Aus der Stadt Gießen. IM Kreditaktion für die Hausbrandbevorratung
währen.
IM Kohlenwirtschastsjahr 1940/41.
MO-Meler-Jillnwochenschau von der Westfront
GemeinschastsgedankeinderWohnungswirtschast
Gute Arbeit der Gemeinnützigen Baugenoffenschast 1894 Gießen.
Wenn Augen versagen Magnus-Brillen, tragen!
gewerblichen Verbrauchern, auch den Hausbesitzern, in entgegenkommender Weise Kredithilfe zu ge.
wird. '
1. Betriebsgemeinschaft: Die Betriebs- ührer sind aufgefordert worden, die Sicherung der Hausbrandversorgung im Kohlenwirtschaftsjahr 1940/41 durch eine entsprechende Dorschußgewährung an ihre Gefolgschaftsmitglieder zu unterstützen. Betriebsführer, die nicht über die notwendigen finanziellen Mittel verfügen, wenden sich zweckmäßigerweise an eine Bank oder Sparkasse. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband, der Deutsche Genossenschaftsverband, der Zentralverband des deutschen Bank- und Bankiergewerbes haben sich namens der ihnen angeschlossenen Geldinstitute bereitgefunden, derartigen Kreditgesuchen schnellmöglichst und unter angemessenen Bedingungen zu entsprechen.
2. Familien-Unterhaltsempfänger, also Familien, deren Ernährer im Felde steht, oder die infolge der militärischen Operationen evakuiert worden sind, wenden sich — sofern sie den für die Bezahlung der Kohlen erforderlichen Geldbetrag nicht alsbald nach Lieferung aufbringen können — an die zuständige Dienststelle des Stadt- oder Landkreises, von dem sie den Familienunterhalt ausge- zahlt erhalten. Die Dienststellen erteilen ihnen eine Bescheinigung, worin sie sich verpflichten, die Rechnung des Kohlenhändlers aus den Mitteln des Familienunterhalts zu bezahlen. Die Dienststelle des Stadt- und Landkreises zahlt die Rechnung unmittelbar an den Kohlenhändler und behält den Betrag in entsprechenden Raten vom Familienunterhalt der auf die Lieferung der Kohlen folgenden drei Monate ein.
3. Die RS.-Volkswohlfahrt und die öffentlichen Fürsorgeämter werden den von ihnen betreuten Familien, im Gegensatz zu den Gepflogenheiten in den Vorjahren, die Kohlenanweisungen bereits im Frühsommer aushändigen.
• 4. Angehörige der freien Berufe, sowie jene Gefolgschastsmitglieder, die aus Gründen irgendwelcher Art von der Kreditaktion der Betriebsgemeinschaftennichterfaßtwurdemwenden
Mit Staunen und Bewunderung steht man angesichts der neuen Filmwochenschau nicht nur vor den Waffentaten der deutschen Soldaten, sondern auch vor der Leistung der Männer an der Kamera, wie auch der Filmindustrie, die es möglich gemacht haben, uns am gestrigen Freitag bereits Ereignisse vor Augen zu führen, die zeitlich und ihrem wirklichen Geschehen nach am Anfang der Woche lagen. Der Film erreicht mit dieser Wochenschau eine Unmittelbarkeit in der Veranschaulichung der deutschen Waffentaten, die nicht zu überbieten ist.
Die Filmbilder selbst führen ganz nahe heran an die Ereignisse dieses Krieges. Mit besonderem Interesse verfolgt man die ersten Bilder vom Einsatz der Fallschirmjäger und Luftlandetruppen bei Rotterdam, sieht die Fallschirmjäger, die in kürzesten Ab- tänden hintereinander aus den Flugzeugen springen und sich bereitmachen für ihre todesmutigen Aktionen inmitten des feindlichen Gebiets, ganz auf sich geteilt, so lange, bis die Panzerwaffe zu ihnen vor- stößt und die Verbindung der Fallschirmjäger und Luftlandetruppen mit der Infanterie wieder herstellt.
