sucher und auch der Spieker bewies, daß diese Art von Volksmusik guten Anklang findet. Die Spieler, unter denen sich Kleine und Erwachsene befanden, brachten einige Märsche, vor allem aber Walzer und Polka-Weisen, vielfach von Nurtsch selbst komponiert, zu Gehör. Natürlich wurden auch Volkslieder, wie das Lied von der „Erika" u. a., gespielt, die eine Beteiligung der Zuhörer ermöglichten. Sehr erfreulich war das Spiel der Kleinsten, der „Küken- Grupve , die schon ganz nette Fertigkeiten zeigten. Anläßlich des Muttertages fang Frau Nurtsch ein selbstverfaßtes und selbstkomponiertes Wiegenlied, das sehr freundliche Aufnahme fand. Für die Eltern der Musikschüler brachte Herr Runk den Dank an Musiklehrer Nurtsch zum Ausdruck. Die zahlreichen Zuhörer kargten nicht mit chrem Beifall.
Zucker sparsam verwenden.
Die Zuckerrübe ist nicht nur Lieferant des Zuckers für den menschlichen Verzehr, sondern auch dazu berufen, uns in großem Umfange Futtermittel für die Schweinemast an Stelle ausländischen Futter-, getreides zur Verfügung zu stellen. Wir haben also ebenso wie bei der Kartoffel die Wechselwirkung, daß erhöhter menschlicher Zuckerverzehr zu einer Verringerung der Schweinefleisch- und -fetterzeu- gung führt, und umgekehrt jedes Kilo Hücker, das nicht für den menschlichen Verzehr benötigt wird, eine Vermehrung der Erzeugung von Schweinefleisch und Fett ermöglicht. Aus diesem Grundsatz ist beim Zucker unbeschadet der festgesetzten Rationen größte Sparsamkeit zu beobachten. Daraus ergeben sich folgende Forderungen für die Zuckerver- wendung:
Zucker ist im Haushalt möglichst nicht als Süßstoff zu verwenden, sondern in erster Linie als Nahrungsmittel zu betrachten. In vielen Fasten, wo bisher Zucker zum Süßen benutzt wurde, vor allem im Kaffee und Tee, läßt sich der Zucker ohne weiteres durch Süßstoff ersetzen. Der der Verbraucherschaft zur Verfügung stehende Zucker muß vor allem angewandt werden, um eine volkswirtschaftlich nützliche Verwertung der Obsternte zu ermöglichen. Zeder Haushalt mutz deshalb während des ganzen Jahres Zucker für den Sommer und Herbst sparen. Es kommt nicht nur darauf an, im Sommer und Herbst genügend Zucker zu besitzen, um den durch den Obstanfall bedingten laufenden Zuckerbedarf zu befriedigen, es ist darüber hinaus erforderlich Zucker zu sparen, um den für das Konservieren der Obsternte erforderlichen Zucker in den Haushaltungen verfügbar zu machen. Es ist ferner notwendig, beim Einmachen selbst Methoden anzuwenden, bei denen wenig oder gar kein Zucker benötigt wird. Soweit als möglich, wird für die Haltbarmachung von Obst auch im Haushalt das Dörren oder Trocknen der Früchte anzuwenden sein.
Auf alle Fälle muß durch Zurückstellung von Zucker aus dem laufenden Bedarf für die Ein- machezeit und durch die Anwendung zuckersparender Einmachmethoden sichergestellt werden, daß die anfallende Obsternte restlos verwertet bzw. konserviert wird. Weniger denn je darf im kommenden Sommer und Herbst Obst verderben. Schwierigkeiten, die sich bei der Erfüllung dieser Aufgabe ergeben können, weil Konservendosen, Weckgläser, Gummiringe usw. nicht oder nicht im vollen Umfange des stark gestiegenen Bedarfs bereitgestellt werden können, müssen durch die ver- schiedensten Selbsthilfemaßnahmen, vor allem durch das Dörren und Trocknen des Ob st es, ausgeglichen werden. Selbstverständlich darf mit dem Konservieren von Obst erst dann begonnen werden, wenn die Märkte so reichlich beschickt sind, daß die hierfür erforderlichen überschüssigen Mengen ohne Störung der laufenden Versorgung abgegeben werden können. Das Abwarten dieses Zeitpunktes liegt auch im eigenen Interesse jedes einzelnen Verbrauchers, denn nur bei einer wirklich reichlichen oder überreichlichen Beschickung der Märkte ist das Einmachen privatwirtschaftlich zweckmäßig. Wird der Zeitpunkt der reichlichen Beschickung der Märkte von den Hausfrauen nicht abgewartet, so sind außerdem dann, wenn es auf das Ginmachen ankommt, die bei den Hausfrauen vorhandenen Einmachegefähe durch zu frühes Einmachen bereits gefüllt, und die den laufenden Bedarf überschreitenden Obstmengen der Märkte müs-
Das Kriegshilfswerk für das Deutsche Rote Kreuz.
