meist ein Stück liebe Farnilientradition mitgeschenkt wird. Nicht zu vergessen die vielen Spielsachen, die fast in jeder Familie für die jüngeren Geschwister repariert und neu bemalt werden. Es gibt Schaukelpferde und Eisenbahnen, die drei Generationen überdauern und dem Enkel- dieselbe Freude bereiten, die der Großvater schon als Junge daran gehabt hat.
Diele Familienväter haben ein ausgesprochenes Geschick dafür, in ihrer Freizeit foldje Arbeiten zu basteln und überraschen ihre Angehörigen mit Geschenken, denen man oft die alte Herkunft nicht mehr ansehen kann. Es Ist bekannt, daß in den letzten Tagen vor Weihnachten die Handwerker mit Aufträgen auf Reparaturen und Umarbeitungen überlaufen werden und alles soll immer noch vor dem Feste fertig sein. Dieses Jahr wird es damit besonders schwierig werden, einmal, weil viele Handwerker zum Heeresdienst eingezoaen sind und deshalb Reparaturen eine längere Lieferzeit bedingen. Andererseits wird auch die Unmöglichkeit, einen gewünschten Gegenstand neu zu beschaffen, viele zu dem Ausweg der Umarbeitung alter Sachen zwingen. Es ist deshalb ratsam, daß jeder feine Weihnachtsaufträge für handwerkliche Arbeiten aller Art so frühzeitig wie möglich vergibt, wenn er rechtzeitig beliefert werden will. E.S.
Etwas für Genießer!
Der Bohnenkaffee reicht nochmal so lange« wenn er mehlfein gemahlen wird. Es leuchtet ja auch ohne weiteres ein, daß er ganz fein gemahlen bei Ueberbrühsn weit mehr aromatische Bestandteile abgeben kann, als wenn er grob gekörnt mit kochendem Wasser übergossen wird. Don größter Wichtigkeit ist ferner die Qualität des Wassers! Um einen wirklich guten Kaffee zu erhalten und sein Aroma voll auszunützen, muß man weiches Wasser verwenden. Es ist also notwendig, sehr kalkhaltiges Wasser erst weich zu machen, indem man auf 1 Liter Wasser eine kleine Prise Natron gibt. Am besten ist es, wenn der Kaffee gefiltert wird, denn beim Kochen verliert er feinen herrlichen Geschmack und wirkt aufge- wärmt. Hat man keine Kaffeemaschine, so genügt ein Filter zum Aussetzen auf jeden Topf. Die gemahlenen Kaffeebohnen gibt man in den Filter und gießt nach und nach springend heißes Wasser dar. über. Wird das Wasser auf einmal darüber gegossen, bann kann das Aroma nicht genügend gelöst wer. den insolgedesien wird der Kaffee nicht voll aus- genützt und der Trank minderwertig. Es ist auch absolut nicht gleichgültig, was für Geschirr zur Bereitung des Kaffees genommen wird. Bohnenkaffee soll möglichst nicht mit Metall irgendwelcher Art in Berührung kommen, weil er leicht Metallgeschmack annimmt. Deshalb verwende man nur Porzellan oder Glas. Natürlich können wir den Bohnenkaffee auch mit Malz- oder Kornkaffee strecken. Bei etwa 2 Teilen Bohnenkaffee und 1 Teil Malzkaffee wird die Güte kaum beeinträchtigt. Es schmeckt trotzdem wie reiner Bohnenkaffee. Außerdem ist das aus gesundheitlichen Gründen sehr zu empfehlen und der Kaffee reicht so noch länger. Unser Herz wird ohnehin sehr erstaunt sein, wenn ihm nach so langer Pause plötzlich wieder so ungewohnte Strapazen zugemutet werden. Sei also rücksichtsvoll gegen dein Herz und übertreibe den Genuß nicht, wenn auch das schwarze heiße Getränk noch so gut schmeckt.
Rezepte.
Halorohkoft: 1 Kops Endiviensalat, 1 Sellerie, 250 Gramm Tomaten, Essig, 1 Teelöffel Del, Gewürz. — Sellerie gründlich waschen, schälen, in feine Würfel schneiden, mit wenig Wasser weich- dünsten, mit Essig und Salz abschmecken. Endivien putzen, waschen, in feine Streifen schneiden. Tunke aus Dünstwasser, Essig und Del Herstellen, mit Dill, Schnittlauch, Salz und Prise Zucker abschmecken, Sellerie und Endivien mit der Tunke vermischen. Mit Tomaten verzieren.
