und Ueberlegenes. In der Aufopferung liegt immer etwas Uebermenschliches, etwas Weltüberlegenes und Weltüberwindendes, etwas Göttliches. Und wo die Kraft zum Opfer ist, da ist auch die Kraft zum Sieg. Im höchsten Opfer liegt auch immer etwas von der Verheißung und der Seligkeit der Vollendung und des Sieges, wie es in dem Karfreitagswort zum Ausdruck kommt: es ist vollbracht!
Darum ist auch kein Opfer jemals umsonst, auch wenn es einmal so aussehen könnte. Oder würden unsere Volksgenossen in den befreiten Gebieten, etwa in Polen, jetzt noch Leid tragen wollen um die Opfer, die sie bringen mußten an Gut und Blut, die ihnen aber für ihre Standhaftigkeit und Treue die Freiheit und das Vaterland gebracht haben! Nein. Wer die Größe unserer Zeit versteht, wird auch die Opfer bringen, die notwendig sind. Unser deutsches Volk mit seinem Führer, der selbst ein Vorbild persönlicher Aufopferung für sein Volk ist, hat die Kraft und den Willen zum Opfer auch immer aufgebracht, und es ist ihm von der göttlichen Vorsehung auch gelohnt worden. Noch nie sind unsere Arbeit und unsere Anstrengungen so sichtbar gesegnet worden wie jetzt. Wenn es aber der heilige Wille der Vorsehung ist, daß vor dem Erfolg und dem Segen der Schmerz und das Opfer stehen sollen, dann wollen wir die Opfer mit starken Herzen und heiliger Entschlossenheit bringen, die von uns verlangt werden, weil wir wissen: durch Opfer geht es zum Sieg! Wir denken an des Freiheitskämpfers Ernst Moritz Arndt stolzes Wort:
„Die Treue steht zuerst und letzt, im Himmel und auf Erden. Wer ganz die Seele drangesetzt, dem soll die Krone werden!
Englands Kriegsplan im Baltikum durchschaut.
Riga, 20. März. (DNB.) Die Ausführungen Chamberlains über die von England geplante Finnlandhilfe haben auch in den baltischen Staaten vielen die Augen über die offen zutage tretende Schwäche Englands sowie über die durch die englische Politik drohenden Gefahren geöffnet. Denn bei einer englischen Intervention im finnischrussischen Krieg wären auch zwangsläufig die bat« tischen Staaten, die durch einen gegenseitigen Bei- standspakt mit Sowjetrußland verbunden sind, in Mitleidenschaft gezogen worden. Die englischen Pläne sahen zwar nur eine — reichlich bescheidene — militärische Hilfe für Finnland vor; im wesentlichen ging es aber England darum, die schwedische Erzzufuhr nach Deutschland restlos zu unterbinden. England soll den Plan gehabt haben, sobald es die Eisverhältnisse zulassen würden, gewaltsam sich den Eingang in die Ostsee zu schaffen mit dem Ziel, schwedische Häfen zu besetzen. Im schwedischen Hasen Karlskrona sollte der südliche Hauptstützpunkt der englischen Flotte in der Ostsee eingerichtet werden. Von Karlskrona aus plante dann England, seine See- und Fliegerangriffe gegen Deutschland und Sowjetruß- land vorzutragen unter völliger Nichtachtung der schwedischen Neutralität. Auch für die baltischen Staaten, die in Libau und Windau, auf den Inseln Oesel und Dago, in Baltisch-Port und anderen Orten auf Grund der gegenseitigen Beistandspakte Sowjetrußland militärische Stützpunkte eingeräumt haben, hätte die Durchführung der verbrecherischen englischen Pläne schwerst« Folgen nach sich ziehen können. Daher ist es verständlich, wenn man in den baltischen Staaten den Frieden zwischen Finnland und Sowjetrußland lebhaft begrüßt.
Rationierung des Stahlverbrauch«! in England.
