Mittwoch, 25. September 1940
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Br. 227 Zweiter Blatt
Start eines Strolch.
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Start frei! — (Aufn. [2]: Laue.)
(Nachdruck verboten.)
81. Fortsetzung.
i kommt ihm gar nicht recht. Er will losen Blättern besteht, die mit den Randstreifen von Spielball der ganz unberechenbaren Briefmarken zusammengeklebt find. Auf dem äutze-
nicht mehr ein
Ein jeder erlebt es, daß ihn der Tod einmal streift. In der Regel ist das ein Augenblicksgeschehen — ein Moment der Gefahr, fast immer erst hinterher erkannt — der einen Schauer hinterläßt und bald vergessen wird. Anders aber, wenn man mit ihm um eine Beute geringen hat, in überheller Wachheit feine Allgewalt spürte und ihm die eigene, ach, so enge Begrenztheit entgegensetzte. Ja, das vergißt man wohl niemals. Und das ist ein Umschmelzungsprozeß. Darum muß Hans Bergholz eine Minute lang in der Diele stehen und sich umblicken, als sei er in eine fremde Behausung ein-
Am Nachmittag kommt ein Polizist zu Pahls und fragt nach Klaus Tjaden.
Pahl sieht ihn mißvergnügt an und fragt mürrisch: „Na, wat is denn nu wieder los?" Er klopft an die Kammertür bei Klaus, der wie immer morgens um drei aufgestanden ist und sich jetzt zu ein paar Stunden Schlaf hingelegt hat. Er muß abends in die Sportschule. „Du, komm mal 'raus! Hier is een Schupo, der will wat von dir!"
Noch einigen Minuten erscheint Klaus, und der Beamte gibt ihm den merkwürdigen Brief, der aus
Arbeit zum Wohle unseres Volkes bringen. In diesem Zusammenhangs machte er den jungen Angehörigen unserer Universität verständlich, wie außerordentlich chwer namentlich die Menschenbehandlung im Alltagsleben ist, wie hierbei noch gegen mancherlei Egoismus, Vorurteil, falsche Meinungen, mangelnden Gemeinschaftsgeist usw. anzukämpfen ist,' um den im Geiste der echten Volksgemeinschaft überall erforderlichen Idealismus auch im Alltagsleben zur Geltung zu bringen. Aus seinen reichen Erfahrungen in 15jähriger Tätigkeit als Politischer Leiter und Mitkämpfer des Führers gab er seinen gespannt olgenden Hörern interessante Beispiele dafür, was von der Grundlage der Volksgemeinschaft aus als gut zu bewerten ist und was von diesem Blickpunkt aus einer solchen Prüfung nicht standhält. Auch an diesen Ausschnitten wurde deutlich erkennbar, wie bei der Erfüllung solcher Aufgaben der Menschen-
Es gibt einen alten, in der Erfahrung unentwegt bewiesenen Grundsatz erziehungswissenschaftlicher Natur, der in seiner volkstümlichen Form jedem bekannt ist: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr". Er ist in den letzten Jahren etwas erschüttert worden insofern, als mancher Hans wider feinen Willen doch noch manches gelernt hat, der es vordem wohl nicht für möglich oder notwendig gehalten hat. Trotzdem aber, bleibt das Wesentliche jener Volksweisheit unberührt. Dies gilt in nicht zu übersehender Weise für die gesamte Fliegerei. Es gab eine Zeit, da sahen nicht nur Unverständige in der Flugmodellbauerei nichts als eine zeitraubende und zudem teure Spielerei. Manches Hänschen zog sich darob den Groll — wer wollte eine Berechtigung dazu bestreiten— seines väterlichen Erziehers zu, wenn Zeugnisse und sonstige Notwendigkeiten, unter dem „Blödsinn" allzusehr litten. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß diese Spielerei doch einen Sinn hatte, den zu unterdrücken auch Gewalt nicht vermochte. Wichtig war nur, daß eine verständnisvolle Erziehung diese Sache aus der Willkür und Planlosigkeit heraus in wohlgeordnete Bahnen lenkte. Denn was die Jugend hier, vielleicht instinktiv, aber dennoch unvollkommen trieb, war — so unwahrscheinlich das auch klingen mochte — ernste Arbeit und war Lernen in seiner ursprünglichsten Form. Jedes Lebensalter lernt anders, wenn überhaupt der Trieb da-
ren Blatt steht sein Name geschrieben, und er erkennt Marta Ellrichs Handschrift.
