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Für Frauen:
Krütnenk^^
10. Fortsetzung
(Nachdruck verboten!)
Kartoffeln, 50 kg 3,70 bis 3,90 RM., Wirsing, gelb, y kg 15 Rpf., grün 15, Weißkraut 14, Notkraut 15 bis 16, gelbe Rüben 12 bis 14, rote Rüben 10 bis 14, Unterkohlrabi 8, Zwiebeln 12 bis 14, Meerrettich 40 bis 75, Schwarzwurzeln 35 Rpf., Feld- falat, kg 2 RM., Aepfel 15 bis 35 Rpf., Birnen 25, Nüsse 65, Salat, 24 kg 3 RM., Endivien, das Stück 15 bis 25 Rpf., Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 20, Rettich 10 bis 20 Rpf.
Oer frühe Ostertermin 1940.
Im Jahre 1940 haben wir den frühesten Ostertermin, der im ganzen 20. Jahrhundert noch beoor- steht. Erst im Jahre 2008, also nach 68 Jahren, fällt der Ostertermin wieder so zeitig. Ein noch früheres Osterdatum als in diesem Jahre hatten wir 1913, den 23. März, auf den auch im Jahre 2008 Ostern fallen wird. Der zeitigste Ostertermin, der überhaupt möglich ist, der 22. März, war seit dem Jahre 1918 nicht mehr da, und er wird auch bis zum' Jahre 2285 nicht mehr wiederkehren. Der 24. März als Ostersonntag, wie er in dieses Jahr fällt, ist aber noch seltener als ein solcher am 22. oder 23. März; das letzte Mal trat der Fall im Jahre 1799 ein, und er wird erst 2393 wrederkeh- ren. In 600 Jahren fällt also Ostern nur in diesem Jahre einmal auf den 24. März. Wenn ein Jahr einen frühen Ostertermin bringt wird er sicher drei Jahre später um so später liegen, was astronomisch begründet ist. So werden wir auch diesmal
dürfen sich auch von einer ganzen Serie von Mißerfolgen nicht kleinkriegen lassen! Sie müssen sich mit der Freude, mit der Sie Ihre liebenswürdigen
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Roman ron fjorfl Biernath.
Donnerstags, 20.30 bis 21.30 Uhr, Schillerstrahe.
Für Männer und Frauen:
Hallensport (insbesondere Hallenspiele) seht Mittwochs, 20.30 bis 21.30 Uhr, Goetheschule. Nicht wie bisher Donnerstags, 18 bis 19 Uhr.
Kinder-Gymnastikkurs ist an einem Nachmittag geplant. Anmeldungen sofort erbeten beim Sportamt.
Neu! Für Frauen und Männer: Schwimmen von 20.30 bis 21.30 Uhr
und 21.30 bis 22.30 Uhr.
Oberheffischer Kunfiverein.
Der Oberhessische Kunstverein eröffnet am morgigen Sonntag im Foyer des Stadttheaters eine Kunstausstellung, die diesmal ganz der Landschaftsmalerei gewidmet sein wird. Die Ausstellung bringt Aquarelle von Rudolf M a t t h i s - Nordenham (Oldenburg) und von Rudolf Poeschmann, einem Dresdner Künstler, dessen Werke schon wiederholt in Gießen gezeigt wurden. Bon Poeschmann werden u. a. auch Landschaftsbilder aus dem Lahntal gezeigt werden, die sicherlich besonderem Inter-
Aus den Gerichtssälen
Strafkammer Gießen.
Der H. R. aus Stolzenbach, z. Zt. in Unter- suchungshaft, hatte sich wegen Diebstahls und Verführung zu verantworten. Er hatte im Januar 1939 einem Gastwirt in Rudlos eine Selterswasserflasche voll Schnaps, im Juli 10 Zigarren und 1,— RM. aus einem Gebäude mittels Einbruchs und Em- steigens entwendet und Ende Juli oder Anfang August einem Schüler in Rudlos eine Armbanduhr im Werte von 60,— RM. entwendet. Der Ange- klagte hat auch ein unbescholtenes Mädchen unter 16 Jahren verführt. Er war in vollem Umfang geständig.