Der Führer sagte: „Ich rufe das deutsche Volk auf. durch Spenden für das Kriegshilfswerk sich der Opfer der Soldaten würdig zu erweisey."
sen verderben. Zu frühes Einmachen ist also für den einzelnen teuer, schädigt zunächst andere Volksgenossen durch Störung der lausenden Versorgung und führt später zum Verderb von Obst, wenn es Aum Einmachen preiswert und reichlich zur Verfügung steht. *
** Vom Stadtth eate r. Bereits seit mehreren Wochen hat das Stadttheater Gießen seinen
Sommerbetrieb in Bad-Nauheim ausgenommen und führt feinen Sommerspielplan, wie vorgesehen, Durch. Während in Gießen zur Zeit keine Vorstellungen stattfinden, sind die Vorbereitungen zu einer größeren Wehrmachts-Tournee in vollem Gange. Ebenso hat die Probenarbeit für den geplanten Theater-Sommerring bereits begonnen. Die augenblicklich ausfallenden Platz - Miete - Vorstellungen werden tm Laufe des Sommers nachgeholt.
Aus -er engeren Heimat.
Äereidigung der Polizeireservisten im Kreis Alsfeld.
<£ Alsfeld, 20. Mai. Im festlich gesc^nückten Sitzungssaal des Landratsamtes fand di^ Vereidigung der im Kreis Alsfeld einberufenen Polizeireservisten statt. Zu der Feier, die unter Leitung von Landrat Dr. S ch ö n h a l s stattfand, waren u. a. der örtliche Hoheitsträger der NSDAP., Ortsgruppenleiter Mädrich, sowie die Vertreter der hl. des NSKK, der Kreisgendarmerie und von Seiten der Stadt Alsfeld Bürgermeister Dr. Völsing und Polizeimeister Rau zugegen. Landrat Dr. Schön hals wies in seiner An- R auf die besondere Bedeutung und Stellung olizei im nationalsozialistischen Staate hin unter Hinweis auf die gerade entgegengesetzte Auf- »über Polizei in der Systemzeit. Er richtete ppell an die Polizeireservisten zur gewissenhaften Erfüllung ihres Amtes und dankte ihnen zugleich für ihre bis jetzt im Kreise Alsfeld bereits geleisteten Dienste mit anerkennenden Worten. Gendarmerie-Kreisführer Stein wies in kurzen Worten auf die Bedeutung der Verpflichtung und Vereidigung hin. Diese wurde nach entsprechender Be- lehrung über die Heiligkeit und Wichtigkeit des Eides durch den Hauptmann der Landesgendarmerie Menneckes (Darmstadt), vorgenommen. Die Feier wurde dann mit dem Treuegelöbnis für den Führer und dem Gesang der beiden Nationallieder geschlossen.
Landkreis Gießen.
