Der Bereich Hessen des NSRL. besteht aus zwei Gauen; die bisherigen NSRL.-Kreife sind Sportbezirke geworden, die sich wiederum aus mehreren politischen Kreisen zusammensetzen (bisher Unterkreise des NSRL.). Zum NSRL.-Bezirk Gießen gehören die Kreise Gießen, Alsfeld, Wetzlar und Dillenburg.
Der nördliche Gau des NSRL.-Bereichs Hessen deckt sich mit dem politischen Gau Kurhessen; der südliche NSRL.-Gau, gebildet von den Bezirken 8: Gießen, 9: Lahn, 20: Westerwald, 11: Friedberg und 12: Hanau, gehört zum politischen Gau Hessen- Nassau. r ,
In der fachlichen Arbeit tritt keine wesentliche Aenderung ein. Träger der Facharbeit bleiben der Bereich (bisher Gau) und der Bezirk (bisher Kreis). Der Bereichs- und der Bezirksführer stehen an der Spitze der entsprechenden Führerstäbe, die aus überfachlichen und fachlichen Mitarbeitern ge- bildet werden. Diese Neuorganisatton ist in jeder Hinsicht begrüßenswert. Ihre Bedeutung liegt darin, daß nunmehr eine noch engere Zusammenarbeit des NSRL. mit der Partei und ihren Gliederungen gewährleistet ist.
Spiele um die Kriegömeisterschast der Bezirkskiaffe.
Watzenborn. Steinberg I — Tuspo. Naunheim I 7:1 (2:0).
Durch einen 7:1-Sieg bauten die „Teutonen" aus Watzenborn-Steinberg im gestrigen Spiel gegen den Tabellenzweiten Naunheim ihre Tabellenfuh- rung weiter aus. Naunheim hatte seine bewährte junge Mannschaft zur Stelle, die im Zusammenspiel in der 1. Halbzeit des Spieles der Platzmannschaft sogar überlegen war. Begünstigt durch den Wind im Rücken, lagen die Gäste in dieser Spiel- hälfte fast stets im Angriff. Trotzdem war ihnen während dieser Zeit ein Erfolg nicht beschleden. Nach kaum 20 Minuten Spieldauer lag die Platzmannschaft 1:0 in Führung. In höchster Not wehrte die Naunheimer Hintermannschaft zum Eckball ab. Dieser wurde vom Rechtsaußen der Platzmannschaft. fein vor das Tor gegeben, und Linksaußen Harnisch schoß ein. Kurze Zeit später, als das Leder von Buß über Schmidt zu Schaumburg und von da durch Flankenwechsel abermals zu Harnisch gelangte, hieß es 2:0.
Nach Seitenwechsel nahm die Platzmannschaft das Heft in die Hand. Nachdem Schmidt auf 3:0 erhöht hatte, gelang den Gästen der 1. Gegentreffer. O. Happel erhöhte durch Kopfball auf 4:1, und aus einem Gedränge heraus fiel Nr. 5. Naunheim verlegte sich immer mehr auf die Verteidi- gung. Schmidt schoß dann zum 6. Treffer ein. Kurz vor Spielende setzte sich Harnisch erfolgreich gegen die gegnerische Verteidigung durch, und sein harter Schuß landete zum 7. Tor in den Maschen.
Sportverein 05 Wetzlar I — "OfB.-K. I 0:3 (0:2).
Der große Wurf ist gelungen, weiterhin siegten die Grunweißen auf dem gefürchteten Gelände in Wetzlar. Mit ihm (Schiedsrichter Hofmann, Wieseck) liefen folgende Spieler ins Feld:
Wetzlar: Wiegand; Meinhardt, Kallenborn; BlL.ch, Schuh, Hahn; Zambedri, Koch, Istel, Engelmann, Schreier. . m
DfB.-R.: Äanz; Fleischhauer, Fröhlich; Kraft, Benner, Hofmann; Ehmann Mkolai, Godglück, Funk, Berghöfer.