Der Anklagevertreter beantragte eine Gejamt- gefängmsstrafe von einem Jahr und Anrechnung der Untersuchungshaft. Der Angeklagte wurde des Diebstahls in 2 Fällen und des schweren Diebstahls, sowie der Verführung schuldig erkannt und zu einer Gesamtgefängnis st rase von achtMo- n a t e n, abzüglich zwei Monate und zwei Wochen Untersuchungshaft, verurteilt. Strafmildernd wur- den die Jugend, die seitherige Unbestraftheit und das Geständnis des Angeklagten berücksichtigt.
Frage zu stellen, die eigentlich eine Anmaßung ist und über das gestattete Frage-und-Antwort-Spiel einer Vierundzwanzigstundenbekanntschaft hinaus- schießt... Nun, ich habe es niemals einsehen können und sehe auch in diesem Augenblick keinen Grund, weshalb man bei einem auch nur flüchtigen Bekanntsein mit einem Menschen durchaus blödsinnige Bemerkungen über das Wetter machen muß, um als Mann von Lebensart zu gelten!"
Sie blickte auf den Schnittpunkt des Fensterkreuzes, das sich scharf gegen den gläsernen Himmel abhob. „Auch der beste Mut schrumpft ein, wenn der Erfolg allzulange auf sich warten läßt!"
Der Doktor brachte den Stuhl in die richtige Lage, schob seiner Patientin einen Wattebausch unter die Lippe, betupfte das Zahnfleisch mit einer Aether- lösung, fuhr mit der Luftdusche darüber hin und setzte den Bohrer in Gang. „Nein, nein", sagte er, während er zu arbeiten begann, „Ihre Mutlosigkeit hat eine tiefere Ursache als den Mangel an äußerem Erfolg. Mir fällt Ihr Mangel an Selbstvertrauen auf..." El> operierte dabei mit äußerster Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt weiter. „Merkwürdig! Als ich Sie vorhin wiedersah, ließ ich mich durch diesen etwas männlichen Zuschnitt, den die Frauen augenblicklich in ihrer Kleidung bevorzugen, täuschen... Sehen Sie, Sie wissen genau, daß ich Ihnen das Erlebnis mit meiner kleinen Patientin nicht erzählt habe, um Ihnen ein Kompliment zu machen. Und ich traue Ihnen Menschenkenntnis genug zu, um mir anzusehen, daß ich nicht vor Dingen ein Entzücken heuchele, die mich innerlich kalt lassen. Wem täte ich auch schon einen Gefallen damit? Ihnen ganz gewiß nicht und mir noch weniger, da ich es als eine Verantwortungslosigkeit ansehen würde, einen Menschen auf einem Irrweg weiterzuschicken ... Einen Augenblick noch! Ich wechsle sofort den Bohrer aus, bann sind Sie an der Reihe... Ich wollte nur noch etwas hinzufügen: Ich bin ein wenig gekränkt, daß Sie sich von der Ansicht eines Idioten, Ihre Puppen wären nichts für Kinder, einschüchtern lassen, und aus meinem Gegenbeweis keinen Mut schöpfen. Glauben Sie mir: Ich wäre nicht so gesprächig, wenn ich von dem Wert Ihrer Arbeiten nicht überzeugt wäre. Sie
schweren Krieges hinaustreten ins Leben, dann sollen sie an das Wort denken:
„Was ohne Kampf sich dir enthüllt, was sonder Mühn dein Sehnen stillt, führt nicht dem Glück entgegen. h.
Neuaufnahmen im Deutschen Jungvolk
Zum Geburtstag des Führers werden, wie alljährlich, alle zehnjährigen Jungen in das Deutsche Jungvolk aufgenommen.
Zum 2 0. April kommen zur Aufnahme: 1. Alle Jungen, die an Ostern vom 4. ins 5. Schuljahr versetzt werden (Schuljahrgang 1929/30). 2. Alle Jungen, die dem Schuljahrgang - 1928/29 angehören und aus irgendwelchen Gründen im vergangenen Jahr nicht ausgenommen mürben. 3. Alle Jungen im entsprechenden Alter aus den freigemachten Westgebieten.