„Kennen Sie die Absenderin?" fragt der Polizist. Klaus nickt und müht sich, mit unsicheren Fingern die Blätter zu entfalten. Pahl und seine Frau stehen dabei und blicken mit erschrockenen, fragenden Mienen auf ihn und den Polizisten.
Plötzlich rennt Klaus vorwärts, nach der Straße zu, erreicht sie aber nicht, schreit auf, wie ein Tier in Todesnot schreit, bricht in die Knie und schlägt mit der Stirn gegen die Zaunplanke.
Pahl und der Polizeibeamte laufen zu ihm hin und richten ihn auf. Er starrt sie mit den Augen eines Irrsinnigen an; seine fahlen Lippen bewegen sich in lautlosem Stammeln; Blut rinnt ihm über das Gesicht.
Er wird in die Küche des kleinen Hauses geführt; Frau Pahl wäscht ihm das Blut ab und verklebt die Stirnwunde mit Heftpflaster.
Dann vernehmen die drei Menschen von Marta Ellrichs Verzweiflungstat — die ihr aber nicht das Leben gekostet hat, weil ein Retter zur Stelle gewesen ist. Sie hören, daß sie sich im Westend- Krankenhaus befindet.
Klaus braucht lange Zeit, um den Brief zu Ende lesen zu können. Dann sitzt er wie geistesabwesend da und bleibt stumm auf alle Fragen des Ehepaares. Er leidet es, daß ihm Frau Pahl die Blätter aus der Hand nimmt und den Inhalt vorliest. Und wie er nun die Sätze, die eben seine Augen lasen, stockend und halblaut aussprechen hört, weicht die Betäubung, und es kommt ihm ein klares Begreifen.
„Mein lieber Klaus", schrieb Marta, „nun ist es so gekommen, daß ich nicht mehr weiter kann und bloß noch einen Weg zu gehen weiß. Den Weg, den ich schon vor vierzehn Jahren gehen sollte und nicht konnte, weil ich damals noch ein dummes Kind war und mich fürchtete. Es tut mir nur um Dich leid, weil ich Dir Schmerz zufügen werde. Auch um meinen alten Vater tut es mir leid, aber ich kann ihm nun nicht mehr helfen. Ich habe mir alle Mühe gegeben, gutzumachen, was ich ihm früher an Kummer und Verdruß bereitet habe. Jetzt kommt das noch einmal und ist viel schlimmer als damals. Und ich kann das nicht noch einmal ertragen; alle die Beschimpfungen und daß ich bei den Leuten als schlechtes Frauenzimmer gelte.
(Fortsetzung folgt.)
zu vorhanden ist. Wer aber einmal Flieger werden will — und welcher echte Junge wollte dies nicht — der wird schon dann anfangen, Flugzeuge zu bauen, wenn er gerade gelernt hat, seine fünf Sinne halbwegs anständig zu gebrauchen.
*
Am Anfang aller Fliegerei steht heute der Flugmodellbau, und wenn es nur so ein Papierflieger ist, wie wir ihn alle nach ewig vererbten Regeln in der Schule hinter dem Rücken
Kleine Ursachen — Grvtze Wirkung!
Kleine Verletzungen aller Art gehören im Haus« halt wie im Berufsleben und beim Sport zu derr Alltäglichkeiten. Meist beachtet man solche kleine Schädigungen wenig oder gar nicht. Wie häufig hat aber diese Vernachlässigung schwere und schwerste Folgen! Denn das Eindringen von Schmutz in eine an sich harmlose Wunde bedeutet fast stets eine Wundinfektion, die Entzündungen und Eiterungen und bisweilen eine Gefährdung des ganzen Organismus zur Folge haben kann. Es ist deshalb geboten, Wunden jeder Art rechtzeitig zu desinfizieren, um auf diese Weise zu verhindern, daß schädliche Bakterien in das Blut gelangen. Hierzu empfiehlt sich der Gebrauch der bewährten Sepso-Tinktur, die wie Jod-Tinktur desinfiziert und genau so angewandt wird. Sie ist in allen Apotheken und Drogerien in Fläsch« chen zu fünfundfünfzig Pfennigen und in Hand-, lichen Tupfröhrchen zu neunundvierzig Pfen-, nigen erhältlich. Infolge ihrer großen Tiefenwirkung desinfiziert Sepso-Tinktur rasch unöi
1 gründlich und verhindert Entzündungen.
führung immer das oberste Ziel maßgebend ist: allü Kräfte einzusetzen und auszurichten auf den hohen Gedanken der Volksgemeinschaft im Dienste beg, ganzen deutschen Volkes.