A p f e l LI ö fj e : 500 Gramm säuerliche Aepfel, Schale einer Zitrone, 125 Gramm Korinthen, 100 Gramm Zucker, 125 Gramm Stoßbrot oder einge- weichte Brötchen, evtl, etwas Mehl, 40 Gramm Butter, 1 Ei oder Milei, etwas Milch. Die Aepfel werden dünn geschält und in Würfel geschnitten, die abgeriebene Schale eirter Zitrone, gewaschene und gebrühte Korinthen, Zucker, Stoßbrot, die zerlassene Butter, Ei oder Milei werden vermischt, daß ein fester Teig entsteht. Man sticht mit einem Löffel
Klöße ab, die in Salzwasser garziehen müssen. Beim Anrichten mit Zucker bestreuen.
Ueberbackenes Gemüse: 1 Kilogramm Gemüse, 30 Gramm Fett, 50 Gramm Mehl, V< Liter Milch, Zwiebel, 1 Ei, Salz. — Die halb gar gedampften Gemüse ober Reste werden in eine gefettete Auflaufform gelegt. Man gießt die Tunke, die aus Milch, Fett. Mehl, angedünsteten Zwiebeln und dem Gemüsewasser hergestellt wurde, darüber und bäckt das Ganze im Backofen hellgelb.
Sauerkrautpa st ete: 1 Kilogramm rohe Kartoffeln, 200 Gramm Pellkartoffeln, 50 Gramm Mehl, Salz, 1 Ei, 750 Gramm Sauerkraut, nach Geschmack 1 bis 2 Aepfel, etwas Fett. — Die rohen Kartoffeln reiben, ausdrücken, das abgesetzte Kartoffelmehl dazugeben, ebenso Mehl und Ei. Der geknetete Teig wird in die gefettete Auflaufform gegeben. Dann gibt man das gehackte, mit den Aepfeln vermischte Sauerkraut hinein, deckt ein gefettetes Papier darüber und bäckt etwa 1 Stunde. Beim Anrichten stürzen, so daß die braune Kruste nach oben kommt. ।
Sellerieauflauf. 1 Sellerieknolle, 1 kg Kartoffeln, 30 g Fett, 30 g Mehl, 1% 1 Milch, Stoßbrot. Die Sellerieknolle wird sehr sauber gewaschen und
gargedämpft. Nach Entfernung der Schale schneidet man sie in Stifte. Aus Fett, Mehl und Gemüfebrühe stellt man eine Helle Tunke her, gibt den feingefchnit- tenen Sellerie dazu und schmeckt ab. Die Kartoffeln kocht man in der Milch zu festem Brei und füllt ihn in die gefettete Form, darauf die Sellerie und obenauf Brei. Bei guter Hitze goldgelb backen
Salat aus roten Ruben, Aepfeln, Meerrettich: 1 kg rote Rüben und 500 g Aepfel reibt man sehr fein, mischt mit entrahmter Dickmilch, wenig Del, Essig, Salz und reibt noch eine Zwiebel und ein wenig Meerrettich daran. Mit einem Kranz von Endiviensalat anrichten.
Ueberbacfene Gurken: 2 bis 3 geschälte, halbierte und entkernte Gurken in Salzwasser mit einem Schuß Essig und Dillstengeln glasig kochen, abtropfen. 200 bis 250 Gramm gehacktes Schweinefleisch mit 2 bis 3 eingeweichten und wieder aus- gedruckten Brötchen und 2 bis 3 Eßlöffel Tomatenmark verarbeiten, Salz, aeriebener Zwiebel und Petersilie abschmecken. Mit dieser Maße die Gurkenstücke füllen, nebeneinander in eine gefettete Pfanne geben, mit geriebener Semmel bestreuen, etwas Fett aufträufeln und offen in der Röhre 20 bis 25 Minuten überbaden.
Neues für den Büchertisch.
