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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen)

Freitag, H. Juni 194V

Ur.S1)

Zweites Blatt

Nie Lehre.

Von Alfons Hayduk.

Im oberschlesischen Bauernlande, das ist schon lange vor Großvaters Zeiten gewesen, lebten zwei Bauern nachbarlich mehr schlecht als recht beisam­men. Wohl hatten sie in ihrer Jugend als gute Freunde miteinander die Kühe gehütet, manchen Streich in gemeinschaftlichem Uebermut verübt und auch oft genug zum Leidwesen ihres Lehrers die Schule geschwänzt. Nun aber waren sie gänzlich aus­einander, und dies alles nur wegen des Brunnens, der zwischen beiden Höfen lag und von beiden nach altem Gewohnheitsrecht benutzt wurde.

Jetzt auf einmal aber gab es ständig Streit, und um diesem ein für allemal ein Ende zu machen, drohten sie mit gegenseitiger Klage vor Gericht und meinten, ein Prozeß werde die leidige Sache aus der Welt schaffen und den alten nachbarlichen Frieden wieder herstellen.

Ein Wort gab das andere, und um nicht zu guter Letzt handgreiflich zu werden, forderte der eine den anderen auf, mit ihm am nächsten Tage in die Stadt zum Advokaten zu gehen.

Der Advokat war ein Schelm, der sich auf seine Bauern verstand. Nachdem er einsah, daß eine güt­liche Einigung nicht mehr möglich sei, ließ er sich einige blanke Taler Vorschuß aufzählen und schrieb dann einen Brief an seinen Kollegen in der gleichen Stadt.

Ihr müßt nämlich jeder einen Anwalt haben", sagte er und schickte die beiden Streithähne schmun­zelnd zu jenem zweiten Advokaten. Den Brief steckte er in einen Umschlag, verklebte diesen aber nicht.

Da waren die Bauern natürlich neugierig und begannen gleich vor der Tür, so gut wie sie es vermochten, die Schrift zu buchstabieren:

Mein lieber Freund, ich schicke Dir

Die beiden fetten Ochsen hier

Sie wollen nicht aus einem Brunnen schöpfen; Drum müssen wir sie tüchtig schröpfen, Bis mager sie von Zank und Raufen Dann wieder aus dem Brunnen saufen."

Verdutzt sahen sich die beiden an. Dann platzte der Knoten mit lautem Gelächter, und die Brunnen­geschichte war für immer begraben. Den Advokaten aber luden sie beide zum nächsten Kirmesschmaus.

Wandervorschläge für den Sonntag.

Bieber Dünsberg Waldhaus Gleibachlal Gießen.

Eine für Dünsbergbesucher erfreuliche Neuerung hat vor kurzem der Wegebezeichnungsausschuß des VHC, Gießen geschaffen. Der schwarze Punkt, der bei den ersten Häusern in Bieber seinen.Anfang nimmt, führte in seinem letzten Teil in steilem An­stieg über die drei Ringwälle auf den Gipfel des Berges. Da nun der Weg über die Wälle im Laufe der Zeit nahezu halsbrecherische Formen angenom­men hat, hat der W. B. A. das Zeichen kurz vor dem Anstieg verlegt, so daß man nun in bequemen Windungen die Höhe erreicht. Nach einer Er­frischung, die Sonntags oben zu haben ist und dem Genuß des prächtigen Rundblicks vom Turm steigen wir abwärts, den roten »Keilen nach, in zwar stei­lem, aber kurzen und aussichtsreichen Abstieg bis zur Krumbacher Straße und von dieser ab rechts zum Wald. Auf lauschigen Wegen führt uns das Zeichen an der vor 1866 preußisch-hessischen Grenze entlang zum Forsthaus Waldhaus. Von hier wan­dern wir ein Stück die Krofdorfer Straße abwärts, gelben Punkten nach, am Kreuzgärtchen, einem alten Gedenkstein, vorbei. Etwa in 10 Minuten nach dem Ueberschreiten der Wißmar Krumbacher Straße zweigt unser Zeichen nach links ab. Wir sind nun­mehr im Gleibachtal, im oberen Teile Chattenbach- tal genannt, das von sanften bewaldeten Höhen umrahmt ist und lieblichen Charakter trägt. Das Zeichen führt uns schließlich an den Hängen des Wettenbergs her, immer schöne Blicke auf den Glei­berg gewährend, bis zur Seemühle, wo es endigt. Auf der Krofdorfer Straße wandern wir der Hei­mat wieder zu. Dauer der Wanderung 4A Stunden.