A m st e r d a m, 20. März. (Europapreß.) Die deutsche Geaenblockade hat England wieder zu einer einschneidenoen zwangswirtschaftlichen Maßnahme gezwungen. Die erwartete Rationierung des Stahlverbrauches in England tritt am 1. April in Kraft. Sie erfaßt alle stahlverarbeitenden Industrien einschließlich der Kriegsindustrie und der Regierungsbetriebe. Die Zuteilung von Stahl wird nur nach dem von der Regierung anerkannten Bedarf erfolgen und erstreckt sich nicht nur auf die für das Inland, sondern bezeichnenderweise auch auf die für den Export bestimmte Produktion. Trotz der Bedenken der Automobilindustrie wird eine erhebliche Herabsetzung der Stahlzuteilungen für den Bau von Privatwagen erfolgen.
Dr. Todt Reichsminister für Bewaffnung und Munition.
Berlin, 20. März. (DNB.) Zur Durchführung des vom Führer aufgeslellken gewaltigen Waffen- und Munitionsprogramms ist es erforderlich, alle in der Waffenherftellung und Muni- tionserzeugung tätigen Stellen zu Höch st er Kraftentfaltung unter einheilticher Leitung zusammenzufassen. Der Führer hat damit zum R e i ch s m i n i st e r für Bewaffnung und Munition den Generalinspektor für das deutsche Strahenwesen, Dr.-Jng. Todt, berufen.
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Mit Dr. Todt hat der Führer in die überaus wichtige Stelle des Reichsministers für Bewaffnung und Munition einen Mann berufen, der durch die von ihm bisher geschaffenen Werke gezeigt hat, daß sich in ihm nationalsozialistische Tatkraft und äußerste Energie gepaart mit höchster Leistungsfähigkeit und einem ungewöhnlichen Organisationstalent vereinen. Das deutsche Volk beglückwünscht Dr. Todt zu dieser neuen ehrenvollen Berufung und ist überzeugt, daß genau so wie der Name Todt mit der Reichsautobahn und dem Westwall für alle Zeiten verbunden ist, auch hier wieder der richtige Mann auf den richtigen Platz ge- st e l l t wurde.
Dr. Fritz Todt, 1891 in Pforzheim geboren, studierte Jngenieurwissenschaften an den Technischen Hochschulen in München und Karlsruhe und promovierte mit einer Arbeit über Straßenbau zum Dr.-Jng. Im Weltkrieg war Dr. Todt vom ersten bis zum letzten Tag an der Westfront. Bereits 1922 schloß er sich der NSDAP, an, wo er Fachberater für den Straßenbau war. 1933 wurde Dr. Todt durch den Führer zum Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen bestellt. Mit dem Bau der Reichsautobahn wurde seine Name für das deutsche Volk zu einem Begriff. Im Mai 1938 be
auftragte ihn der Führer, den Westwall bis zum Herbst 1938 sertigzustellen. Bereits im September 1938 stand er vor der Dollendung. Für diese ungewöhnlichen Leistungen wurde Dr. Todt der deutsche Nationalpreis des Jahres 1938 verliehen. Dr. Todt, der SA.-Obergruppenführer ist und das Hauptamt für Technik der NSDAP, leitet, erhielt am 19. Oktober vorigen Jahres den Charakter als Generalmajor.
Die Zusammenkunft am Brenner.
Oie italienische presse gegen demokratische Schwindelmanöver.
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Unser (telegraphisch nach Berlin übermitteltes) Bild zeigt die Begrüßung der beiden Staatsmänner.
(Associated-Preß-M.)
Mailand, 20. März. (Europapreß.) Von der italienischen Presse wird betont, daß die Zusammenkunft am Brenner die Wirksamkeit des deutsch- italienischen Bündnisses bestätigt habe. Der offiziöse „Popolo d'Italia" schreibt, das demokratische Ge
rede von einer sog. Friedensoffensive entbehre jeder Grundlage. Die unversöhnlichen Kriegshetzer seien in Europa die Demokratien, die die Aufteilung Deutschlands wie zur Zeit des Westfälischen Friedens verlangten. Die Solidarität der Achsenmächte verfolge das Ziel einer neuen Gerechtigkeit in Europa. Die Ziele der Achse stimmten mit den höheren Erfordernissen des Gleich- Öts und der Gleichberechtigung in Europa
-t. Der „Corriere della Sera" betont, in Italien habe niemand von der Zusammenkunft eine Umwälzung der internationalen Lage erwartet. In Italien sei man zu vernünftig, um zu glauben, daß Mussolini sich zum Werkzeug von Friedens- und Vermittlungsversuchen machen würde, die von niemand verlangt wurden und daher zu keinem Ziel führen würden.
