Häuflein Dreck. Mehr noch, England muß für die „Wiederherstellung" des ganzen alten Dxeckhaufens sorgen. „Dos Bündnis zwischen Großbritannien und Frankreich bleibt bestehen", und will Frankreich nicht mehr Englands Bruder sein, schlägt man ihm eben, wie bei Oran, den Schädel ein.
Glaubt der über dem Abgrund hängende verzweifelte Spieler Churchill wirklich in dieser Stunde noch moralische Eroberungen in dem durch ihn zu- gründe gerichteten Frankreich zu machen? Glaubt er seine bedrückten Engländer wirklich aufheitern zu können durch die Feststellungen, es weise „alles darauf hin, daß der Krieg lang und grausam sein wird?" Werden die Engländer sich in heroische Hoch« stimmung versetzen lassen dadurch, daß Herr Churchill ihnen in dieser Stunde zuruft: „Wir kämpfen zwar allein, aber wir kämpfen nicht für uns allein." Die Londoner dürsten eher aufhorchen bei Herrn Churchills Aufforderung, „auch einem plötzlichen heftigen Schock die Stirn zu bieten" und, „was noch härter ist, eine unendlich lange Wache zu beziehen" — bis 1941, bis 1942 und noch länger.
Der alte Hasardeur tut und sagt im übrigen das einzige, was ihm noch bleibt. Er spielt den rabiaten Amokläufer; er „duldet keine Verhandlung e n". Als ob ihm jemand welche angeboten hätte. Er will Krieg mit Händen und Füßen, Krieg bis aufs Messer, Krieg bis zum Weißbluten: „Wir betteln nicht um Bedingungen, sogar wenn wir des Mitleids bedürftig sein würden, würden wir nicht darum betteln. Ich kann sehr wohl verstehen, wie unfreundlich gesinnte Zuschauer jenseits des Atlantiks oder besorgte Freunde in den noch unversehrt gebliebenen Ländern Europas sich über unsere Zukunft ängstigen ... Aber Hitler hat noch nicht gesehen, wie ihm eine große Nation widersteht, die über dieselbe Willenskraft verfügt wie er."
Man muß ihm das nachsehen. Es ist das Letzte was ihm bleibt. Man muß ihm auch nachsehen, daß er, wie er nach allen seinen Niederlagen, nach Polen, nach Norwegen, so auch jetzt nach Frankreich die Lage Englands durch die Niederlage nur verbessert findet und die Pläne Hitlers, die er freilich nicht kennt, „durch unsere neue Lage vollständig umgeworfen" sind: „Vor zwei Monaten und sogar noch vor einem Monat zielte unser Hauptstreben dahin, unsere beste Armee in Frankreich zu halten. Heute haben wir unsere ganze Armee auf unserem Boden. Noch niemals, auch nicht während des letzten Krieges, hatten wir-auf dieser Insel eine Armee, die an Qualität, Ausrüstung und Zahl mit der hätte verglichen werden können, die hellte bei uns Wache hält."
Er schwelgt in Zahlen, in Millionenziffern und will „jedes Dorf, jede Stadt verteidigen. Wir werden vorziehen London in Asche und Ruinen zu sehen, bevor wir es unterworfen sehen wollen." So hieß es wörtlich durch denselben Londoner Rundfunk vor wenigen Wochen noch mit Bezug auf Paris. Wir sagen dazu nur: Warschau. Wir sagen dazu nur: Rottedam. Um seine Renom- mage glaubhafter zu machen, versichert Churchill die turmhohe Ueberlegenheit der englischen Luftwaffe über die deutsche, und das ausgerechnet nach diesen Tagen, welche die Unterlegenheit der englischen Fliegerei klarer als je erwiesen. Aber in Churchills Lage gibt es keine Wahl als die: Aufgeben oder weiterprahlen! — Ob die Engländer sich wirklich zu Heldentaten werden steigern lassen durch die Feststellung, daß bis jetzt alles nur Vorspiel war, daß sie zwar „böse Tage erlebt haben, aber bösere erwarten müßten?" Ob sie wirklich sich heldisch gestimmt fühlen werden durch Herrn Churchills Schwüre, jetzt auch bis zum letzten Engländer kämpfen zu wollen? Wir warten es ab. Unsere Losung war keinen Augenblick eine andere als: „Gegen Enge land !"