— E. G. Kolbenheyer: Gesammelte Werke in acht Bünden. Band 1, 2 und 7, Albert Langen/Georg Müller, München. — (203) — Die von Langen und Müller in München veranstaltete Ausgabe der gesammelten Werke von Erwin Guido Kolbenheyer wurde im vergangenen Jahre mit den hier angezeigten Bänden 3 und 4 eröffnet; sie enthielten die Romane „Meister Joachim Paufewang", „Amor Dei“, „Montsalvatsch" und „Das Lächeln der Penaten". Die neu erschienenen Bände 1, 2 und 7 enthalten die Romane „Das gottgelobte Herz", „Die Kindheit des Paracelsus", „Das Gestirn des Paracelsus" und „Das dritte Reich des Paracelsus"; außerdem „Die Bauhütte", Grundzüge einer Metaphysik der Gegenwart. Damit liegen nunmehr die großen Romane und das philosophische Hauptwerk Kolbenheyers im Zusammenhänge dieser Ausgabe vor, die das geistige Bild des mit dem Adlerschilde des Deutschen Reiches und mit dem Goethe- preise der Stadt Frankfurt ausgezeichneten Dichters enffcheidend geformt haben. Der schöpferische Raum, in dem sich Kolbenheyer bewegt, ist kaum begrenzt: neben die Romane und fein System spekulativen Denkens werden sich in den noch ausstehenden Bänden, die im kommenden Frühjahr vorlie- gen sollen, die Dramen, Gedichte, Erzählungen und Aufsätze philosophischen, ästhetischen und politischen Inhalts stellen, und damit wird sich ein Gesamtwert von imposanten Ausmaßen vor dem Leser ausbreiten — ein Bild deutschen Wesens, desien Erscheinungsweisen vorn dämmernden Mittelalter bis in die nahe Gegenwart reichen. — Der Subskriptionspreis beträgt für den in Leinen gebundenen Band 8,50 RM.; nach Schluß der Subskription kostet der Band 10,— RM. Auch der äußere Eindruck der solide ausgestatteten roten Bände ist durchaus erfreulich. Hans Thyriot.
— Erkenntnis für uns. Aus dem Werke von Walter von Molo. 344 Setten. Stufen- Verlag, Gerhart Koehler, Leipzig 1940. — (168) — Das Buch, zum 60. Geburtstage des Dichters herausgekommen, gibt eine Auswahl aus den wichtigsten Romanen Malos. Die scheinbar locker an- einandergereihten Szenen sammeln sich um Schiller und Kleist, Eugenio von Savoy und Friedrich den Großen, um Luther, Bismarck und Friedrich List, und neben den geschichtlich berühmten Gestalten erscheinen ckich die Figuren romanhafter Phantasie, Holunder und Bobenmatz. Dem aufmerksam Lesenden wird bald klar werden, daß er hier mehr zu Gesicht bekommt als etwa eine bloße Geburtstagsgabe oder eine gefällig sich darbietende Einführung in ein weitschichtiges Gesamtwerk der gegenwärtigen deutschen Dichtung: er wird eine gewisse „Drbnung im Chaos" historischer Daten und Persönlichkeiten entdecken, den in einem besonderen Sinne erzieherischen Grundgedanken aller Bücher Walter von Molos; man wird auch in dieser Auslese, die Gewicht und Umfang des Gesamtwertes nur ahnen läßt, den Dichter als einen der zeitgenössischen Meister des historischen Romans erkennen und — was mehr ist —: als einen der ausgeprägtesten Verkünder des deutschen Idealismus. Wir wissen neben Molo keinen dichterischen Gestal
ter, dem bas große, klassische 18. Jahrhundert der Deutschen so zum geformten, durchbluteten, vergeistigten Erlebnis geworden wäre; mir wissen auch, daß ungezählten Deutschen die Erscheinungen Schillers und Friedrichs des Großen in ihrer menschlichen Größe und ihrer nationalhistorischen Bedeutung durch Molo leibhaftiger und unvergeßlicher geworden sind als aus vielen Literaturgeschichten und Geschichtsdarstellunaen: Molo verfügt über die Gabe der Intuition und über die Fähigkeit, das Einmalige und Besondere einer geschichtlichen Situation, das Bleibende und Wesenhafte im Strom der Ereignisse, das Vorbildliche und Sinnbildliche im bewegten Bilde eines Geschehens oder einer Zett, das Ewige und Unzerstörbare in der vergänglichen Erscheinung eines Menschen aufzu- spüren, zu formen, nachempfinden und nachwirken zu lassen. (Dhne das man etwa verstimmt die pädagogische Absicht gewahr, würde.) Wer die lange Reihe seiner Bücher überblickt, aus denen hier nur eine allerdings charakteristische kleine Auswahl gegeben werden konnte, wird sie, so verschieden sie untereinander sein mögen, doch notwendig alle in die Einheit eines Lebenswerkes münden sehen, das der Geschichte des ewigen Deutschen, der Geschichte des deutschen Geistes, verschrieben ist.
