form willen
neue wird gem
eine neue, bessere Ordnung, eine soziale Gerechtigkeit, und endlich einen dauerhaften Frieden!
und sind uns aus fche
ewige Mahnung.
In dem Bewußtsein, sich jederzeit seines großen Opfers erwiesen zu haben, senken wir auch an diesem 23. Februar wieder die Standarten und Fahnen am Grabstein auf dem Nicolai-Friedhof ziu Berlin. Und wieder werden, wie alljährlich, Kränze und Blumen den Hügel schmücken, und ein Volk wird sich zu seinem Helden bekennen wie zu allen Opfern, die die deutsche Geschichte bis zum heutigen Taae von ihm gefordert bat
All diese Opfer ehren wir in Horst Wessel, die Toten der Kriege und die Toten der Bewegung erfüllen ihr Vermächtnis und erneuern den Schwur, den sie gehalten haben im Leben und im Sterben.
Gemäß alter Anschauung ist mit dem 65. Lebensjahr jener Zeitpunkt erreicht, da sich der Mensch nach einem arbeitsreichen Dasein zur wohlverdienten Ruhe setzen kann. In Behörden pflegt man manchmal vom „pensionsreifen Alter" zu sprechen. Aber Konstantin Hierl, der seiner Natur nach immer ein soldatischer Führer war, hat die „Behörde" nie als eine erstrebenswerte Organisations-
Feinde. Und so, wie aus dem inneren Sieg eine Ordnung und soziale Gerechtigkeit wurde, so der äußere Sieg Europa und der Welt brin-
Konstantin Hierl.
Zn seinem 65. Geburtstag am 24. Februar.
Generaloberst von Brauchitfch in Krakau.
Krakau, 23. Febr. (DNB.) Nach mehrtägigen Truppenbesichügungen im Osten -des Generalgouvernements traf der Oberbefetstshaiber des Heeres, Generaloberst von Brauchitsch, in Krakau ein. Aus dem großen Exerzierplatz Blonra begrüßte er besonders die alten Soldaten, sprach über die zu erfüllenden Aufgaben und gab dem Willen der Soldaten Ausdruck, unter Einsatz aller Kräfte den uns von England ausgezwungenen Kampf bis zum siegreichen Ende durchzuführen. Dann wohnte er dem Dienst mehrerer in Krakau stehender Truppenteile bei. An den Gräbern der in Krakau ruhenden deutschen Soldaten legte er einen Kranz nieder. Dann fuhr er zur Burg, wo ihn der Generalgouverneur Reichsminister Dr. Frank begrüßte. Abends fand ein Beisammensein mit den Offizieren der Krakauer Dienststellen und Truppenteile statt, an dem auch der GeneralgouVerneur Reichsminister Dr. Frank teilnahm. Generaloberst von Brauchitsch sagte in einer Ansprache, er verstehe das Drängen jedes Soldaten, an die Front zu kommen. Ohne ein Offiziers-
Unb immer, wenn sich am 23. Februar bie Standarten und Fahnen am Grabe Horst Wessels zu Ehren aller Toten der Bewegung senkten, dann erneuerten wir den Schwur, das Vermächtnis unseres Sturmführers weiterzutragen, fein Erbe getreu feinem Vorbilde zu erfüllen und zu jeder Stunde auch die letzte Kraft einzufetzen für das Leben und den Sieg unseres Volkes.
So haben erst Hunderttausende, dann Millionen diesen Schwur nachgesprochen und heute steht er als stumme Mahnung im Herzen von 90 Millionen. Das Opfer Horst Wessels hat damit feinen tiefsten Sinn erhalten. Aus ihm sind die Kräfte gekommen, die uns schließlich die Macht erringen, die uns die innere Freiheit erkämpfen ließen, und die uns heute auch die äußere Freiheit in diesem Schicksalskampf gewinnen lassen werden.