Der Anstoß der Grunweißen wurde abgefangen, dann stürmten die Wetzlarer mit Elan. Doch hier stand eine Verteidigung, die keinen Erfolg zulieh. Im Gegenangriff verdarb Berghöfer durch Abseits eine große Chance. Wetzlar diktierte zunächst das Spielgeschehen. Istel, der gefürchtete Torschütze, wurde von Benner beschattet und kam kaum zum Schuß. Das Spiel wurde offener. Bei einem Freistoß verlor' der Torwart der Wetzlarer den Ball, Ehmann war zur Stelle und hob den Ball über den verdutzten Torwart zum Fichrungstor ins Netz. Wetzlar war zunächst deprimiert. In der 40. Minute brach Berghöfer durch, und dessen scharfen Schuß mußte der Torwart passieren lassen. Kurz darauf war Halbzeit.
Mit dem Wind spielend, hatten die Grünweißen leichte Vorteile, einen Bombenschuß von Nikolai klatschte der Torwart ab, aber der Nachschuh ließ auf sich warten. Die Wetzlarer gingen nun zum Generalangriff über, aber eisern stand die Verteidigung. Eine Minute vor Schluß brach Nikolai durch, flankte nach rechts, dort stand Ehmann, gegen dessen Schuß der Torwart machtlos war. Froh über den schwer erkämpften Sieg verliehen die Grünweißen das Spielfeld.
Feierstunde -es Deutschen Noten Kreuzes in Gießen
Die Vereidigung
Der-
Vesuch in der Wehrmachls-ttnterkunstsstelle
SM.-Kreisführer Landrat Dr. Lotz
rer, DRK.-Oberfeldführer Dr. Lotz.
Mit der Ehrung des Führers und den Liedern der Nation fand die denkwürdige Stunde ihren Abschluß.
hielt im Anschluß an ein Musistück vor der eidigung eine Ansprache, in der er einleitend an die Entstehung der Roten-Kreuz-Organisation nach der Schlacht von Solferino im Jahre 1859 erinnerte und dann u. a. sagte:
Aus den Schrecken der Schlacht entstand ein Gedanke der Menschlichkeit, der allmählich seine Organisation in der Schaffung des Roten Kreuzes fand und der durch den Anschluß fast aller Kulturnatto- neu zu einem Gedanken der Menschheit wurde, der seinen Niederschlag in dem Genfer Abkommen zur Verbesserung des Loses der Verwundeten und Kranken der Heere im Felde fand. Dieser Menschlichkeils. und Menschheitsgedanke des Roten Kreuzes ist keine weichliche und ungesunde pazifistische oder antinationale Idee, wie selbst manche noch heute glauben, die der doch alle internationalen Bindungen bekämpfende Nationalsozialismus ablehnen
Partei, der Wehrmacht und der Behörden, die Kameradinnen und Kameraden des DRK., vor allem auch die Freunde und Förderer des Deutschen Roten Kreuzes. Dabei betonte er die enge Verbundenheit des DRK. mit der Wehrmacht, ganz besonders jetzt im Kriege, aber auch die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Partei, in der das DRK. eine starke Stütze hat, ferner die erfreuliche und dankenswerte Förderung des DRK. durch die NS.-Frauenschaft.
Oie Fahnen- und Wimpel-tlebergabe.
Das Lied „Volk ans Gewehr" leitete über zu der Fahnen- und Wimpel-Uebergabe, bei der Oberfeld- führer Dr. Lotz in kurzen, eindrucksvollen Worten auf die Heiligkeit der Fahne, den starken symbolischen Gehalt, der in ihr z^m Ausdruck kommt, und auf die Verpflichtung aller zur Fahne stehenden deutschen Menschen hinwies; auch die DRK.- Fahne und der DRK.-Wimpel stellen Fahnen unseres Führers dar, denen alle als Soldaten des Führers unlöslich für alle Zeiten verbunden sind. Und wie der soldatische deutsche Mensch bis an sein Lebensende immer der Fahne gehört, so gilt auch für das DRK. das Wort von der ewigen Verpflichtung auf die Fahne.
Die im früheren Hotel Lenz vom Deutschen Roten Kreuz geschaffene Wehrmächte - Unterkunftsstelle war am gestrigen Sonntagnachmittag das Ziel von Besuchern, denen der Kreisführer des Deutschen Roten Kreuzes, Landrat Dr. Lotz, einen kurzen Ueberblick über die bisherige Betreuungsarbeit des Deutschen Roten Kreuzes an den in Gießen durchreisenden Soldaten gab.