Lang-Göns Niederkleen Oberkleen Kleeberg Buhbach.

Von unserem Ausgangspunkt Lang-Göns gehen wir auf fester Straße nach Niederkleen, wo wir

das Kleebachtal erreichen. Dem lustig plätschernden Bächlein abwärts folgend, kommen wir nach Ober­kleen. Hinter dem Dorfe nimmt uns der Wald auf. Bald gelangen wir nach dem am Berghang male­risch gelegenen Kleeberg, von einer schönen, noch wohlerhaltenen Burgruine überragt. Schwarze Punkte leiten uns jetzt, zunächst ein kurzes Stück dem anmutigen Kleebachtale abwärts, sodann auf tadellosen Waldwegen, vorbei an dem reizvoll ge­legenen Forsthaus Butzbach nach unserem Endziel Butzbach, das wir nach insgesamt 4stündiger Wan­derung erreichen.

Nieder - Weimar Runder Baum Neuhof -- Dammühle Warburg.

Wir benutzen den Frühzug nach Nieder-Weimar und folgen vom Bahnhof schwarzen Vierecken, die uns in kurzem Anstieg auf die Höhe bringen, wo der Wald beginnt. Vor dessen Eingang genießen wir einen entzückenden Blick über das Lahntal mit verschiedenen Dörfern und nach den umliegenden Bergen. Auf stillen Waldwegen kommen wir nach geraumer Zeit zu einem, von mächtigen Buchen- bäumen bestandenen Ruheplatz: Runder Baum ge­nannt, mit einer Schutzhütte. Zunächst gelbe Punkte, später rote Vierecke führen uns über einen Höhen­rücken mit prächtiger Aussicht nach den Hinterlän­der und Gladenbacher Bergen, auf Dünsberg, Hohensolms, Frauenberg und den Höhen des Tau­nus Die Zeichen führen uns über den Neuhof nach der idyllisch im Tale gelegenen vielbesuchten Damm­mühle mit guter Wirtschaft. Blaue Kreuze leiten uns nun bei einem Wasserbehälter hinauf zur Höhe, wo wir im Feld die alte Weinstraße kreuzen und bald darauf auf die Straße kommen, auf der wir immer schöne Ausblicke auf die alte Musenstadt genießend, unser Endziel Marburg erreichen. Wan­derzeit: 4V2 Stunden.

E3

Aus

Oer Stadt

Gießen.

Ra,fische Blmvenujte

und Kremdblut im deutschen Volke

falls noch nicht.

Wer Rhabarber im eigenen Garten züchtet, muß bei der Ernte darauf achten, daß er von ein und derselben Pflanze nicht mehr als drei oder vier Stengel auf einmal nimmt und sie vorsichtig ab­bricht, anstatt sie abzuschneiden. Auch auf die rich­tige Blattgröße kommt es an, da weder zu große noch zu kleine Blätter abgenommen werden sollen. Dann muß die Pflanze ein paar Tage ruhen. Ge­erntet wird am vorteilhaftesten, so lang es am Morgen noch kühl ist, aber womöglich nur bei trockener Witterung. Sobald sich die Blüten zu ent­wickeln beginnen, muß man dafür sorgen, daß alle Llütenstiele abgebrochen werden, weil die Blüten Dem Gewächs Nährstoffe entziehen, die viel besser Den Stengeln zugute kommen. Im Lauf des Juli geht die Rhabarberernte allmählich ihrem Ende entgegen. Um diese Zeit sollen den Pflanzen aber mmer noch einige Blätter erhalten bleiben, damit hnen ja nicht zuviel Kraft entzogen wird und sie im nächsten Jahr wieder voll ertragsfähig sind. Rhabarber macht übrigens weder an den Boden noch an Pflege besondere Ansprüche, verlangt aber gute kräftige Düngung und regelmäßige reichliche Bewässerung. M. A. v. Lütgendorf.

