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Traktat über die Ehrlichkeit.

Von Bruno H. Bürgel.

Don der Moral primitiver Menschen haben mir ost eine falsche Vorstellung, weil wir leicht geneigt sind, äußere Lebensverhältnisse, denLebens-Stil", auf das innere Denken und Fühlen der Menschen zu übertragen. Als die große französische Armee Napoleons 1812 in Rußland einrückte, fand sie in den weiten Einöden armseligste Dörfer, fand sie unendlich primitiv lebende Menschen, die so gut wie nichts von den Kulturgütern des Westens kannten. Aber die zeitgenössischen Berichte höherer Offiziere heben einmütig die absolute Ehrlichkeit und Zuver­lässigkeit dieser Leute hervor; eine fast kindliche, ms Mystische gehende Frömmigkeit war ihnen eigen, eine Bedürfnislosigkeit, die lange Generationen zu einer Selbstverständlichkeit gemacht hatten, verhin­derte die Sucht nach unnötigem Besitz und Glanz. Es kamen kaum Diebstähle, Betrügereien usw. vor, und aus den Berichten spricht höhe Achtung vor diesen einfachen, naturhaften, frommen Menschen einer kargen Landschaft und eines kargen Lebens­stils.

Ein Reisender berichtet einmal von einem afrika­nischen Volksstamm, Der keine Kultur in unserem Sinne kannte, folgende Merkwürdigkeit. Diese Leute hatten ein Spiel, bei dem es um kleine Einsätze ging, so als wenn wir bei uns in einer müßigen Stunde Karten spielen oder dergleichen. Es war ein Raten, ein Raten von gedachten Dingen ober Zah- len. Welche Zahl denke ich? An welchen Gegenstand (Baum, Frucht, Tier, Napf, Pfeil usw.) denke ich? Erriet der andere das, so hatte er gewonnen. Das Erstaunlichste war nun, daß niemand auf den Ge­danken kam, der andere könntemogeln", er könnte sagen, nein, ich habe an etwas anderes gedacht. Eine Kontrolle bestand ja naturgemäß nicht, und unser Reisender war auf das Aeuße»ste verblüfft, daß diese einfachen Naturmenschen ohne weiteres eben zugaben, daß ihr Stammesaenosse erraten hatte, an was sie dachten. Wir müssen, wenn wir ehrlich sein wollen, zugeben, daß so viel Ehrlichkeit bei uns kaum erwartet würde, ja, daß wir selber vielleicht bereit wären, da ein wenig von der Wahr­heit abzuweichen, wenn unser Mitspieler mehrfach das Glück hat, den gedachten Gegenstand, die ge­dachte Zahl zu erraten. Wir würden nur einem Menschen gegenüber, dem mir sehr zugetan sind, den wir sehr lieben (etwa unserem Kinde gegen­

über), bereit sein, ein ganz ehrliches Spiel zu spielen.

Aber wie schön und wie liebenswert mutet uns diese innere Sauberkeit der Menschen an, denen nicht die Ermahnungen der Erzieher, der Schule, der Kirche, nicht eine lange und langatmige Sitten- gesetzgebung immer wieder Ehrlichkeit zur Pflicht machen. Alle Blätter berichteten kürzlich über einen unerhörten Fall von Ehrlichkeit. Auf dem Markt­platz einer kleinen Stadt regnet es plötzlich Bank­noten! Der frische Wind treibt diese begehrten Blät­ter vor sich her, wie er im Herbst dürres Laub da­hinwirbelt. Was war geschehen? Einem Bank­beamten, der im offenen Auto daherfuhr, war eine breite Ledertasche aufgegangen, die mit diesen Geld­scheinen gefüllt war, und so flatterten sie in alle Winde. Alle Menschen auf dem weiten Platz jagten den Scheinen nach, händigten sie dem Unglücksraben aus, und ...Hoch klingt das Lied vom braven Mann!" ... es fehlt nicht eine einzige Note. So etwas, sagte ein Bekannter zu mir, als wir ge­meinsam die Zeitung lasen, kann nur in einer klei­nen Stadt geschehen!