Sie Hilflosigkeit eines schlechten Gewissens.
Das Echo der Churchill-Rede in Bichy.
Bern, 16. Juli. (DNB.) In einer Verlautbarung der Agentur Havas wird ausgeführt: In Vichy sind die Erklärungen des englischen Premierministers kältester Zurückhaltung begegnet. Nach einem Attentat, das alle Franzosen zutiefst berührt hat, hat er nicht einmal die Worte zu fin- den gewußt, die die Abscheulichkeit hätte mildern können. Die Rede Churchills ist nur ein Gemisch unbescheidener Belehrungen an die Adresse Frankreichs und widerspruchsvol
Clara Viebig.
Zu ihrem 8V. Geburtstag, 17. Juli.
Clara Viebig gilt uns vor allem als Dichterin des Rheins, der Eifel. Sie ist aber ebenso sehr eine Dichterin des deutschen Ostens, des uns so lange verlorenen und nun wieüeraewonnenen Posener Landes. Ein gutes Schicksal läßt sie am Abend ihres Lebens noch die Befreiung dieses Landes, der Heimat ihrer Eltern und ihrer Vorfahren, erleben, um dessen Verlyst sie heiß getrauert. Ihr Vater war Gutsbesitzerssohn aus der Provinz Posen, der auch ihre Mutter entstammte. Im Jahre 1848 hatte der Vater der Frankfurter Nationalversammlung als Abgeordneter der Stadt Posen angehört und war dann als Regierungsbeamter im Westen geblieben, zuerst in Trier, wo Clara Viebig geboren ist, dann in Düsseldorf, der Rheinstadt, der die Dichterin ihre ersten und stärksten Jugendeindrücke verdankt. So verbindet diese 5rau in ihrer Herkunft den äußersten Osten und den Westen des Reiches, und nahe Berührung mit dem Volk in beiden Grenzländern, ihre lebhafte Phantasie und nicht zuletzt ibre „Lust am Fabulieren" schenkte ihr die Krast, das Volk dieser deutschen Gaue in seiner Arbeit und in seinem Feiern, seinem urkräftigen Lieben und Hassen mit ungeschminkter Anschaulichkeit darzustellen.
Wie sie, die Tochter des hohen Beamten, über den so eng gezogenen Kreis der damaligen „höheren Tochter" hinauswuchs und wie sie es lernte, dem „Volk aufs Maul zu schauen", um dieses Lutherwort hier zu gebrauchen, hat sie selbst, in einer reizenden Plauderei aus ihrer Jugendzeit erzählt. Als Backfisch wurde sie in ihre Vaterstadt Trier in das Haus eines Freundes ihrer Eltern, des Landgerichtsrates Matthieu, gegeben, um hier „ihre Bildung zu vervollkommnen". Dies geschah auf recht eigenartige Weise: „Onkel Matthieu war Untersuchungsrichter; wenn er mit seinem Sekretär auszog, um Tatbestände auszunehmen, um Obduk- tionen beizuwohnen, so zog ich mit aus, das heißt, man setzte mich in irgendeinem Wirtshaus ab und empfahl mich der Obhut der Frau Wirtin. Es dauerte oft lange, bis die Herren ihre- Geschäfte erledigt hatten, aber mir wurde die Zeit nicht lang. Mrtinnen sind meist gesprächig, sie wissen zu erzählen; und ich wußte zu fragen.