Notizen für den 14. Juni

Sonnenaufgang: 5.02 Uhr, Sonnenuntergang: 21.48. Monduntergang: 1.47 Uhr, Mondauf­gang: 15.11 Uhr. Mond in Erdnähe.

strömen jüdischen Blutes, von dem aber in erfreu­licher Weise der weitaus größte Teil des deutschen Volkes nicht betroffen wurde, sondern nur eine ganz kleine Schicht sich mit diesem unerwünschten Blut zersetzte. Besonders hervorzuheben sei die grund­sätzlich wichtige Tatsache, daß sich im deutschen Volke durch Jahrhunderte hindurch ein absolut gesunder Nasseinstinkt geltend gemacht habe und stets mit Sorgfalt gewahrt worden sei. Im weiteren Verlauf beschäftigte sich der Vortragende mit dem Einströmen anderen außereuropäischen Blutes, namentlich u. a. von asiatischen Völkern während ihrer Raubzüge in rüheren Jahrhunderten, und im Verlaufe von kriegerischen Ereignissen oder deren unmittelbare Folgezeit bis in die Jahre der feindlichen Besatzung nach dem Weltkriege. Die großen Nachteile dieser remden Blutsbeimischung für den deutschen Volks­körper machte er u. a. an einer Reihe von Licht­bildern Überzeugend kenntlich.

Er betonte dabei, daß die Geschichte aller Kultur­völker immer nur dann Höchstleistungen aufzuwei- en habe, wenn die Rasse rein erhalten werde und ich gegen das Eindringen fremder Blutsbeimischun­zen gewehrt habe. Diesem Ziel diene auch die rassenpolitische Arbeit und Aufgabe unserer Zeit und unseres Volkes überhaupt, weil wir auch auf diesem Wege für die höchsten ßeiftunaen unseres Volkes und die Erhaltung der europäischen Kultur eintreten.

Der Vortrag wurde mit großer Spannung ver- olgt und dem Redner mit lebhaftem Beifall ge- oankt. Oberstaatsanwalt K n a u ß beschloß sodann den Abend in der üblichen Weise.

Tageskalender für Freitag.

Volkstümlicher Vortrag der Ludwigs-Universität: 20.30 Uhr im Kunstwissenschaftlichen Institut, Lud- wigstraße 34, Professor Dr. Eger überVom

Oer Rhabarber.

Die Bündel der saftigen, grünen und roten Rhabarberstengel sind hochwillkommen, wenn sie wieder auftauchen, denn sie sind der erste, beste und billigste Ersatz für das noch fehlende Kompott ms Frischobst. Wie lockend sehen die . Stiele aus, entweder leuchtend rot mit rotem Fleisch ober kräf- jg grün außen und innen, und genau so farben- chön ist das rosa, rote oder grüne Kompott! Was ein Anblick verspricht, hält auch sein Geschmack: o kühlend und erfrischend löffelt sich kaum ein an­

dres Kompott wie ein Teller Rhaberberkompott.

Uebrigens sind-sie auch in anderer Form ver­wendbar, sei es als Flammeri mit Sago ober als Auflage auf mürbe Kuchen ober Törtchen, unb wer 69 versteht, kann aus ben frischen Stielen sogar inen Rhabarberwein gewinnen, ber gar nicht übel nunbet unb zudem auch sehr gesunb ist.

Dkr wirklich erfrischenbe, eigenartige säuerliche Wohlgeschmack ber Rhabarberstengel rührt haupt- ochlich baoon her, daß in ihnen Apfelsäure ent­halten ist, worauf benn auch bie sehr bekömmliche Wirkung ber Rhabarbergerichte auf Magen, Darm mb Nieren beruht. Neuerbings wirb ber Rhabar­ber daher auch als Diätkost gewertet. Aber gerade dieser Säuregehalt ist es, der der Hausfrau Sorgen macht. Denn Rhabarberspeisen wollen gesüßt wer­den, und dieses Süßen kostet Zucker. Aber warum Denn ausgerechnet Zucker? Man kann Rhabarber genau so gut mit Süßstoffbehandeln". Allerdings muß die Sühstoff-Zugabe vorsichtig berechnet und orgfältig abgeschmeckt werden, doch wenn das ge- ingt, schmeckt es ebenso fein, und wem Zucker chadet und vom Arzt verboten ist, der kann sich in dieser Zubereitung des Rhabarberkompotts ganz imb gar schadlos halten. Nicht ratsam ist es dage­gen, die Blatter des Rhabarbers zu verkochen, wie rtwa "alsSpinat". Es gibt zwar Personen, die tiefen Rhabarberspinat ohne üble Folgen verspei- en können, aber wer es tut, geht immerhin ein Risiko ein, denn die Rhabarberblätter enthalten Oxalsäure und dieser Säuregehalt kann zu Gesund­heitsstörungen führen.

