Ausgabe 
17.2.1940
 
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Nr. 41 Zweites Statt

17/18. Zebruar 1940

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Aus der Stadt Gießen.

Nächtlicher Heimweg.

Wie verschieden können doch Heimwege sein- in elner lauwarmen Sommernacht, wenn man müL vom Tanzen, ober froh über die schönen m,/ liSSn Menschen verlebten Stunden, schweigsam er dem nachtblauen Himmel heimging, Oder, nach hart» Arbeit, wenn man sich lufthungrig und ohne Nach­denken vom Lrnd nach Hause treiben liefe. Wie an- b^rs, wenn man mit Freunden aus dem Theater kommend aufgeruttett von dem eben geschauten S^ck Leben aus der Buhne, in erregten Gesprächen dem Problem naherzukommen sucht. P . ^tzt, m diesen kalten und schneereichen Winter- tagen und bei der Verdunkelung, werden die Heim- wege zu eurem besonderen Erlebnis Einmal ist es so dunkel, daß man wie in dicke, schwarze Watte hmemspazlert. Man sieht buchstäblich nichts, und es ist etwas ganz Neues, sich nur seinen Beinen anzu- vertrauen. In manchen Fällen kann man auch seine Nase zu Hilfe nehmen: mir gingen durch die Alice- strafee, do sagte unser Begleiter:Man riecht noch nichts also kommt noch kein Randstein!" Las? riechen?" fragten wir verwundert.Ja, jetzt kommt doch das Essiggäfechen!"

.Ein andermal schlittert man vorsichtig dahin, um nicht zu fallen. Hopla! Da liegen schon zwei:halb zog sie ihn, halb sank er hin". Lachend, von feiten des weiblichen Teiles wehklagend übermeine besten Strumpfe", wird wieder aufgestanden.

Oder, man geht allein: Schritte kommen auf einen ZU, unheimlich sind sie, dieseSchritte in der Nacht". Wer bist du? Schon ist ein Schatten an dir vor­über. Du atmest auf. Jeder Baum wird zu einer unheimlichen, drohend gereckten Gestylt, vor der du scheust wie ein Pferd, jeder Hydrant wird zu einem phantastischen Ungeheuer, das plötzlich vor dir hockt.

Wieder ein anderes Mal kommt eine Leuchtblume out dich zugeschwebt, freundlich blinkt sie durch das Dunkel. Beim Vorübergehen aber gibt's einen hef- tigen Zusammenstoß. Entschuldigungen werden ge­murmelt. Man vergaß, dafe heutzutage neben einer Leuchtblume selbstverständlich noch ein Gegenstück in Person gehört!

Aber es gibt auch Helle Nächte, und so eine Mondnacht im Schneeklerd wird dir lange im Ge­dächtnis bleiben. lieber die architektonische Schönheit unserer Stadt kann man wohl nur einer Meinung fein, ober man sollte nicht glauben, wie Mond uno Schnee zaubern können. Da wird der zwiebel- gekrönte Bau des Buchhauses ßu einer wuchtigen Festung, und das Bahnhofsgebäude zu einer Burg mit Türmen und Zinnen. Die sonst so anspruchlosen Häuser stehen strahlend weiß und geheimnisvoll im Mondlicht, wie Dillen in südlichen Gärten, und der Kirchturm, hinter dem der Mond gerade steht, reckt sich auf zu einer schier märchenhaften Höhe.

E. L. St.

Vonwtizen.

Tageskalender für Samstag.

Deutsche Arbeitsfront / NSG.Kraft durch Freude": 20 Uhr im StadttheaterDie lustigen Weiber von Windsor". Gloria-Palast, Seltersweg: Das Recht auf Liebe". Lichtspielhaus, Bahnhof­straße:Der ungetreue Eckehart". Deutsche Steno, graphenschaft: 20 Uhr in derStadt Lich" Jahres­versammlung.

Tageskalender für Sonntag.

