Ur. 301 Zweites Blatt
Zrettag.20.vezemberM0
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Oie Bevölkerung selbst hat das Preisgefüge zu schützen.
dafür sor-
1,30 RM.
10 v. 5).
von
2 —
„diesmal hat es
war natürlich keine Rede.
a noY /WKW
AU VA Fotofilm
1. Güte
1. Güte
1. Güte
1. Güte
1. Güte
1. Güte
0,70 0,80 3,— 4,50 4 —
Gänsebrust ohne Knochen Gänsebrust mit Knochen Gänsekeule
Gänsekeule mit Rücken Gänsefleisch in Stücken Gänseliesen (Flomen) Gänsehaut- und -darmfett Gänseschmalz, reines Gänseschmalz mit Zutaten
2,— 1,60 2,- 1,80 1,70 1,50 1,20 2,— 1,60 2,20
nuar bis 31. Juli Gänserumpf, ganz oder geteilt
II. Derbraucherhöchslpreife für Kaninchen.
Für Kaninchen sind keine Höchstpreise festgesetzt. In Frage kommt aber die Preisstopverordnung. Danach darf der Preis, der am 16. Oktober 1936 für Kaninchen durchweg gezahlt wurde, nicht überschritten werden. __________________
Verdunkelungszeit
m der Woche vom 15. bis 21. Dezember: 17.05 Uhr bis 9.25 Uhr.
Und das Geld haben wir auch schon."
Dom Geld war hinterher noch mehr die Rede. Denn Frau Päsold kriegte die Belohnung ausge- zahlt.
„Wissen Sie, liebe Frau Päsold", sagte der Kommissar beim Abchied, „wenn alle Leute ihre Augen und ihren Grips so gut gebrauchen würden wie Sie, dann hätten wir von der Polizei es leichter.
Frau Päsold sagte „Dankeschön" und machte vor lauter Verlegenheit einen Knicks. -
Auf der Treppe blieb sie dann einmal stehen.
„Du lieber Himmel ..murmelte sie kopfschüttelnd. „Den nächsten gucke ich mir noch genauer an. Man kann doch wahrhaftig nie wissen, was in einem Menschen drinnen steckt."
Der „Nationalsozialistische Gaudienst" der Gauleitung Hessen-Nassau teilt mit:
Die letzten Anordnungen und nachdrücklichen Warnungen des Reichskommissars für die Preisbildung zu Fragen der Preisdisziplin haben der Oeffen'tlichkeit eindeutig bewiesen, daß der national- sozialistischee Staat nicht gewillt ist, dem schädlichen Treiben einzelner außerhalb unserer Gemeinschaft stehender Individuen tatenlos zuzusehen, sondern alles daran setzt, um Wucherer, die am Freihoits- kampf unseres Volkes verdienen wollen, der gerechten und hTrten Strafe zuzuführen. Jene Zeiten, wie sie das um feine Existenz kämpfende Deutschland in dieser Hinsicht während des Weltkrieges erdulden mußte, werden sich nicht wiederholen. Die Gemeinschaftsgesinnung des Nationalsozialispius wird es nicht zulassen, daß die von ihren Kräften getragene größte geschichtliche Zeit unseres Volkes von gerissenen Gaunern sowohl wie von dummdreisten Spießern irgendwie beschmutzt wird. Mit der
Schweineschmalz
Gänseklein oder -junges (gesamtes Klein einer Gons: Kopf, Hals, Magen, Herz, Flügel, Füße)
nicht kochfertig
kochfertig
Gänseleber (Bratleber)
Stopfleber von ungarischen Gänsen
Geräucherte Gänsebrust
gerade jetzt besonders aktuell ist — gesagt wurde, gilt selbstverständlich auch für jeden anderen Artikel. Es muß ein Ding der Unmöglichkeit sein, daß eine kleine Gruppe von Besitzern dicker Geldtaschen durch Preisüberbietungen das Preisgefüge zuungunsten der breiten Masse unseres Volkes ins Wanken bringt.
