Nr. 65 Zweites Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
16./17. März
An
Hier erhältst du die natürlichen Mittel für die Frühjahrskur.
knospe Blatt am Strauch, hin in Vergessen, hin in tausendmal ersehnte Wandlung getaucht.
Zehnmal und hundertmal noch wirst du mich wieder einfangen, bezaubern und einkerkern. Welt der Worte, Welt der Meinungen, Welt der Menschen, Welt der gesteigerten Lust und der fiebernden Angst. Tausendmal wirft du mich entzücken und erschrecken, mit Liedern am Flügel gesungen, mit Zeitungen, mit Telegrammen, mit Todesnachrichten, mit Anmeldeformularen und all deinem tollen Kram, du Welt voll Luft und Angst, holde Oper voll melodischen Unsinns! Aber niemals mehr, gebe es Gott, wirst du mir ganz verloren gehen- Andacht der Vergänglichkeit, Passionsmusik der Wandlung, Bereitschaft zum Sterben. Wille zur Wiedergeburt. Immer wird Ostern wiederkehren, immer wieder wird Lust zur Angst, Angst zur Erlösung werden, wird ohne Trauer mich das Lied der Vergänglichkeit auf meinen Wegen begleiten, voll Ja, voll Bereitschaft, voll Hoffnung.
Programm, das der Goethe-Bund für diese Woche vorsieht, steht allerdings noch nicht in allen Einzelheiten fest. Für Freitag, 5. April, ist eine literarische Feierstunde vorgesehen, in deren Rahmen der Literaturhistoriker Dr. Reinhard B u ch w a l d über das Thema „Schiller und die Gegenwart" sprechen wird. Für Samstag, 6. April, sieht der Goethe-Bund eine Abendveranstaltung vor, für die die Verpflichtung der mitwirkenden Kräfte allerdings noch nicht abgeschlossen ist.
Auch der Oberhessische Kun st verein wird voraussichtlich mit einer besonderen Ausstellung hervortreten, so daß sich die „Woche für Kunst und Schrifttum" zu einer umfassenden Gesamtschau des kulturellen Lebens in unserer Stadt gestalten wird.
Die „Woche für Kunst und Schrifttum" steht unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Ritter, der auch in den vergangenen Jahren dieser Kulturveranstaltung sein regstes Interesse zu- wandte und ihm alle Förderung zuteil werden ließ.
Dann aber hatten wir keine Zeit mehr, unseren Gedanken nachzuhängen. In großen Sprüngen arbeitete sich unsere Kompanie vorwärts und lag bald in der Feuerlinie. Es war unser erstes Gefecht und unsere Feuertaufe. Jeder hatte mit sich zu tun, um über die ersten Erlebnisse des Kampfes Hinwegzukommen. Bald aber taten wir, es denen, die schon seit Stunden im Feuer lagen, gleich. Wie auf dem Exerzierplatz gingen die Web len des Angriffs vor. Der Gegner, bereits stark ermüdet und durch die Niederlage bedrückt, ließ in seinem Kampfeseifer nach. Langsam wich er zurück.
Nur am linken Flügel der Kompanie leistete der Feind noch erheblichen Widerstand. Was dort im einzelnen vorging, konnten wir indessen nicht beobachten, da eine Bodenwelle uns die Einsicht versperrte. Plötzlich erklang das Angriffssignal. Wir pflanzten das Bajonett auf und unter dem brausenden Hurra der vorwärtsstürmenden Kompanie wendete sich der Gegner zur Flucht. Wir hatten gesiegt. Ein ungeheurer Jubel packte uns alle.
