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Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Hr.69 Zweites Blatt
Osterspaziergang rund um Gießen
Blick vom Trieb zum Hangelstein.
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Der Kapitelsaal in der Ruine Kloster Arnsburg.
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Gießen—Lindener 2Nark—Rindsmühle—Gießen.
Wir beginnen unsere Wanderung an der Universitätsbibliothek und folgen dem vom DHC. vor einigen Jahren neu angelegten roten T, das uns zum Erdkauterweg, am Gailschen Tonwerk vorbei, auf lauschigen Waldschneisen der Lindener Mark zur Theodorsrühe führt. Hier erfreuen wir uns von der Schutzhütte aus an dem prachtvollen Blick auf den Schiffenberg, gehen auf unserem seitherigen Weg gelben Punkten nach bis zur nächsten Schneise, wo die Zeichen nach links abbiegen, wir indessen geradeaus weiterschreiten. Nach einiger Zeit zweigt nach links ein Fußpfad ab, der uns alsbald zur Nikolausquelle, eine hübschen Anlage mit Ruhebänken, bringt. Vom nahen Waldrand bietet sich ein schöner Blick über ausgedehnte Wiesengründe nach den umliegenden Dörfern. Nicht weit von der Quelle führt in westlicher Richtung durch den Wald em Weg aufwärts, dem wir bis zur vierten Querschneise'folgen, diese nach links einbiegen, und nach kurzer Zeit die Rindsmühle, wo wir Raft machen können, erreichen. Den Heimweg nehmen wir über die Leihgefterner Straße. 3*/2 Stunden.
Gießen — Hangeislein — Daubringer Paß — Alten-Vufeck — Wieseck.
Zu dieser Wanderung benutzen wir zunächst die rote Keil- Markierung, die uns über Wieseck zum Hangelstein führt. Wir kommen an dem schönen Ausblick über dem Steinbruch und an der Felsenkanzel mit hübschem Staufenberg-Blick vorüber, steigen auf gewundenem Pfad hinab und folgen jetzt blauen Dreiecken, die uns an der Teufelskanzel und der Unionslinde vorüber dem Daub- ringer Pah geleiten. Auch hier erfreuen uns prächtige Blicke nach der Rabenau und dem Totenberg, auf Burg Staufenberg und das Busecker Tal. Wir verlassen jetzt das Wegezeichen, gehen abwärts nach Alten-Buseck. Dauer der Wanderung 3V- Stunden.
Gießen—Fernewald—Ganseburg—Gießen.
Eine hübsche Wanderung bietet die blaue Punktmarkierung, die am Schreiberweg ihren Anfang nimmt, durch das „Nizza" und unseren schönen Stadtwald, die alte Steinbacher Straße entlang führt. Nachdem wir den Wald
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bringt uns nach zwei Richtungen hin rasch und quem aus dem Inneren der Stadt hinaus, bis unsere Wälder und Felder. Und dann beginnt die frohe Wanderung. Wenn man den ganzen Winter über Tag für Tag an seinem Arbeitsplatz geweilt hat und die Wintersonntage meist in der Wohnung verbrachte, dann ist ein richtiges, anhaltendes Auslaufen durch die Natur im ersten Frühlingserwachen nicht nur eine Augenweide, sondern auch eine gesundheitliche und zugleich selische Erholung. Darum holen wir diesmal gerne den Wanderstock hervor und machen uns freudig zu „Rittern der
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Landstraße".
Unser Ostermarsch rund um Gießen ist aber auch nicht unbedingt an einige Ausflugsgaststätten gebunden, oder nur auf ein paar Punkte beschränkt. Für viele Gießener wird es reizvoll sein, auch einmal nach anderen Zielpunkten zu marschieren, die nicht zum „allgemeinen Lauf" bei den üblichen Sonntagsausflügen gehören. Denken wir z. B. einmal an einen Streifzug durch den nicht allzu häufig begangenen Fernewald, vorausgesetzt natürlich, daß nach den langen Winterwochen die dortigen' Wegeverhältnisse zum Wandern geeignet sind. Wer diese etwas abgelegene Waldgegend kennt, wird zugeben müssen, daß auch dort mancherlei reizvoll für den erholungsuchenden Städter ist. Und wenn man zum Abschluß in Annerod „die Hacken unterstellt", so kommt man auch noch voll auf seine Rechnung. Ferner gehört ein Gang durch das B u - seckertal bis hinauf zu den Höhen bei Climbach nicht zu den alltäglichen, landschaftlich, aber doch reizvollen Ausflugsmöglichkeiten. Und ebenso wird der für die Schönheiten der Natur aufgeschlossene Mensch auf einer Wanderung durch das Hange!- st ein gebt et, oder bei einem Marsch durch den Krofdorf er Forst, nicht minder auch bet einem Ausflug in das Salzbödetal — die man samt und sonders zu Fuß erreichen und dabei die Reichsbahn schonen kann — viel Freude erleben. Das Biebertal mit dem Dünsberg gehört im allgemeinen auch nicht zu den überlaufenen Wander- zie'leu, es bietet-xiber immer wieder so vielerlei landschaftliche Reize, daß es sich schon verlohnt, während der Osterseiertage auch dort einmal umherzustreifen.