Dr. Lotz wies auf die schwierigen Anfänge dieser Kriegsarbeit des Deutschen Roten Kreuzes in unserer Stadt hin, wobei er u. a. auch der verständnisvollen und eifrigen Mithilfe nicht nur aller Männer und Frauen des Roten Kreuzes, sondern auch des Leiters der Anatomie und seiner Mitarbeiter gedachte. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an die erste Unterkunftsstelle, die der Anatomie geschaffen wurde und sich bei den Soldaten bereits großer Wertschätzung erfreute, von ihnen mit hübschem Soldatenhumor als „Hotel zum toten Mann" bezeichnet wurde, nach den Eintragungen im Gästebuch aber allen Benutzern unvergeßlich in Erinnerung bleiben wird.
Dieses ,Hotel zum toten Mann" konnte im Laufe der Zeit den steigenden Anforderungen nicht mehr genügen, so daß das Deutsche Rote Kreuz mit Un- terstützung der Wehrmacht und des Oberbürgermeisters der Stadt Gießen ihre Betreuungsstelle in dem früheren Hotel Lenz einrichtete. Hier stehen den Soldaten im Erdgeschoß zwei große Aufenthalte- räume zur Verfügung, die ansprechend eingerichtet sind. Danben befindet sich die Küche, In der von liebevoll sorgender Frauenhand für die Soldatengäste gute und schmackhafte Mahlzeiten bereitet werden. In den Obergeschossen des Hauses befinden sich in den 9 Räumen rund 90 Betten, die den durchreisenden Soldaten eine gute Uebernachtungs- und Ruhemöglichkeit bieten. Ferner sind in nächster Nähe der Schlafräume zwei Wascbräume und ein Fußbaderaum geschaffen worden, so daß auch den hygienischen Anforderungen nach jeder Richtung hin Genüge geleistet werden kann.
Daß diese Einrichtungen unseres Gießener Roten Kreuzes bei den Soldaten starke Würdigung findet, wird durch einige wenige Zohttn über den bisherigen Betrieb bewiesen. Bis Euve Fevruar über-
ein notwendiger Bestandteil des nattonalsozialisti- schen Staates. Es ist deshalb in feinem Bestand zu schützen und zu fördern. Die Beteiligung von Parteigenossen und -genossinnen an der Roten- Kreuz-Arbeit ist daher wünschenswert und notwendig." Oder nehmen wir einen Ausspruch des Führers selbst, der einst ausgeführt hat: „Rote- Kreuz-Arbeit ist selbstloser Dienst an Volk und Vaterland in ständiger Hilfsbereitschaft. Ich rufe alle Deutschen auf, diese Arbeit zu fördern." Oder an anderer Stelle: „Die vorbildliche Organisation des Deutschen Roten Kreuzes, die unerschrockene Hilfsbereitschaft seiner Sanitätsmänner und die wohltuende Pflege seiner Schwestern habe ich während des Krieges selbst kennengelernt."
Wir sind stolz auf die Anerkennung unseres Füh- rers und seiner Mitarbeiter. Dieser Stolz macht uns aber nicht überheblich. Wir haben nicht den Ehr- geiz und nicht die Aufgabe, irgendwie und irgendwann besonders im Vordergrund zu stehen. Unsere Größe liegt vielmehr in unserer Bescheidenheit und in der selbstlosen Hingabe an unser Volk in den Stunden seiner Not. Dann nur treten wir durch die Reihen nach vorne, so wie auch jetzt im Kriege, zu jedem Einsatz bereit als wahre Sozialisten deut- scher Gemeinschaft. Wir sind dankbar dem Führer, der uns als Hauptaufgabe die Mitwirkung im amt- lichen Sanitätsdienst unserer Wehrmacht gegeben hat, und wir fühlen uns damit der Wehrmacht besonders verbunden. Wir wollen auch kein zrvller Verein sein, sondern eine sold-attsche Organisation. In diesem Geist und in dieser Haltung erziehen und bilden wir bereits im Frieden unsere Helfer und Helferinnen, damit sie, wie auch jetzt in diesem Krieg, als Sanitätsmänner und Schwestern den gestellten Aufgaben n-ach jeder Richtung gewachsen sind.
