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2S./26. MaNM

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

122 Zweites Blatt

Verteidigungsvorbereitungen in Paris

len von Aachen.

Bet Butiker am Bahnhof

rgonoe, Curlu,

nutzten. Ein ähnliches Verhältnis zeigte sich im Warenverkehr. Der Güteraustausch EupenAachen war etwa 25mal so groß wie der zwischen Eupen und Belgien. Diese wenigen Beispiele zeigen schon, welche enge Verflechtung das Versailler Diktat aus­einandertrennte.

Die Stadt Eupen ist der wirtschaftliche und gei­stige Mittelpunkt des ganzen Kreises. Hier laufen alle Fäden zusammen, hier erscheinen die Zeitungen, hier sind die höheren Schulen. Mit ihren 13 500

Einwohnern ist die Stadt bei weitem der größte Ort des ganzen Gebietes.

Eupens Blütezeit lag im 18. Jahrhundert. Es ist die gleiche Zeit, in der auch Aachen auf der Höhe seiner wirtschaftlichen und industriellen Bedeutung stand, als die Tuche aus beiden Städten in ganz Europa und weit nach Asien und Afrika hinein verkauft wurden. Die alten Eupener Geschäftsbücher berichten nicht nur von regen Handelsbeziehungen mit dem ganzen Deutschen Reich, mit den Nieder­landen, mit Polen, Rußland und Italien; selbst bis zur Levante und nach Indien wurden die Eupener Tuche versandt. 1764 arbeiteten in Eupen mehr als fünftausend Tuchmacher an 340 Web- stühlen. Außerdem wurden nach 10 Walkereien und 14 Färbereien betrieben.__________________________

densritter siegreich auslöschte, so wird das heroische Sterben des Weltkrieges in diesen Wochen des Auf­bruchs eines Weltvolkes zur siegreichen Auferstehung eines neuen Jahrtausends.

Bei der Einnahme der holländischen Hafenstadk Rotterdam mußten die deutschen Waffen ihre harte Sprache sprechen, nachdem der holländische Befehls- Haber fraglos in der sicheren Erwartung eng­lischer Hilfe die Stadt im letzten Augenblick trt Befestigung^ und Verteidigungszustand gesetzt und die Verhandlungen mit der deutschen Armeeführung hinausgezögert hatte. Unser Bild zeigt eine Barri- kadenstellung in einer Straße Rotterdams eine Stunde nach der Einnahme der Stadt.

(PK.-Wiedemann-Atlantic-M.)

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Stunde der Bewährung.

Ein Soldatenbrief.

Flensburg, 16.August 1914. '

Wer niemals den Ernst, den bitteren Ernst des Da­seins empfand, und wiederum nie in seinem Glück alles um sich vergaß und sich als den Menschen dünkte, der hat nimmer gelebt? Und das Bewußt­sein dieser Wahrheit läßt mich so froh sein über unsere Zeit, unsere große Zeit. Sie rüttelt alles auf aus ihrem verträumten Dasein und tritt for­dernd ins Haus und verlangt das Schönste. Keine Träne ändert den Lauf des Geschicks, kein Mutter­herz kann ihren Sohn zurückhalten, alles reißt sie mit sich fort und stellt den einzelnen unter das Gesetz des Staates, des alles Persönliche zurückhaltenden Gesamtwillens und der politischen Gerechtigkeit. Oder sollen wir zittern um unser Sein, wenn es ein höheres Sein gilt, das alles Individuelle enthält? Bringst Du es nur unter Seufzen und Tränen fertig, das Liebste, was Du hast, zu lassen?

Man sagt:Was soll nachher werden, wenn soviel tüchtige Leute unserem Lande, der Familie entzogen werden? Muß es da nicht notwendig zurückgehen?" Richtig: Wieviel Tüchtiges, wieviel gute, edle Ge­danken, wieviel Familienglück liegt tot unterm kühlen Rasen? Und doch was würde die Antwort auf unser Seufzen sein?Wir haben ja das Schönste im Leben erfahren; denn nicht starben wir für uns allein, für unser kleines enges Ich wir für Euch! Darum gilt jetzt: Ihr für uns! Was wir der Welt nicht fein konnten, weil wir ihr nicht dienen durften fernerhin mit unseren Gedanken, Werken und unserer Liebe, diese große Aufgabe haben wir in Eure Hände gelegt! Doppelt angestrengt müßt Ihr ar­beiten und alle Eure Kräfte zur Entfaltung bringen, wollt Ihr den Gegenwartswerten treu bleiben und das, was wir mit unserem Blute erkauft, erhalten." (Der Schreiber dieses Briefes, Karl Heinrich