„Rund um Gießen" mit dem roten Ring.
Hier sei besonders auf die vor einiger Zeit vom VHC.-Gießen in dankenswerter Weise ausgeführte Wand er st recke „Rund um Gießen" hm- gewiesen, die sich, da sie insgesamt 11 Stunden Marschzeit umfaßt, wenigstens teilweise als Osterspaziergang eignet. Zum Teil durch Flur und Feld, teils durch prächtige Waldungen führend, bald auf der Höhe mit reizvollen Blicken, dann wieder im Tal gehend, bietet diese Wanderung in ihren einzelnen Teilen zu jeder Jahreszeit hohen Genuß.
Wir beginnen unseren Marsch am Bismarckturm, wohin wir auf dem Gleiberger Weg gelangen. Hier oben erfreuen mir uns an dem prächtigen Panorama, das sich uns darbietet. Zur Linken erscheinen die Lahnberge mit dem Frauenberg, anschließend der Vogelsberg, der Taunus und ein Teil des Westerwaldes. Zu unseren Füßen das breite Lahntal und unsere Heimatstadt in ihrer ganzen Ausdehnung. Fürwahr ein entzückendes Bild! Hinter dem Turm ziehen sich die mit Gitter versehenen Weide- und Futterplätze für die Hühner des Oberen Hardthoses hin. Dem roten Ring, der uns auf der ganzen Strecke begleitet, folgen wir jetzt nach links, genießen zunächst. überraschende Blicke in das Biebertal, auf unsere Nachbarburgen mit dem dahintergelegenen Düns- berg und den vor uns liegenden Windhof. Die Rodheimer Straße überquerend, kommen wir Biebertal. durch einen Teil unseres
Fragen; heute hat die Buche unendlich viel zu tun, um überall zugleich die flaumbedeckten seidenen Triebe in den blauen Frühling hinauszudrängen und den kalten Schneeflocken zu wehren, die mitunter mit den Märzschauern im Nordwest niederwehen. Auch, tausenderlei hat sie zu bedenken und zu besinnen, hat zu sprießen und zu wachsen und muß schon an die feinen kleinen Blüten denken, an die kleinen ftieligen Zwillingsjungfern und die baumelnden Bürschchen, die gleich nach den Blättern sprießen werden, kaum sichtbar den Leuten unten auf der Erde, aber dock) voll süßen milden Honigs für alle vieltausend Käfer und Kerfen, die als Hochzeitsgäste kommen werden.
Denn: ob unter grünem ober rotem Gefieder, der Liebe Not und Freude sind die gleichen
Als er in den behelfsmäßig eingerichteten des Feldlazaretts mit unsicheren Schritten trat und groß, leicht gebückt und rotfleckig auf den eingefallenen Wangen sich auf das ihm zugewiesene Bett hin bewegte, fühlten wir alle, ohne es gleich auszusprechen: daß ihn schon der kühle Wind des Jenseits
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Ein guter Kamerad
Von Werner Schumann.
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stattlichen Nachbardorfes Heuchelheim, gehen die Bieber entlang, überschreiten die Lahn und die Bahn und erreichen das hochliegende Allen- dorfer Wäldchen, das wir auf steilem Pfad erklimmen. Nach genügender Augenweide von der Höhe wandern wir weiter auf aussichtsreichen Feldwegen, überschreiten bei Klein - Linden die Frankfurter Straße, später die Eisenbahnbrücke und gelangen am Eingang der Lindener Mark zum „Börnchen", wo mir ein Stündchen in besinnlicher Rast verweilen und uns dem Zauber des murmelnden Quellchens hingeben. Durch die ausgedehnte Waldung der Lindener Mark, vorbei
Die Biutbuche.
Von Hans Friedrich Blunck.
