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Gkhener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Deutsche Jugend und deutsche Kolonien.

Von Dr. Paul Rohrbach

Zeit vielen Jahren tritt unser ständiger außenpolitischer Mitarbeiter Dr. Paul Rohr- bach in seinen im Gießener Anzeiger ver­öffentlichen Aufsätzen und Reiseberichten auf­klärend und werbend für den kolonialen Ge­danken ein. Auch sein für Montag angekün- digter Vortrag im Gießener Vortragsring gilt dem gleichen Thema.

Vox Jahren, es war noch vor dem Umbruch von 1933, wurde ich gebeten, in der Obersekunda eines Münchener Gymnasiums den kolonialen Gedanken einmal in Form einer Unterrichtsstunde zu behan­deln. An diese Stunde erinnere ich mich darum so gern, weil ich nach anfänglicher Zurückhaltung der Jungen sie war nur zu erklärlich, denn wer »sprach damals in München von den Kolonien! ihr volles Mitgehen erlebte.

Ich überlegte mir, wie am besten zu beginnen wäre und versuchte es damit, uns alle miteinander in eine englische Schulklasse zu ver­setzen. An die Schüler dort wird z. B. die Frage gerichtet: Wer von euch ist in Großbritannien und wer draußen in Uebersee geboren? Darauf könnte geantwortet werden: Ich bin in Indien geboren, ich in Kenya (Ostafrika), ich in Hongkong, ich in Gibraltar! Zur Erklärung gleich: In den Tropen können weiße Kinder nicht aufwachsen; die Eltern, mag es eine Beamten-, Offiziers- oder Pflanzer­familie sein, schicken sie zur Erziehung nach Hause. Dasselbe gilt für die vielen überseeischen Einzel- stützvunkte im englischen Weltreich. Ein paar Hin­weise auf die Wandkarte setzten meine Münchener Jungen ins Bild.

Zweite Frage in der englischen Klasse: Wer von euch hat Verwandte in Afrika, Asien, Amerika, Australien? Bei wem kommen zu Hause Briefe von dort an? Eine Menge Hände gehen in die Höhe. Der eine hat einen Bruder, der Offizier in der englischen Armee ist, er hat. einen silberbeschla­genen Dolch von dort geschickt und interessante Marken fürs Album. Ein Onkel hat Weinberge in der Kapkolonie, von dort kam ein Faß südafrika­nischer Sherry an. Eines andern Tante ist in Sid­ney verheiratet und hat den Neffen eingeladen, sie zu besuchen, wenn er mit der Schule fertig ist, das Reisegeld hat sie auch versprochen.

Der englische Schulkamerad wurde einigermaßen bildhaft, und ich kam mit der Klasse in Fahrt. An den Beispielen fing der Unterschied in den Köpfen an zu dämmern zwischen einem Volk, das reich ist an Kolonien, und einem, das keine mehr besitzt. Ein Junge meldete sich: Wir haben auch Verwandte in Amerika".Wo denn?"Ich glaube, in Kalifornien."Schreibt ihr euch noch?"Ja, manchmal kommt noch ein Brief, aber der ist englisch, die Eltern leben nicht mehr und die Kinder können kein Deutsch mehr." Daran knüpfte sich eine Aussprache mit der Klasse über das Wort von den Deutschen alsKultur­dünger in der Welt": von den 5 Millionen Deut­schen, die im Laufe eines Jahrhunderts nach Ame­rika gegangen sind und dort das amerikanische Volk haben aufbauen helfen, deren Nachkommen aber ihre Sprache und ihr deutsches Bewußtsein, ja, oft sogar die Erinnerung an ihre deutsche Her­kunft, verloren haben. Darüber wurde es nachdenk­lich still in der Klasse.