Das klingt für den Großstädter nicht gerade schmeichelhaft, aber es ist eine interessante Tatsache, und sie wurde kürzlich in Statistiken amerikanischer Justizbehörden unter Beweis gestellt, daß die Ehr­lichkeit in den kleinen Orten erheblich größer ist als in den Städten, die von Hunderttausenden, ja von Millionen bewohnt werden. Die Gründe liegen auf der Hand, es find dieselben, die in Frage kommen, wenn man die Feststellung macht, daß die Leute in den Kleinstädten höflicher sind als in den mächtigen Metropolen. Je kleiner der Ort ist, je mehr kennt einer den anderen, je näher ist er ihm, je mehr hat er mit ihm zu tun; in der großen Stadt kennen sich mitunter selbst die Leute nicht, die in ein und dem­selben Hause wohnen; mir gehen gleichgültiger an­einander vorüber, das Hasten und Jagen der großen Stadt, der gewaltige Verkehr schon verhindert ge- | mütliches Kleinstadt-Morgengespräch, wenn man sich auf der Gaste, auf dem Marktplatz begegnet. Der Mann, der in der Kleinstadt unhöflich wäre, unzuverlässig, unehrlich, wäre schnell stadtbekannt, hätte schnell ausgespielt, alle Spatzen pfiffen es von den Dächern; in einer Weltstadt taucht der Rüpel, der Unsoziale schnell unter, und selbst wenn die Behörden sich mit ihm in peinlicher Weise be­schäftigen, weiß man davon nichts in einem Stadt­viertel, ein paar Kilometer von dem ersten entfernt, das der Ertappt« und Bestrafte nun zu seinem Wohnsitzt wählt.

Es gibt Pessimisten, die behaupten, daß Ehrlich­keit gewöhnlich ein Produkt der Furcht märe, der Furcht nämlich, ertappt zu werden. Ich persönlich habe eine bessere Meinung von den Menschen und glaube, daß hier doch der angeborene Charakter, die gute Erziehung die Hauptrolle spielen; aber der Umstand, daß die Menschen in der kleinen Stadt ehrlicher sind als in der großen, läßt doch immerhin darauf schließen, daß auch der Pessimist nicht so ganz unrecht hat, denn eben in der Kleinstadt, wo jeder jeden kennt, ist es erheblich gefährlicher, die aus dem Auto geflogene Banknote einzustecken, vom Ladentisch des Krämersaus Versehen" mehr vom Wechselgeld einzustecken als uns zusteht, den in der Kneipein Gedanken stehengebliebenen Regen­schirm" als sein Eigentum mitzunehmen. Es ist doch eine blamable Angelegenheit, wenn uns mor­gen Rechtsanwalt Müller oder Lehrer Meier in der Hauptstraße stellt und uns höflich darauf aufmerk­sam macht, daß dieser seidene Tropfenfänger fein rechtmäßiges Eigentum ist! Es ist natürlich Unsinn zu glauben, daß die Menschen der kleinen Städte sittlicher wären als die der großen; die Gelegenheit, die Verführung, die Möglichkeit, leichter unterzu- tauchen, spielt die Hauptrolle. Unter den vielen weißen Schäfchen engelrein" finden sich überall in der weiten Welt annähernd gleichviel böse schwarze -cke.

Kein geringerer als Shakespeare hat einmal breit ausgeführt, daß der Wohlhabende es leicht hat, ehr­lich zu sein, und die Ehrlichkeit des Darbenden weit­aus höher zu preisen sei. Hierher zielt auch sein Wort:Des Bettlers Lumpenrock läßt kleinstes La­ster sehen, jedoch des Reichen Pelz deckt schwerste Schuld!" Eine chinesische Chronik erzählt von dem reichen Mann, der den Dieb nicht durch Strafe heilt, sondern durch Beschämung. Er läßt dem Mann, der ihm den besten Truthahn gestohlen hat, durch sei­nen Diener die Bratpfanne überbringen, damit er den Vogel auch gehörig Herrichten kann. Aber in dem Mann erwacht nun das Rechtlichkeitsbewußt- fein, reumütig gibt er den Hahn zurück, und der Besitzer belohnt das, indem er ein gemeinsames Festmahl anrichten läßt. Er hat so nicht nur den Dieb beschämt, sondern sich einen ergebenen An­hänger gewonnen.

Don solchen kleinen Diebesgeschichten wimmelt es in der Weltliteratur, aber daß Reumütigkeit tat­sächlich auch in unserer prosaischen Zeit nicht selten i vorkommt, beweisen Fälle, in denen Menschen nach l Jahren mit Zins und Zinseszins recht hohe Beträge

Arbeitsvertrages und einer besonderen Tariford- nunH zu verpflichten.