Steffens, fiel am 6. April 1916 bei St. Eloi in Flanderns

unterscheidet er sich nicht sehr von seinen Berufs­genossen der deutschen Nachbargemeinden. Hier wie dort ist der Eifelboden karg und mehr geeignet zur Weidewirtschaft als zum Getreidebau. Hier in der Malmedyer Landschaft baut der Bauer sein Haus wie in den angrenzenden Gebieten der Eifel, die beim Reich blieben. Hinter einer haushohen Wmd- und Schneeschutzhecke aus Weißbuche errichtet er sein Gehöft. Einst kannte er nur den Fachwerkbau, das auf der Windseite fast bis zur Erde herunter­gezogene Dach mit Stroh gedeckt. Heute ist das schiefergedeckte Steinhaus immer mehr an die Stelle dieser ursprünglichen Form getreten. Wie aber die Eifelbauern heute wieder mehr zur ursprünglichen bodenverwurzelten Bauweise zurückkehren und die alten Formen, den neuzeitlichen Gesichtspunkten oct Wohnhygiene und Technik angepaßt, wieder auf­greifen, so wird sich auch vielleicht einmal der Mal­medyer Bauer durch dieses Beispiel anregen lassen.

Für die eindeutig deutsche Haltung der preußischen Wallonei gibt es kein eindringlicheres Zeugnis als den Blutzoll, den sie im letzten Kriege dem Reiche geleistet hat. Die Verluste der Gemeinde Malmedy überschritten den Reichsdurchschnitt, und von 1200 Malmedyern, die im Felde standen, wurden 80Q mit dem' Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

Schicksalsströme im Westen.

Von Josef Magnus Wehner.

Madame de Stael, die berühmte Schwätzerin, spottete einmal in einer Gesellschaft über die Ver- icilung der Erde: den Engländern sei das Wasser gegeben worden, den Franzosen die Erde, den deutschen aber die Luft. Das war zur Zeit Na- p oleons und Goethes, als es noch keine Flugzeuge ; ab. Der Spott der klugen Französin ist zur Pro­phezeiung geworden und zum Verhängnis für oie Zesitzer des Landes und des Wassers. Das Flug­zeug hat das strategische Denken in Räume ge- wungen, deren Größe vorher unvorstellbar war. Demträumenden" Deutschen mit seiner faustischen Phantasie blieb es vorbehalten, in Flugraumen zu senken und sich zuerst in jenen Räumen einzunch- len, deren Höhe und Weite die Herren des Wassers Lnd der Erde abschreckte und zu deren Bewältigung tlbensoviel Kühnheit wie Abstraktionsfähigkeit gehört

Der Großraum des modernen Schlachtfeldes reicht «i siebentausend Meter Hohe und pferlt fünfhundert ms tausend Kilometer in die Ferne hinein. Die Beherrschung dieses ungeheuren Kraftzentrums durch ^as Flugzeug zwingt den Operationen auf dem Boden ein höchstaktives Tettipo auf, das sich m den blitzartigen Vorstößen der Panzer und in Gewal - Märschen der Infanterie entlädt. Das Heer eilt liegend über den Boden, kaum sind Einschnitte in I en" Bewegungen festzustellen, hundert Einzelhand- mnqen wirken das Bild einer einzigen, einaktigen Schlacht, an der das ganze Volk fiebernd teilnimmt; ('S ist anqesteckt von dem Glauben, daß nun alles m einem Zuge, im Flugzeugtempo, zu Ende geht.

Wer stundenlang in großer Höhe im Flugzeug über die Länder fliegt, der weiß, was hier unter Abstraktionsfähigkeit verstanden ist. Das Land da drunten verliert sein Gesicht, Städte werden kleine Steinhaufen, Gebirge leise brodelnd? Steinseen, die Beschichte, ja die Erinnerung verlischt es ist wie i.or der Schöpfung. Nur eins behalt da unten im :ibstrakten Kartenraum sein Leben: die Strome und Flüsse: an sie klammert sich das Ichwm- lienbe Gedächtnis wie an funkelnde Taue, die ihn in die Gegenwart erinnern. Aehnlich ist es in die- »em Kriege. Wer auf seiner Landkarte mit oen

entstand.

Malmedy, die Stadt der preußischen Wal­lonen, hat früher eine besondere Stellung im Reiche eingenommen. Im äußersten Westen Deutsch­lands hat sie einst die Wache gehalten. Obwohl sie im wallonischen Sprachgebiet liegt, ist sie immer und bis auf den heutigen Tag gut deutsch gesinnt gewesen und sieht in Deutschland ihre wahre Hei- inat.

