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§reitag.22 November 1940

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen)

§ Aus der Stadt Gießen

Ein bißchen guter Wille.

£5 gibt Dinge, die man gar zu leicht nimmt.

reicht.

Oie Löffelspende.

Umtauschen, wenn ein Umtausch in Reise- und \Haststättenmarken notwendig ist.____________

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)>er Reichsernährungsminister hat entschieden: veit ein Umtausch des Einzelabschnitts über tterschmalz in Reise- und Gaststättenmarken not» rdig ist, haben die Ernährungsämter dafür Reise- Gaststättenmarken für Margarine auszugeben, i zwar ax\ Stelle von 100 Gramm Butterschmalz Gramm Margarine. Mengen unter 5 Gramm 1 abzurunden, z. B. für 50 Gramm Butter- aalz 60 statt 62,5 Gramm Margarine zu geben, sprechend sind 125 Quark in 60 Gramm Käse

Im Vorprogramm sieht man die neue Wochen­schau und, auf .der Bühne, eine kleine italienische Artistentruppe in einem vorzüglich durchgearbeiteten, sehr schwierigen Perche-Akt. Hans Thyriot.

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Nie Nacht der Prüfung.

Clara Sieckban.

In der Morgenfrühe stapften die Holzfäller schwerfällig durch das Dorf, um ihrer schweren Ar­beit auf der Radelhöhe nachzugehen. Arn Ende des Dorfes steht einer von ihnen in einem kleinen Gar­ten, der mit Sonnenblumen, Lavendel und tränen­den Herzlein einen paffenden Hintergrund für zwei Liebesleute abgibt.

Sanft umschließt der Mann mit feinen sonnen­gebräunten Händen die arbeitsamen Hände der Ebenörtnerin. Er ist nicht stürmisch wie die'Bur­schen im Tal, seine blauen Augen tragen immer eine leise Schwermut. Darum mag auch keine andere mit dem Holzfäller-Josef gehen als die stille Maria Ebenörtner, der Vater und Mutter gestorben sind. Es hat ein seltsam Liebeswerben von feiten des Burschen begonnen: Maria hat in aller Herrgotts­frühe stets ihr Holz gespalten vorgefunden, den Gar­ten gehackt, die Eimer am Brunnen gefüllt und den Ziegen frische Streu untergebreitet Aber der Joses hat still'ihren Dank abgewehrt, man hilft einfach so einem guten, einsamen Mädel, soviel man kann.

Da ist in der Maria eine stille Zuneigung er­wachsen für den ehrlichen Burschen, schade nur, daß er aus so hartem Holz geschnitten ist und nicht wagt, ihr näherzutreten.

Heute morgen, als sie im Garten die Gemüse be­gießt, ist er endlich einmal zu ihr hineingekommen und hat sie gefragt, ob sie nicht Freude daran haben würde, Bienen zu hallen, weil es ums Hänsle herum soviel Honig gäbe. Dann hat er stumm ihre Hande gehalten und chr in die Augen geschaut.

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Dann fühlt sie eine übermenschliche Kraft über sich dahinströmen. Sie reißt den gefällten Stamm em­por, stützt ihn ab mit Steinen und zieht Josefs Bein hervor. Die stllle, allmählich ins Dunkel eintauchende Bläue der Ewigkeit über ihr gibt ihr Kraft. Sie weiß plötzllch, daß eine höhere Macht diese Nacht der Prüfung ihnen beiden gewiesen hat, um zwei Menschenherzen auf ihre Echtheit zu prüfen.

Sie fliegt über Stamme und Wurzeln zur halben Berghöhe, wo die Quelle rieselt. Dort taucht sie Schürze und Sacktuch ein, lauft zurück und macht dem Josef einen guten Verband. Als sie vorsichtig das Blut von seiner Stirn wischt, hört sie chn leise seufzen. Da steigert sich ihre Kraft, sie faßt den Leblosen in chre Arme und beginnt mit der schwe­ren Last den Abstieg. Und wenn sie denkt: jetzt gehts hall nimmer mehr, so blickt sie wieder zu den Sternen empor, die chr neue Kraft spenden. Ma­rias Gedanken kreisen immer um Josefs Worte, eine Nacht der Prüfung hat er chr versprochen, und kein Wesen auf Erden hätte tiefere Prüftmg erfah­ren können, ob eins das andere in Ewigkell zu lieben gewillt sei, alles zu dulden und alles zu wagen, für einander geschaffen in Leben und Tod..