Damit zugleich ist der Tod Horst Wessels für uns Männer mehr als ein Symbol geworden. Ebenso wie die Kameraden von der Feldhermhalle im letzten Einsatz das Leben gaben für ein besseres Morgen, und heute für uns die „Ewige Wache" sind, ist das Opfer Horst Wessels immer im Herzen lebendig geblieben, und immer dann, wenn harte
* große Entscheidungen unserer harrten, dann wir ihm am nächsten. Dann erinnerten wir am spürbarsten seines Todes und holten darneue Kraft. Wir wollten gleich ihm nur deut- Kämpfer fein, wollten gleich ihm nur eins: Die Freiheit und die Ehre unseres Volkes.
In dieser Erkenntnis hat nun in unserer Zeit des Krieges und des deutschen Kampfes um-die äußere Sicherheit der größte Teil der SA.-Männer das Braunhemd ausgezogen und ist zu den Fahnen der Wehrmacht geeilt. So wurde aus dem politischen Soldaten der Kämpfer der Front. Gleich geblieben aber ist der Geist dieser Männer.
Zehn Jahre sind nach dem Tode Horst Wesiels vergangen. In dieser Zeitspanne ist die Saat aufgegangen und ein Mannestum herangewachsen, in dem sich die besten Tugenden der Deutschen vereinen, in dem sich Disziplin und Ordnung, Zucht und Einsatzbereitschaft paaren.
Horst Wessel ging einst unseren Männern voran in den Straßenkämpfen und Saalschlachten. Er steht auch heute vor jedem Kämpfer. Sein Vorbild ist Verpflichtung, und fein Geist
Es hätte vielleicht die Frage auftauchen können, ob nicht der Zweck des Spatens, die Aufbauarbeit, und der Zweck des Gewehres, die Zerstörung, sich gegenseitig widersprächen und so das Erziehungsziel des Reichsarbeitsdienstes gefährdet würde. Aber bie nationalsozialistische Iugenb hatte bereits gelernt, baß Krieg unb Frieben nur zwei verschiedene Formen der Politik, daß Wehrdienst und Arbeitsdienst nur zwei verschiedene Mittel zum Zweck sind, daß beide nur einen einzigen Sinn haben: das Leben des Volkes zu erhalten, zu sichern und zu erhöhen. ,
Es ist klar: ohne d-en Einsatz des Reichsarbeitsdienstes wäre manche wichtige Verteidigungsmaßnahme — seien es die Befestigungen im Westen, fei es der Bau von Brücken und Straßen im Osten — wohl nicht so schnell vollendet worden. Es ist weiter klar, daß dieser wehrpolittsche Einsatz nicht gelungen wäre, wenn an der Spitze des Reichsarbeitsdienstes ein Zivilist gestanden hätte. Kon- ftantin Hierl aber ist Soldat seinem Wesen und seiner Herkunft nach. Der aus der nationalsozialistischen Bewegung hervordegangene Arbeitsdienst trug darum von vornherein ein soldatisches Gepräge. Als ehemaliger Generalstabsoffizier konnte Hierl mit zielsicherer Hand seine Formationen in ein Instrument der Reichsverteidigung verwandeln, ohne deshalb den Charakter des Arbeitsdienstes als nationalsozialistische Erziehungsschule ändern zu müssen.
So vereinigte sich die soldatische Vergangenheit und Erfahrung Hierls mit seinem großen politischen Erziehungswerk zu einer Gegenwartsaufgabe von höchstem Rang, die im jetzigen Schicksalskampf unseres Volkes ihre Erfüllung findet. Und diese Tatsache vor allem macht den 65. Geburtstag des Reichsarbeitsführers zu einem Gedenktag besonderer Art. Er bedeutet nicht einen Abschluß, sondern den Höhepunkt einer Lebensbahn, die immer von zwingender Folgerichtigkeit gewesen ist und in steiler Kurve an die Seite des Mannes geführt hat, der heute Deutschlands Führer ist. Ihm, dem Mitarbeiter und treuen Gefolgsmann Adolf Hitlers, hat das deutsche Volk Jahr für Jahr feine Söhne anvertraut Ihm dankt es nun, daß er aus dem jungen Nachwuchs eine Generation von ehrbewußten, arbeitsfreudigen, wehrbereiten, nationalsozialisttfch handelnden Männern gemacht hat.