Malmedy ist Mittelpunkt eines wallonischen Ge­bietes, das etwa 10 000 Seelen umfaßt. Zu ihm gehören außer der Stadt noch fünf Landgemeinden. Mit großer Treue hängen diese Menschen an ihrer völkischen Eigenart. Das Wallonische ist weder Französisch noch ein französisches Platt. Es stellt eher eine selbständige romanische Sprache dar, die neben einer Reihe lateinischer und keltischer auch deutsche Lehnworte enthält. Wallonisch wird außer in der preußischen Wallonei auch in einigen Teilen Nordostfrankreichs und in der belgischen Wallonei gesprochen. Doch unterscheidet sich diese Art von der Malmedyer Mundart bedeutend. Fast jeder Mal­medyer spricht außer seinem Wallonisch auch Deutsch und Französisch, so daß man hier eine eigenartige Vielsprachigkeit antrifft, die den Fremden in Er­staunen setzt. .

Das Aeußere Malmedys ist ebenso wie in Eupen durch die Zeit der großen Kaufmannsfamilien be­stimmt worden, die eine rege Bautätigkeit entfal­teten und prächtige Patrizierhäuser errichten ließen. Die Stadt ist jahrhundertelang durch ihre Gerbe­reien berühmt gewesen. Das Wasser der Warchenne ist für die Lederbearbeitung besonders günstig, und so entwickelte sich hier ein Handwerk, das sich zu bedeutender Höhe emporarbeitete und rege Handels­beziehungen mit dem Reiche pflegte. Jährlich fuhren die Malmedyer Kaufmannszüge zur Ledermef nach Frankfurt. Ihr Weg führte den NamenLeder­straße". lieber alle wirtschaftlich schwierigen Zei­ten hat sich die Malmedyer Lederindustrie hallen können. Vor dem Kriege lieferte sie den größten Teil ihrer Erzeugung an die preußische Heeresver­waltung. Viele hundert Arbeiter fanden dabei Brot und Beschäftigung. Die Abschnürung vom Reich hat dieses Gewerbe dann fast vollständig zum Erliegen gebracht. Nur wenige Gerbereien arbeiten noch, die meisten sind ein Opfer der belgischen Annexion ge­worden ulld haben ihren Betrieb schließen müssen. Die zahlreichen zerfallenen Lederspeicher sind ein trauriges Wahrzeichen der wirtschaftlich schwer ge­troffenen Stadt. In den letzten Jahrzehnten hat sich in Malmedy eine angesehene Papierfabrikation ent­wickelt. ...

Aehnlich wie der Malmedyer lebt der wallonische Bauer des Malmedyer Ländchens. In feiner Akt

In der späteren Zeit hat die Eupener Tuchindu­strie ihre europäische Deutung nicht mehr in diesem Maße behaupten können. Sie blieb aber ein blühen­des Gewerbe, das erst durch die Abschnürung von Deutschland zum Erliegen gekommen ist. Das be­deutendste Eupener industrielle Unternehmen ist heute ein großes Kabel- und Gummiwerk. Daneben gibt es noch Spinnereien und einige kleinere Leder- und Filztuchfabriken, die ebenfalls unter der Un­gunst der Zeit leiden.

Als die Eupener Tuchindustrie im 18. Jahrhun­dert ihre Blütezeit erlebte, hat auch die Stadt ihr heutiges Gesicht erhalten. Zahlreiche Pntrizierbau- ten erstanden, die Tuchherren ließen sich prächtige Wohnhäuser und große Fabriken errichten. Das reichgewordene Bürgertum war bestrebt, seinem Ansehen und seiner wirtschaftlichen Bedeutung auch den entsprechenden Ausdruck zu geben und sich mit einer Pracht auszustatten, die bis dahin ein Vor­recht des Adels gewesen war. Die gleiche Entwick­lung spielte sich in Aachen ab. Auch hier findet der Kunstfreund heute noch eine große Zahl pracht­voller Barockbauten, die vom Reichtum und An­sehen der früheren Aachener Tuchmacherfamilien zeugen. Das gibt dem Aeußeren der beiden Orte manche Aehnlichkeit, obgleich Aachen sich zu einer Großstadt von mehr als 160 000 Einwohner ent­wickelt hat und Eupen ein bescheidenes Städtchen geblieben ist.