Anschließend folgte die feierliche Vereidigung der Anwärter und Anwärterinnen durch den Kreisfüh.
körper dar. Das kann nicht besser erklärt werden als damit, daß Schirmherr des Deutschen Roten Kreuzes der Führer selbst ist, daß die Verbundenheit mit Führer und Reich von allen führenden und für den Einsatz üesttmmten Männern und Frauen des Deutschen Roten Kreuzes durch ihren Treueid auf den Führer bekräftigt werden muß. Der Stellvertteter des Führers, Rudolf Heß, hat einmal gesagt: „Das Deutsche Rote Kreuz als Träger der völkerrechtlichen Aufgaben, die es auf Grund der Genfer Konventton zu erfüllen hat, ist
nächteten feit Kriegsausbruch in der Unterkunfts- stelle 4375 Soldaten, an die insgesamt rund 66 000 Liter Tee und Kaftee, 10 000 Portionen Suppe und 881 andere Mahlzeiten vom Roten Kreuz verabfolgt wurden. Wie dankbar unsere Feldgrauen diese liebevolle Betreuung empfinden, zeigen vielerlei Eintragungen im Gästebuch, von denen der „Gießener Anzeiger" vor einigen Wochen mehrere zitieren konnte.
Die als DRK.-Helferinnen tätigen Frauen und Mädchen geben sich aber auch, wie Oberfeldführer Dr. Lotz besonders betonte, in rastloser und uneigennütziger Arbeit alle Mühe, den Soldaten den Aufenthalt an dieser Ruhestätte so angenehm wie möglich zu machen, und sie verdienen dafür den besonderen Dank nicht nur der Soldaten, sondern aller Volksgenossen.
Mit großem Interesse wurden von den Besuchern die Räume und Einrichtungen besichtigt und dabei dem Deutschen Roten Kreuz in Gießen und seinen führenden Männern und Frauen, aber auch allen Helfern und Helferinnen die gebührende wohlverdiente Anerkennung ausgesprochen.
Größter Zinkerzeuger Europas.
Das Zink war jahrhundertelang unser unentbehrlicher Begleiter. Gefäße, Wannen, Dachrinnen wurden aus diesem widerstandsfähigen Metall hcrge- stellt. Mit Kupfer vereinigt fand es als Messing ein nahezu unbeschränktes Derwendungsaebiet für nichtrostende Metallgegenstäirde aller Art. Wenn wir in den letzten Jahren gezwungen waren, die Fabri- kation von Zink- und Messingwaren durch neue heimische Werkstoffe zu ersetzen, so ist auch dies eine Folge der verderblichen Grenzziehung des Versailler Diktats gewesen. Dor dem Weltkrieg stand Deutschlands Zinkgewinnung, gleich hinter Amerika, an zweiter Stelle; durch die Abtretung Ostoberschlesiens gingen 80 v. H. der deutschen Zinkerze verloren und mit ihnen ein wertvolles Nebenprodukt, das bei ihrer Aufbereitung anfällt, die Schwefelsäure. Die Zurückgewinnung dieses wertvollen Wirtschafts- uni) Industriegebietes befreit uns von dem Zwang ausländischer Einfuhr.
Das Deutsche Rote Kreuz, Kreisstelle Gießen, beging am gestrigen Sonntagvorrnittag in der Aula der Universität eine schlichte, aber eindrucksvolle Feierstunde: die Fahnen- und Wimpelübergabe an die DRK.-Bereitschaften (m und w) Gießen 1 und die Vereidigung der Anwärter und Anwärterinnen dieser Bereitschaften. Als Ehrengäste waren u. a. zugegen Kreispropagandaleiter Rahner als Ver- treter des Kreisleiters, Oberstleutnant Kühne als Standortältester der Wehrmacht, Landgerichtspräsident C o l n o t an der Spitze der Behördenvertreter, Kreisfrauenschaftsführerin Frau W r e d e und die DRK.-Feldführerin Frau Engelmann (Wetzlar), als Vertreterin des Landesführers des DRK.; daneben wohnten noch viele Freunde und Mitglieder des Deutschen Roten Kreuzes der Feier bei.