Zurückstellungen: Auf Antrag des gesetzlichen Vertreters können auf die Dauer von einem Jahr zurückgestellt werden: Alle Jungen, die in ihrer körperlichen Entwicklung erheblich zurückge- blieben sind. Vollständig vom Jungvolkdienst werden befreit: Alle Junaen, die für den Jungvolkdienst völlig untauglich sind (z. B. Schwachsinnige ufw.). Zu dem Aufnahmeappell ist in diesen Fallen von bm gesetzlichen Vertreter ein ärztliches Attest vorzulegen. In Zweifelsfällen wird eine Entscheidung des zuständigen HI.-Arztes herdeigeführt.
Aufnahmegebühr: Zum Aufnahmeappell hat jeder aufzunehmende Junge 10 Rpf. als Aufnahmegebühr mitzudringen.
Termin des A u f n a h m e a p p e l l s für Gießen-Stadt: Der Aufnahmeappell für Gie- ßen-Stadt findet am Donnerstag, 21. März, in der Goetheschule, Horst-Wessel-Wall, um 10 Uhr vormittags, statt. Erscheinen aller Jungen vst Pflicht!
Für alle anderen Fähnlein des Jungbannes Wetterau (116) werden die Termine für die Aufnahmeappelle den örtlichen Verhältnissen ent- sprechend festgelegt und ortsüblich bekanntgegeben.
Der K.-Führer
des Bannes und Jungbannes Wetterau (116). (gez.) Siegmund, Hauptgefolgschaftsführer.
Deutsches Zrauenwerk.
Ortsgruppe Gießen-Mitte. Am Mon« - tag, 18. März, findet um 20.15 Uhr, im „U. C", .Plockstraße, Nebeneingang, der Gemeinschaftsabend 'der Ortsgruppe Mitte statt.
Abt. Mütter dienst. Am Mittwoch, 27. März, 15.30 Uhr, beginnt in der DAF., Schanzenstraße, ein Kurs für Gefundheits- und häusliche Krankenpflege. Anmeldungen auf der Kreisgeschäftsstelle der NS.-Frauenschaft, Frankfurter Str. 1. — Die Sprechstunde der Abteilungsleiterin für den Mütterdienst findet jeden Montag von 9 bis 12 Uhr und 15 bis 17 Uhr, in der Frankfurter Str. 1, Kreisgeschäftsstelle der NS.-Frauenschaft statt.
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Achtung! & b Sport.
Sportamt Delterau. Schanzenstratze 18.
Der Otto Seipel aus Wingertshausen, z. Z. in Untersuchungshaft, und seine Ehefrau hatten sich wegen Diebstghls bzw. Hehlerei zu verantworten. Der Ehemann hatte im September und dann wieder im Dezember 1939 in Eichelsachsen an zwei verschiedenen Stellen Wäsche, die im Freien zum Trocknen aufgehängt war, gestohlen. In der gleichen Weise beging er in Eichelsachsen einen Wäschediebstahl. Seine Diebereien führte er unter Ausnutzung der Verdunkelung aus. Die Ehefrau hatte die von ihrem Mann gestohlenen zahlreichen Wäschestücke, von denen sie wußte, daß sie mittels nächtlichen Diebstahls erlangt waren, an sich gebracht bzw. verheimlicht. . .....
Die Angeklagten waren im wesentlichen geständig. Der Anklagevertreter beantragte, dem Ehemann unter Anrechnung der Untersuchungshaft zu einer Gesamtzuchthausstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, die Ehefrau zu einer Gesamtgefängnis« strafe von sechs Monaten zu verurteilen. Der Ehemann erhielt wegen Diebstahls und Verbrechens nach § 2 der Verordnung gegen Volksschädlinge vom 5. 9.39 eine Gesamtzuchthausstrafe von einem Iahr und sechs Monaten, abzüglich ein Monat und 15 Tage Untersuchungshaft, dis Ehefrau wegen Sachhehlerei unter Freisprechung im übrigen eine Gefängnisstrafe von einem Monat. Straferschwerend wurden die Vorstrafen des Angeklagten und der Umstand, daß Wäschestücke jetzt nur gegen Bezugsschein zu erhalten sind, strafmil- dernd dagegen die zahlreiche Familie des Angeklagten und der verhältnismäßig geringe Wert in Betracht gezogen.
in drei Jahren ein Osterfest am fpätest möglichen Termin, am 25. April, erleben. .