Mechanisch gleiten Marias Füße ins Tal hinab, während ihre Augen an den geliebten, nun so star­ren Zügen hängen. Wie im Traum kommt sie in chre Hütte und bettet den Josef auf ihr Lager, untersucht sein Bein und findet, daß es nur arge Wunden hat, aber nicht gebrochen ist. Da holl sie Essenzen aus der Küche und beginnt den Josef zu reiben. Und derweilen denkt sie, daß es nun um­gekehrt geworden ist; sie hat sich den Josef heim­geholt, anstatt daß er sie in feine Hütte holle.

Dann richtet sich der Josef plötzlich auf, staunt mit großen Augen über seine neue Umgebung, er­blickt Maria, faßt nach ihrer Hand und legt sie auf sein Herz, das wieder stark und ruhig zu schlagen begann.

Maria, ich war so ungeschickt, ich wollte noch die letzten zwei Stehengebliebenen da droben um­hauen, gelt, da hats mich selbst umgeworfen. Hab aber trotz meiner Schwäche gefühlt, daß du mich an deinem Herzen geborgen hast, und da wußte ich, daß die Nacht der Prüfung so fein mußte und nicht anders. Ich danke dir für deine Treue und deine Liebe, mir wißen ja nun, daß mir einander wert sind!"

Und dann empfängt Maria, die Tapfere, den er« sten Liebeskuß von dem einen, mit dem sie eine höhere Macht auf unersorfchliche Art fürs Leben verbunden hat

Die Erzeugungsschlacht geht weiter

Aufklärungsaktion bis in die letzte Ortsbauernschast.

Ein Reformator der Medizin

Das Leben und Schaffen Rudolf Virchows.

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Nie unvollkommene Liebe."

Em Ufa-Film im Gloria-Palast.

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Maria, heut geh ich das letzte Mal in den Holz- schlag hinauf. Ich hab mir gedacht, ich schau mich im Tal nach der Schmiede um, die zu vergeben ist. Bin gelernter Schmied und hab das Holzen nur aus Mangel an geeigneter Arbeit angenommen. Ich macht dich fragen, willst nll mit mir einen Haus­halt anfangen, wenn ich Schmied bin, kann dich gut halten. Und noch etwas, andere Burschen machen das mll chren Mädchen aus, wenn sie nachts vom Tanzboden heimkommen, ich lieb solche Sachen nll. Ich möchte dir aber zeigen, wie lieb ich dich hab, darum bitt ich dich, komm heut abend auf die Nadelhöhe! Laß uns die ganze liebe Sternennacht dort oben bleiben und eins das andere auf Herz und Seel' prüfen, ob mir ein ganzes, langes, ge­meinsames Leben zusammen verbringen wollen. Willst du kommen, Maria?"

Da stapfen die Kameraden heran, und der Joses drückt noch einmal schnell chre Hand, lieber Ma­ria schlägt die Glut zusammen. Wie anders dieses keusche Liebeswerben als die plumpen Vertraulich- kellen der anderen Burschen! Ja, Maria wird kom­men, gegen Abend, wenn die Männer längst wieder im Dors sind und keiner mehr an die Nadelhütte denkt. ...

Als die Holzfäller gegen Vesperläuten den Berg- pfad herunterkommen, bindet sich Maria eine reine Schürze um und macht einen Umweg zur Nadel- böhe, damit die Leute nichts zu lachen haben. Es ist ihr so feierlich zumute, gar nicht, als ob sie zu Liebesglück und Seligkell schritte ...

Langsam gelangt sie zur Höhe. Ja, der Josef hat recht, wie wundersam ist es hier oben, wie nahe ist das kleine Menschenherz der ewigen Himmels­bläue! Zart blühen die Sterne auf, wie reich ist die Wett zu ihren Füßen!

Doch die Nadelhütte ist leer. Ein Strauß Enzian steht am Fenster, als erwarte er Zweie, die hier Feierstunde hallen wollen.