Tageskalender für Freitag.
Stadttheater: 19 bis 21 Uhr „Der Leutnant Va- rp". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Das Lied der Liebe". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der ewige Jude". — Oberhessischer Kunstverein: 17.30 bis 18.30 Uhr Weihnachtsausstellung im Foyer des Stadttheaters.
Stadttheater Gießen.
Am heutigen Freitag wird zum ersten Male das bei seiner Erstaufführung am Dienstag ausgezeick^- rtet aufgenommene Schauspiel „Der Leutnant Dary von Walter Erich Schäfer wiederholt. Spielleitung: Irrhard Reuter. Bühnenbild: Karl Löffler. 14. Frei- cag-Miete.
Als er dann mittags essen ging, guckte sie selber aus dem Fenster. Vielleicht ist da ein Mädel, dachte sie, das ...
Aber da war fein Mädel. Man konnte den ganzen Seitenflügel überblicken. Unten war die Automobilwertstatt von Pulse, darüber die Pianofabrik von Korbach & Sohn, und drüber die Großtischlerei von Trillenberg. Der vierte Stock stand leer. Don Mädels war nichts zu sehen. Nur Männer wimmelten da herum. Bis auf die beiden Bürodamen von Trillenberg, aber davon war die eine über fünfzig und die andere auch keine Schönheit.
Unbegreiflich? Und was der Mann für einen schlechten Schlaf hatte. Fast jede Nacht hörte Frau Päsold, wie er aufstand und leise zum Fenster ging. Und dann dauerte es manchmal stundenlang, bis sie das Bett endlich wieder krachen hörte. Ob ihn die Erfindung nicht schlafen lieh?
Das ging genau cjne Woche und einen Tag. An einem Freitag war der Mann eingezogen. Arn Samstag, eine Woche darauf, als ihrtt Frau Päsold das Frühstück brachte, stand er fix. und fertig angekleidet da und hatte auch seinen Koffer schon ge- packt. A
„Denken Sie mal, meine Erfindung -st fertig sagte er. „Ich muß nun gleich nach Hamburg, wei' das nämlich mit der Schiffahrt zu tun hat. Aber Sie wollen keinen Schaden haben, liebe Arau. Ich zahle Ihnen das Zimmer bis zum Ersten
Und das tat er dann auch und verschwand mit seinem Koffer.
Unaefähr eine Stunde später nahm Frau Päsold ihr Einholenetz und stieg die Treppe hinab. Im Hausflur stieß sie auf Herrn Knaup, den Hauswart, der merkwürdig aufgeregt schien. .Haben Sie schon gehört, Frau Päsold?", rief er ihr zu.
.Was soll ich gehört haben?"
„Bei Trillenberg haben sie eingebrochen. Durch die Decke vom vierten Stock durch. Die Polizei war schon da."
„Ach!" sagte Frau Päsold.
„Jawohl, der Kommissar meint, das sind ganz gehenkte Jungens gewesen. Genau vorbereitet hatten sie alles. Die haben genau gewußt, wann der Wächter nachts die Runde macht und in welchem von den beiden Kassenschränken die Lohngelder aufbewahrt werden."
Der Mim mit der Erfindung.
(Erzählung von Peter Mattheus.