Für die städtische Bevölkerung, die dem Land­leben entwöhnt ist, ist es nun zunächst einmal wich­tig, zu wissen, was die allernächsten Arbeiten un­serer Bauern fein werden. Sie haben zunächst ihre Mieten" einzusehen, in denen Kartoffeln und Rü­den aufbewahrt sind. Die dicke Schneedecke war ein zusätzlicher Schutz ... ganz abgesehen davon, dah sich jeder Städter im vorigen Herbste bei einem Spaziergangüber Land" von der wirklich be­merkenswerten Sorgfatt überzeugen konnte, mit der trotz des Arbeitermangels die Mieten angelegt wor­den waren. Immerhin ist es möglich, daß da oder dort Kartchfeln und Rüben an der Oberschicht vom Frost erwischt wurden. An der Oberschicht deshalb, weil diese Früchte bei der Lagerung eine gewisse Wärme entwickeln, die einen eigenständigen Schutz darstellt, von dem natürlich die Früchte am wenig­sten erfaßt werden, die an den Rändern oder in der Oberschicht liegen. Sollten einige Frostschäden ein­getreten fein, fo braucht niemand die Augenbrauen hochzuziehen und eine bedenkliche Miene aufzusetzen. Solche angefrorene Hackfrüchte werden vorzugsweise verfüttert oder eingeschnitzelt.

Dann kommt gleich das Pflügen daran. In diesem Jahre wird die Pflugschar nicht besonders tief ein« aestellt werden können. Wenn die Oberfläche des Äckers schon abgetrotfnet ist, ist in der Mittelschicht nasser und in der Unterscyicht womöglich noch ge­frorener Boden. Das ist aber auch nicht schlimm. Denn durch den Frost ist eben der Boden gelockert, so daß sich tiefes Pflügen erübrigt, ja bei manchen Aussaaten, dieabgesetzten Boden" verlangen, so- gar schädlich wirken kann. Ueberaus wichtig aber ist, daß Hermann Göring in seiner Ansprache mit- teilen konnte, daß ausreichend Benzin für die Trecker vorhanden ist, wenn auch allersparsamste Verwendung unbedingte Forderung ist und bleibt.

Göring erinnerte das deutsch« Volk daran, daß sich unsere zuckersüßenVettern jenseits des Kanals" auf die Fettblockade des deutschen Volkes spezialisiert haben. So mar denn auch die Göring-Rede in ihrem programmatischen Teil stark auf dieses Pro­blem eingestellt. An demselben Tage wurde das Er­gebnis der Schweinezählung vom 4. Dezember 1939 veröffentlicht, das bei einem Schweinebestand von 24,8 Millionen im Altreich Zunahme von 5,3 v. H. gegen den 3. Dezember 1938 und 28,6 Millionen im Großdeutschen Reich einen Re­kord darstellt. Es ist ein Schweine-Rekord, aber man möchte seine stolzen Zahlen allen gedankenlosen oder schlechthin dummen Menschen geradezu in den Schädel hämmern, damit sie eine leichte Vorstellung von der bei recht schwierigen Voraussetzungen ge­leisteten Arbeit und ihrem Nutzeffekt bekommen. Die deutsche Schweinezucht hat vor allem den Fleifch- und auch Speckbedarf des deutschen Volkes zu befriedigen.

Aber mit der Schweinezucht erschöpft sich nicht unser« Gegenwirkung gegen die englische.Fett"« Blockade. Wissenschaft und Praxis sind eifrig dabei, den Fettgehalt der Milch wesentlich zu heben, um uns von einer zusätzlichen Buttereinfuhr frei zu machen. Feldmarschall Göring hat kategorisch ver­langt, daß der Vollmilchverbrauch auf dem Lande sei es für die menschliche Ernährung, sei es bei der Aufzucht von Kälbern wesentlich eingeschränkt wird, damit das ersparte Milchfett der Verbutterung zugeführt werden kann. Die Preise für Milch und Butter werden um eine Kleinigkeit erhöht. Aus nichts wird eben nichts. Die arbeitsintensive deutsche Landwirtschaft, die alles aus dem Boden heraus­holen muß, braucht einen anderen Einsatz von Ar­beit, Dünger und Mafchinen als extensive Raub­wirtschaft. Der erheblich zu steigernde Anbau von Delfaat und der Umbruch von Wiesen- in Ackerland werden prämiiert alles in der Voraussetzung, daß die Landwirtschaft wiederum ihren Leistungs­willen unter Dollbeweis stellt.