+ Grünberg, 20. Mai. Am Muttertag wurde hier in einer schlichten Feierstunde, die im Saale des „Rappen" stattfand, eine Anzahl Mütter mit dem Ehrenkreuz der deutschen Mutter ausgezeichnet. Zu der Feier waren die Politischen Leiter, Vertreter der Gliederungen und Angehörige der Mütter erschienen. Ortsgruppenleiter Schütz eröffnete die Feier mit Begrüßungs- worten und ehrte das Andenken der kürzlich verstorbenen Frau Minna Hoffmann, geb. Port, die zur Auszeichnung mit dem goldenen Ehrenkreuz vorgeschlagen war. Abwechselnd folgten dann Musikvorträge, Gedichte von BDM.-Mädeln und Lieder der Jungmädel. In längeren Ausführungen sprach dann Ortsgruppenleiter Schütz über die Stellung der Frau im heutigen Staate gegenüber der früheren Zeit, wie dies auch durch die Stiftung des Ehrenkreuzes durch den Führer zum Ausdruck komme. Gemeinsam mit Bürgermeister König überreichte er dann an 23 Mütter Ehrenkreuze: 4 goldene, 5 silberne und 14 bronzene. Es erhielten: Goldenes Ehrenkreuz: Anna Schäfer, geb. Erbes; Helene Schlüter, geb. Seng; Lina Siek, geb. Jung; Ottilie Krumm, geb. Leicht. Silbernes Ehrenkreuz: Elisabeth Seid, geb. Jakob (steht im 90. Lebensjahr); Karoline Waoner, geb. Schultheiß; Berta Feldbusch, geb. Dietz; Anna Gehringer, geb. Dickel; Frieda
Theiß, geb. Geist. Bronzenes Ehrenkreuz: Frieda Schönhals, geb. Bettina; Marie Kappes, geb. Schmidt; Karoline Henkel, geb. Mebus; Marie Sauer, geb. Gilbert; Marie Horst, geb. Jüngel; Mathilde Röhm, geb. Stein; Lina Röhm, geb. Schellhaas; Katharine Römer, geb. Steinmütter; Justine Schäfer, geb. Görnert; Lina Becker, geb. Frank; Meta Becker, geb. 5ranf; Lina Faulftich, geb. Lang; Elisabeth Reitz, geb. Müller, Lino Röhm, geb. Christ. Mit dem Gruß an den Führer fand Die Feier ihr Ende.
* Utphe, 20. Mai. Bei der Arbeit verunglückte heute der Maschinist Wilhelm Filsinger von hier. Er geriet zwischen zwei Feldbahnlokomotiven und wurde verletzt. Er erlitt erhebliche Prellungen, sowie eine Gehirnerschütterung. Lebensgefahr besteht glücklicherweise nicht. Der bedauernswerte Mann wurde in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht.
Kreis Alsfeld.
§ Alsfeld, 20. Mat. Dieser Tage hielt der Zweigverein Alsfeld des VHC. unter Vorsitz von Bürgermeister Dr. Völsing seine Mitgliederversammlung für das Dereinsjahr 1939 ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung wies der Äorfitzende auf die ruhmreichen Taten der deutschen Wehrmacht hin, mit Worten vollsten Vertrauens zu unserem Führer auf ein siegreiches Ende des Krieges. Zur Einleitung des Jahresberichts gedachte er dann des im März verstorbenen Wandermeisters des Vereins, Ferdinand Planz, der sich große 23er- dienste um den Verein erworben hat. Dem Bericht war zu entnehmen, daß die Mitgliederzahl nahezu unverändert geblieben ist. Die Vereinstätigkeit beschränkte sich tm wesentlichen auf die Durchführung Der planmäßigen Wanderungen, die eine gute Durchschnittsziffer aufzuweisen hatten. Die Jahresrechnung wies eine Einnahme von 454,42 RM. und eine Ausgabe von 397,68 RM. auf, sodaß ein Kas- senbestand von 56,74 RM. verblieb. Dem Kassen- wart wurde Entlastung erteilt. Der Voranschlag für das Vereinsjahr 1940 wurde in der vom Vorsitzenden vorgetragenen Fassung genehmigt. Das goldene Abzeichen für fleißige Wanderer wurde an 14 Vereinsmitglieder verliehen. Auf einmütigen Vorschlag der Mitgliederversammlung wurde durch den Vereinsführer Schulrat i. R. Rausch zum Wandermeister, Postinspektor Alb ach zum zweiten Vereinsoorsitzer ernannt. Der Verein hält auch im Jahre 1940 seine regelmäßige Wandertätigkeik aufrecht.,
Schweinemarkl In Butzbach.
* Butzbach, 21. Mai. Auf dem heutigen Schweinemarkt waren 554 Ferkel aufgetrieben. Es kosteten bis sechs Wochen alte Tiere bis 20 RM., sechs bis acht Wochen alte 20 bis 23MMer acht Wochen alte Ferkel bis 35 RM. Der HMdel war flott, der Markt wurde ausverkauft.