Die Volksart der Eupener hat sich urwüchsig und ungebrochen erhalten. Bräuche und Volkstrachten sind freilich fast ganz entschwunden, aber das Wesen der Menschen ist über den Wandel der Zeiten hin­weg unverändert geblieben und mit ihm die Mund­art.Moddersprok änn Moddersang lue fin et Leve lang", sagt ein Eupener Sprichwort, und es gilt heute noch so gut wie vor Jahrhunderten, als es

Noch einmal wird uns die Marne zum Verhäng­nis, im Juli 1918, als unser Angriff hier und in der Champagne scheiterte. Wir stießen damals auf kräftige amerikanische Divisionen, das Ende kün­digte sich an, der Gegner hatte durch deutsche Plau­dersucht von unseren Absichten erfahren, außerdem verstand er sich jetzt, unserem erstarrenden Angriffs­schema gegenüber, auf die Ausweichetechnik. Am 12. September durchbrachen amerikanische Korps an der Maas bei St. Mihiel unsere Stellungen, damit war nach der Lys, der Somme und der Marne auch der letzte vorspringende deutsche Bogen an den Strömen eingedrückt. Dafür sah d i e 21 i s n e im April 1917 einen der glänzendsten Deutschen Ab­wehrsiege. Als die Franzosen, anderthalb Millionen Mann stark, nach zehntägiger Artillerievorbereitung vorbrachen, während ihre Kavalleriekorps schon zum Ritt gegen die Maas, am Chemin des Dames vor­bei aufgesessen waren, verloren sie in kurzen Tagen über 61 000 Tote.

Schon stehen unsere Truppen teilweise wieder in der alten Siegfriedstellung des Jahres 1917, die von Arras über St. Quentin und La Fere bis nach Laon reichte. Denkt ihr noch, ihr alten Soldaten, an die Kathedrale von Peronne, an St. Radegonde, Hall, Maurepas, Guillemont, Combles, Curlu, Maricourt? An die strohgedeckten Häuschen und die urweltlichen Schilfgebiete der Somme, in denen nachts unbekannte Vögel schrien, vom Schall der Granaten aufgeweckt? Dort blüht und grünt jetzt alles, und unvergleichlich schneller als vor einem Vierteljahrhundert schreitet der Krieg über die Flur.

Auch die Ströme sind längst kein Hindernis mehr; sie haben die Kraft des Verhängnisses verloren, da ein geeintes Volk das Schicksal in seiner eigenen Brust trägt. Das Tempo der Schlacht ist von Flug­stunden auf Flugminuten herabgedrückt. Und wenn manchem von uns jetzt weh ums Herz werden will, wenn die alten Namen wie Friedhofschilder vor ihm auftauchen: die Welt hat sich verwandelt, und wie das Tannenberg von 1914 das Tannenberg der Or-

Truppen vorgeht, sucht zuerst die Flüsse. Diel zu rasch fallen die Städte, Landschaften und Ge­birge laufen dem Heer gleichsam unter den Füßen ort, aber die Flüsse sind die ruhenden Taue, an denen sich die fliehende Front wenigstens für Stun­den festhält und die auch uns gestatten, uns zu er­innern. ,

Das Schicksal des Weltkrieges, der schon einmal über die westlichen Ströme ging, wird uns noch einmal lebendig, indem es sich umprägt. Alte Namen verwandeln ihren Klang, werden Heller, sieghafter, stürmischer wie die Motive eines lang verklungenen ersten Satzes, die im Finale presüssimo, wieder­kehren. Ja, der Weltkrieg war der e r st e A k t dieses ungeheuren Völkerdramas, m dessen letz- t e m Akt, der Auferstehung, wir uns nun befinden.

Da ist der schlangengleiche Strom der Müas, der in wilden Windungen von der Maginotlinie heraufkommt und im rechtwinkligen Knick bei Na­mur sich ostwärts wendet. Ihm folgte schon 1914 der Vormarsch der Hauptmasse unseres Heeres: erste und zweite Armee nördlich der Maas über BrüsselNamur, dritte bis fünfte Armee gegen die Maaslinie Namur bis nördlich Verdun mit dem Drehpunkt bei Diedenhofen. Damals fiel Lüttich erst nach zehntägigem Kampf, erst am 18. August trat die Hauptmasse des deutschen Heeres aus der Rheinprovinz her den Vormarsch an. Dinant, Gwet, Verdun, Namur, Mons Namen von taktischem Glanz, aber ohne strategische Entscheidung, offen­barten schon das Fehlen einer starken obersten Lei­tung Le Cateau am 26. August sah den Sieg über die Engländer, doch hatte die Oberste Heeresleitung, durch verfrühte und übertriebene Siegesmeldungen verwirrt, schon den verhängnisvollen Entschluß ge= faßt, zwei b£t Namur frei gewordene Korps nach dem deutschen Osten zu senden.