In den kleinen Eifelgcjrten, wo wild durcheinan
ler Behauptungen, die auf die völlige Hilflosigkeit eines schlechten Gewissens hinzuweisen scheinen. Einen ehemaligen Waffengefährten anzll- areifen und zu verwunden, um dessen Sicherheit besser zu gewährleisten, ist eine Uebertreibung der Nächstenliebe, die man Herrn Churchill gern erspart hätte. Wenn andererseits nach den ersten Kämpfen, die Frankreich für seinen ehemaligen Verbündeten geliefert hat, nachdem dieser sechs Monate Zeit hatte, um sich auf den Krieg vorzubereiten, Churchill Frankreich seines „W o h l w o l - lens" versichert, so scheint das in keinem
Verhältnis zu den von Frankreich gebrachten Opfern zu stehen. Dieses Wvhlwollen besteht übrigens nur aus Worten. Auf der einen Seite dezimierte Armeen und eine schwer getroffene Bevölkerung, auf der anderen Seite undesttmmte^ Versicherungen des Wohlwollens nach der Zerstörung unserer Kriegsschiffe und der Beschlagnahme unserer Handelsschiffe. In französischen Kreisen bemerkt man auch, daß Churchill jetzt nichts Gutes an dem frühe- ren Regime Frankreichs läßt, daß er es mit Lob zudeckte, so lange es ihm gehorchte, während er es jetzt als verfault bezeichnet.
Bomben auf britischen Geleitzug.
DNB......,15. Juli. (PK.) So schlimm stand
es noch nie um England. Vom Nordkap bis zur Biskaya reicht die Zange der deutschen Wehrmacht und der gesamte englische Handel steht ständig unter deutscher Kontrolle. Dazu kommt die Abriegelung des Mittelmeeres durch Italien, die England bei der Versorgung mit den lebensnotwendigen Gütern, darunter Oel, hindert oder zu großen Umwegen zwingt.
Ununterbrochen starten die deutschen Flugzeuge zu ihren Kontrollflügen gegen die britische Küste. Eben sind hier wieder zwei Ketten aufge- stiegen. Der Verband nimmt unter ständigem Steigen Kurs auf England. Gleichmäßig brummen die Motore. Die Besatzungen sehen aus ihren gläsernen Kästen gleichmütig auf das vertraute Bild unter ihnen. Die Einheit fliegt über besetztes Land, das noch vielfach sichtbare Spuren heftiger Kämpfe trägt und nähert sich schnell der Küste. Da sieht man auch schon d i e Brandung gegen die Felsen anlaufen, wie ein in ständiger Bewegung befindlicher weißer Gürtel. Nun sind die Flugzeuge über dem Meer und gleiten über eine gleichmäßige bläulichgraue, unendliche Fläche, die an ihren Rändern im Dunst versinkt. Gespannt betrachten Beobachter und Bord- schützen den Horizont. Denn man muß in diesem Gebiet vor patrouillierenden englischen Jägern auf der Hut sein. Ständig wird die weite Wasserfläche durch starke Ferngläser nach Schis- f e n ab gesucht, aoer vergebens. Das früher hier so belebte Meer ist wie leergefegt.
Viertelstunde auf Viertelstunde vergeht. Gleichmäßig ziehen die deutschen Maschinen an der englischen Küste entlang und lähmen schon allein durch ihre dauernde Anwesenheit die lebensnotwendige englische Einfuhr. Verödet liegen die riesigen Entladungsanlagen gerade in den wichttgsten eng
lischen Häfen, durch die Old-England früher vorwiegend versorgt wurde.
„Geleitzug in Sicht!" Diese Meldung reißt alle Männer aus ihren Betrachtungen. Mit Volldampf strebt der Geleitzug der englischen Küste zu. Unser Verband geht in Angriffsformation, die Beobachter starren, die Hand am Abwurfgriff, auf die immer näher kommenden Ziele, und jedes Flugzeug steuert „fein" Schiff an. Die Engländer haben den deutschen Verband bemerkt. Die begleitenden Kriegsschiffe fahren Z i ck z a ck k u r s , während die Handelsdampfer ergeben ihre Bahn weiterziehen.