Ein« der stärksten Stellen der Göring-Red« war gefühlsmäßig die Parallele zwischen der hingeben­den Arbeit in den lärmenden großen Industrie­betrieben und der soviel stilleren Arbeit der Land- frau, bei der auch aus den Knochen he raus geholt wird, was in ihnen steckt. Das war ein Schuß ins Herz des echten Dolksempfindens. Wer selbst ar­beitet, versteht gut die Arbeit seines Nebenmenschen, auch wenn sie auf ganz anderem Gebiete liegt, und so landftemd ist unsere Jndustriearbeiterschaft nun wirklich nicht, daß sie für Stall und Acker keinen Sinn hätte.

Kampf her Rachitis.

Oer stellvertretende Reichsgesundhettsführer Or. Blome äußert sich über die Schuhaktion für Deutschlands Nachwuchs.

In ganz Deutschland hat soeben eine Aktion gegen die furchtbare Kinderkrankheit Rachitis begonnen. Heber diese Aktion gab der stellvertretende Reichsgesundheitsführer Dr. Blome unserem Mitarbeiter einige be­merkenswerte Auskünfte.

Daß die Rachitis in den Tropen wie über­haupt in allen sonnigen Zonen der Erde fast unbekannt ist, und daß sie sich hauptsächlich auf Mittel- und Nordeuropa beschränkt, ist der Wissen­schaft seit langem bekannt. Nur wußte man bis vor wenigen Jahren für diese Tatsache keine Erklärung. Ebenso gilt mit Recht seit langem das Fett der Leber des Dorsches, der Lebertran, als ein gutes Mittel gegen die Rachitis. Niemand konnte aber eine Beziehung zwischen diesen beiden scheinbar so ganz verschiedenartigen Tatsachen finden. Noch rätselhafter schien es, daß die Krankheit sich zwar in einer Kalkarmut der Knochen äußert, so daß man geradezu von einer Knochenerweichung sprechen kann, daß aber Kalkzusatz in der Nahrung der kranken Kinder überhaupt nichts nützt. Bei rachitis- kranken Kindern scheidet der Organismus geradezu diese wichtigen Stoffe ungenützt wieder aus.Man wußte eben früher nicht", so meinte Dr. Blome, daß die englische Krankheit nichts weiter ist, als eine Stoffwechselstörung, nämlich eine Störung im Mineralhaushalt des kindlichen Körpers. Sie kann,

gemein verwendet werden soll.Man darf nicht glauben", so erklärte Dr. Blome hierzu,daß die Schutz- und Vorbeugungsmaßnahmen, die wir jetzt an allen deutschen Kleinkindern durchführen wollen, eine Folge des Krieges oder gar etwaiger Schwierigkeiten der Kriegsernährung sind. Für eine völlig ausreichende Versorgung unserer Kinder haben wir in jedem Fall vorgesorgt. Die Rachitts- oorbeugung mit reinem Vitamin D wurde schon vor zwei Jahren auf dem Wiesbadener Kongreß der Deutschen Gesellschaft für innere Medizin durch Professor B e s s a u oorgeschlagen. Tausende von Untersuchungen Haden inzwischen erwiesen, daß die Behandlung mit reinem Vitamin nicht nur vor­handen« Rachitis schnell heilt, sondern auch die dauernde Krankheit unbedingt sicher verhütet. Ge­wiß könnte man das gleiche auch damit erreichen, daß man die Kinder regelmäßig mit ultraviolettem Licht bestrahlt. Ja, es ist sogar möglich, in der Milch durch Ultraviolett-Bestrahlung Vitamin D zu erzeugen. Aber diese Methoden sind teuer, um­ständlicher und deshalb da unzweckmäßig, wo es sich um Millionen Kinder handelt, denn wir rech­nen mit etwa 1,5 Millionen Säuglingen und Klein­kindern."

