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Nr. rM Zweiter Blatt

2l./Z2. Dezember 1940

Gießener Anzeiger tGenerai-Anzeiger für Oderhessen)

hält, die er bei gehörig

Die Erziehung Jugendlicher ist das Gegenteil ner leichten Sache. Bon allem übrigen abgesehen,

Sprüche nai

Oder

Die

(Nachdruck verboten.)

24. Fortsetzung.

Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!

Des Jahres längste Nacht.

Altes Brauchtum am Thomastag, 11. Dezember.

1939 vor dem Jugendrechtsausschuh der Akademie für Deutsches Recht so richtig betonte,kann das wesentliche Ziel eines neuen Strafrechts nicht das sein, daß der Jugendliche (kriminell) bestraft wird, sondern daß er und seine Gemeinschaft die an ihnen vollzogene Strafe als einen erzieherischen Akt empfinden."

einer leichten Sache. _ . ,

muß bei ihr Gerechtigkeit herrschen, für die der Jugendliche feinstes Empfinden hat. Wahre Ge­rechtigkeit kann nur der üben, der tief in die Volks- und die einzelne Menschenseele einzudrin-

dem winterlichen Land. Jeden Morgen zögert die Sonne ein wenig länger hinter dem Horizont, be­vor sie sich entschließt, den kurzen Tag zu erhellen. Bald haben wir den Tiefpunkt des Jahres er­reicht, die längste Nacht und den kürzesten Tag, diesen wohl von uns allen ersehnten Zeitpunkt, nach dessen Ueberschreitung das Licht wieder zunimmt, wenn wir auch die ersten Wochen unmittelbar noch

Soll er mein Eigentum sein.

und nach dem Spruch muß man dreimal

Verdunkelungszelt

n der Woche vom 22. bis 28. Dezember: 17.10 Uhr tis 9.30 Uhr.

verhindern können. . .. _

tritt zwar nur auf Antrag der zuständigen/* ,r. vv, Dienststelle ein, wird jedoch in vielen Fällen, wie ' rettoorstellungen verboten, desgleichen in Gast

ichzuhelfen:

Lieber Thomas, i bitt dl,

Bettstell, 1 tritt di. Laß mir erscheinen Den Herzallerliebsten mein.

Bettschemel, ich tritt dich, Heilger Thomas, ich bitt dich. Zeig mir an

Meinen künftigen Mann.

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Homan von (jctn? LorenMombrecht

Dor und nach dem Spruch muß Man dreimal an die Bettstelle klopfen und bei den Worten i tritt di" mit den Füßen gegen die Bettlade tre­ten, dann soll die gewünschte Person im Traum

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Lugendarrest und Wochendendkarzer

als neue Wege im Jugendstrafrecht.

Don Amisgerichisrat a D. Franz Gros, Voimundschasts- und Jugendrichter In Gießen.

erscheinen. , v f _

In Berlin und in anderen Städten fand früher am Thomastage die sog. Ratsversetzung statt: die jährlich neugewählten städtischen Behörden traten e an diesem Tage ihr Amt an. Dies wurde in Ber­lin durch ein mehrtägiges Fest gefeiert, wobei es unter Teilnahme der kurfürstlichen Beamten und angesehener Bürger sehr hoch herging. Allerlei Scherz und Mummereien halfen die Zeit verkürzen, der Rektor ließ seine Schüler singen oder eine Ko­mödie aufführen, am Abend durfte der Tanz nicht fehlen. Im Märkischen Museum in Berlin befindet sich ein bei der Ratsversetzung gebrauchter goldener Vexierbecher mit doppeltem Boden, dessen sichtbarer Teil nur Wasser enthielt, während der innere Teil mit Wein gefüllt war. Es erforderte einige Geschick­lichkeit des Trinkenden, um den Wein statt des Was­sers zu erlangen. Das Fußgestell des Bechers stellt die Verbrüderung von Berlin und Kölln dar, indem der Berliner Bär und der Köllnische 2ldler sich um­armen und küssen. Auf dem Becher liest man fol­gende Inschrift:

Wenn Adler und der Bär am Thomasfest sich letzen, Denkt mancher sich auch gern in höheren Stand zu setzen. C. K.