Eine Stunde später hatte sich die Kompanie wieder gesammelt. Wir hatten keine Toten zu beklagen. Nur einige Schwerverwundete wurden auf den Bahren bei Sanitätsmannschaften zurückgetragen. Unter den Schwerverwundeten befand sich auch Unteroffizier Brinkmann. Drei Kugeln hatten ihn getroffen, als er am linken Flügel der Kompanie mit dem Feinde in härteste Bedrängnis geraten war. Bald erfuhren wir auch, warum gerade nm linken Flügel der Kompanie der Gegenstoß des Feindes am heftigsten gewesen mar. Konnte der Feind seinen Rückzug auch nicht mehr aufhalten, so wollte er dennoch b i e beutsche Fahne an sich reißen. Fast wäre es ber Uebermacht bes Feinbes an biefer Stelle gelungen. Da aber, war bie Gruppe Brinkmann herangestürmt unb unter bem Einsatz ihres Führers war es gelungen, bem einbrechenben Feinbe Wiberstand zu leisten.
Nach vielen Wochen kehrte Unteroffizier Brinkmann, von einer schweren Verwundung geheilt, zu unserer Kompanie zurück. Das eiserne Kreuz schmückte seine Brust. Als wir eines Abends in ber rückwärtigen Stellung am Wachtfeuer faßen, kamen wir auf unser erstes Gefecht zu sprechen. Unb in biesem Gespräch sagte Brinkmann, ber inzwischen zum Dizefeld wedel befördert war, indem
Mit vereinter Kraft
Don Ernst Eimer.
Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!
„Woche für Kunst und Schrifttum"
Sonntag, 2 4. März, 1. Feiertag: Neueinstudierung „Der Freischütz", romantische Oper in 5 Bildern von Carl Maria v. Weber. Musikalische Leitung: -Paul Walter. Spielleitung: Hans Geißler. Außer Miete!
Montag, 25. März, 2. Feiertag: „Der Graf von Luxemburg", Operette in 3 Akten von Franz Lehär. Musikalische Leitung: Richard Boeck. Spielleitung: Harry Grüneke. Außer Miete!
„Der letzte Sprung des alten Löwen."
Der Goethe-Bund und ber Kaufmännische Verein Gießen veranstalten in Arbeitsgemeinschaft mit ber Volksbilbungsstätte Gießen ber NS.-Gemeinschaft „Kraft burch Freube" am nächsten Dienstag in ber Neuen Aula ber Universität einen Vortragsabenb bet auch in Gießen bekannten Dr. Leonharb Blaß mit bem Thema: „Der letzte Sprung bes alten Löwens Dichtungen, Briefe unb Dokumente über Englanbs Spiel mit ben Völkern." In biesem Vortrag wirb bas Wesen bes Englänbers im Verlauf feiner Geschichte aufgezeichnet.______________
Schulentlassung.
In diesen Tagen verlassen Tausende von Kin» dem die Schule und das schützende Elternhaus, um die ersten Schritte in eine neue Welt zu wagen, um die ersten Steine zum Grund ihres Lebensgebäudes zu legen.
In einer schlichten Feier werden sie sich noch einmal in dem vertrauten Schulsaal, der ihnen jahrelang eine zweite Heimat war, versammeln» Sie werden noch einmal im Kreise ihrer Mit- schüler sitzen und nach ihrem Lehrer schauen. Ihre Augen glänzen, und ihre Herzen sind froh; denn sie sind ber Meinung, daß ber Zwang nun vorüber unb bas Leben viel freier und schöner sei. Es ist gut so, baß unsere Jugend mit diesem Frohgefühl die Schule verläßt, unb bie letzten Tage in der Schule sollen nicht im Zeichen ber Trauer stehen, sondern es sollen Freubentage sein.
Manchem Lehrer wird bei diesem Abschied das Herz schwer, wenn er daran denkt, wie oft bis
ein schöner Beruf.
tifdjer Art. Ein Gärtner muß auch kaufmännisch denken lernen unb wirtschaften können. Der Gärtner lebt in enger Wechselbeziehung mit der Wissenschaft, mit ber Biologie, mit ber Botanik. Der Gärtner steht in schöner und unmittelbarer Beziehung zum Leben der Pilanze. Er hat es nicht mit toter Materie zu tun. Wer bie Natur liebt und sich von ihr angesprochen fühlt, wird im Gärtnetberuf Befrie- bigung finben können.