Peronne und St. Quentin, das Sommegebiet also, tauchen zum ersten Male am 29. und 30. August auf, die Armeen schwenken nach Süden gegen die Oise in Richtung Compiegne. Hier in der Sudrich- tung traf sie der französische Gegenstoß von nörd­lich der Marne her, der am 6. September d t e Marneschlacht eröffnete und das Schicksal des Krieges entschied mitten aus dem französischen Rückzug heraus. m e .

Schicksalsströme! Keiner der alten Weltknegs- tämpfer wird sie vergessen, die blutgetränkten Na­

men an den Flüssen. Chateau Thierry, Meaux, Chalons an der Marne; Compiegne, Soissons, Reims, Argonnen im Gebiet der Oise, Verdun mit den zahlreichen Friedhöfen an der Maas und gar die ldyllischen Namen der kleinen Dörfer und Städte an der Somme, die nun erneut in unser Blickfeld treten.

Die Mitteilung der Besetzung von Amiens und Arras hatte in Paris niederschmetternde Wirkung. Wieder wird man in den Straßen von Paris Derteiüigungseinrichtungen sehen, wie diese von Sand­lackbarrikaden umgebene Flakstellung vor dem Jnvaliden-Dorn, die zu Beginn des Krieges bereits errichtet wurde. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Eupen-Malmedys Heimkehr ins Reich.

Die Kreise Eupen, Malmedy und St. Vith sind i ficht nur politisch tausend Jahre lang deutsches ! Land gewesen, sie waren es auch in ihrer Kultur. : Die Fäden ihrer geistigen, ihrer künstlerischen und Wirtschaftlichen Beziehungen liefen hauptsächlich nach lern Osten. Man erkennt schon am Bild der Land­schaft, wie eng die Beziehungen des Eupener Krei- ?s zum angrenzenden reichsdeutschen Gebiet sein nässen. Fast unmerklich geht das Aachener Land in ie wellige Wiesenlandschaft von Hauset, Raeren nd Walhorn über. Man sieht, daß die alte deutsche Stadt Aachen und ihr Vorland um die Stadt Lupen eine organische Einheit gebildet haben. Das and seinen geschichtlichen Ausdruck in der Aackener Gerichtsbarkeit, in den Besitzungen des Aachener Rünsterstiftes, das zeigte sich in der engen wirt­schaftlichen Verflechtung.

Die Dörfer des Eupener Kreises waren bis zur Annexion des Gebietes durch Belgien die Lieseran- len der landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Aachen be- §og Butter und Milch, Käse und Obst von diesen iroßen Bauernwirtschaften, die das ganze Land -wischen der Stadt und Eupen bedecken. Inmitten !er weiten Viehweiden und Obstwiesen liegen Hun- lerte von großen und oft prächtig gebauten Bauern- höfen. Manche von ihnen sehen einer Burg ähn­licher als einem einfachen Hof, und wirklich haben liefe Bauern des Eupener Landes immer in guten wirtschaftlichen Verhältnissen gelebt. Aachen war hnen als Verbraucher ihrer Erzeugnisse sicher. Erst He Grenzziehung des Versailler Diktates schus für |ie eine Lage, Die sie in schwerste Bedrängnis brachte. Mit einem Male waren sie von der nahen Stadt abgeschnitten, sie verloren ihre Abnehmer, tnd es war ihnen nicht möglich, die Erzeugnisse ihrer Arbeit auf belgischen Märkten zu verkaufen. ! Nicht nur die Bguern des Eupener Landes leb- !en von Aachen. Tausende junger Männer zogen vor dem Kriege täglich in die nahe Großstadt und □nöen dort ihre Arbeit. Eine amtliche Denkschrift lus dem Jahre 1920 gibt an, daß 3000 Arbeiter Lus dem Kreise Eupen im Reich Beschäftigung iantien. Durch die Grenzziehung wurden sie zum c roßen Teil brotlos.

Der Verkehr ist stets ein Gradmesser der Verbun­denheit zweier Gebiete. Die Eupener haben vor lern Kriege nur wenig Verlangen gezeigt, sich in l-as benachbarte! Belgien zu begeben. Im Jahre 11913 beförderten die Aachener Straßenbahnen im Kreise Eupen 1 123 029 Personen, während nur 6.0 785 Personen die nahen belgischen Linien be°

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