Daß der Duce in der Besprechung am Brenner nicht die Rolle eines „Friedenstzngels" gespielt hat, erklärt auch Gaida im „Giornale d'Italia", es fei ebenso grotesk, wenn die Westmächte, die früher das faschistische Italien als dauernd aggressiv hingestellt hätten, nunmehr plötzlich den Duce unentwegt die dauernde Aufgabe eines „Friedensgesandten" und einer lausenden Vermittlung zur Lösung des Konflikts zuschreiben möchten. Ansaldo sagt im „Telegrafo", die Mehrzahl der westlichen Interpretationen wende sich sofort dem „Lichtblick des Friedens" zu und träume von einem Duce, der in aller Eil« über die Halbinsel sich hinwegbegebe, um perfönlich dem Führer Deutschlands Friedensvor- schlüge oder etwas noch Pittoreskeres zu überreichen. Die Begegnung sei jedoch mit keinem Frie- densplan der römischen Ministerien verbunden gewesen.
Schweizer Echo.
Genf, 20. März. (Europapreß.) Die Unterhaus- rebe Chamberlains hat die' Neutralen, unter deren Vertretern man in Genf offene Worte der Unge-
hattenheit hört, stark verschnupft. Selbst die schweizerische Presse nimmt die Ausführungen des englischen Ministerpräsidenten über die Neutralen mit einer gewissen Kritik auf. So schreibt die „Neue Zürcher Zeitung", wenn das englische Volk die Haltung der Neutralen nur von einem sehr einseitigen Standpunkt aus beurteile, so sei es zu bedauern, daß die führenden Männer Englands, denen die Schwierigkeiten der Lage der Neutralen klar sein müßten, die volkstümlichen Ur- teile, wie sie sich in jeder auf Leben und Tod in einen Krieg verwickelten Nation fast notgedrungen nach und nach herausbilden müsse, durch derartige Aeußerungen schüren helfen.
Die voreiligen Gerüchte und das Geschwätz aus London und Paris, daß eine deutsche Friedensoffensive größten Stils bevorstehe, wird in den neutralen Kreisen der Genfer Liga als Beweis dafür angesehen, daß die Nerven an der Themse und an der Seine äußerst schwach sind. Die schwei- zerische Presse geht kaum mehr auf alle die Sensationsmeldungen aus Paris und London ein. Sie spricht ruhig und ohne Kommentar von der Konferenz als einem bedeutenden Ereignis und läßt sonst den italienischen und den deutschen Stimmen das Wort.
Britische Luftpiraten.
Wehrlose deutsche Seeleute
eines unbewaffneten Handelsschiffs mit Maschinengewehren beschossen.
Be r l i n, 20.März. (DNB.) Aus zuverlässiger neutraler Quelle wird erneut eine brutale Verletzung des Völkerrechts durch britische Flieger auf hoher See bekannt. Der deutsche Dampfer „Adolf Leonhardt", der den Hafen Lobito am Abend des 8. Dezember 1939 verlassen hatte, wurde am Vormittag des 9. Dezember 1939 90 Seemeilen südwestlich von Benguela an der Küste der portugiesischen Kolonie Angola von einem englischen Flugzeug gestellt, das durch Maschinengewehrsalven ins Wasser und gegen die Bordwand sowie durch Zuwinken das Schiff aufforderte, Kurs nordwärts zu nehmen.
Um der Aufbringung zu entgehen, gab der Kapitän des deutschen Handelsschiffes daraufhin den Befehl zur Selb st Versenkung. Als der britische Flieger dies bemerkte, beschoß er den Kapitän auf der Brücke und legte Ma- schinengewehrsalven in den Maschinen- und Heizraum. Der Kapitän beorderte dann die ganze Besatzung in die Boote, deren Besteigen der britische Flieger durch starkes Maschinengewehrfeuer verhindern wollte. Es wurde von ihm sogar auf die schon zu Wasser geführten Boote geschossen, wobei das Steuerbordboot beschädigt und vier Mann der Bootsbesatzung leicht verwundet wurden.