Wir kamen nun darauf, welche Völker außer den Engländern noch überseeischen Besitz haben: Fran­zosen, Holländer, Portugiesen, Belgier. Bei ihnen allen sagte ich, hängt in der Schule eine Weltkarte, und wenn der Schüler sie ansieht, so weiß er: das Stück da, das unsre Farbe zeigt, gehört uns, da kann ich auch einmal hinkommen, als Kolonial- offizier, Farmer, Pflanzungsleiter, Eisenbahner, Ingenieur, dort im Urwald und in der Steppe kann ich Bahnen und Kraftwerke bauen, mit meiner Trägerkarawane oder meiner Autokolonne auf Fahrt gehen! Davon erzählen ja all die Menschen, die auf Urlaub nach Hause kommen, davon ist in

ihren Briefen die Rede, das zeigen die Bilder, die den Briefen beiliegen.

So waren wir hei der Frage angelangt, an welche Berufe ein deutscher Junge denken kann, wenn wir wieder Kolonialoolk ge­worden sind, und welche ihm verschlossen bleiben, olange wir keine Kolonien haben. Die Klasse war warm geworden. Mir schien bemerkenswert, daß eigentlich nur zweierlei in der Besprechung die Jungen lebhafter beschäftigte: der Schutztrup- penoffizier und der Farmer. Natürlich auch der Löwenjäger, was mit der Altersstufe zusam­menhing, was aber als kolonialer Beruf doch aus­geschaltet werden mußte. Am Ende gelang es, ^auch ein Stück Kolonialwirtschaft dem Verständ­nis näherzubringen. Ich erzählte von den deutschen Kaffeepflanzern am Kilimandscharo und von den Farmern in Südwestafrika, die auch unter frem­der Herrschaft auf altem deutschem Boden deutsche Arbeit tun, und sagte: Stellt euch vor, wieviel Deutsche mit deutscher kolonialer Wirtschaft und durch den Handel mit deutschen Kolonien wohl­habend werden könnten, statt daß nur Engländer, Amerikaner oder Holländer durch das reich werden, was wir bei ihnen taufen müssen aber dazu müßte erst der Kaffee, den wir trinken, die Wolle und Baumwolle, in die wir uns kleiden, das Fleisch und die Butter, die wir einführen, auf deut-

Das lebensgesetzlich-natürliche Denken steht gegen das dogmatisch-historische Denken. Das europäische Erleben dieser' Tage ist kein politisches Ereignis, andern ein biologisches. Die Zuordnung der bio­logischen Kräfte zueinander erfolgt durch das biologische Gesetz der Wertung des Verhältnisses von Anlage und Umwelt und nicht auf anerzogenen, geistesgeschichtlich begründeten Anrechten. Wenn wir bei uns den Haß nicht kennen, sondern nur die Freude, wenn Neid und Mißgunst die andere Seite dagegen beherrschen, so deutet das wiederum dar­auf hin, daß hier nicht gleiche Machtfaktoren, son­dern zwei grundverschiedene Prin­zipien sich gegenüberstehen.

Die Befriedung des europäischen Raumes und die Herstellung einer größeren Einheit wird sich nur in biologischem, lebensgesetzlichem Denken voll­ziehen. Ein neuer Wertbegriff, die Erlebnis- welt des nordischen Menschen, seine Kunst und sein Schaffen werden die Einheit bestim­men. Es wird unsere Aufgabe sein, dieses als Leit- und Führungsprinzip für die Zukunft allen jenen Mitbewohnern dieses Kontinents darzubieten, um so nach Verdienst und Würdigkeit die glückliche Zu­kunft zu sichern, die nicht nur den einzelnen, son­dern der Gesamtheit die erforderliche Ruhe gibt, die wiederum für die große Aufgabe in der Welt Voraussetzung ist. Das rassepolitische Denken führt nicht zur Trennung, sondern zur Einigung.

Die Sicherung und Verbesserung des Erbgutes in qualitativer Hinficht ist die Haupt­aufgabe in der nächsten Zeit. Damit sind die Be­arbeitungen aller Probleme einer unterschiedlichen Fortpflanzung und einer qualitativen Bevölkerungs­politik als vordringlich anzusehen. Die wissenschaft­liche Arbeit, die auf dem Gebiet der menschlichen Erbbiologie und der Erbpathologie geleistet wurde, hat uns heute einen Maßstab an die Hand gegeben, mit dessen Hilfe Aufschluß über die Vererbungsoor­gänge im menschlichen Bereich zu erhalten ist, den wir anlegen können, um aktiv fördernd einzugreifen.