Schwäbin setzt noch vorsichtig hinzu: Kommt er mit einem Glas Wasser', Will ich ihn lassen, Kommt er mit einem Glas Wein,

Gut, dann will ich Ihnen den Glauben lassen wenn es Ihnen hilft." Sie lächelt mütterlich.

Der Krieg ist zu Ende. Viktor könnte wieder seinen eigentlichen Namen annehmen und ungehin­dert in seine alte Heimat zurückkehren. Aber er denkt nicht an die Heimkehr. Alles, was sich jenseits der Alpen absvielt, liegt für ihn auf einem andern, ihm unerreichoar gewordenen Ufer; er nimmt nur aus der Ferne daran Anteil. Die Wiedererlangung seiner Ehre und damit seines Lebensglückes ist ihm versagt worden, er hat damit abgeschlossen.

Er hat keine Heimat mehr. Denn das Land seiner Kindheit, das ihm ans Herz gewachsen ist, wurde ihn durch einen gewaltsamen Federstrich zur Fremde verwandelt.' Elsaß-Lothringen steht unter franzö­sischer Verwaltung. Versailles, das sich aus den fol­genden Monaten der Erniedrigung herausentwickelt, wird es endgültig zu Frankreich schlagen.

Wie wird sein Vater das ertragen? Wird er, der preußische Derwaltungsbeamte, in Straßburg blei­ben wollen? Wird er es überhaupt können?

Viktor schreibt einen Brief nach Hause und gibt dadurch das erste Lebenszeichen seit Bastia von sich. Natürlich waren seine Eltern durch Solterbeck be­reits über seine Flucht und ihr klägliches Ende unterrichtet. Solange noch Krieg war, konnte Doktor selbst keine Nachrichten nach Hause schicken. Jetzt tut er es. Er braucht auch von daheim ein auswe-s- ähnliches Papier, auf Grund dessen er seinen Namen zurückbekommen kann. Denn ohne papierne Grund­lage ist es nicht so ganz einfach, den Mr. Stephan Walker wieder in den Viktor Gienant zurückzuver- wandeln.

Inzwischen ist er aus Dr. Wardens Sanatorium entlassen worden. Am Tag, bevor er cs verläßt, erhält er noch einmal den Besuch Maria Ansaldis. Sie ordnet eine Angelegenheit, bte Viktor mehr als peinlich ist. Er steht ja gänzlich mittellos da. Don seinen Eltern hat er kaum viel zu erwarten, und es gibt in Deutschland nicht eine einzige Behörde, die sich um ihn kümmert, da er sich in keine der pensions-, renten- und hilfzuschußzahlenden Körper­schaften einregiftrieren läßt. Er hängt völlig frei in der Luft. Maria Ansaldi regelt also auch das in möglichst zartfühlender Form, indem sie ihm einen Kreditbrief auf eine Bank einhändigt.

(Fortsetzung folgt)

nicht allzuviel davon spüren.

Je länger der Johannistag eines Landes", sagt Jean Paul imTitan" in feinet schönen tiefdeu- tigen Art,desto länger seine Thomasnacht." Un­sere germanischen Vorfahren kannten den genauen Tiefpunkt des Jahres noch nicht, da die Deklination der Sonne in diesen Wochen so gering ist, daß sie fast still zu stehen scheint. So war ihnen die ganze Zeit der heilig-unheimlichenZwölfnächte" von dämonenbannendem zauberweihen Brauchtum durchwoben. Später knüpften sich an den Thomas­tag und die Thomasnacht bestimmte Bräuche, die vereinzelt noch heute lebendig sind, während manche von anderen Tagen des Jahresgeerbt" wurden. Das Bleigießen z. B., diese heute allgemein verbrei­tete Silvestersitte, und andere ähnliche Liebesorakel wurden früher eifrig am Thomasabend geübt. Auch der Traum der Thomasnacht galt ebenso wie in der Andreasnacht, die die Adventszeit einleitet, als be­deutungsvoll. Besonders waren und sind es teil­weise noch heute auf dem Lande die Mädchen, die sich die Gelegenheit, einen Blick in ihre Zukunft zu tun,-nicht entgehen lassen wollen.