So werden auch wir ihn halten im Glauben an den Führer, überzeugt von der Gerechtigkeit unserer Sache und in der Gewißheit, daß so, wie die SA. zum Sieger wurde über alle Gegner, trotz Terror unb Tob, Deutschlanb siegen.wirb über alle
ulk mal unmöglich machen. Deshalb fuchten sie sich einige Verbrecher, deren Kugeln dann unseren Horst Wessel mordeten, und glaubten nun, der Idee und ihren Trägern den Todesstoß versetzt zu Haben.
Sie irrten sich, irrten sich genau so wie die Reaktion im Jahre 1923, die geglaubt hatte, am 9. November den Platz an der Feldhermhalle in München zum Platz des Todes für die junge Bewegung machen zu können. Aus beiden Taten wurde nicht der Tod, sondern das Leben. Erst recht, nun erst recht standen zehn für einen, ergriffen die Fahnen, trugen sie durch alle Straßen, durch ganz Deutschland, auf den Lippen fein Lied, das er ihnen gedichtet und vorgesungen hatte, und er selbst unb alle gefallenen Kameraden marschierten und fangen im Geiste mit.
In diesem Geist ist bie SA. weitermarschiert, haben bie Männer freubig ihren Dienst getan, gearbeitet und gekämpft. Nur so, mit diesem Vorbild vor Augen, konnten sie das Werk ihres jungen Sturmführers fortführen unb konnten schließlich die Standarte „Horst Wessel" siegreich durch das Brandenburger Tor tragen, vorbei an ihrem Führer, dem sie all' ihr Tun und ihr Leben geweiht hatten.
Diesen Geist, ben damals Horst Wessel trug, trug die SA., weiter in Millionen Herzen, und trägt heute das ganze deutsche Volk. Das ist das Werk unseres großen Toten, daß er in uns die Flamme zur Entzünbung brachte, die allein zum letzten Einsatz befähigte und schließlich Kraftspender wurde in diesen zehn Jahren inneren Aufstiegs und äußeren Befreiungskampfes.
kovps, in dem sich ein gesunder Kämpfergeist, ein Wille, bei der Entscheidung dabei zu sein, rege, wäre es um Uns schlecht bestellt. „Das ist feit jeher unsere Stärke gewesen, daß wir handeln, daß wir arttro in das Geschehen eingreifen, nicht aber passiv verharren." Mit einem Blick auf die Kriegslage unterstrich er die Stärke der deutschen Kampfkraft, die noch dadurch wachse, daß wir nur an einer Front und dazu noch aus dem starken Westwall heraus zu kämpfen hatten. Wir müßten immer den F ü h r e r als den ersten und tapfersten Soldaten des deutschen Boltes vor Augen haben. Unter feiner Führung sei Deutschland der Sieg sicher.
Vom finnischen Kriegsschauplatz.
Helsinki, 22. Febr. (DNB.) Durch den Rückzug der Finnen auf eine weiter nördlich gelegene Verteidigungslinie ist die gesamte Front auf der karelischen Landenge in lebhafte B e - wegung gekommen. Die russischen Truppen stehen nunmehr vor den neuen finnischen Stellungen, über deren Lage finnischerseits noch nichts mit« geteilt wurde. Die letzten russischen Luftangriffe waren äußerst lebhaft und wurden von starken Geschwadern durchgeführt. In unmittelbarer Nähe von Helsinki kam es zu Luftkämpfen zwischen finnischen Jagern und russischen Bombern. Russische Jäger griffen finnische Flakstellungen im Tiefflug an. In Grankulla, 20 Kilometer von Helsinki, würben in einer Einflugzone entlang der Bahnlinie nicht weniger als 14 0 russische Maschinen gesichtet. 30 Plätze sollen angegriffen worden fein. — Nach dem Heeresbericht des Militärbezirkes Leningrad hätten die Sowjettruppen an der Front einschließlich der Gegend von Koivisto insgesamt 176 befestigte finnische Stützpunkte oesetzt, unter denen 37 betonierte Artillerieforts gewesen seien.