Bevölkerungspolitische Arbeiten, die in großer Reihe durchgeführt werden, geben darüber hinaus ein Bild von der Zusammensetzung und dem quali­tativen Wert der verschiedenen Bevölkerungsgrup­pen und -sippen im Rahmen des Volksganzen. Er­hebungen über die Fortpflanzungsverhältnisse ver­schiedener Gruppen in verschiedenen Umweltberei­chen zeigen, wie ungeheuer wichtig es ist, auf die unterschiedliche Fortpflanzung im Rahmen der Ge­samtoermehrung des Volkes zu achten.

Die Erbmasse erfährt laufend durch die unter­schiedliche Fortpflanzung eine starke quantitative Veränderung im Volkskörper. Hierdurch wiederum

schem Kolonialboden hervorgebracht wer­den!

Besonders interessant schien die Frage, wie man Farmer in Südwest werden kann. Zuerst mußte ich erklären, daß es dort keinen Ackerbau gibt son­dern nur Mehwirtschaft. Ein Junge meinte, er würde gern auch einmal einen Hof mit Vieh haben, aber sie hätten kein Geld dazu. Ob das drüben wohl leichter ginge? Darauf erzählte ich von un­fern alten Schutztrupplern in Südwest, die während ihrer Dienstzeit lernten, wie man ein Lehmziegel­haus baut, wie man die Zugochsen abrichtet, wie man einen Brunnen sprengt, und die dann beim Ausscheiden aus der Truppe als Prämie für ihren Dienst von der Regierung billiges Farmland be­kamen. Bei ihrer Tüchtigkeit und Erfahrung konnt- ten sie mit einer kleinen Stammherde anfangen und sich richtig in die Höhe arbeiten. Ich selbst kannte viele, die als Soldaten, manche auch als Offiziere, ohne alles Vermögen ins Land gekom­men waren und nun auf einem Eigentum von Tau­senden von Hektaren wirtschaften und große Her­denbesitzer sind. Zum Schluß natürlich die Frage: Wie können ribir wieder zu Kolonien kommen? Mit meiner Zuversicht habe ich auch damals nicht hinter dem Berge gehalten, aber ich wünschte ich könnte diese Stunde heute noch einmal geben!

kann das Gesicht und die ganze kulturelle Leistung eine Verschiebung erfahren. Heute schon haben wir z. B. einen großen Mangel an allen höheren Be­rufen, der nicht nur aus dem großen Bedarf auf allen Gebieten beruht, sondern auf der geringe­ren Fortpflanzung der begabteren Schichten in den letzten Jahrzehnten. Der Nach­wuchs derjenigen, die wertvolle Erbanlagen tragen, ist zu gering gewesen, als daß die großen Erforder­nisse heute voll gedeckt werden könnten.

Die wissenschaftliche Vorarbeit der asozialen For­schung und der Kriminal-Biologie ist von großer Wichtigkeit. Ihre Bedeutung für die Dolkspolitik steht außer Zweifel. Durch Untersuchungen erhalten wir eingehende Beleg über bestimmte Eigenschaften und Defekte, z. B. Arbeitsscheu, Drückebergerei usw., die sippengemäß gebunden scheinen. Diese Unter­suchungen ergänzen die Ergebnisse auf dem Gebiet der Erblichkeit direkter Erbkrankheiten. Dadurch, daß biologisches Denken in das Gebiet der Kriminalistik eingedrungen ist, können wir auch hier vorbeugend die Bekämpfung der Verbrechen in Angriff nehmen. Der individuellen Ausschaltung der Kriminellen aus der Volksgemeinschaft, die an sich ja schon stets ge­übt wurde, steht heute aber die Ausschaltung aus dem Erbstrom gegenüber. Durch Inhaf­tierung und Unterbringuna in Arbeitssammellaaern wird verhindert, daß dieser minderwertige Bluts­strom durch leichtfertige Fortpflanzung sich ständig in großem Umfang vermehrt. Wir erkennen, daß über die Ausschaltung der direkten Erbkrankheiten hinaus die Ausmerzung des großen Komplexes, den wir mitasozial" umschreiben, noch wichtiger ist.