Sie schreiben Buchstaben auf einzelne Zettel, die fie unter das Kopfkissen legen, um dann nachts yervorzuziehen und aus dem Buchstaben den Namen dessen zu erraten, der sie heimsühren wird. Oder sie nehmen ein brennendes Licht und sehen damit Schlag 12 Uhr in den Spiegel, in der Hoffnung, den künftigen Bräutigam zu erblicken. Beliebt ist auch die Sitte des Schuhwerfens, indem man sich abends beim Ausziehen auf den Boden des Zim­mers fetzt und die Schuhe oder die 'Pantoffel von den Füßen rücklings über den Kopf wirft. Sind die Schuhspitzen nach der Tür zu gerichtet, so wird man aus dem Hause kommen, sind sie von der Tür abgewandt, so bleibt man noch ein Jahr im Hause. Nicht nur die Mädchen bedienen sich dieses Orakels, sondern zuweilen auch die alten Leute, nur daß sie nicht den Freier erwarten, der sie aus dem Hause führen soll, sondern den Tod. Auch Dienst­boten suchen auf diese Weise zu ergründen, ob ihnen

Aus der Stadt Gieheu.

Sonnenwende.

Die Wintersonnenwende wird von uns ernst und lenkbar gefeiert. Nach langen trüben Tagen soll nun wieder das Himmelslicht länger erstrahlen. Die rage werden langer. Baldur, der Sonnengott m.,hrt wieder zurück

Wie die mächtigen Eichen, die Jahrhunderte über- querten ihre Wurzeln tief in das Erdreich ver- enften und dort nicht nur Nahrung, sondern auch (inen sicheren Halt fanden, so ist das Sonnwend- tft mit der deutschen Seele verwurzelt und ver- vachsen. In ihm steckt altnordische Weltanschauung, -ermanische Sitte. Im Mittelpunkt stand die Sonne, as Licht. Die im Norden wohnenden Germanen naren ja von dem Himmelslicht ganz und gar bhängig. Ihm zogen sie nach, südlichen Ländern zu.

Nur im Schein der nördlichen Sonne konnte das igentliche nordische Wesen gedeihen. Die Sonne vurde hier zum Symbol. Winter- und Sommer- onnenwendfeste waren die höchsten Feste. Sonnen- ad und Hakenkreuz m-ren die äußeren Zeichen. 3n vielen Sagen und Märchen wurde die Sonne n mancherlei Gestalt als Lichtspenderin gepriesen.

Die Sehnsucht nach dem Lichten, nach dem Guten, erfüllte die Seelen unserer Vorfahren. Wie Tag

gen vermag.

Wir wissen, daß Jugendliche geistig noch nicht ganz entwickelt sind, leicht lenkbar und verführbar, daß sie oft mit Erbanlagen belastet sind, deren Aus­wirkungen sie nicht zu entrinnen vermögen. So kommen sie aus allen Schichten des Volkstums immer wieder zur Behandlung aller Stellen, die mit der Jugendertüchtigung und -erziehung befaßt sind, also der Partei, der HI., des BDM, des Ju­gendamtes oder der Staatsbehörde, und hier in erster Linie in die Hand des Jugendrichters, zu dessen schönster Aufgabe es gehört, den Jugendlichen zur echten Volksgemeinschaft zurückzuführen.

Wer gegen die Gesetze der Volksgemeinschaft ver­stößt, mutz dafür büßen. Dieser vom National­sozialismus besonders den erwachsenen Volksge­nossen gegenüber scharf betonte Grundsatz gilt in gewissem Sinne auch für die Jugend, jedoch unter der bereits oben erwähnten besonderen Berücksich­tigung des erzieherischen Gedankens.

