung des Ar- menrechts in Sachen der streitigen und der freiwilligen Gerichtsbarkeit; die Ausstellung von Leumundszeugnissen und die Erstattung von Berichten über Gmäengesuche auf Verlangen der mit der Strafverfolgung oder Strafvollstreckung betrauten Behörden-
Die am meisten vorkommenden Angelegenheiten des Ortsgerichts umfassen die Erstattung von Sterb-
sekretär Reiner schloß seine Ausführungen mit dem Appell an die Wirtschaftsführer, sich nicht als Vertreter van Interessengruppen zu betrachten, sondern als Vertreter von Organisationen, die nur dem Nutzen des aesamten Volkes zu dienen haben.
Landeshandwerksmeister G a m e r behandelte dann die Leistungen des Handwerks in der Kriegswirtschaft und ging auf die künftigen Aufgaben des Handwerks u. a. bei der Durchführung des großen sozialen Siedlunasprogramms nach dem Kriege näher ein. Im Verlaufe seiner Darlegungen gab er weitere Richtlinien über die Neuregelung der Zusammenarbeit zwischen dem deutschen Handwerk in der DAF. und den Dienststellen der Handwerksorganisationen.
Wetter berichteten die Geschäftsführer des Landeshandwerksmeisters, der Handwerkskammer und der Leiter der Gewerbe fördemngsstellen über Kriegs- und Wirtschaftsfragen, insbesondere über den Kräfteeinsatz, Rohstoffragen, sowie Berufserziehung und Berufsausbildung. Prof. H i l l m e r, Leiter der Meisterschule des deutschen Handwerks, sprach über die Kulturarbeit und die Ausrichtung des künstlerischen Schaffens im Handwerk.
Im Rahmen der Arbeitstagung wurde die (Ernennung des Landeshandwerksmeisters, Gauamtsleiter Gamer, zum Wehrwirtschaftsführer und dessen Berufung in den Wehrwirtschaftsrat bekanntgegeben. Gauamtsleiter Gamer hat als erster Landeshandwerksmeister blef£ seltene Auszeichnung erhalten.
trog dieser Bekanntmachung; die Ausnahme von Vermögensverzeich- nissen und Inventaren, soweit er damit von dem Amtsgericht beauftragt wird; die Erstattung von Sterbfallsanzeigen an das Amtsgericht; die Maßregeln, welche für die Sicherung eines in feinem Bezirk eröffneten Nachlasses erforderlich sind; die Besorgung öffentlicher Bekanntmachungen im Auftrage eines Amtsgerichts ober auf Ersuchen eines Notars; die Bekanntmachung gerichtlicher Verfügungen an die Beteiligten im Auftrage eines Amtsgerichts; die Unterstützung der Gerichte in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit; die Vorarbeiten zu Grundstücksveräußerungen; die Erteilung einer Auskunft oder eines Zeugnisses über persönliche Verhältnisse ober über Besitz Verhältnisse; die Aufbewahrung der Ortsgrundbücher und Grund-
Am Frettag fand im Sitzungssaale der Hand-1 werkskammer in Darmstadt eine Arbeitstagung der Organisationssührer des hessischen Handwerks unter Leitung des Kammervorsitzenden, Landeshandwerks-1 meister Gamer, statt» der an der Spitze der Gäste den stellvertretenden Leiter der Hessischen Landesregierung, Staatssekretär Reiner, begrüßen konnte.
Im Verlauf der Tagung nahm der stellvertretende Leiter der Landesregierung, Staatssekretär Reiner, das Wort zu einer Ansprache. Er wies auf die große Verantwortung hin, die den Führern des Handwerks damit übertragen sei, daß sie in ihrer gesamten Haltung Vorbild für das von ihnen geführte Handwerk sein müßten. Die Organisation dürfe niemals Selbstzweck sein, sondern chre Führer müßten stets nur das Wohl des Ganzen im Auge haben. Auf Fragen der allgemeinen Wirtschaft eingehend, machte Sta-atssekretär Reiner u. a. auf vereinzelte Ansätze einer ungefunben Preisentwicklung aufmerksam und wandte sich scharf gegen zutage getretene Versuche der Umgehung der Preis- Stopp-Verordnung. Wenn ein Teil des Volkes im Kampf um Deutschland größte Opfer an Gut und Blut bringen müsse, so baß man nicht qenug Worte des Dankes finden könne, dann dürfe nicht geduldet werden, daß einzelne Geschäftsinhaber bei den besonderen wirtschaftlichen Verhältnissen des Krieges ihren eigenen Vorteil im Auge haben. Er werde gegen Verstoße gegen die Preisgesetzgebung mit größter Schärfe und mitleidslos einschreiten. Staats-
Aus der Stadl Gießen. •
Oie Unvergänglichen.