Der Film schildert weiterhin das Antlitz des Krieges, eines Krieges, den der verbrecherische Wahnwitz der Feindmächte heraufbeschwor und sie nun mit aller Verantwortung belastet. Man sieht Rotterdam in Flammen, sieht die Zerstörungen, die über die Stadt kommen mußten, da sie, so wie Warschau, zur befestigten Stadt gemacht worden war, sinnloserweise, wie sich erwies, denn die Stadt vermochte
In der Wohnungswirtschaft in Gießen steht die Gemeinnützige Baugenossenschaft 189 4 an hervorragender Stelle. Ihre Aufgabe als Genossenschaft zur Beschaffung von gutem Wohnraum bei starker Betonung des sozialen Gedankens und der weitreichende Umfang ihrer bisherigen Leistungen im Wohnungsbau geben ihr eine Bedeutung, die weit über den Durchschnitt sonstiger genossenschaftlicher Betätigung hiüausragt. Zwar ist jetzt im Kriege die Bautätigkeit der Genossenschaft eingestellt, aber die Planungen für die Zukunft sind von so erheblichem Ausmaß, daß sie als ein verheißungsvolles Zeichen für den gemeinnützigen Arbeitswillen und für die wirtschaftliche Kraft dieses Gemeinschaftsunternehmens anzusehen sind. Diesen Eindruck gewinnt man bei einem Blick in den Geschäftsbericht 1939 der Gemeinnützigen Baugenossenschaft, der am kommenden Samstag die Jahreshauptversammlung beschäftigen wird.
Aus diesem Bericht ist die Absicht zu erkennen, schon jetzt alle vorbereitenden Arbeiten für ein Bauprogramm auf lange Sicht zu leisten, an dessen wichtigster Stelle die Errichtung von Arbeitersiedlungen steht, damit nach der Wiederaufnahme der Wohnungsbautätigkeit diele Pläne alsbald verwirklicht werden können. Gegenwärtig hat die Geofsenschaft einen Besitz von 40 Mehrfamilienhäusern mit 183 Wohnungen, ferner das
dem Ansturm der deutschen Waffen, der Angriffs, kraft der deutschen Luftwaffe noch keine Stunde zu widerstehen. In den Verbänden des Heeres hat auch die Leibstandarte Adolf Hitler an Erfolg und Sieg starken Anteil; die Männer der Leibstandarte kämpfen in vorderster Front.
In vielen Bildern sieht man die Panzerwerke der Festung Lüttich, wie auch der Maginotlinie bei Sedan, über die der Sturm hinweggebraust war und sie in hoffnungsloser Zerstörung zurückließ; man sieht die vorrückenden Kolonnen der Infanterie auf ihren strapazenreichen Märschen, verfolgt die An- griffe der Panzer und erlebt tn eindrucksgewaltigen Bildern die Vernichtung der feindlichen Panzer, die in großer Zahl im Gelände liegen. Auch die deut« schen Flieger hatten oftmals den Kameramann neben sich sitzen, und so gestattet der Film auch die Anschau, ung ihrer großen Leistungen.
Roch viele andere Szenen aus dem ungemein vielfältigen Geschehen dieses Krieges sind festgehalten. Mit Schrecken und Abscheu verfolgt man die Bilder, in denen gezeigt wird, welches Menschenmaterial an •• Hilfsvölkern aus Afrika Frankreich „zur Verteidi- gung der europäischen Kultur" aufgeboten hat.
Dank dieser großartigen Wochenschau vermag auch die Heimat,dem Kriegsgeschehen in klarer Borstel- lung zu folgen, mit heißem und dankbarem Herzen fühlt man sich neben den Soldaten, die mit dem Einsatz des eignen Lebens unsere Heimat vor der Härte des Krieges schützen. H. L. Neuner.