Genau wie im Falle der „Watussi" haben britische Flieger in brutalster und rechtswidrigster Weise ein unbewaffnetes deutsches Handelsschiff beschossen und wehrlos« deutsche Seeleute selbst in den Rettungsbooten noch unter Maschinengewehrfeuer genommen. Die merkwürdige Häufung dieser Vorkommnisse zeigt, daß hinter dem unrühmlichen Vorgehen der britischen Flieger offenbar System und höherer Befehl stehen. Von einem derartig piraten- haften Verhalten wird die ganze rechtlich denkende Welt nur mit Abscheu und Empörung Kenntnis nehmen.
„Queen Mary-' und „Mauretania" wollen auslanfen.
N e u y o r k, 20. März. (Europapreß.) Die britischen Ozeanschiffe „Queen Mary" und „Mau- r e t a n i a" — die „Queen Mary" liegt seit Kriegsausbruch, die „Mauretania" feit etwa Jahresende im Neuyorker Hafen — scheinen nunmehr, aus*
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Wenn das rote Licht leuchtet!
Von Heinz Helnurth Giesle.
Wer einmal dem Film sich verbunden hat, den läßt er nicht mehr los. Es ist das starke Fluidum, das tiefe Wesen dieser „geheimnisvollen" Kunst, das einen mit tausend Banden fesselt. Ich kenne begeisterte Kinogänger, die kein Programm ihres Stammkinos au51 affen. Die es sogar fertigbekommen, von einem Theater ins andere zu gehen und zwei volle Programme zu genießen. Um wieviel stärker müssen also die Fäden sein, die den Berichterstatter aus Neigung und Beruf mit dem Schaffen des Films verbinden.
Immer wieder aufs neue bin ich durch die Arbeit in der Filmwerkstatt berührt, mitgerissen von dem Tempo, das seinen Ausdruck in allen Einzelheiten findet. Ueber Kabel und Latten, vorbei an Kulissen und Versatzstücken, führt der Weg zum Kern des Ateliers: zur Dekoration. Für den Besucher eröffnet sich ein unerhört fesselnder Anblick. Die Kamera im Aufbau, der Regietifch, der ganze technische Stab. Jede Kameraeinstellung wird genau besprochen, jede einzelne Szene probiert Dann ertönen die Kommandos: „Licht! — Zweiter Aufheller mehr nach rechts. Frontalfcheinwerfer ganzes Licht!" — „Ruhe", heißt es in den Kulissen. „Ruhe", heischen die Summer, die roten Lampen. — Tonfilm- auf nähme!
So ist es in den meisten Ateliers. Nur jedesmal ein anderes Bild, aridere Schauspieler, andere Filmstoffe, andere Dekorattanen. Mitunter auch luftige Zwischenfälle. Die eiferne Tür öffnet sich. Vor mir die Dühnenwache. Ein neues Gesicht „Eintritt verboten!" Hinter mir ein gutmütiger Baß: „Mensch, Karle, bet ist doch eener von die Zeitung!" Beschwörend HM sich die Hand der Bühnenwache: „Von der Zeitung? Presse is beut nich zujelaffen .. Doch da sehe ich zum Glück Atelierchef M. Er nickt mir zu. Die Hand der Bühnenwache senkt sich verlegen. Ich darf bleiben — ausnahmsweise!
Gern überlasse ich mich der freundlichen Führung des Atelierchefs. Ich bin ja heute herausgekommen, um einen Blick in den technischen Apparat der Film- Herstellung zu werfen. Kaum zu glauben, was dazu alles nötig itt. Da gibt es vor allem ein Materiallager, das alles enthält, was für den Notfall gebraucht wird: Latten, Hölzer, Sperrholzplatten für die szenischen Aufbauten; Schrauben m allen
Größen und für alle Zwecke in Hunderten von Packungen aufgeschichtet; Di schle reib«darf; Farben aller Schattierungen; Schlosserartikel. Auf all dies hat her Verwalter ein wachsames Auge. Und es gibt wohl keine noch so ausgefallene Bedarfsanforderung, die ihn in Verlegenheit fetzen würde.