Zu allen Zeiten des Jahres ist ein bunter Blu- > Wensttauß in Glas oder Vase, in Krug ober Schale i ttf seiner stillen leuchtenden Pracht eine schone eledung und Zier für jedes Zimmer, eine an- । artige Augenweide für seinen Bewohner, wie für i tben Gast. Aber während Frühling und Sommer : iit ihrem Blütenüberfluß jeden Blumenliebhaber ie Wahl lassen, beginnt im Herbst die Fülle an ormen und Farben langsam zu verebben, und in en Wintermonaten ist schließlich draußen nichts Behr zu holen.
Dennoch braucht auch jetzt unser Zimmer nicht 7ire Blumenstrauß zu fein, auch bann nicht, wenn >ir von ben Treibhausgewächsen ganz absehen. Die idfarbigen Strohblumen, bie ber Herbst schenkt, rgeben gesammelt schöne dauerhafte Sttäuße, da •t harth cmtigen, wie Stroh knisternden Blüten- lütter in getrocknetem ZiMand saft unver- Kch sind. Man schneidet die wie Atlas glänzen- lütenkäpfe an etwa bleistiftlangen Stielen am eften vor dem völligen Aufblühen ab und hängt sie uf. Sie verlieren dabei weder etwas von der Leuchtkraft, noch von dem seidigen Schimmer ihrer ■arben und schmücken in jedem bunten Glas eben- > wie in einer einfarbigen Vase. Es gibt weihe, hwefsl- und dottergelbe, lachs- und rosenrote, rost- irbene und dunkelbraune Arten und die meisten nd zweifarbig getönt, mit hellerem Kern und dunk- : rren Strahlen. Man kann gleichfarbige zum Strauß er einen, ober bunte Zusammenstellungen wählen, mner ist die Wirkung eine geschmackvolle, da bie rarben nicht einander wehtun, sondern sich gegen- itig'steigern. Natürlich sollen die Strohblumen nur en Winter über bie Basen und Kelche füllen und ilht etwa jahrelang und zu Staubfängern werden, Zugegeben sei, daß Strohblumen etwas alt- wdisch, etwas großmütterlich wirken können. Sie assen am besten zu der gemütlichen und treuher- igen Möbelkunst des Biedermeier. Hier, wo Bequemlichkeit und Zweckmäßigkeit anheimeln, wo derall Schlichtheit und Sauberkeit des Materials ^sprechen, wo großblumige Bezüge, bunte Teppiche mb lebhaft gemusterte Tapeten den Raum beleben, [limmen sich ihre Farben harmonisch ein. Wer sie rfreuen auch sonst, wenn eine liebe Hand sie sorg- im in einem schlichten Gefäß in einer behaglichen Stube aufgestellt hat. Sie wollen ja nicht mit einem uftigen üppigen Sommerstrauß verglichen werden, irnbem nur ein bescheidener, dafür aber unver- iiänglidjer Nachglanz von all dieser Fülle sein. Sie «oben all ihren Vorgängern, die im Laufe der Malaie uns einen Strauß schenkten, das eine voraus: e sind die letzten, und als diese letzten seien sie uns ieb und willkommen. —r.
Tageskalender für Montag.
Gießener Dorttagsring: 19.15 Uhr in der Neuen Lula der Universität Lichtbildervortrag Professor Dr. Hans Krieg „Zu den Indianern des Gran kchaco (Südamerika) . — Oeffentliche Abendvor-
• »jung der Universität: 2Q.30 Uhr im Kunstwisten- haftlichen Institut Professor Dr. W. Vollrath I Houston Stewart Chamberlain, der Künder deut- chen Wesens". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Eine lacht im Mai". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Die lustigen Vagabunden". — Oberhessischer Kunst- wein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung W. Jmkamp im royer des Stadttheaters.
ttonzerlgemeinschaft blinder Künstler.
gericht verpflichtet.