Aus diesen Fragestellungen heraus sind größere Untersuchungen über das Schicksal von Adop­tivkindern angestellt worden. Die Analyse der Adoptionsfälle z. B. einer Vermittlungsstelle hat ergeben, daß auf dem Sektor der fördernden Be- völkerungspolitik, wozu die Adoption gehört, nur die stärkste Beachtung der biologischen Zusammen­hänge den entsprechenden Erfolg sichert. Bei den Untersuchungen sind Fälle ausgezeichnet, wo Kinder mit schlechten Erbanlagen aus dem schlechtesten Milieu in die besten Verhältnisse adoptiert worden sind, die trotz entsprechender Fürsorge die anlage­mäßig gegebene minderwertige Umwelt stets wieder ausgesucht haben. Darüber hinaus konnten Fälle aufgeführt werden, wo z. B. ein Kind mit guter Anlage in das ihm zukommende Milieu zurückkehrte und nicht der umgebenden schlechten Umwelt erlag.

. Neben der wissenschaftlichen Arbeit über die Zu­sammensetzung des Volkes und die unterschiedliche Vermehrung steht die wirtschaftliche För- derung der erbtüchtigen Volksglieder. Hierzu hat die wissenschaftliche Arbeit noch erheb-

Viologisches Denken im europäischen Raum.

Don Dr. Wqlter ©reife, München, Liundesleiter des Reichsbundes für Äiologie.

liche Unterlagen zu liefern. Die Auswirkung der Kinderbeihilfen, der Ehestandsdarlehen, d,er Einfluß der Motorisierung, der Fortpflanzung, der Neu- bauernsiedlung liefern eine große Fülle von Fra» gen, daß es einer stärksten Förderung bedarf, um hier erforderliche Unterlagen beizubringen.

Ueber die Sicherung der Dolkskraft und ihrer qualitativen Hochzüchtung stehen heute nun die wei­teren Aufgaben der Einfügung in die große Ord­nung der europäischen Lebensgemeinschaft. Biolo­gisch gesehen hat der Staat nur Daseinsberechtigung, wenn er völkisch erbmäßig, qualitativ wie quan­titativ die Voraussetzung bietet, eine entsvre- chende organische Gestalt zu repräsentieren. Jedem Staatssystem sowie jeder Organisation, die ihre

Es kommt nicht auf das Aeuhere an, sondern auf den Inhalt. Um Blech zu sparen, kommt jetzt Erdal, die altbewährte Schuhcreme, auch in Nach­füllpackungen in den Handel. Man kann diese mit dem gleichen Vertrauen kaufen wie Erdal in Blech­dosen. Es ist eins und dasselbe in Qualität und Menge! Man setzt das Unterteil mit Erdal einfach in die leere Erdalblechdose ein. Der besondere 23er* chluß der Nachfüllpackung hält die Erdalmasse frisch, ohne daß sie an der Umhüllung haftet. 4357V

Macht auf unbiologischen, konstruktiven Systemen oder dogmatischen Kräften aufbauen, stehen wir heute verständnislos gegenüber. So wichtig die Er­ziehung im Volksleben ist, so schwach ist eine Macht, die sich ständig nur durch äußere Beeinflussung und Einwirkung erhalten kann. Wenn diese Einwirkun­gen aber die biologischen vorhandenen Kräfte ver­drängen oder ablenten, dann erhalten wir jene jetzt zusammenbrechenden Demokratien oder Hierarchien» wie sie sich uns heute zeigen.