Mitten im Hauswald steht sie im Schleier des ttften Laubes. Die Eichen rundum haben noch ihre Staunen vorjährigen Blätter unb fingen sogar vom Mißen Frühlingsschnee, ber vorhin burch ben Mittag trieb, bie Eschen haben noch nicht einmal Die j Knospen geöffnet, es sind launische Bäume, bie einmal früh, einmal spät treiben, auf die kein Ber- i| taß ist
: Aber die Buche ist getreu, sie Ijat alles bedacht i wi'b ihre Knospen rechtzeitig so weit vorgetrieben, Ltofc an bem Ast, ben ber Märzsturm herabnß, schon des Rehwild äste. Nun schien die Sonne so warm, daß sie auf einmal alle Hüllen springen ließ, — sie rieseln bei jedem Windstoß nieder — unb über
: dir letzten Schneeflocken lächeln barf. Grüßend steht der Baum mitten unter ben braunen Geschwistern Hub wenn man voll Verlangen über bie Eichwipfel Id aut und hofft, jenen rötlichen Hauch zu entdecken, ber vom Frühling kündet, so bleibt ber Blick leer. Ach, die meisten müssen überhaupt erst bas raschelnbe Liubhemd abwerfen, bas sie über Winter trugen, un nicht zu frieren. Nur bie Buche hat's gewagt unb schenkt sich unserer Freube.
Ich glaube, in einem deutschen Mittelgebirge hat man zuerst eine Blutbuche entdeckt. Auf einmal hotte einer der Bäume sich besonnen; wo alle ordern grünes Laub trieben, hatte er em Neues ermüden und kleidete sich in Rot. Und es blieb nicht die Laune eines einzelnen, auch seine Reiser, bie man zum Treiben brachte, blieben bet der rcten Farbe, sogar die Sämlinge hatten nut) Den Schimmer, und einige wurden sogar noch purpur- nir als die Mutter. Indes, auch die Blutbuchen fir.b in den ersten Tagen des Fühlings noch einmal giün, färben sich erst langsam; es ist, als wollten jit nur verbergen, woher sie kamen.
Ich gehöre zu den Sonderlingen, die auch Den tarnen Rede und Antwort stehen. Als Kind hat nun mir gesagt, daß in jedem Stamm ein eigenes Wesen wüchse, unb baß jebe Art auch ihre Mutter hebe, die sich eifrig um die Ihren sorgt. Ich habe oft nach den kleinen Wesen gesucht, die im Vlatt- n'»rk huschen, mitunter auch aus einer tiefen Kirbe dec Rinde hervortreten und mit den Km-
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die MH. An Wen . 'drei, Mr 9 ihrer Urzeit Jn den Men « Klei. FJhtb schreib. 'Prache id -hm schlich ter oon ' nord.
auch an ber idyllischen Theoborsruhe mit dem reizenben Schiffenberg-Blick, gelangen wir auf Kreuz- unb Querwegen hinauf zum Schiffenberg, um uns hier eine Weile ber wohlverdienten Ruhe hinzugeben. Immer noch burch schönen Hochwald führt uns das Zeichen weiter nach Annerod, später durch das Buseckertal über Rödgen und Trohe bis zur Ludwigsburg, wo wir in das Hangelsteingebiet gelangen. An den Hängen des Berges her kommen wir über die Marburger Straße hinab zur Babenburg, von wo uns bas Zeichen am Ufer ber Lahn entlang, an idyllischen Plätzchen vorüber, bis zur Eisenbahnbrücke bei Wißmar führt, über die wir das jenseitige Flußufer erreichen. Den größten Teil von Wißmar umgehend, steigen wir bei den letzten Häusern wieder in die Höhe und kommen zur Waldeckslärche, einem stimmungsvollen Platz mit reizender Fernsicht, wo es sich ebenfalls wunderbar ruhen läßt. Immerzu schöne Fernblicke gewährend, führt uns unser Weg schließlich über ben Wettenberg zurück zum Bismarckturm, wo wir unfern Rundgang beschließen.
leise anwehte.
Im Liegen werden die Sinne geschärfter, das Auge hellsichtiger. Es war, als zöge ein Schatten durch den Saal, und auch den Robusteren unter uns, denen ein saftiger Soldatenscherz stets locker auf den Lippen saß, ward es in diesem Augenblick wieder erschreckend klar, wie zeitig die Lebenden von dort drüben angerufen werden können.
Doch war es nur ein Atemverhalten auf eines Flügelschlags Länge, dann war das verstummte Gespräch wieder im Gange.