Das Ortsgericht Gießen untersteht hiernach ber Dienstaufsicht des Direktors des Gießener Amtsgerichts. Das hiesige Ortsgericht war bis zur Eingemeindung von Wieseck und Klein- Linden nur für den Bezirk der Stadt Gießen zuständig, seit der Eingemeindung ist sein Dienstbereich aber auch auf die Vororte Wieseck und Klein- Linden ausgedehnt worden. Damit hat sich das Arbeitsfeld des Ortsgerichts Gießen bedeutend erweitert. Der Geschäftskreis ber Ortsgerichte ist in Obliegenheiten des Vorstehers und in Obliegenheiten des gesamten Gerichts aufgeteilt.
Zu den Obliegenheiten des Ortsgerichts- Vorstehers, die von ihm allein wahrzunehmen find, gehören die nachgenannten Aufgaben: die öffentliche Beglaubigung einer Unterschrift; die freiwillige öffentliche Versteigerung beweglicher Sachen; die Verpachtung von Grundstücken, die in seinem Bezirke liegen, im Wege öffentlicher Versteigerung; die freiwillige öffenlliche Versteigerung
~ ' ’t er damit von dem Amts-
Im öffenllichen Leben erfüllen die Orts-1 f eiliger Willenserklärungen auf Anttaa eines Be- gerichte bedeutsame Funktionen in wirtschaft» teiliaten und die Beurkundui" ro'8 *A“ lichen und in rechtlichen Angelegenheiten. — Vielen Volksgenossen dürfte aber wohl der Aufgabenkreis der Ortsgerichte nicht genügend bekannt fein. Wir haben uns daher mit dem Vorsteher des Ortsgerichts Gießen über den Dienstbereich der Ortsgerichte unterhalten. Zusammensassend ist darüber folgendes
Gießener Gtadttheater.
Dritte Morgenveranstaltung: Deutsche Kammermusik.
Der ernften, sttllen inneren Einkehr des Toten- lomttags ist wohl kaum ein Werk so angemessen wie tie „Vier ernsten Gesänge" von Johannes Srahms. Als eine Abrechnuna mit dem Leben, rts Zusammenfassung und Ueberschau erscheint dies Merk für Brahms mit dem Ahnen des Kommenden, Unabwendbaren verbunden. Unter dem Freundes- Iteife von Iah. Brahms hatte in der ersten Hälfte ter neunziger Jahre der Tod eine unerbittliche Smte gehalten; und das Schicksal der Frau, die dem Künstler Brahms wohl am nächsten gestanden hat, ("lara Schumann, ging in den Mattagen des Iah- !es 1896 seiner Erfüllung entgegen. So hatte der ^ichtigkeitsgedanke den alternden Meister innerlich b stark gepackt, daß er gerade diese Gesänge sich zu - (einem 63. Geburtstag (7. Mai 1896), vielleicht titon von der Voraussicht bedrückt, daß dies der letzte sein konnte, geschenkt. Zwar hatte er die Gesänge dem Maler Max Klinger gewidmet als Entgegnung auf dessen „Brahms-Phantasie". Ander- (*its aber bestätigt uns ein Brief an Marie und qq kugenie Schumann: „Ich bitte sie (die Gesänge) cis ganz eigentliches Totenopfer für Ihre geliebte ’ Nutter anzusehen und hinzulegen." Wenn Brahms
Dieberum versichert, er habe die Gesänge „sich und rur sich" zum Geburtstage gedacht, so würde das i cilch die Worte bestätigen, die er ein Jahr zuvor an
Clara Schumann äußerte, daß er „nichts mehr für Üe Oeffentl ich kett, sondern nur noch für sich schreiten wolle".
Die Texte zu den Gesängen sind wohl der Bibel tntnommen, gehören aber nicht zu allgemein be- Innntem Gedankengut. Mit ihrer Realisttk spüren se der Schicksalsgebundenheit des an die Schwere les Erdendaseins gefesselten Menschen nach. Nur ter letzte Gesang zeigt den Weg aus dem nieder- Irückenden Irdischen heraus zur verheißenden gött- lchen Liebe. Der Prosasprache dieser Sprüche verbindet Brahms einen tiefschürfenden musikalischen Lusdruck, der durch die ihm zur Verfüguna stehen- ien Mittel den tiefen, oft schwer erfaßbaren ■ Sinn erhellt und in Eindringlichkeit seine mensch- lche Wahrheit erschließt. In der Gesamcheit ihrer Abfolge stellen die „Vier Gesänge" eine zyklische i Einheit dar, etwa den Sätzen einer Sonate oder ! Symphonie vergleichbar.