Maria greift nach einem Halt. Wenn dem Josef jetzt etwa sein Versprechen gereut hat und er ist auf und davon? Schnell verwirft sie den Gedanken wieder und sucht das Gelände ab. Da liegen noch die Stämme, die die Männer heut umgelegt habet!. Ja, Herrgott, liegt nicht dort der Josef und hält seinen Desperschlaf? Hastig springt sie hinüber, und dann setzt ihr fast der Herzschlag aus: der Josef liegt mit dem linken Fuß unter einem gefällten Stamm, und seine Stirn ist vom stürzenden Ge­zweig blutig geschlagen. Die Augen sind geschlossen.

Nur einihal schreit Maria jammernd auf:Josef!"

und überlegen; die Rolle des Beschützers steht ihm gut, und für die Begriffsstutzigkeit, zu der die Rolle chn zwingt, ist er nicht verantwortlick. Ida W ü st als Tante Ida verbreitete eine wohltuende Welle von Humor, erfahrener Menschlichkeit und Natürlich- kell um sich her. Liane Haid, die man lange nicht gesehen hat, machte mll glatter Raffinesse bie Dame Ada, die sich in ihrer Enttäuschung an Krista zu rächen versucht. Ein paar hübsch ausgeführte Neben- figuren: Albert Florath, Karl Hellmer und Erika von Thellmann. (Ufa.)

Bald kommt die schöne Weihnachtszeit, wo es jede Hausftau drängt, an alle ihre Lieben zu den­ken. Nicht nur nett ausgedachte kleine Geschenke er­freuen alle Angehörigen und Freunde, sondern Plätzchen gehören unbedingt mit zum Genuß des Festes. Eifrig bemühen wir uns das Beste zu geben und schauen nach neuen Rezepten aus. Die Be­ratungsstelle des Deutschen Frauenwerks ist hier eine Hilfe. Jeder Frau gibt sie gerne Rat und Hilfe, und hier lernen wir, wie wir nullt nur zeit­gemäß, sondern vor allem auch gut backen können. Wer griffe da nicht gerne zu den vielen guten Rat- chlägen. .

Aber nicht nur an den eigenen engen Kreis der Angehörigen und Freunde denken wir zu Weih» nachten. Da sind die vielen Verwundeten in den Lazaretten, da sind die von der NSV. ^Betreuten. Wie kann man für diese sorgen? Auch hier weiß die NS.-Frauenschaft Rat. Die Blockleiterinnen gehen von Haus zu Haus, von Mitglied zu Mit­glied und bitten um zwei Löffel Mehl und einen Löffel Zucker. Mll dieser Löffelspende, zu der jeder gern seinen Beitrag gibt, ermöglicht es jedermann der Abteilung Dolkswirtschaft-Hauswirtschaft im Deut­schen Frauenwerk, köstliches Gebäck anzufertigen, das viele Freude bringen wird. gfs.

Die Derforgungslage.

Was sich schon in der vorigen Woche an den Schlachtviehmärkten anzeigte, hat sich nun bestätigt: Die Zeit der knappsten Schweineauftriebe scheint vorüber. Die Anlieferungen waren wieder etwas reichlicher, während an Großvieh kaum meniper angeboten wurde. In der Qualität zeigte sich eine Besserung gegenüber der Vorwoche. Die Anmel­dungen für den Frankfurter Großmarkt erlaubten eine Zuteilung von hier nach Mainz und eine Herausnahme für die Reichsstelle für Tiere und tierische Erzeugnisse. Auch für die kommende Woche sind die Aussichten günstig. In Frankfurt darf man mit einem erheblichen Mehrauftrieb rechnen, Mainz wird einen geringeren Zuschuß benötigen.

Am Obstmarkt war eine Veränderung nicht zu erwarten. Gemüse ist zum Ausgleich in allen jahres- zeitlichen Arten reichlich oder zumindest voll aus­reichend vorhanden.

Die Getreidewirtschaft verzeichnet die erwartete stärkere Anlieferung von Brotgetreide durch die Er­zeuger bei den Mühlen. Auch Heu und Stroh wird jetzt verstärkt angefahren. Am Mehlmarkt hält die schon in der vorigen Woche beobachtete Nachfrage an. Unverändert ist die Lage am Futtermittelmarkt.