Der „Neue" war ein echter Kölscher Junge. Ergreifend, zu sehen, wie das rheinische Temperament zwischen dem Auf und Ab der Fieberkurven immer wieder hochflackerte, wie die Lebenskraft sich noch lange nicht gebrochen erklären wollte. Wie ein Kind konnte er dann sein, das den Krankensaal mit den lichten Blumen des Sommers füllte, den Kummer fortlachte, dem Mißvergnügen die helle Jungenstirn bot und unbeschwert den Skat mit-
durchschritten haben, gehen wir nach links an seinem Rande entlang, überschreiten bie Licher Straße und gelangen nicht weit vom Forsthaus Hochwart in den Fernewald, einen durch seine köstliche Ruhe und Einsamkeit bevorzugten Walddistrikt. Nach gut 2^'stündiger Wanderung, von Gießen aus gerechnet, gelangen wir bei der Ganseburg auf die Reiskirchener Landstraße. Auf der Ganseburg, einer einfachen, aber guten Wirtschaft, dürfte eine Erholungspause am Platze sein. Wenige Schritte vom Haus sehen mir die Höhen des Vogelsbergs. Das Wegezeichen führt vor bem Gasthaus einen Feldweg entlang nach Großen-Buseck. Wir ziehen jeboch vor, die Walbstraße nach Gießen zu wandern.
Gießen—Wellenberg—Krofdorf—Vetzberg—Rodheim.
Diese Wanderung ist, da sie wenig Schatten bie« tet, für die Frühjahrs- unb Herbstzeit zu empfeh* len. Wir gehen auf ber Krofborfer Straße bis zum Wegweiser am Launsbacher Weg, von hier rechts ben schwarzen Punkten nach, bie uns über eine Eisenbahnbrücke zum Wettenberg führen. Von seiner höchsten Erhebung, der sogenannten Napo- leonsnase, mit einem alten Ringwall, genießt man man einen prächtigen Runbblick. Namentlich bie Aussicht nach Westen auf bie Burgen Gleiberg und Vetzberg, auf Königsberg unb den Dünsberg ist besonders malerisch zu ‘nennen. Nach genügender Augenweide verlassen wir bas Wegezeichen und steigen nach Krofdorf hinunter, wo gute Gastwirtschaften zur Rast einlaben. Etwa eine Viertelstunde hinter Krofborf beginnt bie Ersteigung ber trutzigen Feste Vetzberg. In Robheim folgt bie Schlußrast. Dauer ber Wanberung höchstens br/ Stunben.
brosch, ber zuweilen zwischen den Feldbetten im Gange war.
Darauf folgten Abende, da plötzliche Hitze durch seinen geschwächten Körper wallte und die Augen, die gütigen und liebenswerten, sich böse entzündeten; Nächte, da er in flackernden Träumen geheime Angst hinausschrie, und wir, jäh aus dem Schlaf gerissen, voller Sorge zu ihm hinüber- und auf seinen stoßenden Atem lauschten.
Eine rätselhafte Krankheit mochte den lieben, hilfsbereiten Jungen in der Zange haben. Und da ihm sonst niemand Feind war, hatte ihm das Schicksal den unerbittlichsten Feind gestellt, mit dem er nun so tapfer rang.
Einer nach dem anderen wurde entlassen — er blieb. Mit stillen Augen verfolgte er, wie unser Kameradenbund sich langsam wieder aufzulösen begann, dieser wieder zur Truppe zurückkehrte, jener in ein anderes Lazarett übergeführt wurde; wie es von Tag zu Tag einsamer um ihn wurde und sich alles, was ihm Freund geworden war in schmerz- und scherzreichen Wochen, unaufhaltsam von ihm entfernte.
Da faßte er sich ein Herz und stellte den Stabsarzt: „Ich bitte, zur Truppe entlassen zu werden!" „Nein — ich kann es nicht verantworten." Er schloß die Augen und sank zurück, um sich mit dem Unabwendbaren abzufinden.
Den Morgen darauf, er stieg kühl und strahlend über die Waldhöhen, nahm ich als Letzter von den Alten Abschied von ihm. Weit offen standen dis Fenster, und die Stille des Saales war plötzlich erfüllt vom Gesang einer ausmarschierenden Kompanie:
... Fanfaren sie begleiten, hell zu ben Hügeln empor!
Wir hatten gescherzt beim Packen und Rüsten, bis ich an sein Bett trat und ihm mit einem Händedruck bie Zuversicht zu schenken versuchte, baß er bald als ein Genesener uns nach folgen werbe. Er lächelte dankbar und ungläubig und hielt ben Atem an, als wolle er sich bas Wunderbare ausmalen. Dann roanbte er schnell den schmalen Kopf und mühte sich nicht mehr, die Tränen zurückzuhalten, bie uns ben Mund verschlossen, doch die Seele aufwühlten bis auf ben Grund, da ein Mann, ein tapferer Solbat und ein guter Kamerad stöhne Scham vor der Pforte zum Ewigen vergoß.