Frau Päsold hatte die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben. Seit vierzehn Tagen hing das «child nun unten an der Haustür, und zwei CeuU waren erst heraufgekommen, um das Zimmer anzusehen. Ein Herr und eine Dame. Der Herr war sehr unhöflich gewesen, er hatte etwas von Bruchbude gemurmelt und spöttisch gegrinst. Die Dame dagegen hatte überhaupt nichts gesägt. Sie hatte sich nur einmal umgeblickt im Zimmer und war schweigend wieder gegangen. Das war beinahe noch schlimmer gewesen. Denn dem Herrn hatte Frau Wold natürlich Bescheid gesagt. Ganz gehörig hatte sie das ge- tan Aber der Dame hatte sie gar nichts sagen können. , ,
Und dabei mar das Zimmer nicht einmal so schlecht. Auf alle Fälle war es das größte von den beiden, die zur Wohnung gehörten. Es lag zwischen der Küche und Frau Pasolds eigener kleiner Äanr mer. Der Schreibtisch in der yensterecke stEMte noch von dem seligen Herrn Päsold. Er hatte ihn nie benutzt. Das Bett war prima. Und was cue Sauberkeit betraf, so brauchte man nur Frau pa sold selber anzusehen, um zu wissen, was man zu erwarten hatte. Sie war eine blitzsaubere rvndl.che
Äießllch hatte der verflossene Mieter ja nicht umsonst volle vier Jahre bet ihr gewohnt Bis ZU feiner Hochzeit. Er hatte sich immer sehr wolst ge ffühlt. Das hatte er mehr als einmal gesagt.
Na ja — und daß nun trotzdem feiner kam war ein Unglück Wenn man Witwe ist mit einer tie nen Rente und nicht mehr so recht mit denen Beinen fortkann, muß man doch vermieten. Sonst langt ^SBie gesagt, Frau Päsold hatte die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben. Aber an einem 6 g^ morgen kam doch einer. Es lautete draußen und als sie aufmachte, stand ein Herr da SL/rich- aussehend sogar — und fragte: ,Zst das hier ch tig mit dem Zimmer?" ... .- r-
„Ja", sagte Frau Päsold, „das ijt richtig hi • „Geht es auf den Hof hinaus.
heit entsprechend hart gesühnt wird.
Jeder hat hier mltzühelsen.
Die erlassenen und neuerdings ergänzten Anordnungen des ReichspreiskÜmmissars sind ein Mittel zu diesem Zweck, und doch sind sie, so muß nun hinzugefügt werden, keineswegs ausreichend. Sie find in ihrer Auswirkung schließlich und endlich auf 1 die Erfolge der polizeilichen Beobachtung beschränkt. Daß diese nicht allumfassend sein kann, ist verständlich. Umso mehr ist also die tätige Mithilfe der Bevölkerung selbst von Nöten.
Es muß einmal besonders herausgestellt werden, daß es nur allzu oft die Bevölkerung selbst ist, die durch Preisüberbietungen den schmutzigen Geschäften elender Fledderer Vorschub leistet. Sicher sind dies nicht Angehörige der breiten Masse, sie können es sich nicht leisten, Ueberpreife zu zahlen, sondern allein Leute jener Schicht, der es auf einen Fünfzig- ober Hundertmarschein nicht anzukommen braucht. Diese allein können es sich z. B. leisten, für eine Weihnachtsgans 50,— oder 70,— RM. zu bezahlen, und sie tun es ohne Scham mit der schändlichen Genugtuung, gegenüber anderen einen Vorteil ergattert zu haben. Es soll unter ihnen sogar einige geben, die sich auf diese Pfiffigkeit, wie sie diese volk: schädigende Lumperei bezeichnen, noch etwas einbilden und damit an den Stammtischen — natürlich unter ihresgleichen — renommieren.
preteüberbiefungen schaben der Gemeinschaft.
Ihr Verstand reicht nicht soweit, um die Folgen । ihres Handeln^ "i behexten W'«' kann er ichietz.ich auch, steht er doch einzig und allein im Dienste des eigenen Ich. Was also kümmern ihn die Folgen, wo diese allein von der Gemeinschaft getragen werden, | und von einem Ebarakterwert, der hemmend wirken sollte, ’u reden, können wir uns ersvaren, da sie in dieser Beziehung die b'ewußt Besitzlosen sein wollen.
। Charakter ist ihrer Meinung nach allein etwas, was , die anderen besitzen müssen, um selber um so ‘ charakterloser wirken zu können. So alro kommt es, daß es einiae wenige gibt, die bei jeder nicht bewirtschafteten Mangelware durch Preisüberbietun- gen gluckli^e Nutznießer werden, während die finanziellen weniger krästtge breite Masse das Nachsehen bat.