Abschließend lenkte der Kreisleiter die Gedanken seiner Hörer noch auf die großen Taten des Füh« rers und seiner Wehrmacht im Verlaufe des verflossenen ersten Kriegsjahres hin und stellte dabei die noch zu lösende Aufgabe des Endkampfes gegen unseren Hauptfeind, England, in den Vordergrund aller Willensbildung. Er stärkte dabei in dem Bewußtsein der Hörer die tiefe Ueberzeugung, daß auch hier der Führer als unser großes Vorbild immer zur rechten Zeit durch die richtige Entscheidung allen deutschen Menschen mit bestem Beispiel vorangehen wird im Dienste für unser ewiges deutsches Volk.
Die fesselnde und aufschlußreiche Rede des Kreis« leiters wurde oft von starkem Beifall der Hörer« schäft unterbrochen, die am Schlüsse dem Redner erneut mit starker Zustimmung für seine richtungweisenden Worte dankte. Dann wurde der Abend nach kurzem Schlußwort des Studentenführers in üblicher Weise geschlossen. B.
Aus der Stadt Gießen.
Bunt sind schon die Wälder.
Herbsttage ziehen über das Land. Die ersten welken Blätter wurden von den Bäumen gerissen. Die leeren Aecker wissen: der Herbst kommt und vergeht, sie aber bleiben. Die wartende Erde für die Saat, sie bleibt. In ihr offenbaren sich geheimste Kräfte des Lebens. Wieder werden Körner in das dunkle Erdreich gelegt. Sie werden sich regen, und neues Grün wird den Acker zieren.
Wohl fielen die ersten dürren Blätter, einzelne Aeste sind schon kahl. Die meisten Blätter aber hängen noch fest am Baum. Nun leuchten sie in allen Farben. Vom Baden her, der schon mit gelbem Laub bedeckt ist, wächst die Pracht. Die Büsche, umrankt von dunklen Brombeerruten, stehen in buntem Herbstgewand. Dahinter erheben sich die stolzen Buchen. Rote und gelbe Blätter leuchten aus dem Grün. Funkelnd fangen die bunten Blätter die Sonnenstrahlen auf. An der Seite stehen schmale, hohe Tannen, die wie schwarzgrüne Schatten das farbenfrohe Bild einrahmen. Der Waldbach rauscht und rieselt. Auf den Wiesen blühen Herbstzeitlosen. Leicht bewegen sie sich im Wind. Es ist, als ob sie frören.
Die schlanken Birken haben ein goldgelbes Kleid angezogen. Die Eichen sind noch grün. Sie lassen nur langsam ihr Laub fallen. Aber auch ihre Blätter sind am Rande schon gelb gefärbt. Die reifen Eicheln fallen zur Erde, hier und da liegen sie wie gesät. Und dort, eben noch sahen wir den buschigen Schwanz, klettert das Eichhörnchen hinauf hinter die schützenden Aeste. Es kann jetzt ernten und Vor-
gedrungen.
Dann geht er ins Schlafzimmer und kleidet sich um. Er sucht aus dem Schrank einen Anzug hervor, den er nicht mehr trägt, legt Wäsche dazu und macht ein Paket für den Kellner zurecht, der ihm mit seinen schon recht abgetragenen Kleidungsstücken ausgeholfen hat. Der Mann hatte ihn gebeten, sie ihm bald zurückzugeben, weil er außer seinem Kellneranzug weiter nichts an Kleidung besitze, er sei lange ohne Arbeit gewesen.