Stadttheater: 19 bis 22 UhrTosca". Gloria- Palast, Seltersweg:Das Recht auf Liebe". Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Der ungetreue Eckehart". Konzertverein: 16.30 Uhr im Saale des Gesell­schaftsvereins, Sonnenstraße, Liederabend Gertrude Pitzinger.

Gießener Konzert-Verein.

Auf den Liederabend von Gertrude Pitzinger am nächsten Sonntag sei nochmals hingewiesen. Das Konzert findet im Saale des Gesellschaftsvereins statt.

Gießener Wochenmarktpreise.

* @ i e fe c n , 17. Febr. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, Vi kg 1,60 RM., Matte 25, Rpf., Käse, das Stück 6 bis 10, Kartoffeln, 50 kg 3,65 RM., Weißkraut, kg 12 bis 15 Rpf Rotkraut 15, gelbe Rüben 12, Unterkohlrabi 7, Meer- rettich 40 dis 60, Zwiebeln 12, Aepfel 10 bis 25,

Deutsche Mittelschule auch in Stadt und Kreis Gießen.

Die seit langer Zeit im Reichserziehungsministe- rium vorbereiteten Bestimmungen über Erziehung und Unterricht in der Mittelschule wurden kürzlich veröffentlicht. Gleichzeitig wurden die Richt- lmien für die Volksschulen bekanntgegeben. Damit ist, nachdem die Reform der höheren Schule schon 1938 durchgeführt worden war, der Neuauf­bau des deutschen Schulwesens zu einem gewissen Abschluß gekommen.

Die vor 1933 auf dem Gebiete der Schul- und Kulturpolitik maßgebenden Kräfte hatten die For­derung nach derEinheitsschule" aufgestellt. Das hätte Sinn gehabt, wenn man in der Lage ge­wesen wäre, die Jugend nach einem großen, ein­heitlichen Erziehungsziel auszurichten. Allein daran fehlte es. Trotzdem zerschlug man bei uns in Hessen dem Grundsatz zuliebe die Mittelschule auch da, wo sie sich seit langem bewährt hatte und sich in weiten Kreisen der Bevölkerung großer Beliebt­heit erfreute (z. B. in Darmstadt). Wie wenig man es sonst zu einerEinheitsschule" gebracht hatte, zeigt die Tatsache, daß allein auf dem Gebiet der höheren Schule in einem Chaos von über 40 Schul­typen durch Einführung der deutschen Oberschule an Ostern 1938 Ordnung geschafft werden mußte. ^Der Reichserziehungsminister des neuen deutschen Staates sah sich in der glücklichen Lage, von einer höheren Ordnung her das gemeinsame Ziel für alle Schulen durch die vom Führer bestimmte politische Aufgabe und die von ihm gestaltete Er­ziehung eines geeinten Volkes zu erhalten. Die Schule im besonderen hat, wie jede Zelle der deut­schen Volksgemeinschaft, die eine große Aufgabe, ben jungen deutschen Menschen leiblich, seelisch und geistig so zu formen, daß er im Leden und Sterben feinem Volke eng verbunden bleibt. Diesem Ziele kann kein Lehrer und keine Schule ausweichen. Daher konnte der nationalsozialistische Staat ohne Gefährdung der Einheit entsprechend dem organischen Aufbau des Volkes feine allgemein« bildenden Schulen gliedern und zwar in solche, die auf einfachere, andere, die auf schwieri­ge r e, und endlich solche, die auf höchste Lei­stungsfähigkeit fordernde Berufs- und Lebensauf­gaben vorbereiten sollen: in Volks-, Mittel- und höhere Schulen.