Da sieht man auch schon die ersten Flak- schüsse. Das Feuer ist aber schlecht gezielt, und die kleinen schwarzen Explosionswölkchen können den deutschen Angriff nicht hindern. Die ersten Flugzeuge sind Über dem Ziel. Aus den geöffneten Bombenklappen purzeln die Bomben und sausen in ihrer Kurvenbahn auf die englischen Schiffe zu. Ein Treffer ist aus großer Höhe auf die relativ kleinen beweglichen Ziele nicht leicht, und man soll nicht denken, daß nun jede Bombe sitzt, aber ganz dicht umdie Schiffe sieht man die Aufschläge, und da ist auch bereits der erste Volltreffer erzielt. Man sieht es mittschiffs aufblitzen, und bald zieht der Dampfer eine dicke Rauchwolke nach sich. Angriffswelle rollt auf Angriffswelle über den Geleitzug. Im Eifer des Gefechts wird die Flakabwehr fast gar nicht beachtet, alles ist nur auf das eine Bestreben „Volltreffer" gerichtet.
Die Bomben sind abgeworfen. Auf drei der englischen Schiffe sieht man Feuerwirkung. Weitere deutsche Verbände sind im Anflug, und es ist sehr fraglich, ob und wie viel Schiffe am Ende ihrer Fahrt unbeschädiat in einen englischen Hafen einlaufen. Eine Fahrt nach England ist eine sichere Fahrt in den Tod. Eduard Amphlett.
Nie gememvliche Selbstverwaltung im Generalgouvernement.
Warschau, 15. Juli. (Europapreß.) Für die Neuordnung und den Wiederaufbau der ehemaligen polnischen Selb st Verwaltung ist eine Verordnung über die Bildung und Verwaltung von Gemeindeverbänden im Generalgouvernement von grundsätzlicher Bedeutung. Der Gemeindeverband hat die Aufgaben einer öffentlichen Gebietskörper- schaft, wie Unterhaltung und Bau von Straßen, Förderung der Landwirtschaft, der Volksgesundheit und des Sparkassenwesens, Unterhaltung von Fachschulen und Feuerschutz. Der Kreishaupt- mann, dem der Gemeindeverband untersteht, kann einen Gemeindeoerbandsausschuß berufen, den er zu Beratungen hinzuzieht. DiF früheren polnischen Sammelgemeinden, die den größten Teil der Gemeinwesen stellen, haben damit eine neue Instanz gewonnen, an die sich ihre Schulzen, die sogenannten W o j t s , mit allen ihren Sorgen, auch solchen finanzieller Natur, wenden können. Mit dieser Verordnung ist die Grundlage für den Derwaltungs- aufbau im Generalgouvernement gelegt Das Generalgouvernement ist in vier Distrikte Krakau, Lublin, Radom und Warschau eingeteilt. Die Distrikte zerfallen in Land - und Stadtkreise, die durch einen deutschen Kreishauptmann verwaltet werden. Kreisfrei sind die Disttiktsstadte und Tschenstochau. Gemeinden und Städte werden von polnischen Bürgermeistern verwaltet, denen je nach der Größe der Ge
meinde fünf bis zehn Berater zur Seite stehen, die aus der Bevölkerung ausgewählt werden.
Eine Einwohnerabaabe wurde einaeführt zur Durchführung von Fürsorgemaßnahmen für die polnische Bevölkerung. Sie muß von jeder Person über achtzehn Jahren entrichtet werden. Die Abgabe ist nach der Höhe des Einkommens gestaffelt und wird zum erstenmal im August dieses Jahres zugunsten der Gemeinden erhoben, die zwei Drittel an die zuständige Kreishauptmannschaft zur lieber» nähme der Fürsorge bedürftiger leistungunfähiger Gemeinden abführt. Die Gemeinden des ehemaligen polnischen Staates, die durch das Fehlen eines Fürsorgegesetzes niemals Mittel für die Bedürfnisse der Fürsorge besaßen, werden nun in den Stand gesetzt, die Not der Bevölkerung zu lindern.