Wie wird sich nun praktisch diese großartigste Aktion, die jemals ein Volk zum Schutze feiner Kinder durchgeführt hat, abspielen?Das Gesund­

heitsamt wird die Mutter", so äußert sich Dr. Blome hierzu,einladen, mit ihrem Kind in die Beratunas- stelle des staatlichen Gesundheitsamtes oder in die HilfsstelleMutter und Kind" der NSV. zu kommen, die sich ebenfalls mit allen ihren Hilfskräften in den Dienst der Sache gestellt hat. Nach erfolgter ärzt- licher Untersuchung erhält dann die Mutter eine erste Flasche Vigantol, von dem sie dem Säugling jeden Tag fünf Tropfen in die Nahrung träufeln muß. Weder die Untersuchung noch das Vitamin- präparat kostet etwas! Die Behandlung kann auch beim Hausarzt durchgeführt werden, der dann dem Gesundheitsamt eine entsprechende Bescheinigung zu- stellen muß. Ist nun, was etwa nach zwei Monaten der Fall sein wird, die erste Flasche verbraucht, bann muß das Kind zum zweitenmal beim Arzt erscheinen, wenn nötig bekommt die Mutter eine zweite Flasche Vigantol, und nach weiteren zwei Monaten wird mit nochmaliger ärztlicher Unter­suchung die Behandlung abgeschlossen. Nun darf man natürlich nicht glauben, daß das reine Vitamin die Sonne überflüssig macht. Licht, Lust und eine zweckmäßige, nach modernem, ärztlichem Wissen zusammengesetzte Ernährung sind immer uner­setzlich! Außerdem soll die Rachitisaktion alljährlich nur in den sonnenarmen Monaten durchgeführt werden. Im Sommer genügt eine Kost mit viel Obst und frischem Gemüse und möglich st viel Auf­enthalt in Licht und Luft. Eine Mutter, die diese Grundregeln beachtet und dann ihr Kind während der von uns durchgeführten Rachitis- bekämpfungsaktion regelmäßig mit dem lebens­wichtigen Vitaminpräparat versorgt, wird als schön­sten Lohn gesundes Wachstum und blühende Lebens­lust ihrer Kinder ernten."

Aus aller Welt.

das wissen wir heute, auf erblicher Veranlagung beruhen, sie kommt aber im wesentlichen zum Aus­bruch durch falsche Ernährung und Lichtmangel."

Im Jahre 1919 machte ein Berliner Kinderarzt, dem wohl der Zusammenhang zwischen der Sonne und der Rachitis aufgefallen war, den Versuch, kranke Kinder mit ultraviolettem Licht zu bestrah­len. Er konnte mit freudiger Ueberraschung fest­stellen, daß schon nach kurzer Zeit die kranken Knochen sich festigten und die Rachitis verschwand. Amerikanische Aerzte gingen bann einen Schritt weiter und bestrahlten auch die Nahrung mit dem Erfolg, daß die damit gefütterten Kinder ebenfalls gesund wurden. Nun folgte die große entscheidende Entdeckung! Pros. Windaus in Göttingen mit seinen Mitarbeitern konnte nachweisen, daß es einen Stoff gibt, der die Rachitis verhütet. Er nannte ihn Vitamin D. Mit der Speise nehmen wir allerdings meist nicht das gebrauchsfertige Vita­min, sondern eine Vorform, das sogenannte E r g o ft e r i n , auf. Die pflanzlichen Nahrungsmittel, vor allem Obst und frisches Gemüse, enthalten das fogenannte Ergosterin, während in tierischen Stof­fen, wie z. B. Milch und Lebertran, sich auch reines Vitamin D findet. Menschen und Tiere nehmen also immer nur Ergosterin aus den Pflanzen in sich auf und machen aus diesem Stoff das fertige Vita­min selbst. Das Ergosterin wandert nun im Körper und gelangt im Blut bis dicht unter die Haut. Wird es dort von den ultravioletten Strahlen getroffen, so verwandelt es sich sofort in Vitamin D und kann dann seine lebens erhaltende wichtige Arbeit begin­nen. Das also ist bas Geheimnis ber Sonnen­wirkung und deshalb ist der Lichtmangel für das kleine Kind so gefährlich."