Hans Thyriot.
— Bruno E. Werner: Zwischen den Kriegen. Abendländische Reisen. 165 Seiten. Leinen 3,50 RM. Verlag Otto Beyer, Leipzig, Ber. lin. — (101) — Bruno E. Werner, Kunstschriftleiter und Herausgeber der Monatsschrift „die neue linie", hat in diesem geschmackvoll ausgestatteten Bande eine Reche von Aufsätzen vereinigt; sie berichten von Reisen durch Europa während der letzten 15 Jahre, zwischen dem Weltkriege und dem gegenwärtigen Kriege. Der Titel deutet die Aktualität dieser Schilderungen an, die dennoch nur in einem sehr allgemeinen Sinne politisch genannt werden könnten. „Das Abendland als verpflichtende Ueber- lieferung" heißt es im Vorwort, „und zugleich das Bewußtsein, daß Europa mitten in einer entscheidenden Umgestaltung steht, haben den Verfasser dabei nicht verlassen. Er bekennt sich daher zu jenen, die, aus dem ersten Kriege heimgekehrt, zwanzig Friedensjahre nur als einen Zwischenzustand empfanden" ... Werner hat mit dem Zuge, mit dem Flugzeug, zu Schiff und im Auto Länder und Meere unseres Kontinents bereist und hat mit weltmännischer Gelassenheit, in geschmackvollem Stil, mit dem geschulten Auge des Kunsthistorikers und dem auffpürenden Blick des Journalisten festgehalten und ausgezeichnet, was ihm das Besondere und Kennzeichnende schien. Da mischen sich ernsthafte und heitere Szenen und Silber: Londoner Alltag, kleiner nächtlicher Totentanz in Paris, Kellerei in einer Amsterdamer Matrosenkneipe; Freuden der Mittelmeereise, die Lächerlichkeit einer snobistischen „großen Welt" am Lido, fremdländischer Zauber von Tripolis, Korsika und Südserbien; heroischer Anhauch des Todes im Alcazar ... überall erlebt der Reisende, und der Leser mit ihm, ein Stück europäischen Lebens, ein Stück Abendland ... zwischen den Kriegen, im Uebergang, an der Wende. Eines der
schönsten Kapitel erscheint am Schluß: es schildert etliche von den Weltwundern der Malerei in der Prado-Ausstellung in Genf. — Der Betrachter hat das Buch an einem Abend ausgelesen; hernach, in der Nacht, hatte er einen schönen, farbigen, figurenreichen Traum. Am Morgen war der Traum schon verblaßt; geblieben war aber eine große, unbestimmbare Lust, auch eine Reise zu machen — nach dem Kriege — zu den Hauptstädten und den Wundern des alten ober eines neuen Abendlandes.
Hans Thyriot.
— Arnold U1 i'tz : Dera roße 3 a n j a, ein Kattowitzer Roman, Verlag W. G. Korn, Breslau, Preis geb. 6,00 RM. — (104) — Menschen und Landschaft Dstoberschlesiens sind, obwohl kaum ein anderes deutsches Grenzland so sehr im Mittelpunkt harten politischen Kampfes stand, im übrigen Reich wenig bekannt geworden in ihren Eigenarten, die der Grenzlandcharakter und die gewaltige Konzen- tration wirtschaftlicher Kräfte gleichermaßen geprägt haben. In dem Ledensfchicksal eines braven Bäcker, meisters, ber seinen ehrlich erworbenen Reichtum zum Bau großer Wohnblocks in dem mächtig aufstrebenden Kattowitz verwendet, stehen die „Grün- derjahre" wieder auf, aber der bbbere Janja wirb nicht angesteckt vom skrupellosen Spekulantentum raffgieriger Geschäftemacher. Ihm ist darum zu tun, daß feine vielen Mieter sich tri feinen Wohnungen wohl fühlen. Er bleibt als Unternehmer, dessen Häuser der schnell emporwachsenden Großstadt ihr Gesicht geben, der einfache, schlichte Mann, der in feiner Familie fein höchstes Glück findet. Seine rührende Liebe zu der kleinen Tochter zeigt das zarte innige Gemüt dieses Mannes, dessen Porträt hier für den ganzen Stamm der Dberschlesier steht. Arnold Ulitz ist auch in diesem Roman der liebevolle Deuter seiner oberschlesischen Heimat, deren einen« tümliche Sprache er spricht und deren Menschen, still und besonnen, aber zäh und fest in ihrem Deutschtum, er eiydringlich und kraftvoll vor uns hinstellt. Fr. W. Lange.