Die von Jahr zu Jahr wechselnden Ostertermme folgen einem 19jährigen Turnus, da die Stellung von Sonne und Mond zueinander ungefähr nach Ablauf eines solchen Zeitabschnittes wieder die gleiche ist. Die Ostertermine weisen daher auch eine 19jährige Periode auf, mit ihnen natürlich auch die Termine des Himmelfahrts- und Pfingstfestes, die von ihnen abhängen. Teilt man eine beliebige Jahreszahl des 20. Jahrhunderts durch 19, so kann man aus der verbleibenden Restsumme erkennen, in welche Woche das Osterfest in diesem Jahre fallt. Man hat dafür eine Tabelle aufgestellt, aus der hervorgeht, daß alle Jahre, die eine Restzahl 2 ober auch 13 ergeben, durch ein besonders frühzeitiges Osterfest ausgezeichnet sind, wahrend die Jahre mit den Restzahlen 5 oder 16 die spätesten Ostertermine aufweisen. *
** Schulentlassungsfeiern. Am Don- nerstag wurden die Kinder des letzten Schuljahres der Schillerschule im Rahmen einer schlichten Feier entlassen. Die Eltern nahmen zahlreich daran teil. Nach Musik und nach einem gemeinsamen Lied brachten die Schülerinnen und Schüler Gedichte und Lieder zum Vortrag, die von der engen Verbundenheit des einzelnen mit Volk und Heimat kündeten. Rektor Stroh gab den scheidenden Kin- dern herzliche Ermahnungen mit auf den Lebensweg. — In ähnlicher Weise fand auch eine Entlassungsfeier für die Schüler der neuen Pestalozzi- schule statt. Lieder, Gedichte und Zwiegespräche, in denen die Tugenden, Pflichterfüllung, Treue und Mut zum Ausdruck'kamen, wechselten miteinander ab. Rektor Müller hielt eine kurze Ansprache. Durch Handschlag wurden die Schülerinnen und Schüler zur Treue zu Führer und Volk verpflichtet. Jedes Kind der beiden Schulen erhielt ein Gedenk- blatt zur Erinnerung an die Schulzeit.
Aus der engeren Heimat.
Ratsherrensitzung in Alsfeld.
△ Alsfeld, 15. März. In der Sitzung der Ratsherren stand zunächst die Gebührenordnung für den st äd tischen Schlachthof für das Rechnungsjahr 1940 zur Beratung. Im Hinblick auf die Zeitverhältnisse wurde beschlossen, für das Rechnungsjahr 1940 die gleiche Einheitsgebühr fest- zufetzen, wie für das Rechnungsjahr 1939. Diese beträgt für Großvieh 6,80 RM. für ein Stück; für Schweine 4,15 RM. für ein Stück für die ersten 10 Schlachtungen wöchentlich; 3,15 RM. für ein Stück für alle weiteren Schlachtungen über 10 Stück wöchentlich; für Kälber 1,75 RM. für ein Stück; für Schafe, Ziegen 1,50 RM. für ein Stück; für Lämmer, Ferkel 0,50- RM. für ein . Stück. Für Schlachtungen, welche außerhalb der festgesetzten Zeiten vorgenommen werden, wird die doppelte Gebühr erhoben.
Hinsichtlich der Festsetzung des Wassergeldes für das Rechnungsjahr 1940 wurde von der Verwaltung beantragt, wie bereits in den Vorjahren, einen 50%igen Zuschlag zu erheben. Der Vorsitzende gab seine Entschließung dahin kund, daß für das im Rj. 1940 zur Erhebung gelangende Wassergeld nach Einschätzung und Wassermesser wieder ein Zuschlag von 50 v. H. erhoben wird.
Von besonderer Bedeutung für die, städtischen Belange war der Ankauf des Gewerbeschulgebäudes durch die Stadt Alsfeld. Dieses steht zur Zeit im Eigentum der Kreishandwerkerschaft des Kreises Alsfeld-Lauterbach. Auf Grund der mit der Handwerkskammer, als Aufsichtsbehörde der Kreishandwerkerschaft, geführten Verhandlungen ist diese bereit, einem Verkauf des Gewerbeschulgebäudes an die Stadt Alsfeld unter den folgenden Bedingungen ihre Genehmigung zu erteilen: Der für das Grundstück zu zahlende Kaufpreis beträgt 20 000,— RM., zuzüglich des Betrages der derzeitigen hypothekarischen Belastung des Anwesens mit 24 720,— RM. Die Hypothekschuld wird durch die Käuferin übernommen. Der Betrag von 20 000 RM. ist durch Zahlung eines Betrages von jährlich 1000 RM. auf die Dauer von 20 Jahren an die Kreishandwerkerschaft Alsfeld - Lauterbach zu entrichten. Die Kreishandwerkerschaft verpflichtet
Tätlicher Angriff auf einen Strafanstaltswachtmeister.