Die sowjetrussischen Luftstreitkräfte sollen 16 finnische Flugzeuge abgeschossen haben. — Der f n- nische Heeresbericht berichtet von vergeblichen russi- chen Angriffen an mehreren Stellen zwischen dem Finnischen Meerbusen und Muolaan-Järvi sowie bei Taipale. In Richtung auf Kuhmo sei es gelungen, den Vormarsch russischer Hilfstruppen über die Grenze zu verhindem.
Oer schweizerische Bundesrat wieder vollzählig.
Bern, 22. Febr. (Europapreß.) Die Vereinigte Bundesversammlung (Ständerat unb Nationalrat) wählte zur Besetzung bes burch den Tob von Bun- besrat Motta frei geworbenen Bunbesratspostens ben Tessiner Katholisch-Konservativen Enrico Cello. Auf ben Kanbibaten ber Tessiner Sozialisten, Canevascini, entfielen 50 unb auf ben Walliser Konservativen Troillet 41 Stimmen. Mit der Wahl Celios ist sowohl ber Parteianspruch ber Katholisch-Konservativen als auch ber regionale Anspruch ber Sübschweiz, aus bem auch Bunbesrat Motta stammte, erfüllt worben. Enrico Celio steht im Alter von 51 Jahren. Er hat seine Stubien mit bem Doktor ber Philosophie unb mit bem Lizentiat ber Rechte abgeschlossen. Er beherrscht neben seiner italienischen Muttersprache in Wort unb Schrift bte deutsche unb bie französische Sprache. Währenb zehn Jahren gehörte er ber Tessiner Kantonsregierung unb wieberholt auch bem Nationalrat an. Er hat sich bisher mehr in ber heimatlichen kantonalen als in ber eibgenössischen Politik hervorgetan. Die Rücksicht auf ben Kanton Tessin bürste bei seiner Wahl ben Ausschlag gegeben haben. Das Schweizer Außen- bepartement wirb voraussichtlich Bundespräsident P i l e t - G o l a z übernehmen, welches Departement ber neue Bunbesrat übernehmen wirb, steht noch nicht fest.
Kleine politische Nachrichten.
Genera lfeldmarschakl Göring hat als Beauftragter für den Vierjahresplan und Vorsitzender des Ministerrates für die Reichsverteidigung den Korpsführer des NSKK., Reichsleiter Hühnlein, zu seinem Beauftragten für den motorisierten Transport der Kriegswirtschaft ernannt, um alle im motorisierten Transpottwesen der Kriegswirtschaft verfügbaren Kräfte straff zusammenzufassen und ihre Einsatzfähigkeit zu erhöhen. *
Auf dem Bergfriedhof von Sogndal wurde Ernst Meier, das siebente Todesopfer des englischen Uebersalles auf die „Altmark" an der Seite feiner Kameraden beigesetzt. Die norwegische Marine stellte eine Ehrenkompanie eines im Jössing-Fjord liegenden Minenkreuzers. Der norwegische Geistliche widmete dem toten Seemann in deutscher Sprache einen herzlichen Nachruf. Der deutsche Konsul in Stavanger dankte dem Toten für fein Opfer.
Die englischen Dorpostenboote „Tartan" und „Star n bank" sind durch deutsche Flugzeuge versenkt worden. Der norwegische Postdampfer „Ala" (933 Bruttoregistertonnen) ist an der britischen Küste gesunken.
Der amerikanische Dampfer „M a n h a 11 a n", der jetzt von seiner Jtaüenfahrt wieder in Amerika eingetroffen ist, berichtet, daß er auch auf seiner Rückreise von Genua neun Stunden in Gibraltar fest gehalten worden sei. Der schon gemeldete Zwangsaufenthalt dieses Schiffes auf der Hinfahrt habe 27 Stunden betragen. Dabei hätten die Engländer 559 Po st sacke von Bord g e» holt.