Tuspo Bettenhausen Handbatt-Bereichsmeister.
To. Hochelheim
im Entscheidungsspiel 7:3 (3:1) geschlagen!
Vor einer verhältnismäßig großen Zuschauermenge standen sich in Wetzlar beide Mannschaften zum entscheidenden Spiel gegenüber. Groh war der Einsatz, mit dem beide Partner kämpften, wenig Inhalt aber hatte die Spielweise. Denn selten ist in einem Endspiel technisch und takttsch so wenig, geleistet worden,' wie diesmal. Zugegeben, daß auf beiden Seiten noch in letzter Minute Ersatz eingestellt werden mußte. Dieser Umstand aber war keineswegs entscheidend für den Spielausgang. Ausschlaggebend war der mangelnde Einsatz. Beide Hintermannschaften arbeiteten aufopfernd und fast fehlerlos, dagegen wiesen die Stürmerreihen Män
gel auf, die sich auswirken mußten. Besonders kroß machte sich gerade diese Tatsache bei Hochelheim bemerkbar, während Dettenhausen wenigstens Anzeichen eines besseren Könnens zu erkennen gab. Es kann deshalb auch nicht verhehlt werden, oah die Mannschaft zu Recht gewann.
Die Spiele um den Lahnpokal.
Tv. Dornholzhausen — Tv. Grüningen 15:5 (6:4) To. Dutenhofen — Tv. Atzbach 14:7 (6:4)
To. Dutenhofen Jgd. — Tv. Lützellinden Jgb. 7:19 (2:10)
Tv. Münchholzhausen — Tv. Garbenheim 11:17 (3:8)
Mtv. Gießen — Tv. Heuchelheim 3:8 (0:4).
Dornholzhausen konnte seine Überlegenheit erneut unter Beweis stellen. Trotzdem fleh Grüningen tapfer wehrte, gewannen die Gasigerer, wie sie wollten. — Dutenhofen hat die Scharte des Vor
spiels allsgewetzt. Atzbach bezog eine empfindliche Niederlage, und zwar vollkommen zu Recht. — Zu einem harten Kampf kam es in Münchholzhausen. Trotz Ersatz gewann Garbenheim eindeutig. — Der Mio. hatte nicht seine etätsmähige Elf zur Stelle, während Heuchelheim diesmal sehr svielstark antrat. Unter diesen Umständen läßt sich die auf eigenem Platz erlittene Niederlage -schon verstehen.
HZ. im Kampf um die Handball« Sebietsmeisterschast.
Nach ihrem hervorragenden Abschneiden ist die Auswahl-Elf des Bannes 88 (Wetzlar) nunmehr in die Zwischenrunde gekommen, wo sie am 26. Mai auf eine Frankfurter bzw. Offenbach-Hanauer Mannschaft treffen wird. Es ist bekannt, über welche Spielstärke gerade die kommenden Gegner verfügen. Unter diese Umständen werden die Jungens aus Wetzlar einen sehr schweren Stand haben. Immerhin ist das bis jetzt an den Tag gelegte Rönnen derart ausgereift, daß Einerlei Bedenken hin- sichtlich des zukünftigen AbsHneidens zu bestehen orauchen. Es kommt noch hiillu, daß die Vertretung weiterhin verstärkt rourbÄpb daß die Schlagkraft dadurch erheblich größer V
Die Festsetzung der Zwisckenrunden-Paarungen wird nach dem Vorliegen aller Vorrunden-Ergeb- nisse vorgenommen, so daß also in aller Kürze auch der Gegner für unsere Einheit feststehen dürfte.
Fußball um die Gebietsmeisterschast.
Banti 88 — Bann 118 1:4 (1:2).
