Ausgabe 
16.5.1940
 
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Longwy liegt weit hinter uns

Holländische Junker, die den Vormarsch stoppen Men

Maasübergang bei Maastricht trotz Srülkensprengnng

Deutsche Soldaten besuchen Niels Bukh

in der dänischen Gymnastik-Hochschule des weltberühmten Sportpädagogen.

Beim Maasübergang in Holland stießen die deutschen Soldaten auf zahlreiche holländische Befestigung- werke, die jedoch durch den kombinierten Einsatz unserer Waffen schnell zerschlagen wurden. Unser Bild zeigt einen holländischen Bunker bei einem Maasübergang in Holland, der von unseren Truppen zerstört wurde. (PK.-Faßhauer. Scherl-M.)

Das Unternehmen des Leutnants Schulz.

Zwölf französische Stützpunkte im Vorfeld des Westwalls ausgehoben.

der Blockhütte. Sieben Marokkaner waren gefangen, einer blieb tot zurück.

Inzwischen hatte der Leutnant eine andere Stel­lung im Handstreich genommen und 10 Gefangene gemacht. Der Wald war stärker befestigt, als man angenommen hatte. Zwar wurden die ersten dicht zusammenliegenden Stellungen nach hartem Kampf genommen, doch mußten später andere Waffen an­gefordert werden. Der Franzmann, schon im Welt­krieg als gut in der Verteidigung bekannt, erwies sich auch jetzt wieder als ein schwer zu überwin- oender Gegner. Seit Stunden schon tobte der Kampf um den Wald. Die französische Artillerie schoß Sperrfeuer. Erbittert wurde gerungen. Aber die Deutschen drangen unaufhaltsam vor. Hütte aus Hütte mußte sich ergeben, und so sielen 12 starke feindliche Stützpunkte in unsere Hand. 92 Marok­kaner, ein Kapitän und ein Leutnant, mußten den Weg in die deutsche Gefangenschaft antreten. Der Feind verlor außerdem zahlreiche Tote und Ver­wundete. Der Auftrag- wurde restlos erfüllt, der stark befestigte Wald wurde vom Feind gesäubert und in deutschen Vorfeldstellungen einige Kilometer mehr feindwärts getrieben. Die Soldaten sind stolz auf ihren schneidigen Kompanieführer Leutnant Schulz, den der Kommandierende General per­sönlich mit dem E. K. I ausgezeichnet hat. Leutnant Schulz ist erst 24 Jahre alt, aber ein ganzer Kerl, der bescheiden erklärt:Ohne meine tapferen Man­ner und den heldischen Einsatz meiner beiden tfelth wedel Heldmann und Spitznagel hatte ich das Unternehmen nicht so erfolgreich durchfuhren können." Fr-Becker-

Leutnant Otto Schulz.

Berlin, 15. Mai. (DNB.) In dem OKW.-Be­richt vom 14. Mai wurde mitgeteilt, daß ftd) l>er Leutnant in einem Infanterie-Regiment Otto Schulz bei einem Angriff südlich Saarbrücken durch besondere Tapferkeit a u s ° gezeichnet hat. Schulz wurde 1918 m Duisburg als Sohn eines Bergmannes geboren. Nach Besuch des Gymnasiums in Mörs studierte er 1934 Volks­wirtschaft. Im Oktober 1935 trat er ms Heer ein und wurde am 1. Januar 1938 zum Leutnant be­fördert. Seit wenigen Tagen fuhrt er eine Kom­panie m einem Jnfanterie-Negiment

mes bewußt ist. An den Wänden hängen Städte« und Landschaftsgemälde, und viele Gaben erinnern an die zahlreichen Reisen, die Niels Bukh in die ganze Welt geführt haben. Im Vorjahr war er in Südamerika und wurde schließlich mit seiner Gym­nastikgruppe vom Kriege überrascht, als er in Süd­afrika weilte. Er erlebte noch die Maßregelung der dortigen Deutschen und auch vieler Buren, die aus ihrer Feindschaft auf England kein Hehl mach­ten und wie schon einmal Frauen und Kinder ihres Volkes, in Konzentrationslager gesteckt wur­den. Auf der Heimreise mußte auch Niels Bukh die Brutalität englischer Willkür verspüren, denn das italienische Schiff, auf dem er fuhr, wurde noch vor dem Anlaufen von Lissabon durch ein englisches Kriegsschiff aufgebracht und nach Gi­braltar beordert, von wo er erst nach energischem Protest mit einem anderen italienischen Dampfer über Genua, durch Italien und Deutschland den Weg zur Heimat nehmen konnte.