Dabei ist der Mittelschule, die wie die höhere Schule im allgemeinen ihre Schüler nach dem 4. Volksschuljahr aufnimmt und sie 6 Jahre lang weiterführt, die Aufgabe zugefatten, beson­ders für den N ach wuchs der gehobenen praktischen Berufe in Landwirtschaft, 5)an» bei, Handwerk und Industrie, der entsprechenden gehobenen Stellen in der Verwaltung und im Heer, für hie hauswirtschaftlichen, pflegerischen und sozia­len Frauenberufe, kurz für alle Berufe, die nicht das Hochschulstudium erfordern, eine geeignete Er- ziehungs« und Bildungsgrundlaae zu schaffen.

Der Unterricht der Mittelschule soll vor allem lebensnah sein, von lebensvollen Sach­einheiten,der Heimat als der Umwelt der Schüler und von praktischen Gegenwartsfragen ausgehen und eine abgerundete Allgemeinbildung vermitteln,

Nüsse 43 bis 55, Hähne 1,20 M., Suppenhühner 1,20 RM., Blumenkohl, das Stück 35 bis 39 Rpf., Endivien 15 bis 25 Rpf.

Gebt dem WHW. auch alte Münzen!

Anläßlich desTages der deutschen Polizei" weist das Kriegs-WHW. darauf hin, dafe bei allen Sammlungen neben den gültigen Münzen und Geldscheinen auch alle außer Kurs gesetzten in- und ausländischen Münzen, Gedenkmünzen, Plaket­ten, Prögemarken usw. als Spende entgegengenom­men werden. Sie werden umgehend ihrer rohstoff- wirtschaftlichen Verwertung zugeführt.

Es ergeht die Aufforderung an jeden Volksgenos­sen, seinen Schreibtisch oder Schrank daraufhin durchzusehen und die für ihn meist wertlosen Mün­zen bereitzuhalten. Auch eiserne Krieysmünzen, Aluminiumgeld, Messing- oder Bronzemünzen der Kriegs- und Inflationszeit kommen für diese Sammlung in Betracht. (5benfaUs sollen auslän-

die auf die Bedürfnisse der mittleren Führerstel- Jungen in Wirtschaft und Verwaltung äugejajnitten ist. Außer einer wesentlichen Erweiterung und Ver­tiefung der Volksschulfächer lehrt die Mittelschule Zwei Fremdsprachen (die eine ist Pflichtfach in allen sechs Klassen, die andere wahlfrei in den vier obe­ren), sowie Kurzschrift und Maschinenschreiben. Von der höheren Schule unterscheidet sie sich grundsätz­lich durch die Zielrichtung auf die Erfordernisse des praktischen Lebens.

Da die Mädchen in ihrer Reifezeit der Mittel­schule unvertraut sind, konnten die Bestimmungen einen wesenseigenen Unterricht für die Mädchen - erziehung herausarbeiten. Besonders charakteristisch ist in dieser Hinsicht die Ausrichtung des Unterrichts in Deutsch und Musik, in Lebenskünde, Naturlehre und Rechnen auf die besonderen Aufgaben der Frau. Neben dem Handarbeitsunterricht in allen Klassen verlangen die neuen Bestimmungen den Unterricht im Hauswerk in den beiden oberen Klassen.

Die Mittelschule war bisher neben der Volksschule und der höheren Schule verhältnismäßig wenig und ungleichmäßig verbreitet. Der immer mehr notwen­dig werdende planvolle und zweckmäßige Menschen­einsatz wird sich künftig zweifellos auch auf den Ausbau des deutschen Schulwesens auswirken. In der Zeit vor 1933 wurde bei ständig wachsender Arbeitslosigkeit, also bei einem scheinbaren Ueber- angebot an Menschen, sehr häufig auch von Lehr­lingen, die in kleine Betriebe eintraten, bas Abitur verlangt. Siandesvarurteile und falscher Ehrgeiz der Eltern taten das übrige, um manchen an sich prak­tisch begabten Jungen und manches tüchtige Mäd­chen durchaus in die höhere Schule zu bringen, deren besonders gearteten Anforderungen sie nicht gewachsen waren.