Die Warschauer Gasanstalt, an deren Anlagen während der Kriegshandlungen erheblicher Schaden entstand, ist gegenwärtig zu achtzig vom Hundert wieder in Betrieb. Es ist das Verdienst der deutschen Leitung, daß in der Zeit der schweren Januar-Fröste während der größten Kohlenknappheit die polnische Bevölkerung Gasheizung zur Bereitung warmer Mahlzeiten hatte. Bisher wurden ferner von 540 Kilometer Hauptleitungen 450 Kilometer ausgebessert und 18 500 Gebäude an das Gasnetz angeschlossen. Don den 6970 Warschauer Gaslaternen sind heute 3800 in Betrieb. Die Wiederherstellungsarbeiten vor allem an den Weiterver-
49deutscheZäger siegen Ü6er45®rtfett
Nach dem OKW.-Bericht vom (Sonntag kam es über dem Kanal zu sehr schweren Luftkämpfen. In drei verschiedenen Gefechtshandlungen wurden insgesamt 10 Gegner abgeschossen, während von den eingesetzten deutschen Maschinen nur eine verlorenging. Im Hauptgefecht trafen 19 deutsche Jagdmaschinen vom Typ „BF. 109" (den unser Bild zeigt) auf 45 Gegner vom Muster Hurricane, von denen 6 vernichtet wurden, während wir keinen Verlust zu verzeichnen hatten. Die Lustkämpfe sind deshalb besonders beachtenswert, weil sie zwischen Konstruktto» nen geführt wurden, die beide für den gleichen Zweck gebaut sind. Es erwies sich also nicht nur die Ueberlegenheit der deutschen Flieger, sondern auch die der deuffchen Flugzeugtypen.
(Scherl-Bilderdienst-M.)
arbeitungsanlagen werden eifrig fortgesetzt. Auch die Warschauer Parkanlagen, vierzehn Darks, einhundertfünfundfünfzig Grünflächen und secystau- send Grünstreifen an Straßen mit einer Fläche von insgesamt sechshundertneunundachtzig Hektar wurden unter deuffcher Oberaufficht wieder instand- gesetzt. Alle Luftschutzgräben und Geschoßttichter sind nun zugeschüttet.
Oie neuen Ostgebiete.
Das Statistische Reichsamt veröffentlicht Zahlenmaterial über die Neugliederung im Osten des Reiches. Die nach dem Zerfall des polnischen Staates in das Reich eingegliederten Ostgebiete samt Danzig umfassen 93 900 Quadratkilometer mit rund zehn Millionen Einwohnern. Damit hat das Deutsche Reich (ohne das Protektorat Böhmen und Mähren) jetzt rund 681 000 Quadratkilometer mit rund neunzig Millionen Einwohnern. Die übrigen von den deutschen' Truppen besetzten polnischen Gebiete bis zur deutsch-sowjetrussischen Inte ressen grenze bilden das Generalgouvernement mit 96 000 Quadrcttkilometer und lOVi Millionen Einwohnern.
Im Zuge der Neuordnung im Osten wurden d i e Reichsgaue Danzig-Westpreußen und Warthe land geschaffen, während die weiteren eingegliederten Gebiete zu den Provinzen Ostpreußen und Schlesien kamen. Ostpreußen ist der Ein- wohnerzahl nach jetzt mit 3,3 Millionen Einwohnern ungefähr so groß wie die Provinz Hannover ober die Mark Brandenburg. Der Reichsgau Danzig- Westpreußen steht unter den Gebieten mit mehr als zwei Millionen Einwohnern nach seiner Einwohnerzahl von 2,2 Millionen an legier Stelle im Reiche. Etwa die gleiche Größe hat die Provinz Pommern mit 2,4 Millionen. Der Reichsgau Warthe land hat 4,5 Millionen Einwohner und steht damit an sechster Stelle. Die Einwohnerzahl der Provinz Schlesien erhöht sich auf 7,5 Mil
der Unkraut und brennende Liebe, Kartoffeln und Sturmhut, Feuerlilien und Nachtschatten wuchern, hörte ich manche Geschichte von Liebe und Haß, von frommem Gelübde und verbrecherischer Schyld, von Wallfahrtswundern und gebrochener Treue, von Habgier, von Mißgunst. Wie draußen in der weiten Welt, so war's auch hier in der Einsamkeit. Nur daß die Leidenschaften hier gewaltiger wachsen, sie wachsen ungezügelt, sie werden riesengroß.