Schlagworte wie Plutokratie, Freimaurertum, internationale Finanzverflechtungen, universalistische Hierarchien usw. charakterisieren die unbiologische Form. Staaten, die sich mit diesen Mitteln an der Macht halten oder mit diesen Mitteln die Macht er­obert haben, zerfallen. Dagegen zollen wir den echten völkischen Einheiten stärkste An­erkennung und erkennen aus unserem biologischen Denken heraus jeder Volksgruppe mag sie noch so klein sein die ihr entsprechende Kraft und Macht zu, die ihren biologischen Energien entspricht

Im europäischen Raum wohnen die verschiedensten Völker. Im Laufe der Geschichte verschoben sich, teils durch innere Kraftäußerungen und teils durch fremde Einflüsse, biologische Kraft und staatliche Form. Je größer die Diskrepanz zwischen staatlicher und biologischer Wirklichkeit war, um so unglück­licher war das Zeitalter. Je besser das biologische Gleichgewicht, desto glücklicher und leistungsfähiger war dieser Erdteil.

Im Lebenskampf unseres Volkes haben wir er­kannt, daß die Wertung des Menschen rassisch gegeben (ft. Wenn wir jetzt auf Grund dieser bio­logischen Haltung eine über die Grenzen wirkende Kraft gewonnen haben und über unsere bisherigen staatlichen Bindungen hinaus jene Siedlungspunkte verwandter Erbmasse mit in den Wirkungsbereich unserer Ideen hineinziehen, so erwächst uns hier eine Verpflichtung von europäischem Ausmaß.

Neben der früheren Fragestelluna der Erb- und Rassenpflege vom Völkischen aus gesehen haben wir uns jetzt zu überlegen, in welchem starken Maße Erb- und Rassenpflege im europäischen Raum im wirklich organisch-lebensgesetzlichen Sinne die Grundlage der Zukunft fein muß.

QVe gute

N E STLE

KINDERNAHRUNG

Für Kinder im Alter bis zu >7, Jahren auf die 4 Abschnitte 5-8 der Kinderbrotkarte je eine große Dose in allen Fachgeschäften

Chemin des Dames 1940.

Von Peter Bamrn.

(Nachdruck verboten.)

Auf dem Misthaufen, der in der Morgensonne vor jem Fenster dampft, steht der Hahn und kräht, lieber den Trog des Brunnens beugt sich, bis zum Gürtel nackt, ein Soldat und wäscht sein Hemd. Die Magd kommt und füllt zwei große Eimer mit Wasser. Dann betrachtet sie den Soldaten. Offenbar ist sie ein wenig belustigt darüber, daß er diese Weiberarbeit verrichten muß. Sie wechseln einige Scherzworte miteinander in jener lächelnden Sprache der Geste, in der sich Mägde und Soldakn seit allen Zeiten so gut verständigen können, schließ­lich ergreift der Soldat die schweren Eimer und trägt sie in den Stall. Und die Magd ergreift das Hemd und beendet die Prozedur des Waschens mit ein paar schnellen und geschickten Griffen.

Wie alt ist dieses Bild! Nicht anders hat der Sol­dat der X. römischen Legion am Brunnen gestanden und sein Hemd gewaschen, als Cäsar Gallien er­obert hatte. Zwischen Siegern und Besiegten fangt, hier und heute, auf einem Bauernhof, neben einem Misthaufen, auf dem ein Hahn kräht, der Frieden m 2)enn weit schon hinter uns liegt der Krieg. Der große Wind ist verweht. In den friedlichen Dör­fern an der Loire, durch die unser Weg zuruck zu uns führt, hat das Leben wieder angefangen, -wir aber sitzen abends am Kamin, stumm und ein wenig traurig, und denken an die Tage des Schicksals, die hinter uns liegen. Der Jubel der Siegesfeste ist wohl eher die Sache derer, für die diese Siege ge- wonnn wurden. Wir, die wir das Rauschen des gro­ßen Windes gehört und die gesehen haben, die von feinem Flll-felf-hlaq getroffen, baljinfanten, mir bur= fen still fein. Saß nicht aus. Scipio auf den Trum mern Karthagos und meinte?

Durch unser Schweigen aber geht leise ein anderer Wind. Durch dieses Schweigen schwebt mit sanftem Flügelschlage die Göttin der Legende.

iM>,6!anqfam*un bekommen bie D-men fenen feierlichen Slang, ber sie befer tn bas Gebot s t>er Menschen einsenkt, als wenn man sie m ötei

szstel^ Braye Trucy, Chavonne so tauten diese Namen. Und endlich fällt auch jener

Name, der schon vor zwei Dezennien den großen, feierlichen Klang hatte, der Name des Chemin des Dames.