Der Groll, den manche Erwachsenen gegenüber der Schule bis in ihr späteres Alter im Herzen tragen, ist oft genug darauf zurückzuführen, daß sie als praktisch gerichtete, fähige, vielleicht sogar begabte Menschen in die höhere Schule geschickt wurden und bei der dort mit Rücksicht auf das Endziel nun ein­mal notwendigen besonderen Arbeitsweise mit den Mitteln des Erkennens und der Vorbereitung auf wissenschaftliche Arbeit auf halbem Wege liegen­blieben und enttäuscht und mit falschen Erwartun­gen ins Berufsleben eintrotem

Um hier Abhilfe zu schaffen, ist die Mittelschule eine unentbehrliche Einrichtung eines planvollen Schulaufbaus. Sie vermittelt praktisch befähigten Jungen und Mädchen ein in sich geschlossenes Bil- bungsgut und erzieht ihre Schüler zu einer tatbe­reiten Einstellung gegenüber dem künftigen Leben.

Auch in Stadt und Kreis Gießen wird die Frage der Mittelschule, demnächst einer Lösung entgegengeführt werden. Der Bevölkerung ist bann Gelegenheit gegeben, Kinder, die für den geschilderten Bildungsweg in Frage kommen, der neuen Schulart zuzuführen. Näheres ist aus dem Merkblatt für die Aufnahme in die Mittelschule" zu ersehen, das in Kürze veröffentlicht werden wird.

W.

dische Münzen, die häufig als kleine Beträge übrig- bleiben und die wegen ihrer Geringfügigkeit nicht eingewechselt wurden, abgegeben werben. Neben ben Sammlern nehmen auch alle Dienststellen des WHW. solche Spenden entgegen.

Hitler-Jugend Bann 116.

Velr.: Schiefewarlelehrgang.

Die Teilnehmer des Schiefewartelehrgangs treten am Sonntag, 18. 2., um 9 Uhr am Schutzenhcms an.

«

** Ausfall von Personenzügen an den nächsten beiden Sonntagen. Die Reichsbahn läßt an den nächsten beiden Sonntagen, 18. und 25. Februar, eine Anzahl Personenzüge aus- fallen, um Lokomotiven und Personal für einen ver­stärkten Güterverkehr zur Verfügung zu stellen. Wer an diesen beiden Sonntagen zu reifen gedenkt, wird gut tun, sich vorher an den Bahnhöfen über den Fahrplan Klarheit zu verschaffen.

Zum Tag der Deutschen Polizei.

Die Polizei ist das sichtbarste Organ des Staates» Der Staat ist aber nicht Selbstzweck, sondern dient der Erhaltung und Förderung des Volkes. Somit dient die Polizei dem Volke. Sie kann aber ihre Auf­gaben nur in engster Verbundenheit mit dem Volke lösen.

Diese Verbundenheit zu fördern und zu festigen ist Sinn und Zweck des Tages der Deutschen Polizei.

wir wollen dem Führer und dem Volke dienen.

Volksgenosse, hilf auch Dut

Der Polizeidireklor.

M. d. F. b.:

Hellwege.Emden

Major der Schutzpolizei und Kommandeur.

Äortraq über »Mittelrheinische Kunsts.

Der NS.-Rechtswahrerbund vereinigte seine Mit­glieder und Gäste am gestrigen Freitagabend im Kunstwissenschaftlichen Institut zu einer Dorttags­veranstaltung. Nach herzlicher Begrüßung durch Oberstaatsanwalt Knaufe hielt Professor Dr. Rauch einen Lichtbildervortrag über dieMittel«

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KKÄ'NCHEN

rheinische Kunst". Er schilderte zunächst Hesien als bas klassische Land der Denkmaloflege, sprach von der Inventarisation der Denkmäler in Gestatt des Denkmälevwerks und betonte, bafe damit die Grund­lagen für die kunstgeschichtliche Forschung gegeben; wurden.