In diesem Sinne ist vom Ministerrat für die Reichsverteidigung mit Gesetzeskraft für das Groh- deutsche Reich dieVerordnung zur Er- gänzung des Jugendstrafrechts vom 4. Oktober 1940" erlassen worden, die für un­ser Volk deshalb von so großem Interesse ist, weil der Jugendrichter nunmehr gegen einen Jugend­lichen also gegen Beschuldigte und Angeklagte im Alter vom 14. bis zum vollendeten 18. Lebensjahr an Stelle von Gefängnis oder Haft auf Ju - genbarreft erkennen kann. Eine Mußvor­schrift wurde also nicht erlassen. Das Höchstmaß des Jugendarrestes beträgt einen Monat, das Mindest­maß eine Woche oder ein Wochenend. Der I u - g e n b a r r e ft wird- nach vollen Tagen oder Wochen oder auf die Dauer eines Monats bemessen, oder als W o ch e n e n d k a r z e r von mindestens einem bis zu höchstens vier Wochenenden verhängt. Die Vollstreckuna des Jugendarrests steht dem Ju- gendrichter zu; sie erfolgt unter seiner Aufsicht in den Räumen der Reichsjustizverwaltung, nicht in einem Gefängnis. Ist 3u erwarten, daß auf Jugend- arreft erkannt wird, so kann die Aburteilung des Jugendlichen im sog. Schnellverfahren, also mit sofortiger Vorführung unb Aburteilung erfolgen. Durch unanfechtbaren Beschluß kann der Jugend-

Er spricht selten und läßt niemand in sich sehen. Kein Mensch weiß, was in ihm vorgeht sew Maria Ansaldi nicht, die ihn häufig besucht. Denkt «r an die Heimat? Denkt er an Thea? An da, Traumgeschöpf Beate? Nie spricht er darüber. Er ift ein ruhiger und geduldiger Rekonvaleszent, der, Wenn er innerlich mit etwas fertigwerden muß Lies ganz allein für sich und m der Stille tut. Eines Tages verlangt er gebieterisch die Zeitungen, die man ihm bisher vorenthalten hat, um ihn nicht un nötig zu erregen. Es ist Anfang Oktober, u Zusammenbruch der Verbündeten bereitet sichvor. Er liest die Nachrichten mit fest aufeinanderhegenben Lippen. Keine Aeußerung tut er dem Arzt oder Maria Ansaldi gegenüber.

Einig- lag- später bringt ihm Maria Ansaldi d.e Nachrichl, daß Sotterbeck bei den surchtbaren Kamp sen um Ros-ta-re leicht o-rwund-t worden sei und Las Eisern- Sreug. zweiter Klasse erhalten habe.

Nicht ein Mienenzucken »errat, was IN Viktor vorgeht. Aber seine Stimme klingt herzlich und warm, als er [agt:Das freut Mich für 3urt. Das hat er sich sehr anständig verdient.

Nun, und jetzt sind auch Sie bald an der Reihe , sagt Maria Ansaldi ermunternd, doch nicht über zeugt, denn sie wie jeder Mensch steht das nahe Ende voraus. .

Die Schicksalsschläge folgen dann aufeinander Die österreichische und ungarische Armee bricht zu lammen, und ganz Italien ist m Einern ? taumel. Die Staatsumwälzung in Deutschland folgt auf dem Fuße, und die Unterwerfung der deutschen Armee auf Gnade und Ungnade im Wald Compiögne wird unabwendbar. qnnrin

An einem dieser schweren Tao- besucht Mona Ansnldi wieder ihren Schutzbefahs-nen. 3hr s-stch mar ungewöhnlich ernst, und IN ihren Augen ll 8 -in Ausdruck von Trauer, den sie »ar ihm^zu »er beraen sucht Sie sitzen beide im Park vor oem Sanatorium,' der nach dem im Halbrund auffteigen-