Mangelware nur ;n amtlichen Preisen.
Nun ist sicher gar nicht zu verlangen, daß Man- ! gclroare gleichmäßig an alle Volksgenossen abgegeben werden k nn. Ihr Verkauf beschränkt sich naturgemäß auf ihr Vorhandensein. Verlangt aber muß auch für sie — und gerade für sie — der amtlich festgesetzte stabile Preis werden. Wenn 2000 Gänse in einem Ort von 50 000 Familien zum Verkauf gelangen, werden immer 48 000 Familien leer ausgehen müssen. Die 2000 Gänse aber müssen zu dem amtlichen Preis verkauft worden sein, das ist die für die Allgnmeinheit notwendige Forderung, die wiederum o^ein durch das Verhalten der Angehörigen dieser Allgemeinheit Geltung erhalten kann. Das, was hier zu dem Artikel Gänse — weil dieser
Beide werden bestraft.
Die letzte Warnung des Reichspreiskommissars macht daher mit Recht keinen Unterschied zwischen dem Wucherer, der Ueberpreife fordert, und dem Käufer, der sie bezahlt, sondern verurteilt sie beide als Volksschädlinge und stellt ihr Vergehen unter gleich strenge Bestrafung. „Wer im Schleich- oder Schwarzhandel Ueberpreife fordert ober zahl t", heißt es in biefer Warnung wirb wegen feines eigennützigen Verhaltens der Bestrafung zu- geführt werden. Daß diese Bestrafung rücksichtslos und durchgreifend sein wird, ist eine Selbstverständlichkeit. Daß darüber hinaus aber auch die Volksgemeinschaft berartige Schädlinge für immer auslöscht. ist ebenso selbstverständlich. Der Führer hat 3U Beginn unseres Krieges erklärt: „Der Soldat soll wissen, daß in diesem Kampfe zum erstenmal in der Geschichte nicht von dem einen verdient wird, während die anderen verbluten." Allein das Gewicht dieser Forderung sollte die Preisüberbieter von vornherein von ihren elenden Geschäften abhalten, mit denen sie den Wucherern zum Erfolg, sich selbst zu einem Vorteil verhelfen, der Gemeinschaft ihres Volkes aber einen nicht zu ertragenden materiellen und seelischen Schaden zufügen.
Lumpen werben ausgelöfcht.
Die Forderung der Gemeinschaft in der Heimat, die mit dem Blick auf die kämpfende Front unserer Soldaten ihre besondere Unterstreichung erfährt, heißt also: Niemand beteilige sich am Schleichhandel, jeder beachte und achte auf die amtlich festgesetzten Preise, und vor allem, jeder bringe Preistreiber und Preisüberbieter unnachsichtig zur Anzeige. Den Lumpen aber, die sich freilich auch durch diesen Appell nicht angesprochen fühlen können, soll schließlich gesagt fein: Partei und Staat haben Mittel und Wege, um ihr elendes Dasein in unserer Gemeinschaft erheblich zu verkürzen. Wenn man es nicht glauben will, so wird man es erfahren.
preise für Gänse und Kaninchen.
NSG. Auf-verschiedene Anfragen aus Leserkreisen über die Festsetzung der Preise für Gänse und Kaninchen erhalten wir vom Landesernährungsamt folgende Mitteilung:
। 1. verbraucherhöchstpreife für Ganje (je % kg). Gänse, in- und ausländische:
Da kommt eine Telegraphenstange und patsch! haut iie ihnen eins auf den Kopf, und sie müssen wieder hinunter. Immer wieder kann man diesem Sprfl zusehen.
Nun fahren wir wieder an einem Dorf vorbei, der Friedhof liegt gleich daneben. Trotzdem es doch chon Pezember ist, sind alle Gräber voll blühender Blumen, ein Beet neben dem anderen
Himmel! Wieviel verschiedene Arten von Dächern gibt es doch! Spitze und hohe, flache und breite, ichroq abfallende und sanft geschwungene. Gut, Aah ich mir kein Haus zu bauen brauche, die Auswahl aus dieser Formenfülle könnte Qualen verursachen.