Ein Gärtner muh bret Jahre lernen. Aber bann besteht für ihn leicht bie Möglichkeit, Reisen zu machen. Er kann, wenn er in guter Lehre staub, überall arbeiten. Selbst Auslanbsreisen finb möglich. Verschobene junge Gärtner unserer Stabt haben schon im Auslanb ihre Kenntnisse erweitert. Ebenso wie auch schon auslänbische junge Gärtner verschiedentlich in Gießener Betrieben gearbeitet haben. Selbstverstänblich gibt es auch Gärtner- Fachschulen, bie einem jungen strebsamen Menschen vieles zu vermitteln vermögen. Sechs Jahre nach ber Ablegung ber Gehilfenprüfung (unter Anrechnung ber Arbeits- unb Wehrdienstpflicht) kann ber Gärtner bie Meisterprüfung ablegen unb erwirbt bamit gleichzeitig bie Lehrberechtigung. Wer höher hinaus will im Beruf, wer auf einer höheren Schule bas Reifezeugnis erworben hat, kann sich bem Stubium bes Gartenbaues an ber Universität Berlin mibmen.
Man sieht, baß auch dieser Beruf reiche Möglichkeiten einer Entwicklung bietet unb außerbem zur Selbstänbigmachung führen kann. Eine schöne Aufgabe erwächst aber auch schon bemjenigen, ber Leiter einer größeren Gärtnerei fein unb bamit auch eine größere Verantwortung übernehmen will. Als Grunblage barf gesagt werben, baß auch in Gießen bie Möglichkeiten günstig finb, ben Beruf bes Gärtners zu erlernen.
Die Fahne.
Es war im August 1914. Bis zur britten Nach- mittagsftunbe hatte unsere Kompanie unweit eines belgischen Dorfes zur Verfügung ber Brigabe m Reserve gelegen. Jetzt würbe auch unsere Kompanie eingesetzt. Zwar war bie Hauptkraft bes Feinbes schon gebrochen, bennoch versuchten einige besonbers tapfere Teile bes Gegners ben Rückzug burch verwegen vorgetragene Stöße zu becken.
Wir standen, das Gewehr noch bei Fuß, zum Einsatz bereit, als die Bataillonsfahne vorübergetragen wurde, lieber das Geficht des Unteroffiziers Brinkmann glitt ein leises Lächeln. Wir wußten, was dieses Lächeln zu bedeuten hatte. Unteroffizier Brinkmann, in seinem bürgerlichen Beruf Doktor und Privatdozent ber Philosophie, war ein vorzüglicher Solbat unb als Kamerab bei allen beliebt. Nur eine Aeußevung, bie er vor kurzem getan hatte, hatte uns sehr mißfallen: „Wozu ist in einem Krieg bie Fahne noch nütze? Sie behinbert nur das Dorwärtsftürmen unb ist zuletzt boch nichts anberes als ein Stück buntes Tuch".
An biefe Worte mußten wir benken, als bas leise Lächeln über bas Gesicht bes Unteroffiziers Brinkmann beim Vorübettragen der Fahne glitt
Gang im Frühling.
Don Hermann Hesse.
Jetzt stehen wieder die kleinen klaren Tränen an den harzigen Blattknospen, und erste Pfauenaugen tun im Sonnenlicht ihr edles Sammetkleid auf und zu. Die Knaben spielen mit Kreiseln und Stein- kugeln. Die Karwoche ist da, voll und übervoll von Klängen und beloben mit Erinnerungen an grelle Ostereier-Farben, an Jesus im Garten Gethsemane, an Jesus auf Golgatha, an bie Matthäuspassion, an frühe Begeisterungen, erste Verliebtheiten, erste Jünglings-Melancholien. Anemonen nicken im Moos. Butterblumen glänzen fett am Raube der Wiesenbäche.