Eigentum von 95 Einfamilienhäusern aufzuweisen. In diesen Häusern befinden sich 9 Wohnungen bis zu 3 Räumen einschl. Küche, 207 Wohnungen bis zu 4 Räumen einschl. Küche, und 62 Wohnungen bis zu 5 und mehr Räumen einschl. Küche; dazu kommen die üblichen Nebenräume, außerdem konnte den meisten Mietern noch je ein Stück Gartenland zum Teil bis zu 300 Quadratmeter zugeteilt wer- den. Aus den Angaben über die Mitgliederbewegung — am Ende des Geschäftsjahres 1939 zählte die Baugenossenschaft 528 Mitglieder mit 604 Anteilen — ist hinsichtlich der sozialen Gliederung ersichtlich, daß von den Mitgliedern 93 Angestellte, 188 Beamte, 97 Arbeiter, 24 Angehörige der freien Berufe, 37 Witwen und 89 Handwerker und Ge- werbetreibende waren.
Aus dem Jahresabschluß für das Jahr 1939 ist bei dem Vermögen ersichtlich, daß die bebauten Grundstücke mit 2 170 130,38 RM. in der Jahresrechnung stehen. Als sonstiges Umlaufsvermögen sind u. a. 72 393,80 ^KM. aufgeführt, von denen
sich, sofern sie finanziell nicht m der Lage sind, die ihnen angebotenen Kohlenmengen abzunehmen, an eine Sparkasse bzw. Bank zwecks Aufnahme eines Darlehens. Der Sparkassen- und Giroverband, der deutsche Genossenschaftsverband und der Zentralverband des deutschen Bank- und Bankiergewerbes haben sich namens der ihnen angeschlossenen Institute bereit erklärt, die Darlehnsanträge bevor- zugt und beschleunigt zu behandeln und zu bearbeiten.
5. Gewerbliche Verbraucher, Anstalten und Hausbesitzer. Durch die Bevor- ratungsaktion werden auch die sogenannten „nichtmeldepflichtigen" gewerblichen Verbraucher erfaßt, wie Schlachthöfe, Betriebe des Gaststättengewerbes, Badeanstalten, Warenhäuser, Landwirtschaften, Krankenhäuser und Erziehungsanstalten. Sowohl der Deutsche Genossenschaftsverband, als auch der Deutsche Sparkassen- und Giroverband und der Zentralverband des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes haben sich verpflichtet, den vorgenannten
Der Sachbearbeiter der Reichsstelle Kohle machte über die Kreditaktion für die Hausbranübeoorra- tung bemerkenswerte Ausführungen, denen wir folgende Einzelheiten entnehmen:
Der Reichskohlenkommiffar hat für das Kohlenwirtschaftsjahr 1940/41 eine Reche von Maßnahmen «rn, die den Kohlenbedarf der Wehrmacht, irtfchaft und der Haushaltunaen sicherstellen wird. Mit der Anordnung vom 3. April 1940 hat er daher Anweisungen getroffen, die nicht nur jedem Hausorandverbraulyer jene Mengen Brennstoff ichern, die ihm zustehen, sondern auch den Verbraucher zu jener Dorratswirtschaft zwingen, die tm Interesse unserer Kriegführung als unbedingt notwendig erachtet werden muß.
Die jedem Verbraucher im Kohlenwirtschaftsjahr 1940/41 zustehende Kohlenmenge ist bis zum Herbst von der Grube über den Händler zum Verbraucher zu schaffen und von diesem abzunehmen. Brennstoffbezieher, die die ihnen angebotenen Mengen lagern können und sich der Abnahmepflicht entziehen, verwirken jeden weiteren Anspruch auf Brennstoffmittel.
Deutschland lebt im Kriege: Sowohl der Reichs- kohlenkommissar als auch die Organe des Verkehrswesens können nur kurzfristig disponieren. Die Händler und die Verbraucher müssen daher damit rechnen, daß ihnen zu einem unvorhergesehenen Zeitpunkt Kohlenmengen geliefert werden, die dem ofortigen Abnahmezwang unterliegen. Hieraus ergibt sich für die Kohlenbezieher die Pflicht, rechtzeitig die Geldmittel bereitzuhalten, die sie zur Bezahlung der angelieferten Kohlen benötigen.