Wie anders sprach er von Deutschland, wo er in den bayerischen Bergen in jedem Jahr seinen Urlaub verbringt, dessen Landschaften und Kultur ihm vertraut sind, und in dem er wie er immer wieder betont so viele Freunde besitzt. Wir fragen ihn nach seinem stärksten Eindruck der letz­ten Jahre. Man sollte von einem Sportler meinen; die Olympischen Spiele. Aber Niels Bukh weist auf den Reichsparteitag, den er im An­schluß an das Berliner Fest als Gast des Führers erlebte und auf dem ihm, dem Dänen, die inneren Kräfte der deutschen Weltanschauung wohl am stärksten offenbar wurden.

Der Nationalsozialismus hat auch dem deutschen Sport neuen Inhalt gegeben. In anerkennenden Worten spricht Niels Bukh von der Arbeit des Nationalsozialistischen Reich sbundes für Leibesübungen, dessen- Schöpfer, den Reichssportsührer, er zu seinen Freunden zählt. Mit besonderer Freude denkt er an dessen Besuch in Ollerup. Den deutschen und dänischen Sport verbinden ja schon seit langem enge Be­ziehungen, die sich nicht nur auf die regen sport­lichen Beziehungen stützen, die schon durch die ge­meinsame Grenze und den gemeinsamen Lebens- raum der beiden Völker gegeben sind. Neuerdings schickt Niels Bukh auch Sportler seiner Schule auf die Reichsakademie.für Leibesübun- gen, während deutsche Sportstudenten an bett

DNB..... 16. Mai. (P. K.) Einer bayrischen

Division war de-r Auftrag erteilt worden, L o n g ° 9, die Zitadelle und den Ort, zu nehmen, dessen Slamen allen Weltkriegsteilnehmern noch gut be­kannt ist. Schon damals bedurfte es einer gründ­lichen Artillerievorbereitung, und euch diesmal war die Nacht vom Pfingstmontag ,um -dienstag erfüllt von den Abschüssen und Ein­schlägen mittlerer und schwerer Kaliber.

Das Feuer unserer Artillerei trommelte die Ab­wehr der Franzosen zusammen. Ihre materielle und auch die seelische Widerstandskraft schmolz von Stunde zu Stunde. Die Gegenwehr war geringer als erwartet. Das erklärt auch die geringen eigenen Verluste. Das sieht man auch den Stellungskom- panien an im T a l der C h i e r s , wo sie in Ge- fechtsberührung mit dem jetzt auffallend ruhig ge­wordenen Gegner bereits Spähtrupps vorschicken, um den Feind nicht mehr zur Ruhe kommen zu lassen.

Während die Kompanien sich einrichten, Panzer­jäger Straßen und Kreuzungen gegen Ueberraschun- aen sichern, begeht der Major des Abschnittes seine Front. Seine Männer haben in einem fast fünf­stündigen Gefecht von nachts 2.30 Uhr bis 7.30 Uhr in der Frühe eine Strecke von beinahe 10 km zurückgelegt. Manche mit dem Hin und Her des Straßenkampfes in der Zitadelle und in den Orten LongwyHaut und LongwyBas noch mehr. Trotz des fcharfen Verfolgungsgefechtes ist die körperliche Verfassung der Truppen ausgezeichnet.

< Die Zitadelle hatten die Franzosen etwa um 6 Uhr morgens geräumt. Sie war stark von unseren Geschossen zerstört. Trotzdem ist dieRoute Natio- nale , die durch sie hindurchführt, völlig befahrbar, so daß es möglich war, Wagen bis in die Batail- lonsgefechtsstände vorzuschicken. Die Truppe konnte den ersten Hunger nach dem Morgenkampf schon lvus den Verpflegungsvorräten stillen, die hier in Longwy in unübersehbares Menge ihr in die Hände gefallen waren.