Ein Musikkorps der Wehrmacht leitete die festliche Stunde mit einer feinen musikalischen Darbietung ein. Ein Vorspruch, auf den Begriff der Pflicht und des Dienens für die Gemeinschaft zu jeder Zeit des Lebens hinweisend, wurde von einer Helferin des DRK. in guter Weife dem Stimmungsgehalt der Stunde eingefügt.
Dann begrüßte der Kreisführer, DRK.-Oberfeldführer, Landrat Dr. Lotz, mit herzlichen Worten die vielen Besucher, insbesondere die Vertreter der
müsse.
Ist es überhaupt richttg, daß der nattonalsozia- listische Staat alle internationalen Bindungen ab- lehnt? Mit Nichten! Freilich lehnt er alle internationalen Bindungen des einzelnen ober einzelner Gruppen des Volkes ab, denn hier kennt er nur eine Bindung, und das ist die an das eigene Volk und an die Pflichten dem eigenen Volk gegenüber. Es ist auch sicher falsch, wenn manche behaupten, daß der Nationalsozialismus den Gedanken der Menschheit ablehne. Das tat er keineswegs! Ja, er lehnt freilich ab den ungesunden pazifistischen, alle nationalen Begriffe vermischenden Gedanken einer rasselosen Menschheit. Als Kulturvolk, und wie wir mit Stolz sagen können, als eines der ersten Kulturvölker dieser Erde, kennen wir auch eine Menschheit, die wir, weil sie tatsächlich existiert, auch nicht 'verneinen können, aber in dieser Menschheit sehen wir nur die Summe rassebestimmter Völker und Nattonen, die selbstverständlich auch ihre Beziehungen zueinander haben, gemeinsamen Ideen huldigen können und solche auch haben. Auch uns sind völkerrechtliche Bindungen heilig, heiliger vielleicht als unseren englischen Gegnern. Das beweist nur zu gut die Gegenwart. Auch unser Volk ist mindestens so ehrlich, anständig, mutig und ritterlich wie andere Völker, und es hat aus seinem starken und heute noch stärkerem Nationalbewußtsein heraus erkannt, daß auch der verwundete und hilflose Gegner von gleichem Geist für sein Volk beseelt ist und daher Anspruch auf ritterliche Hilfe hat. In diesem, alle Kulturvölker verbindenden Geiste ist das Deutsche Rote Kreuz ein Glied des internationalen Roten Kreuzes. .
Wenn das Deutsche Rote Kreuz auch keine Gliederung der nattonalsozialiftischen Bewegung ist, so steht es gleichwohl nicht außerhalb von ihr und stellt keineswegs einen übriggebliebenen Fremd-
ißolitneWolMtitrRenote.
Roman non (jorllBirotl).
11. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Das Gespräch erlitt eine längere Unterbrechung, in der sich der Doktor ausschließlich seiner Arbeit widmete. Er mußte sehr vorsichtig zu Werke gehen, weil er sich der Bahn des Nervs näherte, und er schob kleine Pausen ein, wenn er bemerkte, daß seine Patientin unruhig wurde. Aber schließlich sand auch dieser unangenehme Teil der Behandlung sein Ende, und der Doktor konnte den Zement für die Füllung anrühren.
Während er das graue Pulver mit einem Spachtel auf der Glasplatte zerdrückte, läutete es, und bald darauf führte das Mädchen in das Wartezimmer nebenan einen Herrn.
Der Doktor, der in den letzten zwei Tagen tatsächlich drei Patienten behandelt hatte, war von diesem vierten Zustrom derart überrascht, daß er, für einen Augenblick überwältigt von seinem Glück, nur mit Mühe das Geständnis unterdrückte, seit Renates Erscheinen sei der Bann über seiner Praxis gebrochen und ein Wunder geschehen.
„Wenn Sie übermorgen wiederkommen", sagte er mit einer Stimme, deren fast zärtliche Wärme in einem merkwürdigen Gegensatz zum Gegenstand des Gesprächs stand, „dann werde ich Ihnen schon die Porzellanfüllung machen können. Für heute sind wir fertig!" Er legte die benutzten Instrumente in die Desinfektionslösung und ließ den Operations- siuhl in normale Sitzhöhe herabschnurren. „Können Sie übermorgen um die gleiche Zeit wiederkommen?"