Haufenwolken über oem Gleiberg.
(Aufnahmen [4j: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Ostern zu Hause! Das ist für uns alle die arole zum Osterfest des Kriegsjahres 1940. Dieses Zuhause" braucht und soll nicht bedeuten, daß wir rnhrend der Feiertage in der Stube sitzen bleiben. ;ni Gegenteil! Wenn uns schönes Osterwetter be- giieben ist, das einen Gang ins Freie gestattet, nn werden die meisten Gießener sicherlich nicht ß.gern, hinauszuziehen in die erwachende Natur, liie Parole „Ostern zu Hause!" hat nur den Sinn, Je in Friedenszeiten üblichen Osterfahrten mit der i°eichsbahn in diesem Jahre zu unterlassen, da die leichsbahn jetzt den dringenderen Ausgaben der Wirtschaft Rechnung tragen und ihr rollendes Ma- irial vor allem für kriegswirtschaftlich wichtige Sransporte verwenden muß. Das „Zuhausebleiben" 4 ißt also unsere nationale Disziplin durch den frei- rülligen Verzicht auf die Ausflugsreisen mit der Lahn zu Ostern bekunden.
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Äber wir Gießener sind ja, wenn wir uns wäh- hrb der Osterfeiertage auf Ausflügen ober Spaziergängen von ber Last bcs Alltags erholen wollen, c:r nicht unbebingt auf die Reichsbahn angewiesen, fit nächster Nähe unserer Stadt haben mir zahl- id)e, schöne Ausflugspunkte, die ohne allzu große iastrengungen zu Fuß zu erreichen sind. Und darum innen wir dieser Kriegsparole zu Ostern leichten jerzens Folge leisten. Wir machen eben unfern Oster- ritron mit Pirhuftpr^ Ranven! Die Straßenbahn
dem reden, — kleine, rasche Frauen, die man oft nur bei einem Aufschlag der Lider sieht, und die gleich wieder enthuscht sind. Und gewiß Haden sie ich einem als Kind noch oft gezeigt. Als dann päter die Schulweisheit hinzukam, - wurden sie cheu und wiesen sich nicht mehr. Ich rede noch gern mit ihnen, und es gibt Augenblicke, wo man Antworten vernimmt, die so schnell ins Ohr fable n, daß man nicht weiß, hat man es richtig gehört ober sinb sie einem auf irgenbeine hexische Weise eingegangen. v , £
Oft stehe ich vor ber Blutbuche unb mochte fragen, wie es boch gekommen ist, baß ihre Ahnin auf einmal bas bunte Kleib erfanb. Sie sagt es mir nicht. Aber ich weiß genau, sie war einige Male bicht bavor, mir alles zu verraten, unb es bauert nicht mehr lang, — auf einmal hab ich es erfahren.
Am Fuß ber Buche steht ein Gestrüpp von Himbeeren, wie es sich überall pflanzt, wo im Haus- malb eine Lichtung entstaub. Unb natürlich hat der Weiberich bie Stelle entbedt. Er reckt feine Wurzeln — so heißt es — vielhunbert . Schritt unb wartet unb harrt bis bie Bäume, bie sie beschatten, stürzen. Er lebt hunbert Jahre, fagt man, unb 'ist roieber ba, wenn über bem alten Wald- boben bie Sonne scheint. Auch bas ist eine List ber Weiberichmutter, bie ihre Kinber mit Ausdauer versorgte, unb es ist begreiflich, baß ba eine kluge Eldin nicht bem Zufall des Samenflugs vertraut. Oh, bie Tiermütter unb bie Blumenmutter sinb ja meist viel klüger, als wir wahr haben wollen Jetzt, wo wir um bie Buche ein wenig lichteten, grünt ber Weiberich weithin um bie Wurzeln unb wirb halb ein roter Teppich werben zu unser aller Freube.
Aber was bie Blutbuche trieb, ihr Kleid zu tauschen, muß doch etwas anderes als List oder Weisheit gewesen sein. War's der Durst zum Wechsel, hat ein anderes Wesen ihr den Rest gegeben? Eines Tages im Sommer werde ich's erfahren, so in einer Mittagsstunde, wenn alle Kerfen und Küfer sich vor der Wärme verkriechen und ich still unterm Baum weile und auch gar nicht nachdenke. Vielleicht hatte der Verlocker seine Hand dabei im Spiel oder die Hollentöchter hatten sich mit der Buchenfrau erzürnt und wollten sie strafen, die Dummen! Heute ist's noch nicht die Stunde zum