Als Großtat der Denkmalpflege in unserer engeren Heimat sei die Erhaltung zweier mittelalterlicher Städtebilder, Alsfeld und B ü d i n g e n , zu be­trachten. An Hand von Lichtbildern gab der Redner Ausschnitte aus den beiden Städten und wies auf manches städtebauliche Charakteristikum hin. Mit Interesse hörte man, daß die fränkischen Städte (Rothenburg ob der Tauber, Nördlingen, Dinkels­bühl usw.), deren Schönheit nicht zu oef traten sei, im Hinblick aus Urtümlichkeit und geschichtliche Treue weit hinter den genannten beiden oberhessi-, schen Städten zu nennen seien.

In seinen weiteren Darlegungen roanfote sich der Redner zunächst der nur noch in Resten erhaltenett Kaiserpfalz Karls des Großen in Ingelheim zu und ließ an Hand einer klaren Rekonstruktion erkennen, bafe das großartige Bauwerk sehr wohl geeignet schien, das Nervenzentrum des Weltteichs Karls des Orofeen aufzunehmen. Im weiteren Verlaufe des Vortrags unwife der Redner die fünft- und kultur­geschichtliche Bedeutung des Mainzer Doms, der Katharinenkirche zu Oppenheim, des (Straßburger Münsters und des Kölner Domes. Dann wandte er sich der mittelrheinischen Plastik zu, die man in ausgezeichneten Lichtbildern von den feinen Ton- vlastiken der Bingener Schule, aber auch in einer der liebreizenden Madonnengestalten bewundern konnte.

Die Zuhörer folgten dem Vortragenden aufmerk« sam und gaben ihrem Dank durch lebhaften Bei­fall Ausdruck. Mit der Aufforderung zu einem Opfer für das Winterhilfswerk schloß Oberstaatsanwalt Knaufe den erlebnisreichen Abend.

Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!

Roman von Frank F. Braun

Copyright by Deutscher Verlag, Berlin

(Nachdruck verboten!)

17. Fortsetzung.

Du hast also keine Ahnung, wann du nach Hause gekommen bist."

Nein", er schüttelte den Kopf. ,^d) habe Mutter schon gefragt, aber sie wußte es auch nicht. Ich kann nur mit Bestimmtheit sagen, daß ich das Haus um neun Uhr verließ."

Du hast doch deine Taschenuhr heute morgen gestellt, nicht wahr?"

Gewiß, warum?"

Um wieviel stelltest du sie vor?

Das weiß ich nicht mehr. Ich habe nicht daraus geachtet. Du meinst ..." er brach ab, scheinbar be­griff er Julias Gedqnkengang.

Ich meine", sagte Julia,wenn du heute mor­gen deine Uhr drei Stunden vorstellen muBtelt, hatte sie gestern abend von zehn Uhr, wo sie Uehen blieb bis zu dem Zeitpunkt, wo du sie beim Zubettt gehen aufzogst, drei Stunden verloren. Danach wärest du um ein Uhr nachts nach Hause gekommen. Zu einer Zeit also, wo der Mord schon begangen war." Sie sah ihn an. In ihrem Blick lag etwas Zwingendes. t u

Ja" sagte erdrei Stunden waren es gewiß. Er" hüstelte und sah zu Boden. Dann stand er plötz­lich auf. ,Zulia", sagte er,ich hebe dich mehr als mein Leben. Vielleicht habe ich Gelegenheit, dir das zu beweisen." Er nahm ihre Hand vvn der Sesiel- lehne auf.Ich bitte dich, daß dies mcht zwischen uns stehen. Laß kein Mißtrauen anfkommen zwi- schen uns. Das ist das Wichtigste."

Sie nickte wortlos. Er fuhr fort:Das alles, was ich dir über den gestrigen Abend sagte, wirst ein schlechtes Licht auf mich. Es scheint alles recht hafe- lich gedacht und getan, wenn man sich vorsteiu, oay Ludwig etwa in der gleichen Stunde ermordet

wurde. Aber ich bitte dich nochmals, laß mich nicht ür die Umstände entgelten. Wenn mein Bruder am Leben geblieben wäre, hätten wir gegen ihn kämp­fen müssen und dann war es das Natürlichste von der Welt, was ich gestern gegen ihn unternommen habe."