Der Kohlenhandel ist bei der großen Anzahl der von ihm betreuten Kunden und dem Umfang ber von ihm ausgelieferten Mengen angesichts feiner eigenen Verpflichtungen gegenüber den Vorlieferern nicht in der Lage, zahlungsschwachen, -unfähigen oder unwilligen Verbrauchern Kredit zu gewähren. Andererseits kann es einem Teil der Verbraucher nicht zugemutet werden, unvermittelt größere Geldbeträge zu verausgaben, die sie für ihren Lebensunterhalt oder zur Aufrechterhaltung ihrer Betriebe dringend benötigen. Der Reichskohlenkommiffar hat es daher für feine Pflicht gehalten, die damit verbundenen Fragen der Geldbeschaffung zu klären. In Zusammenarbeit mit den Dienststellen der Partei, den interessierten Ministerien, Vertretern der Wirtschaft und der Geldinstitute konnte eine Losung gefunden werden, die allen Bedürfnissen der Produktion, des Handels und der Verbraucher gerecht
Tageskalender für Sonntag.
Gloria-Palast, Seltersweg: 11 Uhr Wochenschau, Sondervorstellung „Neueste Usa-Ton-Woche" und „Die Bauten Adolf Hitlers"; 13.30 Uhr: Sonder- Vorstellung „Brennende Wildnis" und „Neueste Ma- Ton-Woche"; zu den bekannten Zeiten „Liebesschule". — Oberhessische Viehversicherungsanstalt: 14.30 Uhr im „Burghof" ordentliche Mitgliederversammlung.
Gießener Sonzerk-Verein.
Das Solistenkonzert der ausgezeichneten Cellistin Ilse B e r n a tz und des bekannten Frankfurter Pianisten Georg Kuhlmann ist nunmehr au Donnerstag, 30. Mai, an Stelle des ursprünglich vorgesehenen vierten Orchester-Konzertes festgelegt worden. Das abwechslungsreiche Programm nennt u. a. Werke von Eccles, Beethoven, Schumann, Reger, Smetana und R. Strauß. Das Konzert findet in der Universitäts-Aula statt.
HHeinWaf! M KM öut® We
Wir machen darauf aufmerksam, daß morgen, Sonntag, den 26. Mai, wiederum eine Stadtführung unter Stadtbaudirektor Gravert statt, findet. Treffpunkt 10 Uhr Kirchenplatz. Unkosten- beitrag 20 Pf., Militär 10 Pf. 2553V
Waldwanderungen.
Wenn jetzt die Sonne strahlend am Hirnpiel steht, wenn ringsum auf Wiesen und an den Hecken Blüten über Bluten prangen, bann können wir nicht zu Hause bleiben. Wir wollen die Natur erleben, wir wollen die Blütenpracht da draußen in vollen Zügen genießen, und deshalb wandern wir. Uns Deutschen sitzt ja die Wandersehnsucht im Blut. Wir müssen immer wieder einmal hinausziehen in die schone Natur, auf Wegen, die abseits von der großen Landstraße durch anmutige Täler und fülle Dörfer führen, und die Reize der Landschaft in uns aufnehmen. So ist uns das Wandern zur inneren Notwendigkeit geworden.
Nichts aber erquickt uns mehr als eine Wanderung durch den deutschen Wald. Wer einmal längere Zeit fern von der Heimat in einem Lande gelebt hat, das keinen Wald besitzt, der weiß erst, was uns der deutsche Wald bedeutet. Die grenzenlose Liebe bricht dann in unferm Herzen hervor, und eine Sehnsucht durchzittert uns, wenn mir in der Ferne an unfern Wald denken. Glücklich der, dessen Heimat von WäDern umgeben ist! Täglich kann er auf kurze oder längere Entdeckungsfahrten gehen und dem geheimen Weben des Waldes lauschen.