Beim Abfahren hieß es: „Einsteichen! Tieren schliefen!" Jetzt aber wird gerufen: „Einj-teigen! Tühren schließen!" Die Berghänge sind dicht mit Fichten bestanden, lauter Weihnachtsbäume! Auf einem Feld fitzt eine Unzahl Krähen. Sie lassen sich durch den vorbeifahrenden Zug nicht stören in ihrem eifrigen Suchen nach Nahrung. „Happen, pappen, happen, pappen", sagte der Wolf im Weihnachtsmärchen, das ist und bleibt eben das Wich- ngste auf der Welt! Sogar bei den Wassertropfen, Sie nun die Scheibe hinunterlaufen, je nach Temperament, langsam oder hurtig. Dann stürzt sich eine auf die andere und verschlingt sie: das böse Gewissen läßt sie dann doppelt so schnell ihren Weg sortsetzen.
Inzwischen fällt mir ein, daß ich vergessen habe, meinen Kamm einzupacken. Das ist ärgerlich, aber immerhin: die Zahnbürste wäre peinlicher. Einen Stamm kann man sich schließlich mal leihen, wenn man auf Besuch ist, sogar einen ganzen. Da war ich nämlich mal ein zwar genialer, aber etwas un- || ordentlicher Gast, der auch keinen hatte, und der bescheiden fragte: .Haben Sie vielleicht ein Stück Kamm für mich?"
Gegenüber sitzt eine junge Frau. Sie schläft, und ij ihr schmales Gesicht hat einen glücklichen Ausdruck. I Träumt sie von ihrem Kind ober von ihrem Mann, | der Weihnachten auf Urlaub kommt? Braun liegen I die Felder da oder lichtgrün, eine süße Frühjahrs- f Hoffnung! E- L.St.
„Ach!" sagte Frau Päsold noch einmal. Sie zuckte sonderbar abwesend in eine dunkle Ecke des Flurs, wo eigentlich gar nichts zu sehen war.
„Eine Belohnung ist auch schon ausgeschrieben", fuhr Herr Knaup fort. „Die müßte man sich verdienen können, was?"
,^a, die müßte man sich verdienen können", sagte Frau Päsold.
Und dann rannte sie plötzlich auf die Straße. Aber sie ging nicht auf den Markt. Sie stieg in die Zweiundzwanzig, die zum Präsidium fahrt.
Der Herr, mit dem sie auf dem Polizeipräsidium sprach, war sehr nett zu ihr. Er hörte sich alles an und holte zum Schluß ein dickes Buch, in dem lauter Photographien waren. „Na —?" sagte er und tippte auf eines der Bilder.
„Jawohl, das ist ex*", sagte Frau Päsold.
Am Nachmittag saß sie in der Küche und tränt Kaffee, als es mit einemmal draußen klingelte. Ein Kriminalwachtmeister stand vor der Tür und hielt ihr seine Marke unter die Nase. „Sie sollen gleich mal aufs Präsidium kommen", sagte er. ,Lch habe einen Wagen unten."
Der Mann hatte es so eilig, daß sie nicht mal ein besseres Kleid anziehen konnte. Bloß die Schürze
„Das tut es", sagte Frau Pasold.
„Dann möchte ich es gern mal sehen."
Frau Päsold ging bereitwillig voraus und öffnete die Tür. Man konnte im Grunde genommen nicht sagen, daß der Fremde sich das Zimmer ansah. Er ging nur gerade durch zum Fenster, blickte hinaus und sagte: „Schön, ich nehme das Zimmer. Was kostet es9" , ,
Frau Wold war so perplex, daß sie nicht einmal die Geistesgegenwart aufbrachte, rasch ein paar Mark aufzuschlagen. Sie nannte ihren Preis, und der Mann nickte.