Ein kahler Höhenrücken, über den ein paar Kilo­meter lang eine Straße führt, rft zur Klippe ge­worden, an der das Schicksal eines Volkes, zer­schellte. Hier scheiterte 1917 die Offensive des Gene­rals Nivelle. Damals zum letztenmal ist Frankreich in die Schlacht gezogen, den Gegner mit der Waffe zu besiegen. Damals zum letztenmal wehte die Gloire als die Fahne Frankreichs vor der französi­schen Armee. Auf dem magischen Berg aber standen die besten Divisionen der alten deutschen Armee, und an ein paar Dutzend Maschinengewehren und einer Handvoll Männern, die die Feuerwalze durch­gestanden hatten, zerbrach Frankreichs letzter großer Elan. Die französische Armee ist nach dieser Nieder­lage nicht wieder angetreten. Der General Petain, der kalte Mathematiker der Strategie, war es, der erkannte, daß die Zeit der Gloire für Frankreich vorüber sei. Er war es, der die französische Heeres­leitung dazu bestimmte, zur rühmlosen, aber siche­ren D£fense überzugehen, bis das Uebergewicht an* derer Kräfte die Deutschen zur Kapitulation zwang.

Derselbe General Petain, der heute als Marschall der große, alte Mann Frankreichs geworden ist und die wahre Verantwortung für das Schicksal der französischen Nation auf seine Schultern geladen hat, ist vielleicht der einzige Mensch in Frankreich gewesen, der klar gesehen hat, was kommen würde. Das Unglück, das er damals zu verhüten gewußt hat, heute ist es eingetreten.

Und wieder ist es der magische Berg, der seine Schicksalsrolle dabei gespielt hat. Mag die lieber» legenheit der deutschen Armee auf welchen Bedin­gungen auch immer beruht haben, am Chemin des Dames wurde mit gleichen Waffen gekämpft.

Die Artillerievorbereitung war kurz. Das Ge­lände ließ die Verwendung von Panzern nicht zu. Stukas kamen im Anfang, des Bodennebels wegen, nicht zum Einsatz. Das Gelände war günstig für Öen Verteidiger und ungünstig für den Angreifer. Und auf der anderen Seite stand die Elite der fran­zösischen Armee, die Chasseurs alpins.

Die Weygand-Linie war die letzte Hoffnung der französischen Nation und die letzte Chance der fran­zösischen Armee. Der Poilu ist ein Meister der Ver­teidigung, und sie haben gekämpft wie die Teufel. Zwei Tage blieb die Waage in der Schwebe. Die

Verluste waren schwer auf beiden Setten. Dann senkte sie sich auf die Sette der Deutschen. Aber die junge Division, deren Gefechtsstreifen über die Mitte des Chemin des Dames lief, sie hat auf den Schlachtfeldern der Väter gezeigt, daß sie der Väter würdig war. Nach dem Zusammenbruch der Wey- gand-Linie war das Schicksal der Franzosen be­siegelt. Und am Chemin des Dames war einer jener Brennpunkte der Geschichte, an denen mit der Waffe zwischen Männern die Zukunft entschieden wird.

Der alte Glanz des magischen Berges erstrahlt von neuem. Wieder ist für eine ganze Generation der Name des Chemin des Dames ein großer Name geworden. Neue Gräber sind zu den alten hmzu- gefommen. Wenn wir an den Chemin des Dames deuten, so denken wir an die Stahlhelme auf den Holzkreuzen, die auf frischen Hügeln stehen. Tot ist dort jetzt alles und verlassen, trostlos verlassen. Un­zählige Gegenstände liegen umher in der Wüste des Schlachtfeldes von gestern, über dem die Sonne Frankreichs untergegangen rft.