Und so treibt uns auch die Sehnsucht in diesen ernsten und doch so großen Tagen hinaus in unfern Wald. Die erhabene Ruhe und die feierliche Stille, die uns dort umfangen, legen sich lind und weich wie eine Mutterhand auf unser Denken und Fühlen. Staunend schauen wir die Pracht des jungen Waldes. Vom Frühling wachgeküßt entfalten sich die zarten Blätter der Laubbäume, aber auch die Ton- nen und Kiefern haben ihre hellen Kerzen aufgesteckt, und in allen Zweigen und Büschen jubiliert es. Die Vögel singen ihre Liebeslieder ...
Stumm versunken bleiben wir auf einer Wald- wiese stehen und schauen hinauf zum tiefblauen Himmelszelt. Einzelne weiße Wölkchen ziehen langsam ihre Bahn. Im Wiesengrund leuchtet die Blütenpracht. Ganz leise rauschen die Blätter der Buchen, aber die Düfte von Bäumen und Blumen erfüllen betäubend die Luft. Hier unter hohen Säumen zu rasten, das bringt Kräftigung. Wie Balsam bringt diese geheimnisvolle, zauberhafte Waldesruhe in unser Herz.
Einige Stunden im Frühlingswald helfen uns mehr als alle Zerstreuungen, denn das eigentlich Erhaltende in der Natur ist die Ruhe. Auch im Menschenleben sollte es so sein. Dort im Walde legt sich unsere Ungeduld, unser Eifer. Wir werden still und lauschen wie Kinder auf das leise Rauschen der Bäume ...
Da hören wir plötzlich das Summen eines Motors. Dort hinter den weißen Wölkchen sehen wir das herannahende Flugzeug, und wir stehen wieder im großen Geschehen der Zeit. Wir können noch hinauswandern in unsere Wälder, wir können uns an der Schönheit der Landschaft erfreuen; denn eine starke Wehr schützt unsere Heimat. Dieses Flugzeug Da oben zwischen den Wolken, dem jetzt noch zwei weitere folgen, gibt uns die Sicherheit, daß unser Führer und unsere unvergleichliche Wehrmacht immer für unfern Schutz Sorge tragen werden. Dankbar winken wir hinaus zum Himmel und freuen uns der großen Vogel.
Der Wald gab uns neue Kraft und Zuversicht. Still beglückt wandern wir unserm Heime zu. H.
Bornotizen.
Tageskalender für Samstag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Liebesschule". — 16 Uhr: Sondervorstellung „Brennende Wildnis" und „Neueste Ufa-Ton-WoHe."
NS -Irauenfchast/Frauenwerk.
Das offene Singen der Jugendgruppe der NS.. Frauenschaft, zu dem alle Frauen eingeladen sind, findet am Montag, 27.5., 20.15 bis 21.30 Uhr am Schwanenteich statt.
Heil Hitler!
L. Hummel.
*
Am 30. Mai beginnt vom Mütterdienst im Deutschen Frauenwerk ein Kurs für häusliche Kranken, pflege. Beginn 20 Uhr in der SA.-Standarte 116, Landgraf-Philipp-Platz 2.
Mitte Juni beginnt wieder em Nahkurs des Mütterdienstes. Anmeldungen Frankfurter Straße 1.
MM «Waffen,LM?
Homtm von Martina LckariHelm
(Schluß.)
Aber da ist schon wieder der bedächtige Vater dazwischen und sorgt dafür, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. „Nein, nein, das gibt’s nicht, Konkurrenz oder so! Auch das bringe ich in Ordnung. Familienaktiengefellschaft, damit Erni und Rudolf auch was davon haben!
Ach Erni! Wo ist denn eigentlich Erni?.,
Sie geht zwischen den beiden Brautpaaren etwas hilflos und überflüssig hin und her, hat nirgends ricytigen Anschluß.
„Na, Erni, hat er geschrieben?" fragt Jutta augenzwinkernd. Erni mtrb rot.
„Erni, wann kommt er denn?" Erni errötet noch mehr.
„Erni, hast du dir das auch richtig überlegt? So weit fort und in diese Einsamkeit! Da gibt es nichts von Kino in Weißenberg oder Eisschleckern in Bautzen!"