„Selbstverständlich! Nur ist es mir so furchtbar unangenehm, daß ich Ihnen von Ihrer kurzen Mittagspause eine halbe Stunde--"
„Bitte, kein Wort weiter!" rief der Doktor mit einer außerordentlich energischen Handbewegung. „Es ist mir eine Freude, Ihnen helfen zu dürfen, und Sie beleidigen mich ernstlich, wenn Sie mir zutrauen, daß ich diese Zeit in Ihrer Gesellschaft als Opfer empfände!" Er sah wirklich erzürnt aus und ging mit großen Schritten zum Waschbecken, um sich die Hände abfcubürgen.
Sie preßte die Fingerspitzen gegeneinander und ah ihm mit einem bestürzten und fast verzweifelten Ausdruck nach. „Verzeihen Sie, Doktor! Ich hatte wahrlich nicht die Absicht, Sie zu kränken. Aber es ist mir völlig ungewohnt, daß sich ein Mensch so — uneigennützig um mich bekümmert ..." Das kleine Zögern verriet mehr, als zu sagen vielleicht in ihrer Absicht gelegen hatte.
„Haben Sie keine Freunde?" fragte der Doktor etwas gepreßt.
„Ein paar Bekannte", antwortete sie mit einem leichten Achselzucken, das diesen weiten Begriff um eine weitere Schattierung abschwächte.
„So ungefähr habe ich es mir auch gedacht", murmelte der Doktor, „und das ist auch der Grund Ihrer gedrückten Stimmung. Sie beschäftigen sich, viel zuviel mit sich selbst. Sie besitzen keinen Abstand zu Ihren Leistungen. Was Sie brauchen, ist Gesellschaft, Unterhaltung, Zerstreuung ... Herrgott: Wenn ich jetzt Ferien machen könnte, würde ich Sie einfach verschleppen — wahthaftig, auf eine Faltbootfahrt oder in die Berge!"
Er brach plötzlich ab. Es war, als hätten sie beide der leuchtenden Spur eines Meteors nachgeschaut. Fort — vorbei ... Und nun standen sie wieder in der nüchternen Helligkeit dieses Operationszimmers und in einer Stille, über die nur der eilige Pendelschlag der Uhr hinwegtickte.
„Ich habe unter meinen Freunden einen, der mir gelegentlich mal Theater- und Kinokarten zuwendet..." Der Doktor reihte die Worte mit einer gewissen Vorsicht aneinander. „Ich selber habe leider wenig Zeit und muß die Plätze meistens verfallen lassen; aber ich würde mich herzlich freuen, wenn ich Ihnen ab und zu eins dieser Billette schicken dürfte ..."
„Eine größere Freude könnten Sie mir kaum bereiten", sagte sie mit rührender Offenheit, „oder doch _ noch hübscher wäre es, wenn Sie sich hin und wieder einmal für ein paar Stunden frei machten und mich zu einem Theater- oder Kinobesuch abholten ..." Sie reichte ihm die Hand.
Der Doktor hatte das Gefühl, ein Strom von Wärme und Glück rinne prickelnd durch feine Fingerspitzen. Er bewegte die Lippen, aber er mußte erst tüchtig schlucken, ehe feine Stimme frei wurde. „Also dann auf Wiedersehen, Fräulein Naumann!"
„Uebermorgen um die gleiche Zeit?"
Er nickte. Vor seinen Augen schwamm ein goldener Nebel, der erst zerriß, als er die Tür für einen nächsten Patienten öffnete.
Es war ein Herr in mittleren Jahren, der, als der Doktor ihn hereinbat, zunächst eine Bewegung zur Flucht machte und bann, als er nicht mehr entrinnen konnte, sich mit einem Seufzer in fein Schicksal fügte. „Ich glaube, ich habe eine Kiefervereiterung, Herr Doktor", flüsterte er hinter der Hand hervor. „Ist die Behandlung sehr schmerzhaft?"
„Bestimmt nicht schmerzhafter als die Kiefervereiterung selber", tröstete der Arzt. „Falls es überhaupt eine Kiefervereiterung ist!"
Allan Parker wählte am Münchener Hauptbahnhof, wo er von Köln her eintraf, den Hotelomnibus mit dem vorsintflutlichsten Fahrgestell aus. Er hatte die Erfahrung gemacht, daß man in Häusern, die ihren Gästen solch uralte Vehikel entgegenschickten, meistens sehr gut aufgehoben war.