Das WortKarzer" entstammt dem Lateinischen i richter auch die s o f o r t i g e D o l l st r e ck u n $ f . T

und nur im römischen Strafrecht gleichbedeutend des 2 u g e n d a r r e st s n o ch n a ch t r a g l i ch E l e m e n t e z u r p mit Gefängnis ober Kerker. Das WortArrest" ist anordnen wenn dieses nicht bereits im UrteilI ge« 11ommFn unb bet biejen mittelalterliches Latein und war begrinüa) ein mitt- schehen ist. Allerdings kann das "M

lÄrifrknä Ornlmilkf OfyrnG itnX __ fobtertfr PirtPH Slllffthllb ObCT fittC UntCTfa

Front kam. Das sollte nicht sein. Thea ... sie heißt nicht mehr Thea Immenhoff für mich, sie ist eine verheiratete Frau und heißt Thea Mervinger."

Vorübergehend wird bann seine Stimme bitter: 7,Es ist mir alles mißlungen, alles. Don Anfang an. Dor bem Krieg schon in Deutschland, bis zum heutigen Tag. Es konnte nicht anders fein. Jürk hat sich das Eiserne Kreuz geholt, ich mir eine Ma­laria. Es ist alles richtig."

Maria Ansaldi ist von seiner Erzählung tief er- schlittert, sie müßte sonst keine empfindsame Frau gewesen sein. Sie will ihn aufrichten, ihn tröffen. Aber schon ihre ersten Sätze wehrt er ab:Nein, das alles brauchen Sie mir nicht zu sagen, Frau Maria. Ich habe mich bereits darein geschickt. Ich habe das alles schon mit mir selbst abgemacht."

Und was wollen Sie jetzt beginnen?"

Das weiß ich noch nid)L Er sieht sie an.Ich stehe schon so tief in Ihrer Schuld, daß ich nicht weiß, wie ich sie jemals werde ab tragen können."

0, davon sprechen Sie doch bitte nicht, Viktor. Ich habe das sehr gern getan, wirklich. Das biß­chen, roa^ ich an Ihnen getan habe, ist ja das ein­zige, was ich meiner Heimat tun konnte. Und Sie müssen glauben, daß ich immer für Sie da bin, auch mein Mann", fügt sie hinzu. Sie neigt sich zu ihm hin, ergreift feine Hand und fährt mit ernstem Eifer fort:Ziehen Sie jetzt einen Strich unter alles, was hinter Ihnen liegt, Viktor. Nehmen Sie das Ganze als einen schrecklichen Traum. Jetzt sind Sie daraus erwacht und leben wieder neu auf. Ueberall, wo Krieg und Elend waren, wird man jetzt wieder aufleben und neu aufbauen. Bauen auch Sie auf, Viktor. Fangen Sie ein neues Leben an. Sie sind noch jung, und der größte und beste Teil Ihres Lebens liegt noch ganz vor Ihnen."

Viktor sieht sie bewegt an. Als er spricht, klingt seine Stimme spröde vor Ergriffenheit:Frau Maria, wenn Sie nicht wären, so würde ich nicht den geringsten Mut mehr zu einem neuen Leben aufbringen. Dann wüßte ich auch nicht, wofür es sich lohnte, ein neues Leben anzufangen."

Das dürfen Sie nicht sagen, Viktor", mahnte sie leise.

Nein. Ich weiß, daß ich es nicht sagen darf. Ader Sie müssen mir den Glauben lassen, daß es sich so verhält."

den Marmorsplitter des Campo Santo im Bi-

-agnotal hin liegt. ...

Maria Ansaldi bringt Viktor die er te Nachricht, daß in Deutschland die Revolution herrsche, daß aus der Monarchie eine Republik geworden sei.

Viktor sieht sie an, für einen Augenblick verbreitet sich auf seinem schmal und kantig gewordenen Ge- icht der Ausdruck des Entsetzens. Dann senkt er )en Kopf. , , t

Leise sagt er vor sich hin:Ich habe es ja ge­wußt."