„Euer dummes Gerede!" braust Erni auf. „Ich weiß schon, was ich tue!"
Alle lachen, und Jupp sagt: „Furchtbar mit eurer Derloberei! Schließlich wird man noch angesteckt!"
„Bursche, ich hab' dich neulich gesehen!" fällt es Rudolf ein. „Deine Stenostunde wurde wohl ausnahmsweise im Bautzener Stadtpark ab geh alten? Deine Flamme schien auch nicht sehr schuleifrig zu sein."
Es ist ein wahres Glück für Jupp, daß man gerade an der Stelle angelangt ist, wo Jutta sagen kann: „Hier soll nun also unser wackerer Friedrich- Karl beigesetzt werden!"
Ein schöner Platz, Blick ins freie Land, ein kleines Wiesenrund von Fichten umgeben.
Jupp ist über die Ueberführungsfeier schon im Bilde. ,
„Ganz große Sache wird das! Am 14. Oktober, am Tag der Schlacht von Hochkirch, findet sie statt. Für Glathe-Gustav, der die Rede halten will, habe ich schon Bücher aus der Stadtbücherei besorgen müssen. Das Bläserorchester von der Feuerwehr wird den Chopinschen Trauermarsch, später den Fride- ricus spielen. Prima wird das!" Aber Jupp hat noch mehr Neuigkeiten zu berichten.
„Sie sagen alle im Dorf, es käme sogar ein General aus Dresden! — Ältta", er hängt sich dann tm Weitergehen an den Arm seiner Schwägerin, die er besonders schätzt, „nicht wahr, wir gehören doch nun ganz zu deiner Familie!" Jutta versteht erst nicht.
„Na ja, weißt du, damit wir vorn stehen' bei der Feier, ich mochte den General richtig sehen. Man kann nicht wissen, ob nicht einer von Der Ufa filmt. Ich habe jetzt gerade die Schnur bekommen — als KameradschaftHsührer."
Jutta lacht hell auf.
„Natürlich, Jupp, gleich neben Tante Ottilie stellst du dich, damit du auch richtig in der Wochenschau zu sehen bist!"
Ist ein Morgen je so schön gewesen? Jutta drückt Rudolfs Arm fest an sich.
„Du, war es nicht richtig, daß wir sie alle abholten?"
Rudolf findet fcs sehr richtig, ja, es ist wie eine Erlösung, dieser mittägliche Gang über den Berg, dieses Plänemachen, dieses Wandern, gleichsam in die Zukunft hinein. Der Himmel lacht noch immer in Reinheit und strahlender Sonne. Sie scheint auch über das Gelände, das nun bald für die Baustelle der Autobahn abgesteckt wird. Bald wird sich der Bagger ins Land fressen, bald werden kleine, bunte Buden auf dem Erdwall stehen. Schienen werden gelegt werden, und eine kleine Feldbahn mit einer Reihe Kipploren wird hin und her fahren. Sticht man dort nicht schon die Grasnarbe, den Mutter- hoben, den man bann wieder für die Bepflanzung des Mittelstreifens braucht? Auch an die Baume Iwird man nun bald gehen, man wird versuchen, sie zu versetzen, aber dort drüben, auf diesen saueren Wiesen wird ein neuer Park entstehen.
„Jutta zeigt hinüber. „Und brühen, am Ende unseres Parks, jenseits nach Bautzen zu, wo das alte Gartenhaus steht, spendiere ich noch einen Picknickplatz. Die Autowanderer sollen einen guten Eindruck von Plessen-Roda mit in die Welt hinaus- nehmen!"
Vater Gräfe ist mit allem restlos einverstanden. Ja, er ist sogar begeistert! Welche Wandlung!
Und nun gehen sie genau wie damals die Freitreppe hinauf nach der Säulenhalle des Schlosses. Jupp wäre am liebsten sofort ins Leutehaus abge- fchwenkt, aber Rudolf erwischt ihn noch.
„Erst mal 'hier geblieben, Bursche, verstanden?"