Die. Milchwirtschaft konnte den Bedarf an Voll­milch und Milcherzeugnissen, Deien und Fetten, decken.

Am Kartoffelmarkt ist es fetzt, nachdem die Ein­kellerung bei den Verbrauchern und die Einlagerung beim Handel beertibet sind und nur noch kleinere Verladungen nach Lochringen und dem Rheinland stattfinden, sehr ruhig geworden. Das Geschäft in Futterkartofteln ist ebenfalls ruhig.

Am geftrigen Donnerstag abend sprach Professor Dr. vr. ll. c. C. Krause von der Veterinärmedizi­nischen Fakultät im Rahmen der Volkstümlichen Abendvorträge der Ludwigs-Universität vor einer stark interessierten zahlreichen Hörerschaft im Hör­saal des Kunstwissenschaftlichen Instituts über das ThemaRudolf Virchow, Leben und Schaffen eines Reformators der Me - d i z i n".

In seinen außerordentlich fesselnden Darlegungen ging der Vortragende von einer Betrachtung des am Karlplatz in Berlin stehenden Virchow-Denkmals aus, wies auf die einteilige, Virchows Persönlich­keit nicht gerecht werdende Darstellung in dem Robert-Koch-Film hin und gab dann einen Ab­riß vom Leben und Schassen Rudolf Virchows. Am 15.10.1821 in der pommerschen Kreisstadt Schievel- bein als einziges Kind eines einfachen Stadtkäm­merers und Landwirtes geboren, trat der- 18jährige Virchow bei der militärärztlichen Bildungsanstalt in Berlin ein und widmete sich hier mit besonderem Ernst, Fleiß und Erfolg seinen medizinischen Stu­dien. Durch seine Tüchtigkeit erhielt er bereits 1843 im letzten Studiensemester eine Stelle unter den Militär-Chirurgen in der Charite und übernahm anschließend eine neugeschaffene Abteilung für chemische und mikroskopische Untersuchungen, welche ihn zum ersten Male seinem spateren Spezialfach zusührte. 1846 erhielt er die Prosektur als Nach­folger F r 0 r i e p s und begann nach seiner Ent­lassung aus dem Militärverhältnis 1847 die wissen­schaftliche Laufbahn, die vor allem mit der Heraus­gabe des weltberühmtenArchivs für pathologische Anatomie, Physiologie und klinische Medizin" er­öffnet wurde. Wegen der regen Beteiligung an der Märzrevolution in Berlin, seiner sozialpolitischen Angriffe auf die preußische Regierung wegen unge­nügender Abhilfe des in Qberschlesien damals herr­schenden Hungertyphus und wegen seiner radikal- politischen Forderungen und Umtriebe verlor Vir­chow 1847 seine Prosektorstelle in Berlin, fand je­doch Aufnahme in Würzburg, wo ihm die erste deutsche Professur für pathologische Anatomie ange­boten wurde, während eine Berufung nach Gie­ßen aus politischen Rücksichten nicht zustande kam.

Kreisbauernschaften im Laufe der kom­menden Wochen Filmveranstaltungen und Ver­sammlungen. So verschieden im einzelnen die Kreis - bauernschaften dies mit Rücksicht auf die Verkehrs- lage auch handhaben werden, so wird doch erreicht werden, daß-»jeder einzelne Bauer und Landwirt über die Krtegserzeugungsschlacht neu unterrichtet wird und die örtlichen Notwendigkeiten erfährt. Dies wird um so leichter erreicht werden, als W a n- derausstellungen gezeigt und verschiedene Aufklärungsbroschüren verteitt werden sollen.

Behandelte die erste Parole die Frage der F u t terbeschassung, so ist die zwelle Parole dem Hacksruchtbau gewidmet, und zwar unter dem ThemaMehr Hackfrüchte bei gleichzeitiger Arbetts- erleichterung". Auch für diese zweite Parole wer­den die Kreisbauernschaften Aufklärung bis in jede Ortsbauernschaft hineintragen. Jeder Bauer und Landwirt weiß, welche Bedeutung die Futterbe­schaffung und der Hackfruchtbau für die Sicherstel­lung der Ernährung haben.