Er kam mit zwei großen hellgelben Lederkoffern an, die mit so vielen Hotelschildern beklebt waren, wie es sich mit dem guten Geschmack gerade noch vertrug. Der Gepäckttäger übergab die Koffer dem Hoteldiener. Allan überwachte ihre ordnungsmäßige Verstauung auf dem Verdeck und kletterte, nachdem der Lenker das Mittelding zwischen Kutschbock und Steuerkasten bestiegen hatte, durch die Hintertür in den Omnibus hinein, der ihn nach gemächlicher und kurvenreicher Fahrt vor einem Hotelgebäude absetzte.
Parker nahm etwas leichtsinnig, aber mit dem sicheren Anstand eines Mannes, der nicht auf den Pfennig zu schauen braucht, zwei Zimmer mit Bad im ersten Stock. Sie waren geschmackvoll und wohnlich eingerichtet, und die Bilder an den Wänden, zwei duftige Aquarelle und zwei schöne, satte Drucke nach Landschaften von Ruisdael und Hobbema, gaben den Räumen eine wärmende Behaglichkeit. Die Fenster schauten auf eine Grünanlage hinaus, an die sich jenseits der Straße ein größerer Park mit altem Baumbestand, einem prächtigen Brunnen und breiten Promenadenwegen anschloß.
Während Parker badete und sich in der Wanne rasierte, räumte nebenan ein dienstbarer Geist seine Wäsche und die Anzüge aus den Koffern. Sonst im Spiel mit Thermometer und Seifenschale unermüdlich, verlor Parker hie^s Mal im WaIer nicht
allzuviel Zeit. Er hobelte Wangen und Kinn gründlich ab, schlüpfte in seinen Bademantel und ttaf bann die Wahl des Anzuges. Er entschied sich für einen einfarbig hellgrauen, zu dem er nach mehreren Fehlgriffen schließlich in Silber und Dunkelrot die passende Krawatte fand. Auf seinen Scheitel verwendete er besondere Sorgfalt und visierte ihn viermal an, ehe er mit sich zufrieden war.
Als er wieder in die Halle hinunterkam, um sich im Fremdenbuch einzutragen, ging von ihm jenes Strahlen aus, das für gewöhnlich nur inkognito reifende Prinzen aus dem Märchenland an sich haben.
Er erkundigte sich beim Hausmeister nach dem Weg zum Polizeipräsidium und trat, den weichen Hut ein menig schief in die Stirn gezogen, rasch auf die Straße hinaus.
Der Himmel über der Stadt war wolkenlos und tiefblau, aber die Luft drückte föhnig. Wenn Allan Parker auf den Rathausturm gestiegen wäre, hätte er die dunkle Gebirgskette so deutlich gesehen, als wären die Alpen in der letzten Nacht fast bis an die Tore der Stadt vorgerückt. Heber dem Wetterloch westlich der Zugspitze standen weiße Schleier.
Parker folgte dem beschriebenen Weg über den Stachus und die Neuhauser Straße. Er ging schnell — für das Durchschnittstempo Münchens sogar auf1 fallend schnell —, und in seiner Haltung lag eine erwartungsvolle Spannung.
Beim Anblick des grüngrauen Gebäudes hinter dem lanzenbewehrten Zaun spürte er den lauten Schlag seines Herzens.
Ein uniformierter Beamter trat auf ihn zu, als er sich auf dem gepflasterten Hof dem Eingang näherte und suchend zu den langen Fensterreihen aufblickte. „Sie wünschen, bitte?"
„Ich wollte mich nach einer Adresse erkundigen, Das Einwohnermeldeamt ist wohl die zuständige Stelle?"
„Jawohl!" Der Beamte nannte ihm die Zimmer- zahlen, wohin er sich zu wenden hätte.
Parker trat in die kühle Vorhalle ein und schritt durch lange, hallende Flurgewölbe, verirrte sich einmal, mußte zurück und fand endlich die Treppe, die ihn zu seinem Ziel führte. Einwohnermeldeamt ... Buchstaben A bis E, F bis K und dann: L biß P ... Und ein Schild an der Tür: „Herein ohne anzuklopfent" (Forschung fotA