Einsamer Wanderer, unterscheide ich nicht zwischen den Trieben und Zwängen meines Innern und dem Konzert des Wachstums, das mich mit taufend Stimmen von außen umgibt. Ich komme aus der Stadt; ich bin nach sehr langer Zeit wieder einmal unter Menschen gewesen, in einer Eisenbahn gesessen, habe Bilder und Plastiken gesehen, habe wunderbare neue Lieder von Othmar Schoeck gehört. Jetzt weht der frohe leichte Wind mir übers Gesicht, wie er über die nickenden Anemonen geht. Und indem er Schwärme von Erinnerungen in mir aufweht wie Staubwirbel, klingt mir Mahnung an Schmerz unb Vergänglichkeit aus bem Blut ins Bewußtsein. Stein am Weg, bu bist stärker als ich! Baum in ber Wiese, bu wirst mich überbauern, unb vielleicht sogar bu, kleiner Himbeerstrauch, unb vielleicht sogar bu, rosig behauchte Anemone.
Einen Atemzug lang spüre ich, tiefer als je, bie Flüchtigkeit meiner Form und fühle mich hinuber- gezogen zur Verwandlung, zum Stein, zur Erde, zum Himbeerstrauch, zur Baumwurzel. An die Zeichen des Vergehens klammert sich mein Durst, an Erde und Wasser unb verwelktes Laub. Morgen, Übermorgen, halb, halb bin ich bu, bin ich Laub, bin ich Erbe, bin ich Wurzel, schreibe nicht mehr Worte auf Papier, rieche nicht mehr am prächtigen Golblack, trage nicht mehr die Rechnung des Zahnarztes in ber Tasche, werbe nicht mehr von gefährlichen Beamten um den Heimatschein gequält: schwimme, Wolke im Blau, fließe Welle im Bache,
einem Frühlingsmorgen spannte ber alte Holler-Wilhelm die Kühe an ben Pflug und fuhr auf den Buchenberg. Vor einigen Tagen noch hatte fein Sohn Christian mit dem treuen Gaul Kastor bie Felder bestellt — aber nun waren beide im Krieg, und die schwere Dauernarbeit ruhte roieber auf ben Schultern des Dreiundstebzigjährigen. Fleißig und ausdauernd wie ein Junger ging Wilhelm auf dem Buchenberg ans Umpflügen, boch der Boden war steinig und vom harten Frost noch spröde, und so kamen die auch des Ziehens noch ungewohnten Kühe nur langsam voran.
Auf dem nahen Nachbarseld zog der achtzehnjährige Wasen-Jörg mit einem munteren Gaul die Furchen durch Land. Dieses Tier griff schon fünfer aus, und um die zehnte Morgenstunde hatte Jörg seinen Acker bereits gestürzt unb fuhr nun wieder
Tageskalender für Samstag.
Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr „Großer heiterer Abend" zugunsten des Kriegs-WHW. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Weißer Flieder". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Rote Mühle".
Tageskalender für Sonntag.
Stadttheater: 19.30 bis 22.30 Uhr: „Die Fledermaus". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Weißer Flieder". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Rote Mühle".
Stadttheater-Spielplan vom 19. bis 25. Alärz.
Dienstag, 19. März: „Der Graf von Luxemburg", Operette in 3 Akten von Franz Lehar. Musikalische Leitung: Richard Boeck. Spielleitung: Harry Grüneke. 24. Vorstellung der Dienstag-Miete.
Mittwoch, 2 0. März: „Der Graf von Luxemburg", Operette in 3 Akten von Franz Lehär. Musikalische Leitung: Richard Boeck. Spielleitung: Harry Grüneke. 24. Vorstellung der Mittwoch-Miete.
Freitag, 22. März (Karfreitag): Keine Vorstellung!
dem Dorfe zu. .
„Den Jungen möchte ich bitten", sann Wilhelm vor sich hin, „jetzt noch zwei Stunden auf meinem Acker mitzupflügen, dann wäre mir5 möglich, heule nachmittag den Hafer darauf zu säen. Aber Jörg wird für sich mehr Arbeit haben, als er schaffen kann — denn auch sein Vater ist doch fort im Feld." Holler überlegte hin und her, wandte sich dann aber wieder seinem Fuhrwerk zu und schwieg.