„Bitte", sagte Frau Päsold dann plötzlich, „ich möchte erst noch wissen,'was Sie sind. Don Beruf, meine ich." . . .... _
„Ich? Hm." Der Mann lächelte em bißchen. „Er-
JDeb —", sagte Frau Wold rasch, „wenn Sie etwa mit Säuren zu tun haben ober solchen Schwei, nereien ... ber grüne Tuchbelag auf bem Schreibtisch Ist fast neu, unb ..."
^eme Angst, liebe Frau", unterbrach sie der Mann „ich habe weder mit Sauren zu tun, noch mit Sprengstoffen. Ich bin auf ganz andere Sachen QUUnb damit beruhigte sich Frau Wold und ver- mietete dem Mann das Zimmer. Anständig sah er schließlich aus. .
Ein sonderbarer Mieter war das. Und eine komische Erfindung mußte es sein, an der er arbeitete Frau Päsold horchte nicht etwa, dazu gab sie fid) nicht her. Aber die Wände waren dünn, und so hörte sie allerlei. Das heißt - eigentlich hörte sie qar nichts. Der Mann saß immer am Schreibtych, nxnn sie ins Zimmer kam, und hatte em Blatt Papier vor sich. Es stand jedoch nie etwas draus auf bem Papier. Mitunter hörte sie auch, wie er tm Zimmer hin unb her ging. Meistens aber rührte er ^o’dnen stillen Mieter hatte Frau Wold noch nie gehabt. Er ging mal essen unb mal eine Taste 6affee trinken, sonst war er zu Haus. Unb Besuch frieqte er nie. Einmal, als sie vom Einholen zuruck- kam unb bachte, er sei ausgegangen, gmg fie ohne anzuklopfen zu ihm hinein. Da staub er hinter ber Gardine am Fenster und starrte mit einem Operm qucker hinaus. Er ließ den Operngucker rasch m die Tasche gleiten und brummte etwas vor sich hin.
Mastgänse, Mindestgewicht 3% kg, 1.Güte Frühmastgänse in der Zeit vom I.Ja- 1. Güte
durste sie abbinden.
Auf dem Präsidium wartete der Herr aus fie, mit dem sie schon vormittags gesprochen hatte. Er war noch netter als das erstemal. „Na, liebe Frau Päsold", sagte er und klopfte ihr auf die Schulter, ' ' aber sein geklappt. Don Hamburg ne Rede. Wir haben die ganze Gesellschaft in einem Cafe in der Karlstraße gefaßt.
an einem Oezembrrmorgen.
Der Mond steht noch am Himmel, als wir zum Bahnhof gehen. Kalt ist es, so daß wir eilig unb verstummt unfern Weg xurücflegen. Eigentlich könnte es ebensogut Abend sein bei dieser Beleuch- hing. Im Zug wird es allmählich heller. Wir sehen zum Fenster hinaus: wie sieht die Lahn aus! Dunkelbraun liegt sie zwischen den Gärten, Feldern und Diesen. Man sollte gar nicht glauben, daß bas derselbe Fluß ist, der so blau und silbern dahinsließcn kann. „Och, Muttt, is das aber 'n langes Was- ser!" rief eben ein kleiner Junge, der mit seinem Schwesterchen am Fenster steht und ihr alles eifrig erklärt. Wohl nicht immer ganz richtig, denn, als sich eine Telegraphenstange im Wasser spiegelt, meint er: „Da steht ein Stock mitten im Wasser!"
Ueberhaupt, die Telegraphenstangen! Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, warum sie immer neben dem Zug herlaufen? Zu komisch sieht es aus, wenn die Drähte in die Hohe schwingen:
Lin Gruß aus ber Heimat [5776D für jeden Soldaten ist das KdF.-Jahresheft. Es kostet nur 20 Rpf. und bringt auf 40 Seiten Bilder aus dem schönen Rhein-Main-Gebiet. Darum kaust das KdF.-Jahresheft bei eurer KdF.-Dienststelle.