Das Vitamin D hat die Aufgabe einer Mörtel­mischmaschine. Nur unter Mitwirkung der feinen Teilchen des Vitamin D bilden sich aus den Roh- stoffen, die bei der Verdauung der Speisen ent­nommen werden, Kalk und Phosphorsalze, die sich dann zum Phosphorkalk des Knochens zu jener harten widerstandsfähigen Masse verbinden. Ja, die Vitaminteilchen können noch mehr. Sie sorgen auch dafür, daß die Knochenbaustoffe im richtigen Ver­hältnis gemischt werden. Fehlt also das Vitamin, bann kann das chemische Laboratorium in unserem Körper nicht arbeiten. Es ist nicht viel, was wir täglich für die ordentliche Aufbauarbeit des kind­lichen Körpers brauchen. Bruchteil« eines Gramms genügen! Und diese Tatsache erleichtert ganz außer­ordentlich die Verhütung wie die Heilung der Rachitis.

Die deutsche Heilmittelchemie hat bas Werk der deutschen Forschung fortgesetzt und im Vigantol ein nahezu reines Vitaminpräparat geschaffen, das jetzt bei dem von der Reichsgesundheitsführung geplanten Großangriff zum ersten Mal ganz all­

Zwei Gewalkverbrecher zum Tobe verurteilt.

Das Sondergericht Hamburg verurteilt« den 1920 geborenen Fritz Hille und den 1921 geborenen Heinrich ßangpaap, beide aus Ham­burg, wegen versuchten Raubüberfalles gemäß Ver­ordnung gegen Gewaltverbrecher, und wegen einer Reihe schwerer Einbrüche zur Todesstrafe. Ein noch nicht 18jähriges Mädchen, die Geliebte des Hille, wurde wegen Beihilfe zum schweren Einbruchs­diebstahl zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, Die beiden Verbrecher begingen im Oktober und No­vember vorigen Jahres Diebstähle, meist Ein­brüche, gemeinsam, und zwar in Hamburg, Mün­ster, Köln und Frankfurt a. M. In Köln haben sie einen Ueberfall auf ein Ehepaar in einem Vil­lenviertel verübt. Sie wollten sich damit heraus- reben, daß es sich nur um einen Mummenschanz gehandelt habe. Das Gericht glaubte dieses Mär­chen nicht und sah nach der eidlichen Bekundung der Villenbewohner die Tat als ein Gewaltver­brechen an.

Admiral Byrds Anlarktlsexpebillon.

Admiral Byrd teilte durch Funkspruch mit, die Erhebungen seiner antarktischen Expedition hätten ergeben, daß die sogenannte Roß-Barriere nicht ein schwimmender Gletscher sei, wie man an­genommen habe, sondern Festland. Eine Anzahl Forscher habe die westliche Basis zu einer For­schungsfahrt von 1000 Meilen verlassen. Das Expedi­tionsschiffBear" habe auf ber Fahrt nach Osten mit einem heftigen Sturm zu kämpfen; die Fahrt werde außerdem durch eine große Anzahl auf dem Meere treibender Eisberge erschwert.

Wolfsplage im ungarischen Sarpalhenland.

Das ungarische Karpathenland wird von Wolfs- rubeln heimgesucht, bie in manchen Gegenden in einer Stärke bis zu 100 Wölfen auftreten. Ein Landwirt wurde in der Nähe von Jllnice von den Wölfen zerrissen. In der Umgebung der Ortschaft Raho fand man die Ueberrefte von mehr als 160 Rehen und Hirschen auf, die von Wölfen angefallen waren. Ganze Rudel von Rehen und Hirschen flüch­ten sich in völlig erschöpftem Zustande in die Dörfer, wo sie von den Bewohnern in Ställen untergebracht und mit Futter versehen werden. In den letzten Tagen sind erneut neun Personen erfroren.

Gasleilungsbruch in einem dänischen Allersheim.

5pn Helsingör hat sich infolge Bruchs einer Gashauptleitung ein schweres Unglück in dem Hause

der Handwerker-Gesangvereins-Stiftung zugetragen, wo bereits tags zuvor ein 70jähriger Tischlermeister so schwere Gasvergiftungen erlitt, daß er im Kran- kenhaus nach kurzer Zeit verstarb. Als man bi« Stiftung betrat, fand man alle Wohnungen mit Gas ungefüllt. Zwei Einwohner waren bereits tot Füns andere würben in lebensgefährlichem Zustande ins Krankenhaus übergeführt. Die Stiftung wurde sofort geschlossen, zwei Nachbarhäuser geräumt und die anliegend« Volksschule geschlossen.

Kleine politische Nachrichten.