Im Regimentsgefechtsstand des Infanterieregi­ments, das die Hauptlast des Angriffes auf-Longwy und die Zitadelle getragen hatte, bespricht wenig später der Artilleriekommandeur der Division die Sperrfeuerwünsche der Infanterie und zeichnet von

PK. Als vor den Olympischen Spielen von 1936 die Nationen aufgefordert wurden, ihre arteigenen Leibesübungen im Rahmen der sportlichen Wett­kämpfe zu zeigen, machte Dänemark Niels Bukh namhaft, den Mann, dessen Gymnastikschule zu den berühmtesten der Welt zählt. Im herrlichen Ber­liner Olympiastadion feierte der dänische Sport­pionier- dann vor zehntausenden von Zuschauern mit seinen Männern und Mädeln einen emzigartt- gen Erfolg durch die Schönheit und Straffheit und den inneren Wert der Darbietungen. Man­chem der deutschen Soldaten, die jetzt in Dänemark den Schutz des Landes übernommen haben, mag die Erinnerung an diesen Tag überkommen sein, bis dann von irgendeinem der Wunsch geäußert wurde, die Stätte, an der Niels Bukh wirkt, einmal zu be­suchen. Der Dienst erlaubt es, und ein kurzer An­ruf gibt Gewißheit, daß wir in Ollerup gern ge­sehene Gäste sind: von Odense aus, der größten Stadt der Insel Fünen, führt die Sttaße nach Svendborg, in eins der landschaftlich reizvoll­sten Gebiete ganz Dänemarks. Das leichte Hügelland mit Wiesen, kleinen Wäldern und Seen erinnert an Ostpreußen ober die Mark bei Hohenlychen, der deutschen Sportheilstätte. Da wo es am schönsten wird, weist ein Straßenbild den Weg nach O l - l erup. v r .....

Auf der breiten Freitreppe des großen behadi- gen Herrenhauses empfängt uns Niels Bukh. Der fast Sechzigjährige hat sich die straffe Gestalt des Sportlers bewahrt, das fonnegebräunte Gesicht verrät Tatkraft und Willen zur Leistung, und aus den Augen leuchtet die Begeisterung eines Men­schen, der ganz einer großen Lebensaufgabe bient. Niels Bukh hat sie barin gefunden, der Jugend seines Landes den Freuden-Kraftquell der Leibes­ertüchtigung zu erschließen. Doch davon spricht er zunächst nicht. Er habe als Bauernbube die deutsche Sprache leider nicht gelernt, wie das heute in jeder Grundschule in Dänemark der Fall sei. Was er sprechen könne, verdanke er seinen deutschen Freun- ben. Trotzdem braucht nur hin und wieder ein Kamerad einzuspringen, der lange Jahre in Däne­mark lebte.

Im offenen Kamin einer der schonen Hallen, an bie sich ein Wintergarten anschließt, lobern die Flammen von Birkenscheiten, vor dem Hausherrn hat Hello Platz genommen, eine große schwarz- getupfte Dogge, die sich ganz der Würde des Ruh-

gegangen waren, und sie feuerten auch noch einige Schüsse ab. Unsere Infanteristen hielten nun natürlich hin, und schon sprangen die Belgier auf und warfen ihre Gewehre von sich unb gaben uns mit erhobenen Armen zu erkennen, daß sie sich ergeben wollten. Es stellle sich heraus, daß ganze 20 Jnsanterieschützen, die nicht mal ein Maschinengewehr bei sich hatten, unsere Marsch­gruppe buchstäblich hatten in einGefecht" ver­wickeln wollen. Fünf waren verwundet. Diese ersten (gefangenen wurden dann entwaffnet und zurück- gebracht. Die Pioniere hatten mit Sprengladungen ' in kürzester Zeit das Hindernis beseitigt, und wir setzten den Vormarsch fort.

Erst nachdem wir schon viele Kilometer weiter waren, erfuhren wir, daß wir kurz hinter der be­treffenden Straßensperre über belgische Mi­nen hinweggegangen waren, und ich muß gestehen, baß ich jetzt nachträglich, eine Gänsehaut verspüre... Wie sich herausstellte, hatten die Belgier die Minen mit großem Geschick in die Straßen eingebaut, in der Hast ihres Ruckzuges aber vergessen, die Minen zu entsichern.