Am Sonntag trat der Bann 116 die Reise nach Löhnberg an, um dort das fällige Spiel um die Gebietsmeisterschaft auszutragen. Das Vorsviel in Gießen verlor der einheimische Bann, der damals mit einer Vereinsmannschaft antrat, mit 4:0 Toren. Für dieses Spiel am Sonntag wandte sich jedoch das Blatt. Die Gießener Hitler-Jugend spielte mit folgender Elf:
Dinges (1900)
Schlitz (BfB.^r.) Bötz (1900)
Theis (1900) Heeg (1900) Dahmer (1900) Ehmann Kraft Funk Weniger Nachtigall (VfB.-R.) (1900) (DfB.°R) (1900) (1900)
Bann 116 hatte Platzwahl und wählte den Wind zum Bundesgenossen. Die Elf fand sich schnell. Das Tor der Gastgeber war vielen Angriffen ausgesetzt. Einige Schüsse verfehlten ihr Ziel. Nach 10-Minuten war aber durch Kopfball von Funk, unhaltbar für den gegnerischen Tormann, der erste Erfolg fällig. Ein Mißverständnis in der Verteidigung nutzte dann der Gegner durch seinen Rechtsaußen zum Ausgleich aus. Die 88er tarnen nun mehr auf, die Verteidigung der Gießener wehrte aber erfolgreich ab. Dann nahmen Die Gießener das Heft wieder in die Hand. In der 32. Minute fiel der Führungstreffer. Mit 2:1 für 116 ging es in die Halbzeit. In den ersten 10 Minuten der zweiten Halbzeit dominierten die Gastgeber. Das Gießener Schlußdreieck war aber nickt zu schlagen. Bald kamen-aber die Gießener wieder auf, und Ehmann erhöhte nach schönem Alleingang und aus naher Entfernung sicher auf 3:1. Wenig später schoß er das 4. Tor für seine Mannschaft.
Die Gießener zeigten eine scköne und geschlossene Leistung. Die Mannschaftsteile arbeiteten ausgezeichnet zusammen. Es gab keinen schwachen Punkt in -her Elf. Der Sieg war verdient. Die Elf des Bannes 116 wird also in den kommenden Spielen um die Gebietsmeisterschaft noch ein Wort mttzu« reden haben. *
Vfv.-R. f. Jgd. — 1900 2. 3gd. 3:1.
Die 2. Jugend der Blauweißen trat ebenfalls am Sonntag auf dem Platz des VfB.-R. zu einem Spiele an. Dabei gelang es den 1900em nicht, die Vorspielniederlage auszugleichen. Es lag vor allem daran, daß die Blauweißen in der ersten Halbzeit nicht den nötigen Eifer zeigten. Erst In der weiten Halbzeit fanden sie sich besser. Zum Sieg reichte es aber nicht mehr.
Der Vannmeister 116
in Großen-Llnden 4:2 geschlagen.
Am vergangenen Sonntag weilte der Bann- meister, Tv. Butzbach, in Großen-Linden, um dort ein Freundschaftsspiel auszutragen. Die Großen« Lindener gewannen das Spiel verdient. Großen« Linden zeigte eine gute Mannschaftsleistung, während sich die Butzbacher das Spiel durch vieles Umstellen ihrer Mannschaft selbst zunichte machten. Sie zeigten wohl gute Einzelleistungen, brachten aber feine gute Gesamtleistung zustande.
Wirst üliKschOn,Lmo?
Nomon von Martina ikckart-kjelm
33. Fortsetzung (Nachdruck verboten!)
„Dann wollen wir auch nicht mehr lange davon reden. Strich drunter. Du gehst nach deiner Belzig- Brauerei. Und wenn wir hier schließen, dann kannst du alles gleich mitnehmen, Maschinen, Apparate und den Hefenfranz dazu. Kannst gleich alles auf dein väterliches Erde aufrechnen! Das mütterliche bekommst du von der Entschädigungssumme. Sieh zu, daß du da Drüben etwas Ordentliches zustande- bringst. Hoffentlich haft du Glück! Wie das Wasser ist, das weiß ich ja nicht, habe meine Bedenken. Aber du weißt ja selber Bescheid. Und ich — ich bau' dann meine paar Kartoffeln hier, wenn die Quellen hin sind, mein bißchen Getreide, Kleinbauer werd' ich spielen, und Dann sind wir wohl quitt!"
Der alte Gräfe fällt schwer auf seinen Stuhl zurück wie ein alter Mann, der sich nickt auf seinen Beinen halten kann. Mitgenommen hat ihn das alles!
Hermann steckt ihm abermals die Hände entgegen.
„Vater, du muht mir das alles nicht übel- nehmen. Mußt versuchen, mich zu verstehen. Will dir ja nichts nehmen — ich brauche nur Luft!"