Neun Jahre Zuchthaus und Sicherungsverwahrung.
LPD. Frankfurt a. M., 15. März. Das Son- dergericht Frankfurt verhandelte gegen ben ®eorg Riedler aus Bad Reichenhall wegen Diebstahls, Betrugs, Widerstandes und tätlichen Angriffs, gegen einen Beamten unter Ausnutzung ber gur Abwendung gegen Fliegergefahr getroffenen Maßnahmen. Der zuletzt mit vier Jahren Gefängnis vorbestrafte Angeklagte verübte in der Hauptsache Zechprellereien und Kraftraddiebstähle. Er trug dabei ein Parteiabzeichen, das sich an einem von ihm gestohlenen Mantel befunden hatte. Im vorigen Jahr wurde er in Wetzlar verhaftet, als er einem angetrunkenen Gast in einer Wirtschaft die Börse mit 200 RM. Inhalt gestohlen hatte. Am Abend des 19. Oktober klopfte er an die Zellentur des Haftlokals in Wetzlar und bat den 63jahrigen Wachtmeister, sich frisches Wasser holen zu dürfen, was ihm gestattet wurde. Als er sich auf dem Rückweg zur Zelle befand, goß er plötzlich dem Beamten Wasser ins Gesicht. Der Krug ging dabei in Stucke. Der Angeklagte kam mit dem Beamten ms Ringen, und beide kämpften am Boden miteinander, wobei der Angeklagte versuchte, dem Barnten die Kehle zuzudrücken. Der Beamte bekam Fausthiebe. Es gelang, den Täter zu überwältigen, der es auf Flucht abgesehen hatte und der früher schon zweimal aus Strafanstalten entwichen war. Wie sich ergab, hatte er auch jetzt in seiner Zelle daran gearbeitet, das Fenstergitter durchzufeilen. Das Ge- richt verurteilte den schon seit seinem 16. Lebensjahr kriminellen Angeklagten, der heute in den zwanziger Jahren stecht, zu neun Jahr en Zuchthaus, acht Jahren Ehrverlust und S i ch e - rungsverwahrung.
Falscher Eintrag im Ahnenpaß.
Fünf Alonake Gefängnis wegen schwerer Urkundenfälschung.
LPD. F r a n k f u r t a. M., 15. März. Das Amtsgericht Frankfurt verurteilte einen Angeklagten wegen schwerer Urkundenfälschung zu fünf M o - naten Gefängnis. Der Beschuldigte bemühte sich um eine Anstellung bei der Partei und war im Besitz eines Ahnenpasses, den er vorlegen mußte und der ihm angeblich zu unsauber war, da er bereits 1935 ausgestellt wurde. Er sandte seine Frau zum Standesamt, um sich auf Grund des alten Passes einen neuen ausstellen zu lassen. Auf diesem neuen Paß nahm nun der Angeklagte eine Aende- rung vor, indem er in der Rubrik „Großvater: unbekannt" einen Namen einfügte, so daß man an« nehmen konnte, es handle sich um seinen Großvater. Das Gericht zog den Paß ein.
einsetzen! Jawohl!" Der Doktor stellte die Bohrmaschine ab und reichte seiner Patientin das Mundwasser. „Ich fürchte fast, daß ich als Zahnarzt bedeutend erträglicher bin als Redner..."
„Das ist wirklich schwer zu entscheiden, wenn Sie in beiden Eigenschaften gleichzeitig auftreten; aber ich möchte doch dem Redner den Vorzug geben. Man hat da immerhin den Trost der Waffengleichheit. Noch schöner freilich wäre es, wenn Sie mir gestatteten, meine Erwiderung ebenfalls mit der Bohrmaschine in der Hand zu unterstützen!" Die kleine lustige Flamme in ihren Augen erlosch.
Der Doktor lächelte flüchtig und wartete geduldig.