Es sind kaum 60 Jahre her, daß in Berlin die ersten Rhabarberstengel auf den Markt kamen, und ehe er nach Süddeutschland gelangte, dauerte es nocf) weitere 20 Jahre. In den Nordsee-Küsten- fiäbten fanb er allerbings schon vor fast hunbert Jahren Liebhaber, namentlich in Hamburg, wohin Die ursprünglich aus Asien stammenbe Pflanze, wie >5 scheint, zuerst einaeführt würbe. Seitdem hat ich bie gärtnerische Kunst bes Rhabarbers ange­nommen unb ihn seiner Verwenbung entsprechenb, ;u einer ausgesprochenen Stengel-Nutzpflanze her- uusgezüchtet. Die prächtigen, saftig-fleischigen, bieten und starkgefärbten Stiele, die uns heute zur Ver- nigung stehen, kannte man vor 30 Jahren jeden-

Der NS.-Rechtswahrerbund, Kreisgruppe Wet­terau in Gießen beschloß seine Vortragsveranstal- tungen bes Winterhalbjahres 1939/40 am gestrigen Donnerstagabenb mit einem Vortrag im Hörsaal bes Kunstwissenschaftlichen Instituts unserer Uni­versität. Der Kreisgruppenführer, Oberstaatsanwalt K n a u ß , konnte neben den Mitgliedern auch eine Reihe von Gästen begrüßen, an deren Spitze als Vertreter des Kreisleiters den Kreisgeschäftsführer der Kreisleitung Wetterau Pg. Weber.

Als Vortragender bes Abends sprach Se. Magni- izenz der Rektor der Universität

Prof. Or. Kranz

in etwa einstündigen fesselnden Darlegungen über das ThemaRassische Blutverluste und Fremdblutbeimischungen im deut sch e n V ol k e". Er gab aus dem sehr weitschichtigen Fra­genkomplex der Rassenforschung interessante Ans­chnitte, bie bas als Thema gestellte Forschungs­gebiet aufschlußreich beleuchteten. Seine Darlegungen zeigten, baß bas deutsche Volk in seiner vielhundert­jährigen Geschichte ungeheure Blutverluste für die Interessen fremder 'Völker gebracht hat, die in ihrer Gesamtheit den Entwicklungsweg der deutschen Rasse in unvorstellbarem Maße benachteiligten.

Schon 400 Jahre vor unserer Zeitrechnung be­sannen diese Blutopfer bes Germanentums, das ich damals für das Reich der alten Römer in weit­gehendem Maße opferte. Von da ab ist bie gleiche Entwicklung immer wieder festzustellen, ob es sich nun um bie Züge der deutschen Kaiser nach Italien, um die Zeit ber Kreuzzüge, des Deutschen Ritter­ordens, des Dreißigjährigen Krieges oder als be­sonders unrühmliches Blatt in der deutschen Ge­schichte um den Verkauf deutscher Soldaten durch ihre Fürsten an fremde Länder in früheren Zeiten handelte. Bei all diesen nur als Beispiele erwähn­ten Erscheinungen hat das deutsche Blut schwerste Einbuße erlitten, denn bei den Kämpfen fremder Mächte für ihre Interessen brachten die deutschen Menschen im Dienste jener Mächte stets die größ­ten Blutopfer. An diesem Opfer bes deutschen Blu­tes haben auch unsere heutigen Feinde England und Frankreich bei ihren Machtkämpfen und Raub­zügen in früheren Jahrhunderten sehr großen An­teil gehabt; es sei nur daran erinnert, daß vor noch nicht tausend Jahren Paris mit Hilfe deutscher Soldaten verteidigt wurde, in ben Heeren ber fran­zösischen Revolution Tausende deutscher Menschen kämpften, unter Napoleons Fahnen mehr als eine halbe Million Deutsche gestorben firtb, Frankreich sein Kolonialreich auch mit deutschem Blut eroberte und behauptete, man denke nur an die Fremden­legion. Aber auch England ließ bei feinen Kriegen in früheren Zeiten immer wieder deutsche Soldaten für sich bluten, so z. B. beim Kampf gegen die amerikanische Unabhängigkeit und bei ben englischen Raubkriegen in Indien, Spanien, Portugal usw. wie auch bei Belle-Alliance und anderen Kämpfen