Wie zur Bestättgung biefes Berichts klingen bie Worte von drei anderen belgischen (gefangenen, die wir am Samstagvormittag westlich von Mal­me d y im Straßengraben liegen sahen. Ein Korpo­ral und zwei Mann erzählten ohne Hemmung, wie sie in Gefangenschaft geraten waren. Ohne die ge­ringste Ahnung, daß bie belgischen Truppen längst auf eiligem Rückzug begriffen waren, hatten sie am Freitagnachmittag noch an einem Dorfausgang als Sicherer in Stellung gelegen. Urplötzlich, buchstäb­lich wie aus dem Boden gewachsen, standen plötz­lich die deutschen Soldaten mit schußbereitem Ge­wehr vor ihnen. Selbst wenn sie nicht so verblüfft gewesen wären, hätten die Belgier zu irgendwelchem Widerstand gar feine Zeit mehr gehabt. Mit den Wortenund jetzt Prisonnier de gueyre ..." schließt der Korporal aus Lüttich. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß er diese Feststellung mit einem weinenden und einem lacheckden Auae trifft ...

Karl-Heinz Balzer.

DNB.....(P. K.) Jrn Morgengrauen des ersten

Pfingsttages stehen starke Einheiten der deutschen Vorfeldtruppen zu einem vernichtenden Schlag gegen die französischen Vorfeldstellungen. Der Kampfauftrag lautete, ein über zwei Kilometer tiefes, schwieriges Gelände bis zum stark befestig­ten Wald durchstoßen und die zahlreichen Wider­standsnester auszuheben. Mit dem Gelände waren sie durch die zahlreichen Spähtrupps gut vertraut. Auch hatte man beobachtet, daß am Waldrand meh­rere starke MG.-Nester und im Walde selbst ver­schiedene ausgebaute Stützpunkte waren. Sie wuß­ten, daß ihnen ein starker Feind mit aktiven Kolo­nialtruppen gegenübertreten würde.

Da das Gelände in seiner ganzen Brette vom Feinde eingesehen wurde, galt es, die Mor- gendämmerung auszunutzen, um in ihremi Schutz möglichst weit vorwärts zu kommen. Pünktlich um I Uhr war die mit der Artillerie verabredete Aus­gangsstellung erreicht. Um £.05 Uhr donnerte es zum Franzmann hinüber, der über diesen heftigen Morgengruß nicht wenig überrrascht gewesen sein mag. Jäh, wie es begonnen, verstummte das Don­nern der Geschütze. Fast zur gleichen Zeit sprangen die Männer auf und erreichten m schnellen Sprün­gen den Waldrand. Unter der Wirkung der deut­schen Artillerie hatten die Franzmänner die MG.- Nester am Waldrand fluchtartig verlassen und waren in ihre Waldbefestigungen zuruckgeettt.

Jetzt begann der volle Einsatz ^omPanl1!';. . in dem dichten Unterholz nur mühsam vorwärts kam. Der Waldboden war eine einzige lehimge Masse. Ein tückisches Gewirr von Stacheldrahten stellte sich ihnen entgegen, Zerfetzte die Uniformen und riß die Haut an vielen Stellen em. Als die erften Drahtscheren angesetzt wurden schlugen den Angreifern Gewehrsalven entgegen Ban ^en Sei ,-n wurde nun geschossen. D>« Deutschen sahen rft jetzt mehrere gut getarnte Blockhüttenvor sich. Handgranaten schlugen eine Gasse, m Draht sperre, Scheren vervollständigten diese Arbeit. Mit der Maschinenpistol« und einigen gut gelten Handgranaten wurde das Feuer der ersten Hütte zum Schweigen gebracht. In schnellen Sprüngen, Uein Handgranate vor sich werfend, erreich em Feldwebel als erster den Stutzpunkt. Er schrie aus Franziisisch, die Waffen zu strecken und sich zu er geben. Zögernd kam einer nach dem andern

jedem Bataillon die Lage der vordersten besetzten Stellungen in die Karte ein. Longwy selbst liegt weit hinter diesem Vorposten, hinter den Infanteriekompanien und Bataillonsgefechts- ftänb-en. In die Stadt und ihre durch Die alte Zitadelle in mehrere Quartiere verlegte große Fläche ziehen nun die Truppen des Nachschubs, Re­serven, Sanitätskolonnen und Transportkolonnen ein. Auch sie holen noch aus den Häusern hier und tfa ein oder zwei völlig verstörte, auch verwundete Franzosen heraus, die schnell in Gruppen nach hin­ten verschwinden.

Wer von und nach dem Gefechtsvorposten kommt, der passiert auf der höchsten Höhe des Geländes in der Zitadelle Longwy zwei frische Gräber deut­scher Soldaten. Ein Artilleriemajor und einer fei­ner Leute ruhen dort. Beide von der gleichen Gra­nate getroffen in dem Augenblick, als sie im Be­griff waren, an diesem Platz die B-Stelle einzu­richten.