— Nikolaus Negrelli-Moldelbe: Die Lüge von Suez, der Lebenskampf des deutschen Ingenieurs Alois von Negrelli (Vorwerk Verlag, Darmstadt. Preis geb. 6,50 RM.) Eine geschickt nationale Propaganda und die diplomatische Geschäftigkeit des Franzosen Ferdinand von Lesseps haben es zuwege gebracht, daß der Suezkanal aus- schließlich als sein Werk in die Erinnerung der Menschheit eingegangen ist. Erst unsere Zeit ift für solche Ueberlieferungen hellhöriger geworden und ist im Begriff, ber geschichtlichen Wahrheit zuliebe die Tatsachen zurechtzurücken. Der in unseren Familien- blättern zum Abbruck gelangende Roman von Joses Sebastian Schall: „Suez, Pforte der Völker" hat es unternommen, Licht und Schatten gerecht zu verteilen und auch den Männern ein Denkmal zu setzen, die vor, neben stnd mit ßeffeps, dessen Der. dienste bei ber Ueberwinbung aller politischen und finanziellen Schwierigkeiten unbestritten bleiben sollen, als geistvolle Planer und kühne Ingenieure die eigentlichen Schöpfer dieses technischen Wunderwerkes gewesen finb. Dazu gehört in erster Linie der Desterreicher Alois von Negrelli, dessen Leben nun dies Buch seines Urenkels der Vergessenheit entreißt. Sein Leben war ein einziger Kamps mit den Widrigkeiten, die die verknöcherte Vermal- tung der alten Habsburger-Monarchie für ideenreiche, Dorwärtsftrebenbe Männer hatte. Aber Ne- grell! hat als Wasser- und Straßenbaufachmann in Desterreich und ber Schweiz, wie als Generalinspektor der österreichischen Staatsbahnen in einer Zeit, die vielleicht die Geburtsstunde des modernen Verkehrs genannt werden darf, Ungeheures geleistet. Die Vollendung des Werks freilich, das ihm in- nerfte Herzensangelegenheit war, den Bau des Suezkanals, für den er die grundlegenden Berechnungen angestellt und die maßgebenden Pläne geschaffen hatte, sollte er nicht mehr erleben. Ein anderer konnte allein die Früchte dieser Arbeit pflücken, und die französisch-britische Plutokratie den Kanal, ber als freie Verkehrsaber aller seefahrenben Völ-
SCHAUMPON
/Blondes Haar bedarf wegen seiner Empfindlichkeit be- /7 •• " • sonderer Pflege Man
wäscht es da hei nur JA/v* U mit Mitteln, die
kein Alkali und keine Kalkseite im Haar njrücklassen und dafür sorgen, daß es nicht nachdunkelt, also mit Schwarzkopf „Extra-Blond*
3000Kilometer Liebe
Roman von Olly Boeheim
27. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Peter Renz schien plötzlich vollkommen den Kopf zu verlieren. Er vergaß, daß in Schweden links ae- fahren wurde. Er lenkte den Wagen auf die rechte Seite, entging mit knapper Not dem Zusammenstoß mit einem Motorradfahrer, ber ihm etwas Unverständliches zubrüllte. Publikum wurde aufmerksam, ein Schutzmann kam angelaufen.
Nun passierte etwas, bas allen ben Atem nahm. Der Wagen raste in voller Fahrt auf ben Schutzmann zu unb stoppte hanbbreit vor ihm ab. Der Schutzmann stürzte auf ben Wagen los; erregte Passanten bildeten einen Kreis um Dntel Franz.