Aus dieser Erkenntnis heraus wird das gesamte Landvolk, wie bisher, feine ganze Kraft auch für den Sieg dieser zweiten Kriegserzeugungsschlacht einsetzen. Wie in der ersten Kriegserzeugungsschlacht werden auch dabei bestehende Schwierigkeiten über­wunden werden, wenn die gesamte Dorfgemeinschaft zusammensteht und von der Notwendigkeit bi-efer zweiten Kriegserzeugungsschlacht überzeugt ift

Miz anders. Nur ein wenig Wille gehört dazu.

Beim Mittagessen, das manchmal schnell auf den Hch gestellt werden muß, fehlen die Löffel. Die Gippe ist schon in den Tellern, aber die Hausfrau ist noch einmal in die Küchegegangen. Die kleinen Aider und der Hausherr warten. Sie sitzen vor ifren Tellern und können nicht essen. Gewiß, eine Afiinigkett. Der Hausherr kann ja die Löffel holen. Wer wer weiß, was dann die Kinder anstellen. Er bl ibt sitzen und knurrt:Ist das wieder eine Ord- mngr, meint es vielleicht gar nicht so böse, aber di gerade eintretende Ehefrau hört es, und es fthü nicht viel, dann ist der Ehekrach da. ,Lleinig- ttten?"

Ein wenig mehr Aufmerksamkeit, ein wenig mehr «ter Wille, auch im Verkehr mit unfern Mitmen- I Sen draußen auf der Elektrischen, in der Bahn, ; den Kaufläden, auf der Straße, am Schalter

lälbir an allen den Orten, die uns mit andern Men-

I 55 bis | Wen zusammenbringen. Es kann niemals schaden.

die allergrößten Ehrungen und AnerkennmiE. Nach einem Unfall am 4. 1. 02 begannen die Kräfte zu erlahmen, und am 9.9.02 erlag Virchow emer Herzmuskelerkrankung. Nicht nur seine grundlegen- den wissenschaftlichen Leistungen, sondern ebenso seine überragende Persönlichkeit und die kämpfe­rische Durchsetzung seiner mit sozialen Gedanken ständig verknüpften Resormbestrebungen sichern ihm ein bleibendes Andenken. Anschließend an seinen Vortrag zeigte Professor Dr. Krause noch eine An­zahl interesstmter Lichtbilder. ..

Die mit großer Spannung lauschenden Hörer dankten dem Vortragenden für seine aufschlußreiche Schilderung des Lebens und Wirkens eines Großen der medizinischen Wissenschaft mit herzlichem Bei­fall.

Das Treudienst-Ehrenzeichen.

Dem ordentlichen Profeflor und Direktor des Agrikulturchemischen Instituts der Ludwigs-Universi­tät Gießen Dr. Karl Scharrer wurde dos Sil­berne Treudienst-Ehrenzeichen für fünfundzwanzig- jährige treue Dienstzeit verliehen und feierlich über«

Das Ausland hat die Sicherstellung der Ernäh­rung während des uns aufgezwungenen Krieges als ein neues deutsches Wunder bezeichnet. Dieses neue deutsche Wunder verdankt das deutsche Volk in erster Linie den auch vom Führer anerkannten Lei­tungen des deutschen Landvolkes. Wenn es schon in Friedenszetten notwendig war, Jahr für Jahr eine Erzeugungsfchlacht zu schlagen, so wird es edern Bauer und Landwirt einleuchten, daß dieser Krieg eine noch größere Anforderung an das deutsche Landvolk stellt. Den Siegen, die das Land­volk in den bisherigen Erzeugungsschlachten und trotz mancher Schwierigketten vor allem in der ersten Kriegserzeugungsschlacht errungen hat, muß deshalb ein weiterer Sieg angerecht werden.

Welche Bedeutung von der obersten Staalsfüh- rung einer gleich bleibenden landwirtschaftlichen Er­zeugung beigemessen wird, geht daraus hervor, daß der Relchsminister für Ernährung und Landwirt­schaft, Reichsbauemführer R. Walther Darre, elbft am 14. Dezember im Rundfunk über die Hauptfragen der 2. Kriegserzeugungsschlacht spre­chen wird. Die Aufklärungsarbeit bis in die ein­zelnen Or tsbauernschäften hinein beginnt aber schon jetzt.