Sven Hedin bittet um folgende Mitteilung an seine zahlreichen Freunde in Deutschland: ,Lu meinem 75. Geburtstag sind mir aus Deutschland in Briefen und Telegrammen so viele herzliche Glückwünsche zugegangen, daß es mir unmöglich ist, jedem einzelnen persönlich zu danken. Es bleibt mir deshalb nichts anderes übrig, als mich an die Presse zu wenden, um meiner tiefen und bewegten' Dankbarkeit Ausdruck zu geben für alle bie unzähligen Beweise von treuer Freundschaft und Anhänglichkeit, die mir aus allen Teilen des deutschen Dob : kes zu geschickt worden sind."
*
Am Freitag wird in Lhasa der neue Dal al . Lama als vierzehnte Verkörperung des Buddha
für feinen vorwärtsdrängenden Lelstungs- ______ betrachtet. Wer jemals in dem mächtigen Gebäudekomplex weilte, der in Berlln-Grunewald die unzähligen Büros der Reichsleitung des RAD. beherbergt, wird kein einziges Mal das Wiehern des Amtsschimmels gehört haben. Hier ist nicht der paragraphengewaltige Bürokrat, sondern, die Persönlichkeit das Maß aller Singe.
Darum ist es auch nicht die landläufige Gewohnheit, die uns des Reichsarbeitsführers an seinem 65. Geburtstag gedenken läßt, sondern es ist etwas anderes. Konstantin Hierl begeht diesen Tag mitten im Kriege. Das heißt aber, daß auch seine Schöpfung, der Arbeitsdienst, in diesem Augenblick einer besonderen Bewährungsprobe unterliegt.
„Tiro" unO „Haro".
Äon Dr. Ludwig JRott?.
In grauer Vorzeit erhoben unsere Vorfahren in Fällen „gemeiner Not" unb bei ber Verfolgung bas „Gerüft". Der lanbschaftlich sehr verschiebene Ruf war in erster Linie auf Erzeugung eines weithin fchallenben Tones berechnet, daher wurden besonders Verbindungen mit „io" gewählt, so „Feurio", „Mordio" und „Feindio"! Der Ruf „Haro" wird von einigen Forschern aus dem Normannischen hergeleitet. Das germanische „Gerüst" soll „Hus-Haro, Haro" gelautet haben, wobei „Haro" bedeuten soll „her zu mir", „herbei", „hierher". Auf diesen Ruf erschienen die Nachbarn und alle, die den Ruf gehört hatten, und folgten als „Schreimannen" bem Verbrecher, bis sie seiner habhaft würben. Der von ben Schreimannen ergriffene Verbrecher würbe, wenn man ihn nicht als „frieblofen Mann" sofort tötete, nebst ben körperlichen Beweisen sofort gebunben vor Gericht geführt und auf Klage unb eibliche Aussage bes Verletzten und einer genügenben Anzahl von „Schreimannen" als Eibeshelfer, sofort verurteilt.
Wenn heute bas „Haro" ertönt, bann pflegt ein kurzer Knall halb barauf zu verkünben, baß ber arme „Lampe" sein Enbe gefunben hat, wenn nicht seine Gewandtheit ihn noch im letzten Augenblick vor ben Verfolgern gerettet hat. Wie Lampe feit grauer Vorzeit verfolgt wirb, hat niemanb treffenber geschilbert als Altmeister Wildungen:
„Menschen, Hunde, Wölfe, Luchse, Katzen, Marder, Wiesel, Füchse, Abler, Uhu, Raben, Krähen, geben Habicht, ben wir sehen, Elstern ja nicht zu vergessen. Alles, alles will ihn — fressen."
In der ältesten Zeit ist Lampe gehetzt worden. Jäger zu Fuß und zu Pferd zogen über das Stoppelfeld, um ihn aufzusuchen. Stand ein Hase aus dem Lager auf, so wurden auf den Wink des Jagdleiters die Windhunde gelöst, die ihn nach dem Spruch: „Diele Hunde sind des Hafen Tod" meist ereilten. Auch in den Netzen wurde Lampe gefangen. Ein Feld- ober Waldesteil wurde mit fänglich gestellten Fangnetzen umstellt, und zwar von drei Seiten; von der vierten Seite gingen Treiber mit Hunden derart vor, daß sie das Wild nach den Netzen hindrängten. Das Wild jagte gegen die Netze, in die es sich so
verwickelte, daß die Netze über ihm zusammenfielen. Das Wild wurde bann von ben Jägern „abgefangen", eine gottlob heute nicht mehr weibmännische Jagbart.