Ja, und nun wird der Gräfevater wieder so merk- würdig befangen, diese Halle, diese pompöse Treppe, das ist doch nichts für ihn. Aber Jutta nimmt ihn an den Arm. „Komm, Vater, wir zwei, wir machen den Anfang."
Oben steht Tante Ottilie, sie streckt die Hände so freundlich zum Willkommen entgegen. Ja, sie nimmt nun Gräfes Arm und läßt sich von ihm in den blauen Salon führen — jawohl, in denselben Salon, den er damals mit schmetterndem Krach verlassen hat. Der Gedanke daran ist natürlich ungemütlich. Vater Gräfe zieht verlegen die rechte Schulter hoch und tritt unruhig von einem Bein aufs andere. Aber da ist ja bas Fräulein Schmidtchen und da sind ein paar Plessensche Verwandte, die ihm freundschaftlich die Hand schütteln.
Fräulein Schmidtchen kann freilich nicht umhin, zu vermerken, wie jetzt die Sonne, dieses freundliche Gestirn, wieder so heiter über Gräfehof und Schloß scheine und alles häßliche Gewölk vertrieben habe. Aber sonst ist alles, was sich zugetragen hat, wie ausgelöscht. Eine Freude ist es, zu sehen, wie sie alte mit blanken Augen im Kreise stehen und sich anlachen; besonders Hermann Gräfe ist. so gar nicht wiederzuerkennen. Tante Ottilie sagt ein über das andere Mal: „Wie reizend, welch ein schöner Tag!"
Aber Hermine Schmidtchen, die so gerne auch dem leisesten Schatten nachspürt und einen so trefflichen Spürsinn besitzt, wenn irgend etwas noch nicht in Ordnung ist, bemerkt mit bedauerndem Un
terton: „Unser liebes Fräulein Erni ist ein wenig schmal geworden und hat dunkle Schatten unter den Augen!" Und seufzend fährt sie fort: „Es ist ja auch keine Kleinigkeit, einen Schatz in einer Gegend zu wissen, wo manchmal noch Wolfe um die Gehöfte streichen."
Dieser Jupp, der wahrscheinlich niemals gute Sitten lernen wird, lacht dröhnend, als wenn er allein auf der Welt wäre. Aber Jutta lacht auch. Sie nickt Erni mit verschmitztem Gesicht ZU. „Schreib' ihm mal lieber ab, (Erni! Schlag' ihn bir aus dem Sinn und bleibe in Roda, wo es garantiert keine Wolfe gibt!"
Auch Lena lacht Erni an, und der Große auch, alle haben sie so etwas Rätselhaftes im Blick. Was haben sie denn nur?
Erni hat keine Zett nachzudenken, denn jetzt offnen sich die Flügeltüren zum Speisesaal. Blitz-Jo- Hann steht da mtt unendlich feierlicher Miene. Jupp hat schon die Nase gehoben und unauffällig, aber stetig Richtung auf die Tür genommen. Da stellt Jutta sich mit ausgebreiteten Armen davor.
„Halt, einen Augenblick noch! Hermine Schmidtchen hat ganz recht, es ist noch nicht alles Jo, wie es sein müßte in unserem Kreise. Es soll sich aber keiner mit Schatten unter den Augen an meinen Hochzeitstisch setzen!" »
Sie winkt jemandem, der noch verborgen ist, zu. Tut sich der Himmel auf, (Erni? Nein, Zusehen darf man eigentlich nicht, wie die zwei, Erni und Gottfried, sich begrüßen, obwohl einem dabei das Herz aufginge vor Mitfreude.
Hermine Schmidtchen hat wieder das Wort. „So viel Glück auf einmal? Mir graust vor der Gotter —"
Weiter kommt sie nicht, denn Jutta hält ihr den Mund zu: „Wir werden schon dafür sorgen, daß wir das Glück verdienen, wir Gräseleuter
Sehr stolz hat Jutta Plessen gesprochen..
Und nun ist es endlich so wett, daß Blitz-Johann sagen kann: „Die Suppe ist aufgetragen!