Die Sonne prallte heiß aufs Hochland, das Blut stieg mir zu Kopfe; nicht alles taugt für Mädchenohren. Und was die Zurückkehrenden erzählten — ich ließ ja keine Ruh, ich mußte es ja wissen, was der Richter in seinen Akten ausgezeichnet hatte — das war auch nicht gerade geeignet für ein Pensionsfräulein. Aber hat es mir geschadet? O nein! Ich bin dem Volk in seinem Denken und Empfinden nahe gekommen. Ich bin wohl erschaudert beim derben Tritt, mit dem es die Erde stampft; niederge- treten wird vieles unter nägelbeschlagener Sohle, alles was schwach ist und lebensunkräftig. Erbarmungslos ist das Volk, hart, aber es kann auch lieben urkräftig, es folgt feinen Trieben unbefangen und schämt sich ihrer nicht."
Gewann Clara Viebig hier noch halb unbewußt die Stoffe zu vielen ihrer späteren Bücher, zu „Rheinlandstöchter", „Kinder der Eifel", „Das Kreuz im Venn" und anderen, so kannte sie bis zu ihrem 20. Lebensjahr ihre „zweite Heimat", Posen, nur aus den Schilderungen ihrer Mutter, die eine geborene Erzählerin war und der Tochter die eigene Heimat und die großen geschichtlichen Ereignisse, die sie dort.erlebt, die polnische Revolution und das Jahr 1848, so anschaulich darstellte, daß die Zuhörende glaubte, selbst dabei gewesen zu fein. Als nach dem Tode des Vaters Clara Viebig mit ihrer Mutter nach Berlin zog, um Gesang zu studieren, war sie lange Sommer hindurch auf Gütern von Verwandten teils im deutschen, teils im polnischen Teil der Provinz monatelang zu Gast. Und in diesen Sommern ist ihr „auch dieses Land des Ackerbaues, der Ebenen und Seen... die unbegrenzte, sonnenflimmernde Weite, in der das Korn reift", nah gekommen und sie hat fühlen gelernt, daß sie diesem Land entftammte. Sie ist den Wegen des Großvaters nachgegangen, der stolz auf feinen drei Gütern faß, Rokitten, Rhyn und Golmütz, und des Urgroßvaters, der wenig zufrieden sein würde, „baß nur noch auf Rokitten ein Viebig sitzt. Er war der Mehrer der Güter, und
wenn er den polnischen Herren, die es nicht anders taten als vierelang bei ihm vorzufahtt-n, mit vier Ochsen den Besuch erwiderte, so war er auch allezeit ein Mehrer des Deutschtums ..."
Aus diesen Eindrücken erwuchs ihr einer ihrer stärksten Romane, „Das schlafende Heer", das östliche, warnend visionäre Gegenbild zu ihrer „Wacht am Rhein", „Eine Handvoll Erde" und manche andere. Es war ursprünglich wirtschaftliche Not gewesen, was die Dichterin dazu gebracht hatte, durch einige Skizzen und Novellen dem kargen Berliner Haushalt aufzuhelfen. Denn es hatte sich bald herausgestellt, daß zu der erträumten Laufbahn der Konzertsängerin die Stimmittel doch nicht reichten, und es waren schwere und harte Jahre. Aber während die ersten rheinischen Skizzen noch in unpersönlichem konventtonellem Stil geschrieben waren, so rang sich doch bald das starke Naturell der Dichterin zu einem ganz eigenen Ton durch „Das Derbe zog. mich an", bekennt sie selbst von sich, und wenn diese Vorliebe für das „Derbe" sie auch bisweilen au einem allzu grellen Realismus hingerissen hat, so ist sie doch mit der langen Reihe >rhrer Bücher eine echte und starke Heimatdichterin geworden. Die s/4 Millionen Bände, in denen ihr Werk in Deutschland verbreitet ist, beweist, wie stark sie das Ohr des Volkes gewonnen hat. C. K.