In diesem Augenblick war ber Frembe mit einem fierabezu pantherhaften Satz aus dem Wagen ge- prungen, aber beim Bücken glitt ihm der Revolver aus ber Tasche.
„Halt", schrie Vera gellend, „j)ilfe, haltet ihn!"
Das Publikum starrte verständnislos auf die erregten Menschen. Peter nahm ben Revolver unb gab einen Schuß in die Lust ab. Der Fremde drehte sich blitzschnell um, griff in die Tasche unb bemerkte Den Verlust der Waffe. Sein fetunbenlangcs Zögern wurde ihm zum Verhängnis.
„Hände hoch", schrie Peter Renz und hielt den Lauf der Pistole auf den Fluchtbereiten gerichtet. Im Nu war der Mann umringt und festgenommen.
,Zch komme gleich auf die Wache nach", erklärte Peter dem Schutzmann. „Wenn Sie mich vorher brauchen, finden Sie mich im Stadthotel. Die Dame ist einer Dhnmacht nahe."
„Wie soll ich Ihnen danken?" rief Vera.
„Ach", sagte Peter, „nur eine kleine Geaenlei- ftung. Dntel Franz ist Kavalier, er mußte sich doch erkennllich zeigen dafür, daß Sie ihn neulich bei Nacht unb Nebel abgeschleppt haben."
„Der Kerl hat mir meinen ganzen Schmuck abgenommen", stammelte Dera.
„Sen besorge ich Ihnen wieder. Jetzt schlafen Sie
sich erst mal tüchtig aus, sonst klappen Sie mir noch zusammen. Ich gehe inzwischen zur Polizei und sage, daß Sie erst morgen vormittag fähig finb, nähere Angaben zu machen. Ein kleines Strafmandat wegen unvorschriftsmäßigen Fahrens werde ich wohl auch bekommen."
„Warum sind Sie denn auf einmal rechts gefahren?" fragte Vera.
„Es war die einzige Möglichkeit, die Polizei auf uns aufmerksam zu machen , sagte Peter mtt einem verschmitzten Lächeln unb gekettete Vera ins Hotel.
17. Kapitel.
Als Peter Renz am nächsten Morgen ausgeschla- fen, vergnügt und voll Tatendrang drei Stufen auf einmal nehmend, die Treppe des Hotels hinuntersprang, prallte er in die Halle mit Arne Dhlsen zusammen.
„Hallo!" rief Peter lustig, verstummte jedoch, als er in Dhlsens Gesicht sah. Der Mann war blaß, das Haar hing iym in die Stirn, feine Augen waren umschattet, seine Krawatte hing halb gelöst über dem Sporthemd.
„Was ist denn mit Ihnen los?" rief Peter ehrlich erschrocken. ,^Hctt man Sie etwa auch überfallen?"
Arne Dhlsen sank auf einen Sessel und wischte sich die Schweißtropfen von der Stirn. „Ach, wenn es nur mich beträfe", sagte er mtt einer Stimme, die vor Erregung heiser war, „bei mir haben sie allerdings auch eingebrochen. Wenn schon! Aber denken Sie sich, Veras Wagen steht leer auf der Chaussee. Keine Spur von ihr. Der Kerl, dem wir begegneten, muß sie verschleppt haben."
„Ach", sagte Peter anzüglich, „bas sind ja Sher- lock-Holmes-Phantasien!"
„Mit denen Sie so recht hatten, Peter! Nur ich, in bummer, blinber Eifersucht, wollte nichts sehen."
Peters Augen wurden ganz klein vor Vergnügen.
„Verzeihen Sie, Herr Dhlsen, ich habe einen Bärenhunger. Darf ich Sie zum Frühstück einladen? Sie sehen nicht so aus, als hätten Sie schon etwas zu sich genommen."
Arne Dhlsen warf Peter einen vernichtenden Blick zu.
„Bis jetzt habe ich Sie für einen netten Jungen gehalten, ber bas Herz auf dem rechten Fleck hat;' aber ich habe mich in Ihnen getäuscht. Sie sind ein ganz herzloser Schnösel."
„Danke", sagte Peter trocken. „Aber wie haben Sie mich eigentlich hier aufgespürt?"
,Zch sah Ihren Wagen vor dem Hotel parken. Dieses Unikum ist ja nicht zu übersehen."
„Bitte, keine Beleidigung, gegen Dntel Franz. Was wollen Sie denn hier?"