Darauf begibt sich Bergholz in das Behandlungszimmer. Der Assistent berichtet ihm kurz, was ihm von der Arbeit während der paar Stunden der Abwesenheit des Ehefs zu erwähnen nötig dünkt. Da klingelt im Nebenzimmer das Telephon. Bergholz geht an den dort stehenden Schreibtisch und meldet sich. Wieder durchzuckt ihn der Schreck — er hört Dietmuthes Stimme im Apparat. Sie äußert Verwunderung über seine völlige Unsichtbarkeit. „Ich bin allein! Doktor Bergholz, und langweile mich", hört er die Stimme sagen, die einen so gefährlichen Zauber auf ihn ausübte. »Kläre ist fortgegangen ... Wollen Sie kommen?"
Nein, er will nicht!... Er will wirklich nicht — und hört sich doch „ja" sagen. In seinem Kopf saust und dröhnt es. Leise und undeutlich hort er die Stimme im AppaBat. „Sind Sie völlig überwältigt und darum so einsilbig?" Ein leises, girrendes Lachen folgt. „So kommen Sie, Doktor Hans, wir plaudern..." Ein Knacken im Apparat kündet ihm, daß sie den Hörer aufgelegt hat.
Auch er legt auf, hält aber die Hand noch um den Griff gespannt und starrt mit gerunzelter Stirn darauf. „Verflucht!" stößt er zwischen den Zahnen hervor. Nein, dieser Anruf, diese ganz unerwartete Gunstbezeugung kommt ihm gar nicht recht. Er will
Vergleichsfliegen für Gegelflngmodelle
Beim NS.-Fliegersturm 6/75 Gießen.
Tageskalender für Mittwoch.
Stadttheater: 19.30 bis 22 Uhr „Johannisfeuer". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Königswalzer". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Rakoczy-Marsch".
Stadttheater Gießen.
Am heutigen Mittwoch kommt Sudermanns Schauspiel „Johannisfeuer" in neuer Inszenierung zur Ausführung. Spielleitung: Hans Albert Schewe. Bühnenbild: Karl Löffler. Es wirken mit: Anneliese Garbe, Hella Henzky, Marie Karden, Hilde Kneip, Luise Prasser, Isabella Theresia Richter; Hans Ca- ninenberg, Gert Geiger, Siegfried Lowitz, Hans Seitz. 2. Mittwoch-Miete.
Ortszeit für den 26. September.
Sonnenaufgang 7.18 Uhr, Sonnenuntergang 19.14 Uhr. — Monduntergang 16.09 Uhr.
Päckchen und Feldpostpäckchen sorgfältiger Herrichten.
Verpackung und Aufschrift der Päckchen und Feld- postpäckchen lassen noch immer zu wünschen übrig. Die Deutsche Reichspost bittet erneut, nur widerstandsfähige Pappschachteln und starke Papierumhüllungen zu verwenden und dabei Hohlräume der Päckchen mit Papier, Holzwolle oder Aehnlichem auszufüllen, damit nicht der Inhalt oder andere Sendungen beschädigt werden. Wenn schon benutzte Pappschachteln und Umhüllungen von neuem als Hülle verwendet werden, müssen frühere Aufschriften oder Vermerke usw. vollständig überklebt werden. Häufig fehlt auf den Päckchen, besonders auf den Feldpostpäckchen, die Angabe des Absenders. Zur Aufschrift sollten nur Tinte, Schreibmaschine oder nicht glänzender und unverwischbarer Tintenstift verwendet werden.. Um Unzuträglichkeiten einzuschränken und die große Zahl beschädigter und unzustellbarer Sendungen zu verringern, werden die Postämter mangelhaft verpackte oder beanschriftete Päckchen (auch Feldpostpackchen) künftig nicht aünehmen oder, wenn sie durch Briefkasten eingeliefert werden, dem Absender zurückgeb em________________________
Die Arbeit der Partei im Frieden und im Kriege
Kreisleiter Backhaus spricht vor Studenten der Universität Gießen.
räte einheimsen.
Leise und fast unbemerkt fallen einzelne Blätter von Birken und Buchen. Sie haben ihre Arbeit getan, sie gehen zur Ruhe. Aber ihr Platz bleibt nicht leer. Schon sehen wir die jungen Knospen, ein- gehüllt in schützende Blättchen, die im kommenden Jahre an die Stelle ffer Blätter dreien werden. So liegt im Sterben der Blätter schon zukünftige Früh- " ' " H.
Launen dieser Frau feinEr hat es schon oft nicht gewollt... Und doch...