„Na ja, werd' mich schon 'reinfinden! Ich muß fa! Hilft ja nichts. Wir find nun mal altes Eisen. Mach' nur, wie du denkst! Ich hab' das nun satt, das Gestreite. Frohe Gesichter will ich, meine Kinder sollen alle zufrieden sein!"
„Nun bann gehe ich jetzt, Vater!" Hermann'schüttelt ihm die Hand. „Und wenn ich Erni das Spar- kassenbuch wiederbringen kann, dann gehöre ich wieder zu euch. Dann komme ich öfter."
Christoph Gräfe sieht ihn gehen, seinen Aeltesten. Trotz allem, was er hat zugestehen müssen, ist er nun doch wieder stolz auf diesen Sohn. Der Hermann ist schon richtig! Ein Dickkopf, ein harter ...
Beim Mittagessen fragen sie ihn alle nach Hermann. Und nun muh Christoph Gräfe erzählen,
wenn es ihm auch nicht leicht fällt. Aber zum Schluß wissen sie es nun doch alle, wie anständig ihr Großer ist.
„Alle Wetter, hätte ich gar nicht für möglich gehalten", nickte Jupp, auf beiden Backen kauend, zustimmend mit dem Kopf.
„Nimm dir ein Beispiel!" Rudolf gibt ihm einen freundschaftlichen Stotz. „Uebrigens, Kunststück so zu sein", fügt er in nicht unbeträchtlichem Familienstolz hinzu. „Ein Gräfe! Bei so einem Vater!"
Ja so ein Vater! Und sie sehen alle voll Stolz auf ihren Vater.
Lena hat die Hände in den Schoß gelegt, fest in- einandergepreßt. Ihre Augen leuchten. Sie sieht niemanden rundum. Sie sieht nur das schmale braune Gesicht Hermanns vor sich. Eine jähe Welle von Zärtlichkeit erfaßt sie, eine schier unbezwingliche Sehnsucht, dieses Gesicht in ihre Hände zu nehmen.
„Morgen mit’nanber."
Dutschke-Karl, der Briefträger, tritt in die Stube und legt einen kleinen Stapel Postsachen auf den Tisch. Erni und Jupp machen lange Hälse. Rudolf hat das Verteilen übernommen.
Jupp, der bisher alle Weibliche vom Jüngsten bis zum ältesten Kaliber mit „doof" bezeichnet hat, erhält eine Karte mit dem Bautzener Reichsturm. „Bestens dankend für deine Ansichtskarte vom Hutberg" — Rudolf räuspert sich —, „erwarte dich heute nach der Schule am umstehenden Turm — Ursel."
„Hm, Hauptsache, daß du nicht nachsitzen mußt!"
Jupp haut ab mit einem Kopf, der rot wie ein Luftballon vom Jahrmarkt ist.
Und da ist nun noch (Erni, die Rudolf gern die Briefe aus der Hand nehmen möchte. Aber Rudolf verteilt seelenruhig: Vater, Vater, Lena, Erni —
Er selbst hat eine fast aufreizend bunte Ankündigung einer Reisegesellschaft erhalten. Hochzeits- reisende, verlebt eure Flitterwochen im sonnigen Süden! Die biedere Gräfestube versinkt vor feinen Augen. Er sieht sich mit Jutta am Lido wandeln. Uno das ist gut so, denn sonst hätte er sich gewundert, wie Lena und Erni dastehen, jede den Brief der andern musternd, zwei Briefe derselben Schrift in Den Händen. Blaß und betreten sehen sie sich an.
„Ich muß Vater die Post hinüberbringen."
Rudolf meint, in der Brauerei. Aber er spricht vor leeren Wänden. Während seine Gedanken in Venedig weilten, haben (Erni und Lena, eine jede durch eine andere Tür, die Stube verlassen. (Eine jede ist in ihre Kammer gegangen.
Lena Oettekings Hände zittern. Die Buchstaben flimmern, schieben sich ineinander, formen sich schließlich nur widerwillig zu Worten und Sätzen. Ihre Stirne wird heiß und fiebrig.
„—begann schon das Verhängnis, als ich Den Gräfehof betrat. Warum mußte es gerade Erni fein, Die mir als erste entgegenkam?"
Ja, damals! Lena denkt zurück, eine merkwürdige Stimme zog sie damals, als sie nach dem Schloß ging, zum Gräfehof zurück.