Gewiß", sagte sie leise,gewiß Gerhart."

Aber er ging nicht beruhigt von ihr. Er hatte das Gefühl, etwas stehe zwischen ihnen, etwas trenne sie: und es war nicht nur Ludwigs Tod.

Als Gerhart zu seiner Mutter heraufkam, emp­fing sie ihn mit allen Zeichen stärkster Erregung. Sie legte sofort zwei Finger vor den Mund, beugte sich an sein Ohr und flüsterte:Der Kriminalkom­missar ist wieder da. Er wollte auch dein Zimmer sehen, aber ich wußte nicht ... ich habe es lieber abgeschlossen. Hier ist der Schlüssel. Geh rasch hinein, wenn du etwas in Ordnung zu bringen hast."

Er starrte sie eine Sekunde an, nahm dann den Schlüssel und lief den Gang hinunter. Aber er konnte nicht leise sein. Sein Bein behinderte ihn.

Kommissar Kybander steckte den Kopf aus der Küche heraus, wo die verheutte Lene stand und ihm Auskunft gab.Ich muß Sie gleich einmal sprechen, Herr Carlotti", sagte er*bitte warten Sie auf mich." Gerhart Car'lotti hastete in sein Zimmer. Die Tür fiel zu. Er hatte nicht geantwortet.

Kybander warf ihm einen unbeutbaren Blick nach. Dann wandte er sich wieder an das Mädchen. Frau Henriette gesellte sich zu den beiden wie vor­her.

Auf dem Küchentisch lag ein Revolver. Er war beschmutzt, als habe er im Staub aelegen. Oder in einem Aschenkasten. Das war auch wirklich der Fall gewesen. Heute morgen, kurz nach dem Weg­gang der Mordkommission hatte Lene den Müll­eimer hinuntergetragen. Da war ihr der Revolver in die Augen gefallen. Er lag im Müllkasten, sie schüttelte zwar ihre Abfälle zunächst darauf, hotte den Revolver dann aber heraus, denn sie meinte in tfem die Waffe zu erkennen, die Herr Carlotti be­sessen hatte.

Kybander nickte ihr freundlich zu.Sie brauchen doch nicht zu meinen", tröstete erSie haben Ihre Sache sehr schön gemacht." r r

Za", schluckte Lene,aber das ist doch alles so schrecklich. Der Herr Carlotti wird ermordet, und den

Revolver finde ich im Müllkasten, wo ich mit der ganzen Geschichte doch nichts zu tun habe!"

Kybander sah Frau Henriette an. Wenn es nicht so tragisch gewesen wäre, hätte man lachen müssen. Es macht Ihnen ja kein Mensch einen Vorwurf, Fräulein Lene", sagte er.Beruhigen Sie sich. Sagen Sie bitte lieber, wie Sie darauf kamen, den Revolver als Herrn Ludwig Carlotti gehörig zu er­kennen."

Wegen dem Perlmuttergriff" sagte Lene,ich habe zu Hause viele Revolver gesehen. Meine Brü­der waren beide bei der Polizei; aber mit Perl­mutter waren ihre Revolver nicht."

Waren Sie häufiger in der Wohnung von Lud­wig Carlotti? Und liefe Herr Carlotti seinen Revol­ver dort offen herumliegen, daß Sie ihn so gut kannten?"

Nein", antwortete Lene auf beide Fragen. Ader er hatte ihn neulich geputzt und gereinigt. Da war ich dabei, und wir sprachen über Waffen. Er sagte, es sei ein Geschenk seines Bruders Ger­hart, aus Afrika oder so mitgebracht."