Um diese Aufklärungsarbeit möglichst intensiv zu geffcalten und habet die durch Klima, Höhenlage unb Bodenverhältnisse bedingten örtlichen Verhältnisse genügend zu berücksichtigen, veranstalten die

Nach einer ebenso arbeite- wie erfolgreichen Tätig­keit in der neuen Würzburger Stellung wurde er 1856 nach Berlin zurückberufen, wo er die erste selbständige, für alle deutschen Fakultäten und Hoch­schulen vorbildlich gewordene ordentliche Professur für allgemeine Pathologie und pathologische Ana­tomie erhielt.

Aus den hier zum ersten Male abgehaltenen Vor­lesungen für praktische Aerzte entstand 1859 bas be­rühmte Lehrbuch über die Z e 11 u l a r p a t h 0 l 0- g t e und von 1863 ab bie Lehre von den krankhaften Geschwülsten. Durch bie-fe grunblegenben Werke und zahlreiche Einzelver- offentlichungen räumte Virchow mit der damals weit verbreiteten nalurphttosophischen Einstellung, allen spekulativen Betrachtungen und den sonstigen, die Medizin zersplitternden Krankheitslehren auf und setzte an ihre Stelle den rein naturwissenschaft­lichen Gedanken, eine neue Vorstellung vom Wesen der Krankheit als Leben unter veränderten Bedin­gungen und eine Deutung dieses Lebens als soziale Gemeinfchast von Zellen. Nach Schaffung dieses in der gesamten Biologie sich durchsetzenden neuen Prinzips wandte er sich vor allem der Anthropolo- gic, der Völkerkunde und Altertumskunde zu, welche durch ihn begründet ober nachhaltig gefördert wur- dcn. (Dgl. bie Schaffung be Museums für Völker­kunde in Berlin, die Einführung der Haus- und Trachtenfarschung.) Daneben wandte er sich als Mit­glied des Abgeordnetenhauses, des Reichstages und als Stadtverordneter Berlins wieder den polttischen Aufgaben zu und bemühte sich hier vor allem um die Verbesserung der sozialen Belange der arbeiten­den Bevölkerung, der Armen, um die Hebung der Schulhygiene, Ausbau des Schulsportes, des Kran- keuhausbaues, der Städtehygiene, wurde zum eigentlichen Begründer der Berliner Kanalisation, der Rieselfelderanlagen Berlins und der neuzeitlichen Wasserversorgung, und war unaufhörlich bemüht, das gesamte öffentliche Leben vorn sozial-medizini­schen Gesichtspunkte aus zu bereichern.

Durch diese vielseitige und schöpferische Tätigkeit eroberte er die Vorrangstellung der deutschen medi­zinischen Wissenschaft in der Welt und erfuhr von dieser gelegentlid) der Feier seines 70. Geburtstages

Das Thema dieses Fllms ist nicht neu, sondern ttcht beliebt und des öfteren in verschiedener Form ir der Literatur behandelt worden. Es geht hier iin die Frage, ob ein Mann das Mädchen seiner Lebe aus einer sozial höheren Schicht in seine eigene Sphäre heruberziehen und in seinem Kreise aigen die inneren und äußeren Widerstände seiner llinwett heimisch machen, es gewissermaßen um- pilanzen, verwurzeln und mit ihr glücklich werden fcnn. Eine heikle und schwierige Frage, die kaum a:undsätzlich entschieden werden kann. Wudenbruch htt, als er spät vom Hiftoriendrama zum damals jtngen Naturalismus kam, in seiner .^Haubenlerche nr.t einem entschiedenen Nein geantwortet. Vorher Ach hat Gottfried Keller im 8. Kapitel desSinn­gedichtes" das Thema behandelt; daraus entstand Ar einigen Jahren der sehr schöne Film ,^Regine , tem dieser hier in vielen Zügen überraschend ahn- lih ist. (Das Drehbuch schrieb Josef Maria F r a n k.) tis Mädchen Krista, um das es hier geht, hat faige Verwandtschaft mit jener Regine, obwohl " nicht ganz so weltverloren und hllflos-unschul- Tbig, sondern bewußter ist als sie und auch, als _ *n| krunnenmädchen in einem süddeutsche^ Bade, nttlull immerhin schon mit der anderen, der großen M oler jedenfalls größeren Welt und der sogenannten xrten Gesellschaft in Berührung gekommen ist, *d]e sie als die Verlobte eines Bremer Schiftbau- 11 Ingenieurs in diese eingeführt wird. Es geht zwar Q\\ diesmal, wie in dem FilmRechne", gerade noch >||| in letzten Augenblick gut und glücklich aus, aber die