Aber heute hatte er sich ein herrliches Gefühl mit heimgebracht: Die Gewißheit, sich als ganzer Kerl bewiesen zu haben! Soll ihm das und die damit wiedergewonnene Selbstachtung nur geschenkt sein, um beides alsbald wieder zu verlieren? Die Gefahr besteht — das ist nicht wegzuleugnen — diese letzte Kette des „Armen Heinrich" ist noch nicht zersprungen.
„Aber man muß eine Gefahr verneinen, bann ist sie bereits halb überwunden", sagte er sich, während er sich zum neuen Fortgehen fertig macht. Er denkt an den Vermerk im Buch der Lebensmüden — an die undeutlich gekritzelte Adresse Dietmuthe Röhls. Er wird sie fragen, was das bedeute, und hat das dunkle Gefühl, damit eine Waffe — nicht eine des Angriffs, vielmehr eine der Deckung, der Abwehr zu haben. —
Bergholz geht nach der Meinikestraße. Gleich nach ihm biegt ein großes dunkles Auto auch in diese ein. Dieser Wagen, in dem Bergholz auch einmal gefahren ist, bleibt hinter zwei anderen am Straßenrand haltenden stehen. Ein älterer Herr steigt aus, steht eine Minute wie überlegend und zieht langsam die Handschuhe aus. Dann geht er über den Fahrdamm und auch in das Haus hinein, in dem Dietmuthe Röhl wohnt. Er benutzt nicht wie sonst den Fahrstuhl, sondern geht die zwei Treppen zögernden Schrittes empor. Er öffnet die Wohnungstür mit einem Schlüssel, tritt leise ein und zieht die Tür vorsichtig, bestrebt, jedes Geräusch zu vermeiden, zu. Dann verschwindet er wie ein Schatten in einem der Zimmer.
Der NS.-Deutsche Studentenbund in Verbindung ' mit dem NS.-Deutschen Dozentenbund eröffnete eine Vortragsreihe dieses Trimesters der Univerität für die politische Erziehung der Kameradschaften des NSDStB. am gestrigen Dienstag abend mit einem Vortrag in der Aula, zu dem sich die Studenten und Studentinnen des ersten Semesters eingefunden hatten.
Nach kurzen Grußworten des Studentenführers Stein, der besonders die gute Zusammenarbeit zwischen der Partei und dem NSDStB. betonte, prach der Hoheitsträger im Kreise Wetterau
Kreisleiter Backhaus
als erster Redner der Vortragsreihe über „Die Arbeit der Partei i üi Frieden und im Krieg e". Er wies zunächst auf die großen außen- politischen Erfolge des verflossenen Jahres hin, die nur möglich waren, nachdem der Führer die innenpolitischen Voraussetzungen dafür geschaffen hatte. Als das Ziel alles Wollens des Führers bezeichnete der Redner das Bestreben, Deutschand und das deutsche Volk zu neuer Blüte emporzuführen. Das Instrument dazu fei die NSDAP.
Anschließend schilderte der Kreisleiter seinen mit aroßer Spannung lauschenden Zuhörern den organisatorischen Aufbau der Partei. Er machte dabei u a. mit den Aufgaben bekannt, die von der kleinsten Einheit, dem'Block, bis hinauf zu den höheren Dienststellen der Partei bei ihrem Wirken für die deutsche Volksgemeinschaft zu erfüllen sind. Insbesondere schilderte er als nächstliegendes Arbeitsgebiet den organisatorischen Aufbau und die Arbeiten der Kreisleitung, die durch ihre verschiedenen Aemter eine außerordentliche Fülle von Aufgaben wahrzunehmen hat; die alle miteinander unter dem überragenden Gedanken der politischen Menschenführung und der Hinführung aller deutschen Menschen zur wahren Volksgemeinschaft stehen. Weiter machte der Redner die Zuhörer mit den Gliederungen der Partei und den angeschlossenen Organisationen, sowie ihrer Beziehungen zur Trägerin des Ganzen, der Partei, vertraut.