Die Anforderungen an die gestaltende Kraft des । Gängers wie auch an ben stimmlichen Umfang sind
derart hoch, daß chnen nicht immer gleichwertig und vollgültig entsprochen werden kann. Einem Hinweis auf die Tatsache, daß sich nicht viele Künstler dafür finden werden, entgegnete Brahms: „Das sollen sie auch gar nicht, an den Konzerts aal habe ich wahr- hasttg dabei zuletzt gedacht." Und so erklärt es sich wohl, daß man den „Vier ernsten Gesängen" nur sehr selten in ber Oeffentlichkett begegnet. Diesmal war der Anlaß für ihr Erklingen gegeben durch bie Weihe des Totengedankens und die dadurch bedingte innere Bereitschaft der Hörer. Ilse W i n h o l d setzte ihr stimmliches Vermögen und chre rnusika- lrschen Fähigkeiten willensstark für diese hehre Aufgabe ein, Otto Söllner gab ihr am Flügel Stütze und war bereiter Helfer im Mitgehen.
Don dieser Sphäre der inneren Schwere führte Beethovens c-moll-Quartett in die Wirklichkeit allmählich "zurück. Wenn Beethoven c-moU anschlägt, so bestätigt sich stets schicksalshafte Bindung, am stärksten wohl in ber „Fünften". Hier bei dem seiner ersten Quartettfolge angehörenden Werk ist es noch kein titanenhaftes Kämpfen, wohl aber der Ansatz zur Erkenntnis der Schicksalsgebundenheit. Dafür sprach auch die Wiedergabe durch das Streichquartett des städtischen Orchesters (Franz K e r z i s n i k, Karl Jost, Paul Blümers, Ernst Schneider). Der Hauptgedanke mit seinem leidenschaftlichen Drängen in der ständig steigenden ersten Violine gipfelte in den Akkordschlägen. Klanglich weich blühte das Seitenthema, dem ersten innerlich sehr nahestehend, in schöner Kantabilität heraus, klangliche Disziplinierung zeigte bas unisono- pianissimo vor der Durchführung. Die Durchführung selberz wurde zum Schauplatz impulsiven Widerstreits, wie auch hoffnungsberetter Dur-Freudigkeit (Cellosolo). Die Oes-ckur-Wendung der Coda gab dem Schluß mit feinen dynamischen Gegensätzen besonderes Gewicht.
Das nach Dur gewendete Scherzo erklang in duftiger durchsichtiger Gelöstheit bei filigranartiger Klarheit des stimmlichen Gewebes; innerlich beleuchtet durch die Ausdruckskontraste des Mittelsatzes. Die c-moll-Gebundenhett erwies das Menuett mit feinen eigenwilligen Akzenten und der spannungsvollen Chromatik; das Trio lichtete sich zu empfindsamer Gesanglichkeit. Im Finale führte zunächst bie erste Violine; im Seitenthema entfaltete sich das stimmige Leben der einzelnen Insttumente. Die C-ckur-Episobe wurde zum bewußten Gegensatz. Starken Eindruck hinterließ die Steigerung in der Reprise vor der Wiederkehr des zweiten Themas. Sehr fein abgestuft war das klangliche Entschwinden vor den Schlußtakten. Die Stteich-
quartettgruppe in dieser Besetzung ließ im einzelnen nachgiebiges Eingehen der Insttumente aufeinander sowohl im gegenseitigen Ablösen des thematischen Anteils wie in dem Ausgleich des Klanges erkennen.
Ein Vorspruch, den Gefallenen gewidmet, führte in die Feierstunde ein. Konzertmeister Franz Ker» z i s n i f spielte mit sicherem Stilgefühl Händels g-molhSonate bei äußerst sauberer Figuration und klangwertiger dynamischer Abstufung. In dem kurzen Adagio spannte er den melodischen Bogen ausdrucksstark, mit schwebenden Klängen in der Wiederholung. Kapellmeister Otto Söllner stand ihm als anpassungsfähiger Begleiter zur Seite.
Dr. Hermann Hering.
Literarische Feierstunde.
Clara Nordstrom
liest im Deutschen Frauenwerk.