Nachdem vom 7. bis 13. Juni 1939 bie 1. Tagung des deutsch-italienischen Kulturaus- schuss es, der auf Grund des deutsch-italienischen Kulturabkommens gebildet worden war, in Ber­lin stattgefunden hatte, wird nun am 21. Februar die 2. Tagung des Ausschusses in Rom ihren Anfang nehmen. Auf Einladung des Vorsitzenden der italienischen Gruppe, Exzellenz Balbina Giu­liano, hat sich die deutsche Gruppe unter Füh­rung von Ministerialdirektor Stieve vom Aus­wärtigen Amt nach Rom begeben.

In einer schlichten Eröffnungsstunde übergab in Vertretung des Reichsministers Dr. Goebbels, Staatssekretär Esser, bas neue Gebäude des Reichspropagandaamtes München sei­ner Bestimmung. In Vertretung des Leiters des Reichspropaganbaamtes München, stellvertretenben Gauleiters Nippold, der sich im Heeresdienst befindet, übernahm der stellvertretende Leiter Dr. Müller das neue Haus mit einem Treuegelöbnis auf den Führer.

Der Oberbefehlshaber ber britischen Streitkräfte im Mittleren Osten, Generalleutnant Sir Archibald W a y e 11, hat sich auf dem Luftwege von Kairo noch Palästina begeben zu einer Inspektion der a u ft r a l i f d) e n Truppen, die sich in Pa­lästina in Ausbildungslagern befinden.

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Mitglieder der Irischen Republikanischen Armee haben einen Hand st reich auf ein englisches Befestigungswerk des Hafens von Cork durchgeführt. Bei der Aktion soll ein britischer Wachposten schwer verwundet worden fein.

zurückzahlen, die sie einst, in einer dunklen Stunde, an sich brachten, ohne daß der Verdacht auf sie fiel. Und das ist ein schöner und versöhnender Zug in dem dunklen Kapitel! Der Mensch ist am liebens­wertesten, wenn er begangenes Unrecht gutzumachen sucht.

Die Klage herUeberlebenSgrohen^.

Frauen, die darüber unglücklich sind, daß sie zu klein" sind, können sich trösten, denn das Schick­sal der Ueberlebensgroßen ist noch viel trauriger. Dies behauptet eine Dam«, die die stattliche Länge von über 180 cm mißt.Ich glaube nichU, schreibt sie, ,/daß eine kleine Frau sich vorstellen kann, welche Pein es ist, wenn man beim Betreten eines von Menschen erfüllten Raumes sofort alle Augen aus sich gerichtet fühlt, wenn das Gespräch stockt und erst wieder in Gang kommt, nachdem man sich in den nächsten Stuhl hat fallen lassen, und wenn man bann aussteht, folgen einem die Blicke wieder mit neugieriger Verwunderung. Die klein« Frau findet beim Einkäufen doch noch eher etwas, was ihr paßt. Aber wirUeberlebensgroßen"! Für uns wird jede Besorgung zum Martyrium, denn alles ist uns zu klein, Kleider und Schuhe und Hand­schuhe.

Und bann diese ewige Schwierigkeit, dem richtigen Partner zu finden. Klein« Männer sieht man über­all. Aber wenn endlich einmal ein Mann mit Garde­maß au stritt und man bereits hofft, nun endlich den richtigen gefunden zu haben, dann wird er sich sicherlich auf so ein kleines Ding stürzen, das seinen Idealen von zarter Weiblichkeit viel besser entspricht. Beim Sport aber haben wir es nun erst recht schlimm. Die Männer erwarten von uns, daß wir alles leisten können, daß wir wahr« Achteten sind, und vergessen völlig, daß sie es mit einer Frau zu tun haben. Sitzen wir hn Theater, dann stolpern bie Leute über unsere Füße und schimpfen, weil wir unsere Beine so weit vorstrecken; wer hinter uns sitzt, ist entrüstet darüber, daß er nicht sehen kann. Im Omnibus und in der Straßenbahn müs­sen mir mit den Beinen seitlich sitzen, und in einem der jetzt so beliebten kleineren Kraftwagen können wir nur in verkrümmter Stellung Unterkunft fin­den. Des Nachts haben wir kalte Füße, weil bie Bettdecke Nicht bis hinunterreicht. Am schlimmsten aber ist es, daß wir bei all unserem Unglück von den anderen Frauen noch beneidet werden, weil wir all« Blicke auf uns Liehen."