Im Erdgeschoß sind die Einzelgarderoben der Solisten und dl« Gemeinschaftsgarderoben der Kleindarsteller un ter gebracht. Ein Pfeil zeigt die Richtung zu den Schminkräumen. Für Waschgelegenheit ist ebenso gesorgt wie für ein Vollbad. Auch die Tele- phonzelle ist schnell erreichbar. Das Sanitätszimmer ist hell, geräumig und mit allen Einrichtungen vorbildlich versahen. Ueberall praktische und geschickte Raumanordnung. Eine eiserne Tür führt zu den „technischen Räumen". Wir besichtigen den Dorführungssaal, der mit bequemen Sesseln ausgestattet ist. Hier werden di« Filmabschnitte vom vergangenen Arbeitstag vorgeführt und vom Regisseur geprüft. Die Kabine ist durchaus zeitgemäß und nicht anders als in einem großstädtischen Theater.
Die Maschine na nlage gehört zu den modernsten Berlins. Vier große Generatoren, die den Strom für die Zwecke des Ateliers umwandeln, ruhen in starken Federungen. Alle Erschütterungen der Maschinenkraft werden dadurch ausbalanciert, so daß sich keinerlei Vibration auf den Aufnahmeraum überträgt. Die Geräusche werden durch schalldichte Wände absorbiert. Jede Stromschwankung wird vom Ausnahmeraum aus hem Maschinenmeister durch Lichtsignale gemeldet. Eine leistungsstarke Entlüfungsanlage sorgt für automatische Kühlung. — Eine Kunstschlosserei und eine Modelltischlerei vervollständigen die „Rüstungs"anlagen für den täglichen Bedarf des Ateliers.
Einen flüchtigen Blick werfen wir noch in bi« Detonation. Das rote Licht bannt unseren Schritt. Ueberall gleichsam Erstarrung der Bewegung. Der Arbeiter dort links hört mit Hämmern auf. Die lebhafte Gruppe vor uns bricht ihre Unterha! ^ig ab. Wir lauschen den Szenen, die sich vor unseren Augen und Ohren abspielen. Es ist eigenartig, mit welcher Deutlichkeit auch das leis« gesprochene Wort all« Teile des Ateliers durchdringt. Wenige Bilder nur — und doch von blutvollem Leben erfüllt. Ewig ein neuer Wirbel des Erlebens. Die Galerie mit den Scheinwerfern, die Tonsteuerkabine, der Galgen, der jedes geflüsterte Wort peinlich genau registriert, das scharfe Auge des Objektivs. Aufleuch- ! ten die roten Lampen. „Ruhe", fordern die Sum
mer. Eine neue Kameraeinstellung: Tonfilmauf-- nahme!
Als ich schon gehen will, bemerke ich ein Riesenvogelbauer. Es ist verhängt. Di« Vögel — kostbare Exoten — scheinen zu schlafen. Doch nein — gerade wahrend einer neuen Aufnahme zwitschert es aus dem Käfig heraus. Ein luftiges kleines Ereignis im e-mften Ärbeitstempo des Films!
Langschnäbel.
< on Karl Scherer.
Frühmorgens hatte dichter Märznebel zwischen den Rottannen des Bergwaldes gelegen und kalte Wellen in die Täler geschickt. Dann brach die Sonne durch, die Schneemassen in Gräben und Steinlöchern begannen zu schrumpfen, die Wildbäche schwollen an, und um Mitternacht kam mit dumpfem Brausen der Föhn über die Berge, und sein stürmisches schwüles Wehen weckte den Wald.