Zu dieser Einbuße deutschen Blutes auf der Schlachtfeldern fremder Mächte tritt noch der Derluf deutscher Menschen durch die Auswanderung ir früheren Jahrzehnten hinzu, der sich nach den An gaben des Vortragenden in der Zeit von 1820 bi? 1913 allein in der Abgabe an Amerika auf 6,5 Mil lionen deutsche Menschen belief. Durch Auswande rung verlor das deutsche Volk weiterhin wertvoll« Kräfte an die im Osten gelegenen Länder, dener dieser Blutgewinn sehr willkommen war. Allein vor 1919 bis 1928 wanderten rund 750 000 deutsche Men schen aus und gingen dadurch unserem Volke ver loren. Erst seit 1933, durch die Machtübernahme de; Führers, ist dieser Aderlaß des deutschen Bluter unterbunden worden, denn nun wurde die Aus Wanderung gestoppt, und da sich unser Volk seitden in andauerndem Aufstieg befindet, finden nun di deutschen Menschen innerhalb ihres eigenen Volks tums gute Fortkommensmöglichkeiten.

Im zweiten Teil seines Vortrags behandelte Proj Dr. K r a n z in mannigfacher Beleuchtung di Fremdblutbeimischungen im deutschen Volkskörper Er gab hierbei interessanten Aufschluß über das Em

Kaufen und Verkaufen". Stadttheater: 20 bis 22.30 UhrTrockenkursus". Gloria-Palast (Sel­tersweg):Meine Tochter tut das nicht"; Lichtspiel­haus (Bahnhofstraße):Diener lassen bitten"; Per­sönliches Gastspiel russischer KünstlerFeuervogeft.

Stadttheater Gießen.

Am heutigen Freitag wird zum erstenmal das Schi-LustspielTrockenkursus" von Kurt Bortfeld gegeben. Spielleitung: Hans Geißler. Bühnenbild: Karl Löffler. Mitwirkende: Elisabeth Leiprecht, Rose Stirl, Hans Caninenberg, Gert Geiger, Vik­tor von Gschmeidler. Die Vorstellung holt zugleich die ausgefallene 31. Vorstellung der Freitag-Miete nach.

Kinderfreude Kinderlachen

Die Arbeit der Kindergruppe der NS.-Frauenschaft.

Jeden Montag von 14 bis 16 Uhr versammeln sich in der Turnhalle der Goetheschule die 10jährigen der Ortsgruppe Mitte zu fröhlichem Spiel. Schnell ist aus Bänken ein großer Kreis gebildet und nun beginnt ein frohes Spielen unter der geschickten uno umsichtigen Leitung von Frau Beinlich. Da werden Märchen nicht nur erzählt, nein auch ge­spielt und jeder möchte gerne König oder Hand­werker oder Bettler sein. Und welch jubelndes Lachen, wenn beim SpielAlles was Flügel hat, fliegt" die Hände falsch in die Höhe fliegen und dann Pfänder gegeben werden müssen, die dann wieder eingelöst werden.

Aber es gibt auch ernste Augenblicke, so, wenn die Leiterin die Abzeichen verteilt für die, die regel­mäßig die Kindergruppennachmittage besuchen. In einer, dem kindlichen Verständnis angepaßten kleinen Ansprache werden alle ermahnt, unserem Führer stets treu zu bleiben und als seine kleinsten Helfer das Abzeichen stets mit Stolz zu tragen. Dann treten die, die das Abzeichen, ein halbes Haken­kreuz, erhalten sollen, in den Kreis, und wie stolz und glücklich leuchten die Augen, wenn die Leiterin es ihnen an steckt. Zum Abschluß des Nachmittags erheben sich alle, stehen stramm und fingen mit

Ein kämpferischer Dichter.