Sie haben es gewußt?"

3d) habe gewußt, daß ich nicht mehr in J)en Krieg kommen werde, daß alles vergeblich war."

Nichts war vergeblich, Viktor, das müssen Sie glauben." ... .

Für mich war alles vergeblich. Sie wissen ja nicht, was für mich alles auf dem Spiele stand, Frau Maria."

Sie sieht ihn fragend an, sie erwartet wohl, daß er ihr erklärt, was für ihn alles auf dem Spiele ^Äktor fährt fort:Ich will es Ihnen sagen. Sie sind der einzige Mensch, dem ich mich arroertrauen kann. Ich habe sonst keinen mehr."

Viktor ...!" unterbricht sie ihn mahnend.

Nein, nein, es ist so, wie ich Ihnen sage: Ich habe keinen andern mehr", wiederholt er hart­näckig.Ich darf keinen andern mehr haben. Wäh­rend meiner Krankheit habe ich im Fieber von einer Frau gesprochen, von einer deutschen Frau, das weiß ich gewiß, und wahrscheinlich wissen auch Sie es?"

Es waren zwei deutsche Frauennamen, die Sie immer wieder aussprachen", bekennt sie offen.

Ich will Ihnen von ihnen erzählen. Hören Sie ^Ünd wie er einmal auf der Bastion der Zitadelle von Bastia Dr. Gotting von Thea erzählt hat, so tut er es jetzt bei Maria Ansaldi. Doch ist seine Stimme dabei ruhig, ja sogar teilnahmslos, als ob er von etwas spreche, mit dem er abgeschlossen und nun nicht das geringste mehr zu schaffen habe.

Er endigt:Jetzt wissen Sie also, warum ich diese Flucht unternahm, warum ich nach Deutsch­land zurück und an die Front wollte. Der Weg zu ; jener Frau mar für mich nur frei, wenn ich an die

tmb Nacht miteinander ringen, so kämpften einst Diesen gegen die Sonne. Sie wollten das Menschen- 'land dem Untergang entgegenführen und verbann- fen die Sontze. Der Lichtgott Baldur mußte sterben. Aber die guten Götter, mit Wotan an der Spitze, rümpften gegen die Riesen. 2Hilde Stürme brausten über die Erde. Im Kampfe 'aber siegten die Göt- rer. Das Böse mußte unterliegen. Tief im Herzen besaßen unsere Vorfahren den Glauben an das Gute, an den Sieg des Lebens.

Und wenn heute, am Sonnwendtag, auch keine ;5onnroent)feuer in Deutschland leuchten werden, so ' feiern wir dieses altgermanische Fest doch im Her­ren. Es find für uns Stunden der Andacht, Stun­den der inneren Einkehr, der ernsten und stillen 'Versenkung in Vergangenheit und Gegenwart. Mit stolz denken wir an die Siegestage des Jahres 1940 zurück. Was haben untere tapferen Soldaten geleistet! Und was leisten sie noch! Auf dem Meer, in der Luft, überall stehen sie auf her Wacht! Sie helfen, daß wir dereinst ein frohes Siegesfest be­gehen können. Doll Wehmut werden unsere Gedan- den bann bei den Kameraden verweilen, die ihr Höchstes, ihr Leben, für das Vaterland opferten!...

Aber nicht nur rückwärts gehen unsere Gedanken, jonbern auch in die Zukunft. Der Glaube, daß es in dem großdeutschen Vaterland unter seiner star­ken Führung nur vorwärts und aufwärts^ geht, gibt uns neue Zuversicht und läßt uns die trüben Tage des Wartens im Winter vergessen.

Eingedenk der Verpflichtungen, die jeder einzelne dem Vaterlonde gegenüber hat, wollen wir das Wintersonnenfest begehen. Von neuem wollen wir geloben, auch in ernsten Zeiten auszuharren, unse­rem Volke zu dienen und zu helfen.

Dor allem aber gedenken wir unserer Brüder, die unser Vaterland verteidigen. Sie sind uns täg­lich Mahner und erinnern uns an unsere Pflichten!