,/Oonauschiffer."
In einer unterhaltsamen Weise schildert der neue Film im Gloria-Palast das Milieu, in dem sich der Donauschiffer bewegt, schldert es mit allen Freuden und Leiden, mit aller Romantik und einem kräftigen Schuß Sentimentalität, im Grundton aber mehr heiter als ernst. Die Handlung, die dem Film zugrunde liegt, ist zwar aus einer üppigen Phantasie geboren, bewegt sich aber doch noch im Bereich des Glaubwürdigen oder des Möglichen. Zum Schluß des Films findet — selbstverständlich nach mancherlei Schwierigkeiten, Mißverständnissen und Zweifeln — das richtige Paar zueinander, während ein weniger glücklicher Rivale des Kapitäns eines Frachtschiffs mit einer schönen und großherzigen Geste das Feld räumt.
Unter der Reihe der Darsteller, die für diesen Film ausgeboten worden war, begegnet man manchem sympathischen Gesicht. Hilde Krahl als Anny Hoser fügt sich geschickt in das Leben an Bord und
in die Tonart, die auf einem Donaufrachter herrscht, fügt sichvauch glücklich in die schwierige Rolle eines jungen weiblichen Wesens unter den vielen rauhen Männern der Schiffsmannschaft. Neben ihr steht Attila Hörbiger, derb und zart, hart und liebevoll in einem, der als Kapitän des Schiffes bei der jungen hübschen Bordköchin Anny zu Recht den Vogel abschieHt. Paul Javor, als reicher Elegant Nikolaus von Körmendy, gibt feiner Rolle einen luftigen Zug und macht insgesamt gute Fi. aur. Oskar Sima, Hans Unterkirchner, Dibor v. H a l m a y , Karl Forest u. a. mimen als Matrosen kraftvolle Gestalten und Männer mit dem Herzen auf dem rechten Fleck. Der Men- Film, der unter der Regie von R. A. Stemmte gedreht worden war, bringt eine Fülle. herrlicher und ungemein stimmungsvoller Landschaftsbilder, die die ganze Schönheit der Donau-Ufer zwischen Wien und dem Schwarzen Meer offenbaren. Man fühlt sich von diesem Film, ohne in große geistige Unkosten gestürzt zu werden, eine Stunde lang gut unterhalten. H. L. Neuner.
Oer Maler und die Frauen.
Der berühmte Wiener Maler Hans Makart, dessen Gedächtnis in diesem Jahre durch eine große Ausstellung in Salzburg neu belebt wird, stand in dem Ruf, so etwas wie ein Wüstling gewesen zu sein. Er hat allerdings in seiner Kunst die schöne Frau immer wieder verherrlicht, aber, so schreibt Ann Tizia Leitich in einem großen, farbig bebilderten Aussatz des Juliheftes von Delhagen & Kla- fings Monatsheften, der kleine seltsame Mann mit der zarten Gestalt und dem bartumwallten dunklen Künstlerkopf mit den glutvollen tiefbraunen Au- gen war alles eher als ein Rou6. Der beste Freund, der Förderer junger Talente, guter Familienvater und Gatte, ein heftig trauernder Gatte, als feine erste Frau mit Hinterlassung zweier Kinder starb. Doch er liebte, er brauchte die Nähe schöner Frauen wie die Nähe schöner Stoffe und kostbarer Dinge. Er fuhr an ihrer Seite im Prater spazieren, er zog sie an für die Kostümfeste. Stundenlang konnte er hinter den Kulissen der Hofoper dem Tanz der Bal- lerinen zuschguen. Frauen, immer wieder Frauen! Sie waren fein edelster Dekorationsgegenstand. Das kostbarste Stück der sinnlichen Schaugepränge, die er schuf.