Das Deutsche Frauenwerk veranstaltete am Sonntagnachmittag in der Neuen Aula eine Itterarische Feierstunde zugunsten des WHW. Die schwedische Dichterin Clara Nordstrom las aus eigenen Werken. Nach einem Instrumentaloorspiel und dem Vorttage des Frauenchors „Dieweil es gilt die Seel und das Gut" richtete Kreisfrauenschaftsleiterin Frau W r e d e herzliche Begrüßungsworte an Clara Nordstrom, die sie als Schriftstellerin, als liebenswürdigen Menschen und als Mittlerin zwischen Deutschland und Schweden willkommen hieß.
Frau Nordstrom überbrachte ihrerseits Grüße von Dr. Henning, der im Vorttagsamt zahlreiche deutsche Schriftsteller betreue, und begrüßte insbesondere den Kreisleiter und die Kreisfrauen- schaftsletterin. — Bevor sie aus ihren Büchern las, legte sie ein begeistertes Bekenntnis zu Deutschland, zum Nationalsozialismus und zum Führer ab: sie glaube an die rassisch und kulturell begründete Verbundenheit zwischen dem deutschen upö dem schwedischen Volke, grau, Nordstrom schilderte dann, in locker aneinandergereihten Bildern und Gedanken, mit allerlei persönlichen- Erinnerungen und Eindrücken, den Charakter der schwedischen Landschaft und Kultur und die Volkstumseigenart des schwedischen Menschen. Das schwedische Volk erscheine ihr als der träumerisch-unerfahrene Jüngling ohne die Kampferprobung, die der größere deutsche Bruder besitzt. Frau Nordstrom schll-
berte die geistige Vitalität ihres Volkes, fein Lebens- und Gottgefühl. Schweden träume noch den Traum des Einsamen von der Gleichheit aller Volker und Rasten; es habe keinen Krieg aehabt, ber es habe aufwecken können. Wie im Weltkriege aber bekennten sich auch heute viele Schweden zum neuen Deutschland die Verwandchaft zwischen beiden Nationen bezeichnen sich auch in geistigen und sprachlichen Wechselbeziehungen. Trotz jüdischer Gegenpropaganda bekenne sich das bessere Schweden heute zum Nationalsozialismus, in dem die Kraft des Gemütes und die Kraft der Tat lebendig feien und der Nationalsozialismus in den um den Erdball wandernden Gedanken und Taten des Führers die Verwirklichung eines großen Traumes darstelle. Mit dem glühenden Bekenntnis zur deutfch-fchwedi- fchen Freundschaft, zum Führer und zu Deutschland als dem Herzen der Welt beendete die Vorttagende ben ersten Teil ihrer Lesung.
Anschließend las Frau Nordstrom aus ihren Werken, zuerst aus ihrem einzigen Männerbuche „Roger Björn". In den Schilderungen vom Leben und Ringen des Bauern Roger, in der Mischung von mythischer Stimmung und realer Wirklichkeit, in der Zwiesprache des Bauern mtt seinem Schicksal spiegelte sich etwas von dem Lebensgefühl und dem Nationalcharakter ihrer Landsleute, wie ihn Frau Nordstrom im ersten Teile ihres Vortrages dar- gestellt hatte. Das Thema der inneren wahloer- wandtschaftlichen Bindungen zwischen Deutschland und Schweden greift auch das Buch „Ruf der Heimat" auf, aus dem Frau Nordstrom bann einige, nur locker zusammenhängenbe Szenen vorlas. Hier werden Erlebnisse und Stimmungen eines deutsch- schwedischen Mädchens geschildert. Das Merkwürdigste an der Fabel dieses Buches ist, wie bie Dor- tragenbe bemerkte, ber Umstanb, baß die Konzeption der Fabel mit tatsächlichen Begebenheiten überein- stimmte, was ihr zufällig von einem Landsmann bestätigt worden ist. — Den Schluß der Lesung bildeten drei kleine Gedichte, ein schwedisches, und zwei in deutscher Sprache, „Der-unbekannte Gott" und „An meine Sohne", wiederum ausklingerd in ein Bekenntnis zum Kampf und Sieg Deutschlands und zu seinem Führer.
Kreisftauenschaftsletterin Frau Wrebe richtete nach der mit großem Beifall aufgenommenen Vorlesung warme Worte des Dankes an Frau Nord - ström und gab der Hoffnung Ausdruck, sie bald wieder als Gast in Gießen zu sehen. Ein Musik- nachspiel und ber Frauenchor „Deutschlanb, heiliges Wort" beschlossen die Feierstunde. Hans Thyriot