In aufschlußreicher Weise schilderte er sodann die Arbeitsaufgaben der verschiedenen Kreisamtsleiter und die weitreichenden, mit höchster Verantwortung ausgestatteten Arbeiten des Kreisleiters selbst, der als Hoheitsträger seinem nächsten Dienstvorgesetzten, dem Gauleiter, für alle politischen und wirtschaftlichen Vorgänge, für die Besetzung von Behördenstellen usw. im Bereiche der Kreisleitung ebenso verantwortlich ist, wie für die große und verantwortungsvolle Verpflichtung der Menschenführung im nationalsozialistischen Sinne und damit für den Aufbau der deutschen Volksgemeinschaft. Den auf der Gemeinschaft der Familie, von hier aus auf der Gemeinschaft an den Arbeitsstätten, weiter auf der Gemeinschaft in den Wohnorten sich vollziehenden Aufbau der großen deutschen Volksgemeinschaft stets und überall zu pflegen und diesen großen Gedanken in allen Kreisen durchzusetzen, das sei die besondere Aufgabe der Partei.
Der Vortragende erläuterte den jungen Hörern weiterhin in eindrucksvollen Worten den tiefen Sinn des Führerprinzips in der Partei und stellte ihnen anschaulich die hohe Bedeutung des guten Vorbildes vor Augen, wie es dem ganzen deutschen Volke vor allem in der Person des Führers selbst tagtäglich immer wieder sichtbar ist. Dieses gute Vorbild im Leben und im Handeln zu jeder Zeit, treu befolgt von allen zur Mitarbeit an den Aufgaben der Partei berufenen Menschen, bezeichnete der Redner als die beste Erziehungsmethode für das ganze deutsche Volk. Alle Arbeit im Sinne und Geiste unseres höchsten Vorbildes, des Führers, sei immer auszurichten auf das Ziel, das deutsche Volk in jeder Beziehung aufwärtszuführen.
Nachdem der Kreisleiter noch von der verantwortungsvollen Aufgabe der Auslese unter der Heranwachsenden Jungmannschaft für den Führernachwuchs der Partei gesprochen hatte, gab er einen weiten Einblick in die vielfältigen Aufgaben und Dinge, die täglich der Partei eine Unsumme von
Der Beamte öffnet die Tasche und untersucht den Inhalt. Er findet ein Merkbuch, das auf der ersten Seite den Namen Marta Ellrich aufweist, dazu einen Friedenauer Straßennamen nebst Hausnummer.
Auch ein Brief ist in der Tasche, der zwar in keinem Umschlag steckt, sondern aus einzelnen Blättern besteht, die aus dem Notizbuch herausgerissen und nach Beschreiben mit den Randstreifen von Briefmarken zusammengeklebt sind. Das obere Blatt trägt als Aufschrift den Namen Klaus Tjaden und die Bezeichnung einer Straße der gleichen Gegend.
„So, das wäre ja ziemlich klar. Vielleicht ist noch irgendwo ein Hinweis", murmelt der Beamte und blättert in dem Buch. Die Eintragungen bestehen zumeist aus reihenweifen Aufstellungen von Waren, und einzelne Anmerkungen weisen auf einen 5)am del mit Lebensrnitteln hin. Genauigkeit und Ordnungsliebe verrät das kleine Buch.
„Hier auf der letzten Seite steht noch ein Name, aber undeutlich geschrieben. Können Sie das lesen?" Der Polizist hält Bergholz das Merkbuch hm. Wie ein elektrischer Schlag durchzuckt es diesen, stein', entgegnet er heiser und wendet sich ab. Er hat Dietmuthe Röhls Adresse gelesen.
Die Sanitäter haben die noch Bewußtlose auf Die Bahre gelegt. Bergholz blickt noch einmal in das blasse Gesicht der Fremden, um deren Leben, das sie wegwerfen wollte, er mit dem Einsatz des seinen bis zum äußersten gekämpft hatte. Auf unbegreifliche Weise fühlt er sich hineingezogen in dunkle ttagische Zusammenhänge. Frostschauer schütteln tf)n — er steckt noch immer in den nassen Sachen. Ein Kellner bringt ihm einen Kognak.
Der Polizist steigt mit in den Krankenwagen
Eine Stunde später ist Bergholz zu Hause. Hier ist der Alltag nicht unterbrochen. Ein Patient tritt gleich hinter ihm ein und begibt sich ins Wartezimmer. Vom Laboratorium her klingt Lachen und Sprechen.
Khusfänyt ein neufislfibßii an
Roman von Helene Kalisch
Copyright 1939 by Prometheus-Verlag Dr. Eichacker, Gröbenzell bei München
lingshoffnung.
Dornotizen.