1 Verhältnisse in Kristas Familie und die betonte

Verkettung der Zufälle, die beinah zu einer Kata- 6 sliophe führen, erinnern lebhaft an die frühere , sümische Gestattung des gleichen Motivs. Dem i^ße l* nzenttichen Problem wird frellich auch durch solche im der Publikumswirkung und Spannung wlllen hrrbeigeführten Absichtlichketten nichts von seinem nundsätzlichen Gewicht genommen. Der Spielleiter ! knch W a s ch n e ck konnte dies kaum mildern, be- i mühte sich aber neben einer leisen Gesellschafts- rire die menschlichen Züge des Konfliktes heraus- ^arbeiten; darin wurde er darstellerisch sehr unter- Ltzt. Gisela Uhlen vornehmlich gab der Krista le mädchenhafte Süße, frühe Bewußtheit, gewin- i'nde Offenheit und Klarheit der Empfindung. 5iUq Fritsch spielte den Ingenieur schlicht, sicher

Dornotizen.

Tageskalender für Freitag.

Stadttheaier: 18.30 bis 21 UhrDer Barbier von oilla". Gloria-Palast (Seltersweg): ..Die un- »llkommene Liede". Lichtspielhaus (Bahnhof- ftaße):Wie konntest Du, Veronika". Ober- \ isifcher Kunstverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung ! . Jmkamp im Foyer des Stadttheaters.

Stadtkheater Gießen.

Am heutigen Freitag wird die komische Oper von ! sssiniDer Barbier von Sevilla" wiederholt. Die Misikalische Leitung hat Otto Söllner, die Spiel- letung Dr. Paul Beckers a.G. Bühnenbild: Karl ßöffler. 10. Freitag-Miete.

Ortszeit für den 23. November.

Sonnenaufgang 9.01 Uhr, Sonnenuntergang 17.21 W r. Monduntergang 14.20 Uhr, Mondaufgang

Umtausch von Zieisemarken bei Butterschmalz und Quark.

^jkinigkeiten, sagen die meisten Menschen und schen- J NÜm [e ihnen weiter keine Beachtung. Mit solchen Qit 9 d § chen darf man sich nicht aufhalten, denn größere )n ben. 21 fgaben stehen uns bevor, sagen andere. Wenn v.h' dann aber die großen Aufgaben kommen, verhalten fil viele Menschen ihnen gegenüber genau so wie b? den sogenannten Kleinigkeiten. Sie übersehen fig sie merken überhaupt nicht, daß sich in ihrem feeben etwas Entscheidendes vollzieht.

gn Wirklichkeit sind eben die Kleinigkeiten das Mögliche, sie füllen meistens das Leben aus. Wer diesen Kleinigkeiten fertig wird, der steht dann oach größeren Aufgaben wohl gerüstet gegenüber. G ist ihnen gewachsen, weil er auf alltägliche Klei- rkteilen achtgab. Nur zwei Beispiele:

Denn die Geschäfte jetzt um 18 bzw. 19 Uhr schießen, müssen mir nicht gerade eine Minute vor £i Anschluß erscheinen und noch alle möglichen ; ige kaufen wollen. Wird dann noch bei der Aus- Ml gezögert oder gar gemeckert, so dürfen wir u 3 nicht wundern, wenn der Kaufmann ärgerlich roi-b. Ein paar entschuldigende Worte über unser fifctes Kommen, einige freundliche teilnehmende Sorte an den Verkäufer, und schon ist die Lage

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Lr.277 Zweites Blatt