Kybander warf Frau Henriette einen fragenden Blick zu. Sie nickte.Das stimmt. Gerhart brachte den Revolver mit Vor Jahren; aus Aegypten. Die Perlmutterarbeit soll arabisch sein."

Es ist also wirklich Ihres Sohnes Revolver?"

Aber ja, Lene hat Recht"

Können Sie sich erklären, wie die Waffe in den Müllkasten geraten konnte?"

Nein", antwortete die Mutter.Fragen Sie ein­mal Julia, aus ihrer Wohnung mufe er ja ver­schwunden sein, wenn ihn mein Sohn nicht unten im Laden hatte. Mir ist das vollkommen rätselhaft. Soviel ich weife, hielt Ludwig seinen Revolver im Laden unter Verschluß. Er hielt ihn sich nur für alle Fälle, da er nachts manchmal noch allein dort unten war."

Das hörte ich. Es rft nun aber aus dem Re­volver geschossen worden. Der Lauf beweist das und es fehtt auch eine Kugel im Magazin. Haben Sie den Schuß gehört?" Er sah Frau Henriette an. Lene war ja gestern abend aus aeroefen.Es mufe nach neun Uhr abends gewesen sein."

Ich habe nichts gehört", lautete ihre Antwort, und das Mädchen Lene schüttette ganz überflüssig auch noch mit dem Kopf. In diesem Augenblick trat Gerhart Carlotti zu den dreien in die Küche.

Der Kommissar wandte sich ihm sofort zu. Erl hatte das Empfinden, Gerhart Carlotti habe schon eine Weile gehorcht und er täuschte sich nicht.Sie kennen diesen Revolver?", begann er feine Fragen.

Gerhart Carlotti sah den Gegenstand kaum an- Ja", bestätigte er,was man Ihnen gesagt hat, stimmt. Er stammt aus Port Said. Ich habe ihn vor langer Zeit meinem Bruder einmal mitgebracht. Das liegt lange zurück."

Sie waren in Port Said?"

3a. Auf der Durchfahrt hatten wir einen Tag und eine Nacht Aufenthalt"

.^Interessante Stadt, nicht wahr?"

Der Abschaum zweier Kontinente."

Gewiß; man kann für Geld alles kaufen. Re« volver und auch Gifte, die wir in Europa nicht ein« mal dem Namen nach kennen und nie bekommen würden, kurz, die Stadt ist eine Fundgrube für jemand, der Böses plant"

Gerhart Carlottis Gesicht war blaß geworden. Allen mußte das auffallen.Wie meinen Sie das? ...", stotterte er.

Kommissar Kybander sagte ganz ruhig:Genau so wie ich es sagte, Herr Carlotti. Oder wissen Sie nicht, daß Ihr Bruder Ludwig vergiftet wurde?"

Er wurde erschossen, denke ich!"

Das sollten alle denken, auch wir von bet Polizei", sagte Kybander und sah den zweiten Car­lotti fest an.

Der Mann beherrschte sich krampfhaft. Nur feine Augen verrieten, was in ihm vorging. In ihnen lag ein gejagter Ausdruck, als sehe er sich umstellt. Was wollen Sie von mir?", stieß er hervor.

Frau Henriette seufzte hörbar.Gerhart", sagte sie,nimm dich zusamen. Ich habe das auch erst vorhin erfahren. Die Polizei hat festgestellt, daß Ludwig gar nicht erschossen, sondern ner giftet mürbe. Es ist wirklich wahr. Dadurch wird die Geschichte mit dem Revolver ziemlich belanglos."

Warum nehmen Sie das an, gnädig« Frau?" Saaten Sie es nicht vorhin, Herr Kvmnvsiar?" Nein, ich sagte Ihnen nur, bafe der Revolver« schütze nicht eigentlich der Mörder mar. Ihr Sohn starb an einem unbekannten Gift."

Da hörst du es, Gerhart."

Ja geroife, Mutter, ich habe ja Ohren am Äopft* (Fortsetzung folgt)