„Ich bin nicht etfolgsgierig", sagte sie stockend, „und es fällt mir auch nicht schwer, meinen Lebens- Hunger auf später zu vertrösten und ihm vorläufig ein Buch aus der Leihbibliothek oder ein Radiokonzert aus der Wohnung nebenan oorzufetzen ... Aber man braucht doch ab und zu eine Bestätigung dafür, daß man feine Zeit und feine Arbeit nicht in den leeren Raum gelenkt hat. Und wenn man nun monatelang formt und bildet, ohne daß eine Menschenseele von dieser Arbeit auch nur Kenntnis nimmt, wenn man tagelang herumläuft und immer ' wieder abgewiesen wird und schließlich eine Arbeit nur deswegen anbringt, weil man den Leuten allmählich lästig fällt — nun, bann kommen eben die Stunden häufiger, in denen man sich fragt, ob das, was man tut, überhaupt eine Arbeit ober nur eine müßige Spielerei fei unb man nicht lieber rasch, solange es noch Zeit ist, einen vernünftigen Beruf ergreifen solle, anstatt sich an Dinge zu hängen, für die man nicht einmal die Entschuldigung Vorbringen kann, daß sie notwendig wären."
„Sind Sie jetzt fertig?" fragte der Doktor und zwängte einen neuen Wattebausch zwischen die Pinzette.
„Ungefähr. Oder so weit wenigstens, wie man über Dinge sprechen kann, die sich mit Worten nur sehr schwer ausdrücken lassen."
„Aha!" sagte der Doktor. Es schien seine Lieb- hngsbemerfung zu sein, und er hatte es zu einer wahren Meisterschaft in der Ausdrucksmöglichkeit dieser drei bescheidenen Buchstaben gebracht. Dieses .Mal besagte sein Aha etwa, daß er sich noch ein wenig mit dem Fall beschäftigen müsse, um ein endgültiges Urteil darüber fällen zu können.
(Fortsetzung folgt.)
Nervs gegen das Zahnbein. „Nun, tut das weh?" „Es ist unangenehm, aber es verursacht keinen eigentlich Schmerz."
„Sehr gut! Dann werde ich Ihnen heute noch eine Einlage machen; das nächftemal kann ich bann schon die Füllung vornehmen ... Heute muß ich Sie leider noch ein wenig quälen, aber ich verspreche Ihnen, daß es nicht schlimm sein wird."
Er reichte ihr das Wasserglas und drehte sich zur Seite, um den Bohrer zusammenzufetzen. Dann wärmte er das Ansatzstück der Luftdusche über der Spiritusflamme an.
Renate Naumann folgte feinen ruhigen Handgriffen, ohne ihm eigentlich auf die Finger zu schauen.
Der Doktor drehte sich halb um: „Uebrigens hat meine Behauptung, Ihre Puppen fänden gerade bei Kindern ihren stärksten Beifall, gestern schon ihre Bestätigung erhalten. Ich batte gestern nachmittag einen kleinen Patienten, ein Mädeichen von sieben oder acht Jahren, eine schreckliche kleine Heulliese und in der Furcht norm Zahnarzt erzogen. Der Mutter gelang es weder mit Beschwörungen noch mit Droyungen, den Fratz über die Schwelle meines Sprechzimmers zu bringen ... Nun, und dann hat Kasimir dieses Wunder einfach spielend fertiggebracht. Ndit Kasimir im 2frm kletterte das kleine Fräulein freiwillig auf den Operationsstuhl und gab während der langen und ziemlich schmerzhaften Behandlung nicht einen einzigen Muckser von sich. Tränen gab es erst wieder, als es ans Abschiednehmen ging. Und Sie werden mir zugeben müssen, daß Abschiedstränen im Sprechzimmer eines Zahnarztes nicht gerade zu den Alltäglichkeiten gehören!"
Renate Naumann sah ihn mit einem kleinen Lächeln an: „Sie haben neulich soviel Phantasie gezeigt, Herr Doktor, daß ich davon überzeugt bin, Ihre kleine Patientin ist weniger von Kasimir als von Ihren wunderbaren Räubergeschichten begeistert gewesen ..."
Der Doktor wandte mit einer kurzen, scharfen Drehung den Kopf voll zu ihr hin. „Weshalb sind Sie eigentlich so mutlos?" fragte er fast ärgerlich.