Kaum war jedoch der alte Bauer am Ackerende angelangt, da schnaubte der Wasen-Gaul nicht seitlich auf den Weg, sondern hinter ihm in der Furche heran. „Wilhelm", grüßte der Jörg, „mein Brauner soll jetzt deinen Kastor einmal vertreten und den Kühen lucytig helfen — dann fliegen bie Schollen auch schneller herum."
„Jörg, es ist recht, daß du hier mittun willst, freute sich der Holler, „meine Beine find auch die Jüngsten nicht mehr, unb die Saat soll doch bald in den Boden. Wenn wir alle zusammenhalten, werden wirs auch in diesem Jahr schaffen — und kein Körnchen bleibt ungejat.
Gärtner werden -
In ben vergangenen Wochen und in biefen Tagen einer notwendigen Entscheidung mußten sich viele Eltern darüber Gedanken machen, was der Junge, der zu Ostern aus der Schule kommt, werden soll. Die Frage dürfte vielen Eltern manches Kopfzerbrechen gemacht haben, die Wünsche des Sohnes selbst konnten auch nicht unbeachtet bleiben, schließlich war es aber auch zweckmäßig unb notwendig, den Berufsberater zu fragen, der Arzt hatte ein Wort mitzuzureden, unb endlich war die Frage zu lösen, zu wem ber Sohn in die Lehre kommen soll. Wenn so viele Faktoren berücksichtigt werben müssen, bann kann eine Entscheidung unter Umstänben sehr schwer sein. An viele Berufe mürbe babei gedacht; viele, bie nun aus ber Schule entlassen werden, spielen mit bem Gedanken, ihren zukünftigen Wirkungskreis in den Gebieten der modernen Technik zu suchen. Soweit bisher festzustellen war, haben sich aber nur wenige Jungen mit dem Gedanken befaßt, daß die Gärtnerei auch einen sehr schönen Beruf darstelle.
Daß der Gartenbau in unserer Stadt nicht etwa ein wirtschaftlich unwichtiger Faktor ist, geht schon aus ber Tatsache hervor, daß es in Gießen allem 25 Gärtnereien verschiedener Größe gibt, lieber 25 Morgen -Canb werden von diesen Gärtnereien bearbeitet. Unter vielen Glasdächern blühen jetzt schon die Blumen. Von ben Gießener Gartenbaubetrieben sind rund 15 mit Lehrberechtigung ausgestattet bie also Lehrlinge aufnehmen können. Im Kreise' Gießen gibt es rund 100 Gärtnereibetriebe. Und in vielen biefer Betriebe könnten ebenfalls Lehrlinge eintreten. .
Die Aussichten im Gärtnerberuf haben sich m den letzten Jahren günstig entwickelt. Die Anfor- berungen an einen zukünftigen Gärtner finb vielseitig und interessant; sie sind nicht lediglich prak-
Jn ber Zeit vom 31. März bis zum 7. April wirb in unserer Stabt eine „Woche für Kunst unb Schrifttum" ftattfinben, bie eine Reihe von Veranstaltungen bringt, an ber sich bie verschobenen fulturtragenben Vereinigungen unserer Stabt beteiligen werben.
Das Stabttheater wirb stark beteiligt sein unb bringt einen befonberen Spielplan. Für Sonntag, 31. März, ist eine Morgenfeier vorgesehen, bie Schiller gemibmet fein wirb. Am Montag, 1. April finbet ein Orchesterkonzert statt, bas vom Konzertverein Gießen burchgeführt wirb. Am 2. April gelangt „Der Revisor" von Gogol zur Aufführung, unb am 3. April bie Oper „Der Freischütz". Voraussichtlich wirb am 4. April „Maria Stuart" aufgeführt unb am Freitag, 5. April Lessings „Emilia Galotti". Am Sonntag, 7. April, wird bie Hitler-Jugenb eine Morgenfeier ausgestalten, voraussichtlich einen Dichter verpflichten unb besten Vorträge musikalisch umrahmen.