ZU Walter von Molos 60. Geburtstag am 14. Juni.

Für Walter von Molos dichterisches Schaffen gilt -s in aller Unbedingtheit, die feine geistige Haltung nnmer beftimmt hat: kämpfen für eine -üb e « In einer Zeit, da es nicht gerade viel galt, sich tn einem Werk ganz als Deutscher zu zeigen und dem Volke sein oftmals tragisches Schicksal an großen Gestalten der Geschichte vorzuhalten, bekannte sich Walter von Molo leidenschaftlich zu diesem Deutsch- ein in allen Widersprüchen und Lösungen. Aber gerade diese Leidenschaftlichkeit, die sich zwar nicht mmer von einer gewissen Ueberhitztheit frei zu machen wußte und dem Dichter vielleicht manches >emperamentooll-ungerechte Wort ein gab, hat man Walter von Molo oft zum Vorwurf machen wollen. Daß es zu Unrecht geschehen ist und daß sich man­chen Irrwegen seines Schaffens gegenüber |ein ' ämpferisches Dichtertum als stärker ermies, hat eine weitere Entwicklung gezeigt. .

Der Kriegsfreiwillige von 1914 hat den entschlos­sen Einsatz für sein Volk in seinen spateren We^ en in eine geistige Wirklichkeit umgesetzt, d« sich nicht übersehen läßt. Schließlich wird die Gulttg- 'eit eines Dichters immer danach gemessen, was üt seinem Volke zu geben hat; in tomne JJ1 Walter von Molo ein deutscher Dolksdichter ge­wesen, bevor dieser Begriff überhaupt zu wesentlichen Bedeutung erhoben wurde. Und wte iich das Volk selbst als Wesen immer m feinen «roßen Gestalten, öfter aber noch in den Berkann- en seiner Geschichte wiederfindet, fo gab der Dichter Walter von Molo in den bedeutendsten sEr Lu- Her dem Volke einen Spiegel seines Weser^, ferner Irrtümer, Verfehlungen, aber auch seiner Große m )iie Hand, der von blankem Schliff und schärfst Deutlichkeit war. Temperamentvoll geladen, Anz ins dem Seelischen den Zeichen der Zeit nachspu- end, das Falsche in heftigen Attacken mederrettend ond das Echte mit fanatischem Schwung ms belle Acht rückend, wie ein kühner Fechter im entscheiden- «en Augenblick die Stellung wechselnd und dadurch üie Wirkung des Stoßes erhöhend, wuchs aus ihm *ie Berufung, das glühende Leben oder die Ein­samkeit des Genialen zu erwecken und dem Leser bildhaft darzustellen, zu deuten. -r^dvicks

Ob es nun die Gestalt Schillers oder Friedrichs

des Großen, Luthers, Friedrich Lists, des Prinzen Eugen oder Heinrich von Kleists ist immer wer­den Persönlichkeiten in ihrer Genialität und Größe, ihrer Einsamkeit, ihrer Verkanntheit oder in ihrer leidenschaftlichen Ordnungskraft zu typischen For­men deutschen Wesens in seinen Tiefen und Höhen, gesammelt wie in einem Brennspiegel der Universa­lität deutschen Daseins überhaupt. Diese Werke Molos erheben sich alle, wenn auch der Ton vor allem des Schiller-Romans zuweilen über­hitzt und die Sprache zu breit ist, über das Maß rein biographischer Bücher hinaus. Sie sind Be­kenntnisse und Sichtbarmachungen eines Deutsch­seins, das in dieser entschiedenen Kraft und Trieb­haftigkeit nur einem kämpferischen Menschen und Künstler eigen sein kann.