' Ortszeit für den 22. Dezember.

Sonnenaufgang 9.35 Uhr, Sonnenuntergang 17.12 Uhr Monduntergang 13.20 Uhr, Mondaufgang Kürzester Tag längste Nacht.

Ortszeit für den 23. Dezember.

Sonnenaufgang 9.36 Uhr, Sonnenuntergang 17.12 Uhr. - Mondaufgang 2.37 Uhr, Monduntergang 13.47 Uhr.__________________

Mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Haft ober Geldstrafe ro rb ber bestraft, der eine Person unter 18 Jahren, über die er die Aufsicht zu führen hat also in erster Linie Eltern, Pflegeeltern, Lehrherren, Arbeitgeber als Erzieher usw. nicht von ber Begehung einer strafbaren Hanblung ab-,. hält, dieerbeigehörigerAufsichthätte halt tn Gas statten. Na ch 21 Uhr st auch in Die Strafverfolgung gleicher Weise Jugenblichen ber Besuch von ag ber zustänbigen Lichtspieltheatern, Bariet 6 - $n^a»

Die langen bunHen Nächte lasten schwer über] im nächsten W ein

- - - - * - "" Dem Traum suchen bie Mabchen durch allerlei

einst auch ein akademischer Strafbegriff finden streckung anorbnen. In einem S t r asb es e hl bars heute auch noch als Schulstrafen Anwenbung. j gegen einen Jugenblichen nur Gelbstrafe, die an

Mit bem hier zur Erörterung stehenden Jugend- Stelle der Geldstrafe tretende Freiheltsstrafe, Haft, arreft und Wochenendkarzer als Zuchtmittel eines Jugendarrest sowie Einziehung nicht also w e- den Forderungen der Gegenwart und Zukunft fängnis strafe ausgesprochen werden.

Rechnung tragenden neuen Jugendstrafrechts haben Von außerordentlicher Wichtigkeit ist die in Der die erwähnten Begriffe, wie besonders betont wer- gleichen Verordnung nunmehr unter Strafe aesteUte den muß, lediglich den Namen gemeinsam. Wie wir i V e r n a ch l ä s s i g u n g der Aufsichtspflicht, wisien, d°tz bas in feinen »ertoiebenen °

Zweigen" einem ewigen Wechsel unterworfen und in seinem tiefsten Grunde rassenmäßig bedingt ist, j so ist auch das Jugendstrafrecht feit langer Zeit in , Deutschland ein Problem, dessen Lösung des Schweißes der Edlen wert ist- Es fand erstmals feinen gesetzlichen Niederschlag Im Jugendgerichts­gesetz Dom 16. Februar 1923, das bereits den Er­ziehungsgedanken in den Vordergrund stellte. Wie | der Reichsleiter Baldur v. Schi rach am 13. März

I zu erwarten steht, besonders gegen asoziale namicagiiu/ £ l e1. 9 ur p r a k t i s ch e n A nw e n d u n g ts im Urteil ge- j kommen und bei diesen 9-wiß auch ntd)t ohne Heil- Berufungsgericht same' Wirkung bleiben. Bekanntlich hat der Reichs- rasssweEKKafeRÄte bustns: «x bezweckt die Fernhaltung Jugendlicher unter 18 Jahren von öffentlichen Straßen und Plätzen oder sonstigen öffentlichen Orten ^wäh­rend der Dunkelheit, also bas Herumtreiben daselbst. Sie verbietet ben Jugenblichen unter acht- zehn Jahren, die sich nicht in Begleitung bcs Er- ziehungsberechtigten ober einer von ihm beauftrag­ten Person befinden, den Aufenthalt in Gast- stätten aller Art, also auch z. B. in Kondi­toreien und Eisdielen, und untersagt Ju­gendlichen unter 16 Jahren ohne Begleitung des Erziehungsberechtigten ober einer von ihm beauf­tragten volljährigen Person, ben einfachen Aufent-