„— weiß ich doch gewiß, daß ich Deiner Güte, Deiner Ausgeglichenheit nicht würdig bin, weiß, daß ich einen unfertigen, werdenden Menschen eintausche, weiß, daß es noch Kampf und Sturm mit (Ernt geben wird. Aber siehe, noch liebe ich diesen Kampf und Sturm, noch will mir ein geebnetes Leben nicht erstrebenswert erscheinen. Gewiß, vieles wäre wohl in deinen Händen besser bewahrt, trotzdem zieht es mich mit allen Fasern meines Herzens zu Erni Gräfe ..."
Lenas Augen sind voller Tränen. Nicht aus Trauer oder Enttäuschung, sondern weil ein Schicksal sich hier vollendet, das unausbleiblich war.
„.. .eines Tages tarn es über uns beide wie ein Sturzbach, das Geständnis, ja das ganze Wissen unserer Liebe. Du wirst mir diesen Treubruch verzeihen, ich weiß es. Du wirst Verständnis haben für unsere Liebe!"
Lena atmet schwer. Nein, leicht fällt es ihr nicht, Bande zu lösen, an Die ihr Zukunftstraum gefettet war. Aber Das Geschick hat ihr Die Schmerzen dieser Loslösung auf viele Tage verteilt, sie sind Der Erklärung Gottfrieds schon oorangegangen. Heute nun, da Der Schlußpunkt gesetzt wird, ist in Lena alles klar. Sie liest den Brief noch einmal, denkt an Erni, die nicht den Mut gefunden hat, ihn einzugestehen, daß sie und Gottfried sich schon gefunden haben. Warum hat Gottfried den Mut zum Geständnis nicht gehabt, als er von ihr ging?,
Lena sucht Anwort und Entschuldigung. Vielleicht hat man sie schonen wollen, vielleicht haben diese beiden geglaubt, mit ihrer Liebe fertig zu werden.
Mit Der Liebe fertig werden? Gibt es Das überhaupt?
Und nun spürt Lena, daß schon seit einer ganzen Weile eine leise Melodie in ihr singt, daß ihre Liebe, ihr ZukunftHhoffen schon längst eine Brücke zu einem anderen Menschen geschlagen hat.
Beschämt verbirgt sie ihr Gesicht in Den Händem So schnell, so schnell ist ihr Gottfried Bonhoff unwichtig geworden? Nein, nicht schnell! Lena sieht zurück und erkennt, daß ihre Wege schon eine lange Weile auseinanderführten, ja, daß sie vielleicht nie ineinandergelaufen waren.
Mit einem neuen, veränderten, klar und rein gewordenen Blick ins Leben steht Lena auf, faltet den Brief zusammen und legt ihn weg. Ihre Hände liebkosen ihn noch einmal. Schön war dieses kurze Begegnen. Aber es hatte einen Sturm nicht überstanden.
Liebe? Jetzt erst weiß sie, was es heißt, wenn ein Herz voll Liebe ist.
Die halbe Giebelwand des Gräfehauses ist nach der Wetterseite zu mit Schiefer gedeckt. Es sind lauter kleine, dicht verankerte Plättchen, die wie ein Schuppenpanzer aussehen. Wenn der Wind weht, bann klappern diese Schieferplatten. Die Leute im Grafehaus sind daran gewöhnt. Aber Lena, die diese Geräusche nicht kennt, kann Darüber nicht einschlafen. •
Nie zuvor hat der Sturm so geheult wie in der heutigen Nacht. In den Kronen der Bäume ächzt und stöhnt es. Manchmal lauscht Lena nach (Erms Zimmer hinüber, bas nur durch eine Wand von dem ihren getrennt ist.
Den ganzen Tag ist ihr (Ernt aus dem Wege gegangen. Nachmittags war sie in Plessen-Roda. Als sie abends heimkam, fang sie auf dem Wiesenpfad, her am Zaun entlang führt. Lena, Die Die letzten Früchte von Den Quittenbäumen nahm, hörte es. Daß sie dazu lächelte, davon hatte Erni freilich feine Ahnung. Mit unsteten Blicken saß sie dann am Abendbrottisch. Als der Sturm auffam, war sie die erste, die davonrannte, um im Haus alle Fenster zu schließen, (Fortsetzung folgt)