„Ahnungsloser Knabe! In meinem Haus ist ein» gebrochen worden. Vera Verries ist unter den feit- samst^ Umständen verschwunden. Auf die Polizei
„Kein schlechter Gedanke", sagte Peter, „nur ein bißchen spat."
„Das ist es ja", schrie Dhlsen, ber alle Fassung verloren hatte. „Menschenskind, jetzt weiß ich ja erst, was mir biefe Frau betreutet! Daß ich überhaupt nicht mehr ohne sie leben kann!"
Dhlsen umklammerte Peters Hände. „Sas Auto war leer. Der Kerl — sicher ist es derselbe, der bei mir eingebrochen hat — zwang die Frau, ihn zu fahren, ein uralter Gaunertrick. Dann kam die Panne. Folglich blieb ihm nur die Flucht durch den Wald, und die Frau hat er womöglich umgebracht, damit sie ihn nicht verrät."
„Ganz gut kombiniert", sagte Peter Renz, „folglich hat Frau Verries ben Sieb in Ihrem Haus überrascht, als sie im Begriff war. Sie aufzufuchen."
.Mchtigl"
„Sie ist also bas Dpfer ihrer Liebe und Ihres Mißtrauens geworden, Herr Dhlsen."
„Der Gedanke bringt mich um!"
„Er macht aber Frau Verries nicht wieder lebendig."
„Mein Gott!" schrie ber Mann verzweifelt. „Ich würde alles, was ich habe und bin, dafür geben, wenn ich sie wieder wohlbehalten in die Arme nehmen konnte."
„Ein ganz hübsches Angebot", sagte Peter voll Anerkennung. Dhlsen hielt inne. Seine umschatteten Augen suchten Peters völlig unbeteiligtes Gesicht.
„Wißen Sie, was ich möchte?" fragte Dhlsen mit zusammengebisfenen Zähnen.
„Vermutlich mochten Sie mir eine kleistern", antwortete Peter.
„Weiß Gott, Sie haben es erraten."
„Dars ich Ihnen etwas sage-,? Wenn einer von uns beiden Dhrfeigen verdient — ich meine natürlich nur eine symbolische Dhrfeige vom lieben (Bott — bann sind Sie es. Unterbrechen Sie mich nicht. Sie trauen Gott und ber Welt nicht, weil Ihnen Ihre Frau mit einem andern durchgegangen ist, ja, ich weiß, weil sie nur Ihr Geld liebte. Da spielen Sie Robinson Crusoe, lassen Ihren Betrieb verschludern und stoßen einen Menschen wie Vera Verries, der Sie wirklich liebt, von sich. Und das alles einer Frau wegen, die soviel Bahü gar nicht wert ift"
„Was nicht wert ist?" fragte Arne Dhlsen mü kreisrunden Augen.
„Daß man soviel über sie nachdenkt, und so viel Aufhebens macht. Was uns nicht unterkriegt, macht uns stärker. Na, und Sie werden sich doch nicht unterkriegen kaffen? Das wäre doch noch schöner!"
„Ach, mein Gott", rief Dhlsen vollständig ver- nichtet; „diese alte Geschichte ist für mich tot und erledigt. Aber nie würbe ich es oerwinben, wenn Dera etwas zugestoßen wäre." Er barg den Kopf in den Händen. „Nie, nie. Aber ich bin ja schon halb verrückt Ich sitze hier und müßte doch auf dem schnellsten Weg zur Polizei."
„Warten Sie noch einen Augenblick — es eilt nicht so!"
„Ach, Sie haben gut reden — warum soll ich denn warten?"
„Well Sie Dera dann gleich mitnehmen können Sie wird ja bald ausgeschlafen haben", rief Petek und begann den ganzen Sachverhalt zu erzählen. Blaß unb atemlos lauschte Arne Dhlsen feinen Worten.
„Diese Panne", sagte er, unb feine zitternden Hande tasteten nach einer Zigarette, „diese Panne hat Dera Verries gerettet. Die hat der Himmel ge- schickt
Peter Renz lächelte gutmütig.
„Der Himmel hilft meist denen, die sich allein zu helfen wißen, lieber Herr Dhlsen. Die beiden Hinter- reifen habe ich nämlich selbst angepickt"
Fortsetzung folgt ’