Fast unheimlich wirkt die Ruhe, die nun hinter d e m Talkessel der Chiers über ganz Longwy liegt. Nur ab und zu heult eine einzelne französische Granate aus weiter (Entfernung in das nunmehr deutsche Hinterland. Die Gewehrschüsse sind verhallt. Der geworfene Gegner ist im Augen­blick zu keiner Anstrengung mehr fähig und scheint zermürbt von den letzten Tagen und Stunden. Im Gefühl der absoluten Ueberlegenheit nehmen unsere Soldaten die Stellungen ein, die die Bataillons­und Kompanieführer erkundeten, für die Stimmung der Truppe spricht deutlich die Tatsache, daß so mancher Mann mit leichter Verletzung und frischem Verband bei den Kameraden blieb, um dort zu fein, wo er hingehört in dieser Stunde: Arn Feind.

Die Grenze kurz vor Longwy ist durch eine be­sonders große, jetzt teigartig mit Wasser gefüllte Sprengung gekennzeichnet. Vielleicht haben dort noch Belgier mit Franzosen zusammen versucht, den würgenden deutschen Angriff auf Longwy ab­zuwehren. In vielen weggeworfenen Tornistern in Longwy findet man Bändchen in den belgischen Farben. Aber erst, wenn die noch unübersehbare Brüte gesichtet ist, wird man die Leistung der Truppe erkennen können. Hartmuth Merleker.

PK. Aus den Ruhestellungen ist die Marschgruppe plötzlich unaufhaltsam nach Westen vorgedrungen. Seit fünf Stunden donnern wenige Kilometer vor uns die Granateinschläge aus den nächsten bel­gischen Befestigungswerken. Keine fünf Minuten vergehen ruhig, und dazwischen knallen die Deto­nationen, die leicht als Sprengungen drüben, noch bei den belgischen Truppen, zu erkennen sind. In einem Wäldchen, zwischen grünen Weidekoppeln, sind die Fahrzeuge der Fernsprechkompanie einerNachrichten - Abteilung in Flieger­deckung aufgefahren, vom Waldrande aus über­schattet das Auge weit, weit Täler und Höhen, mit dem Fernglas erkennt man unschwer die Granat­einschläge, wo die Erdfontänen auffpritzen, während vor, neben und hinter uns der Vormarsch der Trup­pen weiterrollt. Ein Fernsprecher der Nachrichten- Abteilung blickt nachdenklich über die schöne Wald- und Weidelandschaft, die zum Schlachtfeld wird, be­sinnt sich einen Augenblick und sagt:Vielleicht sind wir morgen früh schon weiter, als wir jetzt sehen können." Er war mit dabei, als die vorderste Spitze dieser Marschgruppe die Grenze überschritt und seine Worte lassen noch einmal lebendig werden, was der Inhalt dieser ereignisreichen Stunden war.

Monatelang Ruhe manchmal dachten wir, wir müßten wirklich langsam verrückt werden. Und jetzt sind wir in Belgien. Ich hatte das Glück, daß ich als einer der ersten Soldaten überhaupt am Freitag über die Grenze kam, zusammen mit der Spitze unserer Infanterie und den Pionieren, die ja in wenigen Stunden Ungeheures geleistet haben. Kaum waren wir über die Grenze gegangen, da sahen wir vor uns schon bie erste Straßen­sperre. Eine meterdicke Mauer. Vom Feind war zunächst nichts zu, sehen. Kurz vor uns erreichte ein Krad.-Fahrer als allererster das Hindernis. Als er dicht davor anhalten wollte, fielen plötzlich von rechts und links neben der Straße Schüsse, der Krad.-Fahrer wurde leicht verwundet.

Die Jnfanteriespitze und wir, die wir ja dazuge­hörten, erkannten nun, daß belgische Solda - te n neben dem Straßenhindemis in Stellung

Wie die ersten zwanzigBelgier gefangen genommen wurden."

Von den Holländern war diese Brücke bei Maastricht gesprengt worben. Die deutschen Pioniere und Sautrupps hatten jedoch schnell behelfsmäßige Brücken und Stege errichtet, über die der Vormarsch unserer Truppen dann weiterging. (PK.-Titz. Scherl-M.)