Der große Wind ist verweht, Paris war noch einmal eine Messe wert. Der Kriegs der Vater aller Dinge, hat feine Saat in diese wüste Erbe gesenkt. Und während wir stumm in den Kamin schauen, in dem das Feuer verlischt, erwägen wir die Zeit, da diese Saat aufgehen wird, zu erfreuen das Auge derer, die nach uns kommen werden.

Zeitschriften.

Die von Professor Heinrich Hoffmann heraus- gegebene Monatsschrift u n ft dem Volk" (Verlag Heinrich Hoffmann, Wien) hat ein zweites Sonderheft der großen Deutschen Kunstausstellung in München gewidmet, das sich im besonderen mit der dort gezeigten Plastik und Graphik beschäftigt, daneben aber auch nochmals eine ganze Reihe von Gemälden roiebergiebt. Die großenteils farbigen und großformatigen Reproduktionen sind vorzüglich; sie geben dem, ber- nicht bie Möglichkeit hat, bie Aus­stellung zu besuchen, boch eine Vorstellung bauen, was bort gezeigt wird, und wo bie bilbenbe Kunst unseres Volkes heute steht. Neben bem einführenden Text zu den Münchener Ausstellungsarbeiten fei aus dem Inhalt des großzügig ausgettatteten Hef­tes noch eine grundsätzliche BetrachtungWas gibt uns die Kunst?" von Dr. Franz Dttmann hervor- gehoben.

Die festliche Stadt."

Eine Buchbesprechung.

Lina Staab: Die festliche Stadt. Ein Gedichtkreis um Würzburg. 55 Seiten. G. Grotesche Verlagsbuchhandlung, Berlin 1940. (167) Lina Staab, in Neustadt an der Wein­straße ansässig, ist den Lesern des Gießener An­zeigers seit Jahren aus Beiträgen zur Unterhal­tungsbeilage bekannt. Die Anszeichnung mit bem Westmarkpreis, ben sie im vorigen Jahre für den. auch an dieser Stelle besprochenen Gedichtband Jahr der Liebe" erhielt, und mit einem der Lyrik­preise derDame" bestätigte nur, was dem Kenner der gegenwärtigen deutschen Dichtung seit langem gewiß war: daß hier eine der wesentlichsten und charaktervollsten Kräfte der jungen Lyrik heran­wuchs und sich ausprägte; das bezeugt auch dieses kürzlich erschienene neue Buch, das seine innere Ge­schlossenheit nicht nur aus der großen, lebendigen Einheit seines dichterischen Themas gewinnt: in den Würzburger Gedichten der Lina Staab ver­binden sich auf eine nicht sehr häufig zu findende Weise weibliche Zarcheit und Wärme des Gefühls mit einer männlich anmutenben Klarheit, Reife und Strenge ber Form. In ben Gebichten spiegeln sich Gesicht und Geist ber bezaubernben Stabt unb einer ber reichsten unb anmutigsten beutschen Landschaften; man hat ben Eindruck, als ob die immer wieder überwältigende Fülle natürlicher und kultureller Kostbarkeiten irn mainfränkischen Raume die lyrische Phantasie, Ausdruckskraft und Vielfalt der For­men in diesem Gedichtkreise beschwingt und gestei­gert habe. Für Lina Staab verbindet sich Würz­burg mit bem entfcheibenben Erlebnis ihrer Jugend: in berfestlichen Stabt" sammeln sich Erinnerung, Dank und Liebeserklärung aus künstlerischer In­tuition und fraulichem Herzen. Die alte.Mainbrücke mit ben fränkischen Heiligen unb Schutzpatronen, Residenz und Hofgarten, Veitshöchheim und Ma- rienoerg bilden bie Szenerie, bie von ben unsterb­lichen Geistern Walthers von ber Dogelmeibe und Heinrich von Kleists, Riemenschneiders und Grüne­walds, Balthasar Neumanns und Tiepolos für immer verklärt und beseelt würbe. So ist ber mit noblem Geschmack ausgestattete schlanke Band eine kostbare Gabe für Kenner unb Freunbe bes beut­schen Gedichtes wie der deutschen Landschaft.

Hans Thyriot,