Auch der Goethe-Bund tritt hervor. Das
harte Wirklichkeit die Träume und Hoffnungen der jungen Menschenkinder zerstören wird. Die Kinder merken ja nicht, wie nun eigentlich dis schönste Zeit ihres Lebens vorbei ist. Erft in viel späteren Jahren kommt ihnen das zum Bewußt- fein. —
In diesem Kriegsjahre wird über ber Entlassungsfeier wohl boch ein tiefer Ernst liegen, denn bei vielen Kinbern fehlt ber Vater, ber braufeen an ber Front steht, um für Deutschland Ehre und Freiheit zu kämpfen. Seine Gedanken weilen in biefen Tagen in ber Heimat, wenn er nicht selber auf Urlaub da sein kann. Er bentt an seinen Jungen oder an sein Mädel, unb unwillkürlich kommt die Erinnerung an das Jahr 1932, als bie kleinen Kinder zum ersten Male zur Schule schritten.
Wie war es boch damals? War es nicht auch eine schwere Zeit? Wie ratlos stauben in jenen Jahren die Eltern mit ihren schulentlassenen Kindern da! Die Knaben und Mädchen wollten mit freudigem Herzen und starkem Arbeitswillen in das Leben treten, aber sie mußten warten und abseits stehen. Heber sechs Millionen Arbeitslose waren in Deutschland, davon schon beinahe eine Million von vierzehn bis achtzehn Jahren. Und dann kamen 1932 die vielen Tausende hinzu.
Sorgenvoll ruhte damals das Auge der Eltern auf den kleinen Kindern, die zum ersten Male zur Schule tarnen. Wird es in acht Jahren auch noch so sein, oder noch schlimmer werden?
Wir wissen, die Sorgen waren unbegründet. Schon im Jahre 1933 tarn durch den Führer der Umschwung, kam der neue Lebensgeist, die neue Zeit. Ganz Deutschland atmete auf. Die Arbeitslosigkeit verschwand. Aus einem zerrissenen, ohnmächtigen Volk wurde eine große Volksgemeinschaft. Grundstein auf Grundstein wurde gelegt UeberaU ging es vorwärts.
Die Eltern wissen nun, daß unsere Jugend, unser wertvollstes Gut, hineinwächft in ein schöneres, größeres Deutschland. Voll stolzer Zuversicht und ver- trauensDoU schauen alle in die Zukunft. Die großs Volksgemeinschaft nimmt die Schulentlassenen auf. Sie stehen nicht mehr abseits, sie sind nicht mehr einsam. In der HI., bei dem BDM. finden Knaben und Mädchen neue Kameraden, und die Kameradschaft wird gepflegt bei der SA., beim Arbeitsdienst und später bei ber Wehrmacht.
In bem sicheren Schutz dieser großen Kameradschaft wird unsere Jugend sicher und froh burch bas Leben schreiten.
Doch das Glück unb die innere Zufriedenheit wollen erkämpft, errungen sein. Das werben unsere Buben und Mädel erfahren. Sie werden aber ein« sehen, daß es kein größeres Glück gibt, als Gesundheit und Arbeit. Unb wenn sie nun inmitten eines
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Aus der Stadt Gießen.
Auf den Altar des Vaterlandes.
Am 17. März 1813 wandte sich Friedrich Wil- ’ Helm III. in einem flammenden Aufruf „An mein 1 Volk" an bie Preußen unb barüber hinaus an alle 1 Deutschen, das Letzte zu opfern, um den bonapar- tifchen Zwingherrn zu schlagen unb bamit bie Vorherrschaft Frankreichs über Deutschlanb zu Brechen. „Welche Opfer auch", hieß es in dem Aufruf, „von einzelnen geforbert werben mögen, sie wiegen bie heiligen Güter nicht auf, für bie wir sie hingeben, für bie wir streiten unb siegen müssen, wenn wir nicht aufhören wollen, Preußen unb Deutsche zu fein. Es ist der letzte entscheibenbe Kampf, ben wir bestehen für unsere Existenz, unsere Unabhängigkeit, unseren Wohlstand. Keinen anberen Ausweg gibt es als einen ehrenvollen Frieden ober einen ruhmvollen Untergang. Auch diesem würdet Ihr O entgegengehen, weil ehrlos ber Preuße und
. je nicht zu leben vermag. Allein wir dürfen mit Zuversicht vertrauen. Gott und unser fester Wille werben unserer gerechten Sache den Sieg verleihen, mit ihm einen sicheren, glorreichen Frieden unb bie Wiederkehr einer glücklichen Zeit."