Oie Hauptsache : er kommt
Seien wir ehrlich: wir waren alle ein wenig enttäuscht, als wir Ende letzter Woche in der Zeitung lasen, daß die vierte Reichsstraßensammlung um acht Tage verschoben werden mußte. Jeder hatte sich schon auf die hübschen Holzabzeichen aus dem Erzgebirge gefreut, die, wie schon die Jahre vorher, wieder als Schmuck den Weihnachtsbaum zieren sollten.
Kasperl hat sich mit seiner gesamten Theater- belegschaft um einige Tage verspätet und kommt nun halt etwas später in unseren Besitz, ohne deshalb weniger sehnlichst erwartet und freudig begrüßt zu werden. Die ungeduldigen Blockadesperrer von HI. und BDM. hatten allerdings traurige und lange Gesichter gezogen, als ihr fein einge- fäbelter Blockadekrieg ins Wasser fiel und Kasperl sie als Mann tollkühner Streiche, Minensperren und Kaperschiffe kurzerhand aufs Trockene setzte! Aber das macht gar nichts! Dom Pimpf bis zum Hitlerjungen, vom Jungmädel bis zur angehenden Studentin im BDM. sind sich alle einig, der Krieg wird mit verschärftem Nachdruck am Samstag unb Sonntag nachgeholt! Jeder kommt also doch noch zu feinem Recht: Die HI. kapert für die 4. Reichs- straßensammlung, Männer und Frauen schmücken am Samstag und Sonntag ihren Mantelkragen möglichst mit allen 15 lustigen Kasperlsiguren, und Kasperl selbst hängt mit seinen Trabanten am Weihnachtsabend als Schmuck im lichterstrahlenden Weihnachtsbaum.
Das Kriegs-Winterhilfswerk aber wird wieder einen Sammelerfolg hoben, der Herrn Churchills Pliitokratengemüt über die Feiertage erheblich verdüstern wird!
Lockeruna des Tanzvert'ots.
Mit sofortiger Wirkung wird das bestehende Tanzverbot insofern aufgelockert, als bis auf weiteres an drei Tagen in der Woche von 16 Uhr ab wieder gttanzt werden darf. Diese Tage, sowie der Beginn der Tanzunterhattungen wird nach Berücksichtigung der örtlichen Derhättnisse durch die Kreis- polizeibehörden bestimmt. In der Zeit vom 25. Dezember 1940 bis 1. Januar 1941 einschließlich, also zwischen Weihnachten und Neujahr, darf an allm Taoen in der Woche getanzt werden. Dabei ist selbstverständliche Voraussetzung, daß' die festzusetzende Polizeistunde bei Abhaltung von Tanzveranstaltungen genau eingehalten wird.
Oie Filmtheater
am 24. Dezember geschlossen.
Wie in den Vorjahren bleiben sämtliche deutschen Lichtspieltheater auch in diesem Jahre am 24.12. geschlossen.
Ortszeit für den 21. Dezember.
Sonnenaufgang 9.35 Uhr, Sonnenuntergang 17.11 Uhr. — Monduntergang 12.53 Uhr, Mondaufgang 0.21 Uhr.
Oie ungesicherte Kellertreppe.
Wie notwendig es ist, daß jeder Hauseigentümer gerade bei zunehmender Dunkelheit für die Sicherung von Kellertreppen sorgen muß, lehrt ein neues Urteil des Reichsgerichts (VI23/40 vom 7. Auaust 1940). — Ein Volksgenosse hatte in der Dunkelheit einen Mieter besuchen wollen, der in dem Hause eine Erdgeschoßwohnung bewohnt. Gleich hinter dem Gartent'or begann eine damals nicht gesicherte Kellertreppe. Der Volksgenosse stürzte hinab und verletzte sich schwer.
Das Reichsgericht hat festgestellt, daß er auch bei
Aus der Stad« Giehen. Gänse unter derHand für 50und I0RM. m-smem-uKSW ummie Betrachtungen
ihr eigenen Konsequenz wird die Idee gen, daß jede Bereicherung und jedes Vorteil-Er- schleichen des einzelnen auf Kosten der Allgemein-