Von bem Erlegen bes Hasen mit ber Armbrust ist kein Nachweis bekannt; im 16. Jahrhunbert ver- brängte bie Büchse bie Armbrust. Um 1517 würbe in Nürnberg bas „Radschloß" erfunben, welches bie Lunte überflüssig machte, bie neuen Gewehre würben als „rielselbstzünbende Büchsen" ober „Pirschrohre" bezeichnet. Der Magister Johannes Colerus, ein geistlicher Herr, rät in feinem „viginti libri de rustica et de re venatoria“ ums Jahr 1632 bem Jäger, er sollte, wenn er einen Hasen im Lager fitzen sähe, einen Stab in bie Erbe stecken unb barauf feinen Hut setzen. Lampe schaut dann unterwegs auf dieses „Geßler-Zeichen", und der Jäger hat Zeit, ihn zu „erschießen". Bei Fleming, dem „vollkommenen deutschen Jäger", finden wir um 1719 den Rat, den Hasen mit Netzen zu umstellen und ihn in bie Maschen zujagen; er sagt aber selbst, daß sie mit dem „Netz-Jagen" gar zu sehr „vertilgt" würden und rät zu' „Klopf-Jagen", d. h. zur Treibjagd mit Schrotschuß, ober bazu, sie auf flachen Felbern mit den Windhunden zu Hetzen, mit bem Habicht zu beizen ober in Gruben unb Schlingen zu fangen. Durch bie Einführung ber leichteren Gewehre, überhaupt burch bie fortschreitenbe Verbesserung ber Schußwaffen, kam bas Fangen unb Hetzen ber Hasen allmählich ganz ab; ber Schrotschuß auf Suche, Ansitz unb Treibjagd würbe üblich.
Gräßlich waren bie großen Treibjagben, die „Hasenschlächtereien". Geschrei der Treiber, lärmende Schützen, die geängstigten Tiere, die sich in verkleinerten Kesseln zusammendrängen. Dort schleppt sich ein Hase mit durchschossenem Rücken auf den Vorderläufen unter Angst und Schmerzen vorwärts, dort sind einem die Vorderläufe weggeschossen, er hoppelt auf den Hinterläufen — ein grauenhaftes Bild. Wie ganz anders, nach Blitz und Knall ein schmerzloses Ende.
Der bei ber Jagb auf bie Herbstschnepfe oft zu hörenbe Ruf „Tiro" hat mit ber Ableitung bes Rufes „Haro" nichts zu tun. Es handelt sich um bas französische „tirez haut“ — schießt hoch, „in bie Höhe". Die Rebhühner würben im „Treibzeug": „Tyraß", Steck- unb Hochgarn, mit unb ohne Habicht, gefangen; baneben trat nach Einführung leichterer Feuerwaffen das Schießen, bas heute allgemein üblich ist.
Der Gchmeiterlingsiag.
Von August Schierenberg.
Ich muß noch sehr klein gewesen sein, denn nicht nur ich, sondern auch mein um einige Jahre älterer Bruder trugen an jenem Tage rosa Kittelschürzen. Es war Sommer und wir gingen über die Wiesen unseres Gartens zu jenem weitausladenden Apfelbaum, dessen kleine, süßsaftige Früchte uns Kindern vorbehalten waren. Ja, dieser schöne Baum gehörte uns samt seinen ungezählten rotwangigen Aepfelchen, die — wenigstens in meiner Erinnerung — den ganzen Sommer daran hingen. In späteren Jahren, als wir begannen, bie Aepfelchen zu verschmähen, ließ meine Mutter bie Kleinen der Kinderschule kommen, die zogen bann plärrend an einem Seil angefaßt durch das Städtchen und dann durch unseren Garten, riefen wenn sie der Spenderin ansichtig wurden, im Chor ihr „Grüß Gott" und dann stürzten sie sich wimmelnd und durcheinanderpurzelnd über die herab- prasselnden Früchte, die wir ihnen hinunterschüt- telten.