Zehn Tage vorher hatte der König bas Eiserne Kreuz gestiftet, jenes schlichte Zeichen bes Helben- mutes, bas immer roieber in Kriegszeiten erneuert worben ist. Unb am gleichen Tage, ba ber König ben vorn Staatsrat von Hippel verfaßten Aufruf „An mein Volk", biefes Fanal für alle Deutschen, aufsteckte, obgleich er nur König eines winzigen Lanbes geblieben war, flammte bie Opferwilligkeit auf. Bürger und Bauern, Männer und Frauen trugen ihren letzten Schmuck, ihre Ketten und Eheringe zu den Sammelstellen. Ein ganzes Volk stand gegen den Zwingherrn der Welt, wie ein Funke flog das Wort in die Herzen aller Deutschen und weckte ihren Opfersinn. Die geistesgefchichtliche Entwicklung hatte über das Materielle gesiegt, bas in die Raubhänbe ber Franzosen gekommen war. Ein armes Volk ftanb auf unb siegte, weil es siegen wollte. Am selben 17. März 1813 aber weihte sich die Schwarze Schar in Rogau unweit bes Zob- ten vor einem weißhaarigen Priester bem Tobe: Ludwig Jahn, Friedrich Friesen unb Theobor Körnen
Damals wurde durch den Opferwillen Preußens imb der deutschen Nation ber übermütige Tyrann Europas bezwungen; der deutsche Geist siegte über die materielle Uebermacht des Feindes. Heute gilt es, ben plutokratischen Polypen England zu zerschmettern, her vollgesogen ist von Raub, Perfidie, Lüge unb Wortbruch, dessen Satansthron errichtet wurde auf ben Trümmern von Nationen, die ein Viertel ber ganzen Erde umfassen. Wir wollen über ben deutschen Lebensraum hinaus, den ber Polyp mit feinen Saug armen anzutasten gewagt hat, die Gleichberechtigung aller Kulturvölker sichern. In diesem Entscheidungskampf um bie Grundlagen unseres Seins unb des künftigen Deutschland ist bie ganze Nation durch ben Führer zu einer untrennbaren Gemeinschaft z u samme nge schweißt worben. Alle vorsorglichen Opfer sind aus diesem Geist ber Hingabe an ein gewaltiges Ziel geboren worden, auch bie freiwillige Metall spende, die in der Zeit vom 18. März bis zum 6. April gemäß dem Ausruf des Generalfeldmarschalls Göring abzugeben ist, damit sie dem Führer am 20. April als Zeichen des Dankes und der Opferwilligkeit des deutschen Volkes überreicht werben kann. Derselbe Geist, der vor 127 Jahren Preußen unb das damalige Deutschland entflammte, lebt auch in dieser Spende. Wieder einmal wird das deutsche Volk zeigen, daß es die Flammenzeichen ber Zeit verstanden hat und alles vorbereitet, damit dieser Kampf den pluto- krattschen Polypen zerschmettert, wie einst das deutsche Volk ben Bonaparten von seinem Tyran- nenstuhl stürzte.
Kein Zieichsjngendappell am Montag.
Der für ben kommenden Montag, 18. März, als Gemeinschaftsempfang angesetzte Reichsjugendappell mit einer Ansprache des Generalfeldmarschalls Göring an die deutsche Jugend fällt, wie uns von der Kreiswaltung Gießen der Deutschen Arbeitsfront mitgeteilt wird, aus.
sich fein Blick in den Gluten des Feuers verlor; „Es gibt eben doch etwas Höheres als alle Philosophie unb das ist bie Fahne, bie mehr ist als ein Stück buntes Tuch."