Sie zögerte einen Augenblick lang mit der Antwort.
esse begegnen dürsten. Rudolf Matthis stellt zum erstenmal in Gießen aus.
Oer „Tag der Wehrmacht^ in Gießen.
Gemeinsam mit der Wehrmacht sammeln heute und morgen am „Tag der Wehrmacht" die Kameraden der NSKOV., des NS.-Reichskrieaerbundes, des Reichstreubundes ehemaliger Berufssoldaten, das Deutsche Rote Kreuz usw. für das Kriegs- Winter Hilfswerk.
Der morgige Sonntag bringt neben der Sammlung das Feldküchenessen, bei dem es Erbsen mit Speck geben wird. Von 10 Uhr ab werden Feldküchen in den Straßen zur Essenausgabe be- reitstehen, daneben wird aber auch Gelegenheit zum Gemeinschastsessen gegeben sein. (Vergl. unseren gestrigen Bericht.) Von 11 bis 12 Uhr findet Platzmusik eines Musikkorps der Wehrmacht in der Anlage an der Plockstraße statt, dem sich von 12 bis 13 Uhr • ein Konzert bei dem gemeinsamen Essen auf Oswaldsgarten anschließen wird. Von 10 bis 17 Uhr kann man auf dem Land graf-Philipp- Platz und im Hof der Zeughauskaferne an mancherlei Unterhaltungsveranstaltungen teil* nehmen.
Gießener Wochenmarktpreise.
* G i e ß e n , 16. März. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, Vi kg 1,80 RM., Matte 25 Rpf., Käse, das Stück 6 bis 10 Rpf.,
Der Doktor errötete leicht, aber er sah eher gereizt als verlegen aus. „Natürlich denken Sie jetzt", ..... — u-----, ..... --- — —---------o—
fiel er rasch ein, „wie ich dazu komme, Ihnen eine 1 kleinen Schöpfungen entstehen lassen, auch für sie
„Nun, wie ist es Ihnen inzwischen ergangen?" fragte er, während er sich die Hände wusch und ein Glas mit lauwarmem Wasser füllte. „Haben sich die Schmerzen gelindert? Oder--?"
„Ich spüre nichts mehr", antwortete sie vom Operatio^sstuhl aus, wo sie inzwischen Platz genommen hatte.
Der Doktor stellte das Wasserglas in den Ring- Halter neben das Becken hin und wandte sich den Instrumenten zu. „Haben Sie übrigens schon Kasimir bearützt?" lächelte er.
Der kühne Räuber saß mit übercinanberge schlage - nen Beinen auf der Fensterbank. Er lehnte sich mit dem Rücken gegen den Mauervorsprung, kratzte sich mit der Hand das Knie und sah zufrieden und vergnügt aus. Ein kleiner Maßkrug aus Steingut stand neben ihm und schien der Grund seiner Heiterkeit zu sein.
,Er ist leider ein notorischer Trinker!" äußerte der Doktor bedauernd. „Heute nacht hat er sich so be- pichelt, daß er von der Fensterbank gefallen ist und seinen Rausch auf dem Fußboden ausgeschlafen hat. Aber er hat eiserne Knochen. Jeder andere hätte sich bei diesem Sturz das Genick gebrochen."
Renate Naumann blieb stumm. Es mar, als sei über die flüchtige Wärme des Augenblicks wieder Eis gezogen, und in ihrem Blick stand eine Nachdenklichkeit, als frage sie sich ein wenig beschämt, wie sie damals den Mut dazu gesunden habe, dem Doktor dieses törichte kleine Geschenk zu machen, das so wenig in diesen hellen, nüchternen Raum paßte. Des Doktors Worte klangen ihr etwas gewaltsam lustig, und sie meinte, ihm eine jener Gaben gespendet au yaben, die man immer dann hervorholt und recht augenfällig auslegt, wenn man den Spender erwartet.
„Also —", sagte der Doktor und näherte sich mit einem häkelhakenähnlichen Instrument, „nun wollen wir uns den Herrn Zahn mal wieder ansehen!" Er löste mit ein paar raschen Griffen den Zementver- schluh und spießte die Einlage sorgfältig auf. Dann drückte er mit dem Haken in das kleine Füllungsloch hinein und klopfte leicht in der Richtung des