Damals aber war ich selber noch im Kleinkinderalter und marschierte an einem unsichtbaren Seil hinter meinem Bruder her. So war ich auf jene Wiese gekommen und stand unschlüssig sttll. Vielleicht wollte ich gar nicht zu jenem Apfelbaum, sondern zu dem „Schlupp"-Birnbaum. Das ist nun keine besondere Art von Birnen, wie etwa die „Stuttgarter Geißhirtle" (sprich Schtuagerter Geißle") — nein, vielmehr befand sich unter jenem hohen Birnbaum bas Grabmal eines Hundes Schlupp, der meinen Vater auf vielen Jagden begleitet hatte. Später war er alt geworden und jagte Spatzen und schließlich ging er nur noch unter bem Weihnachtsbaum auf Traumjagden aus — und bann sank er ins Grab und ruhte nun, für mich nur eine Sage, unter bem kleinen Sockel aus Sanbstein mit bem Marmortäfelchen, bas seinen Namen trug. Dieser Name nun hatte sich auf bie Birnen übertragen, frühe, gelbe Früchte, bie uns und unzählige Wespen als erste Boten bes Herbstes erfreuten. Manchmal wunderte ich mich, baß sie nicht nccf) Hund schmeckten, da sie doch so ohne weiteres den Gebeinen bes guten Hundes entwuchsen.
Auf iensx Wirk jo fällt mir jetzt e«k siagdm
überhaupt die wunderbarsten Bäume beieinander, auch noch ein Rosenapfelbaum, unter dem mir in einem Trau,m meiner Männerjahre einmal Goethe erschien. Von diesem Traum will es mir ein kleiner Schritt erscheinen zu dem, was mir in jenen frühen Tagen tatsächlich geschah.
Auf jener Wiese also geschah es, baß mir ein Schmetterling auf meine rosa Schürze flog unb dort, wie auf einer Blüte sitzend, mit ben Flügeln spielte. Zu meinem Entzücken blieb er sitzen unb spielte also mit seinen Flügeln fort unb fort. Ich wagte nicht, mich zu bewegen unb meine Augen hingen an dem wunderbaren Geschöpf, das ein unbegreiflich glücklicher Hauch des Windes — oder war es gar ein Zua feines sommertrunkenen Herzens? — zu mir geführt hatte.
Später lernte ich, daß man diesen Falter ein Tagpfauenauge nenne. Damals aber hing ich — unwissend, aber vieles ahnend — nur mit kindlichen Augen an diesem Wunder der Zutraulichkeit.
Später geschah mir auch nichts mehr ähnliches wie an jenem Tage in dem Garten meiner Kindheit, der mir dann so oft im Schatten lag, anders als an jenem frühen Tage, der sehr sonnig gewesen sein muß.
Es kann fein, daß ber Schmetterling noch einmal kam — am nächsten Tag und an der gleichen Stelle. Aber es kann sein, daß ich bas geträumt habe — das tat ich schon bamals gerne — denn ich sage mir heute, daß es ganz und gar unglaublich ist, daß ein Schmetterling an zwei aufeinanderfolgenden Tagen sich bie bunte Schürze eines Kinbes aus sucht, um sich darauf ruhig nie- berzulassen. Ich zweifle, obwohl ich mich zu erinnern glaube, baß es so war. Aber bie Erinnerung kommt aus jener Tiefe, in der Träume unb erste Eindrücke der wahren Welt nebeneinander liegen in ungestörter, lebendiger Einheit.
Und das ist .bas beseligende Schöne an jenem leichten Erlebnis: Daß Sommer und Sonne, Welt unb Traum, Tier unb Mensch mir darin Eins scheinen unb daß mich wunderbar noch heute das Gefühl rührt, bas mich bamals erregte: das Staunen, bas mich fülle stehen hieß — bas Staunen vor bem Schonen —, das Staunen, bas ben Anfang aller Liebe ausmacht.
Warum ich gerade heute, an einem kalten Wintertage, daran denken mußte? Vielleicht nur, weil mein Kind heute eine rofa Schürze trägt, wie ich damals an jenem Schmetterlingstag.
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