Der Mond ist zeitig aufgegangen und beglänzt das weite Land. Aus dem braunen Laub unter dem Hartriegelbusch am Waldrand hebt sich im Abenddämmer mit klatschendem Schwingenschlag ein dunkler Schemen, schwenkt über die jungen Buchen, zwischen denen schon die roten Blüten des Zeilands stehen, huscht niedrig durch die kahlen Birkenbüsche, steigt und finkt und verliert sich im Hochwald. Auf der breiten Stellung taucht er wieder auf; nun ein tiefes gespenstiges Quarren, bald unter den Eichen, bald ÜDer der Lichtung. Da kommt er auf der abschüssigen Schneise, die an der Bachwiese endet, aus der Tiefe von neuem herangeschossen, doch jetzt sind es zwei, die im Zickzack winoschnell durch den Dämmer zucken, und nun gar drei! Die Schnepfe voraus, stechen die beiden Hähne eifersüchtig aufeinander, bis der schwächere zurückbleibt, und mit jäher Schwenkung zwischen die Fichten sinkt.
Wo der moorige Wiesengrund unter Ellernbüschen und Espen an den Wald grenzt, fällt das Pärchen ein. Eilig trippelt die Henne lockend durch Löffelkraut und Linsenwicken, mit geblähter Kehle und gefächertem Stoß folgt ihr der hitzige Freier in arm- langem Abstand. Das dürre Laub rauscht, Riedgräser rascheln, daß die Schermaus, die unter dem Haselbusch an einer Nußschale knabbert, entsetzt in ihr Lock fährt. Die Schnepfe flattert über einen toten Ameisenhaufen, der Hahn surrt nach und
schrillt und pfeift; bann nimmt sie das blattlose Schlehdorngebüsch auf, unter dem das weiche grüne Laubmoos keimt. So treiben sie es die mondhelle Nacht hindurch, bis das Zwielicht durch die Ahornheister am Hügelhang blickt. Mit ihm verschwinden die beiden Nachtvögel und verschlafen den Tag unter den dürren Heidelbeeren, in ihrem braun- gelben Federkleid kaum unterscheidbar vom Boden und Stauden; erst wenn der Abend kommt, werden sie wieder munter, und das Minnespiel beginnt von neuem ...
Am Seeufer herrscht das drängende Leben des nordischen Vögelfrühlings. Kraniche stolzieren mit wippendem Busch am Gestade: kuruh, kuruh. Brachvögel rufen, Enten und Rohrhühner gleiten zwischen Riedstengeln hin und her, und auf der Moorwiese kollern und springen die Spielhähne. Der alte Schnepferich, der gestern von der weiten Reise über Meer und Gebirge aus dem Nil-Delta wieder in der Heimat an gekommen ist, hat Hunger; eilig trippelt er über die Torfblüten am Ufer, verhält sich, senkt die feinnervige Sonde des Stechers tief in den feuchten Boden und zieht einen fetten Ringelwurm ans Licht. Dem hilft kein Drehen und Winden: ruck-ruck — die Kehle hinunter! Die Wiese ist noch grau und tot; doch auf dem Wege am Waldesrand ist vor einigen Tagen der Bauer mit feinen Kühen entlanggefahren, um Holz aus dem Föhrenschlag zu holen, und an den Kuhfladen fam- mein sich die Aaskäfer und Würmer. Noch ist die Ausbeute gering, doch allmählich füllt sich der Magen ... lieber der Wegböschung taucht aus den niedrigen Buchenbüschen ein spitzer roter Kopf hervor. Die buschige Standarte zuckt, die Läufe strecken sich zum Sprung, und der mörderische Fang mit den scharfen weihen Reißzähnen klafft — da klatscht die Schnepfe steil in die Höhe und stiebt pfeifend in sausender Fahrt davon, hebt sich über den Waldrücken und landet an der warmen Quelle im Wiesengrunde ...
Es ist wieder Abend geworden. Die Sonne steht schon tief, doch die Dämmerung im März währt lange. Von der Spitze der einsamen Samen sichte am Berghang singt die Drossel ihren Abendpsalm, und die kleinen Sänger, die als erste zurückgekehrt sind, suchen ihre Schlafwinkel im dichtesten Gezweig der rauhen Tannenwipfel. Silbern funkelt der Abendstern durch die schwarzen Aeste, kühl weht es unter den Bäumen, und über Wegen und Schneisen ziehen quarrend die Schnepfe« ...