In seinen Reden, Sprüchen, Novellen und dra­matischen Arbeiten hat er diese Absicht nach der künstlerisch-ästhettschen Seite weiter zu verttefen gesucht, und sein GrenzlandromanHolunder in Polen" gibt dieser Idee von der Ewigkeit des deut­schen Lebens noch einmal bezwingend klaren Aus­druck und faßt den kämpferischen Geist des Dichters Walter von Molo zusammen, wenn es darin heißt: Wenn wir ganz einfach werden, gelangen wir wie­der zu unserem Wesen hinab und können neu an­fangen. Denn wir handeln, ohne Belohnung zu erwarten, nur um des Glaubens willen an die Unbesiegbarkeit des Ewigen." Heinz Rusch.

Friede?

Tßon Walter v. Molo.

An einem schönen ruhigen Mittag ging ich um das Haus herum und bemerkte in einem Blumenbeet, daß die Knospe einer Akeleipflanze zur Erde niederhing. Den langen schlanken Stengel hatte der Wind geknickt. Ich hockte mich nieder und begann die Bruchstelle mit einem Strohhalm zuschienen". Dabei müssen die Finger vorsichtig sein, denn Bast, Strohhalm und Akeleienstengel sind zart, und die Menschenhände sind plump. Ich arbeitete sorgsam in der hohen Stille, die mich umgab/ und gewahrte nach einiger Zeit, daß sich unter den ankeimenden Stauden in meiner Nähe eine schöne tupferbraune Eidechse heranschlän­gelte und nahe von mir, den sie für irgendeinen leb­losen Gegenstand hielt, zu sonnen begann. Das Tier­lein schloß in der Wärme der Sonne, von der es sich bescheinen ließ, wohlig die kleinen schwarzen Augen.

Bienen umsummten mich, eine Hummel brummte, vorüber; bald ließ eine, bald eine andere Fliege sich auf den Blättern des werdenden Eisenhutes nieder. Fern krächzten die Krähen; sonst tiefe Ruhe und fünfter Frühlingssonnenschein. Das Eidechslein schlief und atmete behaglich. Seitwärts im aufge­lockerten Erdreich arbeitete sich ein Regenwurm nach oben, streckte den Kopf heraus und zog ihn eilig zurück, verschwand; er hatte die Gefahren der Erd­oberfläche erkannt; auf einer nahen Lärche saß eine Amsel mit einem aus seiner Kameradschaft im Schnabel. Vogelschatten glitten über mich, von jagen­den Schwalben.

Im blühenden Fliederstrauch quakte ein Frosch. Er verstummte verblüfft, eine vorüberflitzende Schwalbe hatte ihm ein Insekt vor seiner stumpfen Nase weggefangen.

Als ich mit meiner Arbeit zu Ende war, sah mein Blick neben der geretteten Akeleienblüte im Erdreich etwas Zierliches, Kleines liegen, auf dem Ameisen enttäuscht herumeilten. Ich hob es auf es war das spröde Krällchen eines Singvogels, der im Vorjahre ober im Winter zugrundegegangen war. Auch kleine Schnecken waren da, mit ihren schützenden Gehäusen aus dem gleichen Material wie das großmächtige Wettersteingebirge in meinem Rücken, gefaßter und sich zäh bewegender Urschleim mit Augen. Don ihren gewaltigeren Ahnen habe ich manche versteint ober in hartgeworbenem Schiefer abgeprägt unter ber Erbe gefunben.

Die Eibechse erwachte unb schoß baoon; ich sah mich um. Nahe ftanb eine Krähe unb betrachtete mich mißbilligend; es ist nicht vornehm, dem Mitgeschöpf bie Erbeutung seiner Nahrung zu erschweren, bachte sie. Das war ihrer zurechtweisenben Haltung ab­zulesen.

Auf ber Wiese lag ein neuer Maulwurfhaufen aufgewühlt; ber schwarze pelzige Kerl arbeitete fleißig, bie Engerlinge unb was er sonst unter ber Erbe fanb, zu verzehren; er veranstaltete schon roieber ein anberes privates kleines Erbbeben. Die eine ber Pappeln war armselig zurückgeblieben, bie Wühlmäuse hatten ihre Wurzeln angefressen.

Längs ber Hauswanb mit ben Schlinggewächsen sah ich empor zum verlassenen Meisennest vom Vor­jahre.

Friede?

Es ist ununterbrochenes Kämpfen über und unter der Erde,